[Sidenote: _Die Mineraldampfbäder_]

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam aus Italien eine zweite neue

Gebrauchsart der Mineralbäder nach Deutschland, die Verwendung als

Stufe, auf Deutsch als Dampfbad, direkt über oder in unmittelbarer

Nähe der Quelle. Nach ~Bauhin~ hatte man in Italien drei Hauptarten in

Gebrauch. Die Dämpfe wurden entweder über der Quelle aufgefangen und

durch einen engen Gang in ein kleines Haus geführt, oder man schwitzte

in Höhlen, unter denen sich „feurige Hitze“ befand, und die nach Art

der Badestuben aufsteigende Bänke hatten, oder man steckte nur einzelne

Glieder in kleine Höhlen. ~Bauhin~ schlug für das Boller Bad vor, die

Kessel und Deckel so zuzurüsten, daß das Wasser, welches heraustropfte,

zum Trinken könne aufgefangen werden und die Dünste durch Kanäle,

welche man vor die Löcher gestellt, in das über dem Kessel gelegene

Kämmerlein aufsteigen konnten. In dieser Kammer sollten Häußlein mit

krummen Teucheln an die Kanäle angeschlossen werden, wo der Kranke

auf einem hölzernen durchlöcherten Brette saß und der Kopf sich

außerhalb des Häuschens befand, also ein Schwitzkasten, wie er schon

beschrieben wurde. Ein derartiges Schweißbad befand sich bereits beim

Bad zu Plombières, und ~Bauhin~ schlug vor, dort mehrere zu errichten,

ebenso zu Baden-Baden und zu Baden in der Schweiz[331]. In Baden-Baden

wollte man aber davon nichts wissen. ~Hess~ nahm 1606 an, ein solches

Dampfbad müsse über der Quelle liegen, wodurch das Badewasser durch

abrinnenden Schweiß verunreinigt würde, außerdem könne man das Gewölbe

des Hauptquells nicht zerstören[362]. Vornehme Männer und Ärzte

verlangten „schweiß- oder schwadembäder“ für Aachen und Burtscheid,

und ~Blondel~ schlug 1688 den in Abb. 134 wiedergegebenen Kasten für

das Kaisersbad an der Stelle, wo das überflüssige Wasser ablief, vor.

Eine Art aufsteigende Dampfdusche im St. Cornelius- und im Rosenbade

bildet ~Blondel~ ab (Abb. 133 links), beschreibt sie aber nicht[409].

Dampfkästen für den ganzen und halben Köper und Dampfduschen für

einzelne Glieder finden sich im 18. Jahrhundert in mehreren Schriften

über Aachen angegeben (Abb. 135)[263][410]. 1768 sagt ~Zückert~, daß

die mineralischen Dampfbäder nur bei den schwefelhaltigen Thermen

angebracht seien, die übrigen hätten vor dem gewöhnlichen Dampfbade

keinen Vorzug[343]. In Karlsbad wurde 1794 ein kleines Dampfbad gegen

den Sprudel hin errichtet, das 1825 unter Weglassung der Wasserbäder

zu einer größeren Dampfbadeanstalt mit mehreren Kästen über der

Hygieensquelle umgestaltet wurde. Die Erbauung geschah unter Leitung

eines Dr. ~Jean de Caro~, der sie 1829 beschrieb[347].

[Illustration: Abb. 135. Bilder aus Aachen von 1827. _a_ Die Art,

wie man das warme Wasser auf die schwachen Glieder fließen läßt. _b_

Trockenbad oder auf was für Art man den Dampf von dem Wasser auf die

kranken Glieder bringt. _c_ Gebrauch des trockenen oder Dampfbades. _d_

Das halbe Dunstbad. _e_ Das halbe Wasserbad. Kupfer aus: ~Blondel~,

Beschryving van de Stad Aken. Leiden, 1727.]

[Illustration: Abb. 136. Dampfbad zu Baden im Aargau. Kupfer aus dem:

~Neujahrsgeschenk~ der Gesellschaft zum schwarzen Garten. Zürich, 1827.]

In einen neuen Entwicklungsabschnitt traten die Dampfbäder mit dem

Auftreten des bayerischen Legationsrates ~Carl von Gimbernat~. Seine

Vorstudien machte er in Aix in Savoyen, 1823 kam er nach Baden in der

Schweiz, wo er in aller Stille seine Untersuchungen begann. Er glaubte

schon in Aix eine organische Substanz, gebildet durch die elastische

Flüssigkeit dieser Quelle, gefunden zu haben, die viel Gleichheit mit

der tierischen Substanz und alle negativen Eigenschaften von Azot

(Stickstoff) haben solle, dessen Gegenwart sich ihm im Gas der Quelle

anzeige. Nach ihm verlor sich wegen unzweckmäßiger Einrichtungen der

Behälter, der Quellen, der Wasserleitungen die Haupttugend dieser

elastischen Flüssigkeit so sehr, daß Gas und Schwefel nur in sehr

unbedeutender Menge zu den Bädern und Brunnen gelange. Die Eigentümer

der großen Bäder gingen auf Versuche ~Gimbernat~s nicht ein, die er

dann in den kleinen anstellte. 1824 legte er der Stadt Baden, nachdem

er von der aargauischen Regierung die Zusicherung zur Unterstützung

seiner Pläne erhalten hatte, eine Zuschrift vor, in der er unter

anderem zeigte, daß der größte Teil der elastischen Flüssigkeiten,

die sich aus den Thermalquellen entwickeln, ein dem Azot (Stickstoff)

entsprechendes Gas sei, dem er den Namen tierischer Thermalstoff gab,

daß dieses Schwefelgas sich sehr schnell zersetze und fast weder Gas

noch Schwefel zu den Wassersammlern gelange, was für die Kranken ein

großer Verlust sei, indem ihnen von der Kraft dieser Schwefelbäder

und des Gases, das hier die Natur in großer Menge diesen Heilquellen

mitteile, nichts zugute komme. Er wollte ein großes Vaporarium über

dem Verenabade errichten und bei Erfolgen die Badebesitzer zur

Errichtung ähnlicher Anstalten ermuntern. Am 3. Juli wurde der erste

Dampfkasten über dem Verenabade errichtet. ~Gimbernat~ erhielt nach

England und Frankreich ehrenvolle Einladungen, blieb aber in Baden und

verlangte vom Stadtrate auch eine Abkühlungsanstalt (Tepidarium), weil

das allzuschnelle Aussetzen des gebadeten Körpers an die freie Luft

gerade in dem Maße schädlich sei, als die Gasbäder bei dem Gebrauch

eines Tepidarii nützen könnten. Seine Wünsche erregten den Unwillen

der Bevölkerung. Als die Regierung vorschlug, ihm als Wohltäter der

Menschheit das Bürgerrecht zu schenken, erklärte sich die Bürgerschaft

damit nicht einverstanden. Zwar empfahl die Sanitätskommission die

Errichtung von Thermalbädern und Tepidarien in den Bädern, statt der

Ausführung nahm man aber die Einrichtung im Verenabade 1825 weg.

~Gimbernat~ protestierte bei der Regierung, das Dampfbad wurde wieder

hergestellt. Auch in den Höfen und dem Wirtshaus zum Bär entstanden

nun Einrichtungen (Abb. 136), weil viele Kranke in die kleinen Bäder

gingen.

Das Haupthindernis seitens der Bäderbesitzer bei der Errichtung von

Dampfbädern lag darin, daß ~Gimbernat~ darauf bestand, sie müßten

direkt über der Quelle angelegt werden. Schinznach, das nur eine

einzige Bade- und Trinkquelle besaß und nur einen Kessel, dessen

Wasser zu den Bädern nicht entbehrt werden konnte, der zugleich als

Dampfbad diente, mußte wegen Beschwerde der Badegäste die Anstalt bald

eingehen lassen, die nicht in einem verunreinigten Badewasser sitzen

wollten[353]. 1817 errichtete man auch zu Baden-Baden drei Dampfbäder

über dem an mehreren Stellen durchbohrten Gewölbe der Ursprungsquelle.

Im folgenden Jahre wurde auch im Badgasthause zum Baldreith ein

Dampfbad errichtet, und 1819 kam eine große Dampfbadeanstalt an

der Ursprungsstelle zustande, in deren zweitem und drittem Stock

sich vierzehn Badekabinette befanden. In den meisten gab es ganze

Dampfbäder, außerdem halbe, Fuß-, Arm-, Schulter-, Hüft-, Nacken-,

Ohren-, Mund- und Augendampfbäder, auch Vorrichtungen zum Einatmen des

Dampfes[370]. Auch die Errichtung der Dampfbäder in Baden-Baden suchte

~Gimbernat~ zu beeinflussen. Wildbad hatte 1832 keine Dampfbadeanstalt,

seine Temperatur eignete sich nicht dazu[325]. Ihre Errichtung war

schließlich aus praktischen Gründen auf die höher temperierten Bäder

beschränkt.

Bemerkt muß noch werden, daß nur der Gedanke, besondere Vorrichtungen

für Mineraldampfbäder zu errichten, italienischen Ursprungs ist. Die

Dämpfe selbst wurden in Deutschland schon früher verwendet. ~Ryff~

schlug z.❆B. vor, gegen Wassersucht den ganzen Körper mit Badleim

(dem Niederschlag der Mineralbäder) zu bestreichen und über die

Dämpfe, nicht im Wasser zu halten, später den Leim mit dem Wasser

abzuwaschen[48]. Von Pfäfers wurde sowohl vom alten Bade (Abb. 130),

als auch vom neuen (dessen Fenster nicht zu öffnen waren) (Abb. 131)

gesagt, daß die Badenden mit dem Oberkörper gleichsam in einem Dampfbad

säßen, und ~Fabricius Hildanus~ sah darin 1610 ein hervorragendes

Heilmittel, weswegen er auf eine Anfrage hin angab, das Baden in Wannen

mit Pfäferser Wasser außerhalb des Bades selbst habe nur wenig Wirkung,

weil da der Dampf wegfalle[22]. In Baden (Schweiz) empfahl schon

~Conrad Gessner~ zur Stärkung der Glieder, diese über das heiße Wasser

zu halten[94], und ~Pansa~ erwähnt 1609 in Karlsbad das Bähen der

Glieder vor dem Bad über warmem Wasser in einem Fasse, das oben bedeckt

sein solle, wie man die Schweißbäder anzurichten pflegt[350].

[Sidenote: _Pantaleons Bericht über Baden im Aargau von 1578_]

Eine sehr eingehende Schilderung des Badelebens im 16. Jahrhundert gibt

der Baseler Professor ~Pantaleon~ von Baden in der Schweiz im Jahre

1578[35]. Die einzelnen Bäder und die dortigen Gebräuche beschreibt er

wie folgt:

VON DEM FREYEN BAD

Das freye Bad, so auch das Burgerbad genennet, ist vnder dem heiteren

himmel, zwischen den Herberigen auff einem zimlichen besetzten platz

gelegen. Es ist 30 schuh lang vnd 24 schuh breit, also das vber die

hundert menschen zu mal darinnen baden mögen. Es ist auch zuring

herumb mit steinen blatten besetzet, vnd mancherley sitz darinnen

geordnet. Hiemit ist auch ein eck vnd viertetheil deß Bads durch ein

höltzenen gatter vnderschlagen, vnd für die Weiber geordnet. Weil

aber offt die gemeinen Weiber dahin kommen, pflegen sich andere in

dem größeren Bad zuenthalten. Es lauffet ein großer Brunnen in diß

Bad von deß großen stein ersten quell vnd vrsprung. Demnach auch ein

kleinere rören in das vergättert Frawenbad, von dem viertheil dises

quell so gegen der Herberig zu dem Blumen gerichtet. Dises wirt alle

freytag abgelassen vnd sauber geweschen, man laßt auch bald das

wasser starck hinein lauffen, also das dises in sieben stunden wider

erfüllet. Dann man darff disem Bad kein mangel an wasser lassen, vnd

müssen etwann andere mangeln, biß dises erfült ist. In disem Bad

darff jederman frembd vnd heimisch vmbsonst baden, vnd sein ergetzung

lang oder kurtz da haben. Fürnemlich kompt an Sambstagen das Volck

von der Statt vnd ab dem Land mit hauffen daher, vnd begert Weib vnd

Mann sein kurtzweil zu haben, vnd hüpsch zu werden. Hie ist sich aber

hoch zu verwundern das man das schräpffen dermassen mißbrauchet, dann

es will jederman schräpffen, vnnd vermeinen mehrtheils sie haben nit

gebadet wann sie nit voll hörnlin wie ein Igel hangen. So jnen doch

offt vil nützer das blut zu jnen zukauffen ... Es were auch besser

wann regenwetter vorhanden, man sesse nit in das bad: dann ob wol dz

bad halb bedecket, vnd man sich an den schirm thun mag, verleuret

doch das Bad durch deß regenwassers vermischung sein qualitet vnd

eigenschafft. Deßhalben keinem zu rahten das er sein gantze Badenfart

darinnen vollbringen solle, dieweil nicht alle zeit das wätter

bestendig sein mag. Dises solle man auch von S. Verena bad verstehn.

Es ist ein Badermeister oder Scherer vber dises verordnet, welcher

der Knaben vnzucht stillen, vnd gute ordnung darinnen erhalten solle.

Diser hat etwann zwen, drey oder vier Diener, welche doch alle mit

schräpffen gnug zuschaffen, also das ein parthey offt der andern

kümerlich mag platz geben. Deßhalben auch offt das bad dermassen

geferbet, als wann man in dem blut badet. Diser hat es von der Statt

zu einem Lehen entpfangen, verdienet vil gelt, vnd muß auß disem Bad

vnd seiner behausung järlich 40 Gulden erlegen.

VON SANCT VERENABAD

Dises Bad ligt auch vnder dem Himmel auf der anderen seiten deß

grossen platz, in gleicher form wie das freye bad mit steinen vnd

mauren eingefasset, es ist 34 schuh lang vnd 20 breit. Es baden

mehrtheils arme prästhaffte leut darinnen. Daher es auch S. Verenabad

genennet. Dann dise heilige Fraw ist mit sampt S. Mauritio vnd dem

Christenlichen hauffen vnder den Heydnischen Keysern Diocletiano,

Maxentio vnd Maximino vmb das 300 jare nach Christi geburt, als

jhrer ordenlichen Oberkeit hilff zu beweisen, auß Affrica in der

Heluetier land kommen: wie auch die Thebanische Legion zu Martinach

in Wallis als bestendige Christen grausam gemartert, vnd etliche auß

jnen als S. Felix, Regula, Vrsus vnd andere Weib vnd Mannspersonen

mehr biß an die Aar vnd Limmat entronen, auch letstlich durch die

Keyserliche Landtuögt hingericht, hat S. Verena in disem Bad den

armen gedienet, jhr gut jnen reichlich mitgetheilet, vnnd sie den

Christen glauben gelehrt, biß sie zu letst auch abgethon worden. Dise

ligt nicht weit von disem Bad zu Zurzach begraben, da auch ein reiche

gestifft vorhanden. In disem bad entspringet der ander quall gantz

reichlich herfür, vnd zeigen sich vil bläterlin als wann ein hafen

auffquallet. Es ist aber hie ein abergleubischer wohn vorhanden.

Dann es vermeinen hie jren vil, wann ein vnfruchtbare Fraw darinnen

bade, vnd ein fuß in dz loch stosse, da dz wasser herfür quillet, es

werde S. Verena bey Gott erwerben dz sie fruchtbar werde. Deßhalben

sich auch begibt, wann das bad sauber abgelossen vnnd geweschen,

welches dann zweymalen in der wochen beschicht am Mittwochen vnnd

Sambstag, das vil schöner reicher Frawen mit guldinen Ketten bezieret

sich darein setzen, den fuß hinein stossen, jr gebett vollbringen,

vnnd den armen jr allmusen mittheilen. Es begibt sich auch offt das

sie bald hernach schwanger werden. Man findet wol etliche so da

vermeinen es helffen auch etwann die starcken Bettler darzu, welcher

vil darinnen vorhanden. Man thut aber den ehrlichen Frawen vnrecht:

dann wann sie darinnen baden, ist heiterer häller tag etwann zwo

stund vor dem jmbiß mal, vnd stehn vil leut vmb das bad so jnen

zulugen. Ich weiß aber ein bessere vrsach. Namlich das dises bad

art vnd eigenschafft ist die Bermuter außzutrücknen vnd zu erwermen

also das sie geschickter wirt zu entpfahen. Also muß ein jeder Acker

bereitet werden, so den samen entpfahen, vnd hernach frucht bringen

solle. Weil auch in disem bad das wasser nit oben herab durch die

Kenel fallet, sonder von vnden auff quillet, wirt die muter vil

krefftiger erwermet, so man ein stund bey dem loch sitzet, dann wann

man sonst ein gantzen tag im anderen wasser sesse ....

So vil aber die armen leut belanget kommen offt vorab im Meyen

etliche hundert dahin zusamen. Sie müssen aber vorhin vmb ein

Herberig lugen damit sie jr heimwesen haben vnd nit dörffen auff der

gassen ligen, wie dann zwo oder drey zunechst bey dem bade vorhanden.

Dise werden durch fromer leuten allmusen teglichen erhalten. Es

setzen die armen jre schüsseln zuring vmb das bad auff die mauren,

vnd bleiben sie im bad sitzen, darff auch keiner die seine anzeigen.

Dann legt man Gelt, Brot, Wein, Suppen, Fleisch, oder anders in die

Schüsseln, vnd weißt niemand welchem dise zu gehörig. Wann auch

etwann große heuffen herzugetragen, theilet der Wechter, so sein

Heußlin an dem Bad hat, dises ordentlichen auß, vnd ermanet dise

zubetten vnd sich danckbar zu erzeigen. Demnach geht ein jeder

herfür, vnd nimpt wz in seiner schüsseln ist. Weil aber hie offt

vnder den frommen sich auch vil böser bůben vnd seck einmischen so

nicht wercken mögen, sonder andern dörfftigen das Brot vor dem maul

abschneiden, were notwendig vnd nutzlich wann ein jeder armer, so

sich deß allmusen behelffen wille, ein schein von jrer Oberkeit

brechten, das sie dises nottürfftig vnd dz allmusen an jnen wol

angelegt were. Es wurden sich hiemit vil böser Buben schemmen, vnd

einem biderman wercken müssen, welche sonst deß müssiggangs gewohnen,

vnd in vil böse laster, als stälen vnd mörden gerahten. Es hat sich

im 1571 jar zugetragen, das ein Vatter Heine Eyselin vnd der Sohn

Lude genennet, mit der Muter daselbst gebadet, auch etwann öpffel vnd

byren auß den Dörffern zugetragen vnd da verkauffet. Wann aber dise

vermercket, das etwann schlechte leut auß dem Bad wöllen heimziehen,

haben sie an kommlichen orhten auff sie gewartet, vnnd dise ermördet

vnnd vmbgebracht: dise seind hernach zu Bruck gefangen worden,

vnnd hat sich der Vatter nach bekannter schuld inn der gefengknuß

selbs erhencket, der Sohn warde auff das Rad gelegt, vnd die Muter

ertrencket. Wann sie hetten ein schein von jrer Oberkeit sollen

bringen, wurden sie disen nicht bald erlanget haben. Dann ob sie wol

sich einer kranckheit angenommen, ware es doch nur ein erdichteter

handel, vnd mochten wol wercken. Ich hette jnen dises nicht

vertrawet. Dann sie seind lang auch zu Basel gewesen, vnnd haben mir

offt in Reben vmb ein Taglon gewercket.

Wann die armen etwas vnzucht begehn, werden sie von dem Wächter

gestraffet vnnd in das taubheußlin gesetzet, so vnden zu dem

Schlüssel steht. Wann auch jr Badenfart nach einem Monat vollendet,

manet er dise ab, vnnd heisset die je nach gelegenheit deß prästen

hinweg ziehen, damit ander leut mögen platz haben. Sie müssen jm auch

bey schwerer straff gehorsamen.

VON DEM STADHOF

Der Stadhof, so auch der vordere Hof genennt, vnd an der Limmat

gestad gelegen, ist ein grosse lustige Herberig, so mit vil schönen

stuben, sälen vnd gemachen bezieret. Daselbst seind zwo grosser

Kuchen vorhanden. Die eine gehöret dem Herren wirt zu, auß welcher

er die Gest mit ordenlichen malen, oder mit dem pfennwert noch eines

jeden gelegenheit speisset. Die andere hat ein besonderen Koch für

alle dise so selbs einkauffen, vnd jre speiß nach gefallen zu Kochen

begeren. Dann es ist solches einem jeden zugelassen. In disem Hof

seind acht lustige Beder vnder welchen fünffe gemein: vnnd die

vberigen drey werden sonderbaren personen vmb ein bestimpt Gelt zu

jeder wochen mit sampt den ordenlichen gemachen, verliehen.

Das erst ist das Herrenbad, in welchem Edel vnd Vnedel, Geistlich

vnd Weltlich, Jung vnd Alt Mannspersonen von den Catholischen oder

Euangelischen ohne alles disputieren vnd zancken, gantz freundtlich

nach vnd nach zusammen kommen, vngefahr bey 20. Es ist 15 schuh lang,

vnd 13 schuh breit. Diser wirt durch den ersten quall so vor dem Hof

bey dem grossen stein vorhanden, mit sampt dem Frawenbad, vnd den

vndern dreyen sonderbaren Bedern zubereitet vnd gewermet. Man mag

auch dises heiß, warm, oder law machen, nach dem man den zapffen

außzeuhet, darzu vil oder wenig lauffen lasset. Dises ist fast dem

Hof eben, vnnd mag man also sitzende hinauß durch die thüren in Hof

sehen, vnd mancherley Volck besichtigen. Welcher in dises Bad will,

gibt zu einzug zwen doppelfierer, oder ein angster vnd drey Creutzer.

Demnach geben sie alle morgens vmb sechs vhr die suppen (Abb. 87),

ordenlich nach einander, etwann einer vil der ander wenig, nach dem

ein jeder will gesehen sein. Ob wol auch zu vil essen vnd trincken in

dem Bad nicht nutz, begibt sich doch offt das jren vil, so vmb drey

oder vier vhren in das Bad sitzen, eines süpplin notwendig, vnd nicht

lenger mögen one trincken sein. Doch were gut das hierinn ein ordnung

gemacht, vnd das auff ein Person nicht vber ein halb maß weins

gegeben wurde: solches brechte dem Bad einen besseren nammen, vnd

dörffte man nit offentlich schreiben vnnd in truck lassen kommen, es

were der Schlemmer Bad, vnnd wurde hie die volle Mette gesungen. Dann

es mögen der Badergesellen der sach nach jrem gefallen mit einander

eins werden. Wann man die Suppen gar abstellen, wurde meniglich arm

vnd reich darinnen Baden, vnnd das Bad mit personen vberfüllet sein,

das man sich nicht wol geregen möchte. Man bettet vor vnd nach der

morgensuppen vnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt,

damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem

bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet,

setzet jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle

morgen zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen. Doch lasset man am

Sontag vnd grossen Feyrtagen die gemeine Suppen vnnd gesang anstehn.

[Illustration: Abb. 137. Badgericht in der zweiten Hälfte des 16.

Jahrhunderts. Holzschnitt aus: ~Münster~, Cosmographey. Basel, 1598.]

In disem bad wirt ein Schultheiß erwelet mit mehrer hand der

Badergesellen, deßgleichen ein Statthalter, Seckelmeister, Caplan,

Schreiber, Großweybel, Kalthanß, Scherg und Nachrichter, so nach der

suppen das gericht (Abb. 137) besitzen, vnnd die vnzucht, so daselbst

vnd in allen Bedern dises Hofs begangen, wol straffen vnd abstellen

mögen. Es muß auch ein jeder Badergesell dem Schultheissen mit der

lincken hand an den Stab geloben jme zu gehorsamen. Was für bussen

fallen, geben sie den armen oder vmb Wein, oder verzehren es mit

einandern. Also geht jnen der morgen mit kurtzweil hinweg. Wann auch

jemand außgebadet, nimpt er freundlich vrlaub vnd gibt sein ehrlich

letze[E].

Das ander ist das Frawenbad, in welchem allerley ehren Frawen vnnd

Jungfrawen zusammen kommen, mehrtheils bey 30. Es ist 16 schuh lang,

vnd 10 schuh breit. Dises bekommet auch sein wasser von der ersten

quell so vnder dem grossen stein vor dem Hof entspringet, vnnd

wirt durch Kenel hinein geleitet, vnd durch den lauffenden zapffen

gemindert oder gemehret. In disem haben die Frawen auch alle tag nach

ordnung jr Wirtin, haben ein fröliche suppen, dancken derselbigen,

vnd machen dann ein andere mit einem Krantz vnd frölichen gesang,

wie in dem Herrenbad. Sie haben auch ein besondere Seckelmeisterin,

welche jhr gelt vnd letzin in seckel entpfahet, das sie auch mit

einandern freundtlich verzehren. Wann aber etwas vngeschickt vnnd

straffwürdig bey jhnen fürgeht, zeigen sie es dem Schultheissen vnd

gericht im Herren Bad an, damit darüber etwas nach altem gebrauch

erkennet werde.

Das dritte ist der Kessel, so 18 schuh lang vnd 15 breit. In disen

kompt allerley Volck, Weyb vnnd Mann, bey den 50 Personen zusammen,

seind züchtig vnd freundtlich beyeinandern, vnd isset ein jeder was

jm gefalt, vnd wz es vermag. Doch seind sie auch deß Herren bads

gericht vnderworffen. Es mag auch ein jeder auß dem Herren oder

Frawen bad etwann in Kessel gehn, sich wol zu erwermen. Hergegen

dörffen aber dise nicht in dieselbigen gehn, sie machen sich dann

der suppen theilhafftig. Dises ist ein wunderbar gut vnnd krefftiges

Bad, welches von vnden her gantz reichlich herfür quillet, vnd

dasselbig Bad krefftig erwermet. Der Kessel haltet obenher im zirckel

20 spannen vmbsich, vnnd wann ein Mann auff dem jnneren gattern

steht, so ob dem Brunnquell ist, geht er einem biß an die brust. Es

hat dises bad ein nutzliche würckung vnd werden offt contracte vnd

lame hinein getragen, welche bald hernach frisch vnd gerad selbs

wider herauß gehn, wie in dem 1577 jar einem Frewlin von Waltzhůt

beschehen, welche sich nit vberessen, vnd mit ordnung gebadet. Ich

raht auch insonderheit den Weibern, so etwas mangel an der Bermuter

befinden oder vnfruchtbar seind, dz sie sich offt zu disem Kessel

setzen, vnd die füß hinein hencken, so werden sie gewißlich jr

Badenfart wol anlegen, vnd nicht begeren den Badkosten wider in

dem Seckel zu haben, wie ich solches von vil ehrlichen Weib vnd

Mannspersonen gehöret, so nicht zustreng, sonder ordenlich gebadet,

wie wir hernach wöllen anzeigen.

Das vierdte ist neben dem Kessel, vnd wirt von demselbigen auch

erwermet. Doch ist es nicht also heiß, wie der Kessel, weil er durch

den Bogen lauffet, vnd in dem vberschlagen etwas kelter wirt. Darumb

solle man erstlich in dises, vnd vber ein stund oder zwo in den

Kessel sitzen. Es ist 16 schuh lang vnd 13 breit. Dahin kommen auch

Weib vnd Mann jung vnd alt bey 40 etwann zusammen.

Das fünffte ist neben der Frawen bad, vnd bekompt sein wasser auch

auß vorgemeltem Kessel, vnd lasset die hitz durch das ablauffen auch

etwas nach. Es ist fast in der Frawen bad größe, vnd kommen allerley

personen, wie in vorgemeldtem, bey den 40 dahin zusammen. Wann aber

der Frawen Bad mit personen gar erfüllet, so müssen alle andere

personen weichen, vnd nemmen es die Frawen, so die suppen geben, auch

für sich ein. Dise Beder werden alle nacht sauber geweschen, vnd ist

man nicht anders, weder dem Badwäscher, alle wuchen ein Creutzer

schuldig.

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 34 / 53 段