an, sich von ihm zurückzuziehen. Da erschien als Retter in der Not der
Publizist J. F. Gjödwad, Herausgeber der Zeitung _Fädrelandet_, und
bestellte eine Maschine und, als sie gut ausfiel, noch eine zweite. Ehe
diese zur Vollendung kam, trat die Pariser Ausstellung von 1855 ins
Leben. Der Besteller war liberal genug, zu gestatten, dass sie erst
in Paris ausgestellt würde. Hier erregte sie allgemeines Staunen und
wurde einstimmig von dem Jury-Kollegium der höchsten Belohnung würdig
befunden, welche für diejenigen Männer bestimmt war, »die sich um die
Gesellschaft besonders verdient gemacht« hatten.
Die Maschine war eine doppelte, eine Setz- und eine Ablegemaschine,
und wurde erst durch eine Giessmaschine vervollständigt, die auch sehr
schwieriger Natur war, da viele (bis auf 6) komplizierte Signaturen
notwendig waren; doch gelang alles nach Wunsch.
[Sidenote: Not, Sorge und Tod.]
Der pekuniäre Vorteil des Pariser Erfolges blieb jedoch für Sörensen
aus. Er fiel in Paris Schwindlern in die Hände und nach vielen
vergeblichen Anstrengungen für die Einführung der Maschine in
Frankreich, Deutschland und Österreich kehrte er krank und gebeugt
nach Dänemark zurück. Hier fand er wieder Beistand und Aufmunterung
bei seinem alten Gönner Gjödwad. Zwar geschahen auch von anderer Seite
Schritte, die Sörensens Zukunft wenigstens sorgenfreier gestalteten,
aber Kummer und frühere Nahrungssorgen hatten seinen Lebensfaden
durchschnitten und er erlag seinen Leiden am 30. Januar 1861.
[Sidenote: Die Schreibkugel.]
[Sidenote: R. Malling Hansen.]
Mit der Setzmaschine verwandt ist die Schreibmaschine oder SCHREIBKUGEL.
Der erste, der mit einer solchen wirkliche Erfolge erzielte, war der
Direktor der königlichen Taubstummenanstalt in Kopenhagen, R. MALLING
HANSEN. Durch sein Nachsinnen über die Mittel zu einer leichteren
Verständigung zwischen Taubstummen und Blinden kam er auf den erwähnten
Apparat, den er nach und nach sehr vervollkommnet hat.
Durch die Oberfläche einer hohlen metallenen Halbkugel geht eine Anzahl
von Stahlstiften, die wie Radien eines Kreises nach dem Mittelpunkte
zusammenlaufen, was durch künstliches Unterschneiden der Stifte
ermöglicht wird. Auf dem unteren Ende eines jeden derselben ist ein
Antiqua-Versalbuchstabe erhaben geschnitten, wie jeder Typenstempel.
Unter dem Mittelpunkte, wo alle Buchstaben zusammentreffen, liegt das
Schreibpapier mit einem Farbepapier bedeckt. Durch den Druck mit dem
Finger auf den Knopf eines Stempels wird dieser nach dem Zentrum geführt
und übt einen Druck auf das Farbepapier, wodurch der Buchstabe auf das
weisse Papier abgefärbt wird. Nach jedem Druck bewegt sich das Papier
soweit seitwärts zurück, dass der nächste Buchstabe in die richtige
Entfernung von dem vorhergehenden zu stehen kommt. Ist die Zeile voll,
schiebt sich das Papier so weit nach oben, dass es in die richtige
Lage kommt, um die folgende Zeile aufzunehmen. Eine Schnelligkeit von
20000 Buchstaben in der Stunde ist noch keine übertriebene. Durch
Übereinanderlegen von bis zu zehn Schreib- und Farbeblättern ist es
möglich, eine ebenso grosse Anzahl Drucke gleichzeitig zu schaffen, die
wieder durch elektrische Verbindung mehrerer Apparate nach Belieben
gesteigert werden kann.
[Sidenote: Die Maschinenfabrikation.]
[Sidenote: J. G. A. Eickhoff * 4. März 1809, [+] 30. Mai 1875.]
Die erste eiserne Handpresse in Dänemark wurde 1836 von HÜTTEMEYER,
die erste Schnellpresse 1847 von J. G. A. EICKHOFF aus Wittenförden
in Mecklenburg-Schwerin nach dem System König & Bauer hergestellt.
Seine 200. Maschine folgte 1874. Über 125 davon gingen nach dem
Auslande, namentlich nach Schweden und Russland. Eickhoff baut auch
Rotationsmaschinen.
Die Papierfabrikation ist besonders durch die Familie DREWSEN in die
Höhe gebracht. Das dänische Fabrikat ist in den Mittelsorten ein sehr
brauchbares. Die Buchbinderei nahm stets einen respektablen, wennauch
keinen hervorragenden Platz ein.
[Sidenote: Lithographie.]
Die LITHOGRAPHIE wurde durch C. C. LOSE von einem Deutschen HEINRICH
WENZLER 1811 eingeführt und hauptsächlich für den Notendruck benutzt.
Der Kunstsinn, welcher, durch die von Thorwaldsen gegebene Anregung
in allen Schichten der Bevölkerung geweckt, einen mächtigen Einfluss
auf das Kunstgewerbe geübt hat, wirkte auch auf die Lithographie. Es
entstanden nicht nur vorzügliche Kartenarbeiten, sondern auch wirkliche
Kunstblätter, letztere namentlich durch EMIL BÄRENTZEN & CO., jetzt
HOFFENSBERG & TRAP, welche auch vorzügliche Chromos liefern. Neben
diesen verdienen J. W. TEGNER & KITTENDORF genannt zu werden.
Der Buchhandel in Dänemark ist nach deutschem System gut organisiert.
Das offizielle Organ des skandinavischen Buchhandels ist das seit 30
Jahren von O. H. DELBANCO herausgegebene _Nordisk Boghandlertidende_.
[Sidenote: Island.]
[Sidenote: Grönland.]
Auf der Insel ISLAND blieb stets der Sinn für die Litteratur herrschend.
Es bestehen dort 5 Druckereien mit 7 Pressen und 4 Journale erscheinen
daselbst. Die Offizinen von EINAR THORDARSON und BJÖRN JÓNSSON besitzen
je eine Schnellpresse. Im Jahre 1799 kam die Isländische Litterarische
Gesellschaft[263] in den Besitz einer kleinen Druckerei, in der bereits
1840 über 100 Werke gedruckt waren. Auch die FÄRINSELN besitzen eine
Offizin und ein Blatt. Selbst GRÖNLAND ist nicht zurückgeblieben. Unter
den in den dänischen Kolonien wohnenden 12000 Eingeborenen ist die
Fertigkeit im Lesen und Schreiben so verbreitet, wie irgend in Europa.
In den Jahren 1857-61 machte der Inspektor von Süd-Grönland, nachdem ihm
auf Rechnung der Grönländischen Handelsdirektion eine Buchdruckpresse
gesendet war, einen Versuch, einen Eingeborenen, LARS MÖLLER, im Setzen
und Drucken und einen andern im Holzschneiden zu unterrichten. 1861-62
hielt sich ersterer in Kopenhagen auf und wurde dort ordentlich im
Buch- und Steindruck unterrichtet. Nach seiner Rückkehr liess der
Inspektor ein kleines Gebäude aufführen und als Buch- und Steindruckerei
einrichten. Ausser einigen kleinen erzählenden Schriften gingen zwei
periodische Unternehmungen aus dieser Offizin hervor: _Atuagagdliutit_
(Unterhaltungslektüre), worin auch Beiträge von Eingeborenen und viele
Abbildungen enthalten sind; das andere enthält die Jahresberichte der
Ortsvorsteher mit lithographierten Tafeln. In der Kolonie GODTHAAB
(Gute Hoffnung) befindet sich eine zweite Herrnhutische Missionspresse,
aus der eine Anzahl von Erbauungs- und Unterrichtsbüchern hervorgingen.
Das erste dort gedruckte Buch war eine Legendensammlung _Kalladtit
Okalluktua alliaït_ mit zwölf von Eingeborenen gezeichneten und
geschnittenen Holzstöcken und acht Liedern mit Musiknoten.
[263] _Det islandske Literaire Selskabs Love._ Kopenhagen 1851. --
NYEROP, _Læsendes Aarbog for 1801_.
* * * * *
[Sidenote: Norwegen.]
In NORWEGEN[264] kann man, sieht man von der altehrwürdigen Litteratur
der Eddas und des reichen Sagenschatzes in der _Norröna_-Zunge ab (I, S.
156), eigentlich erst seit etwa 70 Jahren von einer Nationallitteratur
reden.
[264] PAUL BOTTEN-HANSEN, _La Norvège littéraire_. Christiania 1868. --
_Beretning om Säcularfesten i Christiania 1840._
[Sidenote: Christiania.]
In CHRISTIANIA wurde die zweite Druckerei erst im Jahre 1807 angelegt.
Nachdem die politische und die damit verbundene Pressfreiheit im
Jahre 1814 urplötzlich und in einem Maasse, wie es in der Geschichte
nicht oft vorkommt, errungen war, begann auch eine grosse Regsamkeit
in der Litteratur. Man machte bedeutende, mitunter etwas krampfhafte
Anstrengungen, um eine nationale norwegische Litteratur zu schaffen,
und damit fing auch die Buchdruckerkunst an, einen bedeutenderen Platz
einzunehmen.
[Sidenote: Zeitungswesen.]
In einem Lande, wo die grosse räumliche Ausdehnung, die kleine,
weit zerstreute Bevölkerung und die Naturschwierigkeiten einen
schnellen Paketverkehr notwendig machten, war die Journalpresse von
grosser Wichtigkeit und oft die einzige Quelle der Belehrung und
Unterhaltung. Die Spuren derselben reichen bis auf das Jahr 1760
zurück. Die erste eigentliche Zeitung waren die 1763 begonnenen _Norske
Intelligenzsedler_. Die Zeitungen unterlagen, wie in Dänemark, der
Zensur und zwar einer sehr strengen. Zur Empfangnahme von Zeitungen
durch die Post gehörte eine besondere Erlaubnis. Im Jahre 1814 war
die Zahl der periodischen Schriften nur fünf. 1815 wurde das erste
täglich erscheinende _Morgenbladet_ gegründet. Die wissenschaftliche
Journalistik ist nicht ohne Wichtigkeit. Unter den 85 Journalen
Norwegens befinden sich auch mehrere illustrierte.
[Sidenote: Bücherproduktion.]
[Sidenote: Statistisches.]
Auch die Bücherproduktion wurde eine regere. Im Jahre 1868 konnten
bereits 650 Autoren bezeichnet werden. Zum Betrieb des Buchhandels nach
deutschem Zuschnitt gab der Däne JOHANN DAHL den Anstoss und Norwegen
hat seitdem eine Reihe von tüchtigen Buchhändlern und Buchdruckern
aufzuweisen. 1840 zählte man dort schon 33 Buchdruckereien, von welchen
Christiania 15 mit 35 Pressen und 95 Arbeitern aufwies. 1879 war die
Zahl der Buchdruckereien auf 126 gestiegen, davon 29 in Christiania
mit 72 Schnellpressen und 483 Personen. Die GRÖNDAHLsche Buchdruckerei
dort hat das Verdienst, 1830 die erste eiserne Presse, 1840 die erste
Schnellpresse, 1854 den Dampfbetrieb eingeführt zu haben. Von ihr stammt
auch die Annahme des Didotschen Kegelsystems. Bis vor kurzem hatte die
Fraktur entschieden das Übergewicht, sie weicht aber Schritt für Schritt
der Antiqua. Bergen hatte 8 Offizinen und 9 Schnellpressen.
Zur Papierfabrikation trägt Norwegen indirekt durch eine starke Ausfuhr
von Holzstoff bei, deren Wert 1879 nahe an 1-1/2 Millionen Mark betrug.
SCHWEDEN UND FINNLAND.
[Sidenote: Schweden.]
In SCHWEDEN, dessen Einwohner so oft die Franzosen des Nordens genannt
werden, zeigte sich eine besondere Vorliebe für französische Litteratur
und französisches Wesen. Vielleicht hat dies mit dazu beigetragen, dass
die Schweden rascher und allgemeiner als die Dänen und Norweger die
Antiquaschrift als übliche Buch- und Zeitungsschrift annahmen, so dass
thatsächlich die Fraktur nur für kirchliche oder wirklich nur für das
Volk bestimmte Litteratur beibehalten wurde. Es dürften überhaupt in den
drei skandinavischen Ländern die Tage der Fraktur gezählt sein.
In betreff des Bezuges von Schriften, Druckmaterial und Utensilien ist
Schweden noch mehr als Dänemark auf das Ausland, namentlich Deutschland,
angewiesen, und stand auch im allgemeinen etwas hinter Dänemark in der
Typographie zurück.
[Sidenote: Typographen.]
Einer der bedeutendsten Buchdrucker war PETER MOMMA ([+] 1772), ein
Rechtsgelehrter, der auf seinen Reisen die Buchdruckerei in Holland
lernte. Er war auch der erste, der eine Schriftgiesserei in Schweden
errichtete. J. S. EKMANSSON führte 1796 die Didotschen Schriften ein.
In LUND erwarb der Däne C. GUSTAV BERLING 1745 eine Offizin, welche
Bedeutung erlangte und mit der eine, hauptsächlich den akademischen
Bedürfnissen gewidmete Schriftgiesserei verbunden wurde. Sie blüht noch
in den Händen der Familie Berling.
[Sidenote: P. A. Norstedt.]
Den bedeutendsten Platz unter den typographischen Anstalten Schwedens
nimmt die von P. A. NORSTEDT in Stockholm gegründete ein. Er kaufte
1821 die Offizin von J. P. LINDH, nahm seine beiden Söhne ADOLF und
CARL zu Teilnehmern und firmierte seit 1823 P. A. Norstedt & Söner. Im
Jahre 1862 ging das Geschäft auf die Verwandten Norstedts GUSTAV LAURIN
und ALBERT LAURIN über, beide starben jedoch zum allgemeinen Bedauern
zeitig. Das jetzt noch blühende Geschäft hat Werke geliefert, welche mit
den besten des Auslandes konkurrieren können. 1869 begannen Norstedts
die _Nordisk Bogtryckertidende_, welche leider 1875 wieder zu erscheinen
aufhörte[265].
[265] Einer der neuesten Verlagsartikel der Firma ist J. G. Nordins
_Handbok i Boktryckare konsten_, ein so vorzügliches, nebenbei
gesagt typographisch so vortrefflich ausgestattetes Lehrbuch
der Kunst, wie es Deutschland nicht besitzt. Am 1. April 1883
begann ein neues Fachjournal: _Nordisk Typograf-Tidning_. Am
1. Juli 1883 und den folgenden Tagen feierte Schweden die
400jährige Einführung der Kunst, bei welcher Gelegenheit eine
Festschrift des erwähnten J. G. Nordin im Verein mit dem um die
Bibliographie Schwedens verdienten Bibliothekar G. E. Klemming:
_Svensk Bogtryckeri-Historia 1483-1883_, 1. Teil, erschien.
Der Teil reicht leider nur bis zu dem erwähnten Momma (etwa
bis 1770). Aus demselben geht jedoch hervor, dass nunmehr die
Thatsache feststeht, dass gleichzeitig mit Joh. Snell (I, S. 75)
ein zweiter deutscher Buchdrucker, Nic. Gothan, der früher schon
in Magdeburg eine Offizin hatte, 1483 in Stockholm ein Buch,
_Vita St. Katherine_, druckte.
Im Jahre 1874 gründete eine Aktiengesellschaft ein grosses graphisches
Institut, _Central-Tryckeriet_, unter der Direktion von HANS FORSELL,
welches im Jahre 1875 15 periodische Schriften, darunter 11 illustrierte
Blätter, druckte. In der Nacht vom 20. zum 21. Dezember desselben Jahres
brannte die Anstalt teilweise ab, bei welcher Gelegenheit der verdiente
Dirigent der lithographischen Abteilung, der Deutsche A. SEEDORF, einen
jämmerlichen Tod in den Flammen fand.
Selbst die Hauptstadt des schwedischen Lapplands, HAPARANDA, dicht an
der Grenze des russischen Finnlands, hat eine Druckerei und zwar mit
einem adeligen Besitzer, G. C. VON KLERCKER, und ein Wochenblatt _Nyaste
Riksgränsen_.
[Sidenote: Zeitungen.]
Die periodische Litteratur weist 321 Nummern auf. 91 Journale erscheinen
in Stockholm, 18 in Gothenburg, 10 in Malmö, 7 in Lund. 14 Blätter
erscheinen täglich, davon 4 in doppelten Ausgaben; Stockholm hat deren
6, Gothenburg, Helsingborg, Malmö je zwei.
Durch die Bestrebungen der eingewanderten Dänen C. W. GLEERUP in Lund
und AD. BONNIER in Stockholm ist der schwedische Buchhandel ganz in der
Art des deutschen organisiert. Die Zahl der Buchhandlungen beträgt 261.
Der Schwede liebt das Bunte und neben einer grossen Anzahl von
geschichtlichen Werken und Romanen werden auch viele illustrierte,
namentlich ethnographische Prachtwerke mit Chromolithographien gedruckt,
doch werden sie auch zumteil in Deutschland ausgeführt. Die Lithographie
kam 1818 nach Schweden. Eine Anstalt von Bedeutung ist _Lithographiska
Aktie Bolaget i Norrköping_, welche namentlich vortreffliche Landkarten
geliefert hat.
[Sidenote: Die Papierfabrikation.]
Die Papierfabrikation Schwedens hat eine grosse Bedeutung und die Zahl
der Fabriken beträgt etwa 60. Es wird sehr gutes Papier fabriziert,
wennauch für gewöhnlich ein recht mittelmässiges Fabrikat zur Verwendung
kommt. Schweden mit seinem grossen Reichtum an Holz und Wasserkraft hat
die Fabrikation des Holzstoffes mit Eifer ergriffen und führt bedeutende
Quantitäten aus. Seine erste Farbenfabrik erhielt es erst vor wenigen
Jahren durch O. MARIN in Söderköping.
* * * * *
[Sidenote: Finnland.]
FINNLAND, politisch mit Russland vereinigt, im Besitz seiner nationalen
Sprache und einer, wennauch nicht bedeutenden, nationalen Litteratur,
in dem höheren litterarischen Verkehr sich der schwedischen Sprache
bedienend, ist in betreff des Buchgewerbes mehr zu Schweden als zu
Russland gehörend zu betrachten.
[Sidenote: Typographen.]
Die bedeutendste typographische Familie ist die Frenckellsche. Statt
der nach Stockholm verlegten Druckerei (I, S. 158) erhielt ÅBO 1772
eine neue Offizin, die im Jahre 1750 in die Hände von J. C. FRENCKELL
kam, welcher 1755 zum akademischen Buchdrucker ernannt wurde, und 1802
noch eine Druckerei in HELSINGFORS, wohin 1829 die Universität von Åbo
verlegt wurde, gründete, die noch kräftig blüht.
[Sidenote: Zeitungen.]
Im Jahre 1771 erschien die erste schwedische Zeitung in Åbo; 1776 die
erste in finnischer Sprache. Unter der strengen Zensur konnte die
Zeitungslitteratur nur einen sehr langsamen Fortgang nehmen, erst
in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts trat ein erheblicher
Umschwung ein, so dass im Jahre 1878 24 Zeitungen in schwedischer, 30 in
finnischer Sprache erschienen. 1871 hatte Finnland 20 Buchdruckereien,
die sich auf 12 Städte verteilten, davon kamen 7 auf Helsingfors. Die
Zahl der Gehülfen betrug 118, der Lehrlinge 99. Schnellpressen gab es
12, Handpressen 45. Jetzt hat Finnland 40 Buchdruckereien.
Die von TILGMANN aus Helsingfors erfundene Tiegeldruck-»Endlose«
_Mia_ hat wohl nicht den in Deutschland gehegten Erwartungen ganz
entsprochen[266].
[266] Journ. f. B. 1878, Nr. 7.
RUSSLAND UND POLEN.
[Sidenote: Langsame Entwickelung der Typographie.]
Dass die Typographie in Russland und Polen nicht in der Weise blühen
konnte, wie in Ländern, wo die politische Freiheit eine frische
litterarische Bewegung und eine lebhafte Wechselwirkung mit den
bedeutendsten Kulturvölkern hervorrief, ist selbstverständlich. Hierzu
kommt noch als erschwerendes Moment die grosse räumliche Ausdehnung des
Reiches. Wie (S. 257) bereits erwähnt wurde, erhielt Russland nicht nur
sein typographisches Material aus Deutschland, sondern auch die Ausüber
der Buchdruckerkunst sowohl als des Buchhandels waren grösstenteils
Deutsche. Diese haben erst Ordnung und System in das graphische Geschäft
gebracht. Der national-russische Buchhandel war noch 1840 in einem
desolaten Zustande. SMIRDIN in St. Petersburg und SIMIN in Moskau
gehörten zu den wenigen, welche das Geschäft kaufmännisch regelrecht
betrieben.
Die Buchdruckereien verbreiteten sich langsam; 1874 war die Zahl
derselben in St. Petersburg 107, die der lithographischen Anstalten
105, der Schriftgiessereien 11, der Buchhandlungen mit offenem Laden
77. Den Bemühungen eines Deutschen, R. SCHNEIDER, ist die Errichtung
einer typographischen Lehrlingsschule zu verdanken. Derselbe gab auch
1867-1869 ein typographisches Journal in russischer und deutscher,
später nur in russischer Sprache heraus, das auf Ed. Hoppe überging.
Schneider verliess 1882 Russland und ging nach der Schweiz.
[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]
Eine eben so eigentümliche wie vortreffliche Anstalt ist die kaiserliche
STAATSDRUCKEREI oder, wie die offizielle Bezeichnung lautet: »die
Kaiserlich Russische Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere«,
ein Institut, das jedes, selbst das in den graphischen Künsten am
weitesten fortgeschrittene Land mit Stolz das seinige nennen würde.
Durch ihre wahrhaft eminenten Leistungen in photographischen Hoch- und
Tiefdruckplatten, durch die geistreiche Kombination von Heliographie
und Galvanoplastik und durch die vielfachen wichtigen Anwendungen
der verschiedenen graphischen Künste zur Herstellung von Staats- und
Wertpapieren hat sie tief eingreifende Erfolge erzielt. Die Fabrikation
von Papier mit Wasserzeichen in unvergleichlicher Klarheit und Zartheit,
sowie von geschöpftem Handpapier mit allen den Eigenschaften, die
man von einem für Wertzeichen bestimmten Papier verlangt, wird in
grossartigem Maassstabe betrieben. Die Festigkeit ist namentlich dem
vorzüglichen russischen Hanf zuzuschreiben. Die Kontrolle beginnt mit
der Feststellung des Gewichts des abgelieferten Papiers und lässt sich
für jeden Bogen auf seiner Wanderung durch die Anstalt verfolgen. Die
Fabrik arbeitet mit sechs grossen Maschinen und vierzehn Bütten[267].
[267] Das Journ. f. B. 1872 bringt eine sehr detaillierte Beschreibung
des Instituts, von TH. GOEBEL.
Stempel und Matrizen, Clichés in Kupfer und namentlich in Eisen,
eine Spezialität der Anstalt, die gerade für die Herstellung des
farbigen Druckes in grossen Auflagen sowohl der Dauerhaftigkeit, als
der Unangreifbarkeit durch Farben wegen von wesentlich praktischem
Werte sind, werden in vorzüglichster Qualität geliefert. Buch- und
Holzschnittdruck, Kupferdruck, Lithographie, Autographie, Chromographie,
Photogalvanographie, Heliographie, Elektrotransformatypie, ein Verfahren
zur Herstellung einer Platte mit Bildstellung beliebig nach rechts
und links, kurz, jeder nennbare graphische Prozess wird dort zur
Vollkommenheit gebracht. Ebenfalls vorzüglich sind die durch Georg v.
Scamoni photographisch erzielten mikroskopischen Schriften. Derselbe,
aus Würzburg gebürtig, hat einen grossen Anteil an den Erfolgen der
Anstalt in allen heliographischen Verfahrungsweisen[268].
[268] Seine Erfahrungen hat er in seinem »Handbuch der Heliographie«
mit Atlas, Berlin 1872, niedergelegt.
Die Anstalt wurde 1818 unter Leitung von THEOD. SCHNEIDER aus Mannheim
gegründet und besteht seit 1866 als selbständiges Geschäft, das seine
Überschüsse an die Staatskasse abliefert. Der Chef ist seit 1861 der
Staatsrath THEOD. VON WINBERG. Bereits im Jahre 1873 hatte die Anstalt
17 Dampfmaschinen mit 362 Pferdekraft zur Disposition. Die Druckerei
arbeitete mit 58 Schnellpressen, darunter 35 aus der Fabrik von König &
Bauer, 60 Handpressen, eine ausserordentliche Zahl von Hülfsmaschinen
und beschäftigte im Hause 1400-1800, ausser dem Hause 300-1200 Arbeiter.
Eine eigentümliche Einrichtung ist die Beteiligung des ganzen Personals
bis zum jüngsten Arbeiter herunter an dem Gewinn der Anstalt, der ein
bedeutender, zwischen 3-400000 Rubel jährlich, sein soll. Die eine
Hälfte derselben fliesst in die Staatskasse, die andere wird unter das
Personal in der Weise verteilt, dass jeder Arbeiter mindestens einen
Monatslohn als Anteil empfängt.
Die baulichen Anlagen der Anstalt, welche in dem südlichen, nicht sehr
bebauten Stadtteil sich befinden, bedecken einen grossen, an drei Seiten
von Strassen begrenzten Flächenraum, auf welchem ausser der eigentlichen
Druckerei auch die Papierfabrik und die Wohnungen der Beamten sich
befinden.
Zum Schutze der Anstalt hält eine Wache von 36 Mann die verschiedenen
Zugänge bei Tag und Nacht besetzt. Die Gebäude sind durchweg massiv und
feuersicher, fast nur von Stein und Eisen. An der Spitze der Anstalt,
welche dem Finanzministerium unterstellt ist, steht ein technisch
gebildeter Direktor. Als Vorsteher der einzelnen Abteilungen, sowie
zur Wahrnehmung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte und der Kontrolle
sind 160 Beamte und 280 Meister und Meistergehülfen angestellt. Sehr zu
loben ist, dass die mächtige Anstalt nur auf die Bedürfnisse des Staats
beschränkt bleibt, obwohl es in Russland eher als in anderen Ländern zu
entschuldigen wäre, wenn sie Privaten Konkurrenz machte.
[Sidenote: Verschiedene Firmen.]
Die UNIVERSITÄTSBUCHDRUCKEREI wurde 1755 gegründet. 1871 beschäftigte
sie 16 Schnell- und viele Handpressen und ist reich mit orientalischen
Schriften versehen; das Vaterunser konnte in 325 Sprachen gesetzt
werden. Eine zweite orientalische Buchdruckerei, namentlich für
armenischen Druck bestimmt, errichtete 1836 JOACHIM LAZAREFF. Unter den
älteren Buchdruckereien nimmt die von J. J. GLASANOW (Oberbürgermeister,
wirklicher Staatsrat, Excellenz), welche bereits ihr hundertjähriges
Bestehen feierte, einen bedeutenden Platz ein, während unter den
jüngeren die von B. M. WOLFF hervorragend ist. Der kürzlich verstorbene
Wolff verband Verlagshandel mit Buchdruckerei und hat Verdienste
um die Verschönerung der russischen Schrift und der Anpassung der
Renaissance-Antiqua an diese. Eine bedeutende Accidenzdruckerei ist die
von GOLOWIN. ALEX. BENCKE liefert ebenfalls viele Accidenzarbeiten und
beschäftigt nur Nationalrussen. HERMANN HOPPE giebt das illustrierte
Journal, von ED. HOPPE gedruckt, heraus. Die Gesellschaft ALLGEMEINER
NUTZEN ist ein ausgedehntes Etablissement, besonders für Herausgabe
illustrierter Blätter. Bedeutende Schriftgiessereien sind die Filiale
von FLINSCH in Frankfurt a. M. (Franz Mark), REVILLON & CO. und O.
J. LEHMANN. Die lithographische Anstalt von A. ILJIN liefert gute
Landkarten.
[Sidenote: Die Provinzen.]