[A] Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auch die nachmittelalterliche

Zeit einiger Mineralbäder hier gleich besprochen worden.

[B] Die Unterschrift lautet: „Die fissirung Jst nit die recht groß

sunder Ein meinung dor vonn man muß den prunnen vnd Berckwerck nach

machenn Bey maister pancraz findt man wol aller ley gattung dor zue

nur das man dor noch fein zusamen richt vnd ordennir.“ ~Konrad Lange~

identifiziert den Meister Pancraz mit Pancraz Labenwolf und nennt

die Zeichnung den „Entwurf zu einer bronzenen Brunnenverzierung,

die offenbar bestimmt war, in der Werkstatt Labenwolfs ausgeführt

zu werden“. Diese Mitteilung verdanke ich der Generalverwaltung der

königlichen Museen in Berlin durch Herrn von Loga. Von ~Pancraz

Labenwolf~ († 1563) stammen in Nürnberg der Gänsemännchenbrunnen und

der Brunnen im alten Hofe des Rathauses.

[C] Omnes de circo, de theatro, de stadio, et omnibus locis et

balneis, meretrices collegit in aedes publicas, et apud eas concionem

habuit quasi militarem, dicens eas commilitones, disputavitque de

generibus schematum et voluptatum. Ael. Lampr. Heliogab. 25. in

Script. Hist. Aug. (Lips. 1774) p. 194.

[D] Verenda et nates, sagt der geistliche Begleiter eines Papstes auf

ein Conzilium ohne alle Umstände.

[E] Von ~Pantaleon~ wird sie 1578 nicht erwähnt[35]. ~Hess~, der

sie genau untersuchte, verlegt ihre Entstehung in die erste Hälfte

des Mittelalters. Die Heilige war mit Laugenkrug und Strehl (Kamm)

dargestellt[315]. So findet sie sich schon auf einem Bild in der

Klosterkirche zu Kappel aus dem 14. Jahrhundert[345]. Durch diese

Attribute hat sie in der Volkssage vieles gemeinsam mit Frau Holle.

Stäfa am Zürichsee führt ihr Bild, auch mit Krug und Kamm, heute

noch im Wappen. Hier soll die Heilige der Legende nach den Armen

viel Gutes getan und den grindigen Kindern die Köpfe gereinigt und

gekämmt haben. Sie heißt heute noch „Vreneli mit dem Strehl“. Ihr

waren in der Gegend zwei Kapellen geweiht, von denen uns die eine

„in den Wannen“ auf der Berghöhe gegen Ötweil zu interessiert. Sie

lag bei den Quellen des Wannenbades, von welchen noch kurz vor 1818

Überbleibsel zu sehen waren[315]. Dies war einst weit berühmt. 1538

besaß Peter Wysling von Ötweil „zu Eigen das Kilchli mit sammt dem

Bad genannt in der Wannen“. Das Kirchlein führte den Namen „zur

heiligen Jungfrau zur Wannen“[86]. Gegen 1768 wurde das Bad nach

längerem Nichtgebrauche wieder eröffnet[419] und blieb bis in die

siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts in Benutzung. Später leitete man

das Wasser tausend Fuß weiter in die Krone zu Oberhausen, die 1842

einging[86]. In der Krone wohnte ~Goethe~ während seines Aufenthaltes

in Stäfa.

[F] In einem Fastnachtsspiele heißt es:

„Ich han dich wol in großen eeren gsehen,

Es ist iez by siben jaren bschehen,

Zuo Zurzach an dem huorendanz:

Darumb so treist du wol ein kranz;

Dann da warend mee dann hundert huoren,

(D)ie do all am danz da umbher fuoren;

(Do) hast du da den gulden gwunnen,

(Den) man der hüpschisten solt gunnen,

(Den) der vogt von Baden gibt denn zmal

(Der) hüpschisten in der huorenzal,

Die denn zuo mal uff der Wißmatten sind“[12].

[G] ~Lersch~[70] gibt die Zahl der Kurgäste 1480, als Markgraf

Christoph dort badete, auf dreitausend an. Wie aus einer späteren

Stelle bei ihm hervorgeht, liegt eine Verwechslung mit Baden-Baden

vor.

[H] Die Ausschlagkur in Karlsbad wich überhaupt von der in anderen

Orten ab. Nach Dr. ~Fabian Summer~ (1571)[347] biß das +laue+ Bad

die Haut auf, das +warme+ heilte sie zu. In ersterem wurde bei

täglichem Zunehmen mit der Badezeit bis zu zehn oder zwölf Stunden

gestiegen. War die Haut aufgebissen, schlug ~Summer~ vor, einige

Tage mehrmals eine Stunde lang in wenig wärmerem Wasser zu baden,

so lange die Haut offen sei, darauf mit der Temperatur, aber auch

wieder mit der Badezeit zu steigen, bis die Haut „widerumb zusammen

wachse, gantz vnd fest möge werden“. Wie weit es sich um wirklich

bestehenden Gebrauch oder um Vorschläge ~Summer~s handelt, läßt sich

nicht entscheiden. Jedenfalls ist ~Summer~ im Irrtum, wenn er glaubt,

die Ausschlagkur sei eine „gewonheit“ nur Karlsbads gewesen, ja

sie erscheint nach seinen Auseinandersetzungen dort nicht als eine

allgemein geübte Badeart, sondern mehr als eine Ausnahme, zu der

namentlich die „Creusin-Quelle“ benutzt wurde, die deshalb den Namen

„Fresser“ erhalten hatte. Als der Nürnberger Kaufmann Paumgarten 1591

in Karlsbad über vierzehn Maß Wasser getrunken hatte, wollte der

Doktor, er solle alle Tage zweimal und je ein und eine halbe Stunde

(!) nicht über dem Nabel im Wasser sitzen[248].

[I] Ausbaden heißt auch die Badezeit eines Tages oder auch die ganze

Kur beenden.

[J] ~Wetzler~ berichtet 1819, daß er zu Baden (Schweiz) vergeblich

Ausschlag baden wollte[370].

[K] ~Rem~ badete aber im Wildbad 1525 und 1529 bei jeder

Kur hundertsiebenundsiebzig, 1521 in genau vier Wochen

hundertzweiundsechzig Stunden[265].

[L] Die Bruoch war ein Kleidungsstück, das mit den Hosen, unseren

heutigen Hosenbeinen, zusammen der jetzigen Hose entspricht. Gut

sichtbar ist diese Bekleidung im mittelalterlichen Hausbuche[150].

Die Bruoch wurde auch, wie aus Darstellungen plötzlicher nächtlicher

Flucht in den Bilderchroniken hervorgeht, im Bett anbehalten, wodurch

der Ausdruck Schlafhose verständlich wird.

[M] Es scheint, daß die Badetücher oder Schürzen die Bedeckung der

Frauen während des Bades im Gegensatz zu den Bade- oder Schlafhosen

der Männer waren und man sich mit dem Bademantel abtrocknete, worauf

man in einem warmen Bademantel oder Schlafrock das Bad verließ.

[N] Diese Auffassung — Frauen und Jungfrauen zu bewahren — war im

Mittelalter die Begründung für die Zulassung der öffentlichen Frauen

(siehe S. 249).

[O] ~Foltz~ sagt von Baden-Baden:

„Wer jn sein flüß weich eyer leg

Die sint dar jn gesoten schier“.

Man verwendete auch praktisch die hohe Temperatur. Eine der

Quellen in Baden-Baden wurde 1606 zum Brühen von Hühnern, Vögeln

und Schweinen benutzt und danach „Brühequell“ genannt[362]. Auch

~Klüber~ erwähnt ihn und seinen Gebrauch 1810[405]. Mehrere derartig

benutzte Quellen, die als Schöpfbrunnen gefaßt waren, lagen bei

Burtscheid[409]. In Abb. 144 ist das Brühen der Tiere neben dem

Karlsbader Sprudel dargestellt.

[P] Nach ~Leucippaeus~ wurde 1598 in Baden-Baden im Gegensatz zum

Wildbad nur in Kästen gebadet[431]. Sie müssen aber sehr groß gewesen

sein; denn ~Ryff~ sagt in seiner Übersetzung zum Vitruv, daß unter

Labrum nicht Kasten mit Wasser zu verstehen seien, wie man sie zu

Wiesbaden und Markgrafenbaden habe. Dort seien sie mit Lehnen und

Geländern versehen, daß man den Badenden zuschauen mag[466]. In

Gastein führte man 1804 die großen Gesellschaftsbäder an Stelle

der Wannenbäder ein, und hier wurde dies als zweckmäßige Neuerung

begrüßt. Seit dieser Zeit hob sich der Verkehr in Gastein, zum Teil

lag dies aber auch daran, daß die Kurgäste von da ab nicht mehr in

den hölzernen Wohnhäusern (Abb. 121) Herberge nehmen mußten[344],

die dann nach und nach verschwanden und zum Leidwesen manches

Verehrers von Gastein modernen Steinbauten im Stile der Renaissance

Platz machten, so daß 1858 der Maler ~Steinfeld~, von Rotschild zur

Anfertigung eines Gemäldes aufgefordert, erwiderte: „Das kann und

will ich nicht“[452]. Nach ~Wetzler~ badeten 1819 die Geschlechter zu

Baden bei Wien, Gastein und Leuk gemeinsam. Einige Jahre vorher war

in Baden bei Wien das gemeinschaftliche Baden verboten worden, allein

das Verbot mußte auf Vorstellung der Einwohner zurückgenommen werden,

da die Bäder unbesucht blieben[370].

[Q] ~Kerner~ macht an mehreren Stellen seinem Ärger über die neu

errichteten Wannenbäder Luft. „Das gemeinschaftliche Zusammenbaden

in diesem naturwarmen lebendigen Flusse und das Baden in

stagnierendem Wasser in einer Kufe verhält sich zu einander wie ein

gemeinschaftlicher Spaziergang in lebendiger freier Luft zu einem

einsamen Sitzen in einer verschlossenen Stube.“ Und doch übertreibt

~Kerner~. Nach der Badeordnung von 1828, die ~Kerner~ selbst bringt,

erneuerte sich das Wasser in den Badewannen beständig.

DIE GESUNDBRUNNEN IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT / BIS ZUM

DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGE[A]

Sehen wir von ~Hans Foltz~’ens Gedicht über die Wildbäder ab, so

beginnt die deutsche Bäderliteratur zu Anfang des 16. Jahrhunderts,

zuerst mit einigen Monographien über Baden bei Wien, Karlsbad, Wildbad,

Baden in der Schweiz; dann folgt das erste zusammenfassende Buch, der

Traktat der Wildbäder von ~Laurentius Phries~, der freien Kunst und

Arznei Doktor, gedruckt zu Straßburg 1519 von Johannes Grieninger[420],

1538 abermals von Bartholomäus Grieninger[676] und zum dritten Male im

16. Jahrhundert zu Straßburg bei M. Jacob Cammer Lander von Mainz[47].

[Sidenote: _Baderegeln von Laurentius Phries_]

~Phries~ fühlte sich nach der Vorrede bewogen, sein Buch zu schreiben,

weil wegen unvernünftigen Gebrauches der Bäder oft großer Schaden

erwuchs und glaubte durch sein Traktat mehr zu nützen „dann andere

quotlibetische bücher, so man yetz und in tütsch der artzny zůschreibt,

wie dann sunderlichs yetzund einer zůsamen gefügt hat widertige

subiecta, dz ist hilff des menschlichen leibs vnd die lollbrüdery wie

man den sterbenden vor betten sol“. Er rechtfertigt sich, daß er das

erste derartige Buch in deutscher Sprache schreibt. „Wiewol etlich

möchten sprechen das es gnůg wer so es die gelerten wissten, welches

doch nicht ist, vrsach das der gemein nicht fůglich mag gehaben die

gelerten, oder zů zeiten so vngehobelt das er nicht achtet rats zů

pflegen. Auch anderer vrsach halb hie nit not zů erzalen.“

Andere die deutschen Bäder behandelnden Werke ähneln sehr dem von

~Phries~. Eine selbständige Stellung nimmt das von ~Paracelsus~[374]

ein. Die Baderegeln, welche ~Phries~ gibt, sind die von ~Petrus de

Tussignano~ und nur weiter ausgeführt. Vor der Abreise soll man nach

dem Rat eines gelehrten Arztes den Leib durch Purgieren und Aderlassen

reinigen. Dann fährt man ins Bad, wo man sich nach folgenden Regeln

verhalten soll:

„So du nun auß angezeugter ler verfasset hast ein bad dir dienende,

auch den leib nach rat darzů bereitet. Ist auch not das du wissest wie

du dich haltenn sollest so du wilt baden, welliches ich dir anzeigen

will durch ettliche nachfolgende regulen.

Die erst ee du in ein bad ziehest soltu schauwen das dein seckel

geladen sei mitt gold vff das du mögest halten zimliche ordnung. Wann

so bald das gelt ein ort hat, so hat auch die ordenung ein ort.

Die ander regul, so du in das bad kummest solt du nicht eilends streng

baden, sunders von tag zu tag ein stund zůgeben.

Die drit regul, so du in hitziger zeit zů baden bist, das du nit badest

wann die hitz groß ist, sunders morgens frů vnd abents, wann von hitz

der zeit vnd hitz des badens würden die leib zů hart eroffnet vnnd

geschwechet.

Die fierd regul, die stund so du baden wilt sol sein die stund so die

sonn vffgat, oder wennig daruon, wann zů der selbigen stund die sonn zů

dem weitesten von vnserm halbteil des circuls gesetzt ist.

Die fünfft regul, wan du in das bad gon wilt solt du dich vorhin

reinigen von vberflüssigkeiten der stůlgeng, des harns, der speichelen

u.❆s.❆w. wann du also in das bad giengest, würden die vberflüssigkeiten

gezogen in die schwachen glider, vnnd darinnen machen verstopffungen

vnnd geschwer, darumb ein yeglicher badender oder der da badet sol

lůgen vnnd achtenn das er gereiniget sei durch die natur oder von kunst.

[Illustration: Abb. 117. Titelholzschnitt von E. Schlitzoc (?) zur

ersten Ausgabe von: ~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder.

Straßburg, 1519.]

Die sechst regul, die weil du in dem wasser sitzest, so solt du weder

essen noch trincken, vnnd dis ist wider den gemeinen bruch der bad

gesellen. Vrsach warum man nit in dem bad essen sol, ist dz die speiß

oder tranck eintweders hitzigend vnd darzů auch warm sein, deßhalb sie

dann die hitz des badens merent vnndleichelichen von dem bad in dem

magen faul werden. Oder sie hitzigend vnd seind kalt wie kalter wein,

darumb dann von der selbigen keltin gehindert würt die wirckung des

bades vnd nicht eroffnet das da eroffnet solt werden. Auch so tringet

die selbig speiß oder trank von wegen der hitz so sie in irer macht

hat in die engen weg des leibes, welliche von dem bad eroffnet seind,

vnd macht darinnen böße verstopffungen. Oder villeicht seindt die

speiß oder tranck warm vnd kulent doch in irem gwalt welche dann auch

leichtlichen in füle verkert werdendt, mitsampt hinderung der wirckung

des badens so sye dann thůnd.

Die sibend regul, einer der da ist heisser vnd truckner complexion,

mitt einer dünnen haut vnd subteilen füchten, der schwach ist von

geburt oder der zeit, sol sich hüten das er nicht lang bade vnnd sich

nicht hart reibe, wann zů förchten ist in solichem ein böse resolucion

geschehen möcht.

Die achtend regul, wann du auß dem bad gast, so solt du dich wol

bedecken mitt weißen tüchern das der lufft nicht an dich gange, wann

der lufft ist zů vil kalt in vergleichung gegen der wörmin des bades,

so ist der leib ietzund dünn gemacht vnnd eröffnet von wegen der

verzerung der glider füchtin vnnd geist, darumb dann schedlich wer daz

der lufft gienge in die tieffe des leibs.

Die nünd regul, so du nun auß dem bad gegangen bist so solt du dich

legen in ein bedt wol zůgedeckt, vnnd solt dann also schlaffen vnnd

schwitzen, wann durch die rů vnnd den schlaff, so stillet sich die

vffledigung, vnnd erholendt sich widerumb die seelischen geist, vnnd

würt auch hingethon die müde. Auch so seind vil vberflüssigkeiten

subteil gemacht von der hitz des bades vnd gezogen in dem vmbkreiß des

leibs, welche dann durch den schweiß vßgeschlossen werden, dauon der

leib erleichtert würt.

[Illustration: Abb. 118. Titelholzschnitt zur dritten Ausgabe von:

~Laurentius Phries~, Traktat der Wildbäder. „Eyn new Badenfart.

Wildt Bäder L. Friessen“. Straßburg, Jacob Cammer. Mitte des 16.

Jahrhunderts.]

Die X. regul, ee das du issest soltu dich ein weil etwz üben mit hin

vnd her gon vff dz die tempff vnd windikeiten so von des bades hitz

erhebt seind vßgetriben werden. ob du aber so schwach bist dz du nit

gon magst, so laße dir deine glider senfft reiben mit einem warmen

thůch. Vnd so du dis auch nit leiden magst von wegen schmertzens der

glider, oder du villeicht geschwer daran hast. So nym vor essens ein

suppositorium, das ist ein zepflin, welches gemacht sei von honnig vnd

mangolt wurtzel, oder von violwurtz, oder vonn gesaltzenem speck.

Die eilfft regul, so du nun diße ding alle volbracht hast, so solt

du dann essen vnnd trincken speiß vnnd tranck zimliches wesens vnnd

zimlicher vile. So ich sprich zimliches wesens so solt du verston

speiß vnnd tranck welche nicht zů vil heiß vnnd trucken, hart vnd grob

seiend, oder zů vil kalt vnnd feucht schleimerig vnnd weich, welche

alle der douwung widerstrebend, vnnd ietzund die hitz des magens vonn

wirckung des bades geschwecht. Auch so ist not das die speiß vnnd

tranck seiend mittelmäßiger narung, vnd leichter durch tringung zů den

glidern vnnd darumb so soll der bader brot sein, wol gehefelt vnnd

wol gebachen, nicht vber zwen tag alt. Ir fleisch sol sein kitzin,

kalb, ieriges lambfleisch, oder von cleinen iungen vögeln, nitt von

wasserfogeln. Vnd gewild mögend sie essen frischling, hasen, künglin.

Item sie sollendt auch meiden milch ist sich das die vrsach, das sie

leichtlichen sauer würt in iren mägen. Doch so mögend die so gewon

seind milch zů essen wol bruchen süße milch die nüwlichen gemolcken

ist, nach anderer speiß ein wennig nüwes keß ist inen auch zůgelassen.

Von eyern mögend sie essen nach irem willen on allein so sie hart

gekocht seind. Die kůchen vnd gebächtns der pfannen seind inen auch

nicht bequem oder gůt.

Sie sollend auch meiden alle gemüß außgenommen rot erbißen, vnd gersten

mitt fleischbrüe gekochet.

Von früchten wennig, wann sie leichtlichen in iren magen faulend. Von

wolriechender specery, yngber zymmet vnnd muscatblüet, vnnd die andern

gar wennig. Fisch welche schüppig seind vnnd in steinigen wassern

gefangen, seind inen bequem. Ouch so sol al ire speiß ein mittel haben

zwischend süßem vnnd sauerem geschmack, nicht scharpff sein als zübel,

knoblouch, pfeffer, senff, auch nicht sauer als vnzeitige frucht.

Sie sollen trincken subteilen wolriechenden weissen wein, nicht zů

vil starck noch tempffig, sollend meiden alles wasser, wann so die

glider außgelert vnnd erhitziget seind, möchte das wasser leichtlich

dareyn tringen vnnd gezogen werden in die außern glider, dauon dann den

neruischen glidern dem haubt, der brust, den beinen, vnnd dem marck

grosser schaden entsteen möchte, wie dann Hipocrates apho. part. V.

anzeuget. Ich hab auch oben gesagt das die bader die speiß vnd tranck

sollend nemmen in zymlicher maß. Vrsach so sye die aller edelsten

speiß zů vil auff ein mal nemend, möcht die selbig nicht verdöwet

vnnd recht gekocht werden, dhweil die hitz der glider von wirckung

des bades geschwechet ist. Nemmend sie aber minder dann billich speiß

vnnd tranck, so möchte nicht beschehen widerlegung der verzerten

vnnd verlornen feuchte, daruon dann die glider mer getrencket oder

beschwechet würdent.

Die zwölfft regul, so du das mal genummen hast so solt du nicht in das

bad gon ee sechß stund vergangen seiend, wann so du badest dweil die

speiß noch nicht verdouwet, so würt sie gezogen in die leber vnnd ire

adern, vnnd macht darinn verstopffung vnd böße bresten. Vnnd diser

mißbruch beschicht, sunders vil vrsach das die groben in schneller yl

außgericht wöllendt sein.

Die dreizehend regul, du solt meiden das werck der liebe dweil du

badest, vrsach das sunst vil feuchte eröffnet vnnd verzeret würt durch

das bad. So würt auch durch diße werck verzert die vberflüssigkeit

der letsten narung welche vil nütz ist, wie dann bezügt Auicenna. XX.

tertii. u.❆s.❆w.“

Darauf folgt die Angabe von Arzneimitteln gegen die übelen Zufälle

im Bad, nämlich gegen Schlaflosigkeit, großen Durst, Kopfschmerzen,

Verstopfung, Schweißausbrüche nach dem Bad, „brunst vnnd stechen des

harnes“, gegen „ein fluß von dem haubt herab fallende vonn wegen

der materi des hirnes so die hitz des bades geschmeltzet hatt“ und

Appetitlosigkeit.

[Sidenote: _Baderegeln von Phries / Leucippaeus / Mechinger / Sytz_]

Interessant ist, daß ~Phries~ an Stelle der Bewegung nach dem Bade

bei gelähmten Gliedern die Massage setzt. Auch ~Leucippaeus~ will

1598, daß Lahme und die, welche keine besondere Leibesübung wegen

Unvermögens haben können, sich vor oder nach dem Essen, wenn sie noch

nicht ausgeschlagen sind, „an den Händen vnd Füßen, auß vnd abwerts, ad

exteriora membra, sich streichen vnd reiben lassen, damit überflüssige

Dämpfe auch verzehrt durch solche Fricationes und als eine natürlich

Hitze artificiali modo in ihnen erweicht werde“[431]. Nach ~Mechinger~

(1513) sollen im Wildbad die mit lahmen und zitternden Händen und

geschwollenen Gliedern auch im Bade die Glieder mit dem am Boden

liegenden Sand reiben[346]. Gegen Schlaflosigkeit gibt ~Leucippaeus~

1598 im Gegensatz zu den sonst gebräuchlichen Arzneimitteln an, vor

dem Schlafengehen die Füße erst mit warmem Wasser, darnach mit kaltem

zu waschen und die Füße im Bett nicht zuzudecken[431]. Bei im Bad

auftretendem Fieber (gemeint sind Wallungen) läßt ~Sytz~ 1516 an Stelle

des Mineralbades ein Bad aus Brunnenwasser setzen, frischen Landwein

mit Gerstenwasser gemischt trinken, im Bett schlafen und schwitzen und

nach dem Erwachen massieren. Wäre aber das Fieber nicht ein solches

schlechtes (gewöhnliches), sondern ein böses, „so soll der selb stracks

onuerzogen vßgän, vnd aller bäder müssig stän, oder empfacht darumb

sein lon“[375]. Bei starkem Nasenbluten im Bad wollen ~Sytz~ (1516) und

~Mechinger~ (1513) nach Versagen von großen trockenen Schröpfköpfen

auf den Bauch „arm vnnd füeß mit sailen vnnd selbennden, (Salbenden,

Tuchleisten) von tuch hart binden, vnnd etwan vff laßsen vnd wider

binden (~Sytz~ nur einseitig), vnnd so man die brüst inn frawen vnnd

die hochbelg inn mannen auch alßo bindet ist so vil dester stercker“

(~Mechinger~). Beide empfehlen noch, die Nasenlöcher mit „Maißelin“ von

altem leinenen Tuch genetzt mit frischem Saft gedrückt aus Eselsmist

oder, wenn man den nicht haben kann, aus Schweinsmist, zu verstopfen.

Die wirken nach ~Mechinger~ sicherer als die sehr kalten Dinge, die

etliche außen und innen gebrauchen nach Sag der Lehrer. Bei Ohnmachten

und Schwindel im Bad schlug ~Fabricius Hildanus~ vor, die Zehen über

das Bad hinaus zu erheben, was nach Aussage des Badearztes ~Petrus de

Spina~ 1593 in Aachen mehrfach mit gutem Erfolg vorgenommen wurde[101].

[Sidenote: _Der Name Wildbad_]

~Phries~ zählt die ihm bekannten Wildbäder im hohen (oberen)

Deutschland auf: „pfeffers, plumers (Plombières), baden in Eidgnossen,

Wildbaden, marckgraffen Baden, Zellerbad (Liebenzell), Göppingen

vnd Ow, Emps ob Constantz, das wasser in der vorstat zů Vberlingen,

Gebersweiler und bad bei Oppenow. Darunter befinden sich auch kalte

Sauerbrunnen, die ~Phries~ also zu den Wildbädern zählt. ~Folz~

rechnete nur die Bäder, die von Natur heiß sind, dazu, ebenso

~Ryff~[48] und ~Pictorius~[152]. Aber auch das „Wildbad“ zu Nürnberg,

in dem Michel Beham 1499, 1500 und 1502 badete[210], das Wildbad zu

Roigheim (1476)[61] mußten gewärmt werden. Der Name Wildbad für das zu

Nürnberg leuchtete schon im 18. Jahrhundert nicht recht ein. ~Roth~

schreibt 1792: ~Cardilucius~ suchte den Namen Wildbad zu erklären und

meinte, das Wasser heiße so, weil es im Vergleich mit anderen süßen

Wässern gleichsam ein wildes, das ist von selbst und ohne besonderen

dazu angewandten Fleiß entstandenes Wasser sei, dahingegen jene in

ihren Quellen gesucht und durch Röhren, Rinnen und Wasserleitungen

geleitet werden müßten. Ein Dr. ~Schoder~ wollte nicht gestatten,

daß man dieses Wasser thermas ferinas nenne, sondern behauptete,

daß wild hier soviel wie unecht heiße[195]. Unter wildem Wasser

verstand man stets gewöhnliches Quellwasser, dessen Zufluß man von

den Mineralquellen, manchmal unter großem Kostenaufwand, fernzuhalten

suchte. Beide Erklärungen sind so gezwungen, daß man annehmen kann,

im 18. Jahrhundert hatte der Ausdruck Wildbad eine andere und schon

die heutige Bedeutung: natürlich warmes, in wilder Gegend gelegenes

Bad. Nach dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) war das

Wildbad ein unter freiem Himmel gelegenes[49]. ~Konrad von Megenberg~

(gest. 1374) sagt, es „nimpt auch das wasser sere seinen geschmack von

dem geschmeid vnd auch von dem schwefel die man die Wildtbad nennet,

daruon dasselb wasser fleußt durch brennendes schwefenlichs erdtrich

daruon das wasser heyß wirt vnd stinckt“[429]. Die Annahme, daß die

Thermen Schwefel enthielten, gründete sich auf dessen Vorhandensein

in einigen derselben, woraus man schloß, der Schwefel müsse sich in

allen vorfinden und bewirke die Wärme. Obwohl für Pfäfers nachgewiesen

war, daß das Wasser keine mineralischen Bestandteile enthalte, konnte

man sich im 18. Jahrhundert noch nicht entschließen, den Schwefel als

Bestandteil fallen zu lassen und folgerte sein Vorhandensein aus der

Wirkung des Bades. „Es gebens auch die Effectus und Gebrechen, die

allda curirt werden vnd geheylet, die des Schwefels, und keines anderen

Eygenschaft synd“ (~Reydt~ 1708)[383]. Deswegen konnte man durch

Zusatz von Mineralien zum gewöhnlichen Wasserbade künstliche Wildbäder

erzeugen[47].

[Sidenote: _Die Frauenbäder_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 30 / 53 段