Übernahme der J. STELTESCHEN Buchdruckerei 1732 gegründet. Durch Umsicht
und Unermüdlichkeit erwarb sich Hartung allgemeines Ansehen. Die
Stände von Livland und Kurland übertrugen ihm den Druck der lettischen
Bibel und der cyrillischen Postille; für erstere erhielt er 7000
Thaler. Neben seiner Buchdruckerei trieb er bedeutenden Verlags- und
Sortimentshandel und sein 1746 erschienener Sortimentskatalog war über
400 Seiten stark. In Leipzig hatte er während der Messe offenes Gewölbe.
Zu seinem grossen Geschäft erwarb er noch die erwähnte Reussnersche Hof-
und akademische Buchdruckerei. Er verschied in Leipzig 1756 während der
Ostermesse.
[Sidenote: Gottl. Hartung * 12. Aug. 1747, [+] 19. Nov. 1797.]
Nachdem sein ältester Sohn bereits 1759 gestorben war, übernahm 1763
der jüngere GOTTLIEB LEBERECHT HARTUNG das Geschäft, nach dessen Tode
dirigierte es seine Witwe SOPHIE CHARLOTTE mit Mut und Ausdauer, bis
sie es 1817 ihrem Sohne GEORG FRIEDRICH HARTUNG übertragen konnte. Die
von Hartung herausgegebene »Königsberger Zeitung« ist eine der ältesten
Deutschlands und ihre Geschichte lässt sich bis auf das Jahr 1640
verfolgen. Vom 6. Februar 1758 bis 1. Juli 1762 und dann vom 19. Juli
bis 10. August 1762 musste der ihre Kopfzeile schmückende preussische
Adler mit dem russischen vertauscht werden. In den Jahren 1807 und 1808
hatte die Zeitung eine grössere Bedeutung erreicht, da der Krieg in der
Nähe um Königsberg geführt wurde, wodurch indes Hartung verschiedenen
Gefahren ausgesetzt wurde.
Wie wenig bedeutend der Umfang des Druckgewerbes in Königsberg war, geht
aus den Aufzeichnungen über die vierte Jubelfeier hervor. Dieselben
weisen nur 7 Druckereien mit 45 Gehülfen und 28 Lehrlingen auf; da die
Hartungsche Druckerei 20 Gehülfen und 7 Lehrlinge beschäftigte, so
kommen auf sechs Druckereien 25 Gehülfen und 21 Lehrlinge[230]. Jetzt
arbeitet die Hartungsche Buchdruckerei mit sechs Schnellpressen und etwa
100 Personen.
[230] Geschichte der Buchdruckerkunst in Königsberg. 1840.
[Sidenote: Marienwerder.]
[Sidenote: Danzig.]
[Sidenote: Stettin.]
Von Königsberg aus wurde, als Friedrich der Grosse bei der ersten
Teilung Polens Westpreussen erhielt, der Buchdrucker R. KANTER nach
MARIENWERDER als Hofbuchdrucker berufen, um die königlichen Arbeiten
zu liefern; die Offizin besteht noch heute mit 5 Schnellpressen. In
DANZIG sind die bedeutendsten Druckanstalten die von JUL. SAUER und von
A. W. KAFEMANN, letztere ist zugleich mit Schriftgiesserei verbunden.
STETTIN hat nur Bedeutung im Accidenz- und Zeitungsdruck; die dortige
Firma H. G. EFFENBART beging 1879 ihr 300jähriges Jubiläum. Noch um zwei
Jahre älter ist die, jetzt mit 8 Schnellpressen arbeitende, Firma H.
HESSENLAND. R. GRASSMANN, zugleich Schriftgiesserei, beschäftigt elf
Schnellpressen und gegen 100 Arbeiter.
[Sidenote: Mecklenburg.]
In ROSTOCK besteht die Offizin von ADLERS ERBEN (6 Schp.) seit 1635.
Ausser in Rostock hat D. C. HINSTORFF, bekannt als der Verleger und
Drucker von Fritz Reuters Werken, noch Geschäfte in WISMAR (5 Schp.) und
LUDWIGSLUST. Die grösste Druckerei SCHWERINS ist die von W. SANDMEYER (8
Schp.).
NEURUPPIN kann Armeen aus der Presse stampfen. Die Firma GUSTAV KÜHN
arbeitet mit Rotationsmaschine, 11 Schnellpressen und einer grossen
Zahl von Hülfsmaschinen, welche von gegen 400 Arbeitern bedient werden.
OEHMIGKE & RIEMSCHNEIDER beschäftigen 6 Schnellpressen und 200 Arbeiter
hauptsächlich mit den bekannten Bilderbogen.
[Sidenote: Lübeck. Hamburg.]
LÜBECK verlor seine Bedeutung, die es in der früheren Periode eine
zeitlang hatte, und auch HAMBURG nimmt nicht eine solche Stellung ein,
wie man es von dem ersten Handelsplatze und der, der Bevölkerung nach,
zweiten Stadt des Reiches erwarten könnte. Vielleicht wären seinerzeit
die Bemühungen des FRIEDR. ANDREAS PERTHES, Hamburg zu einem Emporium
des buchhändlerischen Verkehrs mit dem Auslande zu erheben, gelungen,
wenn nicht die schwere Zeit des Napoleonischen Druckes auf Deutschland
im allgemeinen und Hamburg im besonderen hemmend gelastet hätte[231].
Nur für den Zeitungsverlag hatte Hamburg einige Bedeutung und erst in
neuerer Zeit ist es Sitz einiger grösserer Verlagshandlungen geworden.
[231] CLEMENS TH. PERTHES, Friedr. Perthes' Leben. 6. Aufl. Gotha 1872.
Selbst der Accidenzdruck hat keinen rechten Aufschwung genommen. Der
solide Hamburger Kaufmannssinn giebt wenig auf Eleganz der Druckarbeiten.
[Sidenote: Lessing als Buchdrucker.]
Inzwischen sollte doch das wenig poetische Hamburg einen grossen Dichter
Deutschlands unter seinen Buchdruckern zählen. Eine zeitlang war nämlich
Lessing Associé des Buchdruckereibesitzers JOH. JOACH. CHRIST. BODE.
Ostern 1767 hatte letzterer auf dem Holzdamm eine Buchdruckerei angelegt
und LESSING trat gleich nach seiner Ankunft in Hamburg als Sozius
ein. Die »Hamburgische Dramaturgie«, die »Antiquarischen Briefe« und
die Abhandlung »Wie die Alten den Tod gebildet« sind von den eigenen
Pressen Lessings gedruckt, und das Projekt, die Werke der bedeutendsten
Gelehrten mit lohnenderem Ertrage für Verfasser und Verleger zu
veröffentlichen, erregte in den beteiligten Kreisen so grosse
Aufmerksamkeit, dass Klopstock schon im Sommer 1767 versprach, für das
geplante »Deutsche Museum« seine »Hermanns Schlacht« und Gerstenbergs
»Ugolino« herzugeben. Die Publikationen dieser Druckerei und
Verlagsfirma erhielten ein seltsames Kleinquart-Format; zum Druck wurde
ein fein gestreiftes resp. geripptes italienisches Papier verwendet, so
dass der eigentümliche Geschmack Bodes und Lessings vielfach Spottreden
hervorrief. Die junge Firma wurde schon 1768 unter bedeutenden Verlusten
für Lessing aufgelöst, dessen finanzielle Bedrängnisse, welche seinen
Abgang von Hamburg bis zum Jahre 1770 verzögerten, jedenfalls zum
grössten Teil diesem Misserfolg zuzuschreiben sind.
[Sidenote: Hamburger Offizinen.]
Das grösste der heutigen Etablissements ist das von J. F. RICHTER (2
Rotm., 14 Schp., 15 Hdp., 150 Arb.). Als Zeitungsdruckereien sind zu
nennen die Aktiengesellschaft NEUE BÖRSENHALLE, welche die »Börsenhalle«
und den »Correspondent« druckt, HERMANNS ERBEN (1 Rotm., 6 Schp.),
DIEDERICH & Co. (1 Rotm., 5 Schp.). C. ADLER verbindet mit Buchdruckerei
und lithographischer Anstalt (9 Schp., 8 Hdp.) ein ausgedehntes Geschäft
mit Lehrmitteln. F. SCHLOTKE wurde schon in dem Kapitel über Maschinen
erwähnt, ist ausserdem durch seine litterarische Wirksamkeit bekannt und
jetzt Besitzer, Redacteur und Drucker des »Journal für Buchdruckerkunst«
(S. 356).
Das holsteinische Städtchen ITZEHOE besitzt die bedeutende Buchdruckerei
von G. J. PFINGSTEN, dessen weitverbreitete »Itzehoer Nachrichten«
namentlich vor und während der dänischen Kriege einen grossen Einfluss
übten.
[Sidenote: Wandsbeck.]
[Sidenote: G. W. Seitz * 6. Febr. 1826.]
In dem als eine Vorstadt von Hamburg zu betrachtenden WANDSBECK hat
die bedeutendste chromolithographische Anstalt Deutschlands ihren Sitz
aufgeschlagen. GUSTAV W. SEITZ lernte erst als Setzer, versuchte sich
dann ohne jedwede Anleitung als Holzschneider, bis er später in München
seine weitere Ausbildung erhielt. Dann wagte er sich in Hamburg an
den Verlag. Durch Zufall mit dem lithographischen Farbendruck bekannt
geworden, erblickte er in diesem die Illustrationsmethode der Zukunft.
Nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten gelang es Seitz, zwanzig
Handpressen zu beschäftigen, bis der Krieg 1866 wieder Stockungen
brachte. Trotzdem beschloss er, sich ein Domizil zu bauen und zwar in
dem äussersten Ende von Wandsbeck. Ein kleines humoristisches Bild von
Süs, »Der erste Gedanke«, wurde in 18000 Exemplaren verkauft. Trotz
der Abmahnungen des Künstlers selbst wagte er sich nun an Carl Werners
Nilbilder in Aquarelldruck und errang einen vollständigen Sieg. Unter
seinen vielen Blättern ist der grosse Aquarelldruck »Auroras Triumphzug«
nach Guido Reni eine ausserordentlich gelungene Leistung.
Besondere Verdienste hat Seitz durch die Vervollkommnung des
Reduktionsapparates. Schon im Jahre 1860 tauchte die englische Erfindung
auf, ein Bild auf eine Gummihaut, die in einem Rahmen von vier durch
Schrauben verstellbaren Stäben angebracht war, durch stärkere Anspannung
resp. durch Lockerung der Spannung der Haut zu vergrössern oder zu
verkleinern. In dieser veränderten Gestalt wurde dann das Bild auf
einen Stein übertragen, so dass man Kopien in verschiedenen Grössen
ohne eine neue Zeichnung erhalten konnte. Alles kommt natürlich auf
die ganz verhältnismässig richtige Vergrösserung oder Verkleinerung
nach Höhe und Breite an. Seitz ist es gelungen, die Apparate so fein
zu vervollkommnen, dass Bilder von zwanzig und mehr Farben, zu welchen
ebenso viele Steine gehören, im vollkommensten Passen der Umränderungen
hergestellt werden können.
[Sidenote: Stenochromie.]
In Wandsbeck übte um 1875 OTTO RADDE (durch MÜHLMEISTER & JOHLER dort,
später in Hamburg) ein eigentümliches Verfahren, um Öldruckbilder
herzustellen. In der Art, wie die einzelnen Glas- oder Steinstückchen zu
einem Mosaikbild gefügt werden, setzte Radde die aus festen Teichfarben
mittels Blechschablonen in die nötigen Formen gebildeten Blöcke in
einem Rahmen zu einer Bilderform zusammen. Wurde nun ein mit Terpentin
gefeuchteter Bogen darauf gelegt und Form und Bogen in einer Presse
einem gelinden Druck ausgesetzt, so erhielt man ein Öldruckbild,
das jedoch nur als eine Untermalung zu betrachten war, welche erst
durch Aufdruck mehrerer lithographischer Farbenplatten Ausdruck und
Schattierung erhielt. Das Verfahren war nicht neu. Bereits Senefelder
hatte in seinem Werke daran gedacht und der Maler LIEPMANN in Berlin
lieferte 1842 einige recht hübsche Bilder in dieser Weise. 1873 zeigte
sich Jul. Greth aus Charlottenburg damit auf der Wiener Weltausstellung.
Auch ein Engländer, J. M. JOHNSON, hatte es geübt, um Landkarten zu
illuminieren, sowie um Tapeten und andere Arbeiten herzustellen, wo die
Farben sich bestimmt abgrenzen und nicht in einander übergehen müssen.
Von dem mit grossem Eclat in Scene gesetzten Verfahren (Stenochromie)
ist es ganz still geworden.
[Sidenote: Bremen.]
Die Handelsstadt BREMEN ist so wenig wie Hamburg ein bedeutender
Verlagsplatz geworden, deshalb beschränkten sich die Buchdruckereien
hauptsächlich auf Zeitungs- und Accidenzarbeiten. Die grössten Offizinen
sind die von C. SCHÜNEMANN (9 Schp., 120 Arb.), welche die »Bremer
Nachrichten« und die »Weser-Zeitung« druckt, und GEBR. HAUSCHILD, die
hauptsächlich Accidenzarbeiten liefern.
[Sidenote: Oldenburg.]
In OLDENBURG sind G. STALLING und die SCHULZESCHE HOFBUCHDRUCKEREI,
je mit 4 Schnellpressen, thätig. In dem kleinen DETMOLD besteht seit
1570 die MEYERSCHE HOFBUCHDRUCKEREI, welche, jetzt mit Steindruckerei
verbunden, 8 Schnellpressen und 9 Handpressen in Gang hält.
[Sidenote: Hannover.]
In HANNOVER findet eine rege Druckthätigkeit hauptsächlich für Zeitungs-
und Accidenzdruck statt; namentlich ist dasselbe ein Hauptplatz für
die Herstellung von Handlungsbüchern geworden. Obenan in letzterer
Richtung stehen J. C. KÖNIG & EBHARDT mit 29 Schnellpressen, darunter
14 für mehrere Farben, 16 Liniiermaschinen, 30 Buchbinderpressen, 12
Papierschneidemaschinen nebst zahlreichen sonstigen Hülfsmaschinen und
einem Personal von 350 Köpfen. Auch EDLER & KRISCHE (10 Schp., 200
Pers.) und die HANNOVERSCHE GESCHÄFTSBÜCHERFABRIK arbeiten in ähnlicher
Richtung, während R. LEUNIS & CHAPMAN die Handeltreibenden mit Tüten und
ähnlichem versorgen und damit ein grosses Personal beschäftigen.
Die GEBR. JÄNECKE (als Farbenfabrik JÄNECKE & SCHNEEMANN S. 319)
gaben ihrem Druckgeschäft eine grosse Ausdehnung (10 Schp., 11 Hdp.),
sowohl als Zeitungsdruckerei (»Hannöverscher Courier«) wie als
Werk- und Accidenzdruckerei. Von Bedeutung sind ferner KLINDWORTHS
Hofbuchdruckerei (10 Schp., 9 Hdp.) und die SCHLÜTERSCHE Buchdruckerei
(2 Rotm., 7 Schp.). In der Zeit der Privilegien hatte die HAHNsche
Hofbuchhandlung fast den ganzen Sortimentshandel des Königreichs in
den Händen. Ihr bedeutender Verlag hat seinen Sitz in Leipzig. -- Die
Universitätsstadt GÖTTINGEN hat als Druckplatz nie eine grosse Bedeutung
gehabt.
[Sidenote: Westfalen und Rheinland.]
MÜNSTER, in der Zeit der Humanisten ein so wichtiger Platz (I, S. 51),
macht sich wie PADERBORN und TRIER (FR. LINTZ, 7 Schp.) hauptsächlich
nur durch seinen streng katholischen Verlag bemerkbar. OBERHAUSEN
verdient Erwähnung als der erste Platz in Deutschland, wo die
Rotationsmaschine (durch A. SPAARMANN) eingeführt und zum Bücherdruck
verwandt wurde. In MINDEN liefert E. C. BRUNN (6 Schp.) namentlich Post-
und merkantile Arbeiten.
[Sidenote: Verschiedene Städte.]
G. D. BÄDEKER in ESSEN beschäftigt 150 Arbeiter und zehn Schnellpressen,
die BÄDEKERsche Buchdruckerei in ELBERFELD 6 Schnellpressen namentlich
mit Eisenbahnarbeiten; daselbst drucken auch S. LUCAS mit 14, R. L.
FRIDERICHS mit 10 Schnellpressen.
L. SCHWANN übersiedelte von Neuss nach DÜSSELDORF und errichtete dort
eine grosse Offizin (10 Schp., 120 Arb.), welche namentlich bedeutende
Accidenzien in Chromoxylographie liefert. Dass Düsseldorf als Sitz
der berühmten Kunstschule sich auch im Kunstverlag auszeichnet,
ist fast selbstverständlich. Als Kunstdruckerei hat L. BAUMANN,
früher ARNZ & CO., einen Ruf; die »Düsseldorfer Monatshefte« waren
weltbekannt. A. BAGEL, früher in Wesel, hat eine sehr bedeutende
typographisch-lithographische Anstalt (21 Schp., 150 Pers.,
Papierfabrik) und liefert namentlich Arbeiten für Schulen, Bilderbücher
u. dgl.
BONN gehört zu denjenigen Universitätsstädten, wo namentlich der
orientalische Druck gepflegt wird, besonders durch die Druckerei von C.
H. GEORGI.
[Sidenote: Köln.]
KÖLN, im frühen Mittelalter die berühmte hohe Schule der Wissenschaft
und der Typographie, von wo aus das Licht Gutenbergs über die
Niederlande und den Norden ausgegangen war, lieferte später nur
ultramontane Schriften und musste sogar seinen berühmten Namen zur
Einschmuggelung verbotener oder gar schmutziger Bücher hergeben, die
überall hin mit der Firma »Peter Hammer« oder »_Pierre Marteau_« und
Druckort Köln verbreitet wurden.
Von den Offizinen hat die der Verlagshandlung J. P. BACHEM in der
katholischen Welt eine grosse Bedeutung und druckt mit ihren 9
Schnellpressen mehrere Zeitschriften und Zeitungen mit katholischer
Richtung. Die LANGENsche Buchdruckerei beschäftigt 16 Schnellpressen,
die von W. HASSEL 10.
Am öftesten wird jedoch in der neuern typographischen Geschichte Köln
auf Grund der Offizin der KÖLNISCHEN ZEITUNG genannt, mit der auf dem
Kontinent nur die der Wiener »Neuen Freien Presse« in den technischen
und redaktionellen Einrichtungen wetteifern kann.
[Sidenote: Du Mont-Schauberg und die »Köln. Zeitung«.]
Bereits 1651 gab es zu Köln eine Zeitung, die als Stammmutter der
jetzigen »Kölnischen Zeitung« zu betrachten ist: die im Besitz von Franz
Köntgen erscheinende »Postamts-Zeitung«, welcher er den Namen »Kölnische
Zeitung« gab. Sie wurde bei Schaubergs Erben gedruckt, eine Offizin,
die von GEREON ARNOLD SCHAUBERG bereits anfangs des XVIII. Jahrhunderts
gegründet war[232].
[232] Geschichte der »Kölnischen Zeitung« und ihrer Druckerei. Diese
wahrhaft prächtige Gelegenheitsschrift erschien anlässlich der
Gewerbe-Ausstellung in Düsseldorf 1880, wo M. Du Mont-Schauberg
eine komplette Zeitungsdruckerei mit Rotationsmaschine
ausgestellt hatte. Das Werk enthält höchst interessante Beiträge
zur Geschichte der Zeitungen, zeichnet sich daneben durch eine
fast beklagenswerte Abwesenheit alles und jeden Hervorhebens der
leitenden Persönlichkeiten aus.
Als Schauberg das Blatt von Köntgen erwarb, hatte es eine Auflage von
250 Exemplaren. Der frühere Besitzer erhielt eine Rente von monatlich
zwei Kronenthalern; stiege die Zahl der Abonnenten auf 400, so sollte
monatlich ein halber Thaler zugelegt werden.
Am 10. Juni 1805 gingen sowohl die Schaubergsche Offizin als die
»Kölnische Zeitung« auf MARCUS DU MONT über, welcher sich in demselben
Jahre mit Catharine Schauberg verheiratete. Köln schmachtete damals
wie das ganze linke Rheinufer unter der Herrschaft Napoleons und da in
jedem Departement nur ein Regierungsblatt geduldet wurde, so musste die
»Kölnische Zeitung« 1809 einfach zu erscheinen aufhören. Der Kaiser
entschädigte jedoch den Verleger durch eine Jahresrente von 4000
Franken. 1814 ist das Jahr der Wiedergeburt des Blattes und 1822, wo der
Zeitungsstempel in Preussen eingeführt wurde, hatte es bereits über 2000
Abonnenten. Die Ereignisse von 1830, 1848 und namentlich die Kriegsjahre
1866 und 1870 trugen wesentlich zur Hebung und Verbreitung des Journals
bei. Riesig waren die Opfer, welche dasselbe durch Errichtung eigener
Telegraphenlinien, und Entsendung eigener Korrespondenten brachte,
allein diese Aussaat ist auf guten Boden gefallen, die »Kölnische
Zeitung« ist heute ein Weltblatt und druckt täglich eine Auflage von 30
bis 40 tausend Exemplaren.
Unter solchen Verhältnissen wurden die Lokalitäten mehrmals zu enge und
im Jahre 1846 entstand mit einem Aufwande von über 300000 Mark in der
Breitenstrasse ein höchst zweckmässiger Neubau, der am 26. September
1847 bezogen und im Jahre 1871 durch Neubauten vergrössert wurde. Das
erste Telegramm der Zeitung erschien am 5. Oktober 1849. Am 1. Januar
1858 nahm sie das Format an, in welchem sie noch heute erscheint.
Am 1. Januar 1845 hatten bereits die Brüder JOSEPH und MICHAEL DU
MONT das Geschäft im alleinigen Besitz und zwar übernahm Michael die
Buchhandlung, Joseph behielt die Zeitung. Leider starb dieser bereits
am 3. März 1861 und hinterliess seiner Witwe und seinen vier Kindern
sowie seinem treuen Freunde und Associé WILHELM FERDINAND SCHULTZE aus
Magdeburg, welcher 1844 in das Geschäft getreten war, das umfangreiche
Institut. Am 31. Juli 1874 erhielt sie ihre eigene Drahtleitung von
Berlin, nachdem bereits früher der Telegraph in grossartiger Weise
benutzt worden war. In den Prozessen Kullmann und Graf Arnim betrugen
die Kosten für Telegramme 25000 M. und öfters wurden mehr als 20000
Worte hintereinander depeschiert. Eine Wochenausgabe der Zeitung hatte
bereits im Jahre 1866 am 5. Oktober begonnen.
Nachdem die »Kölnische Zeitung« mehrmals ihre Pressen durch neue
verbesserter Konstruktion ersetzt hatte, wurden 1877 Rotationsmaschinen,
und zwar von König & Bauer gebaute, angeschafft. Die drei vorhandenen
Exemplare liefern stündlich je 16200 komplette Bogen. Als Motoren
für diese und noch für 10 Schnellpressen dienen vier Gasmaschinen.
1880 betrug die Zahl der Angestellten 155, ausserdem waren 78 Knaben
beschäftigt. Reich dotierte Kranken- und Unterstützungskassen sind mit
der Offizin verbunden.
Kurz nach dem Tode Ludwigs, des ältesten Sohnes Josephs, starb am 30.
November 1881 der mit den reichsten Gaben des Verstandes und des Herzens
ausgerüstete W. F. SCHULTZE, der ausserordentlich viel dazu beigetragen
hat, dass die Zeitung heute eine so hohe Stufe einnimmt, dabei war er
von einer so grossen Bescheidenheit, dass nicht einmal sein Name in der
erwähnten aus seiner Feder stammenden Festschrift genannt wird.
Es ist begreiflich, dass kaum ein Reisender, der die Aufgabe der Presse
zu würdigen versteht, bei einem Aufenthalt in Köln die Offizin der
»Kölnischen Zeitung« unbesucht lässt. So erschien eines Nachmittags
im Herbst 1877 der Feldmarschall Graf Moltke. Rasch entwarf einer der
Redacteure, Hermann Grieben, einige begrüssende Zeilen, die, in wenigen
Minuten gesetzt und in der Presse abgezogen, dem berühmten Besucher
überreicht wurden; sie mögen hier einen Platz finden:
Heil und Dank Dir, Schlachtenleiter, dass Du auch bei uns erschienst,
Und auch unsre wackren Streiter inspizierst in ihrem Dienst.
Ja die kleinen Bleisoldaten sind, verhunderttausendfacht,
Wohlgeführt und wohlberaten eine respektable Macht.
Täglich rückt ihr Kriegsgeschwader tapfer aus zum Geisterstreit,
Ihre grossen Hinterlader schiessen tausend Meilen weit. --
Sieh im Kasten hier die Letter! Einzeln ist sie nur ein Zwerg,
Doch im Chor ein Siegsgeschmetter: »Freiheit, Licht und Gutenberg«.
[Illustration]
[Illustration]
XIV. KAPITEL.
DER SÜDEN DER GERMANISCHEN GRUPPE.
Emporwachsen Stuttgarts: Die Familie Cotta. J. B. Metzler. Die
illustrierte Litteratur. Ed. Hallberger, Gebr. Kröner u. a. Die
Xylographie. Der Buchhandel. Statistisches. Tübingen. München:
Aufschwung aller graphischen Künste, Kasp. Braun, Fr. Hanfstängl, J.
Albert, Fr. Bruckmann u. a. Nürnberg. Regensburg. Augsburg.
Rheinische Städte. Frankfurt a. M. Mainz und das Einweihungsfest.
Freiburg i. Br. Dornach: Ad. Braun. Strassburg: Das Gutenbergdenkmal,
die Bibliothek.
DIE SCHWEIZ. Lokale Schwierigkeiten. Basel: Die Familie Haas. Zürich:
Orell Füssli & Co., Kartographie. St. Gallen: Chr. Zollikofer.
Einsiedeln: Gebr. Benziger. Bern.
[Sidenote: Sinken der Bedeutung des Südens.]
Noch vor Ablauf der vergangenen Periode hatten der Westen und der
Süden Deutschlands ihr typographisches Übergewicht verloren. Die
blühenden Hauptsitze der Buchdruckerei und des Buchhandels, Nürnberg
und Augsburg, waren von ihrer Höhe zurückgegangen und wurden zu
Anfang unseres Jahrhunderts bayrische Provinzialstädte, während die
Hauptstadt Bayerns keine Anstrengungen machte, um ein Emporium des
Bücherverkehrs in Süddeutschland zu werden, wie es wohl möglich gewesen,
wenn Gutenbergs Kunst von oben dieselbe Unterstützung und Förderung
gefunden hätte, wie die bildende Kunst. Der hohe Glanz Basels war
hinfällig geworden; es blieb zwar eine sehr respektable schweizerische
Universität, der europäische Ruf war jedoch dahin. Strassburg zählte
seit seiner Überrumpelung durch die Franzosen im Jahre 1681 nicht mehr
zu Deutschland und galt in jüngster Zeit mehr als Festung denn als Sitz
der Wissenschaft und Kunst. Frankfurt am Main hatte als Bücheremporium
längst Leipzig den Platz räumen müssen, war auch nicht bestrebt,
wenigstens als Verlagsort, ein bedeutendes Gewicht in die Wagschale zu
legen, und die Heimat der Druckkunst, Mainz, hatte es nie versucht, die
günstigen Antezedentien zu benutzen und die Erbschaft Gutenbergs im
Geiste des Erfinders anzutreten.
[Sidenote: Emporblühen Stuttgarts.]
Unter diesen Verhältnissen gelang es einer bis 1750 in der Geschichte
der Typographie kaum genannten Stadt, die noch tief in unser Jahrhundert
herein hauptsächlich nur als Sitz der Cottaschen Verlagshandlung und
des Nachdruckes in der graphischen Welt bekannt war, in der Zeit von
knapp einem Menschenalter sich zum dritten typographisch-bibliopolischen
Hauptplatz des Deutschen Reiches emporzuschwingen, und zwar
hauptsächlich nur durch die Energie der Gewerbtreibenden selbst,
verbunden mit Tüchtigkeit, kaufmännischer Klugheit und dem nötigen Mut
»ins Zeug zu gehen« gepaart.
[Sidenote: Joh. Fr. Cotta * 27. April 1764, [+] 29. Dez. 1832.]
Seinen ersten Ruhm verdankt STUTTGART, wie erwähnt, der Familie Cotta.
JOHANN FRIEDRICH COTTA, ein Urenkel des Begründers des Cottaschen
Geschäfts in Tübingen (I, S. 134), Enkel des Kanzlers der Universität,
war in Stuttgart geboren. Sein Vater hatte im österreichischen
Reiterdienst gestanden und auch er fühlte Neigung für den Militärdienst
und widmete sich namentlich dem Studium der Mathematik, ergriff jedoch
als Brotstudium die Rechtswissenschaft und trat 1785 in Tübingen als
Hofgerichtspraktikant ein. Die seinem Onkel gehörende Buchhandlung in
Tübingen war in Verfall geraten und Johann Friedrich musste, um sie der
Familie zu erhalten, sich entschliessen, die buchhändlerische Carrière
zu ergreifen. Er trat am 1. Dezember 1787 unter unendlichen Sorgen und
Mühen in Besitz des Tübinger Geschäfts und verband sich zuerst mit einem
redlichen, aber für den Buchhandel nicht geeigneten Mann, Dr. Zahn.
Dieses Geschäftsverhältnis wurde jedoch nach wenigen Jahren gelöst.
[Sidenote: Cottas Verbindung mit Schiller und Goethe.]