geübt. Im Jahre 1881 bestanden 237 Offizinen, in welchen mit 202
Buchdruck-, 147 Steindruck-Schnellpressen und 712 Tret- und Handpressen
gearbeitet wurde. Die Schriftgiessereien, unter welchen SELIWANOWSKI
bedeutend ist, arbeiteten mit 47 Giessmaschinen. Die bekannte
SYNODALBUCHDRUCKEREI (I, S. 279) erhielt eine neue und zweckmässige
Einrichtung. MOR. NEUBINGER druckt namentlich Wertpapiere.
DORPAT hatte schon 1624 eine Offizin, MITAU 1774, ODESSA 1825. CHARKOW
mit seiner 1804 gegründeten Universität erhielt 1820 eine Druckerei.
In WARSCHAU sind namentlich H. & M. ORGELBRAND durch ihre hebräischen
Drucke bekannt.
In den baltischen Provinzen erschienen 1871 22 deutsche, 7 esthnische
und 6 litauische Zeitungen und nur eine russische.
Die armenische Typographie wurde namentlich in dem berühmten Kloster
ETZSCHMIAZIN bei Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, gepflegt. Ein
zweiter Druckort ist NACHITSCHEWAN, wo 1794 unter anderem eine
Übersetzung von Fénelons _Télémaque_ erschien. TIFLIS hat mehrere
Offizinen. In der Herrnhuter-Kolonie SAREPTA befand sich seit dem Jahre
1763 eine unbedeutende Missionsdruckerei. ASTRACHAN erhielt zu Anfang
des Jahrhunderts, KASAN 1815 Offizinen.
In den Gouvernementsstädten SIBIRIENS finden sich zwar Buchdruckereien,
jedoch primitivster Einrichtung, nur JEKATERINENBURG und IRKUTSK haben
gut versehene Offizinen. Die einzige offizielle Zeitung Sibiriens,
welche in Irkutsk erschien, wurde 1880 verboten. In SELENGINSK wurde auf
Veranlassung der Londoner Missionsgesellschaft die ganze Bibel 1834 in
mongolischer Sprache gedruckt.
Die russischen Papierfabrikanten beschweren sich sehr über Mangel
an Lumpen, die namentlich nach England ausgeführt werden. Die
Kartenfabrikation ist ein Monopol der Regierung; die einzige Fabrik
liefert jährlich etwa sieben Millionen Spiele.
[Sidenote: Statistisches.]
Im Jahre 1874 hatte Russland 322 Buchhandlungen und die Zahl der
erschienenen Bücher betrug 2589. 1870 war der Wert der Büchereinfuhr
1153082 Rubel, von welcher Summe die Million auf Deutschland fiel, die
Ausfuhr bezifferte sich auf 83714 Rubel.
Die Zahl der Zeitschriften ist eine verhältnismässig sehr geringe und
betrug 1881 nur 776, davon 80 in polnischer, 43 in finnischer, 39 in
schwedischer, 36 in deutscher, 13 in lettischer, 10 in esthnischer
Sprache und 26 in verschiedenen Idiomen. Es erscheinen von diesen
Zeitschriften 197 in St. Petersburg, 75 in Moskau, 79 in Warschau, 36 in
Helsingfors, 23 in Riga, 21 in Tiflis, 20 in Kiew, 19 in Odessa.
[Sidenote: Zeitungswesen.]
Die verbreitetste Zeitung (71000 Auflage) war der »Golos« (die
Stimme)[269], sie hatte so wenig wie die _Times_ eine bestimmte Tendenz,
aber ein ebenso feines Gehör für das, was kommen würde. »Die neue
Zeit«, ein chauvinistisches Slawenblatt (30000 Auflage) hatte etwas
an Verbreitung eingebüsst. Im Hetzen gegen Deutschland hatte es fast
den Sieg über die russische St. Petersburger Zeitung davongetragen,
wogegen die »Russische Wahrheit« einen gebildeten Ton anschlug. Auch
das »Gerücht« hielt sich von Chauvinismus frei. Die »Moskauer Zeitung«
hatte namentlich in Moskau selbst und in dem Lande südlich und östlich
von Moskau Geltung.
[269] Die folgenden Angaben beziehen sich $auf das Jahr$ 1879. »Golos«
ist seitdem eingegangen.
Die Regierung besass nur ein offizielles Organ, »Der Regierungsbote«.
Als offiziös konnten das _Journal de St. Pétersbourg_ und die _Agence
générale russe_ und im Auslande der Brüsseler _Le Nord_, allenfalls auch
der »Russische Invalide« gerechnet werden. Neben der russischen St.
Petersburger Zeitung existiert auch eine deutsche; beide gehören der
Akademie der Wissenschaften, welche sie verpachtet, und haben bereits
1877 ihr 150jähriges Jubiläum gefeiert.
Die grossen Petersburger Zeitungen stehen zwar nicht unter
Präventiv-Zensur, müssen aber 5000 Rubel Kaution stellen. Sobald sie
ausschreiten, werden sie verwarnt und nochmaliges Verwarnen zieht
zeitweiliges oder auch vollständiges Verbot nach sich. In ausländischen
Angelegenheiten haben die grossen Blätter ziemlich freien Spielraum, und
sind selbst hinsichtlich der inneren bei weitem nicht so beengt, wie
man gewöhnlich annimmt. Der Ton gegen Deutschland ist bekanntlich im
allgemeinen voller Hass und zur Schau getragener Verachtung.
Manche Städte von 10000 und mehr Einwohnern haben keine Zeitung, so dass
oft ein grosser Kreis oder ein Gouvernement ohne Organ ist. Mit welchen
Schwierigkeiten ein Zeitungsherausgeber oft zu kämpfen hat, mag daraus
erhellen, dass z. B. aus Neu-Tscherkask erst das Manuskript, dann die
Korrektur eines Blattes nach Moskau gesendet werden muss, womit zehn
Tage verloren gehen, dazu noch die Zeit für Satz und Druck.
DIE DONAULÄNDER.
[Sidenote: Die jüngsten Staaten.]
Wir wenden uns jetzt den jüngsten selbständig gewordenen Mitgliedern
des europäischen Staatenbundes zu, deren Bedeutung für die Presse
erst der Zukunft gehört. Mit der Erlangung des politischen
Selbstbestimmungsrechtes eines Volkes ist ja auch stets das Aufblühen
des geistigen Lebens verbunden gewesen, und ist die erste Gährung
überstanden, so ist es bei der Bildungsfähigkeit der betreffenden Völker
auch zu erwarten, dass sie eine angemessene Stellung auf dem Gebiete der
Presse einnehmen werden. Zu hoffen und zu wünschen bleibt, dass es nicht
deutschfeindlichen Einflüssen gelingen möge, nationale und geistige
Antipathien gegen germanische Kultur zu erregen, wodurch die Völker
selbst am meisten gegen ihre Unabhängigkeit und ihr geistiges Interesse
handeln würden.
[Sidenote: Serbien.]
SERBIEN[270]. Als die neue Ära in unserem Jahrhundert für Serbien
begann, standen das Volk, welches belehrt werden musste, und die
Geistlichkeit, welche belehren sollte, ziemlich auf derselben Stufe des
Wissens oder vielmehr der Unwissenheit.
[270] F. KANITZ, Serbien. Leipzig 1868.
Das erste Buch, welches in Serbien erschien, ist eine von dem
Woiwoden von Celat, Georg Cernojevi['c], 1493-1495 veranstaltete, mit
cyrillischen Lettern gedruckte Ausgabe des Psalters, welche Schafarik
den schönsten slawischen Druck nennt, wie überhaupt die Erzeugnisse der
südslawischen Pressen an innerem und äusserem Wert die ihnen um einige
Jahre vorausgegangenen Krakauer cyrillischen Drucke übertrafen.
Doch dauerte dieser Glanz nicht lange und erlosch bereits im XVI.
Jahrhundert in den Kämpfen mit dem Halbmond. Von da ab versorgte
Russland die südslawischen Länder mit Kirchenbüchern, bis die eigene
Staatsdruckerei die Lieferung derselben übernehmen konnte. Ferner that
die englische Bibelgesellschaft manches für die Verbreitung des Neuen
Testaments, welches sie von dem bekannten Gelehrten Vuk übersetzen und
mit cyrillischen Lettern drucken liess. Auch andere Werke, namentlich
Übersetzungen, wurden in Österreich und Deutschland gedruckt.
[Sidenote: Die Staatsdruckerei.]
Die Grundlage zu der Staatsdruckerei war durch ein Geschenk des
Kaisers Nikolaus, bestehend in zwei Druckerpressen, 1830 gelegt.
Dieselben wurden zuerst in KRAGUJEVAC aufgestellt, um unter der Leitung
BERRMANNS aus Wien erst nur liturgische Bücher mit russischen Lettern
zu drucken. Im Jahre 1831 wurde die Druckerei vom Fürsten Milosch
nach BELGRAD verlegt und mit noch drei Handpressen, später mit zwei
König & Bauerschen Schnellpressen ausgestattet. Die Schriftgiesserei
wurde von dem Stuttgarter OCKENFUSS eingerichtet. Um den Typenschnitt
machten sich zwei andere Deutsche, SCHRÖPEL ([+] 1864) und dessen
Faktor WALTER aus Frankfurt, verdient. Nach 1864 traten zwei junge
in Deutschland ausgebildete Serben an die Spitze der Anstalt. Die
alt- und neuslawischen Typengattungen sind gut vertreten, auch
Musiknoten sind vorhanden und xylographische, galvanoplastische und
Stereotypie-Anstalten wurden eingerichtet. Im Jahre 1870 waren mehr
als 50 Setzer und Lehrlinge beschäftigt und zahlreiche Arbeiten
wurden sowohl für den Staat wie für Private ausgeführt, ausserdem die
Landeszeitung und mehrere andere Journale dort gedruckt.
Um 1850 wurde auch die LITHOGRAPHIE durch einen Deutschen, BRAUMANN,
eingeführt. Karten, Pläne und andere chromographische Arbeiten wurden in
guter Ausstattung geliefert, auch die serbischen Postmarken sind sehr
gut gedruckt.
[Sidenote: Die serbische Sprache.]
Die serbische Sprache, die auch seit 1830 von den Kroaten als
Schriftsprache adoptiert wurde, wird von Kennern als reich, kurz,
energisch und melodiös geschildert. Der Linguist Vuk führt in seinem
Wörterbuch mehr als 62000 Wörter auf. Bis jetzt beschäftigte sich
die serbische Presse meist mit dem Druck von Lehrbüchern und mit
Übersetzungen, doch hat die Originallitteratur schon bedeutende Anfänge
aufzuweisen. Das 1838 vom Fürsten Milosch gegründete Lyceum wurde 1863
Universität. 1841 gründete Fürst Michael die »Gesellschaft für serbische
Litteratur«, die ein Mittelpunkt der geistigen Bestrebungen wurde und
durch ihr Jahrbuch (Glasnik) viel wirkte.
[Sidenote: Zeitungen.]
Als Gründer der politischen Presse im europäischen Stil ist MILO[VS]
POPOVI['C] zu betrachten, der von 1841-1861 fast ununterbrochen die
offizielle Zeitung redigierte und dann im Verein mit Dr. Rosen eine
quasi offiziöse Zeitung gründete. Da diese die gelesenste von allen war
und trotzdem nur in 750 Exemplaren gedruckt wurde, so lässt sich ein
Schluss auf die Grösse des Lesepublikums der übrigen im Jahre 1866 in
Belgrad erschienenen Blätter ziehen. Mit dem Buchhandel ist es auch noch
nicht sonderlich bestellt.
[Sidenote: Graphische Künste.]
Auf dem Gebiete der vervielfältigenden Künste haben sich einige
Persönlichkeiten vorteilhaft bekannt gemacht. NATAL, BONIFACIJ und
MARTIN ROTA-KOLUNI['C] wirkten als Kupferstecher bereits im XVI.
Jahrhundert in Rom. Unter den zahlreichen Stichen des letzteren ist
namentlich »Das jüngste Gericht« bekannt. Zu Anfang unseres Jahrhunderts
gab JOSEPH MILOWUK Bildnisse berühmter Serben in Kupferstich heraus.
Sein Sohn machte einen Versuch mit einer illustrierten Zeitung in
Belgrad und suchte somit für den Holzschnitt in Serbien Bahn zu brechen;
doch war der Erfolg kein bedeutender.
Um die Lithographie und die Photographie in Serbien erwarb sich die
meisten Verdienste NASTAS JOVANOVI['C]. Vom Fürsten Milosch nach Wien
gesandt, um dort die Kupferstecherkunst zu lernen, gründete er später
einen nationalen Kunstverlag, in welchem sich zahlreiche Blätter mit
historischen Vorwürfen befanden. In seinen Unternehmungen ward er von
Wiener Künstlern, namentlich von Vincenz Katzler, unterstützt.
* * * * *
[Sidenote: Rumänien.]
RUMÄNIEN. Das Rumänische ist die Muttersprache von über zehn Millionen
Menschen, hat also für die Typographie der Zukunft eine nicht geringe
Bedeutung. Es wird nicht allein in Rumänien gesprochen, sondern ist
auch in den östlichen Teilen Ungarns, im Banat und in Siebenbürgen,
in Bessarabien, Podolien und in der Bukowina verbreitet. Von manchem
wird die rumänische Sprache irrtümlich für eine slawische gehalten;
sie stammt jedoch aus dem Lateinischen und schliesst sich ziemlich
eng an das Italienische an, erscheint deshalb auch den Bewohnern der
eigentlichen Kulturländer Europas nicht so fremdartig als die slawischen
Idiome.
Die dortige Typographie befindet sich schon im raschen Aufblühen.
Bereits in der Mitte der siebenziger Jahre unseres Jahrhunderts
befanden sich in Rumänien in zwölf Städten verteilt 34 Buchdruckereien
mit 217 Gehülfen und 117 Lehrlingen. Von diesen kamen auf Bukarest
zwölf Druckereien mit 138 Gehülfen, 108 Lehrlingen, 27 Maschinen
und 11 Handpressen. Die Regierung ist sehr um die Einführung der
Papierfabrikation bemüht. Für das Interesse, welches in diesem jungen,
der Kultur zugeführten Staat für die Typographie herrscht, spricht das
Erscheinen zweier Fachzeitschriften.
* * * * *
[Sidenote: Bulgarien.]
BULGARIEN. Diese jüngste Staatenschöpfung in Europa hat
begreiflicherweise noch zu sehr mit den notwendigen Existenzfragen
zu kämpfen, um auf dem Gebiete der Presse schon wesentliches leisten
zu können. Erst kommen, wie überall, die Zeitschriften und die
Unterrichtsbücher. Seit 1824 liessen bulgarische Emigranten zahlreiche
Schul- und kirchliche Bücher im Auslande drucken und Druckereien wurden
1870 in Salonik und Smyrna zu diesem Zwecke begründet. Ein Journal
_Ljuboslovic_ erschien bereits in den Jahren 1844-1846 in Smyrna. Die
erste in Bulgarien in der Landessprache erschienene Zeitung war 1849
_Czarigradskij Vestnik_, sie fand jedoch keine grosse Verbreitung
und ging 1861 ein. Ein in Odessa herausgegebenes Blatt _Mirozrenie_
wurde, obwohl politisch ganz harmlos, verboten. 1879 erschienen in
Konstantinopel und Rumänien 14 bulgarische Zeitschriften.
SOFIA hat jetzt sechs Zeitungen aufzuweisen, unter welchen das
wöchentlich erscheinende Regierungsblatt. Die in deutscher Sprache
erscheinende »Bulgarische Korrespondenz« ist zur Aufklärung des
Auslandes bestimmt. Unter den Zeitungen befindet sich auch eine
illustrierte, _Bolgarskaya Illywstratsiya_. RUSTSCHUCK hat zwei
Journale, unter welchen das oppositionelle _Bolgarin_ die stärkste
Verbreitung hat. In SISTOWA, TIRNOWA, PHILIPPOPEL und SLIWNIA giebt es
je eine Zeitung.
GRIECHENLAND.
[Sidenote: Griechenland.]
Griechenland war eines der letzten Länder, nicht nur in Europa, in
welchem die Buchdruckerkunst ein festes Heim fand.
Unter der Herrschaft der Türken hatte sich nur ab und zu eine wandernde
Druckerei eingefunden, um rasch wieder zu verschwinden, eine bleibende
Stätte für die Typographie gab es nicht. Die notwendigsten liturgischen,
daneben einige wenige Unterrichtsbücher wurden bei NIKOLAS GLYKY in
Venedig, einige auch in Wien und Paris gedruckt.
Der Errichtung zweier Offizinen auf den jonischen Inseln durch General
Bonaparte wurde bereits (S. 172) gedacht. Zu Anfang des Jahrhunderts
fanden schwache Versuche zur Gründung griechischer Zeitungen in
Konstantinopel, Smyrna und Bukarest statt. Auszüge aus der heiligen
Schrift in neugriechischer Sprache liess 1817 der Missionär Wilson
auf Corfu drucken. 1818 folgte dort eine politische Zeitschrift in
italienischer und neugriechischer Sprache. Bereits früher hatte der
Missionär Lowndes eine albanesische Bibel, wahrscheinlich das erste
gedruckte Buch in albanesischer Sprache, dort ausführen lassen.
[Sidenote: Der Freiheitskampf.]
Als 1821 der Freiheitskampf der Griechen überall in Europa die
grösste Teilnahme erweckte, und die Bildung der philhellenischen
Vereine veranlasste, fassten letztere auch die Beschaffung einer
griechischen Druckoffizin ins Auge. Firmin Ambroise Didot, ein
eifriger Griechenfreund, schenkte Griechenland eine vollständige
Druckerei-Einrichtung (S. 180), die in NAUPLIA ihre Stätte fand.
MISSOLUNGHI erhielt eine Offizin durch Lord Byron, und Lord Stanhope
brachte eine solche nach ATHEN; ausserdem erhielten KORINTH, PATRAS,
HYDRA, CHIOS und AEGINA Pressen. Auf Aegina erschien während der
Präsidentschaft des Grafen Capo d'Istria das Regierungsblatt
»Ephemeriden«; auf Hydra »Der Freund des Gesetzes«, in Missolunghi die
»Hellenische Chronik«, in Korinth die »Trompete von Hellas«.
[Sidenote: Regierung König Ottos.]
Als König Otto 1833 nach Griechenland kam, war der Zustand der
Druckereien, zu denen inzwischen noch einige lithographische Anstalten
gekommen waren, ein so kläglicher, dass es nicht einmal möglich war,
die notwendigsten Regierungsarbeiten alle im Lande auszuführen. Unter
den mit dem Könige angekommenen bayrischen Soldaten befanden sich 11
Buchdrucker, 7 Lithographen und 13 Papiermacher, die nun bessere Dienste
leisten konnten, als die Muskete tragen; von G. Jacquet in München
war auch noch eine Druckerei-Einrichtung gesandt worden. In Athen
wurde das, noch 1870 dreimal wöchentlich erscheinende »Jahrhundert«
gegründet. »Der Erlöser« erschien zweimal wöchentlich in italienischer
und neugriechischer Sprache. 1834 gründete die Amerikanisch-Englische
Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Ansichten eine gut eingerichtete
Buchdruckerei, die viele Schulbücher, an welchen Griechenland noch sehr
arm war, lieferte[271].
Ein organisierter Buchhandel[271] existierte natürlich noch nicht. Auch
hier waren es, wie an so manchen Orten, Deutsche, denen die Aufgabe
zufiel, in diesen Ordnung zu bringen, in welcher Hinsicht der am 27.
Juli 1882 verstorbene Buchhändler und deutsche Konsul KARL WILBERG durch
seine seit 1827 bestehende, vortrefflich organisierte Buchhandlung
sich besondere Verdienste erwarb. Die deutsche wissenschaftliche
Litteratur hat Wilberg viel zu verdanken, denn er trug nicht allein zur
Verbreitung ihrer Erzeugnisse ausserordentlich bei, sondern stand auch
den in Griechenland reisenden Forschern mit Rat und That zur Seite.
[271] COROMILAS, DEM., _Catalogue des livres publiés en Grèce.
L'Exposition Vienne 1873._
[Sidenote: Aufblühen der Presse.]
Bis 1837 gab es kein Pressgesetz. 1843 wurde durch die Verfassung
vollkommene Pressfreiheit garantiert, diese jedoch trotzdem 1850 sehr
beschränkt, bis die Presse nach der Thronbesteigung König Georgs 1863
wieder ganz frei wurde. 1873 erschienen 152 Journale, davon 74 in Athen,
und das litterarische Leben ist in raschem Aufblühen begriffen. Eine
illustrierte griechische Zeitung _Hesperos_, herausgegeben von Dr. J.
Pervanoglou, wird in Leipzig (bei W. Drugulin) gedruckt.
Bevor in Griechenland das Licht der Kultur, welches einst über dessen
glückliche Gefilde so herrlich leuchtete, vollständig erlosch, um einer
tiefen, wie es schien ewigen, Finsternis Platz zu machen, hatte es
jedoch den »Barbaren« seine unvergleichlichen Geisteswerke hinterlassen,
die so vieles dazu beitrugen, bei letzteren die Aufklärung zu verbreiten
und der Buchdruckerkunst den Weg zu ebnen.
Der »Barbar« Gutenberg glich die Rechnung mit Griechenland aus,
indem er ihm seine äusserlich unscheinbare, aber in ihren Wirkungen
unvergängliche und unvergleichliche Erfindung als Entgelt brachte. Mit
dieser erhielt Griechenland, wie jedes Land des Erdkreises, für immer
die Gewähr, dass es nicht zum zweitenmal der geistigen Verkümmerung und
Finsternis anheimfallen könne. Und so mögen die folgenden, dem Denkmal
im Hofe »Zum Gutenberg« entlehnten Zeilen hier statt eines Kolophons
stehen.
_Was einst Pallas Athene dem griechischen Forscher verhüllte,
Fand der denkende Fleiss deines Gebornen, o Mainz!
Völker sprechen zu Völkern, sie tauschen die Schätze des Wissens;
Mütterlich sorgsam bewahrt, mehrt sie die göttliche Kunst;
Sterblich war einst der Ruhm; SIE gab ihm unendliche Dauer,
Trägt ihn von Pol zu Pole, lockend durch Thaten zur That;
Nimmer verdunkelt der Trug die ewige Sonne der Wahrheit,
Schirmend schwebt ihr die Kunst, Wolken verscheuchend, voran.
Wandrer, hier segne den Edlen, dem so viel Grosses gelungen,
Jedes nützliche Werk ist ihm ein Denkmal des Ruhms._
[Illustration]
* * * * *
[Illustration]
A. NAMEN- UND SACHREGISTER.
Åbo S. 452.
Accidenzdruck in Amerika 125.
-- in Berlin 368.
-- in England 91. 105.
Ackermann, A., 337.
Ackermann, Rud., 94.
Adam, Isaak, 62.
Adams, Jos., 123.
Adelaide 112.
Adler, C., 376.
Adler, G., 350.
Adlers Erben 375.
Adrian, F. R., 187.
Ägina 463.
Ägypten, das alte, 339.
»Ägypten« von Ebers 389.
Ägypten, Felddruckerei in, 172.
Ägyptologie, die, 340.
Afrika 113.
_Age_ 112.
_Agence Havas_ 199.
d'Agincourt, _L'hist. de l'art_ 186.
Agram 437.
Aguado, Juan, 245.
Aichele & Bachmann 314.
Akademische Buchdr., Berlin 366.
Akadem. Buchdr. in München 394.
Alauzet, P., 158.
Albamra, G., 245.
Albert, J., 396.
Albert & Hamm 316.
Albertotypie, die, 16. 396.
Albrecht, C., 437.
Albrecht & Meister 371.
_Album typogr. de l'impr. Royale_ 176.
Alden, Thim., und H. W., 42.
Algier 248.
Allen, Ed., 35.
Allendorf a. d. Werra 400.
»Allgemeiner Nutzen« 456.
Allgeyer, Jul., 397.
Allier Père & fils 202.
_Alphabeticum Tibetanum_ 234.
Altenburg in S.-A. 350.
Amand, G. L. A., 227.
Amelang, C. F., 367.
Amherst, Lord, 107.
Amsler & Ruthardt 372.
Amsterdam 227.
Amyot, P. F., 210.
Anastatischer Druck 11.
Anderson, Alex., 123.
Andreæ, J., 288.
André, Joh., 401.
Andrew Best & Leloir 204.
Angeli und Sohn 243.
Anger, J., 316.
Angerer & Göschl 434.
_Anglaise_ 146.
Anisson-Duperon, E. A. J., 171. 172.
Anleger, mechanischer, 68.
_Annual Register_ 55.
_Annuaire-Almanach du Comm._ 181.
Ansbach 399.
Antananarivo 113.
Antiqua u. Fraktur i. Deutschl. 255.
-- in Skandinavien 450.
Antiquariatsgeschäft i. London 100.
Antwerpen 232.
Appel, F. A., 207.
Appel, R., 11.
Applegath & Cowper 60.
Appleton, D., & Co., 130.
Aquarelldruck 10.
Arbeitsweise, deutsche, 257.
-- englische, 90.
-- französische, 140.
Archimowitz, Th., 293.
_Archives des découvertes_ 186.
_Argus_ 112.
Arnold, E., 350.
Arnz & Co. 379.
_L'art pour tous_ 156. 208.
Arundel, Lord Th. H., 103.
_Arundel Society_ 371.
Aschersleben 353.
Asher & Co. 372.
Ashley, J. F., 68.
Asnières 207.
Aspern van der Velde 227.
Asser 16.
Assignatendruck in Frankreich 172.
Astrachan 457.
Athen 463.
Athenäum 436.
Attaignant, P., 324.
Auer, Alois, 422.
Auers »Endlose« 424.
Augsburg 398.
Augsb. »Allgemeine Zeitung« 398.
»Augsburg«, Maschinenfabrik, 313.
Auroras Triumphzug 377.
Ausleger, mechanischer, 68.
Austin, Stephan, 84.
_Australian Register_ 112.
Australien 112.
Autotypie 397.
Ava 109.