[Sidenote: Allgem. Zeitung.]

Bekannt ist Cotta namentlich durch sein intimes Verhältnis zu Goethe und

Schiller, ein Verhältnis so schön, wie es zwischen Autor und Verleger

nur gedacht werden kann. Cotta hatte den Plan zu einer deutschen Zeitung

gefasst, die von Schiller redigiert werden sollte, jedoch Goethes

Pläne führten zur Herausgabe der Horen (1795). Nun verständigte sich

Cotta mit Dr. Posselt über die Herausgabe der »Allgemeinen Weltkunde«,

aus der dann die »Allgemeine Zeitung« entstand. Posselt erkannte

jedoch selbst, dass er sich zur Herausgabe einer Tageszeitung nicht

eigne. Nach mehrmaligem Redactionswechsel wurde die Zeitung 1798 nach

Augsburg verlegt und ging nunmehr gewöhnlich unter der Bezeichnung »die

Augsburgerin«.

[Sidenote: Übersiedelung nach Stuttgart.]

Cotta siedelte 1810 nach Stuttgart über; der alte Adel wurde wieder

aufgenommen und Cotta Freiherr von Cottendorf.

[Sidenote: Thätigkeit Cottas.]

Es gelang Cottas Thätigkeit, Umsicht und Liberalität, nach und nach

alle deutschen Dichter von Bedeutung und viele andere hervorragende

Schriftsteller an seinen Verlag zu fesseln. Für ein aufkommendes

Talent wog der Umstand, sein Werk im Cottaschen Verlag erscheinen zu

sehen, mehr als alle sonstigen Empfehlungen. Bezeichnend für Cotta und

seine Handlungsweise sind seine Worte an Schiller: »Ich wünsche, Sie

bestimmten das Honorar für die Sammlung Ihrer theatralischen Schriften.

Sie werden dabei finden, dass Sie es mit einem Manne zu thun haben, der

neben der Überzeugung, dass bei Schriftstellern, wie Sie, das Honorar

nie ein Äquivalent für die Arbeit sein könne, und dass mithin ein Akkord

nie die Verbindlichkeiten des Buchhändlers in einem solchen Falle

erschöpfe, sobald der Erfolg ihm noch mehr zu thun erlaubt, auch Ihre

Freundschaft zu schätzen weiss«.

[Sidenote: Münchener Unternehmungen.]

Im Jahre 1815 ging Cotta im Auftrag mehrerer der geachtetsten

Buchhändler Deutschlands nach Wien, um bei dem Kongress die Interessen

des Buchhandels zu wahren. Eine seiner erfolgreichen Unternehmungen

aus damaliger Zeit war Dinglers »Polytechnisches Journal«. Von seiner

Liebe zur Kunst geleitet gründete er in München eine grossartige Anstalt

für Kupferstecherei und Lithographie, verbunden mit einer Kunst- und

Landkarten-Handlung. Dort erfolgte nun die Herausgabe vieler grösserer

die Kunst fördernder Werke: Gaus' Prachtwerk über »Nubien«; Platners

topographisches Werk über »Rom«, das jedoch nicht zur Vollendung

gelangte; Bröndsteds »Reise in Griechenland«; die Werke von Moritz

Retzsch, Eugen Neureuther, Weitbrecht u. a.

Johann Friedrich starb am 29. Dezember 1832. Seine Thätigkeit im Dienste

des Vaterlandes und seine Vorzüge als Landwirt gehen über den Rahmen

dieses Handbuches hinaus.

[Sidenote: G. v. Cotta * 19. Juli 1796, [+] 1. Febr. 1863.]

Sein Sohn GEORG VON COTTA fand ein zwar hochberühmtes, aber auch auf

Grund der Vielseitigkeit der Unternehmungen stark belastetes Geschäft

vor. Es gelang ihm aber durch seine grosse Energie, alle Schwierigkeiten

zu beseitigen, dabei doch vollständig im Geiste des Vaters fortwirkend.

Im Jahre 1839 erwarb er das Göschensche Geschäft in Leipzig, wodurch

er so ziemlich der Alleinverleger der deutschen Klassiker wurde. Im

Jahre 1845 kaufte er noch die Vogelsche Verlagshandlung in München und

brachte die litterarisch-artistische Anstalt dort in lebhaften Schwung.

Er veranstaltete zahlreiche neue Ausgaben der Klassiker. Gegen die

Autoren war er äusserst liberal, weniger gegen den Sortimentshandel,

auch wurde nicht immer die nötige Sorgfalt auf die Korrektheit und

gute Ausstattung der Ausgaben verwendet. Unter den von ihm ins Leben

gerufenen Zeitschriften hat die »Deutsche Vierteljahrsschrift« besondere

Bedeutung.

Cotta war, der politischen Gesinnung nach, ein ausgeprägter

Grossdeutscher und in diesem Sinne wurde auch die »Augsburger

Allgemeine« geleitet, bis die Ereignisse auch dieser einen anderen

Stempel aufdrückten (S. 398). Im Jahre 1882 siedelte die Zeitung nach

München über.

[Sidenote: Änderungen im Geschäft.]

Mit dem Tode Georg Cottas 1863 ging das Geschäft in den

gemeinschaftlichen Besitz der Familie über. Die Firma Cotta war

selbstverständlich diejenige, welche die grösste Einbusse durch den

Bundesbeschluss: vom 6. November 1867 ab alle Privilegien zu gunsten des

Schutzes der Schriften einzelner Autoren nicht zu erneuern, erlitt. Im

Jahre 1869 wurde die Literar.-Artistische Anstalt in München verkauft.

1879 übergaben Cottas ihre Buchdruckerei für zehn Jahre in Pacht an

Gebrüder Kröner. So ganz ausserordentlich gross die Verdienste der

Firma um die Litteratur sind, so lässt es sich nicht leugnen, dass

die Typographie nicht in derselben Weise von ihr begünstigt wurde.

Erst in späterer Zeit schloss sich die Cottasche Druckerei den

besten Deutschlands an und lieferte Prachtwerke von Bedeutung, z. B.

Goethes Faust, illustriert von G. Seibertz; Reineke Fuchs in Goethes

Übersetzung, illustriert von W. v. Kaulbach; Herders Cid, illustriert

von E. Neureuther; die Jubelausgabe von Schillers Gedichten u. a.

Ihre früheren, selbst die Prachtausgaben der deutschen Klassiker leiden

an wesentlichen Mängeln. So sehr auch ihre sogenannten Schillerausgaben

zur weitesten Verbreitung der besten Werke noch vor Ablauf der diesen

gewährten Schutzfrist beigetragen haben, so wenig dienten sie, den

Geschmack für hübsche Buchausstattung zu wecken. Dagegen muss in die

Wagschale gelegt werden, dass nie ein Buch aus ihren Pressen hervorging,

bei welchem die Spekulation über die Ehre der Litteratur ging.

[Sidenote: J. B. Metzler.]

Eine alte ehrenwerte Firma Stuttgarts ist die 1681 gegründete J. B.

METZLERsche, die, was ein seltener Fall ist, sich in letzter Zeit

vollständig verjüngt hat und kühn den Kampf mit den jungen frisch

aufblühenden Firmen aufnehmen konnte. Im Jahre 1876 trennten sich die

Besitzer AD. BONZ und L. WERLITZ. Letzterer setzte das Stammgeschäft

fort, welches 1881 sein zweihundertjähriges Jubelfest feiern konnte.

[Sidenote: A. Bonz * 1824, [+] 1878.]

ADOLF BONZ ist als der eigentliche Stifter des Deutschen

Buchdrucker-Vereins zu betrachten. Schon jahrelang vor dem Entstehen

desselben hatte er für das Zustandekommen gewirkt. Seine grosse

geschäftliche Erfahrung, sein reiches positives Wissen als studierter

Mann und Jurist, verbunden mit einer grossen Klarheit und einer

unerschütterlichen Ruhe, befähigten ihn ganz besonders zur Leitung

grösserer Versammlungen, und er hatte gute Gelegenheit, dieses Talent

bei zwei der schwierigsten Verhandlungen in dem Vereinsleben, dem

Eisenacher Buchdruckertage am 10. März 1872 und der ausserordentlichen

Generalversammlung zur Statuten-Revision in Frankfurt am Main am 14.

und 15. September 1874, zu bewähren. Er war bei dem schweren Kampfe,

um Stuttgart dem Vereine treu zu erhalten, stets das vermittelnde und

versöhnende Prinzip[233].

[233] Annalen d. Typ. 1872, Nr. 172, und 1874, Nr. 273. 274.

Für den Aufschwung der Metzlerschen Buchdruckerei interessierte er

sich lebhaft und es entstanden unter seiner Leitung mehrere schöne

Illustrationswerke, als Scheffels »Trompeter von Säkkingen«; Scheffels

»Bergpsalmen« sowie dessen »Gaudeamus« und »Juniperus«. Die nach

dem Tode von A. Bonz entstandene neue Firma A. BONZ ERBEN strebt in

ähnlicher Richtung und gehört zu denen, die allen ihren Druckwerken

grosse Sorgfalt widmen und diese auf die ganze Einrichtung und die

Behandlung des Formats ausdehnen.

[Sidenote: Gebr. Kröner.]

Eine ebenfalls auf eine lange Vergangenheit zurückschauende

Buchdruckerfirma ist die der GEBRÜDER MÄNTLER, jetzt GEBRÜDER KRÖNER.

Durch ihre Illustrationsdrucke glänzt diese Firma als ein Stern

erster Grösse, und kein Jahr vergeht, in welchem nicht Prachtwerke

von Bedeutung, teils dem eigenen Verlage zugehörend, teils für fremde

Rechnung gedruckt, ihre Pressen verlassen. Es seien darunter einige

aus dem eigenen Verlage Kröners genannt: »Unser Vaterland« in den

verschiedenen Abteilungen: das bayrische Gebirge, Tirol, Steiermark,

Nord- und Ostsee, Rheinfahrt; Jägers Wanderungen durch die Tierwelt.

Eines der weniger bekannten und umfangreichen, »Hugdietrichs

Brautfahrt«, dürfte in konsequenter und korrekter Durchführung als eine

typographische Musterleistung bezeichnet werden.

Im Jahre 1879 nahmen Kröners die Cottasche Offizin mit 27 Schnellpressen

auf zehn Jahre in Pacht. Nachdem die ehemalige Mäntlersche Buchdruckerei

in das Cottasche Lokal übergesiedelt war, bietet sich das für den

Typographen interessante Schauspiel zweier, nach verschiedenen Systemen

eingerichteter und vollständig getrennt in einem Raum arbeitender

Druckereien; doch wird wohl auch die Zeit kommen, wo diese beiden

Druckereien wie die Preussische Staatsdruckerei und die Geheime

Oberhofbuchdruckerei v. Deckers in eine »zusammengeschmolzen« werden.

[Sidenote: Beginn des illustrierten Druckes.]

[Sidenote: F. G. Franckh.]

Doch die genannten Firmen sind nur einige der Anstalten, die dazu

beigetragen haben, Stuttgarts Ruhm als Verlags- und Druckort

zu begründen. Derselbe datiert von dem Ende der dreissiger und

dem Beginn der vierziger Jahre. Als in Paris um diese Zeit die

illustrierten Unternehmungen sich geradezu überstürzten, erwachte

auch der Unternehmungsgeist in Stuttgart und die rührigen Verleger

und Drucker dort fanden, ganz im Gegensatz zu den Verhältnissen in

Leipzig, bereitwillige Unterstützung bei den dortigen Geldmännern.

Unter denjenigen, welche die Mittel in Bewegung zu setzen wussten,

stand obenan F. G. FRANCKH. Unter der Firma »Verlag der Klassiker« in

Pforzheim, der 1839 in den Besitz von DENNIG, FINCK & CO. überging und

nach Stuttgart übersiedelte, erschien eine Reihe von Unternehmungen, die

hauptsächlich mit französischen Clichés illustriert wurden. Doch wagte

man sich bald daran, Eigenes zu produzieren. So waren die Illustrationen

zu »1001 Nacht« deutsche Originale, dienten jedoch zur Ausschmückung

einer französischen Ausgabe. J. SCHEIBLE brachte ein kleines

»Universum«, C. KRABBE die Übersetzung von Swifts »Gullivers Reisen« u.

s. w.

[Sidenote: Ed. Hallberger * 22. März 1822, [+] 29. Aug. 1880.]

Derjenige, welcher die grössten und andauerndsten Erfolge in dieser

Stuttgart charakterisierenden Richtung erringen sollte, war EDUARD

HALLBERGER, eine der bedeutendsten Erscheinungen des modernen

Buchhandels und der neuen Typographie.

[Sidenote: »Über Land und Meer.«]

Hallberger trat zuerst in das väterliche Geschäft, gründete jedoch

1848 eine eigene Firma und übernahm 1850 die mit drei Schnellpressen

arbeitende Buchdruckerei des Vaters. 1853 gründete er die Zeitschrift

»Illustrierte Welt«; 1858 fasste er den Plan zu einem grossen

illustrierten Unterhaltungsblatt »Über Land und Meer«[234]. Hackländers

Name als Redacteur war ein tüchtiges Zugmittel; 1862 wagte Hallberger

den Sprung von acht Thalern auf vier Thaler Abonnementspreis und hiermit

war sein Erfolg entschieden. Holzschnitte und Zeichnungen sind durchweg

vortrefflich und haben einen grossen Einfluss auf die Xylographie in

Stuttgart geübt.

[234] Die Nummer 1000 von »Über Land und Meer« ist Nr. 12 des

Jahrg. 1878.

[Sidenote: Dorés Bibel.]

[Sidenote: »Ebers' Ägypten«.]

[Sidenote: »Palästina«.]

Unter den Druckwerken Hallbergers nimmt die Heilige Schrift, illustriert

von Gustav Doré, in zwei Ausgaben, für Lutheraner und Katholiken, einen

hohen Platz ein. Sein Meisterstück ist jedoch »Ägypten in Wort und

Bild« mit mehr als 700 Illustrationen und mit Text von Georg Ebers.

Alles ist hier deutschen Ursprungs und bildet ein hervorragendes

Monument der graphischen Künste Deutschlands im XIX. Jahrhundert. Würdig

schliesst sich an dieses an, wenn es dasselbe auch nicht ganz erreicht:

»Palästina«, zu welchem Werk England einen Teil des künstlerischen

Schmuckes lieferte. Auch die grossen Ausgaben von Shakespeare, Goethe

und Schiller zusammen mit gegen 2400 Holzschnitt-Illustrationen sind

bedeutende Erscheinungen, die von vielen geringeren Umfanges gefolgt

wurden. Ein wichtiges Werk sind die »Klassiker der Musik«, herausgegeben

von J. Moscheles. Der Romanverlag, dessen Perlen die ägyptischen Romane

von G. Ebers sind, ist daneben ein sehr ausgedehnter.

[Sidenote: Hallbergers Offizin.]

Hallbergers Druckerei kann als eine Musteranstalt betrachtet

werden. Früher wurden seine illustrierten Blätter auf Alauzetschen

Komplettmaschinen vorzüglich gedruckt, jetzt verrichten drei

Rotationsmaschinen der Augsburger Fabrik die Arbeit und Hallberger

selbst hat wesentlichen Anteil an der glücklichen Durchführung

der Aufgabe dieser Maschinen; ausserdem sind 27 Schnellpressen in

Thätigkeit. Die Zahl der Arbeiter war etwa 400, dazu beschäftigt

die Buchbinderei jetzt 24 Maschinen und etwa 400 Personen; grosse

Papierfabriken gehören der Anstalt.

Allgemein betrauert starb Hallberger auf seinem schönen Landsitz Tutzing

am Starnberger See[235]. Er besass eine grosse und ideal angelegte

Natur, die sich in seinen Unternehmungen ausprägt, weshalb diese auch

sympathisch wirken. Dasselbe gilt auch von seinen Bestrebungen zur

Gründung einer allgemeinen deutschen Pensions- und Invalidenkasse für

Typographen, die vielleicht von Hallbergers Seite zu viel Idealismus

enthielten und an dem zu wenig dieser Eigenschaft bei seinen Kollegen

strandeten. Für seine eigenen Arbeiter hat er in mehrfacher Hinsicht

vortrefflich gesorgt. In seinen Arbeiten wurde er treu von seinem Bruder

KARL HALLBERGER unterstützt.

[235] Biographische Skizzen lieferte Paul Lindau in der »Gegenwart«,

Theod. Göbel in dem »Journ. f. Buchdrk.«, 1880, Nr. 36.

Aus dem Geschäft wurde eine Aktiengesellschaft DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT

unter Karl Hallbergers Direktion. Eine Expedition in Leipzig war bereits

1871 gegründet.

[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]

Eine umfangreiche Druckanstalt ist die von H. SCHÖNLEIN (24 Schp.), in

welcher dessen weit verbreitete illustrierte Blätter gedruckt werden.

Von Druckereien seien noch erwähnt: GREINER & PFEIFFER, die (mit 14

Schp.) namentlich Accidenzien und illustrierte Werke drucken. Die von

Gehülfen gegründete VEREINSDRUCKEREI liefert sehr gute Accidenz-,

besonders Farbendrucke. J. F. STEINKOPF druckt vorwiegend die religiösen

Werke seines Verlags; C. GRÜNINGER ist der einzige Buchdrucker

Stuttgarts, der sich auf orientalische Druckarbeiten legt und namentlich

russische Bücher liefert. C. HOFFMANN druckt mit 7 Schnellpressen

hauptsächlich die Verlagsartikel von K. THIENEMANN.

[Sidenote: Xylographie.]

Die Stuttgarter Xylographie hat begreiflicher Weise eine hohe Bedeutung.

Die Anstalt von A. CLOSS ist eine so vorzügliche, wie wenige, und ist

fast ausnahmslos in jedem Stuttgarter Prachtdrucke vertreten. Die

Stuttgarter Holzschnitte verbinden so sehr französische Eleganz mit den

deutschen Vorzügen, dass vor dem Kriege viele Holzschnitte nach Paris

geliefert wurden.

[Sidenote: Lichtdruck.]

Ausser der Xylographie hat auch der Lichtdruck eine grosse Verbreitung.

Die Anstalt von MARTIN ROMMEL & CO. liefert vortreffliches und finden

ihre Erzeugnisse namentlich ihren Platz in den Prachtwerken von Paul

Neff. Auch in der Chromolithographie hat Stuttgart Tüchtiges aufzuweisen

durch die Anstalten von EMIL HOCHDANZ, MAX SEEGER, GUSTAV WEISE. Die

Leistungen finden hauptsächlich Verwendung in den Jugendschriften von W.

NITZSCHKE, SCHMIDT & SPRING, LEVY & MÜLLER, F. LOEWE, K. THIENEMANN und

GUSTAV WEISE. Eine Spezialität des letzteren sind die, in grossen Massen

verbreiteten »Bilder für Jung und Alt«. K. Thienemann lieferte auch eine

Reihe naturwissenschaftlicher illustrierter Werke.

[Sidenote: Schriftgiesserei.]

Die SCHRIFTGIESSEREI hat erst in neuester Zeit begonnen, einen

Aufschwung in Stuttgart zu nehmen (S. 290). Der Verlagsrichtung gemäss

findet vorzugsweise die Produktion zu dekorativen Zwecken Beachtung und

ist in dieser Richtung namentlich OTTO WEISERT thätig. Im Jahre 1882

siedelte der bekannte Schriftschneider BAUER SEN. von Frankfurt nach

Stuttgart über. Als Farbenfabrikanten sind KAST & EHINGER von Bedeutung,

namentlich in bunten Farben.

[Sidenote: Kunststellung Stuttgarts.]

»Das eigenste, was Stuttgart besitzt, gehört nicht der schaffenden

idealen Kunst, sondern der schmückenden, dekorierenden, vorab dem

Kunstgewerbe. Wer die Kunst beobachten will, der begebe sich vor

allem in die Werkstätte der Holzschneider, Lithographen, Zeichner,

Buchbinder, der Holz- und Metallarbeiter, der Bauhandwerker. Die

schwäbisch-industrielle Regsamkeit hat sich da mit einem Geschmack

verbunden, der in Stuttgart, als einer Hauptstadt der deutschen

Litteratur und des Buchhandels, von den verschiedensten Seiten angeregt

wurde. Hierbei ist der unmittelbare Einfluss der Bücher-Illustration auf

die Stuttgarter Kunstgewerbe durchaus nicht zu unterschätzen[236].«

[236] RIEHL, Deutsche Kunststädte. Augsb. Allg. Ztg. 1870.

[Sidenote: Stuttgarter Verleger.]

Unter den Werken, die einen ganz wesentlichen Einfluss in der

angedeuteten Richtung geübt haben, steht obenan die »Gewerbehalle«

von J. ENGELHORN. Die ersten Künstler und die besten Schriftsteller

unterstützen diese, 1863 begonnene Zeitschrift. Ausser der stark

verbreiteten deutschen Ausgabe existieren Ausgaben in Amerika, England,

Italien, Frankreich, Böhmen, Spanien und Holland. Die »Gewerbehalle«

kann demnach als ein Weltblatt bezeichnet werden.

Ausserdem liess Engelhorn eine Anzahl der vorzüglichsten illustrierten

Werke erscheinen: »Italien« mit etwa 400 Illustrationen, das

»Schweizerland« von Kaden mit 450 Illustrationen, die »Kunstschätze

Italiens« von Karl v. Lützow, »Unser Jahrhundert« von Otto von Leixner.

EBNER & SEUBERT gaben eine Reihe von wertvollen, prachtvoll geschmückten

Werken über Kunst von Lübke, Burckhardt, Weiss, Schnaase, Kugler heraus.

C. WITWER wendete seine Thätigkeit den Werken der Architektur zu.

PAUL NEFF benutzt für seinen grossartigen Verlag vorzugsweise den

Lichtdruck als Illustrationsmittel. Obenan stehen »Die goldene Bibel«

und die »Klassiker der Malerei«. Sowohl hinsichtlich der Ausdehnung als

was Ausführung betrifft, höchst bedeutende Werke sind: Ludw. Weisers

»Bilderatlas zur Weltgeschichte«, welcher auf 146 Grossfolio-Tafeln

über 5000 Darstellungen bringt; die »Denkmäler der Kunst« mit gegen

200 Tafeln in Stahlstich; M. v. Schwinds »Die schöne Melusine« und

»Die sieben Raben«; A. Racinets »Das polychrome Ornament«, 100 Tafeln

in Gold- und Farbendruck; »Die Kunst für alle« von Gutekunst: das sind

einige der Publikationen von Neff; alle anzuführen würde zu weit gehen.

[Sidenote: W. Spemann.]

Eine der jüngsten und jetzt bereits eine der umfangreichsten

Verlagshandlungen ist die, 1873 von W. SPEMANN gegründete. Grossen

Erfolg hatte Johannes Scherrs »Germania«; Jakob von Falkes »Hellas

und Rom«; Bruno Buchers »Geschichte der technischen Künste«; die

illustrierten Werke von Friedrich v. Hellwald u. a. Die »Kollektion

Spemann« eröffnete den Reigen der Mark-Kollektionen und in Kürschners

»Deutscher National-Litteratur« unterbot der Verleger sich selbst durch

Lieferungen zu 50 Pf. Die Monatsschrift »Vom Fels zum Meer« hat eine

sehr bedeutende Verbreitung. Um das typographische Publikum machte

sich Spemann verdient durch die Herausgabe des epochemachenden Werkes

»Gutenberg« von Dr. A. v. d. Linde in Wiesbaden.

Die übrigen Verleger Stuttgarts, die weniger Einfluss auf die

graphischen Gewerbe übten, müssen hier unerwähnt bleiben.

[Sidenote: Tübingen.]

TÜBINGEN verlor sehr an Bedeutung durch Übersiedelung Cottas nach

Stuttgart. In ESSLINGEN liefert J. F. SCHREIBER (6 Schp., 8 Hdp.)

Bilderbücher und Vorlagen. In ULM druckt J. EBNER (9 Schp.).

[Sidenote: Reutlingen und der Nachdruck.]

Einen üblen Ruf erwarb sich REUTLINGEN als hauptsächlichster Sitz der

grössten Nachdruckfirmen: Mäcken, Ensslin und Fleischhauer, welche ihr

böses Handwerk natürlich nur im »Interesse der Litteratur« mit aller

Kraft betrieben und schliesslich gar als Wohlthäter der Menschheit

womöglich ein Ehrendenkmal verdient zu haben glaubten.

Württemberg besitzt im ganzen 173 Buchdruckereien und 71 lithographische

Anstalten mit 398 Schnell-, 350 Tret- und Handpressen. Die Druckereien

verteilen sich auf 76 Städte; Stuttgart allein hat 68 Buchdruckereien

mit 191 Schnellpressen und 32 lithographische Anstalten mit 43 Schnell-

und 104 Handpressen. Im Jahre 1840 besass Stuttgart zwar bereits 24

Buchdruckereien, diese hatten jedoch zusammen nur 30 Schnellpressen,

also nicht mehr als eine der grossen jetzigen Druckanstalten, ganz

abgesehen von der Leistungsfähigkeit der Maschinen von heute gegen die

damaligen. 1882 betrug die Bücherausfuhr Württembergs 3110301 Kilo zu

einem Werte von wenigstens 6 Millionen Mark.

[Sidenote: München.]

[Sidenote: Der Schulbücher-Verlag.]

MÜNCHEN erlangte, wie bereits erwähnt wurde, bei weitem nicht die

Bedeutung für den Buchhandel und die Buchdruckerei wie für die Kunst,

doch ist es in jüngster Zeit eifrig bemüht das Versäumte nachzuholen.

Der wissenschaftliche Verlag hatte keine grosse Ausdehnung und die

wichtige Branche der Unterrichtslitteratur befand sich ganz in den

Händen der Regierung, welche durch den sogen. »Schulbücher-Verlag« dafür

sorgte, »dass kein Gift der Jugend verabreicht wurde«. Durch Reskript

vom 12. Oktober 1785 wurde das Privilegium, welches der Buchbinder G.

Ruprecht und dann J. B. Oettl auf planmässige Schulbücher innegehabt

hatten, zu gunsten des »Deutschen Schulfonds« erneuert und letzterem

der Verlag »aller verlegender Schulbücher auch anderer zur Erziehung

dienlicher Schriften« vorbehalten.

Durch spätere Reskripte wurde dieses Privilegium noch erweitert. Die

verschiedentlichen Remonstrationen der Buchhändler blieben, trotz der

ihnen zur Seite stehenden Rechts- und Vernunftgründe, unbeachtet. Dass

die allgemeine Bildung und der Verlagshandel darunter leiden mussten,

ist begreiflich; aber auch der Sortimentshandel wurde geschädigt, da

der Schulfond, unter Umgehung der Sortimenter, den Vertrieb durch

eigene Zwischenhändler und durch Lehrer besorgen liess, die billiger

verkauften, als die Buchhändler einkaufen konnten[237].

[237] C. WOLFF, Über den gegenwärtigen Zustand des Buchhandels in

Bayern. München 1827.

[Sidenote: E. Mühlthaler.]

E. MÜHLTHALER (seit 1867) war der erste in München, der sich im

illustrierten Prachtdruck versuchte, und zwar mit den im Bruckmannschen

Verlag erscheinenden »Die Schweiz« von Gsell-Fels und »Rhododendron«.

Bei unverkennbarer Tüchtigkeit und anerkennenswertester Sorgfalt

erreichten diese Ausgaben doch nicht ähnliche Stuttgarter Leistungen.

Seit 1875 druckt Mühlthaler die Münchener »Fliegende Blätter« und

entwickelt auch seine Intelligenz in merkantilen Accidenzarbeiten. Er

beschäftigt bereits 15 Schnellpressen.

[Sidenote: Knorr & Hirth.]

[Sidenote: M. Huttler.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 37 / 47 段