Kaiser Leopold II., eingeschüchtert durch die französische Revolution,

ergriff strengere Massregeln gegen die Presse, und sein Nachfolger,

Franz II., verschärfte diese noch mehr. 1801 ward die Zensur der

Polizeihofstelle übergeben; 1803 begann eine Rezensurkommission ihre

Thätigkeit und setzte wieder tausende von früher freigegebenen Büchern

auf den Index. Während der Besitznahme Wiens durch Napoleon fand 1809

eine temporäre Erleichterung statt und die Druckereien waren nicht

imstande, alle ihnen angebotenen Aufträge auszuführen. Dieser Zustand

nahm jedoch mit dem Patente vom 1. November 1810 zur Regelung der

Pressverhältnisse ein schnelles Ende. »Kein Lichtstrahl, er komme, woher

er wolle, soll künftig unbeachtet oder unbekannt in der Monarchie

bleiben«, so hiess es und die Geschichte lehrt die Wahrheit dieser Worte

des Programms kennen, wennauch nicht in der vermuteten Auslegung; es

blieb in der That kein Lichtstrahl unbeachtet -- seitens der Polizei.

Übertretungen der Zensurmassregeln wurden streng geahndet. Das Recht,

Buchhandel und Buchdruckerei zu betreiben, beruhte natürlicherweise

auf Privilegien. Die Abstufungen der Zulässigkeit der Werke wurden

genau reguliert. Professoren und Gelehrten von Fach sollte nur in

besonderen Ausnahmefällen ein Buch verweigert werden. Einige Bücher

erhielten _admittitur_, d. h. sie waren ganz freigegeben; andere,

denen das _transeat_ zu teil geworden, durften verkauft, jedoch nicht

öffentlich angekündigt werden. Um andere beziehen zu können war wieder

eine besondere Erlaubnis notwendig (_erga Schedam_). Inländische

Verlagsartikel erhielten das _imprimatur_ entweder ohne Beschränkung

oder nach Weglassungen resp. Änderungen, andere fielen dem _damnatur_

anheim. Es ist bekannt genug, wie die Bestimmungen über die Einfuhr

der Bücher vielfach umgangen wurden und wie wöchentlich ganze Ballen

nichterlaubter Bücher von Leipzig nach Wien gesandt wurden. Dort waren

Bestechungen selbstverständlich an der Tagesordnung; das Geschäft wurde

demoralisiert, aber im Sortimentshandel viel Geld verdient, während der

Verlagshandel und die Buchdruckerei darnieder lagen. Kein Autor von

Bedeutung mochte sein Werk in Österreich verlegt oder gedruckt sehen und

ein in Österreich gedrucktes Buch war fast gleichbedeutend mit einem

schlecht gedruckten.

[Sidenote: Zustand der graphischen Gewerbe.]

Der Festredner bei dem vierhundertjährigen Jubelfest (1882) der

Einführung der Buchdruckerkunst in Wien Karl v. Scherzer, im Jahre 1846

noch ein enthusiastischer Jünger Gutenbergs, schrieb damals: »Es ist in

dem Volke noch nicht das Bedürfnis zu $lesen$ erwacht; es begnügt sich,

die 'Wiener Zeitung' durchzublicken und alle Jahre die renommiertesten

französischen Schauerromane in deutscher Übersetzung durchzublättern.

Es fehlt uns hier auch an nichts weniger als an $allem$, um selbst

die $geringste litterarische$ Unternehmung mit Ehren ins Leben rufen

zu können. Kein genialer Zeichner, kein fähiger Holzschneider, kein

tüchtiger Drucker und so fort bis zum Farbenjungen. Während das Ausland

seit Jahren uns mit illustrierten Ausgaben überflutet, haben wir hier

kaum den Mut gefasst, ein einziges grosses Werk mit Holzschnitten zu

verzieren; selbst die 'Theaterzeitung' hat ihr illustriertes Gewand

seit dem neuen Jahre wieder abgelegt und noch bei dem $neuesten$

illustrierten Werk 'Erzherzog Karl von Österreich' mussten, durch

unübersteigbare Hindernisse dazu gezwungen, die beabsichtigten

Holzschnitt-Illustrationen den in den Text gedruckten Lithographien

weichen«[244].

[244] Journ. f. B. 1846.

Mit den Accidenzien ging es nicht besser, als mit dem Werkdruck.

Die Privilegien der »Wiener Zeitung« verursachten ausserdem, dass

Accidenzien im Interesse des Handels und der Gewerbe fast gar nicht

vorkamen.

[Sidenote: Zeitungslitteratur.]

Mit der Zeitungslitteratur war es gar schlecht bestellt; nur die

verflachenden, witzelnden und pikanten Theater-, Kunst-, Litteratur-

und Modeblätter erfreuten sich eines bedeutenden Absatzes. Alle

Zeitungen, mit Ausnahme der »Wiener Zeitung« und des »Österreichischen

Beobachters«, unterlagen einer Vorzensur und kamen dann erst in die

Hände des bekannten Grafen v. Sedlnitzky und erfolgten aus diesen

gewöhnlich in einem Zustande zurück, von dem man sich heute schwer eine

Vorstellung wird machen können. Die willkürlichsten Änderungen wurden

getroffen, die sich nicht bloss auf Politik und ernstere Interessen

bezogen; es konnte auch einem Theaterkritiker, welcher erzählt hatte,

wie sehr Fräulein X. $miss$fallen, passieren, dass er in seiner Zeitung

las, wie ausnehmend sie $ge$fallen. Adlige Bösewichte gab es in Romanen

und Theaterstücken gar nicht; sie mussten vorher ins Bürgerliche

übersetzt werden.

[Sidenote: J. T. Trattner * 1717, [+] 1798.]

Unter solchen Verhältnissen ist es immer noch zu verwundern, dass Wien

einige bedeutende Männer unter den Ausübern der Druckkunst aufzuweisen

hat. Die populärste Erscheinung aus dieser Periode des Rückgangs

ist JOHANN THOMAS TRATTNER. Er gehört nicht zu denjenigen Koryphäen

der Druckkunst, zu denen wir mit Ehrerbietung emporblicken. Seine

Hauptthätigkeit war eine, welche der Staat zwar zuliess, die öffentliche

Meinung und das Rechtsbewusstsein aber verurteilten: Trattner war ein

Nachdrucker ersten Ranges[245].

[245] J. T. v. Trattner, Der gerechtfertigte Nachdrucker. Wien 1778.

Er war als Sohn eines armen Pulvermüllers zu Jahrmannsdorf unweit Güns

geboren und frühzeitig verwaist. In seinem 18. Jahre kam er in die

Lehre. Als Drucker erwarb er sich in der Offizin Johann von Gehlens

(I., S. 144) etwas Geld und einige vermögende Gönner, die bereit

waren, den jungen strebsamen Mann zu unterstützen. Seine Bemühungen,

eine Konzession sich zu verschaffen, blieben jedoch vergeblich. Da

fasste er den kühnen Entschluss, sich persönlich an die Kaiserin Maria

Theresia zu wenden, die ihn gnädig beschied. Nun kaufte Trattner am 12.

März 1748 die im Laufe der Zeit sehr herabgekommene Buchdruckerei der

Frau Eva Schelgin. Den Ertrag seiner ersten Arbeit, ein vom Abte des

Stiftes Mölk verfasstes Gebet, widmete er den Armen, wodurch er sich

das Wohlwollen der Jesuiten erwarb, die nun alle ihre Arbeiten bei ihm

drucken liessen, so dass er zeitweilig sechzehn Pressen beschäftigen

konnte; sie aber regelmässig im Gange zu halten war eine schwere

Aufgabe. Trattner legte sich deshalb auf das Nachdrucken der Werke der

besten deutschen Autoren und machte sich hiermit eben so verhasst in

Deutschland wie beliebt in Österreich, wo man den Nutzen der guten und

billigen Bücher hatte. Es ging ganz wie in neuerer Zeit in Nordamerika:

der durch den Nachdruck gebildete Geschmack des Publikums kam wenigstens

später den einheimischen Autoren und Verlegern zu gute, welche den Boden

vorbereitet fanden.

[Sidenote: Der Trattnerhof.]

Eine grosse Erweiterung seines Geschäfts (bis auf 34 Pressen) entstand,

als ihm bei der Studienregelung im Jahre 1752 der Druck der sämtlichen

Schul- und Lehrbücher übertragen wurde. Er legte Filialen seiner

Druckerei in Pest, Triest, Innsbruck, Linz und Agram an, erwarb

zwei Papierfabriken, gründete eine Schriftgiesserei, alle Arten von

artistischen Anstalten und unterhielt 23 Bücherlager. Am »Graben«

erbaute er den schönen Trattnerhof, welcher seinen Wahlspruch »_Labore

et favore_« trug. Seine Bücher stattete er mit grosser Sorgfalt aus, so

dass es von einem guten Druck hiess: »Der ist wie von Trattnern«. Bis

in sein 78. Jahr war er der alleinige Leiter des Geschäfts und erlebte

1798 noch sein goldenes Jubiläum. Von zwei Frauen hatte er 21 Kinder,

von denen jedoch nur zwei am Leben blieben. Vom Kaiser Franz war er 1764

in den Adelstand erhoben. Das Geschäft wurde nach Trattners Tod geteilt

und ging auf verschiedene Personen über.

[Sidenote: J. G. Trassler [+] 1816.]

Neben Trattner nahm JOSEF GEORG TRASSLER aus Wien eine bedeutende Stelle

ein. Im Jahre 1779 erwarb er eine Buchdruckerei in Troppau, die bereits

1785 mit 25 Pressen arbeitete. Eine zweite Buchdruckerei errichtete er

1786 in Brünn; diese beschäftigte bis 60 Pressen. Eine dritte Offizin

etablierte er 1795 in Krakau, die jedoch 1809 von den Polen demoliert

wurde. Ausserdem hatte er noch verschiedene graphische Geschäfte und

eine Buchhandlung.

Seine Erfolge verdankte er zum nicht geringen Teil den Freimaurern

und den mit diesen in Verbindung stehenden Gesellschaften, welche

letztere zur Bildung des Volkes unzählige Nachdrucke mit der

Bezeichnung »Gedruckt bei Josef Georg Trassler und im Verlage der

Compagnie« verbreiteten. Ausserdem besass Trassler selbst einen grossen

Verlag zumteil bedeutender Werke, darunter A. F. Büschings grosse

Erdbeschreibung in 30 Bänden; die 34 Bände starke Sammlung der besten

Reisebeschreibungen; die »Allgemeine Weltgeschichte«, 88 Bände; Krünitz'

»Encyklopädie«, 129 Bände. Die bedeutendste Leistung war jedoch J. C.

Adelungs berühmtes Wörterbuch in vier starken Bänden in Grossquart von

zusammen 7587 Seiten[246].

[246] Während Trassler noch als Faktor bei Trattner arbeitete, hatte

letzterer für den nachmaligen Kaiser Josef II. eine kleine

Buchdruckerei eingerichtet. Ein grosser vortrefflicher

Holzschnitt von F. v. Exter (S. 302) hat eine Szene aus dieser

Druckerei verewigt, wo der Prinz an dem Bengel zieht, Trassler

die Ballen einschwärzt und Trattner gute Lehren erteilt.

Die Presse selbst befindet sich in dem Museum der K. K.

Staatsdruckerei.

Obwohl der Verlag nach Trasslers Tod noch vermehrt wurde, ging das

Geschäft in den Händen der Kinder doch zurück. Der zweite Sohn, Adolf,

zog mit dem übrig gebliebenen Teile desselben nach Troppau, wo es wieder

emporblühte und seit 1879 im Besitz Alfreds, des Sohnes von Adolf,

gedieh.

[Sidenote: Josef v. Kurzbeck * 21. Nov. 1736.]

Ein sehr verdienter Buchdrucker war JOSEF KURZBECK. Nach vollendeten

Studien widmete er sich der Buchdruckerei und übernahm die väterliche,

nur mit zwei Pressen arbeitende Offizin, die nunmehr bald 15 Pressen

beschäftigte. Im Jahre 1770 richtete er sich für den Druck des

Illyrischen, Walachischen und Russischen ein, später schaffte er noch

verschiedene orientalische Schriften an. Da es sehr an Setzern für

fremdländische Sprachen fehlte und es schwierig war, solche in dem

Geschäft selbst auszubilden, ersuchte Kurzbeck den Kaiser Joseph II.,

die Ausbildung einiger seiner Zöglinge an der K. K. Orientalischen

Akademie zu gestatten, was auch gewährt wurde. Hierzu wurden die

späteren Buchdruckereibesitzer Anton Schmid, Josef della Torre und

M. Santner bestimmt. Kurzbeck liess die als Mannsfeldsche bekannten

Schriften schneiden, verschaffte sich die besten Amsterdamer Matern und

druckte dann mehrere umfangreiche hebräische Werke, als den Talmud,

Mischnajoth und Machsorim, welche allgemeine Anerkennung fanden. In

Kurzbecks Offizin erschien auch 1775 das von Kaiser Maximilian I.

1514 beabsichtigt gewesene Prachtwerk »Weisskunig« (I, S. III) von

Treitzsauer v. Erentreitz mit 237 grossen Holzschnitten von Hans

Burgkmair. Durch den Tod des Kaisers geriet dieses Werk wie mehrere

von seinen litterarisch-artistischen Unternehmungen ins Stocken, die

Holzschnitte waren jedoch in Graz glücklicherweise erhalten geblieben.

Als der Druck Kurzbecks veranstaltet wurde, hatte man leider kein

Verständnis für die Reproduktion eines Werkes älteren Stils, so dass die

Ausführung nicht eine würdige wurde (S. 429).

Kurzbeck erzielte durch sein Wirken sowohl Gewinn als Ehre; im Jahre

1773 verlieh ihm die Kaiserin Maria Theresia eine goldene Kette und

erhob ihn in den Adelsstand.

[Sidenote: Anton v. Schmid * 1765, [+] 26. Juni 1855.]

Unter den Schülern Kurzbecks befand sich, wie erwähnt, ANTON SCHMID,

später der hebräische Schmid genannt. Der Abt des Klosters der

Zisterzienser zu Zwetl, wo Schmid geboren war, liess ihn im Lateinischen

unterrichten. Seine an der Universität begonnenen Studien musste er

auf Grund seiner Armut unterbrechen und trat in seinem zwanzigsten

Jahre bei Kurzbeck in die Lehre, wo er später die Leitung des Druckes

der hebräischen Bücher übertragen erhielt. Er bewog den kränklichen

Kurzbeck, der keine rechte Freude mehr am Geschäft fand, ihm seine

hebräischen Schriften zu überlassen, um damit ein selbständiges Geschäft

zu beginnen. Kurzbeck ging auf den Gedanken ein, Schmid wurde jedoch

mit seinem Konzessions-Gesuch abgewiesen, bis der Kaiser direkt zu

seinen Gunsten einschritt. Nun ging er mit aller Kraft auf sein Ziel

los. Seine Offizin wurde reich mit syrischen, persischen und arabischen

Schriften ausgestattet und alle Lehrbücher in diesen Sprachen für die

theologischen Anstalten wurden bei Schmid gedruckt. Seine Bücher waren

vorzüglich ausgestattet und sein Ruf drang in fremde Länder.

1839 übergab Anton Schmid, der 1825 in den Adelsstand erhoben war,

seinem Sohne FRANZ EDLEN VON SCHMID sein Geschäft. Ein der Hofbibliothek

geschenktes Exemplar der Schmidschen orientalischen Druckwerke umfasst

148 Werke im Gesamtumfange von 12447 Bogen. Vor allen zu nennen ist die

1795 in mehreren, rasch aufeinanderfolgenden, Ausgaben veranstaltete

vollständige hebräische Bibel mit Übersetzung von Mendelssohn und einem

Kommentar in hebräischer Sprache, an welchem eine Reihe der berühmtesten

Gelehrten mitgewirkt hat. Die Druckerei ging auf ADALBERT DELLA TORRE

über.

[Sidenote: Familie Gerold.]

[Sidenote: Karl Gerold [+] 23. Sept. 1854.]

Unter den älteren Buchdruckereien Wiens, die bis auf den heutigen Tag

ihre Bedeutung behalten haben, ist diejenige, welche JOSEF GEROLD 1775

von J. Kalliwoda erwarb. Der erstgenannte sowohl wie sein Sohn KARL

GEROLD erweiterten das Geschäft bedeutend. Durch den Druck mehrerer

mathematischer und technischer Werke für das unter Prechtls Direktion

gestellte Polytechnische Institut erwarb Gerold sich einen so guten Ruf,

dass Cotta ihm den Druck der 20 Bände starken Prechtlschen Encyklopädie

übertrug. Die gedrückten Pressverhältnisse veranlassten Gerold, sich

weniger dem Verlag als dem Sortiment zu widmen. Aus den 1848 geänderten

Zuständen zog jedoch auch die Geroldsche Offizin Nutzen und das Geschäft

erweiterte sich in dem Besitz der in den Adelsstand erhobenen Söhne

Karls: FRIEDRICH und MORIZ VON GEROLD ausserordentlich[247].

[247] Annalen d. Typ. 1875, Nr. 327. -- »Zur hundertjährigen

Gründungsfeier« etc. Wien 1815.

[Sidenote: Pichlersche Buchdruckerei.]

Die PICHLERsche Buchdruckerei wurde durch den Druck der Werke Karoline

Pichlers in Fachkreisen bekannt, jedoch mehr durch den Druck der 1838

in vier Blättern dreifarbig ausgeführten, in Typen gesetzten Post- und

Reisekarte der österreichischen Monarchie von F. Raffelsberger[248]. Die

Arbeiten derselben stehen weit über denen von Breitkopf und Haas, sind

jedoch, wie diese, mehr auf Grund der mühsamen Arbeit bewundernswert als

für die Praxis nutzbringend.

[248] FRANZ RAFFELSBERGER, Proben der ersten graphischen Typen.

Wien 1838.

[Sidenote: Anton Strauss.]

[Sidenote: L. Sommer.]

Ein tüchtiger Buchdrucker war ANTON STRAUSS, der aus geringen Anfängen

die Zahl seiner Pressen auf 20 brachte. Nach seinem Tode ging das

Geschäft auf LEOPOLD SOMMER über, der grossen Schwung hineinbrachte und

1848 an Zeitungen und Zeitschriften allein zwanzig druckte. Er war auch

der erste, der in Österreich eine politische Zeitung gründete, welche

wirklich diesen Namen verdiente, die unter E. v. Schwarzers Leitung

unternommene »Österreichische Zeitung«.

[Sidenote: M. Salzer * 1799, [+] 4. Jan. 1878.]

MATTHÄUS SALZER, Sohn des Kaspar Salzer, der zu den Zeiten Josephs

II. Buchhändler und Buchdrucker war, lernte erst als Sattler, trat

aber bald in das Papiergeschäft seines Bruders Franz und wurde später

Leiter der Papierhandlung seines verstorbenen zweiten Bruders Jakob,

dann durch Verheiratung mit dessen Witwe Besitzer des Geschäfts. Nach

und nach erwarb er die Papiermühlen in Wiener-Neustadt, Ebenfurth

und Stettersdorf. 1866 kaufte er die ÜBERREUTHERsche Buchdruckerei

und beschäftigte 11 Schnellpressen und 150 Arbeiter, namentlich mit

Aufträgen seitens der Eisenbahnen und ähnlicher Anstalten. Im Jahre 1874

feierte Salzer sein goldenes Geschäftsjubiläum.

[Sidenote: J. V. Degen * 11. März 1763, [+] 5. Okt. 1827.]

Als ein Stern in der langen Nacht der österreichischen Typographie

leuchtet JOSEF VINCENZ DEGEN aus Graz. Er studierte dort und in

Wien, widmete sich dann dem Buchhandel, kaufte 1800 die vorzüglich

eingerichtete ALBERTIsche Buchdruckerei und errichtete zugleich eine

Schriftgiesserei. Durch die Tüchtigkeit seiner Leistungen erwarb er sich

bald ein bedeutendes Renommé. Im Jahre 1804 richtete er die K. K. Hof-

und Staats-Aërial-Druckerei ein und brachte sie auf einen blühenden

Stand. Vertragsmässig arbeitete diese Anstalt nur für Behörden. Eigentum

des Staates wurde sie erst im Jahre 1814. Degen, der in den Adelsstand

als Edler von Elsenau erhoben worden war, wurde zum Direktor der

nunmehrigen STAATSDRUCKEREI ernannt, die sich durch ihre Arbeiten in

vorteilhaftester Weise auszeichnete.

[Sidenote: Staatsdruckerei.]

Anders ward es nach Degens Tod unter der Direktion J. A. VON WOHLFAHRTS.

Aus übertriebener Sparsamkeit liess man die Anstalt verfallen und als

Wohlfarth 1840 in den Ruhestand versetzt wurde, war es so weit gekommen,

dass die Staatsbehörden sich mit ihren Aufträgen an Privatdruckereien

wandten.

Wie es in der Staatsdruckerei aussah, so war es auch in den anderen

Offizinen mit Ausnahme der einzelnen erwähnten und vielleicht noch

einiger weniger anderen.

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Der BUCHHANDEL, der sich unter Maria Theresia sehr entwickelt hatte,

verfiel unter Joseph II. trotz der milden Zensur. Man zersplitterte

die Kräfte meist in Broschürenlitteratur, durch welche sich eine

Reihe von Winkeldruckereien, die jedoch wieder mit dem Tode des

Kaisers verschwanden, nährte. Von den bedeutendsten Werken dieser

Periode seien noch erwähnt: Jacquins _Historia stirpium americanarum_;

_Hortus Vindebonensis_; _Observationes botanicæ_ mit 150 Kupfern;

_Icones plantarum rariorum_ mit 649 Kupfern; _Flora austriaca_ mit 500

kolorierten Kupfern, Herrgotts _Monumenta Aug. Austriacæ_ in Grossfolio

mit vielen Tafeln, die von den Geistlichen des Stiftes St. Blasien

gedruckt wurden; Maninskys grossartiges »Orientalisches Wörterbuch« u. a.

Als der Regenerator der österreichischen Buchdruckerei, die in der

jüngeren Zeit so enorme Fortschritte gemacht hat, muss Auer betrachtet

werden.

[Sidenote: Al. Auer * 11. Mai 1813, [+] 10. Juli 1869.]

ALOIS AUER war zu Wels in Österreich als der Sohn eines armen

Traunflössers am 11. Mai 1813 geboren. Da es ihm unmöglich war, seinem

Drang zum Studieren nachzugehen, trat er im Beginn des Jahres 1825 als

Setzer in die Lehre bei dem Buchdrucker Michael Haas in Wels. Nach

vollendeter Tagesarbeit benutzte er die späten Abendstunden, um sich

gründliche Kenntnisse der Muttersprache anzueignen. Nach Beendigung

seiner fünfjährigen Lehrzeit begann er mit Energie die Sprachkunde zu

treiben, da er eingesehen hatte, von wie grossem Nutzen dieselbe für den

Typographen ist. Seine Mussestunden benutzte er nun zur Erlernung der

französischen, italienischen, englischen, spanischen und portugiesischen

Sprache, so dass er sich schon im Oktober 1835 einer Prüfung in der

französischen und englischen, im Mai 1836 einer in der italienischen

Sprache an der Universität zu Wien mit günstigem Resultat unterwerfen

konnte. Gleichzeitig bestand er die Prüfung in der Erziehungskunde. Sein

guter Ruf verschaffte ihm bald eine öffentliche Anstellung in Linz als

Lehrer der italienischen Sprache. Auer begann nun eine Schriften- und

Vaterunser-Sammlung anzulegen, die hinsichtlich ihrer Vollständigkeit

fast allen Ansprüchen genügte, und benutzte diese Sammlung, um die

Raumverhältnisse aller Schriftarten genau zu berechnen[249]. Auf diese

Art entstand sein »typometrisches System«, über dessen praktischen Wert

sich allerdings nicht viel sagen lässt.

[249] A. AUER, Über das Raumverhältniss der Buchstaben. Wien 1848.

[Sidenote: Metternich und Auer.]

Danach machte er sich an die Ausarbeitung verschiedener Sprachlehren,

zunächst der französischen und italienischen Sprache, und indem er nach

gleicher Methode alle Sprachen der Erde darzustellen beabsichtigte,

keimte in ihm die Idee auf, einen Sprachen-Atlas zu entwerfen. Eine

solche Aufgabe zu lösen reichten aber die Kräfte eines einzigen Menschen

nicht aus. Es gelang ihm indes den zu jener Zeit in Österreich noch

allmächtigen Fürsten Metternich für seine Sache zu gewinnen.

Nach Verlauf von einem Monat überreichte ihm Auer in Wien einen Plan

zur Gründung eines Polygraphischen Instituts als Vorbereitung einer

»Zentral-Verlagsstätte Deutschlands in Wien«. Während dieser Plan die

verschiedenen Staatsbehörden durchwanderte, bereiste Auer 1839 England,

Frankreich und die Schweiz, um die typographischen Anstalten des

Auslandes kennen zu lernen, fand jedoch nirgends ein Institut, wie es

seiner Phantasie vorschwebte.

Im Jahre 1841 wurde nun Auer zum Leiter der Staatsdruckerei

ernannt. Mit jugendlicher Kraft ging er an sein reformatorisches

Werk zur Verwirklichung seiner Lieblingsidee. Vorerst mussten die

Personalverhältnisse und der Geschäftsgang der Anstalt geregelt

werden; die alten Schriften wurden eingeschmolzen und andere nach

dem neuen typometrischen System gegossen, veraltete Pressen durch

zweckmässigere ersetzt. Dann wurde eine Stempelschneide-Anstalt

eingerichtet, fremde Schriften geschnitten, Matrizen geschlagen und

Lettern gegossen, und um der Staatsdruckerei in der That den Charakter

einer polygraphischen Anstalt zu geben, wurden in ihr Offizinen für

Lithographie, Stereotypengiesserei, Kupferdruck, Galvanoplastik,

Photographie, Chemitypie und später für Naturselbstdruck errichtet.

Die Anstalt selbst wurde mit einer Dampfmaschine zur Bewegung der

Schnellpressen und zur Heizung sämtlicher Lokale, mit Gasbeleuchtung

und mit anderen Verbesserungen der Neuzeit versehen. Ferner gründete

Auer unter dem Personal eine Kranken- und Unterstützungskasse, ordnete

das Lehrlingswesen und führte einen Unterricht für die Zöglinge in

den Abendstunden ein, so dass diese Technik, Sprachen (Lateinisch,

Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Sanskrit, Persisch),

Geographie, Geschichte, Stil u. s. w. unentgeltlich lernen konnten.

Schnell mehrten sich die Arbeiten der neuorganisierten Anstalt. 1860

beschäftigte sie schon über 1000 Arbeiter und besass 48 Schnellpressen,

50 Handpressen, 30 lithographische, 24 Kupferdruckpressen, 21000

Stahlstempel, 80000 Matrizen, 6000 Zentner Lettern. Die Ausstellungen

von London und Paris[250] verbreiteten den Ruhm der Anstalt, welche der

höchsten Auszeichnungen teilhaftig wurde. Aber auch Auer ging nicht leer

aus. Er wurde in den Adelsstand als Ritter Auer von Welsbach erhoben

und 24 Orden zeugen dafür, dass er die Kunst, sich Anerkennung zu

verschaffen, nicht übel verstanden hat.

[250] A. AUER, Geschichte und Beschreibung der K. K. Hof- und

Staatsdruckerei. 1851. -- Der polygraphische Apparat, 1851. --

Album der K. K. Hof- und Staatsdruckerei. 1853. -- Die K. K.

Hof- und Staatsdruckerei auf der Pariser Ausstellung. 1855.

[Sidenote: Die Erfindungen Auers.]

Mit seinen vielbesprochenen Erfindungen, die öfters, und wohl nicht mit

Unrecht, ihm nicht für voll angerechnet wurden, hatte er in der Praxis

kein rechtes Glück. Diejenige, die am meisten von sich reden machte,

war der Naturselbstdruck (Auto-Typographie). Dieser bestand darin,

von einer Pflanze, einem Gewebe u. dgl. nach dem Einlegen zwischen

einer Stahlplatte und einer anderen von weichem Metall durch eine

starke hydraulische Pressung eine vertiefte Druckplatte zu gewinnen,

die mittels Galvanisierung in eine Hochdruckplatte verwandelt werden

konnte. Ein grossartiges, von Konstantin v. Ettinghausen herausgegebenes

Werk, _Physiotypia plantarum_, wurde in Angriff genommen und auf

den Ausstellungen sehr bewundert[251]. Das Verfahren wurde durch

kaiserlichen Beschluss der Allgemeinheit preisgegeben, hat jedoch für

die Praxis keinen grossen Wert.

[251] A. AUER, Die Entdeckung des Naturselbstdruckes. 1853. --

K. V. ETTINGHAUSEN und A. POKORNY, Die wissenschaftliche

Anwendung des Naturselbstdruckes. Wien 1856.

[Sidenote: Die »Endlose«.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 40 / 47 段