[K] Die Auffassung ~Wetzler~s ist wieder ein Beleg, wie gering man

das Gute im eigenen Lande schätzte. In ~Schreger~s Balneotechnik

(1803)[4] sind sämtliche in Deutschland bestehenden Bäder aufgeführt,

aber keine einzige alte deutsche Badestube, z.❆B. in Frankfurt

die ~Kohl~schen und ~Hof~schen neuen Badeanstalten, nicht aber

die dort zur Zeit noch bestehende Badestube, weil er die deutsche

Badestube nicht als Bad auffaßte. Es handelte sich bei dieser ja

schließlich auch nur noch um einen besonders stark erhitzten Raum,

der in den meisten Fällen zum Schröpfen erwärmt wurde, und diesem

Heißluftbad versagte man den Namen Bad. So erklären sich denn auch

die gleichzeitigen, widersprechenden Angaben, die Bader hätten

nichts mehr mit Baden zu tun und seien nur noch Schröpfer (S. 215),

einerseits und andererseits, die deutschen Badestuben würden durch

stark geheizte Öfen zum Zwecke des Schwitzens erhitzt, seien also

Schwitzbäder, und man schröpfe im Übermaß darin.

[L] In Wien bestand aber 1842 im „Fahnenstangenwasser“ eine

Flußbadeanstalt, die einem Herrn Kauff gehörte, und mit ihr war eine

Waschanstalt mit zwei Duschen in Verbindung, die zahlreichen Besuch

herbeilockten[636].

[M] Schon der König vom Odenwald erwähnt zu Anfang des 14.

Jahrhunderts, man ginge in die Badestube, daß man die Kleider

wasche[228], und als dem Hans Ulrich Krafft 1573 in Baden (Schweiz)

die Weiber sein „schnupftüechlin“ entführten, brachten sie es ihm

sauber und trocken zurück, ehe er seine Kleider angezogen hatte[329].

DIE DEUTSCHEN MINERALBÄDER IM MITTELALTER UND DIE AUS DIESEM IN DIE

NEUZEIT HINÜBERGENOMMENEN BADEGEBRÄUCHE[A]

Natürliche Bäder zu Heilzwecken, Heil- oder Gesundbrunnen genannt,

sind wahrscheinlich seit den ältesten Zeiten in Gebrauch. Ich erinnere

an die Seite 24 ff. genannten, zumeist heiligen und sehr kalten

Quellen. In Betracht kamen ferner die durch ihre Farbe, Geschmack,

Ausscheidungen und Wärme auffallenden Bäder, die Mineralbäder und

Thermen, wobei oft genug von Mineralien kaum nennenswerte Bestandteile

vorhanden waren, die kostbarsten und heilbringendsten aber angenommen

wurden. Obenan standen von jeher die natürlich warmen Quellen. Zum

Teil wurden sie schon von den Römern benutzt und mit Badeanlagen

versehen, z.❆B. Aachen, Bertrich, Wiesbaden, Badenweiler und die

drei Baden: bei Wien, in Baden und in der Schweiz[70]. Keines der

Römerbäder hatte einen dauernden Bestand, alle zerfielen oder wurden

noch öfter in Kriegszeiten, mit wenigen Ausnahmen von germanischen

Völkerschaften, zerstört. Auf ihren Trümmern entstanden neue Anlagen,

zumeist unter Nichtbenutzung der römischen. Mir ist als Ausnahme nur

das 1845 abgebrochene Verenabad zu Baden in der Schweiz bekannt, dessen

Einfassung von den Römern gebaut wurde. „In der nördlichen Wand sah man

früher“, schreibt ~Keller~ 1864, „in dem roten Cement die Eindrücke

von kleinen quadratischen Tafeln, welche in der Weise des Opus

reticulatum angeordnet gewesen waren“[131]. Auf einer Handzeichnung

~Vogel~s vom Jahre 1820 ist es gut sichtbar und von diesem als solches

angemerkt (Abb. 103 rechts unten). Beim Abbruch des Bades fand man

in der Quelle römische Münzen. Das aus der Zeit der Römer stammende

und wahrscheinlich von diesen als Bad benutzte marmorne Gewölbe, das

den „Ursprung“, die Hauptquelle von Baden-Baden, aufnahm, diente,

wenigstens 1606[362] und 1810, nicht als Bad, sondern als Sammelkasten

des heißen Wassers[405]. Die althochdeutschen Worte Badun und

Wisibadun[16] sprechen für die Benutzung der heute noch so benannten

Badeorte in alter Zeit.

[Sidenote: _Der Jungbrunnen_]

Während die Heilbrunnen nur Kranke heilten, finden wir, wenigstens in

der Sage, auch Brunnen, welche die Eigenschaft besaßen, Häßliche schön

und Alte jung zu machen, die sogenannten Jungbrunnen. Sie sind öfters

Gegenstand bildlicher Darstellungen (Abb. 92, 93) und dichterischer

Betrachtungen gewesen.

[Illustration: Abb. 92. Darstellung eines Jungbrunnens und

Verherrlichung der Heilbäder. Holzschnitt von ~Albrecht Glockendon~

nach ~Hans Sebald Beham~ ca. 1570. (Das Bild ist die seitliche

Fortsetzung zu Abb. 41.) Um 1600 wurde das Bild von ~Jo. Theo de Bry~

verkleinert in Holz geschnitten und trägt die Unterschrift:

„Balnea Mundana non vltima gaudia vitae

Esse vides, crebro quae faemina virque requirant.

Aestum Nymphaeis dum fallunt, frigora thermis,

Tempora colloquiis, quibus haud obsonia desunt

Exultant nunc loripedes, laetasque choreas

Circum ignem ducunt, multus quem scipio pascit“.

]

„Do furt sy in dem land(e), den tugenthaften man,

für einen (hohen) perg; da west sy ein jung brunnen stan,

der was ain halb kalt(er), und anderhalb was er warm:

dar ein sprang die frawe, sy pat sich got bewaren.

Do ward sy getaufet: vor was sy rauch Els genant,

nu hiesz sy fraw Sigminne, dy schönst über alle lant.

Do het sy dy rauhen haut in dem brunnen gelan:

in gedaucht, das nie kain schöner fraw(e) wär getan.“

(~Wolfdietrich~)[341].

[Illustration: Abb. 93. Jungbrunnen nach einer Freske von ~Hans

Holbein~ d. J. im Hertenstein-Hause zu Luzern (zwischen 1516 und 1519).

Nach ~von Liebenau~.]

Diese Darstellung stammt wohl aus einer Zeit, zu der man noch an den

Jungbrunnen glaubte. Man denke an die weiten Wanderungen Kranker zu

den kalten Gebirgsbädern, um dort durch Eintauchen in einfaches kaltes

Wasser Genesung zu erhalten, und wird nicht unwahrscheinlich finden,

daß mancher oder manche in aller Stille den beschwerlichen Gang zum

einsam im Hochgebirge gelegenen Jungbrunnen unternahm und durch

Untertauchen in ihm einen Versuch zur Verjüngung und Verschönerung

wagte.

Ganz anders war die Auffassung im 16. Jahrhundert. Man vermengte den

Jung- mit dem Heilbrunnen und stellte ihn demnach als Mineralbad dar.

Im Grundgedanken der Altweibermühle gleich, spielte er nunmehr die

Rolle eines Scherzes und kam in Nürnberg auch einmal an der Fastnacht

zur Darstellung. Hier „Der junkbrunn“ (1548) von ~Hans Sachs~:

»1. Eins nachts traumt mir gar wol besunnen,

wie ich köm zu eim großen brunnen

von merbelstein polieret klar,

darein das waßer rinnen war,

warm und kalt, aus zwelf gulden rören,

gleich eim wiltbad; tunt wunder hören:

Dis waßer het so edle kraft,

welch mensch mit alter war behaft,

ob er schon achzigjerig was,

wen er ein stunt darinnen saß,

so teten sich verjüngen wider

sein gmüt, herz und alle gelider.

Um den brunnen war ein gedreng,

wan dahin kam ein große meng,

allerlei nation und gschlechte,

münich, pfaffen, ritter und knechte,

burger, bauer und hantwerker,

der kam on zal zum brunnen her

und wolten sich verjüngen laßen,

vol zug es zu auf allen straßen,

2. Aus allen landen weit und ferren

auf senften, schlitten, wegen, kerren,

ir vil man auf radwerben zug,

etlich man auf mistberen trug,

und etlich trug man auf dem rücken,

etlich gingen daher auf krücken.

Zusamen kam ein hauf der alten

wunderlich, entig, ungestalten,

gerunzelt, zanlücket und kal,

zittrent und kretzig überal,

dunkler augen und ungehöret,

vergeßen, doppet und halb töret.

Ganz mat, bleich, bogrücket und krum

da war in summa summarum

ein husten, reispern und ein kreisten,

ein achizen, seufzen und feisten,

als obs in einem spital wer.

zwölf man waren bestellet her

die allen alten, so sie funnen,

halfen steigen in den junkbrunnen;

3. Die teten sich alle verjüngen

nach einer stunt, mit freien sprüngen

sprangen sie aus dem brunnen runt,

schön, wolgefarbt, frisch, jung und gsunt,

ganz leichtsinnig und wolgeberig,

als ob sie weren zwainzig jerig.

Da dacht ich mir im traum: fürware,

alt bist auch vier und funfzig jare,

dir get ab an ghör und an gsicht,

wes zeichst du dich, das du auch nicht

wol balt in den junkbrunnen sitzest,

die alten haut auch von dir schwitzest?

In dem daucht mich, wie ich zuhant

auch abzüg alles mein gewant,

in dem junkbrunnen mich zu baden,

ab zu kumen des alters schaden.

in dem einsteigen ich erwacht;

meins verjüngens ich selber lacht,

dacht: kein kraut ist auf ert gewachsen

mich zu verjüngen und Hans Sachsen«[29].

Als 1556 Pyrmont als Wunderbrunnen in Ruf kam, da ließen sich nach dem

Braumschweiger Chronikenschreiber ~Bünting~ (1586) auch alte verlebte

Weiber hinführen, die vermeinten, dort vielleicht wieder jung zu

werden[381].

[Sidenote: _Das Bad im Stein Aptor_]

Dem Jungbrunnen nahe an Wunderkraft stand das Bad im Steine Aptor, von

dem sich in Wigamur folgende Schilderung findet:

„Wer jnwendig jn falschait ist,

Der enmag kain fryst

Gewynnen bey dem stain;

Wer aber sein hercz rain,

So wirt er von des staines krafft

Vil werd vnd lobhafft.

Diese mer söllennt jr mercken wol,

Der stain was gemacht hol,

Baide tieff vnd weytt,

Als vns die vrkunt geyt.

Dise abenteür reich,

Ainem vass was geleich

Darjnnen man paden sollt

Wen der wirt wollt ....

Vnd jn dem selben stain badet kain man

Der falschen muet ye gewan,

Er wurde kranck, plaich, missefar

Vnd des leybs vnkrefftig gar.

Wer aber jn das pad gye,

Der raine tugent mynnet ye,

Von des staines macht vnd türe

Vnd von des prunnen natüre,

So er jn das pad gesaß,

Aller swere er vergaß,

Sein leyb ward ring, sein hercz fro,

Sein kraft starck sein gemüt hoh,

Der synnen ward er weyße,

Sein leyb stund gar nach preyße;

Suß lebt er ain manat

Das jm kainerlay schlacht not

Von freuden geschaiden mocht.

Jn so gethanner acht,

Als ich euch gesaget han,

So was das pad lobesam“[304].

[Sidenote: _Die ältesten Badenfahrten_]

Man muß annehmen, daß in der älteren Zeit die Gesundbrunnen meist nur

von Leuten aus der Umgebung benutzt wurden, vielleicht nur einen oder

wenige Tage, um dann wieder heimzuziehen, wie wir das bei den kalten

und heiligen Brunnen sahen. Solche einfache Badenfahrt wird 1574 von

~Collinus~ beschrieben. Zur Quelle von Augsport (Wallis) wallte täglich

eine große Menge Menschen, zum Teil aus weiter Ferne. Von Krankheit

geschwächt, von der langen und beschwerlichen Reise ermüdet, kamen die

unwissenden, einfältigen Bauern hungrig und durstig an und tranken nun

so viel von dem höchst kalten Wasser, als sie nur immer zu schlucken

vermochten. Hierauf wuschen sie entweder den ganzen Körper oder ein

einzelnes Glied, den kranken Teil mit dem Wasser, das sie mittelst der

Hände schöpften, zündeten dann ein Feuer aus Alpenrosensträuchern an,

setzten sich um dasselbe, langten nun aus ihren Säcken und Ranzen die

mitgebrachten Lebensmittel hervor, brieten Käse und tranken dazu von

Zeit zu Zeit von dem Heilwasser in vollen Zügen, indem sie von diesem

Wasser kein Sättigungsgefühl zu spüren behaupteten. Nach Beendigung

des Mahles füllten die Leute ihre mitgebrachten Fläschchen mit dem

Heilwasser und begaben sich nun auf den Rückweg[86].

Aber schon im 14. Jahrhundert treffen wir Badereisen von längerer

Dauer in benachbarte Kurorte an. Als 1376 Meister und Konvent des

heiligen Geist-Hospitals zu Ulm von ihren Gütern und Almosen eine

neue Präbendenmesse in der Hospitalkirche stifteten, ward besondere

Rücksicht darauf genommen, daß jeder jeweilige Inhaber dieser Pfründe

alljährlich auf zwanzig Tage in ein natürliches Bad ziehen konnte,

wie ~Jäger~ meint, wahrscheinlich nach Überkingen[50]. 1352 unternahm

der Abt von Sankt Emmeram eine Badereise[16]. In den 1346 erneuten

Statuten der Züricher Chorherren vom karolinischen Stift heißt es:

„Ein Chorherr mag wohl im Frühling und Herbst seiner Gesundheit halber

eine achttägige Badenfahrt halten und gleichwohl sein Pfrundeinkommen

beziehen, als hätte er dem Gottesdienst beigewohnt; bleibt er aber

länger aus, so wird er als abwesend gehalten“[315].

Im 15. Jahrhundert treten einzelne Kurorte vor anderen als berühmte

hervor; manche davon kennen wir heute kaum dem Namen nach.

[Sidenote: _Baden-Baden_]

675 schenkte der fränkische König Dagobert dem Abte von Weißenfels die

badischen Bäder. Die Stadt Baden lag noch in Ruinen von der Zerstörung

durch die Alemannen her[70]. Nach einer Urkunde bei ~Zappert~ überließ

derselbe König Dagobert 676 dem Kloster Weißenfels die Bäder jenseit

des Rheins im aucicensischen Gau, welche die Kaiser Antonius und

Hadrian gebaut hatten[16]. 873 gab König Ludwig dem Kloster Weißenfels

die in den Kriegen verlorenen Bäder zu Baden zurück[70]. Die Stellen

betreffen Baden-Baden.

[Sidenote: _Steirische Bäder_]

Ein „Padebrunne“, das heutige Badenbrunn bei Kirchberg an der Raab,

wird in Dokumenten von 1183–1187 erwähnt. Eine Urkunde von 1141 nennt

in der Gegend von Cezt und Wibestein bei Gleichenberg in Steiermark

einen „fons marmoreo lapide signatus“. Gleichenberg war schon den

Römern bekannt, ebenso Tüffer, das im 14. und 15. Jahrhundert wieder

als Bad erwähnt wird, zur selben Zeit auch Einöd in Steiermark[84].

Das im Wasgenwalde, zwar nicht auf deutschem Gebiet liegende, aber viel

von Deutschen benutzte Plummers (Plombières) erhielt 1292 vom Herzog

Friedrich III. von Lothringen ein Castrum oberhalb des Bades, um die

Badenden vor räuberischen Überfällen zu schützen[16]. 823 wurde die

Saline zu Kissingen dem Benediktinerkloster in Fulda geschenkt, das

Rippoldsauer Bad gegen 1140 von den Benediktinern vermietet und zwar

mehrere Jahrhunderte hindurch[70].

[Sidenote: _Böhmische und andere Bäder_]

Die Quellen von Bilin sollen 761, die von Teplitz im folgenden Jahre

entdeckt worden sein. 1160 wurde hier gebadet[70]. Karlsbad erhielt der

Sage nach von Kaiser Karl IV. seinen Namen und wurde 1370 von demselben

beim Jagen entdeckt[350]. Die Auffindung der Warmbrunner Therme soll in

das Jahr 1175 fallen. 1403 besaßen die Zisterzienser das Propsteibad

daselbst.

Gastein wird zum ersten Male in einem Liede von „Nithart“ im 13.

Jahrhundert erwähnt. „Hienach folget wie Neidhart bey einer schönen

graserin in der Kasteien badet“:

„Ein graserin in der Gastein (bat)

diu gab mir lust (unt vröud) mit irem gerein,

Do ich sach durch ir pfat die briun’

mich tet mit iren högk noch zein,

Ich greif si an unt tet si zuo mir smükken,

schon’ bükken, jükken in dem bat;

was aller welt ein kleiner schat,

unt tet uns wol im libe und im herzen“[103].

1420 wurde ein neues Kurhaus gebaut, und man machte die Wege

zugänglicher[70]. „Anno 1436 ist Kaiser Friedrich der dritt alhir in

den Padt gewesen, hat an einem Schenkhel ain ofenen schadten gehabt,

ist ihm geholfen, auch frisch und gesundt worden.“ 1489 wurde durch

den Gewerken Konrad Strochner zur Aufnahme unbemittelter Kranker ein

Badehospital gegründet. Zur Zeit standen die Goldbergwerke Gasteins

in höchster Blüte[344]. Baden bei Wien war 1450 stark besucht. Kaiser

Friedrich III. hielt sich damals dort auf. Im folgenden Jahre badete

auch die Kaiserin Eleonore nach einem Wochenbett. Im 13. Jahrhundert

soll es Sitte gewesen sein, daß junge Ehemänner ihre Frauen zum Brunnen

von Spa schickten, obgleich erst 1327 einige Wohnungen um den Pouhon

aufgeführt wurden[70]. Die älteste Brunnennachricht von Wildungen

findet sich hinter dem Altare und ist vom Jahre 1378[343].

[Sidenote: _Bayrische Bäder_]

[Sidenote: _Heilbronn_]

Heilbrunn in Oberbayern, heute noch durch seine Adelheidsquelle ein

blühender Kurort, soll schon vor 1059 den Mönchen als heilender Quell

bekannt gewesen sein[343]. Dagegen ist das Wasser von Heilbronn heute

außer Gebrauch. Der Sage nach sollen die Gesellen des heiligen Kilian

hier Christen getauft haben, wonach die Quelle den Namen Heiligbronn

erhielt. Tatsächlich kommt in Urkunden seit der Karolinger Zeiten bis

zu Anfang des 15. Jahrhunderts — nach ~Jäger~ sogar ausschließlich

— die Bezeichnung Heiligbrunn (z.❆B. 841 Hailigbrunno) vor, 1225

aber auch „Heilesbrunnen“ und 1338 „Heylprunnen“. Schon 745 übergab

Karlmann eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche zu Heilbronn dem neu

errichteten Bistume Würzburg[363]. Nach einer Urkunde von 1132 erhielt

das Kloster vom Heilbrunnen seinen Namen. Es sind auch Heilungen aus

alter Zeit bekannt. Man hielt sie jedoch, wie den Zusammenhang vom

Kloster mit seinem Namen, für Sage, weil kein Brunnen vorhanden war.

Als man aber 1729 in dem im alten Kloster gelegenen Brauhof einen bis

dahin öden Brunnen ausräumte, um einen Fischbehälter daraus zu machen,

zeigte es sich, daß man nicht nur vier oder fünf Treppen hinabgehen,

sondern auch um denselben her in ausgerundeten Steinen sitzen und das

daneben gefaßte Wasser bequem schöpfen konnte. Das war das ehemalige

Badebassin. Man suchte auch nach der Quelle und fand sie in ihrer

alten Einfassung, nämlich in schön zusammengeklammerten Quadersteinen

in ein längliches Viereck gefaßt, fünf Schuh tief unter der Erde.

Bei diesen Arbeiten wurden, wie das nach den älteren Bäderberichten

öfters zu geschehen pflegte, zwei zufällig mit Krankheiten behaftete

Taglöhner sofort gesund, und nun war der Ruf der alten Quelle wieder

hergestellt. Bis dreißig Meilen weit wurde das Wasser fortgeführt, oft

badeten an einem Tage mehrere hundert Personen. Man leitete aus der

alten, unverändert gelassenen Fassung die Quelle in einen Neubau (Abb.

94), der für Trinkkuren und zum Schöpfen von Badewasser eingerichtet

war[361]. Nach vielen, auch im Druck veröffentlichten Heilungen schwand

der Ruf der Quelle, die fortan gutes Trinkwasser lieferte und gegen

1854 auch eine kleine Badeanstalt für Gesunde erhielt[364].

[Illustration: Abb. 94. Gesundbrunnen im Kloster Heilbronn. Kupfer aus:

~Feuerlein~, Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge.

Nürnberg, 1732.]

[Sidenote: _Burgbernheim_]

Das gleiche Schicksal hatte das einst hochberühmte Wildbad zu

Burgbernheim in Franken. Schon Kaiser Lothar ließ 1118 das Wasser nach

Nürnberg bringen und benutzte es gegen Nierensteine. 1308 wurde das Bad

von vielen vornehmen und geringen Personen besucht[343], darunter war

der Bischof Gottfried III. von Würzburg, der die Quellen hatte fassen

lassen[70]. Wegen der Hilfe, die Kaiser Karl IV. im Jahre 1347 bei

seinem Magenweh durch das Wasser fand, verlieh er dem Ort Privilegien

in folgender Urkunde: „Fürters verneuen und befreyen Wir auch der

Vogtei Bern ihren Markt, Rathhaus und von Gott gesegnetes Wildbad,

welches Wir selbsten zu Nürnberg zur Abwehr unseres Magengrimmens

abholend kräftiglich genossen. Benebens Wir die junge Gesellschaft

der Vogtey Bern, die uns das heilsame Wasser von Bern gen Nürnberg

gebracht, mit einem Danz deren erst gesetzten Ort des Kirchschirms

die zween ersten Tage mit zwanzig, den dritten aber mit zwölf Reihen,

Unsere Gnad ewiglich zu gedenken, fürgänglich verehren“[70]. In den

nächsten Jahrhunderten hielt sich das Bad noch, nahm vielleicht an

Bedeutung zu. 1484 gebrauchte es der Kurfürst Albrecht Achilles von

Brandenburg. 1487 wurde ein neues Badehaus gebaut. In den Jahren

1558–1603 betreffen mehrere Verordnungen vom Markgrafen Georg Friedrich

das Bad. Dann soll es verfallen sein[343]. Aber doch benutzte es

1605 die Äbtissin Anna vom Kloster St. Afra zu Würzburg vom 12. Mai

bis 20. Juni[367]. 1712 wurde wieder ein neues Badehaus errichtet.

Bis 1720 war es viel besucht; der König von Polen, der Markgraf von

Brandenburg-Onolzbach, der Fürst von Sulzbach und der Kurfürst von

Mainz gehörten zu den Gästen. Dann trat abermals Verfall ein[343]. 1856

war der Besuch sehr gering[364].

[Sidenote: _Bertrich_]

Die Bertricher Thermen werden in mehreren Urkunden als Thermae ad

Sanctum Bertricum oder als Aquae Bertlichianae erwähnt. Der Ort soll

gegen Ende des 14. Jahrhunderts Eigentum der Bischöfe von Trier

geworden sein und der Erzbischof Johann zur Wiederherstellung der

Thermen (die schon zur Römerzeit benutzt waren) 1456 sechzehntausend

Gulden verwendet und das Gemeinbad errichtet haben. Doch besagen die

Gesta Trevirorum noch beim Jahre 1471, daß derselbe Bischof die ganz

verlassenen Thermen mit ungeheuerem Fleiße repariert und mit einer

starken Mauer umgürtet habe. Bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts

behaupteten sie ihren Ruf, um dann in Vergessenheit zu geraten. 1741

waren sie verfallen und zerstört. ~Cohausen~ suchte sie damals wieder

in Ruf zu bringen, was aber erst achtundzwanzig Jahre später durch

Fürsorge des letzten Kurfürsten von Trier gelang[70].

[Sidenote: _Aachen_]

Aachens römische Bäder waren während der Völkerwanderung zerstört oder

in Verfall geraten. Karl der Große setzte sie nach einer karolingischen

Chronik wieder instand und traf Vorrichtungen zum Abkühlen der Therme

mit kaltem Wasser. Sie wurden, wie aus ~Angilbert~s Gedichte an

Kaiser Karl hervorgeht, prächtig ausgestattet. Marmorstufen führten

zum Bassin, und bequeme Sitze umgaben die Wände[14]. Karls Liebe zu

den Dünsten der warmen Quellen veranlaßte ihn, zu Aachen ein Schloß

zu bauen, in dem er in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem

Tode beständig wohnte. Und nicht nur seine Söhne, sondern auch die

Vornehmen und seine Freunde, nicht selten auch die ganze Schar seines

Gefolges und seiner Leibwächter lud er zum Bade, so daß bisweilen

hundert Menschen und darüber zusammen badeten[119]. Dies berichtet uns

~Einhard~, der Biograph Karls des Großen. Es war in Aachen also ein

größeres Bassinbad, wie wir es später in den meisten größeren Bädern

finden.

In dem auf der Insel Reichenau geschriebenen Codex Egberti[356] ist ein

Badebassin aus dem Ende des 10. Jahrhunderts abgebildet, nämlich der

Teich Bethesda, der, soweit mir bekannt, auch sonst als unter freiem

Himmel liegendes Mineralbad dargestellt ist (Abb. 12)[426]. Es hat

schon die später meist vorkommende viereckige Gestalt und ist mit einer

Einfassung umgeben.

[Sidenote: _Burtscheid_]

Nach dem Mönch von St. Gallen badete bereits Pipin vor Erbauung der

Badehäuser in Aachen. Als dieser einst zur Quelle ging, wirbelte

plötzlich der Dampf auf, und das Wasser trübte sich. Pipin deutete es

als einen Angriff des Teufels, den er mit dem Zeichen des Kreuzes und

dem Schwerte abwehrte, das dabei tief in den Boden fuhr[15]. Als die

Normannen 881 den Palast Karls des Großen zerstörten oder wenigstens

stark verwüsteten und ausplünderten, machten sie, wie ~Liutprand~

ausdrücklich hervorhebt, auch das Bad zunichte. Seit dieser Katastrophe

blieb es nach ~Stephani~ Ruine und mag 1225 mit anderen Liegenschaften

von Kaiser Friedrich II. dem Münsterstifte geschenkt worden sein[14].

Nach Quellen bei ~Zappert~ badeten jedoch Kaiser Heinrich III.

(1039–56) und mehrere andere Kaiser bei ihrer Anwesenheit in Aachen,

und 1226 verlieh der römisch-deutsche König (nicht Kaiser) Heinrich

VII. (der Sohn Kaiser Friedrichs II.) dem Marienstifte die Aachener

Bäder, welche der Reichsministeriale Wilhelm, genannt Bayer, als Lehen

besaß und jenem Stift käuflich überließ[16]. Wir sehen hier, daß

auch die Mineralbäder wie die ehehaften Badestuben trotz des Kaufes

noch eine Belehnung von seiten des Landesherrn erforderten. 1240 gab

die Krönungskirche das Königsbad in Erbpacht[70]. Von den Aachen

benachbarten Burtscheider Bädern wissen wir, daß sie wahrscheinlich

786 Eigentum des Benediktinerklosters und später im Besitz einer

reichsunmittelbaren Nonnenabtei waren. ~Caesarius von Heisterbach~

(gegen 1222) erzählt von einem Mönch, der so einfältigen Sinnes war,

daß er fast täglich in den warmen Bädern, die vor dem Eingange des

Klosters des heiligen Johann Baptist zu Burtscheid lagen, unter den

Armen saß, ihnen den Rücken frottierte, den Kopf wusch und die Kleider

reinigte.

[Sidenote: _Ems / Pyrmont / Wildbad / Hall / Liebenzell_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 25 / 53 段