Helbling geht als Ritter angekleidet zum Bad und läßt vom Knecht das

Badhemd nachtragen. 1227 mußte für Ulrich von Liechtenstein dessen

Kämmerer das „badgewant“ aus der Herberge holen[268]. Das Nachtragen

der Badewäsche durch den Diener ist auf einer Abbildung von Aachen

aus dem Jahre 1727 zu sehen[410]. Arme Leute ließen an Kleidung

möglichst viel daheim — barfuß und ohne Gürtel kommen bei ~Helbling~

die Nachbarn —, und noch 1610 wendet sich ~Guarinonius~ an die

steierischen Stadtrichter und Bürgermeister: „Besinn dich, ob du

nicht bißher gesehen hat, vnd alle Wochen noch sihest, daß deine wol

erzogne Burger vnd Burgerinen, sich in jhren Häusern entblößen, vnd

also nackend vber die offentliche Gassen, biß zum Bad- oder Schandhauß

vor aller fürgehenden Augen gehen dörffen? Ja damit dise lustige Zucht

nicht abgehe, auch jhre junge Knaben vnd Töchter fein zeitlich darzu

abrichten, damit sie fein früe, die Geschämigkeit verlieren ... Wie

vil mal sihe ich (ich nenn darumb die Stadt nicht) die Mägdlein von

10. 12. 14. 16. vnd 18. Jaren gantz entblößt, vnnd allein mit einem

kurtzen leinen offt schleussigen vnd zerrißnen Badmantel, oder wie

mans hier zu Land nennt mit einer Badehr allein vornen bedeckt, vnd

hinden vmb den Rucken, Dieher vnnd Füssen offen, vnd die ein Hand

mit gebür in dem Hindern haltend, von jhrem Hauß auß, vber die lang

Gassen, bey mitten tag, biß zum Bad lauffen? Wie vil laufft neben

jhnen die gantz entblößten zehen — zwölff — virtzehen vnd sechtzehen

järigen Knaben her, vnd begleit das erbar Gesindel einander ins Schand

vnd Wüsthauß hinein? Ja wie vil mal laufft der Vatter bloß von Hauß

mit einem eintzgen Niderwad (Badehose) vber die Gassen, sambt seinem

entblößten Weib vnd blossen Kindern, dem Bad zu?“[134] König Pipin

ging in Aachen nur mit Schuhen und Hemd angetan und dem Schwerte zum

Bade[15], und in dieser Tracht verläßt ein Mann auf dem Bilde der

Heidelberger Sachsenspiegelhandschrift die Badestube; das Badelaken

ist weiß, bedeckt den Körper und ist über den Kopf geschlagen[552]

(Abb. 67). Als 1490 die Augsburger zum Kampf auszogen, waren etliche in

langen Badhemden darunter, „als ob sie in das bad wollten gan“[280].

In Hildesheim mußte der Bader im Mittelalter Sorge tragen, daß niemand

nackt über die Straße ging, dort herumstände und säße[52].

[Illustration: Abb. 67. Badestube. Zeichnung aus dem Heidelberger

Sachsenspiegel. Handschr. 13. Jahrh. Nach ~Batt~, von ~Babo~.]

~Zappert~ glaubt, daß die geringe Bekleidung beim Gang zum Bade

neben Bequemlichkeitsrücksichten durch Mißtrauen gegen Badediebe

veranlaßt wurde[16][D]. Schon der Sachsenspiegel (13. Jahrhundert)

berücksichtigt die Verwechselung von Schwert, Kleid, Becken oder

Schermesser in der Badestube[213]. Die Bilderhandschriften fassen

Kleid als Badekleid (Abb. 67 u. 68) auf. Im Hamburger und im Bremer

Stadtrecht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts wird dagegen neben dem

Kleid (das hier also die gewöhnliche Bekleidung bedeutet) noch das

Badelaken besonders genannt[16].

[Illustration: Abb. 68. Badestube. Kolorierte Zeichnung aus dem

Wolfenbütteler Sachsenspiegel. Handschrift. 14. Jahrh.[E].]

[Sidenote: _Die Abziehstuben und die Kleiderhüter_]

Größere Badestuben hatten zum Ablegen der Kleider einen besonderen

Raum, die Abziehstube, welche in Zürich nach dem Aufbewahren, dem

Hüten der Kleider, Hütstube (1529 und früher) hieß[243]. „Badhieter“

kommen neben Reibern und Schröpfern in Ulm 1346 als Mitglieder des

Baderhandwerks vor[73]. Nach der Durlacher Ordnung von 1536 hatte

die „Reybermagt“ reiche und arme Gäste „gutlich und tugentlich“

zu empfangen und alles, was ihr zu versorgen befohlen, getreulich

aufzuheben und zu verwahren. Der Bader sollte seinem Weib, den Knechten

und allem Gesinde befehlen und sie anhalten, das von den Badgästen

zum Aufbewahren Gegebene auf ihr Fordern nach dem Bad unmangelhaft

zurückzugeben[219]. In Breslau hatte der Rat 1582 viele Klagen und

Beschwerden wegen Verwechselung und Entwendung von Kleidern in den

gemeinen Badestuben zu hören bekommen, die nach Ansicht der Betroffenen

auf Unfleiß und Nachlässigkeit der Hüter zurückzuführen waren.

Verordnet wurde daraufhin, daß in Zukunft Hüter und Aufseher im Männer-

und Frauengemach nur dann verantwortlich wären, wenn die Kleider ihnen

übergeben und auch die Gebühren dafür bezahlt worden seien[242]. Eine

ähnliche Verordnung hatte München schon 1437: „Swer ze pad lonet

(bezahlt), swaz der selb und sein hausfrau und sein hausgesind ze

pad verliesent, daz süllen die gewanthütterinn gelten“. Nach einem

Zusatz von 1392 war der Bader haftbar, wenn der Aufseher nicht zahlen

konnte[203]. In Würzburg beschloß der Rat 1459, daß die Bader alles und

nur das zu ersetzen hätten, was ihnen während des Badens anvertraut

würde, was sie allen Leuten mitteilen sollten. 1509 wird in Würzburg

eine alte und kranke Magd und „Aufheberin“ in der Badestube zum Becken

erwähnt[144]. Nach des Teufels Netz war der Hüterin, die es als

Trinkerin bezeichnet, nicht sehr zu trauen:

„Trait ainr pfenning in das bad

Da möcht im wohl beschehen schad;

Er git ir das zuo kalten

Und lat es got walten.

Villicht vint er minder denn vor.

Er ist sicher ain rechter tor,

Der pfenning in das bad treit,

Es wirt im sicherlichen leid“[241].

Mehr scherzhaft sagt ~Hans Sachs~ 1538 vom „lörles pad“ (Narrenbad):

„Da ging ich aus dem pad gar spet

sauber vnd new gewaschen,

der pader spilet in dem pret,

die fraw dranck aus der flaschen.

als ich grieff in mein daschen,

da war sie mir geraumbt,

im lörles pad ich nit saumpt,

darein ich nit mer kumb“[337].

[Sidenote: _Seifried Helblings Schilderung des Bades_]

~Helbling~ fährt fort:

„als ich zuo dem badhûs kam,

der kneht von mir nam

daz gewant und leit ez hin:

ze dienste het er guoten sin.

er sprach: ‚nu her ân allen tadel

einen frischen niuwen wadel,

hinden wol gebunden!‘

‚den hân ich schiere funden‘,

sprach der wirt und gap uns vier;

dar ûz nâm die besten wir,

als ich in die stuben gie,

das badvolk mich wol enphie.

sie heten unverdrozzen

die diln wol begozzen,

gewaschen schôn die benke.

ein wibel vil gelenke

nam mîn dâ mit dienste war.

sie truoc mit bat ein scheffel dar,

weder ze kalt noch ze warm,

sie streich mir rücke, bein und arm

als eim wetloufaere.

dô sprach min kneht gewaere:

‚mich juckent arm und diu bein,

nu dar! zwei scheffel an die stein,

dâ wir nâch erswitzen!

macht vinster, dâ wir sitzen,

daz wir die wedel swingen!

lât an dem oven klingen

zwên würfe mêr, die krachen!‘

des begund ich lachen

in der vinsternüsse,

ich traf ouch, dâ daz küsse

scheidet mich und die bank.

ich sprach: ‚geselle, nû hab dank

diser gramazin.

durch den willen mîn

bit noch zwên würfe werfen dar.‘

des wart der badaer gewar;

er sprach: ‚seht dar einez!‘

(das was niht ein kleinez)

‚seht dar einz und aber mêr,

dâ mit ich den herren êr!

seht einz durch des knehtes willen!‘

dô muost ich ûf die dillen.

‚nû dar nâch, badliute reht,

ze mînem herren!‘ sprach der kneht,

‚lât iuch niht bedriezen.

riben und begiezen

füeget nâch der lecke wol.

guot louge man gewinnen sol

lûter und lieht gevar.

ein badwîbel füeg sich dar,

diu wol künne dwahen,

des êrsten niht gâhen,

mit langen umbesweifen,

wie gist in der seifen

der kamerwîp gebende;

alsô lât iuwer hende

in der gist dar strîchen.

ze leste nemt einclîchen

der loug ie mêr unde mêr,

sô tuot daz jesen widerkêr.

nû dar, her scheraer,

strîchet scharsach unde schaer,

ebent hâr und scheret bart!‘

ich sprach: ‚geselle, wol mich wart

dîner grozen sinne!

würd dîn der herzog inne,

er lieze dich mir nimmer.

nû wil ich helen immer,

wie dîn name sî genant,

daz dû im sîst unerkant.‘

dô iz allez geschach,

min kneht stuont dar nâch,

dô saz ich ûf die fürbank.

ich sprach: ‚geselle nû hab dank,

ginc her unde knie für mich.

ich wil ouch bewîsen dich,

wâ dû mir bist ungezesem;

’ie lieber kneht, ie groezer besem,

daz muoz an dir werden schîn.‘

dô wart durch den willen mîn

ein besem mir gereichet,

der was wol erweichet

die wîl in einem heizen bad ....

der kneht stuont ûf, im was endank,

ich rûmt ouch die selben bank,

dâ ich was gesezzen.

mîn wart niht vergessen,

begozzen wart ich vor der tür.

dâ was mir gerihtet für

ein bett, als ich wolde,

dâ ich ruowen solde.

als ich geruote, zehant

der kneht reichte mir daz gwant;

ich leit mich an vil schône.

die badliut nâch ir lône

dienten; des wart in gegeben:

‚herr, got lâz iuch lange leben,

der aller ding wol lônen kan!‘

sprâchens, dô ich schiet von dan.“

Noch vor dem Betreten der eigentlichen Badestube legt der Ritter die

Kleider ab, also in der Abziehstube, und erhält vom Badewirt einen

Wadel. In der Badestube sind Dielen (Fußboden) und Bänke frisch

gescheuert. Nun beginnt das Baden. Eine weibliche Angestellte trägt in

einem Scheffel lauwarmes „bat“ herbei und streicht damit dem Ritter

Rücken, Beine und Arme mit größtmöglichster Geschwindigkeit. Nachdem

die heißen Herdsteine mit zwei Scheffel Wasser begossen sind, nimmt

der Ritter auf der mit einem Kissen[F] versehenen hochgelegenen Bank

seinen Platz ein und läßt die Badestube finster machen. Die Wedel

werden geschwungen und dem hohen Gast zu Ehren der Ofen wohl mehr,

als es sonst üblich ist, mit Holz geheizt. Die Hitze wird dem Ritter

unerträglich, er muß zu den Dielen hinuntersteigen. Nach dieser „lecke“

wird er gerieben und begossen. Ein „badwibel“ besorgt das „dwahen“

(Waschen, meist im Sinne von Kopfwaschen) mit guter, gischender Lauge.

Der Scherer ebnet das Haar und schiert den Bart. Nach einer längeren

Unterhaltung mit dem Knecht, während der der Ritter auf der „fürbank“

sitzt, wird dieser vor der Tür der Badestube nochmals begossen, um

darnach auf einem Bette auszuruhen. Reichlichen Lohn empfangen die

Badeleute, worauf der Ritter angekleidet das Bad verläßt.

[Sidenote: _Des wälschen Gastes und Herrands von Wildonie Schilderung_]

Eine ältere Schilderung des Badstubenbadens haben wir andeutungsweise

vom wälschen Gast[467], der seine Dichtung 1216 vollendete und ein

Höllenbad beschreibt. Auf einem Stuhle sitzend wird man begossen (in

der Hölle „mit wallendem pade, peche und swebel“) und gerieben, bis man

weiß wird. Darauf folgt eine abermalige Begießung, und nun „wadelt“ man

(in der Hölle die armen Leute mit Geißeln); „dem herren bringet man

snellîche guote wedel harte rîche“, um den Schweiß herauszubringen.

Später wird man „gebettet“.

Etwa 1259/60 vollendete ~Herrand von Wildonie~ seine Dichtung „Von dem

blôzen keiser“, aus der folgende Stelle hierher gehört:

„der keiser ûf sin phert dô saz

und reit vil spâte durch die stat;

dâ was bereit im ein bat.

dâ gie er in, und habt hie vor

vil manic ritter vor dem tor.

dem keiser wâren dinnen bî

kleiner junkherlîne drî

und solher wîbelîn ein teil,

diu man dâ vindet ringe veil.

dô der keiser het gebât,

als man ze bade gewonheit hât,

dô sprach er: „man sol giezen an,

wir suln erwarmen unde gân

zuo den rossen für daz tor;

dâ wartent uns die ritter vor.“

der keiser legt sich ûf ein banc,

als in diu hitze dâ betwanc;

diu venster wurden zuo getân:

dô gie ûz der tür ein man,

der was dem keiser gar gelîch,

sîn lîp, sîn stimme hêrlîch,

als ez der keiser waere.

dô sprungen kameraere

und reichten im sîn badekleit.

er sprach: „fürwâr, mir ist daz leit,

daz ich lange hân gebât,

ich waen, iuch des verdrozzen hât.“

die ritter sprâchen: „hêrre, nein,

ez ist uns ein dienest klein.“

er saz ûf und reit mit in

gên der herberge hin.

den kameraeren wart vil gâch,

sin batgewant si truogen nâch.

der an des keisers stat dâ saz

vil manic ritter vor dem az,

mit den er vil schimphes pflac.

Dannoch der tumbe keiser lac

ze bade und het gemaches vil.

ein badekneht im brach daz spil,

der lief zer badestuben in,

er sprach: „der keiser ist hin

gevarn an die herberge sîn.“

sus drungen die junkhêrrelîn

und legten balde an sich ir kleit;

si liefen nach, wan in was leit,

daz der keiser ân si was

geriten zuo dem palas.

diu venster man ûf warf zehant:

dâ lac des rîchen sarjant

ûf der dillen alles hie.

er lachte des, der hin in gie

und sagt, der keiser waere enwec:

„wes liget ir dâ, her schandenflec?“

sprach der knabe dem keiser zuo,

„ir welt vil lîhte morgen fruo

uns überfüeren umb diu kleit,

diu wir dâ hân, daz waere uns leit.“

der keiser sprach: „nu lât her gân

mîn kameraere, ich wil mich an

legen und wil ze hûse varn ...

und ist, daz man mir vor der tür

niht wartet mit dem badekleit,

ez wirt ir etelîchem leit“ ...

die badere sprâchen: „ir sult gân

hinfür, und welt ir ruowe hân;

tuot ir des niht, iu mac geschehen,

daz ir ungerne müget sehen.“ ....

der blôze weinent gie zer tür.

nâch im si sparten zuo daz tor,

dâ stuont er jâmerlichen vor.

ein wadel was sîner lide kleit;

diu vinster naht was im niht leit,

wan si im dacte sîne scham“[438].

Auffallend ist, daß sich der Kaiser auf die Bank legt, nachdem er,

wie es die Gewohnheit mit sich brachte, gebadet hatte. Hier tritt an

Stelle der Übergießung ein Wasserbad. Ulrich von Liechtenstein, der

1227 auf seiner Venusfahrt vor Wiener-Neustadt ein „wazzerbat“ von

Badern bereiten ließ und, nachdem er schon im Bad gesessen, wegen

eines Liebesabenteuers, wie er sagt, „ungebat“ herausging[268], hat

in Anbetracht dieses Ausdruckes das Wasserbad doch wohl auch nur als

Einleitung zum Schwitzbade benutzt. Wir erfahren aus ~Wildonie~s

Dichtung noch, daß das von ~Helbling~ erwähnte Finstermachen der

Badestube durch Schließen der Fenster geschah, wie es auch auf einem

Bilde der Göttinger Handschrift von ~Konrad Kieser~s Bellifortis von

1405 zu sehen ist (Abb. 74).

[Sidenote: _Schilderung des Bades durch Meistersinger_]

Aus Meistersingerliedern, die von ~Hans Sachs~’ Hand geschrieben und

zum Teil auch von ihm gedichtet sind[337, 464] erfahren wir, daß man

in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den eintretenden Gast Gott

willkommen hieß. Dann langte man Wasser her und frug, ob er einnetzen

wolle. Dies besorgte darauf die „Untermaid“ mit selbst gebrauter

Lauge, in weniger guten Badestuben mit Wasser. Dann stieg man auf die

Bank hinauf, die auch als „Schwitzbank“, „ober panck“, „leckpanck“

bezeichnet wird, um zu schwitzen. Nun wurde von einem Reiber, der vor

den Ofen trat, aus einem Kübel aufgegossen, manchmal auch schon vor dem

Hinaufsteigen zur Oberbank. Nach dem Schwitzen setzte man sich „abher“,

anscheinend auf eine tiefere Bank, wo ein Reiber, Baderknecht oder

„poden knecht“ das Reiben vornahm, das zu einem unangenehmen Kratzen

wurde, wenn dieser Nägel „wie vögel klawen“ hatte. Das Reiben scheint

aber auch auf der Oberbank stattgefunden zu haben. In diesem Falle

erfolgte nach dem Herabkommen auf die Bank das Zwagen vom Baderknecht,

welches wohl der Hauptsache nach Kopfwaschen war, das auch die

„vntermaid“ besorgte. In der „scherstat“ oder „schereck“ fand darauf

das Scheren statt, in Zürich im 18. Jahrhundert auf dem „Stöckele“ oder

„Stöckli“, wo auch zur Ader gelassen wurde[243]. Zum Schluß bereitete

die Untermaid Lauge zum „abfleihen“ (abgießen), die Fleihlaug’ genannt

wird. Wer schröpfen wollte, saß „an der laspanck“ vor dem Kopfwaschen

und nach dem Reiben, ließ sich darnach Wasser in einem Scheffel aus

dem Kessel geben und darauf „ein wannen giesen“, um darein zu sitzen.

Nach der Bamberger Baderordnung von 1481 hatte der, welcher „ein Wannen

gegossen haben will“ sechs Pfennig auf der „frawen stule“ (soll wohl

stube heißen) zum Bade zu geben[46]. Pfarrer ~Johann Schalyss~ zu

Holtzheim besang 1599 das neu errichtete Bad Boll:

„Das Badhauß eben ist gewehlbt,

Auff schönen Stein in Seulen gstelt.

Drey Kessel groß es drinnen hat,

Darauß man warm wird +gießen+ an“[489].

Boll hatte nur Wasserbäder in Wannen. Das „Angießen“ bedeutet demnach

nicht immer, wie man vermuten sollte, ein Begießen der heißen Steine

zur Dampfentwickelung, sondern auch das Füllen der Badewanne.

[Illustration: Abb. 69. Begießen im Bad. Kpfr. aus: ~Murner~, Nebulo

nebulonum. Frankfurt, Fickwirth, 1663.]

[Sidenote: _Andere Berichte_]

Mehrmals wird erwähnt, daß sich die Badenden Wasser in einem Scheffel

aus dem Kessel bringen lassen, anscheinend um sich selbst zu begießen

(Abb. 69). In die Badestube an der Pegnitz floß warmes und kaltes

Wasser, „darmit man sich kann säuberlich nach allem Wunsch begießen“.

Das Weistum von Huisheim in Schwaben schrieb 1505 dem Bader vor,

er „sol auch ainem iedem menschen, so zu gottz tisch gaut (d.❆h.

Erwachsenen), geben ain kibel mit warmem wasser und ain badhut, es

seien mans- oder weibsbild ... und iedes bad allein und in sonder ain

schaf mit laug in die badstuben verordnen, dar mit die leut versechen

seien“[535]. Nach der Durlacher Baderordnung hatte der Bader 1536

„wie von alter der bruch“ dreißig Kübel und dreißig Hüte vorrätig

zu halten[219]. Erwähnt werden auch in den Meistersingerliedern die

von den Badern geflochtenen Hüte, das Heizen der Badestube mit Holz,

der Ersatz von Lauge durch Seife und das Zechen nach dem Bad. Im

wesentlichen ist die Darstellung gleich der von ~Hans Sachs~ in den

Ständen (S. 145) gegebenen. Einer der erwähnten Meistergesänge ähnelt

übrigens sehr einem solchen aus dem 15.Jahrhundert. Abweichend heißt es

darin:

„reich mir ein kost und einen hot (Hut)

einer legk solt uns geweren.

darnach so sol wir scheren,

so sin wir schir gerecht“.

Auch hier ist +nach+ dem Bad der Sinn auf den Ort gerichtet, wo der

Beste geschenkt wird[469].

[Sidenote: _Eigenartige Veranlassung zum Reiben_]

Eine eigenartige Veranlassung zum Reiben gibt dieser Meistergesang,

wie auch der von ~Hans Sachs~ an: „die hüt byssen uns ser“[469], „mich

selbst juckt die Haut sehr“[464]. Nach ~Hero~ (1533) vertreibt das Bad

das Jucken[231]. Auch bei ~Helbling~ ist für den Knecht Jucken der Arme

und Beine die Begründung für weitere Dampfentwickelung im Bad[214].

~Murner~ läßt die Füße gegen Jucken reiben[6]. Nach dem König vom

Odenwald badete man, „überlût, daz in jücket die hût“[228].

Im Höllenbad (1540) sah ~Hans Sachs~[29]

„.... reyben, lechzen und schwitzen,

Negel abschneyden, volbad sitzen,

Lassen und schrepfen, kemmen und zwagen,

Schern, abfleyhen, wasser tragen,

Zehn außbrechen, die rewding salben,

Doch undterschiedlich allenthalben....

Auch hört ich schreyen on zal grillen[G].

In summa all ding daucht mich ghrad,

Als wer die hell gleich wie ein bad“.

Das Bad begann mit Einnetzen von Lauge; nachdem sah ~Sachs~ auf den

Bänken eine Summe

„Gelb dürrer seel, die waren lecken

Und sich mit dörren kosten schlugen“;

andere schwitzten schon auf den Bänken, daß es wie ein Bach herabfloß.

[Sidenote: _Die allegorischen Beschreibungen des Bades_]

In ~Murner~s geistlicher Badenfahrt (1514), wie überhaupt in den

allegorischen Beschreibungen, ist die Reihenfolge der Vorgänge

wahrscheinlich nicht innegehalten; denn dem Kämmen des Haares folgt bei

~Murner~ das Lecken. Am Schluß finden statt: Abgießen, Bademantelgeben,

Niederlegen und nach dem Bad Wohlleben[6]. Aus der von ~Philipp von

Allendorf~ 1535 herausgegebenen Judenbadstub sei hervorgehoben, daß der

Bader questete und man am Schluß das Badgeld bezahlte[234]. Nach „des

Bapsts vnd der Pfaffen Badstub“ (1546) „geüßt man sich fein sauber ab“,

ehe man aus dem Bad geht. Nach dem Bad pflegt man der Ruhe[440]. Die

Judenbadstube Abb. 70/71 hat die Steine zum Begießen abgebildet, dieses

selbst, wie das Hinaufsteigen auf die Bank und das Lecken fehlen;

vielleicht waren diese Vorgänge zum Schröpfbade, das hier beschrieben

wird, nicht nötig. Möglicherweise sind sie aber nur weggelassen, weil

sie in der allegorischen Darstellung keine Verwertung fanden.

[Illustration: Abb. 70/71. Juden-Badstub. 1. In der ersten Figur stehet

ein Kaufmann, der großen Handel will treiben. 2. schlegt sich zu den

Juden und wird von ihnen in die Gaß geführt. 3. handelt mit ihnen. 4.

die wollen ihn baden, darumb schöpft der Teufel und Jud Wasser. 5.

henken den Kessel über. 6. schüren das Feuer. 7. kehren die Badstub. 8.

reiben ihn. 9. schrepffen ihn.

10. zwachen ihn. 11. waschen ihn ab. 12. er beklaget sich seines

Schadens. 13. kompt aber arm wieder zur Gassen heraus. 14. siehet er,

daß er umb das Seine gekommen. 15. die Juden waschen die Sünd ab, der

Teufel fischet sie wieder auf. 16. und führet sie in die Hell. Kpfr.

aus dem 16. Jahrhundert.]

[Sidenote: _Brunßfels’ Schilderung der Vorgänge im Bad_]

Bei den populär-medizinischen Schriftstellern ist nicht

auseinanderzuhalten, was als Gebrauch bestand und was Vorschlag des

betreffenden Verfassers ist, wobei das römische Vorbild verwirrend

wirkte. Die wirklichen Vorgänge scheint ~Brunssfels~[47] gegen Mitte

des 16. Jahrhunderts in einer nach der Vorrede für den armen Mann

gegebenen Anweisung zu schildern: „Eyn kurtze leer von baden. So du

baden wilt, so beweg dich vor vnd exercier dich etwa mit, spacier ein

gůte weil biß du erwarmest, darnach gang in das bad, bleib an einer

külen statt erschwitz da[H], vnd laß dich dann mit einem heyssen

wasser begiessen, darnach setze dich an ein warme statt im bad,

darnach aber wermer, also nach einander je baß je baß biß du gleich

wol erschwitzest, nach dem wesche dich mit wasser das nit zůheyß seye

als das erst, vnd zům letzten mit eim külen wasser das doch nit zů

kalt sey, vnd wann du außghast so halt dich warm.“ An anderer Stelle

sagt ~Brunssfels~, daß man sich nach dem Eintritt ins Bad „zů stundt“

mit warmem Wasser, so warm man es vertragen mag, begießen soll, kurz

vor dem Ausgehen, wenn „mann wol erschwitzt“, mit kühlem, das nicht

zu kalt sei, ein wenig kühler als lau, das erfrische die Glieder des

Körpers. Etliche Menschen, die viel Schweiß baden, würden gern räudig

und bekämen „eyssen“ (Furunkel). Die sollen dem zuvorkommen und sich,

wenn sie’s vertragen und nicht Gliederschmerzen bekommen, mit kaltem

Wasser vor dem Ausgehen beschütten, sonst mit wenig warmem. Wasserbäder

sollen nicht zu heiß sein. Man soll über den Nabel, aber nicht über

die Brust hinein sitzen. Dieses Baden nützt sehr den Menschen mit dem

Stein und Grimmen im Leib und sonst zu vielen anderen Dingen. Wer

zuviel Hitze und Durst im Wasserbad bekommt, muß sich vor dem Ausgehen

mit kaltem Wasser beschütten „Item es seye schweiß oder wasserbad,

wann dir der mund schwitzt so hör auff.“ Nach dem Bad (Schweiß- und

Wasserbad) soll man im Bett ruhen und die Füße mit Salz und Essig

reiben, das ziehe die böse Hitze aus dem Leib und mache lustig. Auch

im Bad soll man die Sohlen mit einem Messer schaben lassen. Schon in

~Boner~s Fabeln (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts) sagt die Äbtissin

nach Anordnung des Schwitzbades:

„ouch hab ich selbe daz gelesen,

daz man die vüeze rîben sol

mit ezzich und mit salze wol“[226].

Ein Reiserischer Druck aus dem 15. Jahrhundert schlägt vor, im Bad zu

kratzen und zu reiben, den Schweiß mit trockenen Tüchern vom Körper zu

streichen, darauf folgt das Begießen mit wenig warmem Wasser, darnach

das Schröpfen. Vor dem Ausgehen aus dem Bad sollen die Sohlen der

Füße mit einem Messer oder rauhen Steine geschabt werden. Zum Schluß

folgt eine Begießung mit kaltem Wasser, das nicht zu kalt sei, ein

wenig kälter als lau[238]. Nach dem St. Galler Codex 760 soll man sich

in der warmen Stube abziehen, dann immer wärmer, aber nicht zu heiß

baden, den Leib kratzen, und, wenn man dann zum ersten Male schwitzt

und geruht hat, soll man sich begießen mit lauem Wasser, das nicht zu

heiß sei, und so man „anderwert“ schwitzt (gemeint ist im Ruhebett)

und sich reibt, soll man sich mit noch kälterem Wasser begießen; denn

nach Avicenna werden die Glieder dadurch am leichtesten erkühlt, des

Leibes Kraft gehärtet und bleibt die natürliche Hitze im Leib. Der Leib

wird nun mit einem weichen Tuch getrocknet, das darnach um den Körper

geschlagen wird.

[Sidenote: _Das kalte Abgießen nach dem Schweißbad_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 16 / 53 段