zwei Rotationsmaschinen, zwei vierfachen und verschiedenen einfachen
Schnellpressen arbeitet. Dr. Hirth ist bekannt durch seine Bestrebungen
zur Erweckung des Sinnes für die Renaissance, worauf namentlich die
in seinem Verlag erscheinenden Werke: Formenschatz der Renaissance;
Butsch, Bücherornamente u. a. hinzielen. Nebenbei liefert die Offizin
hübsche Accidenzarbeiten und druckt die »Münchener Nachrichten« in
33000 Exemplaren. Noch weiter als Knorr & Hirth greift in seiner
Geschmacksrichtung in der Zeit zurück Dr. M. HUTTLER aus Augsburg,
welcher eine Filiale in München errichtet hat. Seinen Verlag von
Erbauungsbüchern druckt er in gothischer oder Schwabacher Schrift in
streng durchgeführter Imitation älterer Drucke.
[Sidenote: F. Straub.]
[Sidenote: J. G. Weiss.]
Die »Akademische Buchdruckerei« von F. STRAUB beschränkt sich
namentlich auf gelehrte Arbeiten und amtliche Drucke, ebenso die
Universitätsbuchdruckerei von J. G. WEISS.
[Sidenote: R. Oldenbourg.]
Unter den neueren Offizinen zeichnet sich die von R. OLDENBOURG (13
Schp.) sowohl durch ihre vortrefflichen Einrichtungen als durch
ihre Arbeiten aus. Im Jahre 1874 übernahm Oldenbourg von Pustet in
Regensburg den Zentral-Schulbücherverlag, ausserdem erscheinen bei ihm
sechs Zeitschriften; dagegen werden Accidenzarbeiten weniger gepflegt.
[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]
Zu erwähnen sind noch folgende Offizinen: C. WOLFF & SOHN (8 Schp.);
F. WILD (7 Schp.); J. DESCHLER (8 Schp.); E. HUBER (6 Schp.), dessen
Spezialität hebräische Bücher sind; W. WEIFENBACH, welcher feine
Accidenzarbeiten liefert. Die COTTAsche Buchhandlung verlegte die
Druckerei der »Allgemeinen Zeitung« nach München (1 Rotm. und 4 Schp.).
[Sidenote: Die Xylographie.]
[Sidenote: Kasp. Braun * 13. Aug. 1807, [+] 29. Oktb. 1877.]
[Sidenote: Fr. Schneider * 1815, [+] 9. April 1864.]
Unter den Münchener xylographischen Anstalten erwarb sich die von Braun
& Schneider einen weit verbreiteten Ruf. KASPAR BRAUN aus Aschaffenburg
hatte sich als Künstler in mehreren Techniken versucht; durch den
Anblick von Grandvilles Illustrationen zu Lafontaines Fabeln wurde
der Gedanke in ihm fest, den Holzschnitt in Deutschland zu dem alten
Ansehen zu bringen. Rasch führte er den Entschluss aus nach Paris zu
gehen, um sich, unter des trefflichen Brevière Anleitung, im Holzschnitt
auszubilden. Das beste Zeugnis für Braun dürfte es sein, dass Brevière
seinerseits später seinen Sohn in die Lehre zu Braun gab. Zuerst
gründete er mit V. DESSAUER eine xylographische Anstalt, dann vereinigte
er sich mit FRIEDRICH SCHNEIDER aus Leipzig zu einem ebenso innigen als
erfolgreichen Zusammenwirken. Die »Fliegende Blätter« behaupten sich
bis auf den heutigen Tag in der unveränderten Gunst des Publikums und
kaum wird eine ähnliche Sammlung von Gaben des köstlichen Humors sich
zusammenfinden, wie in den 2000 Nummern dieses Blattes, aus welchem
wieder die »Münchener Bilderbogen« entstanden. Brauns typische Figuren
als: Eisele und Beisele, Wühlhuber, Heulmeier sind jedem bekannt. Durch
Schneiders Tod erlitt Braun und sein Humor einen nicht zu verwindenden
Stoss. Sein 70. Geburtstag brachte ihm noch Ehren und Freude, dann
folgte er seinem vorausgegangenen Freunde.
In jüngster Zeit haben die grossen Verlagsunternehmungen von FRIEDR.
BRUCKMANN und TH. STROEFER einen bedeutenden Einfluss auf die Münchener
Xylographie geübt, einen besonderen Namen erwarben sich: HECHT, TH.
KNESING, J. WALLE u. a.
[Sidenote: Jubiläum.]
Als München am 28. Juni 1882 das 400jährige Jubiläum der Einführung
der Buchdruckerkunst feierte, hatte dasselbe 49 Buchdruckereien,
38 lithographische Anstalten mit 5 Rotationsmaschinen, 148
Schnellpressen und 229 Tret- und Handpressen. Zu Ehren des Einführers
der Buchdruckerkunst, HANS SCHAUER, dessen ersten Druck _mirabilia
urbis Romae_ man in dem Kloster Tegernsee aufgefunden hat, wurde eine
Denktafel an seinem Druckhause in der Rosenstrasse Nr. 10 angebracht.
Die älteste der noch existierenden Druckereien Münchens ist die aus dem
Jahre 1769 stammende F. S. HÜBSCHMANNsche.
[Sidenote: Die Lithographie.]
Dass die lithographische Kunst sich in München, der Wiege derselben
(S. 7), weiter entwickelte und in den dortigen reichen Sammlungen
Stoff zu Vervielfältigungen fand zu einer Zeit, wo die Lithographie
den Kunstsammlungen gegenüber fast die Stellung einnahm, wie jetzt die
Photographie, ist natürlich.
[Sidenote: Fr. Hanfstängl * 1. März 1804, [+] 18. April 1877.]
In beiden Kunstzweigen erwarb sich FRANZ HANFSTÄNGL grossen Ruhm. Er
war, als Sohn wenig bemittelter Bauern, in Tölz geboren. Obwohl für die
Laufbahn eines Malers bestimmt, machte der Zufall es, dass er sich der
Lithographie widmete. Gleich gewandt als Zeichner und als Lithograph,
etablierte er 1830 eine lithographische Anstalt, ging jedoch 1834 nach
Paris, um sich bei Lemercier noch mehr auszubilden. Schnell erwarb er
sich neben STRIXNER, PILOTY und BODMER einen Namen, besonders durch
seine genialen Portraitaufnahmen. Als die kgl. sächsische Regierung
den Plan gefasst hatte, die Meisterwerke der Dresdner Galerie durch
Steindruck zu veröffentlichen, ward Hanfstängl ausersehen, die
Ausführung zu übernehmen; ihm gefiel jedoch die Abhängigkeit nicht und
das Unternehmen geschah auf seine Kosten. Seine Wirksamkeit in Dresden
war an Ehren reich. Inzwischen hatte die Photographie Boden gewonnen.
Hanfstängl fühlte die Wichtigkeit der neuen Kunst sofort heraus und
warf sich mit aller Kraft auf dieselbe. Als es sich um Herausgabe der
bedeutendsten Bilder der alten Pinakothek handelte, blieb er unter 22
Konkurrenten Sieger, und lieferte eine Sammlung, die in ihrer Art ebenso
hervorragend ist wie die in Dresden veranstaltete.
[Sidenote: J. Albert.]
[Sidenote: Die Autotypie.]
Einen bedeutenden Namen erwarb sich gleichfalls JOS. ALBERT, besonders
durch seine Lichtdrucke (Albertotypie) und seine Photographien in
Farben. Als der eigentliche Erfinder des Lichtdruckes, der jedoch das
Verfahren nicht zuerst praktisch in Anwendung brachte, gilt J. B.
OBERNETTER. Die Arbeiten desselben stehen in hohem Ansehen, darunter
die Facsimile-Ausgabe der »Meister von 1440-1694«; die »Kunstschätze
aus dem bayrischen Nationalmuseum« u. s. w. Ein Portrait des Kaisers
wurde in einer Auflage von einer Million gedruckt. Auch JUL. ALLGEYER
und C. BOLHOEVENER zeichneten sich in ihrem photochemischen Verfahren
aus. In neuester Zeit erregte die Autotypie des Ingenieurs G. MEISENBACH
Aufsehen. Ein Mangel bei der Zinkhochätzung war die Notwendigkeit, eine
Vorlage in scharfen Linien oder mit lithographischem Korn versehen zu
haben; eine getuschte Zeichnung, sowie eine Aufnahme nach der Natur oder
einem Ölgemälde war nicht zu benutzen. Dem will die Autotypie abhelfen.
Die Aufnahme des Bildes für die Hochätzung findet durch ein System
von Linien statt, wodurch der notwendige Halt für die Reproduktion in
Zinkographie geschaffen wird.
[Sidenote: Fr. Bruckmann.]
Die berühmte Bruckmannsche Kunstanstalt, jetzt eine Aktiengesellschaft,
wurde 1865 gegründet. Im Jahre 1869 erwarb FRIEDR. BRUCKMANN das durch
Patent geschützte Woodbury-Verfahren; 1875 nahm er den Lichtdruck
auf; 1882 die Photogravüre, die sich namentlich zur Reproduktion von
Ölgemälden eignet[238]. Bruckmann lieferte eine grosse Anzahl Galerien
zu den vielen deutschen Dichtern und unter Zuhilfenahme der Xylographie
grossartige Prachtwerke, z. B. Krelings »Faust« und die »Geschichte der
Hohenzollern«, die zu den bedeutendsten Erzeugnissen der neuen Zeit
gehören.
[238] Ein sehr interessantes Probenbuch der Firma aus dem Jahre 1882
giebt eine Übersicht der vielen verschiedenen photographischen
Verfahren.
[Sidenote: Der Farbendruck.]
Die Chromolithographie wird in ziemlichem Umfange in München betrieben.
Bekannt sind die Anstalten von GEBR. OBPACHER, LEHMANN & WENTZEL,
W. FORNDRAN, F. GYPEN, TH. KÖNIG, MEY & WIDMAYER, sie arbeiten
hauptsächlich für das Papeteriegeschäft oder beschäftigen sich mit
der Herstellung religiöser Bilder. Als Kunstverleger sind thätig A.
ACKERMANN, F. FINSTERLIN, E. A. FLEISCHMANN, G. FRANZ, P. KAESER u. a.
[Sidenote: Nürnberg.]
NÜRNBERG erhielt in neuerer Zeit wieder eine erhöhte Bedeutung durch
das Germanische Museum und seine Kunstgewerbeschule, welche beide
direkt und indirekt, auch durch Ausstellungen, auf das graphische
Gewerbe fördernd wirken. Die Stadt ist auch der Sitz verschiedener
Fabrikationen, die mit den graphischen Gewerben in naher Verbindung
stehen, z. B. Bronce, Farbe, Zeichenmaterial. Auch die Zahl der
eigentlichen graphischen Anstalten ist noch eine bedeutende, namentlich
für den lithographischen sowie für den Kupfer- und Stahldruck. Die Zahl
der Buchdruckereien ist 26 mit 49 Schnellpressen, darunter G. B. J.
BIELING (5 Schp.), U. E. SEBALD (7 Schp.). Die älteste Druckerei ist
die von W. TÜMMEL, seit Ende des XVI. Jahrhunderts bestehend, welche
mit 2 Rotationsmaschinen den »Fränkischen Kurier« druckt. Unter den 46
lithographischen und Kupferdruck-Anstalten, welche mit 79 Schnellpressen
und gegen 300 Handpressen arbeiten, sind zu nennen: G. BRUNNER,
hauptsächlich Phantasieartikel liefernd (15 Schp., 24 Hdp.); KARL MAYER
für Farbendruck, Luxuspapier und Kupferdruck (5 Schp., 30 Hdp.); C. A.
POCHER (16 Schp., 35 Hdp.); C. SCHIMPF (5 Schp., 18 Hdp.); FRANZ SCHEMM;
H. SERZ & CO.; J. G. MARTIN (4 Schp., 22 Hdp.); E. NISLER (12 Schp., 14
Hdp.). Man sieht aus diesen Angaben, dass der Export Nürnbergs immer
noch ein bedeutender ist. In dem benachbarten FÜRTH arbeiten J. HESSE (5
Schp., 15 Hdp.) und G. LÖWENSOHN (5 Schp., 5 Hdp.).
[Sidenote: Regensburg. Fr. Pustet.]
[Sidenote: J. G. Manz.]
[Sidenote: Kempten.]
REGENSBURG ist berühmt durch die liturgischen Druck- und Verlagswerke
von FR. PUSTET (17 Schp.) und J. G. MANZ (9 Schp.). Einzelne mit
Aquarellen geschmückte Bände erreichen einen Preis von 1000 fl.
und mehr. Viele der Ausgaben sind mit vortrefflichen Miniaturen in
xylographischem Farbendruck von Knöfler in Wien geschmückt. Von den
Pustetschen Drucken seien erwähnt: das _Missale_ in Gross-Folio von
1863; das _Graduale_ in zwei mächtigen Folianten; die _musica sacra_
des Kanonikus C. Proske, 6 Bände in Quart; das _Missale Romanum_
mit Einfassungen und Illustrationen von Prof. Klein in Wien. Dass
neben dem wirklich Schönen auch mancher Flitterstaat vorkommt, lässt
sich bei Werken dieser Art kaum vermeiden. Manz wendet in seinem
Verlag mehr den Stahlstich an, hat ausserdem noch einen bedeutenden
katholisch-wissenschaftlichen Verlag. In KEMPTEN verfolgt JOS. KÖSEL
ebenfalls den liturgischen Verlag, ohne sich mit dem Regensburger messen
zu können. Dort wirkt auch TOB. DANNHEIMER.
[Sidenote: Augsburg.]
AUGSBURG wurde oft genannt als Druckort der »Allgemeinen Zeitung«.
Eine lange Reihe von Jahren war diese das einflussreichste Journal
Deutschlands, namentlich auf Grund der besonderen Freiheiten, welche
das Blatt in Österreich genoss, und ihrer intimen Beziehungen in
den höchsten Wiener Regionen. Berühmt waren ihre wissenschaftlichen
Beilagen, welche, dank den weitverzweigten litterarischen Verbindungen
der Firma Cotta, die vortrefflichsten Artikel in Bezug auf Kultur-,
Litteratur- und Kunstzustände enthielten. Von den 13 Druckereien
Augsburgs sind noch anzuführen J. P. HIMMER (7 Schp.) und GEBR. REICHEL
(7 Schp.). Des Dr. HUTTLER wurde bereits gedacht (S. 394). Dasselbe ist
der Fall mit der grossen Maschinenfabrik Augsburg (S. 313).
[Sidenote: Würzburg u. a. Städte.]
Von anderen Städten Bayerns sind zu erwähnen: WÜRZBURG mit der B.
STAHELschen (4 Schp.), der BONITAS-BAUERschen (5 Schp.) und THEINschen
Offizin (6 Schp.), sowie mit der Maschinenbauanstalt von KÖNIG & BAUER
im Kloster Oberzell; LANDSHUT mit der J. THOMANNschen Buchdruckerei
(6 Schp.); ANSBACH, wo C. BRÜGEL & SOHN (6 Schp.) drucken. Auf Grund
seiner vortrefflichen Accidenzarbeiten verdient J. B. DORN in KAUFBEUREN
genannt zu werden.
[Sidenote: Frankfurt a. M.]
[Sidenote: Accidenzdruckereien.]
Hatte FRANKFURT A. M. auch seine frühere Bedeutung als Emporium
des Buchhandels verloren, so behauptete es wenigstens, wie schon
früher erwähnt, seine Suprematie in der Stempelschneiderei und der
Schriftgiesserei, zeichnete sich daneben auch in der Verwendung der
verschiedenen graphischen Künste für den Accidenzdruck aus. Ganz
besonders traten hervor die Firmen C. NAUMANN (14 Schp., 23 Hdp.)
und B. DONDORF (9 Schp., 12 Hdp.), mit Bunt- und Congrevedruck,
pantographischen Arbeiten, Reliefdruck und dergleichen, sowohl jeder
für sich, als wenn sie zu einzelnen Zwecken zusammentraten. Bedeutendes
in technischer und quantitativer Hinsicht wurde von ihnen bei der
Anfertigung des italienischen und japanischen Papiergeldes geleistet,
bis auch diese Länder soweit fortgeschritten waren, dass sie ihren
»Bedarf« in diesem wichtigen Artikel selbst decken konnten.
[Sidenote: Verschiedene Druckanstalten.]
In neuester Zeit hat A. OSTERRIETH sein Geschäft zu einem, alle
graphischen Zweige umfassenden (18 Schp., 12 Hdp., 150 Arb.)
ausgebildet. ALBERT MAHLAU, Inhaber der Firma Mahlau & Waldschmidt,
wurde bereits (S. 364) erwähnt. Bedeutend ist die Steindruckerei E. G.
MAY SÖHNE (10 Schp., 12 Hdp.). Die C. KNATZsche Anstalt liefert in
Etiquetten und dergleichen mannigfach Gutes. K. KLIMSCH verbindet Buch-
und Steindruckerei (S. 319)[239].
[239] Klimsch' »Adressbuch der Buch- und Steindruckereien« ist eine
grosse Zahl von statistischen Einzelheiten zu verdanken. Das
Buch will für das Druckgewerbe das werden, was O. A. Schulz'
»Adressbuch« bereits lange für den Buchhandel ist. Da die
Angaben von den Buchdruckerei-Besitzern selbst herrühren, kann
der Herausgeber des Adressbuches nicht für die Richtigkeit jeder
Zahl verantwortlich gemacht werden; der auf die Zusammenstellung
verwendete Fleiss ist ein ausserordentlicher.
Auf dem Rossmarkte steht das Gutenberg-Monument (I, S. 36); hätten doch
im Leben Gutenberg, Fust und Schöffer so fest zu einander gestanden wie
hier auf dem Bildwerke des Freiherrn v. d. Launitz.
[Sidenote: Darmstadt.]
In DARMSTADT, das auch durch die Firmen JONGHAUS & VENATOR, F.
LANGE und W. LESKE für den Kunsthandel eine gewisse Bedeutung
hatte, drucken C. F. WINTER und L. C. WITTICH; in WIESBADEN die L.
SCHELLENBERGsche Hofbuchdruckerei; in CASSEL GEBR. GOTTHELFT und
die HOF- UND WAISENHAUSBUCHDRUCKEREI, je mit 5 Schnellpressen. In
letzterer Stadt liefert TH. FISCHER zu seiner _Palaeontographica_ (ein
Exemplar kostet über 2000 Mark) und anderen Werken tüchtige Abbildungen
in lithographischem Farbendruck. Noch sei das Städtchen ALLENDORF
A. D. WERRA genannt, mit der Offizin BODENHEIM & CO., die mit 10
Schnellpressen und 150 Arbeitern hauptsächlich Schreibhefte, Kapseln und
dergleichen liefert.
[Sidenote: Mainz.]
[Sidenote: Das Einweihungsfest des Monuments.]
Kein Jünger Gutenbergs hört den Namen MAINZ nennen ohne den Gedanken
an dessen frühere Herrlichkeit für die Buchdruckerkunst. Dass die
Erfindung in Mainz geschah, war in Zufälligkeiten begründet und für
die Entwickelung einer Kunst oder eines Gewerbes sind Verhältnisse
mitwirkend, die zu regeln und zu ändern nicht in der Macht des
Einzelnen liegt. Deshalb lässt sich, wenn das goldene Mainz nicht
eine Gutenbergsche Hochschule geworden, darüber mit den Mainzern
nicht rechten, wohl aber dürfte sie der Vorwurf treffen, dass sie
nicht beizeiten an die Gründung eines Gutenberg-Museums gedacht
und dass sie noch leichteren Kaufes, als die, allerdings sehr
ungünstigen, Verhältnisse es notwendig machten, ihre typographischen
Schätze dahingegeben haben, die jetzt hauptsächlich Zierden der
Nationalbibliothek in Paris sind. Trotzdem wird Mainz ein Wallfahrtsort
der Jünger Gutenbergs bleiben, um wenigstens das Standbild des Meisters
zu schauen, das seit dem 14. August 1837 den Gutenbergsplatz schmückt.
Die Einweihung desselben gestaltete sich zu einem glänzenden Feste. Ein
grossartiger Festzug von den aus allen Gauen Deutschlands, ja selbst
aus fremden Ländern zusammengeströmten Gästen begab sich erst nach dem
Dom, wo der Bischof einen feierlichen Gottesdienst abhielt und wo ein
_Te Deum_ von Sigm. Neukomm gesungen wurde. Von dort bewegte sich der
Zug nach dem Festplatze, wo der Vorsitzende des Gutenberg-Vereins die
Übergabe-Rede hielt, worauf die Enthüllung der Statue Thorwaldsens
vollzogen wurde. Am zweiten Tag ward ein Volksfest, auf dem Rhein ein
Fischerstechen, abends ein glänzender Fackelzug und im Schauspielhause
ein Ball abgehalten. Am dritten Festtage fand eine Versammlung der
Fachgenossen statt, um über die Säkularfeier zu beraten, deren Abhaltung
für den 24. Juni 1840 endgültig bestimmt wurde. Thorwaldsen ward
zum Ehrenbürger der Stadt erwählt und ihm ein kunstvolles Diplom in
silberner Decke übersandt[240].
[240] Teil I, S. 36 ist durch einen Schreibfehler der erste Festtag als
der 17. August statt 14. August angegeben.
[Sidenote: Offenbach a. M.]
[Sidenote: Mannheim.]
[Sidenote: Karlsruhe.]
[Sidenote: F. W. Hasper * 31. Juli 1796, [+] 21. Juni 1871.]
OFFENBACH A. M. hat eine Bedeutung in der Geschichte der Lithographie
durch die Verbindung Senefelders mit JOH. ANDRÉ, der die Erfindung
erwarb, um sie für die Herstellung seines Musikalienverlags nutzbar
zu machen. MANNHEIM hat 12 Buchdruckereien, darunter M. HAHN & CO.
(7 Schp.) und die MANNHEIMER VEREINSBUCHDRUCKEREI (5 Schp.). In dem
gegenüberliegenden LUDWIGSHAFEN befindet sich die BAURsche Buchdruckerei
(4 Schp.). In KARLSRUHE mit 17 Offizinen ist die grösste die CH. F.
MÜLLERsche Hofbuchdruckerei und lithographische Anstalt (8 Schp., 11
Hdp.). Tüchtiges liefern die G. BRAUNsche Hofbuchdruckerei und C. &
G. MACKLOT. Hier wirkte auch FRIEDR. WILHELM HASPER, bekannt durch
sein »Handbuch der Buchdruckerkunst« 1835, das jedoch nicht ganz
den gehegten Erwartungen entsprach. Karlsruhe hatte zu der Zeit, wo
die Stahlstich-Illustration florierte, eine ziemliche Anzahl von
Kunstinstituten aufzuweisen, als W. CREUZBAUER, F. GUTSCH, T. B. VEIT,
J. VELTEN. Obwohl Universitätsstadt hat HEIDELBERG keinen bedeutenden
Platz in der Geschichte der Buchdruckerkunst; A. EMMERLING & SOHN
beschäftigen 4 Schnellpressen.
[Sidenote: Freiburg i. Br.]
Nach erfolgter Einführung nahm die Buchdruckerkunst in FREIBURG einen
ziemlichen Aufschwung, verfiel jedoch unter der österreichischen
Zensur und Jesuitenherrschaft. Erst mit Maria Theresia und Joseph II.
begannen freundlichere Tage für die Presse. 1840 zählte Freiburg 7
Buchdruckereien und 6 Kupfer- und Steindruckereien. Besondere Bedeutung
hat die HERDERsche, 1801 gegründete Anstalt. HERDER war der erste,
der einen Bilderatlas zu dem Konversations-Lexikon, unter der Leitung
des Geographen Heck, versuchte. Seine geographischen Verlagsartikel,
namentlich die grossen Arbeiten Wörls; Kausslers »Schlachtenatlas«; J.
Löwenbergs »Historisch-geographischer Atlas« sind von Wichtigkeit. Auch
Rottecks Weltgeschichte, die seinerzeit eine sehr grosse Verbreitung
fand, erschien bei Herder, der ausserdem den katholischen Verlag sehr
pflegte.
In LAHR hatte seit 1800 J. H. GEIGER, jetzt M. SCHAUENBURG, ein
umfangreiches Etablissement (19 Schp., 11 Hdp., 150 Arb.). Allgemein
bekannt ist der »Lahrer hinkende Bote«.
[Sidenote: Elsass-Lothringen.]
[Sidenote: Ad. Braun.]
METZ besitzt neun Buchdruckereien und sieben lithographische Anstalten;
die bedeutendste Offizin (5 Schp.) ist die nach dem Kriege von GEBR.
LANG begründete. In MÜLHAUSEN arbeiteten für die dortigen Fabriken
sieben Buchdruckereien und zwölf lithographische Anstalten, darunter W.
BAADER & CO. (6 Schp., 12 Hdp.). Das Strassburg gegenüber liegende KEHL
war für eine kurze Zeit bekannt durch die BEAUMARCHAISsche Druckerei
(S. 184). Weltberühmt ist die von AD. BRAUN 1858 in DORNACH gegründete
photographische Anstalt. Braun begann seine Laufbahn als Musterzeichner
in einer Kattundruckerei. Berühmt wurden seine Schweizer Landschaften;
auch liess er später ganz Mitteleuropa bereisen, um Aufnahmen zu
machen, welche 1862 bereits die Zahl 15000 erreicht hatten. Seit 1866
trieb er den Pigmentdruck im grossen Stil. Sämtliche Museen Europas
wurden bereist und eine grosse Zahl der berühmtesten Handzeichnungen
grosser Meister als treue Facsimiles reproduziert, ebenso die
interessantesten Gemälde fast aller Galerien. Die Anstalt, welche in
eine Aktiengesellschaft umgestaltet wurde, besass bei Brauns Tod 1877
mehr als 60000 Negativplatten. In COLMAR besteht noch das von Decker
gegründete Geschäft unter der Firma C. DECKER WITWE (S. 358).
[Sidenote: Strassburg.]
Mit hoher Befriedigung wird jeder Deutsche in STRASSBURG, der »ersten
Wiege« der Druckkunst, welche _injuria temporum_ Deutschland, wie es
fast den Anschein hatte für immer, verloren gegangen war, einkehren,
da er jetzt nicht nötig hat, deshalb die Grenzen des Reichs zu
überschreiten. Wird auch der Politiker und Kriegsführer Metz mit
derselben Freude als deutsch begrüssen, das Herz des Volkes und der
Fachgenossen besonders hängt doch mehr an Strassburg.
[Sidenote: Gutenbergdenkmal.]
Mag das Denkmal Gutenbergs (I, S. 36) von Franzosen errichtet sein,
mag das Buch, welches der Meister in der Hand hält, immerhin die
französische Inschrift _Et la lumière fût_ tragen, hoffentlich wird nie
der, in einem Augenblicke hoher Aufregung ausgesprochene, Gedanke, das
Monument, oder wenigstens die Inschrift, zu entfernen, wieder entstehen.
Ist doch die Huldigung, dem deutschen Manne von einem grossen Volke
dargebracht, keine Schande für ihn, der für alle Völker segensreich
gewirkt hat, wie es auch das Relief des Denkmals versinnlicht, wo sich
Repräsentanten aller Völker sammeln, um dem Meister enthusiastische
Huldigung darzubringen. Das Denkmal steht, wo es hingehört, auf
deutschem Grund und Boden, da mag es mit französischer Aufschrift stehen.
[Sidenote: Strassburg unter Frankreich.]
Mit dem Übergang Strassburgs in die Hände der Franzosen erlosch nach
und nach das frische deutsche Kultur- und Kunstleben, das nicht
durch eine französische Akademie ersetzt werden konnte. Doch hatte
Strassburg in der Geschichte der graphischen Künste gute Namen zu
verzeichnen: BERGER-LEVRAULT (S. 187), TREUTTEL & WÜRTZ (S. 186),
GUSTAV SILBERMANN (S. 205), zu denen ENGELMANN Vater und Sohn
aus Mülhausen sich gesellen (S. 206). Jetzt zählt Strassburg 15
Buchdruckereien und 16 lithographische Anstalten mit 64 Schnellpressen
und 98 Tret- und Handpressen. Die hervorragendste Druckanstalt
bleibt die wennauch geteilte Offizin Berger-Levrault (S. 186), jetzt
eine Kommanditgesellschaft unter der Firma R. SCHULTZ & CO. mit
22 Schnellpressen, 18 Handpressen und 250 Arbeitern. Die berühmte
Silbermannsche Anstalt ging erst auf M. Schauenburg in Lahr, dann auf
Silbermanns früheren Geschäftsführer R. FISCHBACH über (9 Schp., 7
Hdp.), ausserdem ist die Universitätsbuchdruckerei von J. H. E. HEITZ (4
Schp.) zu nennen.
[Sidenote: J. D. Schöpflin * 8. Sept. 1694, [+] 6. Aug. 1771.]
[Sidenote: Die Bibliothek.]