Die Zinkhochätzung fand tüchtige Vertreter, unter welchen C. ANGERER

& GÖSCHL ihr Verfahren zur ganz besonderen Vollkommenheit brachten.

Auch C. HAACK erwarb sich einen Namen, MORITZ und MAX JAFFÉ traten mit

der Jaffétypie auf. Die Kupferstecherkunst, welche sehr zurückgegangen

war und wesentlich nur in den Prämienblättern und den Nieten der

Kunstlotterien fortvegetierte, trat durch die Ernennung LOUIS JACOBYS

(jetzt in Berlin) zum Professor dieser Kunst in ein neues Stadium des

Fortschrittes. Die Radierung kam besonders durch W. UNGER zu Ehren. Die

Photographie, namentlich die Porträtphotographie, wurde mit viel Glück

in Wien geübt.

In der Verwendung aller graphischen Kunstzweige, namentlich der

in der Photographie wurzelnden, ist das MILITÄR-GEOGRAPHISCHE

INSTITUT berühmt geworden. Es entstand 1839 durch Vereinigung der

topographisch-lithographischen Anstalt des K. K. Generalstabes in Wien

mit dem zu Mailand bestandenen _Deposito della Guerra_. Die Anstalt

kultiviert die Kartographie in ausgedehntester Weise unter Verwendung

aller neueren Verfahren. Unternehmungen wie die Karte der Umgebungen

Wiens in 48 Blättern; die Spezialkarte der Österreich-Ungarischen

Monarchie in 720 Blättern, die Generalkarte von Zentral-Europa in 192

Blättern, und viele andere gehören zu den Meisterwerken der Kartographie.

Die Buchbinderkunst steht in Wien schon seit langer Zeit im Ansehen,

wird jedoch noch mehr in den sogenannten Galanterie-Arbeiten als in der

eigentlichen Buchbindung geübt. Vortrefflich sind in letzterer Richtung

die Mosaikbände mit wirklichen Ledereinlagen, nicht nach französischer

Art mit nur aufgelegtem dünn geschabten Leder. Namen wie A. KLEIN, LEOP.

GRONER, CONR. BERG u. a. haben den besten Klang.

Unter solchen Verhältnissen wie den obengeschilderten konnte Wien, wo

die Zustände im Jahre 1840 den Gedanken an ein fröhliches Gutenbergfest,

wie das in Leipzig, nicht aufkommen liessen, sich mit Befriedigung zur

Begehung des vierhundertjährigen Festes der Einführung der Kunst in

Wien (I, S. 49) rüsten. Schon Jahre vorher waren die Vorbereitungen

getroffen, namentlich für die Herausgabe einer bedeutenden Festschrift,

einer Geschichte der Kunst in Wien seit vier Jahrhunderten, welche

zugleich Proben der Leistungsfähigkeit der graphischen Anstalten

vorführen sollte[257]. Das Fest fand am 24.-25. Juni 1882 statt und

wurde durch einen Aktus, verbunden mit einer durch v. Eitelberger

arrangierten historischen Ausstellung, eröffnet. Die eigentliche

Festrede hielt der österreichische Generalkonsul in Leipzig, Karl

v. Scherzer, wie bereits erwähnt ein früherer Gutenbergsjünger. Ein

allgemeines Fest fand am 25. Juni in Hietzing in der »Neuen Welt« statt,

wo gegen 14000 Festgenossen sich versammelt hatten und wo Karl Höger als

Festredner auftrat.

[257] Das Werk gewann einen grösseren Umfang, als anfänglich vorgesehen

war. Bis jetzt erschien der erste Band, gedruckt bei Fr. Jasper,

mit vielen Beilagen.

* * * * *

[Sidenote: Ungarn. Buda-Pest.]

In UNGARN steht die Buchdruckerei im allgemeinen nicht auf einem sehr

hohen Standpunkte. BUDA-PEST ist selbstverständlich der Sammelpunkt

der bedeutendsten Offizinen. Im Jahre 1851 waren dort 8 Druckereien

vorhanden mit 22 Schnellpressen; 1870 bereits 50 mit 140 Schnellpressen;

1882 48 Buchdruckereien und 23 lithographische Anstalten mit 130

Schnellpressen und 200 Tret- und Handpressen.

[Sidenote: Staatsdruckerei.]

Die STAATSDRUCKEREI Ungarns besteht in ihrem jetzigen Umfange (16 Schp.,

18 Hdp., 250 Arbeiter) erst seit der Trennung der Verwaltung Ungarns

und Österreichs und befand sich früher in Temesvar als Filiale der

Staatsdruckerei in Wien. Sie liefert sehr viele Accidenzarbeiten und

Wertpapiere, die nicht auf der Höhe der Vollkommenheit stehen. Neben

Gutem findet sich unter ihren Arbeiten manches Mittelgute. Die, unter

ausgedehnter Anwendung der Galvanoplastik, gelieferten Kartenwerke haben

einen grossen Umfang.

[Sidenote: Druckereien in Buda-Pest.]

Einen bedeutenden Aufschwung hat die PESTER

BUCHDRUCKEREI-AKTIEN-GESELLSCHAFT, geleitet von SIEGM. V. FALK,

genommen; sie arbeitet in gedeihlicher Weise mit 15 Schnellpressen, 8

Handpressen und 200 Personen. Die Aktiengesellschaft ATHENÄUM (12 Schp.,

12 Giessm., 250 Arb.) druckt nicht weniger als zwanzig periodische

Schriften. Die Offizin der Aktiengesellschaft FRANKLIN-VEREIN (Rotm.,

11 Schp., über 200 Arb.) hat sowohl als Werk- wie als Accidenzdruckerei

einen guten Ruf. Im Jahre 1873 erwarb der Verein den bedeutenden Verlag

von GUSTAV HECKENAST, der einen wesentlichen Anteil an dem Aufblühen

des Buchhandels in Ungarn gehabt hat. Er kam als Apotheker nach Pest,

übernahm aber, als der dort etablierte Otto Wigand aus Göttingen auf

Grund politischer Verhältnisse Ungarn schleunigst verlassen musste,

dessen Geschäft und verband sich 1840 mit dem Buchdrucker Landerer. Mit

seinen nationalen Verlagsunternehmungen hatte Heckenast viel Glück,

namentlich mit dem von Kossuth redigierten _Pesti Hirlap_. Später gab er

die illustrierte »Sonntags-Zeitung« heraus.

Die von der Gesellschaft HUNGARIA 1869 gegründete, schön

eingerichtete, Buchdruckerei (verbunden mit Verlagsgeschäft) druckt

mit Rotationsmaschine das »Neue Pester Journal« und das »Volksblatt«

und beschäftigt 170 Arbeiter. Das grosse Geschäft von GEBR. LÉGRÁDÝ

liefert namentlich zahlreiche Jugendschriften, VICTOR HORNYÁNSKY viele

sehr gut gedruckte Bibeln in verschiedenen Sprachen. Ausserdem sind zu

erwähnen die UNIVERSITÄTS-BUCHDRUCKEREI (7 Schp.) und die bedeutenden

Zeitungsdruckereien: KHÓR & WEIN, welche das »Illustrirte Tageblatt«

auf Augsburger Rotationsmaschine drucken, PH. WODIANER, M. DEUTSCH (10

Schp.). Vortreffliche Arbeiten im kaufmännischen Accidenzfach gehen aus

den Pressen der typo-lithographischen Anstalt von C. L. POSNER (7 Schp.,

11 Hdp.) hervor.

MOR. RÁTH gab als Verleger zwar eine Reihe von vorzüglich ausgestatteten

Prachtwerken heraus, da er jedoch die Mehrzahl in Wien drucken liess, so

kann man aus denselben sich kein Bild der Leistungsfähigkeit der Pester

Typographie machen.

Hervorragende Druckanstalten besitzt Transleithanien sonst nicht. In

AGRAM befindet sich die wohleingerichtete Druckerei und lithographische

Anstalt von C. ALBRECHT mit 6 Schnellpressen und die der Landesregierung

gehörende Offizin des _Narodne Noviny_ (4 Schp.). Gutes leisten in RAAB

SANDOR CZÉH; in TEMESVAR GEBR. MAGYAR; in SZEGEDIN BURGER & CO.; in

NEUSATZ befindet sich die Druckerei des SERBISCHEN NATIONAL-VEREINS. Das

»okkupierte« Bosnien hat eine nach neuestem Zuschnitt gut eingerichtete

K. K. LANDESBUCHDRUCKEREI in SERAJEWO.

* * * * *

Während in dem Jahre 1856 der österreichische Gesamtstaat (die

italienischen Provinzen nicht mitgerechnet) kaum 200 Druckoffizinen

aufwies, besassen die cis- und transleithanischen Länder 1882 in

372 Städten 756 Buchdruckereien, 345 lithographische Anstalten, 29

Schriftgiessereien und 1183 Buchhandlungen. Die Zahl der vorhandenen

Schnellpressen betrug 1568, die der Hand- und Tretpressen 2250.

Beschäftigung fanden gegen 15000 männliche, 3500 weibliche Arbeiter und

2000 Lehrlinge. 38 Gehülfen-Vereine hatten 4162 Mitglieder und, darin

eingerechnet das Vermögen des Wiener Unterstützungs-Vereins von etwa

300000 Mark, ein Gesamtkapital von über einer Million Mark.

Vergleichen wir die Österreichisch-Ungarische Monarchie mit dem

Deutschen Reiche, so geht hervor, dass erstere bei einem Umfange von

11300 Meilen und einer Bevölkerung von etwa 37500000 Menschen in der

graphischen Produktion sehr gegen letzteres zurückbleibt. Scheiden wir

die österreichische Monarchie in vier graphische Gruppen, so erhalten

wir als Resultat folgende Zahlen:

---------------------------+--------+---------+----------+--------

| Buch- | Lithogr.| Typogr. | Litho-

| | | | graph.

| druck. |Anstalten|Schnellpr.| Schp.

---------------------------+--------+---------+----------+--------

I. DIE NÖRDLICHE GRUPPE: | | | |

Schlesien, Böhmen, | | | |

Mähren, Galizien, | | | |

Bukowina | 251 | 148 | 442 | 75

| | | |

II. DIE MITTLERE GRUPPE: | | | |

Nieder- und | | | |

Oberösterreich, | | | |

Salzburg | 190 | 111 | 450 | 79

| | | |

III. DIE SÜDLICHE GRUPPE: | | | |

Tirol, Steiermark, | | | |

Kärnthen, Krain, | | | |

die Küstenländer | 73 | 31 | 133 | 34

| | | |

IV. DIE ÖSTLICHE GRUPPE: | | | |

Ungarn, Siebenbürgen, | | | |

Slawonien, Kroatien, | | | |

Bosnien | 242 | 55 | 344 | 11

----------+--------+---------+----------+--------

| 756 | 345 | 1369 | 199

Die rein deutsche Gruppe II, mit der Kaiserstadt, in welcher fast alle

bedeutenden graphischen Anstalten ihren Sitz haben, und in der über eine

Million Menschen lebt, ist mehr als anderthalbmal so gross an Umfang

als das Königreich Sachsen und zählt nur etwa 200000 Einwohner mehr.

Nichtsdestoweniger beträgt in Sachsen die Zahl der Buchdruckereien 136,

der lithographischen Anstalten 101 und der Schnellpressen 663 mehr als

in der österreichischen Gruppe II.

Das Deutsche Reich, einen Umfang von etwa 2000 [Quadrat]Meilen

weniger als Österreich-Ungarn besitzend und etwas über 5 Millionen

Einwohner mehr zählend, hat 2633 Buchdruckereien, 1649 lithographische

Anstalten, 5708 Schnellpressen und etwa 3000 Buchhandlungen mehr.

Bei einer solchen Zusammenstellung darf jedoch nicht übersehen

werden, dass in den cis- und transleithanischen Ländern die Zahl der

Deutschsprechenden nicht viel mehr als den vierten Teil der Einwohner

beträgt.

Ebenso ungünstig stellt sich das Verhältnis, wenn wir die

österreichisch-ungarischen Städte mit 50000 Einwohnern und mehr mit den

deutschen (S. 276) zusammenstellen. Es giebt in Österreich deren nur

zehn, nämlich:

----------+-------------+----------+--------+----------+-------------

Städte |Einwohnerzahl|Buchdruck.|Lithogr.|Buchhandl.|Zeitschriften

| | | Anst. | |

----------+-------------+----------+--------+----------+-------------

Buda-Pest | 365000 | 49 | 24 | 57 | 83

Prag | 190000 | 33 | 30 | 83 | 84

Triest | 124000 | 10 | 4 | 12 | 6

Lemberg | 104000 | 15 | 4 | 22 | 33

Graz | 94000 | 7 | 9 | 26 | 17

Brünn | 82000 | 12 | 6 | 15 | 24

Szegedin | 76000 | 4 | 1 | 4 | 2

Krakau | 61000 | 6 | 2 | 15 | 8

Debreczin | 52000 | 3 | 1 | 2 | 2

Pressburg | 50000 | 6 | 3 | 4 | 2

* * * * *

Die Bücherproduktion Österreichs lässt sich nicht wohl aus der des

ganzen deutschen Litteraturgebietes ausscheiden. Die Büchereinfuhr in

Österreich betrug 27620 Meterzentner, die Ausfuhr 9378; da von letzterer

jedoch die Remittenden der in Kommission versandten Artikel abgehen,

so kann die wirkliche Ausfuhr kaum auf 4000 Meterzentner geschätzt

werden. Merkwürdigerweise stellt sich das Verhältnis bei Musikalien noch

ungünstiger, da bei einer Einfuhr von 937 Meterzentner nur 66 Zentner

ausgeführt wurden. Trotz der geringen Ziffern hat sich die Einfuhr seit

1860 zwei und einhalbmal, die Ausfuhr einmal erhöht.

Die Zahl der Journale war zum Beginne des Jahres 1880 in den im

Reichsrate vertretenen Kronländern 1074, darunter 340 politische Tages-

und Wochenblätter. Von der Gesamtzahl erschienen 79 täglich, 80 mehrmals

wöchentlich, 310 wöchentlich, 211 vierzehntägig, 226 monatlich. 728

Journale waren in deutscher, 73 in polnischer, 131 in tschechischer

Sprache. Wien beteiligte sich mit 483 Zeitschriften. 1872 hatte ein

Rückgang in der politischen Zeitungspresse stattgefunden und es

erschienen 19 Tagesblätter weniger als 1871.

UNGARN lieferte damals 558 Zeitungen, davon 356 in magyarischer, 120

in deutscher, 56 in slawischer und 21 in rumänischer Sprache. Die

Zahl der magyarischen Blätter hat seit der Zeit um 70 zugenommen, in

Buda-Pest erschienen 168; in den übrigen Sprachen ist die Zahl ziemlich

unverändert geblieben.

[Illustration]

[Illustration]

XVI. KAPITEL.

DIE ZWEIGE DER GERMANISCHEN GRUPPE.

DÄNEMARK. Fortschritte der Typographie: B. Luno, Gebr. Thiele, C.

Ferslew & Co. u. a. Die Chemitypie: C. Piil. Die Giessmaschine: L.

Brandt. Die Setzmaschine: C. Sörensen. Die Schreibkugel: Malling

Hansen. Island, Grönland. NORWEGEN. Geistiges Leben. SCHWEDEN.

Norstedt & Söner, Central-Tryckeriet u. a. FINNLAND. RUSSLAND und

POLEN. Die Staatsdruckerei und andere Offizinen. Das Zeitungswesen.

DIE DONAULÄNDER: Serbien, Rumänien, Bulgarien. GRIECHENLAND.

DÄNEMARK UND NORWEGEN.

[Sidenote: Die Presse in Dänemark.]

Gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts ergriff die politische und

geistige Gährung auch DÄNEMARK und übte ihre Wirkung auf die Presse

aus. Unter dem allmächtigen Ministerium Struensee wurde 1770 am 14.

September die schrankenloseste Pressfreiheit eingeführt, was nicht ohne

gröbliche Ausartungen abging. Wie gewöhnlich trat dann als Gegensatz

eine weit über das Ziel schiessende Reaktion ein, deren Schlussstein die

Verordnung vom 27. September 1799 war, durch welche die Zensur wieder

eingeführt wurde und die Verfolgungen gegen die Presse ihren freien

Lauf nahmen. Ausserdem begann das XIX. Jahrhundert sehr unglücklich für

Dänemark, welches die damals herrschende Politik mit dem Bombardement

von Kopenhagen, dem Verlust seiner glänzenden Flotte und der Abtretung

Norwegens bezahlen musste[258].

[258] CAM. NYROP, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_. 2 Teile.

Kopenhagen 1870. -- KLEIN, _Adressebog for den danske norske og

svenske Boghandel_. -- NYEROP in _Læsendes Aarbog for 1801_.

Unter diesen Verhältnissen konnte die Typographie Dänemarks in der

ersten Hälfte der Periode und noch länger keine grossen Fortschritte

machen. Es herrschte kein guter Geschmack und die Produktionen gingen

nur selten über das Mittelgute hinaus. Als bedeutendere Erscheinungen

sind zu nennen: _Den danske Vitruvius_, 2 Bände, Folio; Langebecks

_Scriptores rerum danicarum_, 8 Bände, Folio; _Beskrivelse over

danske Mönter og Medailler_, 3 Bände, Folio; _Flora Danica_, ein sehr

bedeutendes und umfangreiches Werk.

[Sidenote: Die Typographie in Kopenhagen.]

Die Buchdruckereien in KOPENHAGEN beherrschten, durch

Innungsverhältnisse begünstigt, die Buchdruckereien der Provinz. Die

Autoren suchten, da der Buchhandel nicht gut organisiert war, zumteil

Verleger im Auslande.

[Sidenote: E. H. Berling * 1689, [+] 1759.]

CARL HEINRICH BERLING, Sohn des eingewanderten E. H. BERLING (I, S.

156), erwarb das Privilegium der _Posttidender_, welche den Titel

_Statstidende_, später _Berlingske Tidende_ annahm, unter welchem Namen

sie noch heute besteht. Viele Jahre hindurch waren dieses und ein

anderes, ungefähr auf derselben Stufe der Mittelmässigkeit stehendes

Blatt, _Dagen_, die einzigen Quellen tagesgeschichtlicher Weisheit.

Das Volk verfiel in ein durch Geistesspielereien gewürztes weichliches

Wohlleben, aus welchem der Nationalgeist erst durch die Dichtungen Adam

Oehlenschlägers erwachen sollte. Allmählich fielen die Schranken der

Presse wieder und es erblühte ein überaus reges geistiges Leben, das

ebenfalls die Entwickelung der Buchdruckerei und des Buchhandels im

Gefolge hatte.

[Sidenote: Bianco Luno * 27. Juni 1795, [+] 12. Aug. 1852.]

Im Jahre 1825 kam die erste Schnellpresse nach Dänemark. Der eigentliche

Schöpfer des guten Geschmacks und der Typographie im Sinne der Neuzeit

war BIANCO LUNO[259], der sich, nach vielfachen Wanderungen in Italien,

Ungarn und Deutschland, 1831 in Kopenhagen etablierte. Die Ausstattung

und Ordnung seiner Druckerei war eine noch nicht in Dänemark bekannte

und würde selbst im Auslande als eine mustergültige gegolten haben. Er

lieferte namentlich in Werk- und tabellarischen Arbeiten vortreffliches.

Die Druckerei arbeitet jetzt mit 9 in Kopenhagen von Eickhoff gebauten

Schnellpressen.

[259] C. NYROP, _Bianco Luno og den danske Bogtrykkerkonst_.

Kopenhagen 1881.

[Sidenote: Gebr. Thiele.]

[Sidenote: J. R. Thiele [+] 1876.]

In feineren Accidenz- und illustrierten Drucken sind die Brüder JUST

und ANDREAS THIELE, Nachkommen eines 1770 aus Lemgo eingewanderten

Buchdruckers JOH. RUD. THIELE, in Dänemark unübertroffen. Sie erhielten

ihre Ausbildung in der Brockhausschen Offizin in Leipzig und können sich

mit den besten Illustrationsdruckern Deutschlands messen. Als Beispiele

ihrer Leistungen seien erwähnt: _Illustreret Tidende_, _The old northern

Runic monuments_ und _Queen Dagmars Cross_ in Farbendruck. Die Offizin

ist die grösste in Dänemark und arbeitet mit 17 König & Bauerschen

Schnellpressen. Die Gebrüder Thiele drucken auch die Noten der Bank, die

Postmarken und fast alle dänischen Wertpapiere.

[Sidenote: C. Ferslew.]

Als Zeitungsdruckerei steht die Offizin C. FERSLEW & CO. obenan. Sie

verbindet Typographie mit Lithographie und Papierfabrikation. Ferslew

druckte zuerst mit einer »Victoria-Endlosen«. Drei grosse Tageszeitungen

werden in der Offizin hergestellt, in welcher 9 Kastenbeinsche

Setzmaschinen und 11 Ablegemaschinen arbeiten, wohl mehr als für den

Augenblick im ganzen Deutschen Reich. Bei der Bedienung sind mehr als

dreissig Mädchen unter Leitung einer Directrice beschäftigt. Um den Satz

zu beschleunigen, werden schlecht geschriebene Manuskripte erst mittels

der Malling Hansenschen Schreibkugel (S. 446) umgeschrieben und dann dem

Setzer übergeben, wodurch es möglich wird, den Hauptteil einer grossen

Zeitung in zwei Stunden herzustellen. Die als eine Neuheit von Beschke

in Deutschland eingeführten Wetterkarten werden schon seit fünf Jahren

bei Ferslew hergestellt.

Das Beispiel Lunos und Thieles hat sehr befruchtend gewirkt und der

dänische Druck nimmt im ganzen eine sehr respektable Stellung ein. Die

Offizin von BERLING, welche jetzt nur die _Berlingske Tidende_ mit

Rotationsmaschine aus der Fabrik Eickhoff in Kopenhagen druckt, hat

sich durch Einführung der technischen Verbesserungen und Erfindungen

des Auslandes verdient gemacht. Der letzte männliche Besitzer der

Firma CARL BERLING spielte als Kammerherr, Reisemarschall und

Günstling des Königs Friedrich VII. eine Rolle. Er starb auf einer

Reise in Ägypten am 30. März 1871. Geachtete Namen erwarben sich

unter anderen ANDREAS SEIDELIN und die von J. F. SCHULTZ begründete

Hofbuchdruckerei, jetzige Universitätsbuchdruckerei von J. H. SCHULTZ,

welche mit 12 Schnellpressen namentlich Regierungs-, Universitäts- und

Kommunalarbeiten liefert. In der Provinz ist zu nennen die über 110

Jahre bestehende FYENS STIFTS-BUCHDRUCKEREI in ODENSE, wo die Wiege der

dänischen Buchdruckerei stand (I, S. 74).

[Sidenote: Statistisches.]

Zur Zeit hat Dänemark 175 Buchdruckereien (davon 71 in Kopenhagen) mit

einem Arbeitspersonal von 1438 Köpfen, darunter 746 Setzergehülfen,

354 Setzerlehrlinge; 69 Setzerinnen, namentlich bei den Setzmaschinen

thätig; 176 Drucker, 82 Druckerlehrlinge. Die Zahl der Schnellpressen

ist 294, der Tretpressen 36 (davon in Kopenhagen 151 Schnellpressen,

35 Tretpressen). 90 Handpressen werden wohl, wie überall, fast nur als

Korrekturpressen dienen[260].

[260] M. TRUELSEN, _Statistisk Oversigt over Typographien i Danmark_.

Kopenh. 1881.

Die litterarische Produktion ist nicht so genau wie in Deutschland

anzugeben, da die einzige Kontrolle in der angeordneten Ablieferung

eines Exemplars jeden Druckwerkes an die königliche Bibliothek besteht.

Eingereicht wurden im Jahre 1880 349 Zeitschriften, 1806 Bücher und

Broschüren. In Kopenhagen erscheinen 14 Tageblätter zumeist im Format

der grossen Pariser Zeitungen; in den Provinzen 50. Kopenhagen hat 14

illustrierte Wochenblätter, unter welchen die humoristischen eine grosse

Verbreitung haben.

[Sidenote: Xylographie und Chemitypie.]

Die Xylographie, früher hauptsächlich durch Deutsche geübt, leistet

sehr anerkennenswertes; die bedeutendsten Anstalten sind die der

_Illustreret Tidende_, H. P. HANSEN, F. HENDRIKSON und J. J. ROSENSTAND.

Die Chemitypie verdankt dem Dänen CHR. PIIL[261] ihr Dasein und ist in

Dänemark sehr beliebt geworden. Öfters wird sie mit der Zinkhochätzung

verwechselt, jedoch beruht sie auf anderen Grundsätzen (S. 18). Piil

brachte seine Erfindung nach Leipzig und übte sie dort in Verbindung mit

dem Buchhändler H. Friedlein. Auch die Zinkographie fand sehr geschickte

Ausüber in Dänemark.

[261] C. PIIL, Die Chemitypie. Leipzig 1846.

[Sidenote: Schriftgiesserei.]

Auf Grund des kleinen Geschäftsgebietes konnte die SCHRIFTGIESSEREI

nicht mit der deutschen Schritt halten. Schriften wurden hauptsächlich

von Trennert in Altona und Genzsch & Heyse in Hamburg, dann auch von

Berlin und Leipzig bezogen. Gute Arbeiten liefert H. A. F. FRIES in

Kopenhagen.

[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]

[Sidenote: L. Brandt * 6. Sept. 1807.]

In Deutschland gilt (S. 295) der Däne LAURITZ BRANDT allgemein als

Erfinder der Schriftgiessmaschine. Er stammte aus Faaborg auf der

Insel Fühnen. Als Schlossergeselle ging er nach St. Petersburg, wo er

allerlei mechanische Instrumente anfertigte, reiste kreuz und quer durch

Deutschland, verheiratete sich dort und segelte dann nach Amerika. Hier

führte er den Gedanken, die Giessmaschine zu konstruieren, aus und

baute diese in dem Hause der bekannten Schriftgiesserei David Bruce

jun. in New-York. 1844 ging er nach Deutschland und verkaufte sein

Patent an Eduard Hänel in Berlin. Brandt erntete hieraus weder grosse

pekuniäre Vorteile noch Ehre, denn Hänel verschwieg seinen Namen, sodass

bald dieser selbst, bald Steiner in München als Erfinder galt. Brandt

verliess Deutschland und ging nach Dänemark, wo er mehrere Maschinen

für die Schriftgiesserei Fries baute, die noch heute in Wirksamkeit

sind. In Schweden erwarb L. Hierta das Patent, welches später auf die

Firma Norstedt & Söner überging. Nach einem etwa vierjährigen Aufenthalt

in Europa ging Brandt nach New-York zurück und gründete dort ein

Etablissement, aus dem eine grosse Anzahl Maschinen hervorging. 1859

zog er sich ins Privatleben zurück und übergab sein Etablissement an N.

Erlandsen, der, ebenfalls ein Däne, als armer Junge von seinen Eltern

aufgenommen worden war. Gegen Brandts Ansprüche machte David Bruce sein

Erfindungsrecht geltend (S. 39).

[Sidenote: Die Setzmaschine.]

[Sidenote: Chr. Sörensen * 7. Mai 1818, [+] 30. Jan. 1861.]

Wennauch mit Setzmaschinen verschiedentlich experimentiert worden war,

so muss doch CHRISTIAN SÖRENSEN[262] in Kopenhagen als der Erfinder

betrachtet werden, denn er war der erste, der eine wirklich lebensfähige

Maschine herstellte, die auf den Prinzipien beruhte, welche von allen

späteren Erfindern, mit Ausnahme von Mackie, angenommen wurde.

[262] C. NYROP, Christian Sörensen. _Et Industribillede._ Kopenhagen

1869.

Sörensen war von ganz armen Eltern geboren und musste schon als Kind zum

Verdienst mit beitragen durch Arbeit bei einem Leineweber, und konnte

nur in den Abendstunden einen notdürftigen Unterricht geniessen. Durch

einen Zufall kam er später in Setzerlehre.

Er war ein mechanisches Genie. In seinem zwanzigsten Jahre entstand

bei ihm der Gedanke, eine Setzmaschine zu schaffen. Von den vor ihm

gemachten Versuchen hatte er keine Ahnung. Am 29. April 1846 erhielt er

ein Patent für eine Setz- und Ablegemaschine und eine Unterstützung zur

Ausführung eines Modells. Während Sörensen hiermit noch beschäftigt war,

ergingen die Einladungen zur ersten Weltausstellung in London. Gelang

es, dort mit der Setzmaschine zu erscheinen, so war das Ziel erreicht!

Das Erscheinen gelang ihm zwar, aber -- die Maschine erhielt nicht

einmal eine ehrenvolle Erwähnung.

[Sidenote: Erfolge in Paris.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 42 / 47 段