Hausbadestube nicht nur Reinigungsbäder, sondern badete auch gegen
Krankheiten. Der Bürgermeister Nikolaus Gentzkow von Stralsund tat es
am 31. März 1564 auf ärztlichen Rat. Am 2. Dezember verzeichnete er in
seinem Tagebuche: „badede ick in minem eigen stauen vth diekwater“,
am 27. Januar des folgenden Jahres: „leth ick den kum am stauen
vthschmelten vnd den stauen heruthmaken, vnd badede darin vmb des bains
willen“[542]. Hieraus ist übrigens zu entnehmen, daß der stauen nicht
nur die Badestube, sondern auch die Badewanne war. Schon 1562 badete
Gentzkow öfters „mit minen qwaden ruggen“. Aus ~Fabricius Hildanus~
geht hervor, daß im 17. Jahrhundert besonders von armen Leuten als
Ersatz der Badekur nicht nur in Krankheiten, sondern auch zur Bewahrung
der Gesundheit ein- oder mehrmals im Jahr Tage und Stunden lang, wie
in den Mineralbädern, im Zuber gebadet wurde. ~Fabricius~ sah dabei
Krämpfe, Schlaganfälle auftreten und führt diese bösen Zufälle darauf
zurück, daß die Leute meinten, die zur Badekur nötige Reinigung des
Leibes, vorzüglich die durch Purgieren, nicht nötig zu haben. Ganz
besonders sei sie gerade beim Baden im süßen (gewöhnlichen) Wasser
erforderlich, weil das den Leib schlüpfrig und glatt mache. Auch die
mineralischen Bäder, die durch die Kunst der Chemie zubereitet würden,
seien, wie die aus süßem Wasser, unserer Natur zuwider. Die Nachbildung
einiger natürlicher Mineralbäder durch Schwefel, Alaun und Salz
erkennt er für Notfälle an, erklärt es aber für Eitelkeit, Frechheit
und Aufschneiderei, natürliche Bäder durch die Kunst der Chemie zu
machen[101]. Es gab schon im 16. Jahrhundert z.❆B. von ~Thurneisser~
Rezepte, Mineralbäder nachzuahmen[390], und ~Paracelsus~ ergänzte die
Mineralbäder für bestimmte Krankheiten durch Zusätze von Kräutern[374].
Meister ~Burckhart~ von Reytlingen gab ein „bewert wiltbad“ an[47].
~Johann Wilhelm Simler~, ein großer Verehrer der Mineralbäder, singt
„vonwegen des Podagrams, im Meyen, 1668 und 69“:
„Gewärmtes Kräuterbad in meinem Ofenkessel;
nächst Gott; entbande mich von Podagrames Fessel“[27].
[Sidenote: _Kräuterbäder im Hause gegen Krankheiten_]
Ja man nahm regelrechte Badekuren im Hausbade vor. 1528 schreibt
~Hans Stockar~ in Schaffhausen: „Uff dye Zitt hain jch 33 Dag Wasser
badett jn mim Hus, und schlug heffdyg us“[597]. Felix Platter ließ
Kuren mit Kräuterbädern im Hause gegen Aussatz vornehmen[488]. Nach
~Brunssfels~ sollte man nicht über vierundzwanzig Tage lang baden und
bis auf acht Stunden täglich steigen, dazwischen schweißbaden. Man
saß dabei auf dem Kräutersack, dessen Abkochung sich im Badewasser
befand[47], nach ~Dryander~ 1547 täglich eine Stunde lang[233]. Es
gab also zweierlei Kräuterbäder, Dampf- und Wasserbäder. Der Kosten
wegen wurde das Kräuterbad mehrmals benutzt. Infolgedessen machte
das Wärmen eine besondere, in Abb. 55c wiedergegebene Vorrichtung
nötig, die auch ~Thurneisser~ 1572 etwas abgeändert bringt[390]. Nach
ihm und ~Brunssfels~ sollte das Bad alle drei Tage erneuert werden.
Die Badebütte war zuzudecken, damit die Kraft darin bleibe[47].
~Guarinonius~ sagt 1610:
„Die Badwann laß offen, oder schleuß nur vor dir,
Den Dampff laß vnten beyn Füssen riechen herfür“[134].
1647 schlug ~Sebiz~[65] vor, die Badebütte mit hölzernen Deckeln oder
dicken groben Tüchern, „Kutern oder Sergen“, ~Gessner~[335] 1745,
mit einem Tuch, Teppich oder einem Brett mit einem Ausschnitt für
den Hals zuzudecken. Für Kräuterbäder einzelner Teile dienten der
„Lendenzuber“ (Abb. 55a), dessen Sitzbrett nach hinten abfallen sollte,
und eine besondere Schenkelbadewanne (Abb. 55b)[48. 221], die auch zu
Dampfbädern verwendet werden konnte.
[Illustration: Abb. 55. Apparate für Wasser- und Kräuterbäder im 16.
Jahrhundert. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt a.❆M.
1547.]
[Sidenote: _Andere Bäder zu Heilzwecken_]
1684 machte ~Lamzweerde~ neue Badeapparate bekannt, darunter einen Sack
aus Leder in dem sehr schwache Kranke das Bad im Bett nehmen konnten
(Abb. 56). Er beschrieb auch einen, erst in der modernen Hydrotherapie
zur Geltung gelangten Rückenschlauch (Abb. 57) und mit Wasser
gefüllte Ledersäcke, die über einzelne Gliedmaßen gezogen wurden[574].
Sein geistiges Eigentum scheinen diese Apparate aber nicht zu sein,
denn einzelne sind schon in einem Werke des aus Illyrien stammenden
Arztes ~Santorio~ abgebildet, der 1636 zu Venedig starb und sich auf
technisch-medizinischem Gebiete, unter anderem auch durch Herstellung
von Instrumenten zur Ermittelung der Körpertemperatur und des Pulses
auszeichnete[235].
[Illustration: Abb. 56. Sack aus Leder zum Dauerbad im Bett für sehr
schwache Kranke v. Lamzweerde. Kfpr. 1684.]
~Pictorius~ erwähnt 1560 Bäder von Baumöl, Milch, Molken, Wein und
Öl, in dem ein Fuchs oder Dachs zuvor gesotten wurde, sagt aber, „man
schreibt von ihnen“; sie waren also nicht in Gebrauch[152]. Nach ~Ryff~
war bei den Deutschen in Milch zu baden ebenso ungewohnt, als in Wein
und Öl[48]. 1793 benutzte man aber Milch- und Molkenbäder[160], wobei
man glaubte, die Kranken dadurch zu ernähren. Von dieser Vorstellung
ging wohl auch ~Pantaleon~ aus, als er den Lungensüchtigen und denen,
so das Abnehmen am Leib haben, den Besuch der Thermen verbot, dafür
aber Wasserbäder „so ab Kalbsköpfen und füssen gesotten“ empfahl[35].
Trotz mancher Kuren im Hause gingen Leute, denen eigene Badestuben
zur Verfügung standen, in die öffentliche Badestube zum Schröpfen,
Aderlassen oder um Heilbäder zu nehmen. Nach der Pfründeordnung
des Klosters Geisenfeld in Bayern aus dem 13. Jahrhundert hatten
die Frauen aller vierzehn Tage ein Anrecht auf ein Bad, das zwei
„lantnaer“ bereiteten. War eine Frau „siech“ (krank), oder wollte sie
„us einer aderlazz baden“, ging sie zum „veilen pade“. Wer das nicht
wollte und das Bad lieber im Kloster nahm, hatte es zu bezahlen[548].
Bürgermeister Gentzkow war am 3. April 1559 „mit vruw vnd kindern jm
steinstauen vnd leth wohl 7 koppe setten“, am 24. November badete er
„jm gemeinen stauen und leth 3 koppe setten“[542].
[Illustration: Abb. 57. Rückenschlauch von Lamzweerde. Kpfr. 1684.]
[Sidenote: _Einladungen in die Hausbadestuben zum Schmausen und Zechen_]
Wir sahen schon im nackten Boten, daß die Badestube zur kühlen
Jahreszeit als Wohnraum benutzt wurde. Sie diente aber auch als
Speise- und Trinkzimmer, in das man gern Freunde und Bekannte lud.
~Guarinonius~ sagt 1610: „Wann manicher, der sonsten nichts zu thun
hat, nicht weiß was er anfangen solle, läßt er jhm ein Schweiß- Dempff-
oder auch Vollbad zurichten, darin er etwan mit seinem Weib, oder
sonsten einem guten Freund sitzet, und ein Kändele drey, vier Wein,
neben guten Sträublen außleeret, damit in seinem Leib innen nicht
etwan das Vacuum rusticum entstehe“[134] (Abb. 58). 1584 wurde, wie
erwähnt, Magdalena Paumgartner in Nürnberg zu einer Bekannten ins
Bad geladen[248]. Der Bürgermeister Gentzkow berichtet uns in seinem
Tagebuche des öfteren von solchen Einladungen[542]. Am 13. Mai 1559
hat er verzeichnet: „badede ick in minem eigen stauen mit D. Khetell“,
am 3. Oktober 1562: „do badede ick in minem stauen. D. Kehtel vnd sine
vruw badeden mit mj. eethen darna mit mj vnd toueden bet nha negen“,
am 9. Juni 1563 „badede ick in minem stauen vnd beheld min volck by
mi to gast“. Unter Volk sind die Angestellten des Bürgermeisters zu
verstehen. Aus den Angaben scheint hervorzugehen, daß die Gasterei erst
nach dem Bade stattfand. Ferner hat Gentzkow verzeichnet am 13. Januar
1558: „leht ick minen batstauen heiten vnd badede mit minem volcke“,
am 21. April 1559: „badede ick mit all minem volck, vnd worden dorch
den roden wyn so vrolick darna, dat alle jungen vnd knecht dantzen
vnd singen musten bet in die nacht, dat die glock ein schlug“, am
30. Juni desselben Jahres: „badede ick mit minem volck vnd zechten
darna wol“, am 3. Januar 1560: „badede ick mit alle minem volck noch
jm suluen minem stauen. Ick leth ock minen naber Christoff Lafferde
mit siner vruwen vnd all sinem volck darinn baden“, am 10. Februar
desselben Jahres: „leth ick den stauen in minem haue (Hause) anheiten
vnd badede mit minem volcke drinn“ und am 15. April: „hadde ick mien
volck togaste vnd was mit en guder dinge“. Gentzkow lud sein Volk auch
sonst zu Gaste, z.❆B. in seinen Garten zum Tanz oder am 10. November
1560 zum Martinsabend, wobei der Exzeß, wie Gentzkow selbst schreibt,
so groß war, daß er am anderen Tag auf der Bank liegen mußte. Das sind
aber Seltenheiten gegenüber den Einladungen ins Bad, die wir unseren
heutigen Gesellschaften gleichstellen müssen.
[Illustration: Abb. 58. Mann und Frau beim Schmause im
Hausbadestübchen. (Der Mai). Kpfr. von ~Franz Brun~ 16. Jhdt.]
[Sidenote: _Die Hausbadestube als Speisezimmer_]
Daß es auch in Nonnenklöstern bei den Einladungen ins Bad fröhlicher,
als es die Sitte erheischte, zuging, zeigt folgender Züricher
Ratsbeschluß von 1523: „Abrednuss miner Herren von Zürich verordnoten
ratsboten mit frow priorin und den ratsfrowen zuo Töss, etlicher bösen
missbrüchen halb beschechen. Zum ersten: als dann ein badstuben zuo
Töss im gottshus ist, darin dann unzhar etlich ander frowen von den
klosterfrowen geladen gewesen, mit inen zuo baden, die syent von der
Töss ab der strass, von Winterthur oder anderschwohar; das aber vil
geschreis und nüt anders dann ein liechtfertigkeit und zerstörung
guots wesens mag bringen; ist von minen Herren mit verwilligung der
frowen abgeredt und beschlossen, daß hinfür gar niemas in solich bad
sölle kommen oder gan, dann allein die kloster- und ordensfrowen. Es
soll ouch endheine under inen, jung oder alt, nit gewalt oder macht
haben, dhein andere usserthalb dem kloster, wer joch die syg, in das
gemeldt bad zuo laden, ane gunst und willen (der) frow priorin und der
ratsfrowen“[172].
~Rudolf Collin~ erzählt in seiner Lebensbeschreibung: „Im Jahr 1524
den 14. Hornung verliesse ich mein Vaterland (Lucern), kame um den
Abend gen Zürich, und nahme meine Einkehr in Herrn Oßwald Myconius
Hause, wo mir eine lustige Begebenheit aufstieße: Es war namlich an
der alten Faßnacht, da stuhnde (wie um diese Zeit gewohnt) ein Tisch
mit den niedlichsten Speisen, und vollen Bechern versehen in einer
Schweißstube (vaporario).“ Kein Mensch war zugegen, weil alle Gäste auf
die Ringmauer hinausgegangen waren, dem Fastnachts- oder Märzenfeuer
zuzusehen[551]. Das Baden ist garnicht erwähnt, und die Gäste müssen in
Kleidern gewesen sein, um das Haus zu jener Jahreszeit vorübergehend zu
verlassen. Die Schweißstube war hier das Speisezimmer des Hauses.
[Illustration: Abb. 59. Doktor Moser in Konstanz wird in der
Hausbadestube mit seiner Geliebten vom Ehemanne derselben überrascht
und zu Tode gestriegelt. 16. Jahrh. Wyckiana. Zürich, Stadtbibliothek.]
[Sidenote: _Liebesabenteuer im Bad_]
Im Hausbadestübchen empfing auch die ungetreue Ehefrau ihren Liebhaber.
Das schien so selbstverständlich, daß z.❆B. in einem Volksliede des
16. Jahrhunderts die Badestube garnicht erwähnt ist, wohl aber auf dem
Titelbilde dargestellt wird[310]. Manche dieser Stelldicheins endigten
mit Mord und Totschlag durch den betrogenen Ehemann. Von einem solchen
Fall, der sich zu Zofingen 1559 zutrug, berichtet der Züricher Chorherr
~Wyck~[308]. 1530 wurde in Zürich bei Augustin Fries ein fliegendes
Blatt gedruckt „Ein hübsch Lied, genannt der Striegel“, das in des
Knaben Wunderhorn[309] aufgenommen ist. Das Gedicht war ein seinerzeit
weit bekanntes Volkslied. Eine Kaufmannsfrau in Konstanz empfing in
Abwesenheit ihres Mannes den Geliebten, einen Doktor, im Bad. Der
Ehemann, dem die Sache zu Ohren kam, gab eines Tages vor, eine weite
Reise zu unternehmen, ließ aber einen Striegel anfertigen, mit dem er
unerwartet in die Badestube trat und den Doktor zu Tode striegelte.
~Wyck~ klebte in seine Sammlung einen kolorierten Holzschnitt (Abb.
59) ein, der wahrscheinlich dem genannten fliegenden Blatt entnommen
ist, und fügte, ohne das Gedicht anzuführen, hinzu, dieser Doktor
(auf dem Bild durch die Kopfbedeckung als solcher gekennzeichnet)
sei ein Sohn des Organisten Moser vom Großmünster in Zürich gewesen
und der Bruder einer Nonne im Ötenbach, die fromme Moserin genannt,
die 1554 starb[308]. Etwas abgeändert wurde das Gedicht zu Augsburg
„durch Valentin Schönigk, auff vnser Frawen Thor“ (auf der Abbildung
tragen Mann und Frau den Badehut von Stroh) und 1606 zu Basel bei
Johann Schröter gedruckt. Auch ~Fischart~ sagt in der Gargantua: „o bad
gestrigelter doctor von Costenz!“[151]. Noch 1624 wurden Szenen aus
dem Gedicht auf einer Glasscheibe dargestellt, die das Landesmuseum
zu Zürich besitzt, wo die Liebenden entgegen der sonstigen Auffassung
nebeneinander auf der Schröpfbank in der Schweißbadestube sitzen. Die
Hausbadestuben scheinen demnach, wenigstens in dieser Beziehung, ihre
frühere Bedeutung nicht mehr besessen zu haben[G].
Bekanntlich forderte der Landvogt Wolfenschießen 1307 zu Alzellen von
Baumgartens Weib, mit ihm im Bad zu sitzen. Sie rief aber ihren Mann
herbei, der den Landvogt mit der Axt erschlug (Abb. 53). In den um 1400
verfaßten Gedichten ~Heinrich Kaufringer~s ladet einmal eine Augsburger
Schustersfrau ihren Geliebten, einen Chorherrn ins Haus zum Bad, ein
ander Mal die Frau des Bürgermeisters von Erfurt den Sohn des Königs
von Frankreich, der dorthin „gen schuole“ gesandt war[256].
[Sidenote: _Badestuben in den Amtswohnungen_]
Wir finden häufig das Hausbadestübchen in Amtswohnungen auf Kosten
der Behörde errichtet. Zu Frankfurt am Main kommt 1436 die Badestube
in der Bonameser, 1470 die in der Erlenbacher Burg für die Amtmänner
beider Orte vor, sowie 1499 die Badestube für den Marstaller. Auch im
Römer befand sich ein Badstübchen, offenbar für den Stadtschreiber,
welcher dort seine Amtswohnung hatte. In Hamburg finden wir sie im 16.
Jahrhundert in den Wohnungen des Physikus und des Stadtschreibers.
1477 wurde das „batstobelin im Rathuse“ in- und auswendig geweißt
und das „batstobechin“ mit Fenstern (638 Scheiben) versehen[127].
Berlin und Cöln an der Spree hatten im 16. Jahrhundert in den
Kaplan- und Predigerhäusern Badestuben[191], 1610 das evangelische
Pfarrhaus zu Aadorf. 1640 schaffte hier das Amt Winterthur ein neues
„Badestubenöfeli“ an. Auch im Pfarrhaus zu Aawangen war schon vor 1597
ein Badstübli eingerichtet, und 1619 fehlte es nicht im neuerbauten
Pfarrhaus[187]. 1557 wurde zu Waldulm im Pfarrhaus der Ofen in dem
„badstublin“ errichtet[460]. In Frankfurt am Main war die Fahrbadstube,
auch die Badstube am Fahr genannt, die 1337 zuerst erwähnt wird,
gemeinschaftliches Eigentum der Stadt und des Leonhard-Stiftes.
Die Herren des Rates und wohl auch die Mitglieder des erwähnten
Stiftes bedienten sich ihrer, dem großen Publikum war sie aber
verschlossen[127].
[Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben zur Förderung der ehehaften_]
Aus verschiedenen Gründen finden wir hie und da die
Privatbäder eingeschränkt oder verboten. Nach der bayerischen
Landesordnungerklärung von 1578[16] und der Forstordnung von 1616[46]
wurde den Bauern mit Ausnahme der in den Einöden wohnenden untersagt,
eigene Badestuben zu bauen, nach der zweiten Ordnung auch der
Gebrauch transportabler und dieser nicht nur den Bauern, sondern auch
den Bürgern in den Städten und Märkten, dafür diesen aber erlaubt,
ordentliche gemauerte Badestuben in den Häusern zu haben.
Die Gründe zu diesem Verbot lagen in dem zu reichlichen Holzverbrauche
und der Feuergefährlichkeit der kleinen Badestuben. Daneben sollten
durch dieselben die Einkünfte der ehehaften nicht geschmälert werden.
Aus letzterem Grunde erfolgte das erwähnte Verbot im Altenmarkt
(Bayern) 1439[535], ein solches zu Kuppenheim bei Rastatt 1484: „und
daruff so sollent alle kleine badtstuben, die bißheer zu Cupenheim
gewesen sind, abgetan und nyemandt mee, er sy geistlich oder weltlich,
gestattet werden, in den hüsern badtstuben zu haben oder fürter zu
machen, damit Diethrichs Hans und sine erben unser badtstube dester
baß gehalten und den zinß jerlich daruß geben mögend; es were dann,
das ein amptmann zu Cupenheim in sinem huse ein badtstüblin haben
wölt, des solt er macht han allein fur sich und sin gesinde und sust
fur nyemandt mee zu gebruchen ungeverlich“[61]. Ebenso wurde 1440 und
1476 in Görlitz die Badestube nur zum eigenen Gebrauch erlaubt. „Vnd
forder sal nymandis ander lüte weder vor der Stat noch in der Stat
baden denn alleine sich sine kinder vnd gesinde“[202]. 1547 führten die
Lübecker Bader Klage darüber, daß nicht nur der Hausvater und Familie
nebst Gesinde, sondern auch dessen Bekannte bei ihm badeten[16]. Bei
der Verleihung des Bades zu Liebenzell 1498 behielt sich der Lehnsherr
das Recht vor, die „badstüblin“ im Hause nach eigenem Gefallen jemandem
zu gestatten, jedoch sollte es der Betreffende nur für sich selber
brauchen. Im sog. Ried, der Niederung an der Mündung der Murg bei
Rastatt, lagen im 15. Jahrhundert fünf Dörfer (heute noch drei). Diese
hatten zusammen ein „badstublin“. Als 1487 das nahe Iffezheim auf
Bitten der Gemeinde vom Markgrafen Christoph zu Baden ein ehehaftes Bad
erhielt, wurde denen im Ried befohlen, ihr Badstüblein durch den Bader
von Iffezheim wärmen zu lassen oder nach dort zum Bad zu gehen[61].
[Sidenote: _Verbote der Hausbadestuben wegen Feuersgefahr_]
Die Feuergefährlichkeit der Badestübchen tritt häufiger als Grund ihrer
Einschränkung auf. Nach dem klugen und rechtsverständigen Hausvater
war es 1705 jedermann freigegeben, ein Badhäuschen oder Badstübchen
zu erbauen, es durfte jedoch keine Feuersgefahr bringen[567],
weswegen es von der Obrigkeit besichtigt wurde. Dies geschah z.❆B. in
Frankfurt 1478. Trotzdem entstand 1556 von einer „clein batstoben“
aus eine Feuersbrunst[127]. In der Bergstadt S. Marienberg verordnete
man 1540, die Badstüblein jährlich zweimal zu besichtigen, nach der
Stuttgarter Feuerordnung von 1607 sollten sie nur geduldet werden,
wenn der Schornstein gut gebaut und bis übers Dach hinausgeführt
wäre[16]. 1484 veranstalteten Kellner und Rat zu Butzbach in Hessen
einen besonderen Umgang durch die Stadt, um festzustellen, welche
von den Badestuben zu leiden oder nicht zu leiden seien. Im Herbst
1489 sah sich der Rat veranlaßt, eine Anzahl Öfen in den Badestuben
gewaltsam abbrechen zu lassen. 1494 erging an verschiedene, bei einem
vorherigen Umgange aufgezeichnete Bürger der gemessene Ratsbefehl, „die
sorglichen Badstuben abzuthun“. In demselben Jahre hatte aber auch der
Rat eine Badestube in eigenen Betrieb übernommen[194]. Die Görlitzer
Statuten verlangten die „badestoben“ wegen Feuersgefahr zur ebenen
Erde gelegen. 1440 und 1476 wurde verordnet: „Alle badestobin uff den
Estrichin vnd sust empor stehende, sullin gantz abgethon werdin vnd
was sust badestobin sindt ouch wol bewart“[202]. In der Stadt Brieg
wurde 1550 sogar verlangt, daß „alle Badebutten In der Stadt bay den
gemeinen Manne abgestalt werden, welcher aber daruber inn seinem Hause
baden wirt, sol so offte solchs geschicht zur pehn ein margk vorfallen
sein“[16]. 1748 wurde in der Instruktion für bürgerliche Obrigkeit
(Bayern) verboten, „in den Stuben gefährliche Baadel (am Ofen) zu
halten“[46]. Würzburg gestattete 1564 die Privatbäder, doch durfte
niemand Stroh, Heu, Reben, Pfähle, Wolle u.❆s.❆w. in engen Häusern,
auf den Boden und an Orte, wo man feuert, „Bäder machet oder waschet“,
hinlegen[575].
[Sidenote: _Das Bad der Neugeborenen_]
Die alten Germanen sollen ihre Kinder auf einem Schild im Rhein gebadet
haben[151]. Nach der „Kindheit Jesu“ von Kuonrât von Fuozesbrunnen aus
dem 12. Jahrhundert wurde Christus nach der Geburt in einem „vazze“
gebadet[520]. Die heilige Elisabeth (Ende des 13. Jahrhunderts) erhielt
zur Ausstattung eine silberne Badewanne. Die Mutter ließ anfertigen:
„Von silbere lodec wize
Mit druwelichem flize
Deme kinde ein zuberlin,
So es wehes kunde sin,
Da man iz inne mochte
Gebaden wan iz dochte“[224].
In einem „Vasnachtspil vom Münch Berchtolt“ aus dem 15. Jahrhundert
sagt der „Preut Vater“:
„Merk, tochter, was ich dir geben wil!
Ein padschaf und ain wiegen“[12].
[Sidenote: _Temperaturbestimmung des Badewassers mit dem Fuße_]
In der Regel war die Badewanne aus Holz, wie die meisten Abbildungen
zeigen.
„Ein Tennin zuberlin dar inn mans bad
Deck es zů das im der Lufft nit enschad
Vnnd mach ym das Wasser nit zů warme“,
heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat (1514)[257]. Während
die deutsche Ausgabe von ~Rueff~s Hebammenbuch eine Holzbadewanne
zeigt[251], hat die holländische Übersetzung eine runde, flache
Metallschüssel[576], ebenso eine Darstellung der Geburt der Maria vom
Meister der ~Lyversberg~schen Passion (Abbildung bei ~Schultz~)[210].
Nach den von ~Schultz~ zusammengestellten Schriften aus dem 18.
Jahrhundert wurden die Kinder in einer hölzernen Badewanne oder in
einer kupfernen Bademolde gebadet[422], nach ~Zedler~s Lexikon 1733
Sechswochenkinder in einer kupfernen ovalen oder flach getriebenen
Bademolde. Dieses erwähnt auch den „Badewisch“, eine Decke aus zartem
Stroh, dessen sich die Weiber beim Baden kleiner Kinder bedienen[468].
Auffallend ist, daß die Badewanne stets auf dem Fußboden, nie
auf einer Bank oder einem Tische steht, was vielleicht mit der
Temperaturbestimmung des Wassers zusammenhängt. Auf dem erwähnten Bilde
vom Meister der ~Lyversberg~schen Passion und auf einem vergoldeten
Holzrelief, Geburt der Maria von einem Augsburger Meister (1510–20),
(Abbildung bei ~Bode~)[525], geschieht diese zwar mit der Hand, weit
häufiger aber mit dem Fuße, wie Abb. 60 zeigt. In der Chronica von
Josaphat und Baarlaam von 1477 (Abbildung bei ~Boesch~) hat die das
Königskind badende Frau einen Fuß in den Zuber gesteckt[123], ebenso
auf der Badeszene zu Wigamur in einer Wolfenbütteler Handschrift
von 1477 (Abbildung bei ~Hagen~ und ~Büsching~)[304], und auf dem
Titelbilde zu ~Rösslin~s Rosengarten von 1528 hält die Hebamme beide
Beine in die Wanne[505]. (Siehe auch ~Strigel~, Altarflügel von 1515
bei Janitschek[306]). Textlich wird diese Temperaturbestimmung nur
einmal und zwar von ~Brunssfels~ erwähnt: „So du baden wilt so solt du
das wasser versuchen darinn du baden wilt, vnd sollt die füß darein
setzen, ist es dann das dir die beyn schwitzen, so ist es dir gůt“[47].
Meines Wissens war ~Hufeland~ (1790) der erste, welcher die Bestimmung
der Temperatur mit dem +Bade+thermometer verlangte[518], aber schon
~Rousseau~ empfahl zur genauen Temperaturbestimmung beim Baden der
Kinder das Thermometer[100]. Im Salzburger Antiphonar aus dem 12.
Jahrhundert kommt für das neugeborene Jesuskind eine mit einem Fuß
versehene Badewanne vor, die dem heutigen Taufstein gleicht. Diese Form
ist wohl nicht deutschen Ursprungs; denn die gleiche Darstellung findet
sich auf den Bronzetüren zu St. Paul extra muros in Rom[532]. Das
Baden von mehreren Kindern geschah in der gewöhnlichen großen Badewanne
(Abb. 61).
[Illustration: Abb. 60. Bestimmung der Badetemperatur mit dem Fuße.
Geburt der Maria. Kupfer von Meckenem. 15. Jahrhundert.]
[Illustration: Abb. 61. Kinderwäsche in der Hausbadestube. Kupfer von
J. von Meckenem. 15. Jahrhundert.]
Der Züricher Kalender von 1508 gibt für die Behandlung des Kindes kurz
nach der Geburt folgende Vorschrift[H]:
„Die kind můß ich weschen vnd baden
Zart vnd rein für mengen schaden
Ich bad min kind alle tag
In lawen wasser als ich dir sag
Vnd lan es nit darin ein halb stund
Salb es mit roß öl das ist im gsund
Vnd kratz im alle sin glider
Das rügglin vff vnd nider
Den knaben ist es sunder gůt
Wann es die glider krefften thůt
Man sol trucken dem jungen kind
Sine glider die wil sy weich sind
Als sy sond sin so sy werden alt
Mit weschen rein vnd machen wol gstalt
Den mund, oren vnd nassen klein
Den ars můß man im machen rein“[26].
[Sidenote: _Baden der Kinder in Wein und Bier_]
~Ryff~ sagt, junge Kinder sollen in bequemen Fässern täglich einmal,
höchstens dreimal gebadet werden in süßem Wasser, das im Sommer lau,
im Winter ziemlich warm sei, und nicht länger, bis die Kinder anfangen
über den ganzen Leib „rottfarb“ zu werden[48], auch ~Etschenreutter~
erklärt mit dem Rotwerden der Haut das Bad für beendet[449].
~Metlinger~ in Augsburg empfiehlt 1476, das Kind ein halbes Jahr lang
alle Tage zu baden und zwar im Winter wärmer als im Sommer, die Tochter
wärmer als den Sohn[123]. Nach ~Ryff~ hatten etliche fürwitzige Weiber
in Brauch, die Neugeborenen in recht temperiertem Wein zu baden,
und hielten den dicken roten, rauhen Wein für den besten, was nach
ihm nicht befolgt werden sollte, ebenso die niederländische Sitte,
die Kinder in Bier zu baden[48]. In einem berühmten Hebammenbuche
von Frau ~Bourgeois~, das 1628 und 48 deutsch erschien, wird das
Baden der Kinder in Wasser und Wein empfohlen[577], auch ~Hirzel~
ließ 1784 dem lauen Bad ein wenig Wein zumischen. Er wollte aber die
späteren Bäder immer kälter bis ganz kalt haben[578]. Hier macht sich
schon der Einfluß ~Lockes~ geltend, der 1693 zur Abhärtung der Füße
das kalte Waschen vorschrieb und sagte, die kalten Bäder wirkten
bewunderungswürdig, besonders bei schwächlichen Personen[140].
[Sidenote: _Die Bademuhme_]