Der Badeausschlag war eine Entzündung der Haut infolge des lang

anhaltenden thermischen und auch chemischen Reizes beim Baden.

Die Bäder mit höheren Temperaturen und reichlichen mineralischen

Bestandteilen riefen ihn schneller hervor. Ein Jesuit, der in

Pfäfers badete, beschrieb ihn 1642. Es entsteht zweierlei Ausschlag

nacheinander. Der erste ist hitzig und brennt wie Feuer oder Nesseln

und wird „Obrist Fresser“ genannt. Wenn er durchs Bad abgeheilt ist,

kommt bald ein anderer, der nicht so brennt, aber heftig beißt und

zu stetem Kratzen Ursache gibt. Der wird „Obrist Kratz“ genannt. Bei

etlichen kommt der Ausschlag am dritten oder vierten Tage, die Haut

wird rot, schält sich, Arme und Füße schwellen. Im Wasser besteht kein

Schmerz, aber außerhalb desselben, besonders im Bett. Die Glieder

brennen wie mit Nesseln bestrichen; man nennt dies den Brenner. Wenn

die Geschwulst an Händen und Füßen zunimmt, tritt Krampf auf, das ist

der Spanner. Etliche können dann nicht gehen und die Hände zum Munde

bringen. Es tritt Kälte wie beim Fieber auf. Das Wasser kommt einem

eiskalt vor, dieser Geselle heißt der Zitterer oder Schnatterer. Nur im

Bett wird man warm. Später kommt der Kratzer oder Obrist Kratz; der tut

manchen nach Hause begleiten[366]. Der „Schauder oder Schütter“ war oft

so heftig, daß die Patienten zwei bis drei Tage im Bett bleiben mußten

(1689)[428].

Philippine Welser wartete, wie aus den Angaben ihres Leibarztes

hervorgeht, den zweiten Ausschlag nicht ab, sondern heilte den

ersten durch sogenanntes Abbaden, bei dem die Badezeit verkürzt und

die Temperatur des Bades +erhöht+ wurde. Diese Art scheint auch

später noch in Karlsbad Sitte gewesen zu sein, war aber nicht die

gewöhnliche[H]. Traten die ersten Zeichen des Ausschlags — der

übrigens auch die Ausschlächte genannt wurde — auf, ging man, wenn

Bäder von verschiedener Temperatur zur Verfügung standen, in ein

wärmeres Bad, bis er sich vollständig entwickelt hatte. Man badete zu

dem Zwecke auch länger. Darauf folgte das Abbaden in kälterem Wasser

bei Abnahme der Badezeit. So geschah es in aargauisch Baden noch

1790[424]. Nach ~Dorer~ (1806) war kälteres Badewasser nur dann nötig,

wenn der Ausschlag schwer abheilen wollte[418], und ~Hess~ gibt 1606

für Baden-Baden an, daß, wenn nach dem Ausschlagen die frische Haut

„schwerlich“ werden und wachsen wollte, man nicht frisches Wasser

benutzen solle, sondern solches, das einen Tag und eine Nacht gestanden

habe[362]. ~Leucippaeus~ sagt 1598, daß etliche in Markgrafenbaden ein

bis zehn Tage anfangen zu baden und baden danach im Wildbad die übrigen

Tage gar aus[431]. (Wildbad ist kälter als Baden-Baden.) Die Doktoren

von Augsburg schickten aber gegen 1571 ihre Kranken zuerst auf zehn

Tage ins Wildbad zum Baden und ließen darauf im (kälteren) Zellerbad

(Liebenzell) die Badenfahrt ausrichten. ~Günther von Andernach~

und ~Etschenreutter~ waren damit nicht einverstanden. „Wo aber die

krancken, allein zůbaden begerten, das sie an demselbigen ort da sie

das baden angehebt, volstreckten, das wer nutzlich jnen vnd gůt.“

Dagegen hielten sie eine Teilung der Kur für angebracht, wenn man das

Wildbad trinke und im Zellerbad die Badenfahrt mit Baden vollende[388.

449]. Manche, die in Pfäfers nicht ausbaden konnten oder wollten,

taten dies im Nieder-Urnerbade am Wallensee[86]. In Leuk benutzte man

im 16. Jahrhundert nach dem Ausbaden[I], d.❆h. nachdem der Ausschlag

herausgebadet war, einen Tag lang einen besonderen Brunnen, der gar

nicht schmeckte, also wohl nur geringe mineralische Bestandteile hatte,

die Haut schnell heilte und deshalb Heilbrunnen genannt wurde[318].

Man war sich nicht einig, ob zur Kur der zweite Ausschlag nötig sei,

bei manchen Badenden scheint er überhaupt nicht aufgetreten zu sein,

bei anderen kam nach Abheilen des einen immer wieder ein neuer zum

Vorschein. In Pfäfers badeten manche vier Wochen Tag und Nacht und

wurden den Ausschlag nicht los (1642)[366]. ~Lucas Rem~[265], der im

November 1529 den „englischen Schwais“ überstanden hatte, zog 1530 zur

Nachkur ins Wildbad. Am 7. März begann er die Kur mit fünfstündigem

Baden. Am 12. war er auf acht Stunden gestiegen, am 13. fing er an

„fast“ (sehr) auszuschlagen. Der Ausschlag währte acht Tage. ~Rem~

badete aber weiter und schlug am 28. und 29. wieder aus. Am 24. und

31. März hat ~Rem~ Schweißbad und Schröpfen verzeichnet, also in der

Ausschlagperiode, 1525 fand das Schweißbad am elften Tage statt.

~Sytz~[375] schlug es 1516 nach dem achten oder zehnten Tage vor. Nach

~Hess~ (Baden-Baden, 1606)[362] sollte im Bett oder sonstwie geschwitzt

werden, wenn der Ausschlag stark juckte oder langsam fortschritt. Das

Schweißbaden geschah also zur Heilung des Ausschlages.

[Sidenote: _Übermäßig langes Baden zur Erzielung des Badeausschlags_]

+Einen+ Ausschlag hielt man aber in der Regel für nötig zum Gelingen

der Kur, weil dadurch die inneren Unreinigkeiten zum Körper

hinausbefördert wurden. Unterstützt wurde dieser Heilungsvorgang nach

damaliger Ansicht (bis ins 19. Jahrhundert) durch Schröpfen, das

wohl in der Regel mit dem Schweißbade verbunden wurde, also in die

Ausschlagperiode der Badekur fiel. Kam kein Ausschlag zustande[J]

und wurde man geheilt, war man darüber nicht bekümmert; dann hatte das

Wasser durch seine Kraft und Wärme die bösen Flüsse und Feuchtigkeiten

ohne alle Schmerzen und Verletzung der Haut trotzdem ausgezogen[366].

Es kam übrigens vor, daß der Ausschlag sich erst nach Verlassen des

Kurortes bildete, namentlich bei Leuten, welche die Kur zu zeitig

abbrachen und besonders bei denen, welche sie zu Hause mit einfachen

Wasserbädern fortsetzten, weswegen in vielen Anweisungen vor diesen,

manchmal auf Wochen hinaus, gewarnt wurde. ~Leucippaeus~ (1598)

verbietet Süßwasserbäder auf ein halbes Jahr und läßt Schweißbäder,

wenn sie vonnöten sind, zu[431].

Da nach Ansichten der meisten Leute der Badeausschlag zur Kur nötig

war, suchte man ihn möglichst schnell zu erzielen, namentlich Arme,

die wegen Mangel an Geld zur baldigen Heimreise genötigt waren. Sie

suchten die üblichen hundert Stunden[K] womöglich in einem fort

im Bade, Tag und Nacht, abzusitzen. Sie drängten sich deshalb auch

möglichst nahe an den „Ursprung“ des Wassers, wo dies heißer als im

übrigen Bade war. In Baden bei Wien begannen einige nach ~Anemorinus~

(1511) mit dem Baden bald nach Mitternacht[70]. Man aß, trank und

schlief (nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht) im Wasser. Das

kam namentlich in Pfäfers vor, wird aber im 16. Jahrhundert auch von

Karlsbad berichtet[348]. Unglücksfälle waren dabei nicht wunderbar.

Die Kirchenbücher von Gastein führen in den vergangenen Jahrhunderten

fast in jedem Monat mehrere Todesfälle von Badenden an und diese

meist im Bade selbst. Oftmals heißt es „suffucatus in balneo“[70].

~Kolweck~ sagt 1631 von Pfäfers, daß man in anderen Wildbädern auf der

Gelehrten Rat mit Baden auf und ab steige, in Pfäfers mache man aber

gleich mit vielen Stunden den Anfang. „Dahero gewohnlich, daß jhr vil,

vnter Tag vnd Nacht, niemaln auß dem Bad tretten, sondern daselbst

bleibende, Essen, Trincken, vnnd Schlaffen: Die Reichen zwar, vmb Lust

halber, welchen sie vnder dem Baden empfinden: Die Armen aber, vmb

Willen, ermanglender Herberg oder Prouiant, oder damit sie die Zeit

ersparen, vnnd desto bälder fertiger werden. Zwar halten jhnen, vil

grosse Herren, zu einem Rhumb, wie länger dieselben, vber den gantzen

Tag, auch vil stundt in der Nacht, im Bad zubringen, vnnd die Bad

Wärme erleyden mögen ... Zwar die wenigern vnd vermůglich, pflegen

vngefahr, drey Wochen, mit Baden zubringen; Demnach es das Gebrechen

vnnd Leibsgelegenheit geduldet. Die meisten, so bald die Haut an dem

Leib außgeschlagen, vnd versöhrt, die mögen so gar kein kleine weil,

vnd so gar nicht in den waichesten Beth, ruhen; Seytemalen das Bad

Wasser, die Krancken nicht anderst, als der Magnet, das Eysen, an

sich ziehet. Andere, die gerahten, auß vnauffhörlichen Baden, vnd

zerbrochnen Schlaff, in die Vnsinnigkeit, deren etliche wenig, als die

Nebensitzenden, alle geschlaffen, gesuncken vnd ertruncken“[349]. Auch

~Fabricius Hildanus~ erlebte 1610 in Pfäfers, daß Leute während der

Nacht im Bad ertranken[22].

In Pfäfers wurde aber 1676 auch auf- und abgebadet. Dr. Abiss schlägt

kräftigen Leuten vor, den ersten Tag morgens und abends vier Stunden,

den zweiten sieben, den dritten zehn, den vierten zwölf Stunden zu

baden, bis sie ausschlügen. Nachdem soll auch in der Nacht gebadet

werden, um die Schmerzen zu lindern und den Ausschlag wegzubaden.

Schwache und Personen von sieben Jahren sollten bis neun Stunden baden,

nach Ausbruch des Ausschlags sich wie Erwachsene verhalten[365]. ~Lucas

Rem~, der 1511 zu Pfäfers in neunzehn Tagen hundertsiebenundzwanzig

Stunden badete, stieg von vier auf elf Stunden am Tage an. „Schluog

adi 30. 31 (Mai, anscheinend am 9. und 10. Tag) aus. Da badet ich die

nacht 1, 1, 3 stundt“[265]. In den Bädern, deren Wasser erwärmt werden

mußte, wurde auch des Nachts gebadet, und, wie aus nachfolgender Stelle

hervorgeht, im Notfalle das Bad von den Gästen selbst geheizt. 1580

empfing Caspar Cunrad Wielli von „gemeinen Nachpuren von Sumwix“ zu

einem ewigen Erblehen „das Bad in Wall“ (Somwixer- oder Tennigerbad bei

Disentis). Dafür sollte er und seine Erben „denen von Sumvix das Bad

erhalten und wärmen, wann ihrer acht Personen zusammen kommen, umb 1

Krützer, +Tag und Nacht+, und die Främden umb 2 Krützer“. Kamen aber

weniger als acht Personen zusammen, dann sollte er ihnen „das groß

Kässen (Kessel) sammt ander Rüstung lihen“, damit sie selber „wärmen“

könnten[86].

[Sidenote: _Rückgang des Ausschlagbadens_]

Schon 1597 empfahl ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), man solle in Pyrmont

nicht länger als eine halbe Stunde hintereinander baden[56]. 1609

war in Karlsbad das „Auffressen der Haut“ eine seltene Kur[350].

Das war auch an anderen Orten der Fall und hing damit zusammen, daß

die Badezeit bedeutend kürzer war. Im 17. Jahrhundert badete man in

den meisten deutschen Badeorten nur noch ungefähr zwei Stunden am

Vormittag, starke Personen noch am Nachmittag, soweit es die Kräfte

vermochten. Zuweilen trat auch da ein Ausschlag auf. Für Leuk empfahl

~Fabricius Hildanus~ dem Bürgermeister Anton von Grafenried sechs

Stunden täglich bei einer Kur von dreiundzwanzig oder vierundzwanzig

Tagen mit Ansteigen an den ersten sechs und Absteigen an den letzten

sechs Tagen[101]. Nach ~Hess~ stieg man in Baden-Baden 1606 bis auf

sechs Stunden an[362].

Der Ausschlag verlor seine „kritische“ Bedeutung im 19.Jahrhundert

und wird heute nur noch zur Heilung von Hautkrankheiten gebadet; denn

mit ihm wird die alte kranke Haut entfernt. Einige Bäder, die nur

Hautkrankheiten heilten, hießen deswegen im Volke etwas verächtlich

Krätze- oder Raudenbäder.

1806 sagt ~Dorer~ (Baden), der Ausschlag sei vielfach unnütz und nicht

zur Heilung nötig, trotzdem schreibt er vor, täglich bis fünf Stunden

mit Auf- und Absteigen zu baden[418]. 1818 gab es aber in Baden auch

schon zwei Arten der Kur, eine mit Erzielung des Ausschlags bei einer

Badezeit bis zu fünf Stunden in einundzwanzig Tagen, und eine ohne

Ausschlag, bei der früh eine und am Abend eine halbe Stunde gebadet

wurde[315]. ~Kerner~ schlägt 1832 für das Wildbad zweimal täglich eine

Stunde Gebrauchszeit vor[325]. In Ragaz badete man 1857 täglich eine

halbe bis eine Stunde. Der Badeausschlag war selten. Die Kur dauerte,

wie in den meisten Schweizer Orten, einundzwanzig Tage. In Leuk fand

dagegen ein methodisches An- und Abbaden statt. Heute noch ist dort

die Ausschlagkur üblich. In Pfäfers wurde sie 1857 selten[368], 1869

nicht mehr gebraucht[369].

[Sidenote: _Die Trinkkur_]

Bei Trinkkuren stieg man mit der Menge des genommenen Wassers ebenfalls

an und nach einiger Zeit ab. Übertreibungen kamen auch hier vor,

namentlich von den Armen in Pfäfers, die nach Berichten des 16. und 17.

Jahrhunderts meinten, je mehr, je besser zur Heilung und das noch dazu

im Bade. Der gleichzeitige Gebrauch einer Trink- und einer Badekur galt

als großer Verstoß gegen die Gesundheit. Man nahm in der Regel beide

nacheinander vor. 1598 riet ~Kieffer~ sogar, das Wildbad nur zu trinken

und danach zur Badekur nach Liebenzell zu gehen[154]. (Siehe auch

~Günther~ und ~Etschenreutter~ S. 253.) Es gab aber auch Ärzte, welche

zwar nicht gerade das Trinken im Bad empfahlen, doch Trink- und Badekur

zu gleicher Zeit vornehmen ließen. Die Badezeit war dann eine kürzere.

So badete ~Konrad Gessner~ 1563 in Baden von fünf bis sieben Uhr und

trank von sieben bis acht Uhr. Ja er durchbrach die allgemein geltende

Vorschrift und nahm abends im Bad noch acht Unzen Wasser zu sich[94].

Im 17. Jahrhundert kommt das schon öfter vor. ~Blondel~ will es für

Aachen aber nur bei starken Naturen, bei anderen einige Tage Trinken,

ebensolange Baden oder einen Tag um den anderen abwechseln[409].

Wie man bei der Badekur den Ausschlag als Krise nötig zu haben glaubte,

hielt man es bei der Trinkkur für ein Erfordernis, daß Verlust der

Eßlust, schlechter Geschmack im Munde, belegte Zunge, Magendrücken,

Müdigkeit der Glieder, Gemütsverstimmung u. dergl. auftraten, und nahm

mit der Wassermenge immer mehr zu, bis man endlich den Magen verdorben

hatte. Dann ging man mit der Zahl der Becher herunter. Auch diese

Ansicht verlor sich im 19. Jahrhundert[368].

Der Glaube, daß zu einer Kur eine bestimmte Anzahl Tage oder Stunden

nötig sei, hielt sich bis ins 19. Jahrhundert und besteht teilweise

heute noch im Volke. „~Priessnitz~ und seine Anhänger“, sagt ~Vogt~,

„haben zuerst mit Erfolg den durch lange Gewohnheit eingewurzelten Wahn

zu besiegen gewußt, daß Bade- und Trinkkuren immer in einer bestimmt

abgemessenen Frist gemacht werden müssen“[368].

Vielfach trank man, wenn man einmal in einem Kurorte war, das Wasser

derselben Quelle, die man zum Baden benutzte. Mineralwässer, die heute

nur noch als Bad Verwendung finden, wurden infolgedessen getrunken.

So nahm ~Konrad Gessner~ vom Wasser in Baden in der Schweiz 1562 den

ersten Tag fünfzig, den zweiten fünfundsiebzig, den dritten hundert

Unzen, 1563 den ersten Tag zweiunddreißig, den zweiten achtzig, den

dritten hundertundvier, den vierten hundertundachtundsechzig, den

fünften hundertundzwanzig, den sechsten zweiundsiebzig, den siebenten

vierzig Unzen zu sich und jeden Abend noch acht Unzen, 1564 stieg er

auf zweiundzwanzig Gläser täglich[94]. Heute trinkt das Wasser kaum

jemand mehr.

[Sidenote: _Verschicken von Mineralwasser_]

Im 16. Jahrhundert konnte man in den Mineralbädern schon Wasser von

auswärts haben. ~Leucippaeus~ erwähnt 1598 das Sauerbrunnentrinken

in den Herbergen von Baden-Baden, Wildbad und Zellerbad[431]. Es ist

aber von frischem Sauerbrunnen die Rede. Er wurde demnach aus der

Nähe hingebracht. Häufig geschah das Hinwegschaffen des Wassers nach

anderen Orten, weil für die Gäste beim Brunnen selbst nicht genügende

oder standesgemäße Unterkunft zu finden war, seltener wohl, um die

Vergnügungen im Kurorte zu fliehen. Es galt aber doch der Grundsatz

(1647):

„Das beste Wasser, so man trinckt,

Ist diß, welchs auß der Quell entspringt“[65].

[Illustration: Abb. 105. Der zu Bilfeld Anno 1666 am 2. Sontag nach

der H. Drey Einigkeit entsprungene Heyl-Brunnen. Kupfer aus: ~Conradi

Redekeri~ descriptio Bilfeldiani fontis. Amstelaedami 1668.]

Im Wildbad scheute man sich 1513 nicht, das Wasser aus den Quelladern

am Boden des Bades zu schöpfen, nachdem das Badewasser abgelassen

war[346]. Der Transport geschah in Flaschen oder Fässern, die ohne

besondere Maßnahmen gefüllt wurden (Abb. 105). In jüngster Zeit

wurde noch darüber geklagt, daß die hessischen Wasserbauern, welche

Sauerbrunnen nach Frankfurt bringen, die Füllung in der primitivsten

Weise vornähmen. Leere Krüge würden mit allem anhaftenden Schmutz

ins Wasser getragen und unter dem Spiegel gefüllt, manche führen

gleich den ganzen Karren samt den Krügen in die Quelle hinein[377].

In Eger (Franzensbad) wurde im 16. Jahrhundert der Sauerbrunnen von

jungen, sechzehnjährigen Leuten in Krügen haufenweise in die Stadt

getragen[318]. ~Sebiz~ sagt 1647, man soll den Sauerbrunnen von

Griesbach und Petersthal nicht von den gemeinen Sauerbrunnenmännern

kaufen, die das Wasser in „zimlichen, aber offtermaln schimmlichten vnd

stinckenten faulen Fässern bringen“[65].

In seinem Neu-Wasserschatz gab 1581 ~Jakob Theodor von Bergzabern~

(~Tabernaemontanus~) zunächst für den Weinbrunnen von Schwalbach

folgende Vorschrift zum Verschicken, die auch für andere Sauerbrunnen

galt. Das Wasser soll in steinernen oder Siebenbürgerkrügen geholt

werden, die morgens oder abends gefüllt werden. Sie sind mit Wachs,

Pergament oder einer Blase zu verstopfen und zu verbinden und in

einem Rückkorb, mit frischem Wasser oder mit nassen Lumpen umgeben,

nicht bei Sonnenschein zu transportieren. Oder man nimmt neue Fässer,

die mit siedendem Wasser gefüllt, zugeschlagen werden und die Nacht

über stehen. Am nächsten Morgen werden sie geleert, wieder mit

frischem Wasser gefüllt und so eine oder mehrere Nächte gelassen,

dann mit Sauerbrunnen ausgeschwenkt und eine Nacht mit diesem gefüllt

stehen gelassen. Am Morgen vor Sonnenaufgang wird das Faß wieder

mit Sauerbrunnen gefüllt, zugeschlagen und aufgeladen, auf frische,

grüne, mit Tau besprengte „Wasen“ gelegt und oben mit nassen leinenen

Tüchern bedeckt. Der Karren soll außerdem mit einem „Spriegel vnd Deck“

versehen sein, daß die Sonne nicht auf das Faß scheint. Krüge und

Fässer werden nach der Ankunft im kühlen Keller aufbewahrt. Im Winter

muß das Faß mit Stroh umgeben sein, damit das Wasser nicht gefriert.

Das Einlassen des Sauerbrunnens soll bei schönem und hellen Himmel ohne

Wolken geschehen. ~Tabernaemontanus~ wollte, wenn es großen Herren

möglich wäre, den Transport in der Nacht und dafür die Errichtung einer

gemeinen Fußpost von Dorf zu Dorf haben. Der Sauerbrunnen sollte sich

auf die angegebene Weise zehn Tage halten, besser wäre es, wenn er als

Arzneitrank aller drei Tage frisch bezogen würde[324].

[Illustration: Abb. 106. Versand des Aachener Mineralwassers und

Wiedererwärmen desselben zum Gebrauch. (Die Gestalt der Flaschen; die

Art, sie wieder warm zu machen; die Weise, die Wärme zu unterhalten.)

Kupfer aus: ~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727. (Das

Bild findet sich auch in der Ausgabe von 1688.)]

[Illustration: Abb. 107. Der „Cornelische Badwasser-Brun“ in Aachen.

Kupfer aus: ~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu

Aach. Aachen 1688.]

[Illustration: Abb. 108. Der „Kayserliche Badwasser-Brun“. Kupfer aus:

~Blondel~, Erklärung deren Badt- vnd Trinckwässeren zu Aach. Aachen

1688.]

~Sebiz~ gab ähnliche Vorschriften und hielt gläserne Flaschen für

das beste Transportmittel[65]. Zu Seebach beim Bade Rippoldsau wurde

1587 eine eigene Glashütte zur Anfertigung von „Sauerbronnen-Guttern“

(Gläsern mit engem Hals, aus denen das Wasser zwar nicht tropfenweise

(gutta, der Tropfen), aber in dünnem Strahle (Abb. 106) herausfloß)

für das Bad gegründet. 1688 beklagten sich die Glasmacher daselbst beim

Grafen von Fürstenberg, weil die Glashütten der Klöster St. Blasien und

St. Peter im Schwarzwald die Gläser billiger lieferten und die Hütte

in Seebach dadurch sehr benachteiligt würde[338]. Das Rastenberger

Wasser wurde 1696 im Waldenburgischen, mit Wachs verwahrten Flaschen

verschickt[401]. Der Versand des Emser Kränchens geschah in Krügen, die

1859 noch mit einem Stopfen Leder oder Pech verschlossen wurden[339].

Die sogenannte Krugbäckerei befand sich im Dorfe Arzbach bei Ems,

wo sie 1750 von drei Gebrüdern Gerharz eingeführt wurde und seitdem

in den Händen von deren Nachkommen war, die fast die Hälfte der

Dorfeinwohner ausmachten (1862)[340]. 1627 trank man in Ems einen von

~Tabernaemontanus~ 1581 gepriesenen dortigen Sauerbrunnen nicht mehr

und auch, bei Tisch wenigstens, nur selten das Emser Wasser, sondern

auswärtige Sauerbrunnen, Braubacher und Denkholder[358]. Selters

(Sältz) wurde 1720, schon wenige Jahre nach seiner Bekanntmachung

durch den Leibmedikus ~Gundelsheimer~ verschickt, zur selben Zeit auch

Karlsbader Wasser[402]. 1603 gingen zweihundert Flaschen Spawasser

nach London, später ebenso viele nach Mantua; die Gemahlin Heinrichs

IV. trank es zu Monceaux[70]. Von Pyrmont wurden jährlich sechzig- bis

achtzigtausend Bouteillen die Weser hinab nach London geführt. Die

Engländer hatten dieses „kräftigste“ Stahlwasser in ihre Materia medica

eingeführt (1733)[343]. Um die Zersetzung mancher Wasser zu verhüten,

trieb man 1826 einen Nagel durch den Pfropf bis ins Wasser. Im gleichen

Jahre schlug ein Dr. ~Hecht~ in Franzensbad für diesen Zweck den

Zusatz von Kohlensäure durch „aufgefaßte kräftige Sauerteige“ vor[88].

[Sidenote: _Die Aachener Trinkbrunnen_]

Auch das Wasser von Pfäfers wurde im 19. Jahrhundert in größerer Menge

nach Deutschland, Italien und Frankreich versandt[419]. Man ließ also

mit vielen Kosten reines Quellwasser kommen. Ob es gewärmt getrunken

wurde, wird nicht angegeben. Dagegen trank man Aachener Wasser nur

warm. Der Badearzt ~Blondel~ schlug 1688 auch den kalten Gebrauch

vor, hatte aber schon heftige Angriffe zu bekämpfen, die sich gegen

das Trinken von warmem Aachener Wasser richteten und es „gantz von

der übung der medicin außgeruttet“ wissen wollten. ~Blondel~ selbst

bezeichnet das Trinken in Aachen als neuen Brauch. Der Magistrat

scheint kurz vorher den ersten Brunnen (Abb. 107) auf freier Straße

errichtet zu haben, was dem nicht fernliegenden Spa anscheinend

unangenehm war. Der Brunnen wurde von einem „Sprung“ (Quelle) des

Corneliusbades gespeist, das Wasser mußte gepumpt werden. ~Blondel~

schlug noch vor, wärmere Sprünge aus dem Kaiserbade in ähnlicher

Weise zu verwenden[409]. Ein zweiter Brunnen kam auch später zur

Ausführung, wenn auch nicht in der von ~Blondel~ vorgeschlagenen Art

(Abb. 108), sondern als laufender Brunnen (Abb. 109)[410]. Kurz vor

1736 bestand dieser allein noch, war aber umgebaut worden (Abb. 110)

und zwar aus den Überbleibseln des ersten Brunnens, den man abgerissen

hat. Das Standbild der Jungfrau Maria (Abb. 107) war mehr als einmal

die Veranlassung zu bitteren Streitigkeiten zwischen Katholiken und

Protestanten gewesen[263]. Während wir in anderen Bädern gleich in oder

beim Bade meist eine Röhre zum Trinken finden, mußten die Aachener

Kranken zu dem Corneliusbrunnen über die Straße gehen. Für Leute,

die an das Haus gefesselt waren, schrieb ~Blondel~ eine besondere

Verschickungsart vor. Es sollten „dupele Gläserne Flaschen“ genommen

werden mit engem Hals. Durch steinerne ginge die Kraft, in ihnen bliebe

auch der Wüst stecken. Nach der Ankunft sollten die Flaschen uneröffnet

in einen Kessel mit kaltem Wasser gelegt und in diesem erwärmt, danach

im warmen Wasser in einem Holzkübel bis zum Gebrauch aufbewahrt werden

(Abb. 106)[409].

[Illustration: Abb. 109. Neuer Trinkbrunnen in Aachen 1727. (Nieuwe

warme Fontein op alle vier Hoeken Water geevende.) Kupfer aus:

~Blondel~, Beschryving van de Stad Aken. Leiden 1727.]

[Illustration: Abb. 110. Ansicht des warmen Brunnens auf dem Markte zu

Aachen. 1. Der Brunnen, wo man trinket. 2. Der Spazierplatz. 3. Das

Herrenbad. Kupfer aus: Amusements des eaux d’Aix la Chapelle. Amsterdam

1736.]

[Sidenote: _Badebekleidung_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 28 / 53 段