In Frankfurt ermietete 1495 der Kammerrichter Eitel Friedrich Graf

zu Zollern das Haus Rustenberg an der Leonhardskirche samt Mobiliar.

„In der baetstoben“ fand er „eyn großen coppern kessel vnd 2 groiß

messen (messingerne) becken vnd eyn cleyn becken und eyn coppern

becken, eyn lilach mit zadel vnd 2 lilach vnd eyn blechen laugkessel

(Laugenkessel)“. In der Badestube des zu Frankfurt 1502 verstorbenen

Wernher Dulling befanden sich zwei kupferne Kessel[127]. Das

Reichskloster Salem (Salmansweiler) hatte zu Pfullendorf einen Hof, das

„Stainhauss“. Als 1577 Frater Hägelin in die Pflege eingesetzt wurde,

befanden sich im „Badstüblin“: „kupfferin lauggelten 1, wassergelten

2, kübel 2, laughäfen, alles kupffern“, im „Abziechstüblin“:

„gutschenbettlin 1, darinn strosackh 1“ und in der Küche „1

badbeckelin“ aus Messing[570]. Auch in einem Züricher Inventar aus

dem 16. Jahrhundert kommt ein „möschi Becki“ (Becken aus Messing),

„als man in das Bad treit“, vor, daneben „1 kupferner Badhafen sammt

dem Hut (Deckel), 1 Badkasten und 1 Hafen in ein Badstuben“[252].

~Michel Behaim~ gedenkt 1491 der „padstuben“, 1499 kaufte er seinem

Weibe für siebzig den. eine Badewanne[210]. Anton Tucher in Nürnberg

hatte nach seinem Haushaltungsbuche (1507–1517) ein „abcziehkemerlen

vor dem pad“ mit Rautenfenstern. In der Badestube war der Boden aus

Stein und Brettern. An Inventar kaufte er einen kupfernen Badeofen von

261 Pfund Gewicht, einen Badkessel aus Kupfer[C] und vier kupferne

„padschefflen“, einmal eine neue Badewanne in den Garten[206]. In der

Badestube der Benediktinerabtei Neustadt am Main befanden sich 1555

zwei messingerne Wannen mit zinnernen Deckeln, eine kupferne Wanne,

ein messingernes Becklein, fünf Badgelten von Holz und ein großer

Wasserzuber[196]. Nach ~Ryff~ waren die Öfen in den kleinen Badestuben

aus Eisen oder Kupfer oder gemeinem Hafnergeschirr aufgesetzt[466].

Manche Hausbadestuben waren gemauert, zuweilen künstlich gewölbt, doch

zog er die aus Holz gebauten vor, die steinernen sollten wenigstens mit

Holz getäfelt sein[48].

In den verschiedenen Gedichten vom Hausrat[257] wird das Inventar der

Hausbadestube angegeben. ~Hans Foltz~ sagt in den achtziger Jahren des

15. Jahrhunderts in einem Spruchgedicht:

„Darnach was als ghort yns badt

Ein krugk mit lawen ist nith schad

badsack badschwam ein heris tuch

welchs man darff das man es her such

Schemel badfleck badlach badbeck

Strel badhut kussen das man legh.“

In einem Meistergesang desselben Dichters heißt es:

„So mon nün in das pad wil gan

ein krüg mit laügen müs mon han

pattüch wisch düch vnd ein pad schwam

patpeck pat hüt ein strel.“

~Hans Sachs~ hat in einem Spruchgedicht von 1544 „Der gantz Hawsrat“:

„Wen man den in das pad wil gan

Ein krueg mit lawgen mues man han

Padmantl, padhuet vnd Hauptuech

Peck, puersten, kamb, schwamen vnd pruech.“

[Sidenote: _Badebeutel mit Zubehör_]

In den Verzeichnissen ist der Krug mit Lauge ohne weiteres verständlich

und entspricht dem heute ins Bad mitgenommenen Stück Seife. „Ein Krůg

zů der Lougen dz man zwag“, heißt es im Straßburger Gedicht vom Hausrat

(1514), das übrigens auch den Blasebalg anführt, der das Feuer unter

dem Kessel „vff glesten“ macht[257]. Darauf folgt im Spruchgedicht von

~Foltz~ der „badsack“, in dem die später genannten Gegenstände bis

zum Strel (Kamm) oder auch mit Einschluß des Badehutes untergebracht

waren. In Ulm sollte 1584 „ein köstlicher Badsack, der mit Hemden,

Scheertüchern, Fezenetlin und anderer Bereitschaft gefüllt ist“,

nicht höher als vierundzwanzig fl. kommen[73]. Meister ~Curd Hallis~,

Rektor der Stadtschule in Göttingen, ließ 1458 von seiner Geliebten

den „snor“ (Schnur) an seinem „badebudel“ machen[526]. 1537 kommt in

Wismar „1 badekappe mit deme badebudel“ vor[533]. Nach der Rostocker

Kleiderordnung von 1581 schenkte die Braut dem Bräutigam einen

Badebeutel[543]. ~Lukas Rem~ hat 1518 in seinem Tagebuch aufgezeichnet,

daß seine Frau für ihn kaufte „mein breigoff, 2 hembder, badsack mit

seim zugehör & und ander fil, Ir zuo der hochzeit net gwest“[265].

~Schmid~ und ~Greiff~ verstehen unter Breigoff die Gabe der Braut an

den Bräutigam[265]. Doch hat ~Rem~ 1518 beim Hochzeitsgeschenk für

seinen Schwager und dessen Braut angemerkt: „Sie hetten aber mir,

meim weib eerliche breygoff stuck nach Ir manier geschenkt“[265].

Breygoff bedeutet demnach ganz allgemein ein bei der Hochzeit gegebenes

Geschenk. Heute noch beschenken sich in manchen Gegenden der deutschen

Schweiz, z.❆B. im Klettgau, auch die Hochzeitsgäste gegenseitig. In

dem zu Ulm 1584 erwähnten Badsack befanden sich auch „Fezenetlin“.

Der Ausdruck kommt vom italienischen fazzoletto, und heute bedeutet

in der Schweiz Fazinetli ein kleines Tuch, meist das Taschentuch. Im

Wildenbrucher Inventar werden 1560 „15 zwilch Facinetlein“ aufgeführt

mit der Bemerkung „sein Tellertücher“[560]. ~Conrad Clauser~ (Basel

1598) hat aber badlachen gleich „faceletly“[556], darum gehörten sie

in den Badesack. Der „badfleck“ bei ~Foltz~ ist nicht verständlich, da

aber die von ~Sachs~ angeführte pruech fehlt, möchte ich ihn für die

Badehose halten.

[Sidenote: _Kopfbedeckung im Bad_]

Der Badehut wurde fast durchgehends im Bad getragen. Die Ansicht,

dadurch das Haar vor Nässe zu schützen, stammt erst aus späterer Zeit.

Die meist kleinen, aus Stroh geflochtenen Badehüte hätten diesen Zweck

auch nicht erfüllt (z.❆B. Abb. 36). Im Anfang des 14. Jahrhunderts sagt

der König vom Odenwald

vom strôwe badehüete

geben guot gemüete“[228].

Die ersten Abbildungen von Badehüten aus Stroh finden sich im

Dresdener und Wolfenbütteler Sachsenspiegel (14. Jahrhundert) (Abb.

68), während im Heidelberger (13. Jahrhundert) die Badenden barhaupt

dargestellt sind (Abb. 67). Noch im 18. Jahrhundert kommt der

„Schaub-(Stroh-)hut“ in der Kurfürstlich Sächsischen Taxordnung des

Kreises Meißen vor. Für die Benutzung war dem Bader ein Pfennig zu

zahlen[242]. Nach einem Weistum von Huisheim in Schwaben von 1505

hatte der Bader jedem Erwachsenen einen Badehut zu geben[535], nach

dem „Öttinger Ehaftbüechl“ von 1577 ebenfalls, wenn der Badende keinen

mitbrachte[46]. In ~Maalers~ Lexikon (1561) wird der Badehut als aus

Roggenstroh gefertigt angegeben[162]. Daneben finden wir auch andere

Kopfbedeckungen, zuweilen die im gewöhnlichen Leben getragenen, z.❆B.

ein Federbarett bei Männern und auch bei Frauen. Auf dem ältesten, im

14. Jahrhundert gebrauchten Siegel der Stadt Baden (Schweiz) trägt die

im Bade sitzende Frau eine Bedeckung (Schleier) (Abb. 52), wie sie auf

den Siegeln und steinernen Denkmalen des 13. Jahrhunderts und in den

Sachsenspiegelbildern vorkommt, durch welche die verheiratete Frau von

der Jungfrau unterschieden wird[552]. Frauen und auch Männer tragen

häufig Haarnetze, zuweilen turbanartig geknotete Tücher und Kappen,

wohl von Leinwand. ~Wildvogel~ gibt im 18. Jahrhundert solche aus Wolle

an[242], und ~Behaim~ erhielt 1500 zum Baden im Wildbad von seiner

Frau ein „swartze seiden hauben“[210]. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts

schützte die Frau ihr Haupt vor Nässe durch eine Badehaube[422], nach

~Zedlers~ Lexikon war diese 1733 von weißer Leinwand und ein auf dem

Kopfe „zusammengefitztes“ Tuch[468].

[Illustration: Abb. 52. Siegel von Baden im Aargau, _a_ im 14., _b_ im

15. Jahrhundert gebraucht. Schweizerisches Landesmuseum in Zürich.]

Das Becken nennt ~Hans Sachs~ zwischen Haupttuch und Haarbürste, und

fand es vielleicht deswegen beim Kopfwaschen Verwendung. Dagegen glaube

ich, daß das „badbeckelin“ aus Messing in der Küche des Steinhauses

zu Pfullendorf und das „möschi Becki, als man in das Bad treit“ des

Züricher Verzeichnisses dem aus Kupfer gefertigten tiefen Fußbecken

der Nürnberger Haushalterin entspricht, welches man jedesmal in das

Bad zu tragen pflegte. Daß man es nicht im Bad aufbewahrte, lag an der

durch Feuersgefahr begründeten Abgelegenheit der Badestube (erst im 18.

Jahrhundert liegt sie beim Schlafzimmer)[422], und weil man Fußbäder

sehr häufig nahm. ~Ryff~ kannte schon den Einfluß der Schenkel- und

Fußbäder, die ziemlich heiß genommen werden sollten, auf den Kopf und

schrieb ihnen Stärkung von Gesicht, Gehör und Gedächtnis zu[48]. Über

„kussen das man legh“ siehe S. 164.

Man muß annehmen, daß die Leute in ihrer eigenen Badestube trotz der

Meistersinger Inventar nackt badeten. Hans von Schweinichen erzählt:

„daß ich wenige Tage zu Hofe war, badete die alte Herzogin (von

Liegnitz c. 1562); alda mußte ich aufwarten als ein Junge. Es währet

nicht lange, kummt eine Jungfrau, Katharina genannt, stabenakend raus,

heißt mich, ihr kaltes Wasser geben“[16].

[Sidenote: _Der Badschild des armen Mannes_]

In frühester Zeit hatte wohl jeder Grundeigentümer seine eigene

Badestube. Es scheint fast, als wenn diese zuweilen dem verarmten

Manne die letzte Zufluchtsstätte war, in der er wohnte. In uralten

hessischen Rechtsformeln heißt es: „wer aber alhie eigen und erbe hat,

derselbige sal sich darauf finden lassen, und denselbigen sal man auch

uf keinen groszern buwen dringen, diewil er sich unter einem batschilde

erhalten mag“. „Item, ob einer verarmt, das er sinen bew nicht gehalten

kan, sol er seinen schilt stürzen uf sin erb oder gut, sol er us dem

batschild geben des besten, das er vermag, so sollen die herren in

nit zu vertriben haben.“ „auch sal man einen armen Mann in diseme

gerichte lassen sitzen uf dem sime, die wile he sich mag behalden

under einem badschilde“[151]. GRIMM meint zwar, daß Badschild gleich

Badewanne wäre, doch konnte man unter einer solchen nicht wohnen, wohl

aber, wie wir sahen, in einer Badestube[D]. Außerdem wird Badschild

in Gegensatz zu einem großen Bau gestellt. Vielleicht ist es gewagt,

wenn ich unter Badschild den durch das Bad gewährten Schutz und in

weiterem Sinne die den Schuldner schützende Badestube verstehe. Nach

dem König vom Odenwald zu Anfang des 14. Jahrhunderts nahm sogar ein

Herzog von Sachsen seine Zuflucht zur Badestube, um nicht gepfändet

zu werden[228]. Jedenfalls geht aus den Rechtsformeln hervor, daß das

unter dem Badschild befindliche Eigentum die letzte Habe des armen

Mannes war, zu der demnach auch der Badschild selbst, sei er Badestube

oder Badewanne, gehörte.

[Illustration: Abb. 53. Bad unter der Dachtraufe eines Bauernhauses.

Holzschnitt aus einer Serie: „Aus der Gründung der Eidgenossenschaft“.

1580. Stadtbibliothek Zürich.]

[Sidenote: _Bewegliche Badstübchen_]

[Sidenote: _Das eigentliche Schweißbad_]

In den Städten finden wir bei vornehmen Leuten frühzeitig eigene

Badestuben, so in Ulm 1352 bei Heinrich von Weißenhorn[50]. 1385 besaß

der Hof des Herrn Friedrich Roth in der Sterngasse zu Würzburg ein

eigenes Bad[144]. Fehlte in bürgerlichen Wohnhäusern das Badezimmer,

so war doch eine Badewanne vorhanden. In den Gedichten ~Kaufringers~

hatte eine Augsburger Schustersfrau den Zuber vor der Kammer stehen,

und im Hause des Bürgermeisters von Erfurt war er im „kemenat“[256].

In Dörfern stand er nach zahlreichen Darstellungen des Todes

Wolfenschießens im Hausflur, einmal erscheint er unter der Dachtraufe

(Abb. 53). Ganz armen bedürftigen Leuten, namentlich „kindbetteren“

wurde die „badebütt“ geliehen, so 1338 von der Äbtissin zu Andlahe,

welche nach der Dinghofrodel zu Marlei (altem Königshof bei Straßburg)

die „dugen“ von denen zu Birken schicken ließ, die der Baumeister

mit den vom Keller gegebenen Reifen zur Badebütte vereinigte[535].

Immerhin verlangte eine bayerische Forstordnung (1616) vom geringen

Bürger und Handwerker ordentliche gemauerte Badstuben im Hause[46].

Man hatte nämlich auch transportable Apparate, die durchweg den Namen

Badstüblein führen. Schon 1345 kommt in einer Klosterrechnung zu St.

Emmeran ein solches vor. Die bayerischen Bauern hatten bei ihren

Wohnungen und die geringen Bürger und Handwerksleute in Städten und

Märkten ebenfalls „solche Bädlen, die man hin und wider tragen mag

und mit Gluet haizt“ (1616)[46]. Das waren im Gegensatz zu den in

Wannen genommenen Bädern solche zum Schwitzen. Aber bei genauerem

Betrachten erscheinen auch manche Wannenbäder, die man zunächst für

Wasserbäder halten könnte, als Schweißbäder. Vom Frauenkloster Prez

in Schleswig-Lauenburg heißt es c. 1474: „Item leth ick maken in

dat Badehus IV lange nige (neue) Badeküven mit IV nigen Roven (Dach

darüber) und mit bequemen Schemelen up to sittende, und ok under

de Vote“[16]. Die Schemel waren also zum Sitzen in der Badewanne

bestimmt, und es gab auch welche für die Füße. ~Ryff~ sagt: „Aber die

kleineren Badtstuben oder schweiß bäder so allenthalben in sonderlichen

Bürgerlichen wonungen bey vns Teutschen vast (sehr) gemein sindt,

pflegt man durch dunst vnd dämpff siedens wassers zu heitzen. Aber

solche truckne (er rechnet die Dampfbäder zu den trocknen) schweißbäder

zu der notturfft inn der eil zu bereiten vnnd erhitzigen haben wir

gar mancherley geschicklicheit vnd vortheil, als mit glüendigen Eysen

sinter stein, Maur stein oder gebachen steinen, kißling steinen vnd

dergleichen wie yederman wol bewust, darmit man schnel truckne schweiß

bäder zurichten mag“[48]. 1519 empfiehlt der St. Galler Bürgermeister

und Arzt Joachim von Watt, zur Verhütung der Pest Schwitzbäder im Haus

zuzurichten „als in einem verdeckten zuber, mit heißen steinen usw“.

Im Badwasser sollte man Kräuter sieden „vnd domit vff gießen“ und auch

waschen[571]. ~Etschenreutter~ sagt 1571: „aber bey vilen im brauch +dz

wir eigentlich schweißbad nennen+, so kreütter in einem kessel gsotten,

von dem selbigen laum (Dampf) der leib erschwitzet, allein für sich

selbs oder mit glüenden sinckelsteinen mit wein begossen, menigklich

bekant, vnnötig weitter daruon zureden“. An anderer Stelle sagt er, daß

das Schweißbad in der Bütte genommen werden soll, und weiter: „... so

allein das haupt außerhalb des dampffs der badestuben ist. So aber der

schweiß in schweißbädern mit gesottnen kreüttern erwermet, gefürdert

wird .... ist würcklicher (wirksamer), dann so es allein mit holtz

in gemeinen badstuben bescheh ... Wann aber der dampff vnnd erwermet

lufft, von dem wasser, in welchem saltz, salpeter, oder schwebel ist,

erhept, ... seubert mehr dann das drucken schwitzen, vil mehr dann so

der schweiß vom dampf der süßen wasser zugericht wurde“[449].

[Illustration: Abb. 54. Dampf- und Beräucherungsapparate des 16.

Jahrhunderts. Holzschnitt aus ~Dryander~s Arzneispiegel. Frankfurt am

Main. 1547[E].]

[Sidenote: _Badeapparate im 16. Jahrhundert_]

Nun ist es verständlich, warum im Kloster Prez die Kufen Schemel zum

Sitzen und für die Füße hatten; denn das kochende Wasser wurde direkt

auf den Boden der Wanne oder auf dort befindliche, glühend gemachte

Steine gegossen. Hervorgehoben muß werden, daß man in der Regel nur

das Bad in diesen Apparaten Schweißbad nannte, und ~Murner~ bildet

unter diesem Namen eine mit Dach versehene Badebütte, aus der der Kopf

herausragt, ähnlich wie Abb. 54 f ab. Nach ~Ryff~ sollte die Bütte

bedeckt sein[250]. An Stelle des einfachen Wassers scheint man noch

häufiger Abkochungen von Kräutern verwendet zu haben. „Acten, ruten,

gesotten mit wyden, getrunken, und ab den krüteren gschweiß-badet“,

heißt es 1588 in einem Zuger Arzneibuch[557]. ~Guarinonius~ versteht

1610 unter „Dempffbad“, das er auch Schweißbad nennt und in Gegensatz

zum gemeinen Bad (in der Badestube) stellt, „wann man in den ehrlichern

vnd ansehnlichern Häusern, ein darzu gerüste Wannen, oder kleine Stüble

hat, darinnen man gehitzte Ziegel, oder Kißlingstein einträgt, vnd

mit abgesottenem Wasser von guten vnd wol riechenden Kräutern, die

Stein begeust, darauß die Wärme vnd der Dampff räucht“[134]. Diese

Schweißbäder waren, wie aus der Stelle bei ~Etschenreutter~ hervorgeht,

sehr bekannt, auch ~Watt~ beschreibt sie nicht näher, sondern setzt

dafür ein usw. Noch 1697 empfiehlt ~Zapf~ in Weimar, das Rastenberger

Wasser gegen Podagra auf heiße Kieselsteine oder in ein Badstüblein

oder „versprügelten Wannen“ aufzugießen[401].

Nach ~Ryff~ setzte man auch zwei Wannen oder Gefäße übereinander

(natürlich die obere mit dem Boden nach oben) oder gebrauchte über der

Wanne ein „obdach von Stro geflochten“[48] (Abb. 43).

Im Straßburger Gedicht vom „Hußrat“ (1514) heißt es:

„Ich bring dir sicher ouch ein Badbütten

Bedket mit eyner Schoubin (von Stroh) hütten

Darzů so můstu gůte Krüter hon

So würstu ouch schwytzen wol dar von“[257].

[Sidenote: _Die kleinen Heißluft- und Dampfbadestuben_]

Andere „kleine Badstüblein“ hatten die Form eines Schrankes und waren

aus dicken Brettern gefertigt, um die Wärme besser zu halten (Abb. 54

e). In den Doppelboden wurden glühendes Eisen, erhitzte Sintersteine,

Kieselsteine, gebackene Steine, Mauersteine oder Schlacken

eingeschoben oder darin Branntwein angezündet. Es handelte sich also

um Heißluftbäder. Im Deckel befanden sich Löcher, die mit Zapfen

verschlossen werden konnten, um die Hitze zu mäßigen. Wenn es für nötig

befunden wurde, leitete man von einem Topf (Abb. 54 c) aus die Dämpfe

von Kräutern in das Badestübchen. An der Einmündung des Rohres wurde im

Innern des Kastens eine hohle, nach unten offene Halbkugel angebracht,

damit der Dampf dem Badenden nicht direkt gegen den Leib dringe. ~Ryff~

nennt 1549 den Kasten eine Neuerfindung seiner Zeit[48].

In der einfachsten Form verwendete das Volk einen Topf und ließ durch

einen hölzernen Trichter den Dampf gegen das kranke Glied treiben (Abb.

54 b). An Stelle des Wasserdampfes konnten Beräucherungen von Trociscen

(Trochisci-Zeltchen) und anderen „bequemen Stücken“ treten, die in

einem „glutpflännlin“ verbrannt wurden (Abb. 54 a). Zuweilen wurden die

Badenden zum Dampfbaden und Beräuchern auf einen Stuhl gesetzt und mit

Tüchern behangen (Abb. 43 u. 54 d)[233]. Man verbrannte auch Kräuter

auf heißen Steinen. In einer Wiener Handschrift des 15. Jahrhunderts

heißt es: „Vnd mach ein stain pad vnd leg das chraut vber die stain

vnd erswicz wol“[16]. Im 14. Jahrhundert wird von ~Boner~ im Edelstein

das Schwitzen im Bette durch einen heißgemachten Stein erwähnt. Eine

Äbtissin ist „von dem Ritten“ (Fieber) geplagt.

„Sie sprach: ‚mîn rugge und ouch mîn bein

die ridwent (fiebern) vaste. ein ziegelstein

soltu mir balde machen heiz;

und würde mir ein senfter sweiz,

ich möcht vil lîchte wol genesen! ...

acht eben, wenne ich switze:

sô nim den belz und decke mich.

lâ nieman în, des bit ich dich,

daz der sweiz nicht erwinde‘“[226].

~Ryff~ hat oft gesehen, daß man die Schweißbäder in großen Weinfässern

machte[48]. Dies „Fäßlischwitzen“ war bis in die jüngste Zeit in der

deutschen Schweiz in Gebrauch. In der Küche wurde ein Salzfaß, mit dem

Boden nach oben gerichtet, auf drei Mauersteine gestellt und darunter

ganz dürres Wacholderholz, das nicht raucht, angezündet, bis das Faß

über und über heiß war. Dann brachte man es ins Schlafzimmer, stellte

es aufrecht, setzte sich auf einem Stuhl hinein und deckte das Faß oben

mit Tüchern zu[564]. An Stelle des Wacholderholzes verbrannte man auch

Rebholz oder legte heiße Kieselsteine, besonders Ädersteine in das Faß

oder legte erhitzte Steine in einen eisernen Topf mit einem Absud von

Wacholder- und Föhrenzweigen und nahm über diesen das Fäßlibad[557].

[Sidenote: _Deutscher Ursprung der Hausdampfbäder_]

Diese Hausdampfbäder sind deutschen Ursprungs. ~Schultz~ beschrieb

eine Münchener Handschrift aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, die,

lateinisch von einem italienischen Arzte verfaßt, eine Anleitung für

Italienerinnen zur Pflege der körperlichen Schönheit enthält und

für besonders förderlich dazu ein Schwitzbad empfiehlt. Sollte ein

solches Bad, heißt es darin, nicht zu erlangen sein, so kann man auch

auf andere Weise (stuphis) denselben Zweck erreichen, indem man das

Verfahren der Frauen jenseits der Alpen nachahmt, man macht nämlich

Ziegel oder schwarze Steine glühend heiß, wirft sie in eine Tonne

(tina), gießt kaltes Wasser darauf und setzt sich nun wohlverpackt mit

Tüchern über den aufsteigenden Dampf und schwitzt tüchtig[537][F].

Der von ~Ryff~ angegebene Schwitzkasten hat sich in seiner Form bis

heute erhalten, 1733 gedenkt ~Zedler~s Lexikon unter diesem Namen des

Badekastens von Holz[468]. Im 19. Jahrhundert tauchten neue Arten des

Heißluftbades auf. ~Lavater~ setzte 1804 zur Wiederbelebung Ertrunkener

an Stelle des lauen Wasserbades einen doppelwandigen Blechkasten, in

dessen äußeren Teil warmes Wasser gefüllt wurde[178]. Als 1831 in

Hamburg die Cholera war, legte man die nackten Kranken auf niedere

Gurtenbetten, über die Reifen gespannt wurden, die durch Decken einen

Abschluß erhielten. Unter dem Bett wurde Weingeist in einer Schale

angezündet. Diese Cholerabetten kamen aber wegen Verbrennungen der

Patienten bald in Mißkredit, so daß man Wasserbäder an ihre Stelle

setzte[572]. Heute hat man im sog. Phénix à l’air chaud dem Übelstand

abgeholfen, in dem man wie beim ~Ryff~schen Apparat den Dampf, die

heiße Luft aus einer besonderen Heizvorrichtung ins Bett leitet.

In der Dachauer Gegend findet man in den Bauernhäusern Bahaisl

(Badhäuslein), Badl (Bädlein) genannte bretterne Verschläge im oder

um den Ofenwinkel (Schwitzkasten)[46]. Auch im Fürstentum Hohenlohe

bezeichnete 1789 Badstübchen einen kleinen Verschlag hinter dem

Ofen[555]. Diese Einrichtungen sind wohl auch ein Ersatz für die

selbständigen Badstubenhäuschen begüterter Bauern. In der Passauer

Gegend deutet heute nur noch der Name Badl für den Winkel hinter dem

Ofen[46] ihr ehemaliges Vorhandensein an.

[Sidenote: _Das Schwitzbad im Backofen_]

Als selten geübter Volksgebrauch kommt das Schwitzen im Backofen auf

Brettern nach dem Herausholen des Brotes vor. Nach ~Ryff~ muß sich

zuweilen der arme Mann auf den Dörfern aus Notdurft gegen Wassersucht

mit dieser Art Bad behelfen[48]. „Aber die meister der artznei bruchen

es wenig“, sagt ~Phries~[386]. ~Guarinonius~ nennt es 1610 eine neue

Badform und berichtet Fälle mit unglücklichem Ausgang[134]. 1748 starb

in Hadlikon eine Frau Hartmann, von welcher es heißt, „sie hatte den

23. Januar im Ofen geschwitzt, wurde für tot herausgezogen, lebte aber

noch bis den 26. Wie es zugegangen novit Deus“[573]. 1857 schwitzten

in Böhmen Kinder im Backofen gegen Krätze, nachdem sie mit einer Salbe

eingerieben waren. Eins davon wurde halbverkohlt herausgezogen[16].

1871 spricht ~Senn~ für die deutsche Schweiz von einem veralteten

Brauch, der aber doch noch gegen Rheumatismus angewendet wurde[564].

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 13 / 53 段