In Elgg, einer kleinen Gemeinde des Kantons Zürich, wurde 1668 durch

Mandat das Zusammenbaden von Knaben und Mädchen verboten[145]. „Weillen

das Baden der Jungen Menscher und Bueben Sommerszeit sehr ärgerlich,

und vill schlimbes nach sich ziehet“, heißt es in einer Verordnung des

Markts „Weickendorff in Marchfelt“, „als will hiemit soches die gnädige

Grundobrigkeit dergestalten abgeschafft haben“. Das Verbot trifft nicht

etwa Kinder; denn es heißt weiter, daß die erwachsenen Bueben und

Menscher (Mädchen)[A], wenn sie beim Baden gesehen werden, gestraft

werden sollen. Im gleichen Sinne ist auch die 1748 für denselben Ort

vom Abt ~Thomas~ von Mölk getroffene Verfügung aufzufassen, nach der

Eltern, die ihren Kindern öffentliches Baden zuließen, um ein Pfund

vier Schilling gestraft werden. Erwachsene sollten „gleich aufgehoben

und eingespöret werden“[146].

[Sidenote: _Die Furcht vor dem Ertrinken / Maßnahmen gegen

Unglücksfälle_]

Sehen wir die angeführten Verbote durch, so tritt uns als Badehindernis

— neben Gründen der Schicklichkeit — an erster Stelle die Furcht

vor dem Ertrinken, namentlich in reißenden und größeren Flüssen

entgegen. „Bäche hatte man nicht überall, besonders in Städten. In

Flüssen wars zu gefährlich; nebstdem schickte es sich auch nicht für

den Wohlstand, öffentlich vor aller Welt sich aus- und anzuziehen. In

Wannen sich zu baden, war gegen die Absicht des kalten Bades selbst“,

so schildert ~Ferro~ die Ansichten seiner Zeit[135]. Da nun aber

trotzdem gebadet wurde, suchten Behörden und Privatleute die Gefahren

wenigstens zu mindern. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurden in

zahlreichen Orten Anleitungen zur Rettung Ertrunkener (oder überhaupt

Verunglückter) herausgegeben. Im letzten Viertel traten Rettungskisten

— ich finde sie einmal als Pariser bezeichnet — hinzu, die an

geeigneten Orten in der Nähe des Ufers angebracht waren. Sie enthielten

neben wollenen Decken zumeist chirurgische Instrumente und Arzneien zur

Wiederbelebung Ertrunkener. 1780 fanden sie sich sogar in den kleinen

Orten am See und an den Flüssen im Kanton Zürich vor[147].

Immerhin fehlte es in Deutschland noch an Gelegenheit, sich in

den Flüssen „sicher und bequem“ zu baden. Frankreich errichtete

Badeanstalten. Selbst Polen ging voran, nur Deutschland blieb zurück

(~Held~ 1777 in der Vorrede zur Übersetzung von ~Marteau~)[148].

Ich muß hier einfügen, daß man auch schon im Mittelalter für

geeignete Stellen zum Baden im Freien sorgte. 1462 liegt zu Meßkirch

in Baden eine Weidegrenze „in dem graben bey dem Badwag“[149], der

nach ~Fischer~s schwäbischem Wörterbuch ein Badeplatz ist. Auch

das mittelalterliche Hausbuch aus dem 15. Jahrhundert zeigt in der

Darstellung des Planeten Luna badende Kinder in einer Ausbuchtung des

Sees (Bodensees?), zu der Leitern vom Ufer hinabführen[150]. Nach

~Grimm~ wird die Badestelle auch mit Badefleck bezeichnet[151]. Doch

versteht der Meistersinger ~Hans Foltz~ (15. Jahrhundert) darunter

etwas anderes (siehe S. 118).

[Sidenote: _Die sogenannten Flußbadeanstalten_]

Die erste Flußbadeanstalt errichtete 1760 ~Poitevin~ in Paris. Sie lag

auf zwei Schiffen in der Seine. Das größere davon war fest verankert

und trug ein zweistöckiges Gebäude, das kleinere ein einstöckiges

und konnte fortbewegt werden. Das Flußwasser wurde in beide Häuser

gepumpt und nach Filtration in Wannen zum Bad verwendet[4]. Man konnte

dort aber auch im Flusse schwimmen lernen und baden[97]. Nach einer

Schilderung von 1803 befanden sich in der Anstalt Heizvorrichtungen zum

Erwärmen des Badewassers. Auch eine angebrachte Brause, die vom oberen

ins untere Stockwerk fiel, war für warmes Wasser eingerichtet[4].

Diese ~Poitevin~sche Anstalt, ursprünglich wohlfeil, wurde immer

eleganter eingerichtet, und 1835 kostete ein Bad einen Louisdor[97].

Sie kann nicht als Muster unseres heutigen deutschen Schwimmbades

angesehen werden, obwohl sie für einzelne deutsche Bäder vorbildlich

wurde. Dahin gehört das 1800 vom Frankfurter Arzte ~Kohl~ auf dem

Main errichtete Badeschiff[153]. Man erhielt darin neben einfachen

warmen Wasserbädern auch Stahl-, Kräuter-, Schwefel-, wohlriechende

Seifenbäder, ein künstliches Wiesbad (Wiesbaden) und künstliche

Seewasserbäder. In nett möblierten Badezimmern mit Wannen von weißem

englischen Doppelblech konnte man hier das kalte Mainflußbad (!)

mit mehr Sicherheit und Bequemlichkeit isoliert gebrauchen. (~Kohl~

selbst sagt übrigens davon nichts.) In der Nähe der Anstalt war eine

schöne Esplanade angelegt, wo die Badegäste vor und nach dem Bade

Mineralwasser trinken und lustwandeln konnten[4].

Man muß nach dieser Schilderung nicht mehr von Flußbadeanstalten,

sondern von Bädern mit Flußwasser sprechen. Sie sind den ihnen

nachgebildeten gleichwertig, die „reines“ Brunnenwasser verwendeten

und den Winter über geöffnet waren. Da die Schriftsteller beide

Arten nicht immer auseinander halten, auch in einzelnen Anstalten

bald warme, bald kalte Bäder gereicht wurden, will ich sie zusammen

besprechen. Sie waren in erster Linie für den reichen Mann bestimmt

und traten als Konkurrenten der Kurorte auf. ~Schreger~ sagt 1803

vom ~Kohl~schen Badeschiffe: „Viele Frankfurter Einwohner, welche

sonst auswärtige Bäder besuchen, erhalten durch dieses gemeinnützige

Institut Befriedigung ihres Bedürfnisses an ihrem Wohnorte, wobei sie

viele Kosten ersparen und während der Badekur ihre Berufsgeschäfte

forttreiben können“[4].

In Sagard auf Rügen errichtete 1795 ein Prediger ~Willich~ auf seine

Kosten ein Badhaus, das mit Brunnenwasser gespeist wurde. Es enthielt

zwei Steinbäder in der Erde, die ursprünglich für kaltes Wasser

bestimmt waren und nur auf schriftliche ärztliche Verordnung benutzt

werden durften. Auch ein Sturzbad war angelegt. Später kamen warme

Bäder hinzu. 1800 hatte das Badehaus Billard-, Tanz- und Spielzimmer.

Pharao war jedoch verboten[153].

Frankfurt besaß 1803 eine zweite Badeanstalt in der Stadt, die ein

Uhrmacher ~Hof~ in seinem Hause errichtet hatte. In Nürnberg war

1803 aus älterer Zeit her eine öffentliche Anstalt im sogenannten

Fechthause mit mehreren Badezimmerchen in Gebrauch. Von Ärzten wurden

Badeinstitute 1797 in Bayreuth durch ~von Schallern~ mit warmen und

Flußbädern und einem Spritzbade, 1798 (?) durch ~de la Roux~ in Celle

mit künstlichen Bädern, in Bremen von ~Heineken~, 1803 (?) von ~Welper~

in Berlin errichtet. Ballenstädt am Harz bekam 1802 am Riederschen

Bache eine Badeanstalt mit warmen und kalten Bädern. Eine größere

scheint die im selben Jahre vom Stadtwundarzt ~Meyer~ in Braunschweig

beim Einfluß der Oker errichtete gewesen zu sein. Sie lag auf einem

Floß, hatte vierzehn Zimmer in Abteilungen zu kalten und warmen, als

auch Tropf-, Spritz- und Dampfbädern. Alle auswärtigen Mineralwasser

zum Trinken, sowie Stahl-, Schwefel-, Kräuter-, wohlriechende Seifen-,

künstliche See- und Mineralbäder waren daselbst zu haben[4]. In Wien

wurde 1804 das Dianabad erbaut[154] Mannheim hatte 1807 mehrere Bäder,

von denen sich diejenigen der Herren ~Etienne~ und ~Hagenmeier~ durch

große Gartenanlagen auszeichneten. In der ~Hagenmeier~schen Anstalt

erhielten Arme, deren Krankheit bezirksärztlich bescheinigt war,

„freie, einfache und componierte Bäder“ gratis. Im gleichen Jahre sagt

~Wichelhausen~: „In Deutschland dürften jetzt wohl wenige bedeutende

Städte vorhanden sein, wo nicht Fluß- und andere Badeanstalten angelegt

worden wären“[155].

[Sidenote: _Die echten Flußbadeanstalten_]

Kehren wir zu den kalten Bädern im Flusse zurück. Die eingepfählten

Badeplätze und kleineren Häuschen am Ufer, in denen man badete,

scheinen 1803 schon häufig benutzt worden zu sein[4]. 1792 hatte aber

Jena trotz der zahlreichen Studenten keinen beaufsichtigten Badeplatz.

Gebadet wurde dennoch. Es konnte, wie der Jenaer Professor ~Gruner~

mitteilt, nicht verhindert werden[156].

Die erste große deutsche Badeanstalt wurde auf dem Rhein bei Mannheim

1777 errichtet[157]. Ihre genauere Einrichtung konnte ich nicht

ermitteln. Sie lag mitten im Flusse, stieg und sank mit diesem und

hatte Vorrichtungen, durch die man sitzend das Bad gebrauchen konnte.

Der Zulauf war sehr bedeutend. „Das Gedränge des Volks, sich dieses

heilsamen Instituts zu bedienen“, sagt ~Ferro~, „das Frohlocken der

Ärzte, die itzt endlich einmal ein Mittel gebrauchen konnten, womit sie

der überall eingerissenen Nervenschwäche, die eben so sehr den Arzt

als den Kranken quält, Einhalt zu thun im Stande waren — dieß sind

offenbare Beweise, daß itzt nicht mehr Verzärtlung, nicht Eigensinn,

nicht Dummheit, sondern bloß der Mangel an Gelegenheit die Schuld des

Aufschubs gewesen war“[135].

Schon 1778 badeten Gesunde und Kranke aus Mode blindlings darauf los,

weil man die Rheinbäder für ein untrügliches Mittel gegen alle Übel

ansah. Das veranlaßte den Heidelberger Professor ~May~, eine ernste

Mahnung an seine lieben, guten Mitbürger zu erlassen, in der er die

Bäder nur Gesunden für zuträglich erklärte und nur dann, wenn sie recht

gebraucht würden. Vor allem hatte er zu tadeln, daß man ruhig im Bade

saß, ohne sich zu reiben. Manche aßen sogar Schinken und Butterbrot und

zechten. Schwangere Frauen hatten Blutflüsse erlitten, Kranke bekamen

Blutspeien, Husten, Schnupfen und dergleichen mehr. Manche Badenden

konnten sich nicht wieder erwärmen[158].

1774 errichtete ein Schiffer in Frankfurt auf dem Main eine Badeanstalt

für Frauen[127], über die ich nichts näheres erfahren konnte.

[Sidenote: _Die Flußbadeanstalten zu Wien und Dessau_]

1781 kündigte der Wiener Arzt ~Ferro~ seine Badeanstalt auf der Donau

an. Er bezeichnete sie als neu eingerichtete englische Bäder, wohl

weil die Engländer das kalte Bad, namentlich das im offenen Meere,

in Aufschwung brachten. Von englischen Flußbadeanstalten ist mir

nichts bekannt. Sie genoß der besonderen Gunst Kaiser Josephs, auf

dessen Befehl zu einem bequemeren Besuch des Bades die hintere Tür des

Augartens gegen die Brigittenau ständig offen gehalten wurde. Trotzdem

wurde ~Ferro~ von den kaiserlichen Leibärzten ~van Swieten~ und ~Störk~

wegen seiner Ankündigung angefeindet[159]. Die Anstalt bestand aus

einem Floß mit Badehäusern und durchbrochenen Senkkästen (Abb. 19/20).

Diese waren in der Größe verschieden, für einzelne Personen und auch

zum gemeinsamen Gebrauch, in denen auch geschwommen werden konnte.

Interessant ist, daß ~Ferro~ von den letzteren sagt, sie seien von

vielen Personen, die schamhaft sind und sich deshalb nicht gern in

Gesellschaft baden wollen, gemieden worden[135].

[Illustration: Abb. 19. Die Ferrosche Flußbadeanstalt in Wien. Kpfr.

aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.]

Nach ~Ferro~s Muster wurde in Dessau 1802 die ~Olberg-Thorspeden~sche

Anstalt auf der Mulde errichtet. Sie bestand aus zwei Kähnen mit drei

von doppelten Leinwandwänden eingeschlossenen Zimmern[4].

Warme Bäder gab es in diesen Anstalten nicht. Dagegen hatte ~Ferro~ zur

Abkühlung vor dem Bade eine Brause, die er als Spritzbad bezeichnet,

angebracht. Sie war übrigens nicht ~Ferro~s geistiges Eigentum. Der

Pyrmonter Badearzt ~Marcard~ hat das kalte Traufbad (Shower bath) aus

England zuerst in Deutschland eingeführt[160].

Die Gelehrten stritten um diese Zeit untereinander, ob man nach

deutscher Art mit den Füßen voran langsam ins Bad einsteigen oder sich

nach englischer plötzlich ins Wasser werfen solle, womöglich mit dem

Kopfe voran. Was hier als deutscher Brauch bezeichnet wird, dürfte wohl

aber nur für die jene Anstalten besuchende verzärtelte Stadtbevölkerung

Geltung gehabt haben. Der Kopfsprung war in Deutschland längst in

Gebrauch (siehe S. 56–58).

[Sidenote: _Das Plongier- oder Sturzbad und sein richtiger Gebrauch_]

Die englische Sitte führt den Namen Plongier- oder Sturzbad. Im freien

Flusse schloß sich das Schwimmen daran an. Wurden die Sturzbäder in

großen Kästen genommen, so galt die Vorschrift, nach dem Eintauchen

das Bad sofort zu verlassen. Es konnte mehrere Male wiederholt werden.

Auf keinen Fall sollte man aber im Bad weiter verbleiben. Wir sehen

hier das heutige ~Priessnitz~sche Vollbad der Wasserheilanstalten

oder Bassinbad, wie es ~Matthes~[161] nennt, vollkommen ausgebildet.

Der oft mit Unrecht als Kaltwassergegner bezeichnete ~Marcard~,

der es in Pyrmont errichtete, gab uns 1793 die heute noch gültigen

Vorschriften, es richtig zu gebrauchen. Als er sich 1775 eingehender

mit den englischen Bädern beschäftigte, kam er zu der Ansicht, daß

man in Deutschland das kalte Bad falsch gebrauche. Die richtigen

Vorschriften, die er gibt, sind folgende. Man soll nicht erhitzt ins

kalte Wasser gehen. Das war schon früher bekannt. „Aber ein Irrtum

ist es denn doch auch, wenn man meint, man müsse aus der größten Ruhe

des Körpers ins kalte Bad gehen. Viel besser ist’s, den Körper vorher

ein wenig bewegt zu haben. Dieses ist .... eine Regel, welche die

Engländer befolgen (~Marcard~ ist meines Wissens der erste, der sie

angibt), und die sehr vernünftige Gründe hat. Die Engländer waren daher

auch sehr wohl damit zufrieden, daß das neue Pyrmonter Plongierbad

einige Minuten außerhalb Pyrmont angelegt sei, weil durch diesen

kleinen Gang der Körper in einige Bewegung gesetzt wird.“ Allzugroße

Ruhe vor dem Bade hat Frieren, Unbehaglichkeit und Bedrücktheit nach

demselben zur Folge, was auch der Fall bei zu schwacher Konstitution

ist. Bei einigen lassen sich die unangenehmen Folgen etwas mindern

durch starkes Frottieren nach dem Bade. Ein jedes kalte Bad muß kurz

sein, falls man nicht schwimmt oder sonst die Muskeln bewegt. Das

gilt um so mehr, je kälter das Bad ist. Das eigentliche Plongierbad,

das sofort nach dem Eintauchen verlassen wird, kann kälter als das

Schwimmbad sein. Mittelschwache Personen vertragen das ganz kurze Bad

noch leidlich, aber ganz schwache vertragen auch dieses nicht. „Kurz

baden die Engländer in ihren eigentlichen kalten Bädern, und ihr

häufiger Gebrauch seit 100 Jahren konnte sie wol die beste Methode

lehren.“ Eine Abhärtung ist nicht durch langes kaltes Baden, sondern

durch öftere kurze kalte Bäder zu erzielen. „Der Engländer springt

plötzlich ins Wasser, kehrt sich darin um, und in wenigen Sekunden geht

er wieder heraus; er wiederholt zuweilen diese Operation zum zweiten,

ja sogar zum dritten Male; alsdann läßt er sich trocken abreiben,

kleidet sich an und macht sich Bewegung.“ Das Trockenreiben soll mit

ungewärmtem Tuche geschehen. Nach demselben geht man an die Luft, zumal

an die Sonne, oder reitet, wenn es das Wetter erlaubt. Bleibt man zu

Hause, muß man sich da auch stärkere Bewegung machen, nicht gleich

zum Schreiben oder Lesen hinsetzen. Gute Bewegung, zumal in freier

Luft, ist nach dem kalten Bade höchst nötig; aber man muß sich nicht

in Schweiß laufen. Nach dem Bade zu Bett zu gehen, ist in den meisten

Fällen der Absicht dieses Mittels geradeswegs zuwider.

[Illustration: Abb. 20. Querschnitt der Ferroschen Badeanstalt. Kpfr.

aus: ~Ferro~, Vom Gebrauch des kalten Bades. Wien 1796.]

~Ferro~ war (1790) etwas ängstlicher. Er warnte vollblütige und auch

blutarme Personen vor dem Sturzbade. Von letzteren sah er einige

wie vom Schlage getroffen nach dem Bade, manchmal auch tödliche

Ohnmachten. Er ließ den Badenden an einem Seile durch das Wasser

fahren. Andere benutzten eine Schaukel, die eine Erfindung ~Cesaratis~

war. Man sprach dann von Schwungbädern[4]. Auch ~Ferro~ hielt das

kälteste Wasser für das geeignetste, nur beim nachfolgenden Bade

sollte Brunnenwasser als zu kalt nicht verwendet werden. Er ließ die

Sturzbäder in einem seiner Senkkästen nehmen.

[Illustration: Abb. 21. Hilfsapparate zum Schwimmen gegen Ende des 18.

Jahrhunderts. Kupfer von ~Schellenberg~. Aus: XI. Neujahrstück ab dem

schwarzen Garten. Zürich 1796.]

[Sidenote: _Abarten und Ersatz des Sturzbades_]

Als Ersatz für die Sturzbäder galten (1803) plötzliche Übergießungen

von kaltem Wasser in starkem Strome[4] und als mildeste Form das schon

genannte Regenbad (Shower bath), das Spritzbad ~Ferro~s, das aus einem

siebartig durchlöcherten Blechgefäß auf den Badenden herabfiel.

Die genannten Bäder können für den Gesunden nur als minderwertiger

Ersatz des Schwimmens gelten. Wie sehr man die Gefahr vor dem Ertrinken

noch fürchtete, geht aus der Anlage des Schwimmkastens im ~Ferro~schen

Bade hervor. Selbst in der ~Salzmann~schen Erziehungsanstalt zu

Schnepfenthal schwammen die Schüler in einem großen Wasserbehälter[136].

[Sidenote: _Schwimmen und Schwimmapparate_]

Unseren heutigen Schwimmunterricht schuf ~Guts-Muths~. Von ihm

stammt der Schwimmgürtel und die Angel. ~Ferro~s Anleitung ist viel

schwülstiger und umständlicher. Beide stimmen darin überein, daß neben

dem Schwimmen auch Wassertreten und Tauchen zu üben sei, was wir

ja auch in früheren Jahrhunderten schon finden. ~Maaler~s Lexikon

verzeichnet 1561 das „Wasser trätten“. Man schwamm, schwäbte und fuhr

auf dem Wasser, schoß auch „underhin“[162].

Vor Ausbildung unseres heutigen Schwimmunterrichtes lernte die Jugend,

wie mancherorts noch jetzt, das Schwimmen durch Hilfsapparate (Abb.

21). Meist sind es aus Rohr oder Binsen gefertigte Bündel, zwei

Rindsblasen, Flaschen aus Kürbis, Büchsen aus Blech, lederne Kissen,

die durch einen Riemen verbunden waren, auf den sich der Schwimmende

legte. Es kommen auch Rinden (~Conrad Clauser~, 1598), lederne

Brustgürtel (~Guarinonius~, 1610) und solche aus Pantoffelholz (Kork)

vor. Bei unvorsichtigem Gebrauch waren diese Apparate sehr gefährlich.

Die „Windmaschinen“ konnten platzen, oder der sie verbindende Riemen

glitt an das Fußende, wodurch der Kopf nach unten zu liegen kam (Abb.

18). Auch beim Gürtel, wenn er nur Kork auf der Brustseite enthielt,

konnte der Badende bei Wendung auf den Rücken ertrinken. Gegen Ende

des 18. Jahrhunderts kamen aus Frankreich besonders gut gearbeitete

Schwimmgürtel, unsere heutigen Rettungsgürtel, unter dem Namen

Scaphander nach Deutschland, unter denen sich der „Bachstromische

Curas“ auszeichnete[135].

Daneben finden wir Apparate, die das Schwimmen ersetzen sollten. Meist

waren sie Geheimnisse ihres Erfinders und wurden zufällig bekannt

gegeben. Die Züricher Kantonsbibliothek bewahrt ein Papiermanuskript

aus dem 15. Jahrhundert, das technische Fertigkeiten, zumeist

kriegswissenschaftliche, abbildet. Dort geschieht das Schwimmen in

lufthaltigen Stiefeln, die mit Platten an den Sohlen beschwert sind

(Abb. 22/23). Eine andere Abbildung zeigt einen doppelwandigen, mit

einer Platte beschwerten Taucheranzug für nahezu den ganzen Körper

(Abb. 24). 1615 gab ~Franz Kessler~ in Wetzlar die „sonsten lang

geheime, unglaubliche Kunst“ bekannt, in „Lufthosen“, die an den

Sohlen mit Blei beschwert waren und Flußfedern zum Steuern trugen,

übers Wasser zu gehen. Im Prinzip gleichen sie den vorigen. Sein

Wasserharnisch ist eine aus Rindshäuten hergestellte Taucherglocke

(Abbildungen bei ~Scheible~)[163]. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts

mehren sich dergleichen Apparate. Sie sind sämtlich als Westen

gearbeitet. 1782 ließ ein Ungenannter einen solchen durch den

königlichen Juwelier Jolly in Berlin ankündigen[164]. Ein Herr

~Leconte~ in Paris empfahl 1787, sein „gilet hydrostatique“ unter dem

Frack zu tragen, um bei Unglücksfällen durch Aufblasen desselben in

zehn bis zwölf Sekunden dem Tode zu entrinnen[165]. Schließlich arteten

diese Apparate in Spielereien aus. Der Tübinger Professor ~Ploucquet~

ging so weit, daß er 1798 vorschlug, im Scaphander oder einem aus

Pantoffelholz selbst gefertigten Schwimmgürtel, der zur Sicherheit mit

einem Schenkelriemen versehen sein sollte, einen Sonnenhut auf dem

Kopfe, die nötigen Kleidungsstücke auf dem Rücken, mit einem Ruder in

der Hand, ganze Landseereisen zu machen. Er konstruierte ein Wasserbett

und einen Wasserstuhl, die, im Flusse festgelegt, dem Nichtschwimmer

den Genuß eines Bades unter freiem Himmel schaffen sollten. Die

Apparate konnten auch zwischen zwei Kähnen angebracht werden, mit

denen der Badende herumfuhr. Ähnliche Vorrichtungen waren bei Konstanz

auf dem Bodensee unter dem Namen des Wasserschlittens schon vorher in

Gebrauch[166].

[Sidenote: _Schwimmen in den Erziehungsanstalten und beim Militär_]

Die wahre Volkstümlichkeit erhielten die Flußbadeanstalten durch

Errichtung derselben von seiten der Militärbehörden, wo auch der

gemeine Soldat und ebenso der Bürger sein Bad nehmen konnte.

In den Erziehungsinstituten des 18. Jahrhunderts, die namentlich

adelige Knaben aufnahmen, war, wie schon erwähnt wurde, das Schwimmen

eingeführt. Die Eleven (Karlsschüler) in Stuttgart badeten, um

den Körper zu stärken[135]. In der Schnepfenthaler Anstalt fanden

Dauerschwimmen statt. Bei einem solchen ging ein Schüler aus Genf als

Sieger hervor, der in ein und drei viertel Stunde fast eine drittel

deutsche Meile zurückgelegt hatte. Wettschwimmen wurden in Kopenhagen

unter den Zöglingen des gymnastischen Instituts, den Artillerie- und

den Seekadetten veranstaltet, unter den letzteren sogar in Kleidern

(~Guts-Muths~, 1804).

[Illustration: Abb. 22/23. Hilfsapparate zum Wassertreten und Schwimmen

im 15. Jahrhundert. Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.]

1817 führte General ~von Pfuel~ das Schwimmen in der preußischen Armee

ein[167], und 1839 wurde die erste militärische Schwimmschule zu Graz

in Österreich errichtet[168].

Es ist nicht uninteressant, die Flußbadeverhältnisse einer einzelnen

Stadt durch mehrere Jahrhunderte hindurch zu verfolgen. Aus

naheliegenden Gründen wähle ich Zürich, zumal sich für keine andere

Stadt ein größeres Material vorfinden dürfte.

[Illustration: Abb. 24. Taucheranzug im 15. Jahrhundert.

Papierhandschrift. Kantonsbibliothek Zürich.]

[Sidenote: _Nic. Wynmanns Bericht vom Jahre 1538 über die Schwimmkunst

der Züricher Jugend_]

~Nicolaus Wynmann~, gebürtig aus dem Saanetale, hat im Jahre 1538 als

Professor der alten Sprachen in Ingolstadt ein lateinisches Gespräch

veröffentlicht, das den Titel „Colymbetes sive de arte natandi“ trägt

und Jugenderlebnisse des Verfassers in Zürich schildert[169]. Ich gebe

es in der Übersetzung ~Gustav Freytag~s wieder[170].

„Pampinus: Da ich noch als Knabe zu Zürich in Helvetien mich aufhielt,

gingen unser oft zwanzig bis dreißig Schüler zusammen in das Schilfwerk

am Seeufer.

Erotes: Was wolltet ihr da machen?

P.: Jener Ort ist ungefähr tausend Schritte von der Stadt entfernt.

E.: Weiter.

R: Dort fertigte sich jeder aus dem Schilfe, das in der Seebucht eine

bedeutende Höhe erreicht, ein Bündel, befestigte es um den Leib, so daß

er mit vorgestrecktem Kopf und Hals einer Gans ziemlich ähnlich sah;

an das Bündel knüpfte er sein Hemd — denn die übrigen Kleider ließen

wir gewöhnlich zu Hause — und so, von unsern Rohrbündeln getragen und

nur mit den Füßen rudernd, schwammen wir in Reih und Glied in den See

hinaus.

E.: Die Verwegenheit dieser Knaben in einem so tiefen See hätte wohl

der Lehrer mit einer guten Rute züchtigen dürfen.

R: Draußen im See, vierzig Schritte vom Ufer, war eine sehr große

steinerne Bildsäule des heiligen Nikolaus, die auf einem mächtigen Fels

ruhte.

E.: Besser hätte da der heilige Christoph hingepaßt.

P.: Nachdem wir den Heiligen in geordneten Reihen dreimal umschwommen

und pflichtgemäß gegrüßt hatten, da er doch der Jugend gütiger

Schutzpatron ist, kehrten wir um und steuerten gerade der Stadt zu.

E.: Auf so weitem Wege?

R: Allerdings. Jeden, der aus der Reihe gewichen wäre, traf die Strafe,

daß er zu Hause sein Pferd (?) verlieren sollte.

E.: Eine schwere Buße.

R: In geordnetem Zuge schwammen wir unter dem Wassertor der Stadt

durch, da wo die Limmat aus dem See zu fließen beginnt. Dann stimmten

wir ein bekanntes Lied an und schlenderten fröhlich mitten durch die

Stadt nach Hause.

E.: Ich bin ganz erstaunt. Aber wie? Lerntet ihr Knaben alle schwimmen

ohne irgendwelche Hilfe?

P.: Ganz gut.

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 5 / 53 段