mit etwas vnmessiger feuchte, denen ist ein zimliche rechtmessige,
doch nit vberflüssige begiessung, mit kaltem wasser vber das haupt
abgossen, wo man sich erstlichen mit zimlicher laugen, die vast (sehr)
warm gezwagen hette nit schedlich, wie dann etliche inn diesem fall inn
gemeinem brauch haben, die heisse scharpffe laugen mit zimlicher maß
kaltem wasser abzuspülen, vnd das erhitzigt Hirn also külen.“ „+Das
aber an vilen orten der gebrauch on zweiffel auß alter gewonheit,
vnsere vorfarn nach bliben, das man die so vast hitzig gebadet haben
vnd yetzundt aus dem Badt hinweg gehen wöllen, mit kaltem wasser
pflag ab zugiessen+, welche alte gewonheit on zweyffel an solchen
orten allein dardurch erhalten worden, vnd im brauch bliben, das sich
grobe starcke leuth gesundes vermöglichs leibs vnd harter Complexion,
daruon oberzelter vrsachen halb vast wol befunden haben“[I]. Die
Deutschen machten nach ihm meist keinen Unterschied in der Complexion,
heute würde man sagen Konstitution, er riet aber denen mit schwachem
Körperbau, sich zu hüten „vor stümpfflinger abgießung mit kaltem wasser
auff hitzig schweiß badt“. Etliche fleißige Medici hätten deshalb
an Stelle der kalten Übergießung an den Schluß des Schweißbades ein
Ausgießen von kaltem Wasser um den Menschen herum, nicht auf seinen
Leib, gesetzt, um durch die erkühlte Luft zu laben und zu erquicken.
Der gemeine Brauch der Deutschen sei aber in solchem Fall, daß „das
angesicht mit kaltem wasser vast nützlichen gekület vnd erwaschen
werden mag, welche külung den augen fürnemlichen nutzlich vnd gut ist
... Aber den starcken vermöglichen Cörpern, erweckt das kalt Baden
von obgemelts begiessen mit kaltem wasser das rott lauffen, schnel
durch lauffender hitz vnnd fröstigs schaudern, vnnd inn magern personen
werden dardurch Febres verursacht“[J]. Er tadelt den gemeinen Brauch,
stracks aufs Bad ein paar frische Eier mit zerriebenen Muskatnüssen zu
essen[48].
Die deutsche (aber nur die wohlgeordnete[48]) Badestube hatte nach
~Ryff~ zwei Abteilungen, das „vorstüblin“ zum Abziehen und Erkühlen
und das eigentliche „truckene Schweißbad“, in dessen Hitze man vom
Vorstüblein ging[250]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „Wir aber habend
allein die badstuben, vnd die abziechstuben, darinn gemeincklich
bether (Betten) seind, darinn sich der bäder mag abtrucknen. Der
gemein man sucht an sollichem beth mehr ruhe, dann abtruckung des
schweiß“[449]. Nach ~Ryff~ ruhte man „für die schwacheyt“, nachdem man
vor dem Aussteigen aus dem Bad Schweiß und Nässe mit warmen Tüchern
abgetrocknet hatte. Wer „euacuationem vnnd resolutionem“ begehrte,
erschwitzte wiederum im „rhůbetlin“, so viel er erleiden mochte[48].
~Wittenweiler~ gibt gegen 1450 im Ring zwei Arten der Bäder an:
„Hie so scholt du mercken pey,
Daz man da vindet zwayerlay
Peder nach der gmainen sag,
Swaysspad und auch wasserpad.
Swaysspad daz sey dir beräyt,
Hast du uberflüssichait
Zwüschen flaysch und auch der haut.
Wasserpad mit edelm chrawt,
Daz lawich sey und nicht ze hayss,
Macht dich schön und dar zuo fäyss“[230].
[Sidenote: _Arten der Bäder_]
~Pictorius~ unterscheidet 1560 nach ~Petrus de Ebano~ drei Arten von
Bädern: (1.) Wasserbäder, (2.) Bäder in den Badestuben mit warmen
Dämpfen und (3.) in einer Stube oder Backofen, aus dem erst das Brot
herausgezogen wurde oder solche, die mit heißen Steinen angemacht
sind[152]. ~Dryander~ kennt 1547 nur Baden (1.) in „gewärmten zübern
oder (2.) stuben, mit heyssen dämpfenden wasser“[233]. Nach ~Phries~
sind (1.) „ettliche (Bäder) vonn feuwer gemachet (on Wasser[420]),
als in den Öfen, da man die krancken ynleget (Backöfen), vnnd seind
heisser vnd truckner complexion, ettliche von hitz vnd wesserigen
tempffen, als (2.) die badstuben oder (3.) zûber so man hitziget mit
feuer vnd wasser, welche warmer vnd füchter complexion seind“[386]. Er
unterscheidet also (1.) heiße, trockene (Heißluft-), (2.) Dampfbäder
in den Badestuben und (3.) Wasserbäder in Zubern. Die unter 2 und 3
genannten Bäder sind im Gegensatz zu 1 warmer und feuchter Art. ~Ryff~
nennt aber „trucken schweiß badt“ die Bäder „on alle benetzung“,
d.h. ohne direkte Berührung mit eigentlichem Wasser und rechnet zum
trockenen Bade die „mit hitzigem dampf vnnd dunst erfüllet“[K].
[Illustration: Abb. 72. Frauenbad von ~Hans Sebald Beham~. (1500–1550).]
[Sidenote: _Die deutsche Badestube als Dampfbad_]
Dazu gehört zuerst die Badestube: „wiewol bey vns Teutschen
gemeinklichen der grossen schweiß Bäder oder Badstuben mit wacken vnd
Kißling steinen (diese wieder durch Holzfeuer) erhitzigt werden“, und
weiter sagt er: „Dieweil aber nach vnseren gemeinen Teutschen brauch
die Badstuben bader mehr durch hitzigen dunst vnnd dampff des siedenden
wassers, dann von der hitz des Fewers allein gewermet oder erhitziget
werden mag“[48].
[Sidenote: _Die deutsche Badestube als Heißluftbad_]
Nach ~Etschenreutter~[449] wurden die Badestuben mit Holz beschickt
im Gegensatz zu den kleinen, die man eigentlich Schweißbäder
nannte (dampfkastenartigen), wo heiße Steine mit Kräuterabkochung
begossen wurden. An anderer Stelle heißt es, daß der durch diese
(Kräuter-)Schweißbäder erzeugte Schweiß wirksamer sei; „dann so es
allein mit holtz in gemeinen badstuben bescheh“. Pictorius sagt dagegen
wieder, daß die Badestuben mit warmen Dämpfen des Wasser zugerichtet
würden[152]. Aus allem geht hervor, daß man in manchen öffentlichen
Badestuben erhitzte Steine mit Wasser zur Dampfentwickelung begoß
(Abb. 40), in anderen man nur ein Heißluftbad durch Erhitzen des Ofens
nahm, wo aber nebenbei noch Dämpfe aus dem Kessel aufstiegen; in dem
das Wasser zum Begießen erwärmt wurde (Abb. 70). Ein Bild ~Beham~s
zeigt (Abb. 72) einen hohen, bis zur Decke reichenden Kachelofen. Die
genaue Beschreibung einer Badestube in ~Zedler~s Lexikon vom Jahre 1733
erwähnt nichts von Dampfentwickelung, und wenn 1788 in einer Züricher
Badestube ein mit Steinen wohl garnierter Ofen vorkommt, so ist zu
berücksichtigen, daß die alten hohen Kachelöfen der Schweiz große
Feldsteine enthalten, die nach dem Erlöschen des Feuers durch Abgabe
von Wärme die Wohnstube noch längere Zeit warm halten sollen. ~Blondel~
stellt 1688 dem Dampfkasten die Badestuben gegenüber[409]. 1727 heißt
es in der holländischen Ausgabe für Badestuben „de drooge Baaden
(Laconia)“[410]. Ich habe nach den Berichten den Eindruck, daß in der
älteren Zeit die Bäder mit Dampfentwickelung vorherrschten, allmählich
Heißluftstuben daneben auftraten, die schließlich allein übrig blieben.
In den gemeinen Badestuben war nach ~Ryff~ der Ofen mit Werksteinen
gemacht, an etlichen Orten (in Deutschland?) aber in Brauch, „allein
durch die erhitzung des vndersten Gewelbs solche Bad zu heizen, vnd
auff gelegten Brettern darinn vmbher zugehn“[466]. Sollte hier eine
Einrichtung gemeint sein, wie sie sich im Kloster Maulbronn befand?
(s. S. 111). Einmal begab sich der Rat von Butzbach in Hessen nach dem
Zisterzienserkloster Arnsberg, um die dortigen Badeeinrichtungen zu
studieren, und beschloß, sie für die Neueinrichtung der städtischen
Badestube zum Muster zu nehmen. In der Tat erhielt diese auch eine
ziemlich umständliche und kostspielige Heizvorrichtung[197], die
leider nicht näher angegeben wird. In einer Göttinger Handschrift,
dem Bellifortis ~Konrad Kieser~s von 1405, sind ein Wasser- und ein
Kräuterbad (Abb. 73 u. 74) dargestellt. Auf beiden findet sich eine
Heizvorrichtung, die im wesentlichen der ~Dryander~s (Fig. 55 c) und
~Thurneisser~s, nur in größerem Maßstabe, entspricht. Der Kessel, der
in dem einen Falle Wasser, im anderen eine Kräuterabkochung enthält,
steht mit einem darüberliegenden Behälter in Verbindung, in den das
heiße Wasser hinaufsteigt und von diesem aus weiter in die Badegefäße
geleitet wird[3]. Im Kräuterbad sind die Fensterladen geschlossen, die
beim Wasserbade offen stehen, weil man hier den Dampf nicht gebrauchte.
[Illustration: Abb. 73. Wasserbad mit Dampfheizung. Nach einer farbigen
Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.]
[Sidenote: _Die Steinstuben_]
Wo Steine zum Begießen in der Badestube abgebildet sind, liegen sie in
einer Nische (Abb. 86). Nach dem Gedicht von der Einnahme Hohenkrähens
(1512) goß man das Wasser „in ofen dar“[49], und ~Hans Sachs~ sah in
den Ofen des Höllenbades hinein und unten die Steine liegen[29]. Es
ist möglich, daß der Steinofen nicht immer, vielleicht in manchen
Gegenden nur zu Kräuterdampfbädern begossen wurde, oder daß nur manche
Badestuben in der Stadt derartige Einrichtungen hatten, dafür spricht
das Vorkommen besonderer Steinstuben, wie auch Kräuterstuben genannt
werden. So hatte Klein-Basel im 14. Jahrhundert zwei Kräuterbadstuben,
die „zum Fröwlin und zer Trüwe“, und in Basel gab es zu dieser Zeit
Steinbadstuben[260]. In Zürich erscheint die seit 1399 erwähnte
untere Badestube 1553 unter dem Namen Krut-(Kräuter-)bad[173]. In der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird mehrmals in Hildesheim eine
„Steynstove“ erwähnt[52]. Bürgermeister Gentzkow badete 1559 und 1562
„jm steinstauen“, aber 1559 auch im „gemeinen stauen“[542].
[Illustration: Abb. 74. Kräuter- und Heilbad. Nach einer farbigen
Zeichnung aus dem Göttinger Bellifortis des ~Konrad Kieser~ von 1405.]
[Sidenote: _Die Kräuterstuben_]
Abb. 43 weicht auffallend von den übrigen Bildern der Zeit ab.
Wir sehen in der großen Badestube zwei von ~Dryander~ und ~Ryff~
beschriebene sog. kleine Badestuben, in denen Kräuterdampfbäder
genommen wurden, auch ein Wasserbad, in das der Bader eine Flüssigkeit,
wahrscheinlich eine Kräuterabkochung gießt. Dieser Art waren wohl
die erwähnten Kräuterbadestuben. Sie wurden nur von Kranken benutzt.
~Phries~ klagt darüber, daß häufig Schweiß- (die in den Apparaten) und
Kräuterbäder auf Anraten von alten Weibern und „zwilchartzet“ genommen
würden[386].
Die Wasserbäder wurden nach ~Ryff~ „von Fewer (im Kessel), oder von
Fewer erhitzigten dingen, darinn glüendig abgeleschet“ erwärmt[48].
Aus dem Kessel schöpfte man das heiße Wasser in die Wanne mit Gefäßen,
die nach Abbildungen auf Wandgemälden (auch auf den Züricher
Leutpriestersiegeln) im 14. Jahrhundert schöpflöffelartig[345], im 15.
kleine Kübel waren, an denen ein langer Stiel befestigt war[517] (vgl.
Abb. 61). Im 16. finden die oft erwähnten Gelten und Schefflein (Abb.
82) dazu Verwendung.
[Illustration: Abb. 75. Badestube aus dem Kalender von 1515. Basel,
Pamphilus Gengenbach.]
[Sidenote: _Die Bänke im Schweißbad_]
Die Temperaturbestimmung des Wasserbades geschah nach ~Brunssfels~
mit dem Fuße, wohl aber mehr bei Kinderbädern. 1669 wurde in der
oberen Badestube zu Winterthur ein Mann von Reterschen, der „in
einem Wynrüschlein entnuckt, so versotten, daß er noch selbigen
Abend den Hinscheid aus dieser Welt ergriffen“[57]. Im Schwitzbade
wurde natürlich jedem einzelnen überlassen, die für ihn rechte
Temperatur zu wählen. Aus dem Vorhergehenden geht hervor, daß mehrere
übereinanderliegende Bänke im Bad vorhanden waren, deren höchste nach
~Ryff~ der „Pfal“ genannt wurde[48]. Je höher man stieg, um so höherer
Temperatur wurde man ausgesetzt. In der Johanniterkomturei Wildenbruch
gab es eine Oberbank und zwei Verbänke oder „Trippen“. Diese drei Bänke
(Abb. 40) fanden sich aber nicht in allen Badestuben, in den kleinen
sogar nur eine (Abb. 75), und dort war manchmal nicht ein Vorstübchen
vorhanden[48]. Man sollte allmählich immer höher steigen, legte sich
aber häufig gleich anfangs auf die hohen Bänke, daß einer da, der
andere dort ohnmächtig herabfiel und teils gar tot wie das Vieh aus der
Badestube hinausgetragen wurde, wie ~Guarinonius~ 1610 berichtet. Er
sagt deshalb:
„Wiltu ohne grossen Schaden schwitzen,
Fleuch die grosse Hitz, thu nicht z’hoch sitzen,
Sonst fällst herab auff allen viern,
Ligst da wie todt, kanst dich nicht rührn“[134].
~Murner~ sagt auch:
„Das schweißbad hat ein starcke art,
Da manchem in onmechtig wart“[6].
Nach ~Pansa~ (1609) wird mancher durch Aufgießen von kaltem Wasser von
gefährlichen Ohnmachten wieder zu Recht gebracht, wie solches oft die
Bader und viel erfahren, da durch unmäßiges Schwitzen und unziemlichen
Gebrauch der Schröpfköpfe oftmals Menschen in den Badestuben umfallen
und in Ohnmacht geraten[350]. ~Hans Stockar~ hat mehrmals in seinem
Tagebuche, z.❆B. 1528, Beschwerden von zu heißem Baden im „Schwatzbad“
(Schweißbad) angemerkt[597].
[Illustration: Abb. 76. Im Kübel sitzende Bademagd mit Wedeln.
Miniatur in der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrh. Nach von
~Schlosser~.]
[Sidenote: _Das Lecken im Bad_]
Die Schwitzbank heißt bei den Meistersingern auch „leckbank“, weil
dort das Lecken stattfand. Heute leckt ein Gegenstand, der Flüssigkeit
hindurchläßt; ehemals bedeutete Lecke Flüssigkeit[L] und lecken mit
Flüssigkeit übergießen. Nach ~Oswald von Wolkenstein~ (erste Hälfte
des 15. Jahrhunderts) wurde der künftige Kaiser Sigmund in der Stadt
„parpiân“ empfangen:
„dô ward gehaitzet im ain pad
hêt man die leck auff gossen“[313].
Im Phalarismus Huttenicus (1517) wird von einem Nackenden, der um sich
glühende Kohlen und daneben ein Faß mit kaltem Wasser stehen hat,
gesagt, sobald ihn die Hitze von den Kohlen an allen Orten angeht, „so
+lecket+ er das kalt wasser vff sich“[629]. In der Badestube bedeutet
lecken naß werden vom Schweiß, schwitzen. So wird es bei ~Helbling~
gebraucht. Im Renner (13. Jahrhundert) heißt es:
„Vnd so die leib in werden sat,
So gent sie leckent in ein pat“[130].
Der Ausdruck lecken ging aber schon frühzeitig auf einen Vorgang über,
der neben der Hitze der Badestube den Schweiß hervorrief, das Schlagen
mit Büscheln von Birken- (Abb. 76) oder Eichenzweigen (Abb. 77). Im
Liederbuch der Klara Hätzlerin heißt es:
„Da sicht man lecken vnd streichen (schlagen),
Kain fräd mag ir geleichen.
Wann der ofen recht erhitzt
Vnd wol waidenlich erschwitzt,
Vnd gäb der küng Im zehen Marck,
Sein krey wär dannocht nit so starck,
So er sich vff die panck streckt
Vnd sich streichet vnd leckt!“[259]
und in der erweiterten Fassung desselben Gedichtes:
„dâ sichet man bruech fellen,
an beiden arßbellen
sichet man sich streichen,
kein freude kan ir geleichen,
wan ein man vff die bank siczet
vnd der vff wol erswiczet
vnd sich hauwet, dâ man siczet,
dâ hinden vmb die minneglocken“[441].
[Illustration: Abb. 77. Schröpfmann mit Badehut und Badewedel.
Holzschnitt aus: ~Pictorius~, Laßbüchlin. Basel, Jacob Kündig, 1555.]
Das Instrument zum Lecken wird Wedel, Wadel genannt. Nach ~Ryff~ trieb
man damit (wedelte) den Dampf auf den Körper[48]. Ein anderer Ausdruck
ist Queste, wodurch die Form, die einer Quaste, bezeichnet wird; dafür
kommt auch der questen und für lecken das Zeitwort questen vor.
„Darnach er dich zů qwesten weyß,
Das er dirs bad nit macht zů heyß“,
sagt ~Philipp von Allendorf~ 1535 in der Judenbadstube[234]; woraus
hervorgeht, daß das Questen zur Hervorrufung des Schweißes diente.
Dafür spricht auch eine Stelle in einem Neithartliede:
„Swelch badestub’ wirt gehizzet also linde,
ein man gelekket vil, e er enpfinde
hizze, der sin herze gert;
swie guot diu schiter sin, unt ist boese der hert,
von hizze enpfaeht er doch vil selten vröuden“[103].
[Illustration: Abb. 78. König Wenzel, der zur Bedeckung der Scham
den Wedel benutzt, wird von Bademägden gestrichen. Miniatur aus
der deutschen Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von
Schlosser~.]
Ein anderer Ausdruck für Queste ist kosten, kost. „Kosten das man
leck“, hat ~Hans Foltz~ in seinem Hausrat verzeichnet[257], im
Höllenbad waren die Seelen „lecken“ und schlugen sich mit „kosten“[29].
„Reich mir ein +kost+ und einen hot (Hut), einer legk solt uns
geweren“, heißt es im Meistersingerliede aus dem 15. Jahrhundert[469].
Das Lecken besorgten die Badenden (Abb. 40), wie auch der Bader (Abb.
86), z.❆B. auf einer Abbildung bei ~Murner~[6].
In dem Gedicht auf die Bergtheimer Schlacht (1400) heißt es:
„An lecke mochten sie nit baden,
das ward in von stunden schaden,
sie begerten keines glichen.
Die badeknecht begundens strichen,
daß sie gewunnen einen sweiß,
sie lekten, daß in ward ze heiß.
Ir questen waren wunderlich“[49].
~Sastrow~ erzählt, daß, als er als Knabe am Strande gebadet, sein
Vater am anderen Morgen mit der Rute vor ihn trat und sagte: „Habt ir
gebadet, so muß ich questen“, wobei er ihn schlug[258]. So finden
wir questen und auch lecken ganz allgemein für schlagen gebraucht.
„Wolfdieterîch der werd begunde nider lecken manegen heiden zuo der
erd“[442].
[Sidenote: _Der Wedel zur Bedeckung der Scham_]
Da, wo man ohne Badehose im Bade saß, diente der Wedel zur Bedeckung
der Scham. „Du thust wie ein quest im bad; deckest du dein scham der
laster mit den predicanten“, sagt ~Geiler von Keisersberg~[258] und an
anderer Stelle: „beschirmung (Bemäntelung) der sünden wird gemerckt
in allen menschen, die da mit dem baderquesten der entschuldigung
understont zu verbergen ire laster“. Bei ~Wolfram von Eschenbach~
findet sich die Stelle, er säße eher nackend ohne Tuch im Bad, als daß
man seinen Parzival für ein Buch hielte, vorausgesetzt
„sô ich in dem bade saeze, ob ichs questen (den Quast) niht
vergaeze“[585].
Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor, zu
„verordnen den mannen ein notturft +costen+ in die batstuben und ainer
ieden frawen verordnen ire claider ausz und ein zu tragen“[535]. Dem
Badekleid der Frau entspricht hier beim Manne der Kosten zur Bedeckung
der Scham.
[Illustration: Abb. 79. Adam u. Eva. Holzschnitt aus der Practica von
1499. Straßburg.]
Auf einem Bilde der deutschen Bibel Wenzels sitzt der König im Bad,
die Scham vom Wedel bedeckt, während ihn zwei Bademägde massieren
(Abb. 78)[286], und als der Kaiser in der Erzählung ~Herrand~s ~von
Wildonie~ vor die Tür gestoßen wurde, da war „ein wadel sîner lide
kleit“, er hatte also auch nackt im Bad gesessen, und die Wiener
Handschrift aus dem 16. Jahrhundert bildet den Kaiser ganz nackt, die
Krone auf dem Haupt, ab, und neben ihm liegt der Wedel. Ebenso wird
in der Judenbadstube von ~Philipp von Allendorf~ der arme Mann nackt
aus der Badestube gelassen und deckt seine Scham mit dem Wedel (Abb.
66). Zu diesem Zwecke kommt der Wedel auch dann vor, wenn vom Bad gar
nicht die Rede ist. ~Geiler von Keisersberg~ macht den Vorschlag, wenn
Kinder sich mit Lügen entschuldigen und wie beim Sündenfall Questen von
Feigenblättern machen, soll man sie mit Birkenquesten von Birkenreisern
durchhauen[123], und ~Suchenwirt~ sagt von Adam und Eva: „zwên questen
deckten in ir scham“[258]. Auch im Pfaffenleben aus dem 12. Jahrhundert
heißt es:
„mit dem Adâmes cherm wadele
Wellent si ir scham bedechen“[584].
Darstellungen von Adam und Eva zeigen deshalb häufig — wie
~Zappert~ meint, nur in Werken deutschen Ursprungs[16] — statt
des Feigenblattes den Wedel (Abb. 79), so in der deutschen Bibel
~Wenzels~ und den Bildern zum Sachsenspiegel. Bei einer in Zerbst
1507 aufgeführten Prozession heißt es und ist durch figura in der
Handschrift dargestellt: „Die Bader. Eynen Bom mit eyner slangen. Adam
vnd Eua naket mit questen“[586]. Hier fiel den Badern also wegen ihres
Handwerkzeugs, des Wedels, die Rolle von Adam und Eva zu.
Weil die Metzger in Nürnberg bei ihrem Tanz, der 1350 zum ersten
Male gehalten wurde, auf den Pöbel, um Platz zu machen, allzukräftig
dreinschlugen, befahl der Rat, um alle Unruhe zu vermeiden, keine
Waffen und Wehr mehr zu gebrauchen, sondern nur Quasten oder Büsche von
Eichenlaub. Deswegen bestellten die Metzger anfänglich vierundzwanzig
Männer, die sich in Zwillich kleideten, das Angesicht verdeckten,
hölzerne Knebelspieße und einen Busch in der Hand tragen mußten,
um ihnen zum Tanzen Raum zu verschaffen. Nach den Abbildungen der
Schönbart(Narren)bücher von 1459 und 1560 waren diese Badewedel aber
durchaus nicht so harmlos, wie sie der Rat gewünscht hatte; denn aus
einzelnen schießen Wasser- und Feuerstrahlen hervor[587].
1360 hatten die Bader zu Basel den Quast als Wappen[255], 1373 führten
ihn die Würzburger Bader im Siegel[144].
[Sidenote: _Die Tracht der Bader_]
Auf den Bildern zum Sachsenspiegel sind die Bader völlig nackt (Abb.
67 und 68), auf dem Konstanzer Gemälde aus den ersten Dezennien des
14. Jahrhunderts in einem Frauenbade aber mit der Badehose versehen
(Abb. 86). Später finden wir sie damit angetan bis zu Anfang des 17.
Jahrhunderts. In Freiberg wurde ihnen 1480 geboten, „Vortüchel“ zu
haben bei fünf Groschen Strafe[183].
Die Bader gingen in diesem Kostüm ungeniert über die Straße (Abb.
82). Deswegen gebot die Lüneburger Baderrolle von 1361: „Ok en schall
nement des hilligen dages barebeende ane hosen gan up den straten by
broke ein punt wasses (Wachses)“ und Hamburg 1375: „Vortmer en schal
nen knecht ut sines heren hues ghan barschinket unde myt blotem hovede
vorder den syn ronsteen keret (Rinnstein kehret)“[217]. Noch 1649 wurde
daselbst festgesetzt: „es soll fortan kein Badergesell oder Lehrjunge
baarfuß oder mit dem Badehute ausgehen, bei 4 Schill. Strafe; wers
siehet und verschweigt’s, soll gleiche Strafe geben“. 1419 beschlossen
die Breslauer Bader, daß fortan keiner von ihnen, weder Meister noch
Geselle „baarschenkelig“ ausgehen dürfe, „es sei denn, Einer wäre
krank oder käme just vom Bade oder trüge ein so langes Gewand darüber,
daß man seine Peine nit sehen könne“ bei Strafe eines Pfundes Wachs
und zwar um der Ehre des Handwerks willen[220]. Nach der Bamberger
Baderordnung von 1481 sollen „Meister und knecht ... am suntag und
an allen gepanten feiertagen gehost und nicht mit bloßen peynen und
on schwe (Schuhe) gehen“. Später wurde das Verbot, „on hosen oder
parschenkel“ zu gehen, dahin gelindert, „daß sie Vormittag gehoset
gehen sullen, nach der Predigt aber die Hosen ausziehen und einen
langen Rock anlegen mogen und ye nicht mit pleckenden peynen über die
gassen gehen“[46]. Es scheint darum nicht wunderbar, wenn ~Osse~ Mitte
des 16. Jahrhunderts in seinem Testamente schreibt, selbst Magistri
gingen in leichtfertiger zerschlitzter Kleidung und es wäre wenig
Unterschied zwischen ihnen und einem Barbiergesellen[554].
[Illustration: Abb. 80. Badknecht und Bademagd. Kpfr. aus:
Nürnbergische Kleider-Arten. Nürnberg bei Johann Kramer. 1669.]
[Illustration: Abb. 81. Bademagd. Miniatur aus der deutschen
Wenzelbibel. Anfang des 15. Jahrhunderts. Nach ~von Schlosser~.]
Im 17. Jahrhundert trat zur Badehose ein Schurz, so auf einem
satyrisch-politischen Kupferstich von 1612[443], auf dem Badstubenbilde
von 1711 (Abb. 91)[288] und im Nürnberger Trachtenbuch von 1669
(Abb. 80), so daß ~Goethe~ mit Recht sagen konnte: „Bader erkennt
man an der Schürze“[151]. Schon im 16. Jahrhundert wurde nach ~Jost
Amman~s Abbildung zu ~Hans Sachs~’ Ständen ein solcher Schurz von
dem im übrigen völlig nackten Bäcker vor dem Backofen getragen[208],
und ~Guarinonius~ schlug 1610 diese Kleidung für die Bader vor[134].
Ich möchte aber ~Guarinonius~ nicht für den Urheber dieses Gedankens
halten; denn er schmückt sich zu oft mit fremden Federn, und so wird
der Baderschurz schon 1610 im allgemeinen Gebrauch gewesen sein.
[Sidenote: _Die Tracht der Baderinnen_]
Auch die Tracht der Baderinnen ist uns bekannt. Die ältesten
Darstellungen finden sich in den für König Wenzel von Böhmen
angefertigten Handschriften, zum erstenmal im „Wilhelm von Oranse“
1387. Zumeist besteht sie in einem kurzen, weißen hemdartigen Gewande,
das mit Achselbändern an den Schultern befestigt ist, die Arme und die
obere Brust freiläßt (Abb. 81). Einmal erscheint die Bademagd in einem
durchsichtigen feinen Gewande, ein paarmal ganz nackt in der deutschen
Bibel und der goldenen Bulle[286]. Das wird wohl auch der Wirklichkeit
entsprochen haben je nach der moralischen Höhe der einzelnen Badestube.
In ~Hans Sebald Beham~s (1500–1550) Darstellung der Luna ist die Tracht
noch die alte (Abb. 38), und die Dorfordnung von Nüdlingen von 1594
gebot, es „sollen die Mannspersonen sowohl die junge Gesellen an dem
Tantz, sonderlich vf dem offen Platz in ihren Kleydungen, Kittel oder
Röcken vnd nicht im Leib wie eine Badmaid im Hembd tantzen“[589],
ebenso die von Euerdorf gegen Ende des 16. Jahrhunderts[144]. Im
Nürnberger Trachtenbuch (17. Jahrhundert) erscheint die Baderin
gegenüber früheren Zeiten bedeutend mehr bedeckt (Abb. 80), im
Frauenbade waltete sie aber völlig nackt ihres Amtes (Abb. 40).
[Sidenote: _Die Bekleidung der Badenden / Die Badehr_]