die Zuleitung des Wassers in zwei silbernen Röhren, die getrennt kaltes
und heißes Wasser führen. Schweben derartige Einrichtungen den Dichtern
als Ideal vor, so waren sie doch nicht unmöglich. Das neue Schloß zu
Baden (-Baden) hatte im Keller zwei Badezimmer. 1582 sah und beschrieb
eins davon ~Michael Häberer~ von Bretten: „Auch zeigt man uns in dem
Schloß ein schönes Bad, ganz überzinnt und heimliche Wasserkünst von
warmen und kalten Quellen“[40]. Dies war wohl das größere Bad, das
~Klüber~ 1810 als Schwimmbad bezeichnet, das den ganzen Raum ausfüllte
und nur eine Nische unter dem Gang (Treppe) übrig ließ, in dem eine
Anzahl Ritter wohl „gemeinlich“ zum Bade sitzen konnte. Ein anderes
Gemach mit einem Fenster in der östlichen Mauer der Terrasse hatte
einen eingemauerten steinernen Badkasten, der durch eine Scheidewand
zum Baden von zwei Personen eingerichtet war. Über dem Bad befand sich
ein gleich großer Wasserbehälter, aus welchem das Wasser strom- oder
tropfweise durch zwei Löcher in den Badekasten gelassen werden konnte.
Wahrscheinlich erhielten dieses Bad und das Schwimmbad das Wasser
mittels eines Saug- oder Druckrohrs entweder aus der sog. Höhlenquelle
(52,8° R heiß), welche die nächste am Schlosse und die höchst gelegene
aller Badequellen ist, oder aus einem tiefen Brunnen, der in dem
Schneckengarten am Schloß an der Seite, wo die Bäder sich befanden,
liegt und bei einer Untersuchung im Jahre 1808 28° R Temperatur zeigte.
In der Mauer fanden sich noch Spuren von Wasserröhren (1810)[405].
[Sidenote: _Badestuben auf Burgen_]
Vielleicht ist auch ein als Badezimmer bezeichneter Raum im zweiten
Stock des westlichen Teils der Burg Runkelstein bei Bozen in
Südtirol[305] ein Bassinbad gewesen, das im letzten Jahrzehnt des 14.
Jahrhunderts vom Besitzer Niklas Vintler mit Wandmalereien ausgestattet
wurde[306]. Es ist ein großer Raum, in dessen Mitte eine Holzsäule von
dem Estrich bis zum Plafond hinaufführt. Auf letzterem sind Sonne, Mond
und Sterne auf blauem Grunde dargestellt. Zwei tiefliegende Fenster
lassen nur wenig Licht in das Zimmer. Eine kleine Tür führt gegen
Süden auf einen offenen Gang, welcher neben dem Zimmer an der Mauer
hinläuft. Ringsherum an den Wänden sind oberhalb der Türen und Fenster
übereinander zwei Streifen mit figürlichen Darstellungen angebracht.
Auf dem unteren größeren sieht man je acht bemalte Öffnungen in der
Art von Badekabinen. In diesen befinden sich an drei Wänden einzelne
Figuren, meistens an eine Stange gelehnt, an der östlichen Wand
Frauen-, gegen Norden Männergestalten, gegen Westen Badende. Von den
Stangen und Badekabinen hängen an einzelnen Schnüren tiefrote (gemalte)
Teppiche an den Wänden herab[514].
[Illustration: Abb. 48. Tristan wird von Isolde im Bad überfallen.
Wandgemälde auf Burg Runkelstein in Tirol. Ende des 14. Jahrhunderts.
Nach ~Selos~ und ~Zingerle~.]
Meist wird das Wasserbad in Kufen genommen. Deren Form sehen wir aus
den eigentlichen Badebildern, den Darstellungen der Taufe Erwachsener,
des heiligen Nikolaus, der fast immer von einer Badewanne begleitet
ist, und des Martyriums des Ölsiedens. Im Bebenhauser Passional
heißt es 1439 von „St. Johannes Er“: „und hieß jn setzen in ein
bittenen siedendigs Oels. Da saß er jn und saß da yn als in ainem
mayenbade“[51]. Bald sind die Badewannen rund, hoch, Fässer nach
heutiger Auffassung, in denen der Badende steht oder (auf einem
Schemel) sitzt (Abb. 48), häufiger, wie heute, oval (Abb. 45). Sie sind
in der älteren Zeit aus Holz, nach ~Ryff~ aus Tannenholz gefertigt[48].
Nach dem Recht der Stadt Straßburg aus der zweiten Hälfte des 11.
Jahrhunderts hatten die Küfer für den Bischof, den Kaiser und die
Kaiserin, wenn sie anwesend waren, die Badewannen zu binden[550].
Ich will die Burgen übergehen, von denen wir wissen, daß sie eine
Badestube hatten, und nur die anführen, von denen uns nähere Angaben
übermittelt sind.
[Sidenote: _Die Badestube der Wartburg und anderer Burgen_]
Die Badestube auf der Wartburg war ein Fachwerkbau an der Südseite des
Palas, in dem sich auch das Backhaus befand. Ein mächtiger Rauchschlot
lehnte sich an den Palas an. Das Abwasser ging in den Hauptkanal, der
aus dem Palas ins Freie führte. Die Fenster der Badestube waren mit
Schiebevorrichtungen versehen. Im 18. Jahrhundert geriet das Bad in
Verfall, im 19. wurde es abgetragen[A].
Auf der Burg Thiersberg in der Ortenau, die nur aus zwei Gebäuden
bestand, befanden sich im 15. Jahrhundert in dem östlich gelegenen
jüngeren Bau im Erdgeschoß die Pfisterie (Bäckerei), eine
Badstubenkemenate und die Speisekammer[561].
Wir werden später sehen, daß die Verbindung vom Backhaus mit
der Badestube keine zufällige war, sondern aus praktischen
Gründen erfolgte, und es etwas gewagt erscheint, wenn moderne
Schriftsteller[501] nach Minnesänger Art auf der Wartburg im 13.
Jahrhundert Galerien im Bade sehen, von denen Frauen und Jungfrauen
Rosen auf den badenden Gast werfen. Ich glaube, daß die Badestuben
sehr einfach eingerichtet und auf den eigentlichen Burgen schon wegen
Raummangels kleine Kammern waren. Ich zweifele auch daran, daß das
sog. Bad auf Runkelstein ein Bad war. Gerade in diesem Raum sind
mit Ausnahme der einen Wand, wo die Badenden dargestellt sind, die
Malereien am besten erhalten, sie stammen aus der ältesten Zeit, wurden
nie restauriert[514], und der beim Bad unvermeidliche Dampf würde
doch eher als Zerstörer denn als Erhalter gewirkt haben. Die Bilder
sprechen mehr für die Darstellung eines Mineralbades, wo Zuschauer auf
Galerien nichts Ungewöhnliches waren. Übrigens ist über dem sog. Bad
ein Raum mit der Darstellung eines Turniers, das auch von Zuschauern,
die an einer Stange lehnen, betrachtet wird[515], und das Turnier
hat wohl bestimmt nicht in diesem Raume stattgefunden. So ist das
sog. Badezimmer lediglich ein mit Badeszenen geschmückter Raum, wie
sich auch im 14. Jahrhundert im Hause des Domherrn von Eberstein zu
Mainz unter mehreren Darstellungen die einer Badeszene befand, die
~Henricus de Hassia~ einer Besprechung der damaligen Badeverhältnisse
zugrunde legte, ohne daß das Zimmer als Bad bezeichnet wurde[357].
Runkelstein hatte aber an anderer Stelle ein „pad“, in dem sich nach
dem Inventar von 1493 „Fünff stain püchsel“ und „ain alter, langer
Tisch“ befanden. Das Bad wurde aber zur Zeit wie das gesamte Schloß
als Waffenaufbewahrungsort benutzt. Nach demselben Inventar befanden
sich „im gemach, genant das Swietal, drey alt pettstatten, ain alter
venster ram“. Daneben lag ein „stüblen“, das neben anderem auch „zehen
spanngürtel“ enthielt[516]. Nach Graf ~Waldstein~ ist die Lage des
„Swietal“ bis heute nicht festgestellt[515]. Könnte nicht das „Swietal“
ein Schwitzsaal gewesen sein und das „stüblen“ daneben das noch zu
besprechende Vorstübchen der Badestube?
Das fürstliche Schloß in Münden hatte 1545 neben Backhaus, Fleischhaus
eine Badestube, also anscheinend einen selbständigen Bau[549]. Auf dem
Schlosse der deutschen Ritter zu Marienburg war die Baderei in der
Vorburg als ein Teil des Kornhauses an der Nogat untergebracht[553].
Nach dem Inventar der Johanniterordenskomturei Wildenbruch von 1570
lag dort „vor der Badtstuben“ ein heizbarer Raum, in welchem eine
eingemauerte Pfanne angebracht war, „darinnen ohngefehr ein Thonne
Wasser gehet“. „In der Badestuben“ war ein „Wasserfas“, ferner eine
„Oberbanck mit zwe Vorbencken oder Trippen“[560]. Wir werden später
sehen, daß es sich hier um eine Schwitzbadeanstalt handelt. In nackten
Boten (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) wird zur kühlen Herbstzeit
die „bat stuben“ alle Tage vom Gesinde geheizt. Die „rehte stube“ blieb
kalt liegen, „daz die vliegen gar vervlugen und in die stuben niht
enzugen“. Tochter und Frau des Ritters benutzten mit dem Gesinde die
Badstube „vür ein werk gaden“. Vor der Stube legte der Knappe auf dem
Hofe seine Kleider ab. Über der Tür fand er „guoter wedel’ viel geleit,
daz dûhte in ouch ein saelikeit“. Als er unerwartet die Badestube
verlassen mußte und der Hofhund ihn anfiel, wehrte er diesen mit dem
Wedel ab[212]. Auch diese Badestube war ein Schwitzbad.
[Sidenote: _Badestuben in Klöstern_]
Die Regel des heiligen Benedikt war für alle Orden und Kongregationen
in der ersten Hälfte des Mittelalters maßgebend und bestimmend[197]. In
der zweiten Hälfte des Mittelalters kam man aber vom mäßigen Gebrauch
des Bades ab. Das Konzil zu Magdeburg schrieb 1370 den Geistlichen vor,
eigene Badestuben zu haben und alle vierzehn Tage zu baden[210]. Ein
Dekret für Vorau in Steiermark vom Jahre 1340 schärfte den Kanonikern
ein, nur innerhalb des Stiftes Bäder zu gebrauchen[84]. Es hatte
demnach wohl jedes Kloster seine eigene Badestube. Ich will auch hier
nur die anführen, deren Beschreibung uns Einblick in das Badewesen gibt.
Im Zisterzienser-Kloster Salmannsweiler lag unter Abt Ulrich II.
(reg. 1282–1311) das Bad bei der Küche[129], also wie in St. Gallen.
Besonderes Interesse bietet das Kloster Maulbronn. Das Praefugium
erwärmte nicht das Winterrefektorium, sondern einen kleinen Saal, der
als Schwitz- oder Badestube betrachtet wird. Die heiße Luft wurde
hier durch Verbrennen von Holz in einem von starken Mauerwänden
eingeschlossenen Gewölbe erzeugt und mittels Löcher in ein über
dem Gewölbe liegendes Zimmer geleitet. Es fehlte eine Heizung der
Wände[561].
[Sidenote: _Verbindung von Back- und Badhaus_]
Wir haben es hier mit einer ausgesprochenen Heißluftbadestube zu
tun. Sollten auf Burg Thiersberg und auf der Wartburg nicht auch
solche gewesen sein? Die Verbindung mit der Bäckerei macht es sehr
wahrscheinlich. Auffallenderweise werden die Bäckerbadestuben von den
Schriftstellern, besonders den Vielschreibern des 16. Jahrhunderts
nicht erwähnt. Vielleicht gehört das in einer Augsburger Urkunde von
1343 vorkommende „Bäcken Badhaus“ am Hospital zum heiligen Geist
hierher[434]. Eine Stift St. Gallische Verordnung unter Abt Ulrich
VIII. schärfte den Klosterpfistern ein, in der „phistry“ (Bäckerei)
„niemand keinen wandel laussen, weder mit baden, weschen noch
anderem“[557]. 1291 entstand in Augsburg ein Grenzstreit zwischen der
Judengemeinde und dem Spital. Es lagen „der iuden badhus und des
spitals bathhus“ nebeneinander. Es wurde vom Rat entschieden, daß die
Juden des Spitals Wand an dem „backhuse“ nießen sollten[434]. Des
Spitals „bathhus“ und „backhus“ war also +ein+ Gebäude. Nach dem Plan
des Klosters Tänikon im Thurgau vom Jahre 1687 lag an der äußeren
Grenze des Klosters über einem Kanale ein Bade- und Waschhaus, näher an
der Klausur ein ebensolches. Der Text sagt aber für Bad- und Waschhaus
Back- und Waschhaus[562]. Nach einer anderen Quelle ließ die Äbtissin
Victoria 1683 für neunundneunzig Gulden dreizehn Batzen ein Bad-
und Waschhaus von Grund aus neu erstellen, das war das äußere; sie
schaffte aber auch für das Schweißbadehaus einen neuen Kessel im Wert
von fünfundvierzig Gulden an[187]. Da erfahren wir, daß das andere als
Back- und als Badhaus bezeichnete ein Schweißbad war. Zwei gleichartige
Bäder außerhalb der Klausur wären ja sinnlos gewesen, sie waren eben
zweierlei Art. In dem Sinne sind auch die zwei von der Äbtissin Barbara
von Spangenstein (1523–43) im Kloster Goeß (Steiermark) erbauten
Badehäuser[84] aufzufassen.
1645 ward in Zürich erkannt, „daß den becken zu statt und land, ihre
nachbahren und kunden in die vom brothbachen erwärmenden badstüebli
zulassen erlaubt sey, jedoch sie keinen lohn von ihnen nemmen, noch
ihnen schrepfen sollen“[209]. Zu Beginn der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts hatte Aadorf im Thurgau in der mit einer Bäckerei
verbundenen Gastwirtschaft über dem Backofen eine Schwitzbadestube,
die von noch jetzt (1898) lebenden Leuten besucht wurde[187]. In der
Tavernenbewilligung von 1768 ist sie nicht erwähnt, was dadurch erklärt
wird, daß sie, wie auch die in Zürich, keine ehehafte war. 1783 warnte
Scherb, ein Arzt zu Bischofszell im Thurgau, das vielen so beliebte
und oft ohne Not zu gewissen Zeiten heftige Schwitzen in allen Fällen
anzuwenden[563]. Nach ~Rüsch~ waren die Bäder über dem Backofen in den
Kantonen Appenzell, St. Gallen, Thurgau und Zürich in Gebrauch[88],
das Volk nannte sie Brotbäder. Schüttete man ein Glas Essig in den
heißen Backofen, sprach man von einem Essigdampfbad. Man hatte auch
Haferbäder, wenn statt des Brotes Hafer im Ofen gedörrt wurde. Dieser
mußte von Zeit zu Zeit aufgerührt werden, wobei ein angenehmer Duft
in die Badestube drang. Der Baderaum lag manchmal direkt über dem
Backofen, und die Hitze stieg durch ein Loch in dem Plattenboden
hinauf, oder es führte ein mit einer Klappe verschließbares Metallrohr
in ein im oberen Stockwerk befindliches, vollständig dunkles
Kabinettchen, das ringsherum mit Reihenbänken versehen war. In der
Decke dieses Kastens war ein Ventil gegen den Kamin hin angebracht, so
daß die Ventilation nach Belieben geregelt werden konnte. Die Badegäste
entkleideten sich in einem Vorzimmer, traten nackt oder im Hemde in
den Baderaum und setzten sich der Reihe nach auf die Bänke. Hatte sich
das Brot zu bräunen angefangen, öffnete der Bäcker das Ventil, und
nun strömte der heiße, duftende Brotdampf in das Badezimmer hinauf.
Wurde die Hitze zu stark, öffnete ein Gast die Klappe an der Decke.
Nach dem Bade rieb man sich ab, kleidete sich rasch an und begab sich
in die Stube hinunter, um sich durch einen Trunk Wein zu erfrischen.
„Man muß“, sagt ~Senn~ 1871, „jene rotbackigen, redseligen Weiblein
nach einem Brotbade hinter dem Wirtstische gesehen haben, um sich
von der Wichtigkeit einer solchen Kur überzeugen zu können“[564].
Nach anderen Berichten ruhte man vor dem Trunke nach Wunsch auf
einem Bette aus[529]. Man blieb eine halbe bis anderthalbe Stunde im
Bade[565] und nahm es gewöhnlich sechs Tage lang[564], namentlich
gegen Rheumatismus und Gicht[565]. Die Bäder hatten Platz für acht
bis zwölf Personen[564], es gab aber auch solche für zwei bis vier.
~Meyer-Ahrens~ maß ein Zimmer für acht Personen aus. Es hatte 1,30 m
Tiefe, 1,70 m Höhe, 1,80 m Länge. Die Eingangstür war 1,35 m hoch und
42 cm breit. Die Bäder sollen im Kanton Zürich gegen 1862/63 abgekommen
sein[565], in den anderen Kantonen bestanden sie 1871 noch oder waren
kurz vorher eingegangen[564]. Ich habe einen alten Mann aus Wetzikon im
Kanton Zürich gesprochen, der sich aus seiner Jugendzeit der Brotbäder
und des daran anschließenden Trunkes wohl erinnerte. Die Bäder wurden
mit zehn Rappen bezahlt oder gratis verabreicht, wo dann allerdings der
Bäcker durch den Wein auf seine Rechnung kam[564] [565].
[Sidenote: _Die Bäckerbadstuben_]
~Senn~ gibt sie 1871 oder kurz zuvor in der Krone zu Baltersweil bei
Eschlikon (Thurgau), in Tannegg bei Fischingen (in der Mühle und „ins
Mühlemachers“), in Elgg, in Wiezikon bei Wyl, in der Langgasse bei
St. Gallen usw. an[564]. In der einzigen Gemeinde Wetzikon gab es
ungefähr zehn bis zwölf Schwitzkämmerchen, und noch in den vierziger
Jahren des 19. Jahrhunderts wurden mehrere neue errichtet[565]. Es wird
im Dorfe Wetzikon wohl kaum zwölf Bäcker gegeben haben, und ~Senn~
führt eine Bäckerbadstube in der Mühle an. Es wurden demnach auch die
Privatbacköfen zur Heizung von Schwitzstübchen verwendet. Heute sind
sie nicht mehr in Gebrauch.
[Sidenote: _Die Badehäuschen der oberdeutschen Bauern_]
Auch in anderen Gegenden sind ähnliche Badevorrichtungen nur dem Namen
nach erhalten. Noch jetzt findet man in gewissen Teilen Schwedens bei
den Bauernhöfen gezimmerte Häuschen, die man Badehäuser, badstugor,
nennt, doch dürften sie nach ~Retzius~ nunmehr selten zu ihrem
eigentlichen Zwecke verwendet werden, sondern sie dienen anstatt dessen
als Waschhaus, fürs Trocknen von Korn, fürs Räuchern von Rind- und
Schweinefleisch usw.[5a]. Ebenso gibt es heute im bayerischen Oberlande
Badstuben, die ein zum Hofe gehöriges Nebenhäuschen sind, worin sich
der Backofen, die Anstalt zum Flachsdörren oder -brechen befindet, oder
das einem Tagelöhner zur Wohnung dient[46]. In Steiermark sind auf
dem flachen Lande die „Badstuben“ Hütten zum Flachsrösten. ~Wichner~
glaubt, daß sie wohl nie oder selten zum Zwecke des Badens gedient
haben. „Rösten und Dörren“, sagt er, „ist identisch mit bähen (bahan),
im Volksmunde „bahden“, z.❆B. die „Pahde“ ist eine gebähte, geröstete
Semmel. Es sind daher jene Forscher auf dem Holzwege, welche in dem
zahlreichen Vorkommen der Badestuben selbst bei einzelnen Bauernhäusern
auf einen hervorragenden Reinlichkeitssinn des Landvolkes schließen
wollten“[84]. ~Wichner~ ist aber im Irrtum, die Badstuben wurden
tatsächlich als solche benutzt.
Nach der bayerischen Landesordnungerklärung vom Jahre 1578 waren die
„sonderbaren Padstuben“, welche „die Paurssleut gemainlich zu jren
hausswohnungen“ aufzurichten sich unterstanden, verboten. Nur die
Einöden vor den Gebirgen, „wölche weite dess weegs haben die Eehaft
Päder nit besuchen mögen“, waren ausgenommen[16], ebenso verbot eine
bayerische Forstordnung von 1616 die „sondern Badstuben der bawren bey
Ihren Hauswohnungen“ außer bei den Einöden an den Gebirgen, wo man weit
in das ehehafte Bad hatte[46]. Der Propst des Klosters Baumburg in
Bayern gestattete in dem Altenmarkt nur ein „eepat“. In dem Weistum von
1439 heißt es: „es schol auch sunst kain vailpad noch haimleich oder
besunder pad in dem Altenmarkt sein, es waren dreu (3) aufgevangeneu
pad zu dem Altenmarkt, aines gehöret zu dem Jacob Zolnär, sunst genant
der Engelhaimer, das ander ainem genant der Alt Jorig, das dritt dem
Symon Chueperger, also wolt die selben pad mein vorvoder säliger
gedächtnüsz brobst Ulreich Seman nider haben lassen prechen, das ward
im durich die vorgenanten drei, der die pad waren, abgepeten, doch in
solicher masz das die selben pad hinfür nicht pessert schulten werden,
und wenn si ab wären gangen, so schulten si hinfür nimmer zimmert
werden. nun seind die pad alle dreu von alter abgangen. ich hab auch
selbst bei wandeln poten, das sie nimmer zimmert schullen werden, da
wais man sich nu wol nach zu richten“[535].
[Illustration: Abb. 49. Vereinigung von Bad- und Waschhaus. Kpfr. aus
dem 18. Jahrhundert. Sammlung Pachinger in Linz.]
Aus diesen drei Urkunden erfahren wir, daß die Bäder bei den Bauern den
ehehaften Konkurrenz machten, daß in ihnen also gebadet wurde, ferner,
daß sie gezimmert wurden und zwar so leicht, daß die Regierungszeit
eines Propstes genügte, um sie zerfallen zu lassen. Das sind noch
dieselben kleinen hölzernen Badstuben, wie sie als selbständige Gebäude
im alamannischen und bayerischen Rechte vorkommen. Wir finden sie
auch in der Schweiz. 1550 wurde an das Siechenhaus zu St. Gallen
der Hof Bernang verkauft: „Haus und Hofstatt mit Zimmern, Torggel,
Stadel, Speicher, Badstuben, Schweinestall, Brunnen mit Wasser und
Wassergängen, Baumgarten und Reben, alles in einem Einfang im Dorf
gelegen“[311].
[Sidenote: _Verbindung von Bad- und Waschhaus_]
Ein weiterer Typus des Badehauses, wie ich glaube aus späterer
Zeit, ist die Verbindung desselben mit dem Waschhause (Abb. 49).
Wir sahen schon, daß das Kloster Tänikon im Thurgau 1693 neben dem
Schweißbadehaus ein Wasch- und Badhaus hatte, und zwar über einem
Wasserkanal gelegen[187]. Die Veste Kyburg besaß an der Ringmauer
gegen den Hof hin ein Bad- und Waschhaus nebst Holzschuppen, das bei
Beschreibung des Planes als „neu“ bezeichnet wird[517]. 1583 erbaute
das Kloster St. Blasien im Schwarzwald „ain neuwe Badstuben sampt ainem
Waschhauß darin“ am Teich bei der Brücke[129]. Das Fraumünsterstift zu
Zürich hatte 1439 eine „batstube“. 1540 wurde die St. Niklauskapelle
nebst „Bad- und Waschhaus“, um Platz zu schaffen, abgerissen. 1439
bestand aber daneben „miner fröwen gnad batstübel“, das 1514 wieder
erwähnt wird[174]. Im Züricher Waisenhause wurde 1765 ein „Wasch- und
Badhaus“ erbaut[566].
Der zu Nürnberg 1705 gedruckte „kluge und rechtsverständige Hausvater“
hat ein Kapitel überschrieben: „Von der Wasch-Kuche, item dem Bad-
und Back-Häusel“. Alle drei Stätten sollen auf einem Vorwerk oder
Meierhof unter einem Dache untergebracht werden. Drei Öfen heizen
fünf Zimmer. Ein Ofen steht im Bad, geht aber mit einer Seite in die
Abziehstube, ein zweiter liegt dem ersten gegenüber. Die Öfen haben
inwendig Kessel, die oben mit Deckeln und unten mit „Reiben“, das
Wasser abzulassen, versehen sind. Sie dienen zum Waschen und Baden. In
der Mitte des Raumes steht eine Badewanne mit niederem Sitz. Das Bad
kann achteckig und oben mit einer Halbkugel oder einem Spiegelgewölbe
geschlossen sein[567]. Auch sagt die 1703 zu Nürnberg veröffentlichte
„kluge als künstliche ... Hauß-Halterin“: „Wo man ein Bad in den
Häusern hat, findet man in den Ofen derselben einen großen küpfernen
Kessel eingemauret, um das benöthigte Wasser darinnen auf zu wärmen.
Man kann ihn auch zum Waschen benutzen, wenn man nicht besondere
Kessel im Hofe eingemauert hat. Übrigens muß das Bad mit Bäncken
umgeben und rings mit Holz getäfelt seyn, damit die Kälte nicht durch
das Mauer-werk häufig eindringe, und man an einen Ort verbrenne, und
an den andern fast erfröhre. Nechst deme gehören auch in das Bad ein
messing- oder küpfernes Laugen-Kesselein, den Kopf zu zwagen, ein und
andere Bad-Wannen, hölzerne Schäfflein und Gelten, so wohl zu kalten
Wasser, das allzu heiße damit zu temperiren und abzukühlen, als auch
zu warmen Wasser, die Füße darein zu setzen, wiewohl man gemeiniglich
hiezu besondere aus Kupfer gemachte tiefe Fuß-Becken hat, welche man
hiezu gebrauchen, und jedes mal aus der Küche hinab in das Bad zu
tragen pfleget“[568]. Im germanischen Museum zu Nürnberg befindet sich
ein Puppenhaus vom Jahre 1639. Zuunterst in dem Hause ganz links liegt
die Badestube, die mit allerlei hölzernen Bänken, Kübeln und einer
zinnernen Badewanne angefüllt ist. In einem zweiten Puppenhause des
germanischen Museums ist ein Raum im Erdgeschoß durch die Bemalung
der Innenseite der Tür (Abb. 50) als Badestube gekennzeichnet[B].
~Roth~ erwähnt 1792, daß sich in Nürnberg fast in jedem Hause Zimmer
zur Reinigung der Wäsche im untersten Stockwerk vorfinden, die man
„Bädlein“ heißt[195]. Sie wurden demnach nicht mehr als Bad benutzt.
[Sidenote: _Das Bad im Garten_]
Anton Tuchers Badestube befand sich zu Nürnberg nach dessen
Haushaltungsbuche (1507–17) dementsprechend im Vorderhause. Tucher
hatte aber ein zweites Bad im Garten[206]. Den Nürnberger Verhältnissen
der damaligen Zeit nach zu urteilen, muß es außerhalb der Stadt gelegen
haben. 1584 wurde eine Nürnberger Patrizierin Magdalena Paumgartner,
geb. Beheim, zu ihrer Freundin, der Scherly ins Bad im Garten
geladen[248]. Der Abt Johann III. zu Admont in Steiermark errichtete
1473 ein Badhaus im Garten. 1560 wurde es neu gemauert und im Innern
durch Steinpfeiler gestützt, 1576 eine neue Verglasung der Fenster
erstellt[84]. Im erzbischöflichen sog. Mainzer Hofe zu Erfurt ließ
Nikolaus Engelmann, der von 1494–1516 Küchenmeister war, „eyn schöne
newe badestubbe mit zweyen stubben vnd eynem sommerheuslein“ errichten.
Von der Badestube im Mainzer Hofe sagt der Bericht an anderer Stelle:
„Szo man baden will, fallen sie (keszemutter) vnd die viehemaidt laugen
machen, die badestoben wormen, vnd die benck vnd boddeme, schemel
vnd hultzern pfulffe (kissen) darin rein weschen.“ Der „heymknecht“
oder die „Viehemaydt“ und die Hirten sollten Holz tragen und Wasser
schöpfen, den Badekessel füllen und die Badestube wärmen[569]. Sie
enthielt nach dieser Schilderung, wie wir später sehen werden, ein
Schwitzbad. Diese Gartenbadehäuser waren Lusthäuser, die sich manchmal
zu wahren Prachtbauten gestalteten. So erbaute der Kurfürst Max
Emanuel 1718 im Rokokostil die „Badenburg“ im Park zu Nymphenburg bei
München[168].
[Illustration: Abb. 50. Frau (Bademagd?) mit Kind zum Bade gehend.
Bemalung der Innenseite einer Tür (der Badestube) im Erdgeschoß eines
Puppenhauses von ca. 1600 im germanischen Museum zu Nürnberg. Nach
einer farbigen Zeichnung von ~Hefner-Alteneck~.]
[Illustration: Abb. 51. Badestube im Fuggerpalast zu Augsburg (erbaut
1571–81). Holzschnitt nach ~Dohme~.]
Der Renaissance gehören die beiden herrlichen von 1571–81 erbauten
Badestuben im Fuggerpalast zu Augsburg an[430] (Abb. 51), ebenso die
des Ambrosius Höchstetter daselbst[565]. Das schönste Badezimmer aus
jener Zeit besitzt der Vatikan nach einer Mitteilung des Freiherrn von
Gleichen-Rußwurm im Neuen Wiener Tageblatt. Raffael hat es für seinen
Gönner, den Kardinal Bibbiena, mit mythologischen Szenen geschmückt.
[Sidenote: _Inventar der Hausbadestuben_]