nackt, aber schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts bezeichnet es ~Wolfram
von Eschenbach~ im Parzival als größte Verlegenheit, wenn man nackend
ohne Tuch im Bad gefunden würde[585]. Die Männer tragen auf anderen
Bildern durchgehends, auch wenn sie von männlichen Badern bedient
werden, die Badehose, im 18. Jahrhundert auf den erwähnten Abbildungen
auch den Schurz (Abb. 91). Auffallenderweise sind die Frauen auch bei
Bedienung durch männliche Bader meist nackt im Bade (Abb. 39). Auf
einzelnen Darstellungen, z.❆B. in Abb. 36 und 82, tragen sie eine Art
Schürze, und ~Guarinonius~ erwähnt 1610 eine Bekleidung für Mädchen,
die hinten offen ist, und nennt sie Badehr[134]. Mit diesem Ausdruck
wird zuweilen auch ganz allgemein ein Badhemd bezeichnet, so geschieht
es z.❆B. bei ~Hess~, aber mehr ironisch[315]. ~Wieland~ sagt: „Kurz
und gut, sie hat, mit Gunst zu sagen, keinen Lappen am Leibe, nicht
einmal eine Badehre“[151]. Badehr war ein Kleidungsstück, das die
Scham der Frau bedeckte und beim Manne der Badehose, die „bruech oder
Niderkleid“, auch niderwat und Untergewand genannt wurde, entsprach.
So sollten nach einer Ordnung des Rats von Baden in der Schweiz (1506)
die Männer (im Mineralbade) im Untergewand, die Frauen in der Badehr
ins Bad gehen[38], und in einer Züricher Gschauordnung vom Jahre 1769
wurde befohlen, mit der Austeilung von „Bruechen und Badehren“ an
die Armen des Bads an der Spannweid sparsam zu sein[412]. Nach dem
Frauenzimmerlexikon von 1715 band die vornehme Frau die Badeschürze
vor, wenn sie auf dem Rücken geschröpft wurde[422]. ~Zedler~ gibt
1733 in seinem Lexikon an, daß Badeschürze ein Vortuch von weißer
Leinwand sei mit einem angesetzten Latz, dessen sich die Frau beim
Schröpfen bediene. Er nennt aber auch einen von weißer Leinwand
gemachten Schurz, welchen das Frauenzimmer bei dem Bad umschlägt und
fast die Gestalt einer Weiberschürze hat, Bademantel[468], während
nach dem Frauenzimmerlexikon der Bademantel beim Verlassen des Bades
umgeschlagen wird. Es kann kein Zweifel sein, daß die Badeschürze die
alte Badehr und nur ein Bekleidungsstück der Frau war. 1669 hinterließ
Jungfrau Elisabetha Zollerin in Zürich: „16 Hembder und Bad-Ehren, 32
Hembder und Bad-Lacken, item Bad-Ehren“[308].
Auffallenderweise mußten aber 1347 die Einwohner von Augsburg dem
Bischof, wenn er badete, zwei neue Badeschürzen schenken[144].
Möglich ist es, daß in diesem Falle die Badehose durch die Schürze
vertreten wurde. Das Badehemd des Mannes muß sich von dem der Frau
auch unterschieden haben; denn in der Hinterlassenschaft der adeligen
Familie von Sal in Winterthur fand sich 1469 ein „Manbadhempt“[57].
[Illustration: Abb. 82. Badestube. Holzschnitt aus: Michael Hero,
Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott. 1533.]
[Sidenote: _Die Herbeischaffung des Wassers zur Badestube_]
Nach ~Ryff~ war es in Deutschland Sitte, das Wasser für die Badestube
aus dem Bach zu nehmen, der als Kloake durch die Stadt floß. Die
Badestube sollte am fließenden Bach liegen[48]. Wir finden aber
recht oft die Verwendung von Brunnen- und Quellwasser, ja einzelne
Badestuben gebrauchten Mineralwasser. So wurde 1470 an der Metzgergasse
in Winterthur eine Badestube (die untere) gegründet, die ihr Wasser
aus dem heiligen Berge bezog, nach dem sie den Namen Goldbad führte.
Wohl auf Grund der edlen Bestandteile der Quelle steigerte man 1675
dem Bader den Zins des Wasserrechts von 12 auf 42 Pfund, während —
wie wir sehen werden — gerade um diese Zeit die Badestuben eher
einer Erleichterung bedurften. 1691 beschrieb der Stadtarzt ~Künzli~
angebliche mineralische Bestandteile des Wassers. Das Bad nahm
infolgedessen an Besuch zu; aber Ende des 18. Jahrhunderts war der
Glaube an das Gold und dessen Wirkung verloren gegangen und das Wasser
des Goldbades fand nur noch im Schlachthause Verwendung. 1806 wurde die
Badestube abgebrochen[57]. Auch in Basel gab es einen Goldbach, der
in der Nähe des Gesellschaftshauses zum Ingber hervorquoll und im 14.
Jahrhundert zwei Badestuben, seit 1407 drei hinter St. Andreas gelegene
versorgte[260]. 1471 wird bei Winterthur auf dem Limperge das Lörlibad
zuerst genannt, 1527 standen noch drei Häuser und Hofstetten samt dem
Bad. 1537 leitete man das Wasser in die 1349 zuerst genannte (obere)
Badestube, die bisher ihr Wasser aus zwei Quellen im Mockentobel bezog,
ließ das alte Lörlibad verfallen, und nun wurde die obere Badestube
unter dem Namen Lörlibad zum Mineralbad erhoben. Die Gäste, welche
fortan zur Reinigung ihres Körpers die Badestube aufsuchten, durften
nicht in die Badkästen aufgenommen werden, sondern erhielten besondere
Zuber oder durften nach Schluß der Badezeit um sieben Uhr abends im
Wasser der Kurgäste baden[57]. Auch in Canstadt leitete man die Quelle
des Wildbades nach dessen Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege in die
1538 neu erbaute Badestube, wo bis gegen 1820 gebadet wurde[154]. 1337
lag in Bamberg eine Badestube bei der Quelle, genannt Steinbrunn[144].
In Durlach floß 1536 das Wasser in das Bad. War es unsauber, mußte der
Bader dem Bürgermeister Anzeige erstatten[219]. Selbstverständlich
waren Röhrenleitungen oder andere Vorrichtungen nötig, um das Wasser
in das Bad zu leiten. In Abb. 39 rechts ist neben zwei Arten von
Ziehbrunnen eine solche (links das Herbeischaffen des warmen Wassers)
dargestellt, ähnlich in Abb. 82. In Görlitz wurde 1489 der Salmannsborn
in Röhren in die neue „badestoben“ geführt[202], in Bräunlingen bei
Donaueschingen lief 1467 der Brunnen in zwei eisernen Röhren in die
Badestube[219]. Die Heidestube in Wernigerode, die man auch „den
stoven“ auf der Heide nannte, hatte 1447 eine Röhrenleitung aus
Erlenholz[439]. Im 18. Jahrhundert bestand die Leitung des Cannstatter
Mineralwassers zur Badestube in einer ungefähr sechshundert Schritt
langen offenen Rinne[154]. Nach ~Meyer-Ahrens~ zeigt die Abbildung
einer Klosterbadestube einen laufenden Brunnen[565]. 1567 bat der Bader
zum Loch in Würzburg, daß ihm an den Badetagen der Bach durch einen
Kanal über den Stadtgraben an der Spitalmühle in seinen Brunnen geführt
oder in das Bad geleitet werde[144]. Die 1288 zuerst erwähnte Badestube
an der Pegnitz in Nürnberg[195] erhielt das Wasser aus dem Fluß durch
ein Schöpfrad:
„Ein Wasserrad, schöpft in das Bad
Wasser genug nach allem Fug,
Thut in die Stuben fließen“[464].
Im Boller Bad wurde 1632 das Wasser mit Eimern aus dem Brunnen
gezogen, die sich selbst ausgossen[67]. 1636 bewilligte der Rat von
Zürich, daß in die Badestube an der Schipfe (zuerst 1357 erwähnt,
das Haus heißt heute noch zur Badestube) ein Wasserrohr vom Rad auf
der unteren Limmatbrücke auf Kosten des Baders gelegt werde[173].
Auch Hausbadestuben hatten, wie wir vom Schloß in Baden-Baden wissen
und wie Abb. 61 zeigt, Röhrenleitungen. In Zürich wurden schon 1421
Wasserleitungen in Privathäuser bewilligt, die von den öffentlichen
Brunnen ausgingen und ins Haus zu einem Brunnen mit Hahn führten[590].
[Sidenote: _Die Abführung des Badestubenwustes_]
Viel Sorge machte der sogenannte Badstubenwust, der Abfall der
Badestube. Man hielt den mit dem Schweiß der Badenden vermischten
Dampf für schädlich. So verbat sich einmal ein Professor, der Zöglinge
zu unterrichten hatte, die Nachbarschaft einer Badestube, weil die
aufsteigenden Dämpfe Kopfweh, Schwere und Mattigkeit der Glieder
hervorrufen könnten[242]. 1515 unterstand sich der Bader am Sande in
Würzburg, den Abzugskanal aus seiner Badestube bei den Steinhütten
in den Main zu leiten, wodurch ein solcher Gestank entstand, daß die
Steinmetzen nicht mehr arbeiten konnten[144]. Nach den Nürnberger
Polizeiordnungen des 13. und 14. Jahrhunderts durfte der Bader hinter
den Fleischbänken keine Tür und Fenster (die übrigens nach ~Ryff~
der Holzersparnis wegen sehr klein waren)[48] in der Gasse gegen die
Fleischbänke haben. Der Bader unter der Burg mußte eine Grube für sein
Wasser graben, daß es nicht durch die Stadt herabrinne. Er sollte das
Wasser mit dem Regen herablassen, und wenn es lange nicht geregnet
hatte, nachts austragen, daß es bei Nacht herabrinne[201]. In Bern
wurde 1392 Hans Sachs, dem Inhaber der „Baadstube bei dem obern Thor“
befohlen, besonders „mit dem Wässeri“ die Badestube redlich und recht
zu unterhalten, daß hierdurch weder der Stadtturm und die Ringmauer
noch des Bernhard Fridbolds Haus geschädigt werde[557].
[Sidenote: _Lage der Badestuben_]
Die Badestuben finden wir öfters dicht aneinander gelegen, häufig in
der Altstadt, was wohl darin seinen Grund hat, daß die Ehehaftrechte
auf ihnen lagen und in späterer Zeit, neue Badestuben aufzuführen,
verboten war. In Ulm gab es Badeplätze, wo mehrere Badestuben
beieinander lagen[50]. Maßgebend für die Anlage war auch die Nähe
des Wassers. In Bern lagen die meisten am Badergraben[199], in
Zürich an der Limmat, sogar in Nachbarhäusern[173]. Wir finden sie
auch öfter bei oder vor den Toren. So hatte Jena eine Badestube vor
dem Johannistor[16], eine vor dem Saaltor[290]. In Riga lagen die
3 Badestuben im 13. und 14. Jahrhundert an den Pforten, nach denen
sie benannt wurden[193], in Zittau kommt 1340 eine Stube vor der
Stadt vor[16]. Speier hatte im 14. Jahrhundert ein „estuarium an
dem drencdor“, 1326 eine Badestube „vor deme Rinburgetor“, im 14.
Jahrhundert ein „ante veterem portam estuarium zu dem Nusbaume“, das
1586 als in der Vorstadt „vorm Altportel“ gelegen bezeichnet wird[273].
Vielleicht war diese Lage vor der Stadt durch die Feuergefährlichkeit
der Badestuben bedingt. Im Dorfe Altenmarkt (Bayern) lag die Badestube
an „aim gässel“, welches so weit sein sollte, daß die Zufuhr von Holz
und anderen Dingen nicht behindert würde[535]. In Burgau, einem kleinen
Dorfe bei Bülach (Schweiz), stieß die Badestube im 16. Jahrhundert mit
zwei Seiten an die Landstraße[600].
[Sidenote: _Zusammenfassung_]
Fassen wir die Vorgänge in der Badestube noch einmal kurz zusammen. In
der Abziehstube legte man die Kleider ab, wo sie fehlte, auch im Bad
selbst, falls man nicht vorzog, sie daheim zu lassen. In der Badestube
gossen sich arme Leute mit warmem Wasser ab, bei reichen besorgte es
der Bader mit Lauge und verband damit das Massieren (Abb. 83). Der
Vorgang konnte auch durch ein Wasserbad, wahrscheinlich in Verbindung
mit Reiben, ersetzt werden. Darauf legte man sich auf die Schwitzbank,
in größeren Badestuben stieg man allmählich bis zur Oberbank. Nun
wurden die heißen Steine begossen, die Dampfentwicklung ging vor sich,
währenddessen die Badenden oder der Bader questete. Nach dem Schwitzen
wurde man abermals begossen mit lauem Wasser oder Lauge, wobei auch
gerieben wurde (Abb. 83). Wer Kopf waschen oder Schröpfen wünschte,
ließ es jetzt besorgen, ruhte darauf in der Abziehstube und verließ
nach einer kalten Abgießung das Bad. Diese letzte Übergießung scheint
in der Abziehstube stattgefunden zu haben (vgl. ~Helbling~), darum fand
sich in derselben bei den Johannitern in Wildenbruch eine eingemauerte
Pfanne mit Wasser vor. Immer wurde dieses Schema wohl nicht
innegehalten. So konnte man an Stelle der vorletzten Übergießung auch
ein Wasserbad nehmen, tat dies auch nach dem Schröpfen, oder man kühlte
nur den Kopf. Manche schwitzten nochmals im Ruhebett. ~Etschenreutter~
sagt 1571: „dann vil mahl sich zůtregt, wann einer in der batstuben
erschwitzet, darnach im wasser bad badet, also außgehet, das er für
sich selbs erst in der anziehe stub widerumb erschwitzet, die sonst für
sich selbs allein terperirter werme“[449].
Überall da, wo mehrere Menschen zusammenwohnten, glichen die privaten
Badestuben den öffentlichen. In den Bürgerhäusern gab es nur
Wasserbäder und als Ersatz des Schweißbades kastenartige Vorrichtungen.
Nach Gebrauch derselben goß man sich aber wahrscheinlich, im Gegensatz
zur öffentlichen Badestube einer Bemerkung bei ~Ryff~[48] nach, nicht
ab.
[Illustration: Abb. 83. Reiben vor (links) und nach dem Bad (rechts).
Holzschnitt aus: Hero, Schachtafeln der Gesuntheyt. Straßburg, Schott.
1533.]
[A] Nach dem Baseler Exemplar. Die Mitteilung verdanke ich Herrn
Oberbibliothekar Dr. ~Bernoulli~.
[B] Nach den deutschen Volksbüchern sah ~Apollonius~ einen Knaben mit
einem Becken durch die Straßen laufen, der an alle Türen klopfte und
mit lauter Stimme rief: „Hört Reich und Arm usw.“[470]. Der Ruf ist
dem bei Steinhövel sehr ähnlich.
[C] ~Guillaume de la Villeneuve~ sagt in seinen Crieries de Paris:
„Oiez c’on crie au point du jor:
Seignor, qu’or vous allez baingnier
Et estuver sans delaier;
Li bains sont chaut; c’est sans mentir.“
Schon im 13. Jahrhundert mußten sich die pariser Bader verpflichten,
das Bad nicht vor Tagesanbruch auszurufen. Das altfranzösische
Badeleben hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem deutschen. Vergl.
darüber ~Depping~[471].
[D] Ich habe nur zweimal Diebstähle erwähnt gefunden. 1456 wurde dem
Rat in Würzburg angezeigt, daß der Bader zum Sand einen Dieb gefangen
habe[144]. In seiner Weißenhorner Historie vom oberschwäbischen
Bauernaufstand schreibt ~Nikolaus Thoman~ 1488: „Es begab sich, das
ain waldknecht ain fremden seckel in dem bad nam, saget, er were
sein. Do es offenbar wart, wollten in die andren knecht nit me under
ynen lassen, da musset er hinweg und sunst ander ach“[128].
[E] Diese Abbildung verdanke ich dem verstorbenen Herrn
Oberbibliothekar ~von Heinemann~ in Wolfenbüttel. Sie deckt sich
vollkommen mit der des (von Karl von Amira herausgegebenen[624])
Dresdener Sachsenspiegels.
[F] Im Mainzer Hofe zu Erfurt waren im Bad Bänke, Boden, Schemel und
„hultzern pfulffe“, also +hölzerne Kissen+ rein zu waschen[569].
[G] ~Hess~ singt 1818 von Baden:
„Einsam zwar und allein im stillen Gewölbe des Bades,
Bin ich verlassen doch nicht; denn das Heimchen, das gern
Sich zu Menschen gesellt, zirpt ungesehn in der Nähe,
Und vor der inneren Welt lächelt mir, Liebchen, dein Bild!“[315].
[H] Diese Stelle steht mit der weiter unten erwähnten, aus
~Brunssfels~ entnommenen, in Widerspruch. Das Schwitzen vor dem
Begießen mit heißem Wasser ist hier gleich erwärmen zu setzen und
sollte an kühler Stätte in der Badestube oder, wenn eine Abziehstube
vorhanden war, in dieser stattfinden, um den Körper nicht dem
plötzlichen Temperaturwechsel zwischen kalter Außenluft und der Hitze
der Badestube auszusetzen.
[I] Nach diesen Angaben kann kein Zweifel sein, daß man sich nach dem
Schweißbad mit kaltem Wasser abgoß. Auch ~Fischart~ sagt in „Aller
Practick Großmutter“ (Vorrede zur Ausgabe von 1623):
„Ihr schnapt nach dem Athem oder nicht,
wie ... ein Kaltbeschütter im Bad“[31].
[J] ~Ryff~ kannte also schon die sogenannte Reaktion und wußte, daß
im Gegensatz zu kräftigen Personen von magern die kalte Übergießung
schlecht vertragen wurde.
[K] In der Einteilung der Bäder herrscht ein großer Wirrwarr. In
~Blondels~ Werk über Aachen werden 1688 die Dampfkastenbäder als
Sudatoria sicca, seu vaporosa (truckne schweiß oder schwadembäder)
bezeichnet[409]. ~Wetzler~ spricht 1822 vom +trockenen Dampfbade+,
das gemeinhin Schwitzbad genannt wird (~Reil~ nennt es Feuerbad)
und stellt diesem gegenüber das feuchte Dampfbad, das in engerem
Sinne Schweißbad genannt wird, wobei auf dem Ofen liegende
Kieselsteine mit Wasser übergossen werden, oder wo in eigenen
Apparaten (Dampfbadewannen) Wasser durch bis zum Rotglühen erhitzte
eiserne Kugeln in Dampf verwandelt wird, oder wo Dämpfe von Thermen
in Schwitzhäuser oder Kasten oder endlich die Dämpfe gewöhnlichen
Wassers von einem Kessel in solche Kabinette geleitet werden“[370].
Auch ~Schreger~ unterscheidet trockene und feuchte Dampfbäder.
Erstere sind meist Beräucherungen, zu letzteren rechnet er das
Weingeistdampfbad[4], unser heutiges Heißluftbad. In ~Zedlers~
Lexikon von 1733 sind Bäder von Asche, Salz und Stahl-Feile als
Balnea sicca in Gegensatz zu den balnea humida bezeichnet, die
vaporosa vom Dunst ausgekochter Kräuter oder aquosa (künstliche von
Dekokten und natürliche Bäder) sein können[468]. ~Bauhin~ sagt 1602
von den Dampfbädern: „man nenne sie jetzt gleich Dampfbäder, trucken
Bäder oder Schweißbäder“[331]. Verhaltungsmaßregeln zur Pestzeit
aus dem 15. Jahrhundert geben an: „in einem Wasserbad magst du ein
wenig switzen“[238], ebenso ~Ellenborg~ 1484[16]. ~Ryff~, der das
Dampfbad als trockenes Schweißbad bezeichnet, spricht einmal vom
nassen und feuchten Schweißbad[48], worunter nach dessen sonstiger
Auffassung ein Wasserbad verstanden werden muß. Vielleicht waren
diese Wasserschwitzbäder die mit einem Dach versehenen, durch welches
das Entweichen der Dämpfe verhindert wurde.
[L] Sollte Lecke nicht mit Lacus See, Lake Salz(See)wasser und Lache
(im österreichischen Dialekt Lacke) Wasserpfütze zusammenhängen? Nach
~Schöpf~ heißt in Tirol das Bad auch „die lak“[441].
BADELEBEN IM SPÄTEREN MITTELALTER / UND IN NACHMITTELALTERLICHER ZEIT
Welch hohe Bedeutung man dem Baden für das Volkswohl zuschrieb, geht
daraus hervor, daß es in den populären Anweisungen zur Gesundheit und
den Volkskalendern, die der tägliche Ratgeber des gemeinen Mannes
waren, eingehende Berücksichtigung fand. Die darin gegebenen Regeln
sind eine Umarbeitung und Anpassung an unsere Verhältnisse des Regimen
sanitatis Salernitanum, eines Lehrgedichtes der medizinischen Schule
von Salerno, das gegen Ende des 11. oder zu Anfang des 12. Jahrhunderts
entstand. Es ist dem Prinzen Robert, dem Sohn Wilhelms des Eroberers
gewidmet[527]. Nach der Straßburger Bearbeitung von 1505[25] ist es von
einem weisen Meister zu Paris für den König von England geschrieben
worden, nach einer Leipziger Handschrift aus dem 14.[507] und dem
St.Galler Kodex 760 aus dem 15. Jahrhundert von Aristoteles für den
König Alexander.
Baden wird an dritter Stelle zur Erhaltung der Gesundheit für nötig
gefunden.
„Daz drit, daz die nataur wil haben,
ist daz twahen und daz paden“,
heißt es im Ring[230], und der Meistersinger ~Hans Rosenblut~ sagt
(ungefähr Mitte des 15. Jahrhunderts):
„Der dritt leiparczt ist ain pader
Der padt den leip vnd schleht dy ader
Vnd schirt das haubt vnd fegt dy glyder“[12].
[Sidenote: _Das Regimen sanitatis_]
Neuere Schriftsteller geben fast durchgehends an, die Lehren des
Regimen sanitatis, das nur italienische Verhältnisse berücksichtigt,
sei in plumper Weise von den Deutschen befolgt und so der Mai auch
für unsere kältere Gegend zum eigentlichen Bademonat erhoben worden,
während Juli und August als ungeeignet verworfen wurden, weil Italiens
Ärzte wegen der dort herrschenden Hitze vom Gebrauch der Bäder
abrieten[16]. Diese Ansicht ist unrichtig.
Zunächst glaube ich nicht, daß die Vorschriften des Regimen im
allgemeinen eingehalten wurden. So sollten Leute, die wenig arbeiten,
aber viel essen und trinken, Schweißbäder, die anderen Wasserbäder
gebrauchen. Im Züricher Kalender von 1508, einem der ausführlichsten
und besten, sind Schweiß- und Wasserbäder miteinander verwechselt[26],
und ~Ryff~[48] sagt, daß in Deutschland mäßige, zum Wasserbad geeignete
Leute wenig gefunden würden, zugleich ein Beweis, daß Wasserbäder
weniger als Schwitzbäder benutzt wurden[A]. Die Vorschriften in den
Kalendern und den verschiedenen Anweisungen zur Gesundheit betreffen
in der Regel nur das Baden in der Badestube. Das geht am deutlichsten
aus einer Schrift von ~Küngsper~ (Regiomontanus, Joh. Müller von
Königsberg) hervor. Er sagt: „Mann soll nicht lassen (aderlassen),
wedder Baden noch tranck nemen in den Hundtstagen“ (17. Juli bis 21.
August) und beim August: „Man solt auch offt in kaltem wasser baden
für die hitze, denn hütet man sich vor hitze nicht, so kompt dauon
hauptweh“[262]. Hören wir weiter die verschiedenen diesbezüglichen
Schriften selbst.
[Illustration: Abb. 84. Darstellung der im Regimen sanitatis
geforderten Vorgänge zur Erhaltung der Gesundheit. Im Vordergrunde
Aderlassen, Schweißbaden mit Schröpfen und Wasserbaden. Fabel vom
reichen Mann. Kpfr. von Aldegrever. 1554.]
[Sidenote: _Baden in den Volkskalendern_]
Die älteste deutsche Bearbeitung des Regimen sanitatis, die
beinahe, aber doch nicht wörtlich mit einer zu Basel aufbewahrten
provençalischen Handschrift aus Montpellier übereinstimmt, ist die
sogenannte Mainauer Naturlehre. Sie wurde wahrscheinlich Ende des 13.
Jahrhunderts von einem Deutschritter auf der Insel Mainau verfaßt und
ist in einer Handschrift des 14. Jahrhunderts von ~Konrad~ von St.
Gallen enthalten. Dort heißt es vom Lenz: „so ist och decheine zit
besser ... zebadenne“, vom Sommer: „unde man sol kaltiu beder mezeclich
uben“. Im Herbst wird vor den Thermen gewarnt[44]. Ein deutscher
Pergamentkalender der Kopenhagener Bibliothek aus dem 14. Jahrhundert
empfiehlt im Februar „sweis baden“, im März baden und verwirft im
November und Dezember das Bad[504]. ~Johannes Gredinger~ hat 1428 in
seinem Kalender verzeichnet für Januar: „Vnd paden ist gesunt vnd pad
in steynpaden .... vnd la dir vil mit warmer lawg twahen“, für Februar:
„Vnd nymst du ein trank, daz trink in eym pad“, für März: „Vnd oft
paden ist gesunt, vnd niht zu hais. Vnd wasch dein zen ym pad vnd
reib sie mit salcz“, für Mai: „pad mit guten krewtern in eym schaff,
daz oben wol bedekt sei“, für Juni: „Vnd pad niht vil vnd vast niht
lang“, für Juli: „vnd pad kül“, für Oktober: „Vnd pad niht hais noch
ze vil“, für November: „Vnd pad niht hais“ und für Dezember: „Vnd
paden ist gut“. Er faßt zusammen: „In dem Merczen pad, in dem Awgst
(August) ge niht zu haissem pad“[43]. Im Pergamentkalender der Züricher
Stadtbibliothek von 1467 heißt es: „Im Hornung: offt sol man baden in
schwaiß bad. Im Mertzen: vnd in schwaiß baden sol man offtbaden. Im
Abrellen: offt sol man baden. Im Meyen: bad ist gůt vnd besunder wurtz
beder. Im brachet: och in kaltem wasser dick (oft) baden. Im Höwet:
darumb sol man nit tranck nemen noch nit lassen (aderlassen). wann in
dem bad mit fintusen dem es not ist. In senfften bedern mag man wol
nüchter baden. Im Ögsten (August): offt sol man in kaltem wasser baden.
von der grossen hitz wegen. wann hütet man sich nit vor der hitz. so
erwellet sich das hirn das der mensch villicht houbt siech werden
möcht. Der erst winttermanott (November): wenig vnd selten ist zebaden.
myd ouch namlich sweiß bad. es ist ouch in keinem manot (Monat) bad
als vngesund als in dem manot“[308]. Aus dem 16. Jahrhundert sei der
Kalender des Frankfurter Stadtarztes ~Eucharius Rösslin~ von 1533
angeführt. Im Januar soll man nach dem „Regiment Ipocratis der 12
Monat“ selten baden, im Februar, März oft schweißbaden und im April oft
baden. Im Mai sind alle, besonders Kräuterbäder gut. Im Juni soll man
kurze Bäder haben, im Juli allein im Bad schröpfen, wenn es vonnöten
ist. „In senfften baden mag man wol nüchtern baden ... Man soll auch
wenig badenn“, im August oft in kaltem Wasser baden für die Hitze,
im November wenig und selten baden und gar nicht schweißbaden[505].
Auffallend ist es, daß eine Münchener Handschrift des 15. Jahrhunderts
beim Januar hat: „Kühl erlaub ich dir zu paden“[42], wobei „in der
Badestube“ zu ergänzen ist.
[Illustration: Abb. 85. Badeszene. Darstellung des Monats August.
Handzeichnung von Virgil Solis. (1514–1562.)]
[Sidenote: _Beachtung des Mondstandes_]
Allmählich schrumpfen im 16. Jahrhundert die in den Kalendern gegebenen
Baderegeln immer mehr zusammen, die alten Badebilder, die sich
fast durchgehends nur beim Mai finden (Abb. 58) — ~Virgil Solis~
(1514–1562) bildet aber das Bad beim August ab (Abb. 85)[594] — fallen
schließlich ganz weg. Im Badener Kalender treten 1739 zum ersten
Male beim Juni die im Flusse badenden Kinder auf[506]. Die zum Baden
günstigen Himmelszeichen sind im Züricher Kalender bis 1826 samt dem
Aderlaßmännchen angegeben. 1827 findet sich eine moderne Anweisung zum
Gebrauch der Bäder mit dem Zusatze, daß die Alten einigen Wert auf den
Einfluß, den der Mond auf unseren Körper habe, legten und deswegen der
Kalender die Himmelszeichen noch bringe, damit niemand nichts vermisse.
Von 1833 an wird das Baden nicht mehr erwähnt.