dem Dorf Ems und dem Warmbade. 1403 verkaufte eine Gräfin von
Nassau das Dorf mit den warmen Bädern um fünftausend Gulden[70].
Die erste Nachricht über Pyrmont gibt ~Henricus de Hervordia~, ein
Dominikanermönch, der ums Jahr 1350 lebte. Er beschreibt den jetzigen
Trinkbrunnen sowohl als den Badebrunnen, jener hieß damals fons sacer,
dieser fons bulliens, der Siede- oder Brodelbrunn. Der erstere spritze
dem ins Gesicht, der sich darüber beuge, der andere quille mit
solchem Geräusch, daß man ihn auf beträchtliche Weite schon höre[342].
Württembergs Wildbad wird zum erstenmal aus Veranlassung des Überfalls
des Grafen Eberhard des Greiners, der hier zur Kur weilte, durch die
Martinsvögel im Jahre 1367 erwähnt. Das Haller Wildbad — nicht zu
verwechseln mit dem dortigen, später entdeckten Solbad — wird schon in
jener bereits erwähnten Urkunde aus dem 13. Jahrhundert genannt[154].
1403 wurde das untere Bad zu Liebenzell verliehen, 1415 „unser nüw
wildbad zu Liebenzelle, genant das ober bade“, ein Beweis, daß die
Zahl der Besucher zugenommen hatte[61]. Im 16. Jahrhundert zählte das
„Zeller Bad“, wie es meist genannt wurde, zu den angesehensten Bädern,
im 18. wurden die beiden Badeanstalten sogar durch eine Lindenallee
verbunden. Trotzdem ging die Regierung gegen Ende des Jahrhunderts
mit dem Plane um, eines der Bäder eingehen zu lassen. Um diese Zeit
scheinen beide in Privatbesitz übergegangen zu sein, allein auch so
wollten sie nicht gedeihen. Kurz vor 1839 war es nahe daran, daß eines
der Bäder zu anderen Zwecken verwendet wurde[154]. Von da ab kam es mit
den anderen württembergischen Bädern zusammen wieder in die Höhe.
[Sidenote: _Soden / Kreuznach_]
Die Sodener Mineralquellen werden in Frankfurter Urkunden zum ersten
Male 1433 genannt, von 1437 an auch eine warme Quelle. Die Stadt
Frankfurt erhielt durch kaiserliches Privileg das Eigentumsrecht
„der Quelle und Springe einer warmen Adern und Flosses“ und wurde
ermächtigt, sie zu „bessern, bauen und gebrauchen“. 1567 fanden
sich zu Soden vier Salzbrunnen und die warme Quelle. Im Frankfurter
Ratsprotokoll desselben Jahres heißt es, wenn man die letztere
zurichten ließe, so könnte sie als Bad benutzt und so mit der Zeit
einträglich gemacht werden. Sie wurde damals wirklich gefaßt und um
ihretwillen Soden seitdem als Kurort besucht. Die Solquellen dienten
nur zur Salzgewinnung. Später wurde der warme Quell verschüttet, wie
es heißt von den Einwohnern zugedeckt, die im Dreißigjährigen Kriege
zum Auswandern genötigt worden seien. Nach ihrer Rückkehr fanden sie
die Quelle nicht wieder. Am Anfang des 18. Jahrhunderts brach sie von
selbst hervor, und man fand beim Nachsuchen die alte Brunnenfassung.
Von dieser Zeit an diente Soden wieder als Kurort, wurde jedoch
anfänglich nur von wenig Gästen, meist Frankfurtern, besucht[127]. Zu
Kreuznach erhielten 1490 zwei Köche des Pfalzgrafen Philipp bei Rhein
den „saltz- und badbronnen“ wegen treuer Dienste zum Erblehen mit der
Erlaubnis, eine oder mehrere Badestätten zu errichten, was für andere
gleichzeitig verboten wurde. Die Benutzung der Solquellen als Bad
reicht demnach nicht über 1490 zurück[61].
[Sidenote: _Wiesbadener Leben im 14. Jahrhundert nach Heinrich von
Langenstein_]
Im Testamente der Begine Methildis zu Boppard findet sich 1322
eine auf die Blüte der Bäder zu Wiesbaden gehende Notiz. Im 14.
Jahrhundert waren elf Bäder vorhanden, deren ältestes sich 1326
nachweisen läßt[432]. In den achtziger Jahren des 14. Jahrhunderts
beschrieb ~Henricus de Langenstein~, dictus de Hassia, (1325–1397) ein
Wandgemälde im Saale des Mainzer Kämmerers und Domherrn Johann von
Eberstein, das ein Badefest in Wiesbaden darstellte[357]. Hier die
Schilderung in der deutschen Übersetzung von ~Schultz~[210]:
„Von fleischlicher Lust.
Wenn ich mich nicht täusche, so ist der Sinn dessen, der die Reihe
besagter Malereien angab, von dem Geiste getrieben worden, um
stillschweigend die Meinung des Apostels Johannes auszudrücken, der
da spricht: „alles was auf der Welt vorhanden ist, ist Begehrlichkeit
des Fleisches oder Begehrlichkeit der Augen oder Übermut des
Lebens“. Das heißt: alle Laster weltlicher Verirrung sind auf drei
zurückzuführen: fleischliche Lust, weltliche Habgier und Stolz
auf eitlen Ruhm. Wie aber konnte schicklicher fleischliche Lust
dargestellt werden, als auf einem Bilde des Wiesbadener Festes,
das durch alle Fleischlichkeit anstößig, von dem Schaume aller
sinnlichen Wollust triefend ist? Zu ihm kommen sie von allen Seiten
in Freude und Ausgelassenheit, mit Trompeten und Pfeifen, mit vollen
Kasten und Flaschen, man bringet Lebensmittel und die leckersten
Getränke herbei, man nimmt Geld in Menge mit, seltsame Kleider werden
mitgeführt; in der Hoffnung, sich zu ergötzen, wird schon auf dem
Wege gespielt, gesungen, geplaudert, als ob man am Ziele die Freude
der Glückseligkeit zu erwarten habe. Wenn man angekommen ist, werden
Gastereien veranstaltet, man sucht der Frauen Gesellschaft, geht ins
Bad, wäscht den Leib, befleckt die Seele. Man geht heraus, und es
schmettern die Trompeten, erklingen die Pfeifen, beginnen die Tänze.
Da werden den keuschen Augen der Zuschauer vorgeführt die Schauspiele
der Verderbnis, nämlich die wollüstigen Gebärden, die unzüchtigen
Kleider beider Geschlechter. Da sieht man bei den Frauen die Blöße
des Busens, bei den Männern die Entblößung des Gesäßes, überall
Ausschweifung, durch die ein keuscher Sinn beleidigt wird. Was mehr?
Hier sieht man lauter Eitelkeit und Zerrüttung, keine Frömmigkeit,
keine Ordnung, hier ist Gottvergessenheit, hier ist jede Tugend
verbannt; es gibt keine Schamhaftigkeit, es fehlt das Maßhalten,
es herrscht die Genußsucht, es rast die Wollust. Bei diesem Feste
des Bauches, oder richtiger diesem öffentlichen Hause der Venus,
diesem Spielwerk des Teufels, wirst du wunderbare Ungeheuer sehen:
wenn der Mönch im ritterlichen Kleide sich sehen läßt, der Ritter in
der Mönchskutte, die Nonne im Anzug einer öffentlichen Dirne, der
Geistliche in Frauenkleidern. Da werden versteckt Küsse gegeben:
es küssen sich Männer und Weiber. Im Bade sitzen sie nackt mit
Nackten beisammen (vgl. Abb. 95), nackt mit Nackten tanzen sie.
Ich schweige darüber, was im Dunkeln vor sich geht, denn alles
geschieht öffentlich. Aber was ist das? Der Ausgang und der Eingang
dieses unsinnigen Festes ist nicht gleich, wenn, nachdem alles
verzehrt ist, die Kasten leer zurückkommen, die Geldbeutel ohne
Geld, man die Rechnung hört und die Verschleuderung so vielen Geldes
bereut. Und zuweilen beißt auch die Seelen der Heimkehrenden das
Gewissen wegen der begangenen Sünden. Der ist traurig über solche
Verirrung, der klagt, weil er von der Lust scheiden muß, der gedenkt
betrübt, wie kurz und inhaltlos die Freuden der Welt sind. Was
mehr? Sie kehren heim, die Körper sind weiß gewaschen, die Herzen
durch Sünde geschwärzt; die gesund hingingen, sie kehren heim
angesteckt (discrustati); die durch die Tugend der Keuschheit stark
waren, kehren heim verwundet von den Pfeilen der Venus. Das möchte
noch wenig bedeuten, wenn nicht die Mädchen, die als Jungfrauen
hinreisten, als Dirnen zurückkehrten, als Ehebrecherinnen, die
anständige Ehefrauen waren, wenn nicht als Teufelsweiber heimkehrten,
die als Gottesbräute hingingen. Und so erfahren sie durch diese und
andere Anlässe zur Trauer bei der Rückkehr alle die Wahrheit des
Satzes, daß das Ende aller fleischlichen Lust Trauer ist.“
[Illustration: Abb. 95. Darstellung eines Wildbades. Federzeichnung von
~Peter Flötner~. 16. Jahrhundert[B].]
[Illustration: Abb. 96. Leuk im Wallis. Holzschnitt aus: ~Sebastian
Münster~, Cosmographiae universalis Lib. VI. Basel, Petri, 1550.]
[Sidenote: _Pfäfers_]
Pfäfers wurde 1038 entdeckt, 1240 oder 1242 wiederum. Um 1242 traf
der Fürstabt Hugo II. von Villingen eine Vorrichtung zum Baden, aber
erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts scheint Abt Johann II.
von Mendelbüren ein Badehaus errichtet zu haben, das in der Schlucht
mitten über der Tamina auf hölzernen Tragbalken ruhte (Abb. 130).
1382 gab es der erwähnte Abt zwei Brüdern Camaurizi aus Valens auf
zehn Jahre zu Lehen unter der Bedingung, noch einiges an Gebäuden
aufzuführen und die Personen des Klosters unentgeltlich aufzunehmen.
Da der Andrang der Gäste immer stärker wurde, so errichteten teils die
Pächter, teils Private einige Häuser im Badtobel, der Schlucht am Wege
nach Valens. Den Hindernissen, welche die Natur der Entwicklung des
Bades entgegenstellte, traten Zwistigkeiten des Klosters mit dessen
Schirmvögten zur Seite, die auch ein Recht am Bad zu haben behaupteten
und in der Tat seit 1330 den halben Pachtzins bezogen hatten, bis
1396, wie schon erwähnt, Graf Johann von Werdenberg seine Ansprüche
am Bad zu seinem und seiner Familie Seelenheil an das Kloster abtrat.
1420 errichtete Abt Werner IV. von Reitnau ein neues Badhaus, ließ den
Weg etwas zugänglicher machen und löste nach und nach die erteilten
Badlehen wieder ein. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gingen die im
Badtobel gelegenen Häuser an das Kloster über[316].
[Illustration: Abb. 97. Leuk im 18. Jahrhundert. Kupfer nach ~von
Rodt~.]
[Sidenote: _Leuk_]
Die Leuker Thermen werden 1315 zum erstenmale urkundlich erwähnt. 1481
erneuerte der Bischof Jost von Sitten einige Logierhäuser, ließ für
sich ein besonderes Bad erbauen und legte den Grund zum großen Ruf
der Quellen. Weitere Bauten folgten. Aber 1518 zerstörte eine Lawine
alle größeren öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser[90].
Die darauf neu erstandenen Einrichtungen waren sehr einfach (Abb.
97) und trotzdem berühmt. Fast in keiner der Bäderbeschreibungen des
16. Jahrhunderts sind sie unberücksichtigt geblieben. Den völligen
Untergang des alten Bades brachte am 18. Januar 1719 eine riesige
Lawine, die fünfzig Häuser, alle Bäder, die Gasthöfe, das Steinhaus
des Kardinals und eine Menge Hütten zerstörte, wobei fünfundfünfzig
Personen umkamen. Ein neues Dorf entstand am rechten Dalaufer „ohne
Schönheitsrücksichten, ohne Bequemlichkeit, die zusammengedrängten
Häuser mit unbequemem Zugang und wunderlicher Lage, die kleinen Straßen
ohne Plan“. (Vgl. Abb. 96.) Es verschwand durch die modernen Bauten der
Neuzeit[90].
[Sidenote: _Fideris_]
Während wir bis zum 16. Jahrhundert vom Sauerbrunnen zu St. Moritz
noch keine Nachricht haben, wird der zu Fideris im Prättigau 1464
urkundlich erwähnt. Das später eingegangene untere Badbrünneli wurde
mit der Verpflichtung verliehen, ein Bad zu beginnen. Die Bewohner
von Fideris verpflichteten sich, so lange im unteren Bad Platz sei,
keine Fremden ins obere (jetzige) Bad zu führen. 1497 war letzteres
im Besitze des Hauses Österreich und wurde verpachtet. 1529 hatte es
Pergätzi von Fideris zum Lehen. Er bat die Gemeinde, da er alles, was
ihm Gott an Zeitlichem beschert, auf das Bad gelegt habe, man solle
ihm, dieweil das Bad ein Schatz und eine Gabe Gottes sei, in das so
„meng siech presthaft Mensch“ komme, der darin gesund und gebessert
werde, gestatten, statt nur eines Pferdes drei auf die Gemeindeweide
zu treiben. 1545 riß, wie ~Campell~ berichtet, die durch einen
Wolkenbruch angeschwollene Raschitscha alle Bäder und Gebäude samt
allem Inhalt hinweg, so daß die Quelle verschüttet wurde und lange
nicht mehr gefunden werden konnte. Alles mußte neu erbaut werden; 1547
sah ~Campell~, wie eine Menge Männer einen ungeheueren Wasserwärmkessel
über den engen Fußsteig wieder in das Bad schleppte. Von 1550 an wurden
Küche, Keller, Metzgerei, Bäckerei, Wirtsstüblein, Tanzlaubezimmer,
Landvogteistüblein, Spensa und Zwickezimmer errichtet[90]. 1553 kam der
Züricher Naturforscher ~Conrad Gessner~ nach Fideris und bewunderte
dort das Pumpwerk, mit dem der Sauerbrunnen in die Badkessel gehoben
wurde (Abb. 98)[334]. Für die damalige Zeit war diese Anlage ein
Ereignis. Fideris scheint überhaupt sehr gut eingerichtet und eine
Art Luxusbad gewesen zu sein; denn 1559 schreibt der Baseler Arzt
~Huggelin~: „Wo einer zů vil gelt inn dem seckel hat, dem hilfft es
auch geschwind daß er sein ledig wirt. Dann gůten weyn, auch andere
gůte kost findet man genůg in disem Bad“[80], und ~Martin Ruland~
sagt 1568: „Für alle kranckheit helffen warme Bäder, vnd dz Bad
Fideris“[400]. Seither blieb es fast ununterbrochen im Gebrauch.
[Sidenote: _Worms_]
Es muß hier eines im welschen Gebiet liegenden Bades gedacht werden,
das für das deutsche Badeleben von nicht untergeordneter Bedeutung war.
Bormio, deutsch Worms genannt, schon von Plinius beschrieben und vom
Ostgotenkönig Theoderich dem Großen benutzt[38], hatte 1336 ~Petrus
de Tussignano~ zu Gaste, der dort am 13. März des genannten Jahres
„ad honorem Dei, beatae Mariae, et Sancti Martini“ zwölf Baderegeln
aufstellte[333], die den deutschen Schriftstellern später zur
Richtschnur dienten. 1616 war Bormio weit berühmt, nicht nur in Rätien,
Tirol, Bayern, Schwaben, Österreich, den anstoßenden Ländern Italiens,
sondern auch bei den äußersten Holländern und Goten in solcher Gestalt,
daß ein Sprichwort bei ihnen entstand: „Wormserbad heylt allen
schad“[59].
[Illustration:
A Locus in quo aqua Balnei hauritur è puteo.
B Rota quam riuus montanus impellit.
C Canalis ligneus.
D Aqua defluens è riuo montano impellens Rotam.
E Aqua riui montani seorsum defluens quando non impellit rotam.
F Hastæ immissæ quæ implent tubos.
G Tubi in puteum demissi.
H Orbis ligneus.
I Corpus circumaffixus.
K Canalis ex quo aqua effunditur.
L Lebes in quo calefit aqua.
M Lignum quod est operculum impediens riuum monunum.
N Baculum præcipuũ quod sustinet Cyconiam.
O Tabula quæ lebetem operit.
P Baculum paruum infixum operculo Lebetis.
Abb. 98. Pump- und Heizwerk des Sauerbrunnens zu Fideris. Holzschnitt
aus: ~Conradus Gesnerus~, De Thermis Helveticis. In: De Balneis.
Venetiis (Venedig) apud Juntas, 1553.]
[Sidenote: _Baden im Aargau_]
Die Bäder zu Baden in der Schweiz führen nach ~Konrad Gessner~ in
alten Schriften die Namen „das Bad der Drey Küngen in Ober-Schwaben,
bey Schweitz“, so benannt nach der Kapelle der Heiligen drei
Könige, und „das Bad der Herzogen in Österreich“[94]. Die Stadt wurde
„Herzogen-Baden“ im Gegensatz zu Markgrafen Baden (Baden-Baden)
genannt[315]. Beide werden auch als Ober- und Niederbaden
unterschieden. Die alten Bäder waren offen, doch kommt schon im 13.
Jahrhundert auch ein geschlossenes Bad (clausum balneum) vor, das
wahrscheinlich der noch öfter zu nennende Hinterhof war. 1322 gab
es der Herzog Leopold von Österreich dem Lienhard Meyer von Baden
zum Erblehen, in dessen Familie „das beslozzen pad ze Paden“ (1357,
1364) bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts blieb samt einem zweiten,
dem 1398 genannten Widchenbade, vermutlich der späteren Kesselquelle
zum Bären. „Der Hof nid dem Rain oder am Rey“, der spätere Staadhof,
wurde 1361 vom Herzog Rudolf von Österreich zum Lehen gegeben, aber
1405 dem Heinrich Kaufmann wegen treuer Kriegsdienste gegen die
Schwyzer zum Eigentum geschenkt, während der Hinterhof bis ins 19.
Jahrhundert Lehen blieb. Die Inhaber der beiden Höfe waren nicht
etwa Bader oder Scherer, sondern vornehme Personen. Götz Meyer vom
Hinterhof war Untervogt von Baden und Ritter. Er zog als Bannerträger
der Stadt 1386 mit zwei Söhnen auf österreichischer Seite in die
Schlacht bei Sempach, wo er auf der Wahlstatt blieb. Bis ins 19.
Jahrhundert waren die beiden Höfe nur von der vornehmen Welt besucht,
bis sie 1872 von einer Aktiengesellschaft gekauft und niedergerissen
wurden. Aus ihnen entstand das heutige Grand Hotel. Daneben gab es
schon im 14. Jahrhundert die bürgerlichen Badehäuser zum Bären, zum
Ochsen, zum Raben, zur Blume und zur Sonne. So wurde z.❆B. der Bär,
der österreichisches Lehen war, 1361 verpfändet, der „Badhof, so
man nennt des Berners Geseste, mit Haus, Hofstatt, Bädern und den
fließenden warmen Wassern, die von +altersher+ in die Bäder gerinnen,
mit all dem, so dazu gehört“. Wir finden auch hier die Zahlung des
Zinses in Naturalien. Das später zum Raben genannte Bad gab 1299
jährlich nur zwei weiße Gänse. Neben diesen Badegasthäusern bestand
ein größeres Gasthaus, das zum Schlüssel (in Abb. 99 durch sein
Aushängeschild kenntlich), das kein Thermalwasser hatte. Es besaß den
anderen gegenüber aber Vorrechte — nachweislich seit dem Jahre 1377
—, die darin bestanden, daß jedermann, sei er bei ihm in Herberge
oder nicht, um sein Geld essen und trinken konnte, was er wollte.
Den anderen Wirtshäusern in den Bädern war bei Strafe untersagt,
fremden Gästen, die nicht bei ihnen Herberge hatten, Speise und Trank
zu verabreichen. Zur Erläuterung sei angeführt, daß die Bäder eine
Viertelstunde von der Stadt entfernt lagen und somit die Wirtshäuser
in der Stadt von dieser Verordnung nicht getroffen wurden, ja sie war
in deren Interesse erlassen. Das Vorrecht des Schlüssels wurde dadurch
zunichte, daß er 1404 von der Stadt gekauft wurde, nachdem der Rat von
Baden mit dem Besitzer, dem Kreuzfahrer Walter Brunner, 1398–1503 bis
zum kaiserlichen Landgericht in Rottweil herumprozessiert hatte[32].
Brunner hatte nämlich sein Vorrecht auf Grund einer päpstlichen Bulle
erhalten, die anscheinend die Stadt anerkennen mußte. Noch im 16.
Jahrhundert durften die Badewirte nur ihren Gästen und keinen anderen
Leuten Wein und Speisen auftragen, damit den Wirten in der Stadt kein
Abbruch geschehe. Obwohl jene 1510 vorstellig wurden, sie könnten gar
nicht verhindern, daß die Karrer und die Gäste derselben, daß der
Besuch der Badenden Herberge nähmen, daß die Badegäste selbst einen
Fremden zum Trunk einlüden, die von Baden beriefen sich auf Brief und
Siegel, und die acht Orte bestätigten es[315]. Im Schlüssel befand
sich ein mit zwölf Tischen versehener geräumiger Sommersaal, in dem
die vornehmen Herren aus den beiden Höfen, wenn sie nicht eigene Küche
führten, die Mahlzeiten einnahmen; denn die Inhaber der Höfe gaben
noch im 15. Jahrhundert ihren Gästen nur Zimmer und Bäder, aber keine
Lebensmittel. Außerdem gab es in den Bädern mehrere Gasthäuser, in
denen die ärmeren Leute wohnten, welche die beiden freien Bäder, das
Verena- und das Freibad benutzten. Vom Freibad ist 1399 das erstemal
die Rede. Die Herren von Rümlang, welche das Scher- und Schröpfrecht
daselbst als Lehen besaßen, setzten durch, daß ein Scherer Hensli,
der dort seinen Beruf auszuüben sich anmaßte, weggewiesen wurde. Den
sogenannten großen Bädern gegenüber liegen auf der anderen Seite der
Limmat die sogenannten kleinen. 1347 stritten die Besitzer der fünf
Wirtshäuser um den Besuch der dortigen zwei öffentlichen Bäder. Der
Zwist wurde dahin beigelegt, daß alle Gäste der fünf Wirtshäuser
gleiche Rechte haben sollten[32].
[Illustration: Abb. 99. Baden im Aargau. Holzschnitt aus: ~Joh.
Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.]
[Sidenote: _Poggios Bericht über Baden im Aargau von 1417_]
Einen eingehenden Bericht über das Leben zu Baden hat uns ~Johann
Franz Poggio~ in einem 1417 an seinen Freund Nicolo Nicoli gerichteten
Briefe hinterlassen. ~Poggio~ war vierzig Jahre lang Sekretär von zehn
verschiedenen Päpsten und starb 1459 als Kanzler der Republik Florenz.
Er begleitete den Papst Johann XXIII. zum Konzil nach Konstanz, von wo
aus er die Bäder zu Baden besuchte. Ich gebe seinen Bericht nach der
Übersetzung im helvetischen Almanach von 1800 wieder[327].
„Ich schreibe dir diesen Brief aus den hiesigen Bädern, wohin mich die
Gicht an den Händen getrieben, und denke, sie verdienen es, sowohl die
Lage und Anmut derselben, als die Sitten der sich hier aufhaltenden
Gäste, und ihre Badensweise dir zu schildern.
Die Alten machten viel Redens von den Bädern zu Puteoli, wohin beinahe
ganz Rom, um sich zu erlustigen, zusammenfloß. Allein, nach meiner
Meinung, kamen dieselben in dieser Rücksicht den hiesigen nicht bei,
und leiden überhaupt keine Vergleichung mit ihnen. Dort trug die
Schönheit der Gegend und die Pracht der umliegenden Landhäuser, mehr
als das Baden und die fröhliche Gesellschaft, zu den Vergnügen des Orts
bei. Hier hingegen gewährt die Lage dem Gemüt keine, oder doch nur
sehr geringe Ergötzung; alles andere aber hat so unendlichen Reiz, daß
ich mir öfters träumen konnte, Cypria selbst, und was sonst die Welt
Schönes in sich fassen mag, sei in diese Bäder zusammengekommen; so
sehr hält man hier auf die Gebräuche dieser Göttin, so sehr findest du
da ihre Sitten und losen Spiele wieder; und so wenig die guten Leute
Heliogabals[C] Rede gelesen haben, so vollkommen scheinen sie doch von
Mutter Natur selbst hierin unterrichtet zu sein.
Vor allen Dingen aber noch ein Wort von dem Wege, der von Constanz
hieher führt, damit du wissest, in welchem Teile Galliens unsre Bäder
gelegen seien.
Den ersten Tag fuhren wir in einem kleinen Nachen auf dem Rhein bis
Schaffhausen sechs Meilen weit; hernach mußten wir des hohen Falles
wegen, den dort der Fluß über abgerissene schroffe Felsen macht,
anderthalb Meilen zu Fuße gehen, und kamen so zu dem jenseit des Rheins
gelegenen Schlosse, Kaiserstuhl, wo, aus dem Namen zu schließen, die
Römer (der vorteilhaften Lage wegen, auf einem hohen Hügel, an dem
Strome, wo Gallien mit Germanien durch eine kleine Brücke verbunden
wird) einst ein Lager gehabt.
Auf unserer Straße sahen wir, wie gesagt, den Rhein von einem hohen
Berg über dazwischen stehende Klippen mit einer Wut und einem Getöse
sich herabstürzen, daß man glauben sollte, er bejammre selbst seinen
Fall. Hier fiel mir ein, was man von den Katarakten des Nils erzählt,
daß nämlich die daran wohnenden Menschen von dem Geräusch und Geprassel
taub werden, da man schon das von diesem Flusse, der doch gegen jenen
nicht viel mehr als ein Waldbach ist, fast eine halbe Stunde weit höret.
Endlich kamen wir nach Baden, einer ziemlich wohlhabenden Stadt, die
in einem von Bergen rundum eingeschloßnen Tal an einem großen schnell
laufenden Flusse liegt, welcher anderthalb Meilen unter dem Ort sich in
den Rhein ergießt.
Ungefähr eine Viertelstunde von der Stadt nun, dicht am Flusse, hat man
zum Gebrauch der Bäder einen schönen Hof angelegt, in dessen Mitte sich
ein großer Platz befindet, ringsum von prächtigen Gasthäusern umgeben,
die eine Menge Menschen fassen können. Jedes Haus hat sein eigenes Bad,
dessen sich nur diejenigen bedienen, die in demselben wohnen. Die Zahl
der öffentlichen und Privatbäder beläuft sich zusammen an die dreißig.
Für die niedrigste Klasse des Volkes indessen sind zwei besondere von
allen Seiten offne Plätze bestimmt, wo Männer, Weiber, Jünglinge und
unverheiratete Töchter, kurz alles, was vom Pöbel hier zusammenströmt,
zugleich baden. In diesen befindet sich eine die beyden Geschlechter
absondernde Scheidewand, welche jedoch nur Friedfertige abhalten
könnte; und lustig ist es anzusehn, wie da zugleich alte abgelebte
Mütterchen und junge Mädchen, nackend vor aller Augen hinabsteigen,
und das, was sonst jedermann sorgfältig verbirgt[D], den Mannsblicken
preisgiebt. Mehr als einmal hat mich dieses köstliche Spektakel
belustigt; die floralischen Spiele sind mir dabei eingefallen, und
ich habe bei mir selbst die Einfalt dieser guten Leute bewundert, die
eben so wenig ihr Auge darauf richten, als sie dabei das mindeste Arge
denken oder reden.
[Illustration: Abb. 100. Mineralbad. Titelholzschnitt aus: ~J. J.
Huggelin~, Von heilsamen Bädern des Teutschenlands. Mühlhausen, 1559.]