Am 26. vormittags war eine interessante Festvorstellung im

Schauspielhause veranstaltet: Theaterschau von der Erfindung der

Buchdruckerkunst bis auf die neueste Zeit. Um 1 Uhr begannen die

Festzüge der Innungen, sich nach dem Exerzierplatz am Rosenthal, wo

ein echtes Volksfest abgehalten werden sollte, in Bewegung zu setzen.

Der mit Zelten in grosser Zahl, Fahnen, Buden, Caroussels, Tribünen

etc. geschmückte, dicht an den Wald sich lehnende Platz bot mit den

etwa 60000 Anwesenden ein höchst belebtes und anmutiges Bild. Am Abend

ward noch ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt. Dann zogen die Innungen

nach und nach wieder mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach

der Stadt. Den Beschluss machte der grosse Zug der Festgeber mit 1000

Fackeln, die unter Gesang und Jubel auf dem Marktplatze zusammengeworfen

wurden.

Nicht $ein$ Misston hatte das herrliche Fest gestört, welches Leipzig

mit dankbaren und stolzen Gefühlen hatte begehen können, denn es war

zugleich ein Huldigungsfest Leipzigs als Führerin auf dem Gebiete der

Buchdruckerei und des Buchhandels im Vaterlande Gutenbergs geworden.

Dass Leipzig willens ist, seine ehrenvolle Stellung zu behaupten, wird

ein Blick auf die jüngste Vergangenheit und auf den Augenblick zeigen.

[Sidenote: Giesecke & Devrient.]

Eine eigentliche Umgestaltung des Geschmacks für das Accidenzfach, das

heutzutage einen so wichtigen Platz einnimmt, ging erst von der Firma

GIESECKE & DEVRIENT aus. Diese, jung an Jahren, reich an Ehren, zeigte,

dass eine Staatsdruckerei nicht notwendig ist, um das zu leisten, was

man von Staatsanstalten verlangt und mit Recht verlangen kann, weil

diese in erster Reihe zu Ehren der Kunst und nicht um eine Existenz zu

begründen arbeiten.

Die Firma wurde von HERMANN GIESECKE und ALPHONSE DEVRIENT am 1. Juni

1852 begründet, zu einer Zeit, wo der typographische Geschmack und

der Sinn für schöne Accidenzarbeiten namentlich durch Hänel einen

wesentlichen Aufschwung genommen hatte (S. 281). Die genannten waren

Männer, wie sie die Zeit eben verlangte, um dem Geschmack eine bestimmte

Richtung zu geben. Sie haben hierin bedeutende Verdienste und waren

stets redlich bemüht, das Halbgute durch das wirklich Gute zu ersetzen.

Nach und nach entstand in ihrem Hause eine Reihe von graphischen

Spezialanstalten, die namentlich zur Herstellung der unendlich vielen

Wertzeichen nötig waren, mit deren Anfertigung die Firma nicht nur

von den verschiedenen Regierungen und Geldinstituten Deutschlands

betraut wurde, sondern die ihnen auch aus der Schweiz, Italien,

Holland, Schweden, Finnland, Rumänien und Amerika zuflossen. Es war die

glänzendste Zeit der Gründungen, des Aktien- und Papiergelddruckes,

welcher erst der Krach, dann die Gründung der Reichsbank eine Grenze

setzte.

[Sidenote: _Codex Sinaiticus._]

Aber der Ruhm der Firma war nicht allein von diesem höheren

Accidenzdruck abhängig, sondern wurde noch durch hervorragende

Werkdrucke gesteigert. Unter diesen muss einer erwähnt werden,

welcher, wenn auch von kaiserlicher Munifizenz getragen, als eine

der hervorragendsten Leistungen intelligenter Typographen dasteht:

die Reproduktion des von Const. Tischendorf entdeckten _Codex

Bibliorum Sinaiticus_, welche für Rechnung der Besitzerin dieses

Schatzes, der russischen Regierung, ausgeführt wurde. Zuerst wurden

photographische Facsimiles derjenigen unter den einzelnen Buchstaben,

welche dem Herausgeber den Charakter der Handschrift am besten

auszudrücken schienen, veranstaltet, und hiervon zwei Gattungen,

eine grössere für den Text und eine für die Noten, dazu später noch

eine dritte geschnitten. Als es sich jedoch ergab, dass die Abstände

zwischen den einzelnen Buchstaben in dem Original manchmal in einem

anderen Verhältnis zu einander standen als in dem Satz, mussten

verschiedenartige Güsse gemacht oder durch Unterschneiden der einzelnen

Buchstaben nachgeholfen werden. Der Raum der einzelnen Buchstaben

wurde durch Tischendorf nach Millimetern ausgerechnet und die Zahl

solcher an jeder einzelnen Stelle im Manuskript verzeichnet. Nachdem

Tischendorf ferner entdeckt hatte, dass vier verschiedene Kalligraphen

bei dem Codex thätig gewesen waren, mussten eine Menge Ergänzungstypen

geschaffen werden, um die Eigentümlichkeiten der verschiedenen Schreiber

wiederzugeben. So hatte z. B. das Omega sieben Varianten. Auch die

getreue Wiedergabe der Zusätze zwischen den Zeilen des Manuskripts

musste statthaben, ja selbst die Abweichungen der alten Kalligraphen von

der üblichen Regel waren getreulich nachzuahmen. So entstand ein Werk

ohne Rivalen.

[Sidenote: _Papyros Ebers._]

Ebenfalls als eine höchst gelungene Facsimile-Ausgabe ist der durch

Lithographie im Verein mit der Typographie hergestellte _Papyros

Ebers_ (bei Wilh. Engelmann in Leipzig) zu bezeichnen. Die Nachahmung

der Färbung der Schrift und der Pflanzentextur des Papyrus ist so

vollkommen gelungen, dass man auf Carton aufgezogene Papyrosblätter vor

sich zu haben glaubt. Während die lithographische Nachbildung aus der

Offizin von Giesecke & Devrient stammt, ist der textliche Teil mit den

hieroglyphischen Typen des F. Theinhardt von Breitkopf & Härtel gedruckt.

[Sidenote: Alph. Devrient * 21. Jan. 1821, [+] 1878.]

ALPHONSE DEVRIENT, der berühmten Künstlerfamilie Devrient angehörend,

starb frühzeitig auf einer Erholungsreise nach Berlin am Ostermorgen

1878. Er hatte bei Fr. Nies gelernt und arbeitete vier Jahre in der

_Imprimerie royale_ in Paris in der sogenannten _Chambre arabe_ unter

der strengen, jedoch wohlwollenden Leitung Lud. Rousseaus und des

gelehrten Orientalisten Jul. Mohl und ging dann nach England. Er war

einer der tüchtigsten Typographen seiner Zeit. Der überlebende Chef

HERM. GIESECKE entstammt dem bekannten Hause Schelter & Giesecke, als

Sohn des C. F. Giesecke.

[Sidenote: Bibliographisches Institut.]

Eine aus kleinen Anfängen rasch zu einem Weltgeschäft angewachsene

Druck- und Verlagsanstalt ist das BIBLIOGRAPHISCHE INSTITUT.

[Sidenote: Jos. Meyer * 9. Mai 1796, [+] 27. Juni 1856.]

Im Jahre 1826 gründete JOSEPH MEYER in seiner Vaterstadt Gotha das

Institut, welches 1828 nach Hildburghausen verlegt wurde. Das mit

Stahlstichen illustrierte »Universum« erreichte eine für damalige Zeit

ganz enorme Auflage von 80000 Exemplaren. Es folgten verschiedene

Klassiker-Bibliotheken, deren Rechtmässigkeit bestritten wurde, die

aber durch eine bisher ungekannte Billigkeit die Kauf- und Leselust

anregten und eine weite Verbreitung fanden. Dann kam das grosse

Konversations-Lexikon in 52 starken Bänden. J. Meyer war ein Mann von

ausgebreiteten Kenntnissen mit einer staunenswerten Arbeitskraft,

die er jedoch über alles Mass anstrengte, indem er neben der

bibliopolisch-typographischen Wirksamkeit noch grossartige industrielle

Pläne verfolgte.

[Sidenote: H. J. Meyer.]

Sein Sohn HERMANN JULIUS MEYER zog mit dem Institut 1874 nach

Leipzig[215]. Jetzt steht dasselbe als eines der grossartigsten und

am besten geleiteten nicht nur in Deutschland da. So imponierend auch

schon die äusseren Einrichtungen wirken, so ist es doch namentlich

die innere Organisation dieser mit zwei Rotationsmaschinen und 31

Schnellpressen arbeitenden Anstalt, welche Bewunderung erregt. Das

Geschäft sucht und findet seine Kraft in der Konzentration und in der

Erreichung möglichster Vollkommenheit innerhalb der selbstgesteckten

Grenzen für seine Wirksamkeit. Von der dritten Auflage des grossen

Konversations-Lexikons wurden über 100000 Exemplare abgesetzt, daneben

erlangte das kleine Lexikon in zwei Bänden eine grosse Popularität. Ein

Werk von hohem Wert ist A. E. Brehms »Tierleben« in zehn prachtvoll

illustrierten Bänden.

[215] Das Etablissement, durch Pläne illustriert, ist im Journ. f. B.

1876, Nr. 27 ausführlich beschrieben.

[Sidenote: J. Klinkhardt.]

Ein Geschäft, welches ebenfalls in verhältnismässig kurzer Zeit

eine grosse Entwickelung und Ausdehnung gewann, ist das bereits (S.

287) erwähnte von J. KLINKHARDT, welches mit 21 Schnellpressen, 22

Handpressen und 35 Giessmaschinen über 400 Personen beschäftigt und

vortreffliche Arbeiten im modernen Stil liefert.

[Sidenote: Verschiedene Druckereien.]

Dass diese und die sonst genannten Offizinen dem Illustrationsdruck

alle erdenkliche Sorgfalt widmen, ist selbstverständlich, ausser

denselben besitzt Leipzig jedoch noch eine Reihe von Druckereien, die

sich vorzugsweise mit Illustrationsdruck beschäftigen. Des von ED.

KRETZSCHMAR begründeten Geschäfts (jetzt C. GRUMBACH) wurde bereits

(S. 298) gedacht. Vieles zur Bildung einer tüchtigen Schule von

Holzschnittdruckern trug Kretzschmars erster Gehülfe JOH. CHR. BENEDICT

bei. A. H. PAYNE druckt mit Rotationsmaschine und 18 Schnellpressen

für den eigenen Verlag eine grosse Anzahl von illustrierten Blättern

und Werken. ALEX. EDELMANN und OTTO DÜRR wirkten erst zusammen, dann

getrennt und lieferten mehrere der grossen Berliner Modezeitungen

und viele Prachtwerke für Alf. Dürr, während A. HUNDERTSTUND & A.

PRIES namentlich den Seemannschen Kunstverlag druckten. ALEX. WIEDE

beschäftigt 18 Schnellpressen fast nur mit der Herstellung der

»Gartenlaube«. Aus den Pressen der Firma FISCHER & WITTIG stammen sehr

viele der schönsten illustrierten Prachtwerke neuerer Zeit sowohl aus

dem Verlag von Leipziger als auswärtigen Buchhändlern.

Mit wissenschaftlichen Werken beschäftigten sich vorzugsweise METZGER &

WITTIG, A. TH. ENGELHARDT, C. HIRSCHFELD, OTTO WIGAND und BÄR & HERMANN,

welche letztere den Druck russischer Werke als Spezialität pflegen;

PH. RECLAM JUN. liefert mit 22 Schnellpressen fast ausschliesslich

Zwanzigpfennigbände seiner Universalbibliothek; OTTO SPAMER druckt seine

zahlreichen illustrierten Jugendschriften und populären Werke; C. G.

NAUMANN hat seine umfangreiche Offizin nur für Accidenzien eingerichtet;

ALEX. WALDOW verwendet die seinige nur für den Druck des »Archiv der

Buchdruckerkunst« und anderer in seinem Verlage erscheinender, zumteil

von ihm verfasster typographischer Fachschriften[216].

[216] Darunter: Die Buchdruckerkunst in ihrem technischen und

kaufmännischen Betriebe. 2 Bde. 4. 1874-1877. -- Illustrierte

Encyklopädie der graphischen Künste. 1880-1883.

An Tagesblättern ist Leipzig geradezu arm und manche Provinzialstädte

Deutschlands von 30-50000 Einwohnern haben eine weit reichere

Zeitungslitteratur aufzuweisen. Das umfänglichste Journal, namentlich

zur Zeit der Messen, ist das »Leipziger Tageblatt«. Der Verleger E.

POLZ beschäftigt für den Druck desselben und ausserdem hauptsächlich

für den des C. F. Winterschen Verlags drei Rotationsmaschinen und elf

Schnellpressen.

Nicht alle graphischen Firmen Leipzigs, die tüchtiges liefern, können

wir hier aufzählen. Die Zahl der Buchdruckereien Leipzigs (incl. der

Vororte) beträgt 92 mit 7 Rotationsmaschinen, 437 Schnellpressen und 292

Tret- und Handpressen. Die 69 lithographischen Anstalten beschäftigen

146 Schnellpressen, 517 Handpressen. In beiden Branchen sind gegen 6200

Personen thätig.

[Sidenote: C. G. Röder.]

Den enormen Aufschwung, welchen das Musikaliengeschäft in Leipzig nahm,

veranlasste ein Institut für Notendruck, das seinesgleichen sucht. C.

G. RÖDER gründete mit kleinsten Mitteln 1846 seine Notendruckanstalt,

welche jetzt mit 34 Schnellpressen, 25 Handpressen und einem Personale

von 400 Köpfen arbeitet und namentlich die äusserst umfangreiche

_Édition Peters_ im Verlage des _Bureau de musique_ druckt. An

eigentlichen lithographischen Kunstinstituten hat Leipzig keinen

Überfluss, dagegen ist die Anstalt für Phantasieartikel und Luxuspapiere

von MEISSNER & BUCH, die mit 15 Schnellpressen, 30 Handpressen und 46

Präg- und anderen Maschinen arbeitet, von grosser Bedeutung; auch die

Offizin von WETZEL & NAUMANN hat einen enormen Aufschwung genommen

und arbeitet hauptsächlich für den Export mit 32 Schnellpressen, 27

Handpressen und 450 Arbeitern. H. WAGNER & E. DEBES beschäftigen sich

ausschliesslich mit kartographischen Arbeiten. Als Lichtdrucker leisten

A. NAUMANN & SCHRÖDER vorzügliches. Die Zahl der xylographischen und

chemigraphischen Anstalten ist eine beträchtliche.

[Sidenote: Die die Typographie fördernden Verleger.]

Es würde zu weit führen, alle die Verleger aufzuzählen, die, ohne

eigene Druckereien zu besitzen, doch auf die Typographie einen grossen

Einfluss übten. Den Buchdruck für wissenschaftliche Zwecke förderten u.

a. namentlich J. A. BARTH, W. ENGELMANN, SAL. HIRZEL, L. VOSS, die J. C.

HINRICHSSCHE Buchhandlung, F. C. W. VOGEL[217], T. O. WEIGEL (I, S. 6),

RUD. WEIGEL (I, S. 103), O. WIGAND und C. F. WINTERS Verlag.

[217] Früher hatte diese Firma eine 1811 eingerichtete, namentlich mit

orientalischen Schriften gut ausgestattete Druckerei, die 1858

auf G. Kreysing überging.

Für den illustrierten Verlag waren J. J. Weber und Georg Wigand in

den dreissiger Jahren bahnbrechend. J. J. WEBER führte 1832 das

»Pfennig-Magazin« und 1843 die »Illustrirte Zeitung« ein. Die von Ad.

Menzel illustrierte Geschichte Friedrichs des Grossen wurde noch während

der Zeit der ersten Neuentwickelung des Holzschnittes in Deutschland

(S. 297) unternommen, überhaupt wirkte geschmackvolle Ausstattung aller

Weberschen Artikel sehr anregend sowohl auf die Buchdruckereien wie auf

die Verleger.

Gleichzeitig mit Weber wirkte GEORG WIGAND, dessen im Verein mit seinem

Bruder Otto Wigand 1840 unternommene Ausgabe von dem Nibelungenlied,

illustriert von Hübner und Bendemann, eine schöne Jubelerinnerung

bildet. Sowohl durch eigene Neigung als namentlich durch seine innige

Verbindung mit Loda, Richter und Schnorr von Carolsfeld wurde er auf

die mehr ursprüngliche echt deutsche Art des Holzschnitts geführt, von

welchem Schnorrs Bibel in Bildern ein monumentales Denkmal bleibt.

In neuerer Zeit waren es namentlich E. A. SEEMANN und ALF. DÜRR, welche

den illustrierten Verlag förderten. Seemann lieferte eine grosse Reihe

von Werken über die verschiedenen Zweige der Kunst und der Kunstgewerbe,

Alf. Dürr pflegte namentlich die strengere Richtung der illustrierenden

Kunst in den Werken von J. Führich, Preller u. a., daneben lieferte er

eine Reihe von Jugendschriften in höchst anziehender Weise durch Osc.

Pletsch illustriert. Auch FR. BRANDSTETTER, J. A. BAUMGÄRTNER, E. KEIL,

VELHAGEN & KLASING, K. BÄDEKER, SCHMIDT & GÜNTHER u. a. leisteten durch

ihren Verlag den Illustrationsdruckern grossen Vorschub.

* * * * *

[Sidenote: Dresden.]

[Sidenote: Familie Meinhold.]

[Sidenote: C. I. Meinhold * 1784. [+] 1861.]

Unter den sonstigen Städten des Königreichs Sachsen hat die

Residenzstadt DRESDEN allein einen bedeutenden Platz und unter den

47 Buchdruckereien und 54 lithographischen Anstalten, die mit 209

Schnellpressen und 251 Tret- und Handpressen arbeiten, nimmt wieder

die Firma C. C. MEINHOLD & SÖHNE die hervorragendste Stellung ein. Der

Begründer derselben, CARL CHRISTIAN MEINHOLD, Sohn eines Bergmannes

aus Marienberg, erwarb die Hofbuchdruckerei, welche ihren Ursprung dem

Herzog Georg dem Bärtigen verdankt, der 1524 den Buchdrucker WOLFG.

STÖCKEL aus Leipzig nach Dresden berief, um reformatorische Schriften zu

drucken. Stöckels Geschäft kam 1590 an die Familie BERGEN, in welcher

es blieb, bis Meinhold es 1778 übernahm und bald zu einer grösseren

Blüte brachte. Er druckte die sächsischen und polnischen Kassenbillets

und Staatspapiere und machte auch glückliche Verlagsspekulationen. Im

Jahre 1816 übergab er die Geschäftsleitung seinen Söhnen, von welchen

CHRISTIAN IMMANUEL MEINHOLD es nach dem Tode des Vaters allein übernahm.

Zu der Buchdruckerei fügte er Schrift- und Stereotypengiesserei. Seine

Söhne JULIUS und THEODOR wurden 1855 Teilnehmer und von 1875 führte

Julius das Geschäft allein fort und feierte am 28. Januar 1878 das

hundertjährige Jubiläum der Firma.

[Sidenote: Andere Offizinen.]

Zu erwähnen sind noch namentlich B. G. TEUBNERS Filiale des Leipziger

Geschäfts (6 Schp.), E. BLOCHMANN & SOHN (2 Rotm., 5 Schp.), der von

Leipzig übersiedelte W. BAENSCH (8 Schp.), R. H. DIETRICH (8 Schp.),

GLEISSNER (Rotm. und 7 Schp.), C. HEINRICH (12 Schp.), H. G. MÜNCHMEYER

(9 Schp.), LIEPSCH & REICHHARDT (Rotm., 4 Schp.), J. PÄSSLER (7

Schp.), AD. WOLF (7 Schp.). Von den lithographischen Anstalten waren

früher besonders angesehen: H. HANFSTÄNGL und FÜRSTENAU, ersterer

auf Grund seines Galeriewerkes, letzterer wegen seiner brillanten

Accidenzarbeiten; jetzt sind die grössten Institute W. BRÜCKNER & CO. (8

Schp., 6 Hdp.), R. BÜRGER (6 Schp., 5 Hdp.), R. FRIEDLÄNDER (7 Schp., 7

Hdp.). Als Lichtdrucker haben RÖMMLER & JONAS (7 Schp.) bereits lange

einen Namen. W. HOFFMANN arbeitet mit 8 Lichtdruckschnellpressen.

Als Verlagsort hat Dresden Bedeutung durch seine Kunstverleger, als:

E. ARNOLD, A. GUTBIER, HANFSTÄNGL, F. & O. BROCKMANN NACHFOLGER, G.

GILBERS, H. KRONE u. a.

In der Fabrikstadt CHEMNITZ beschäftigen sich die Buchdruckereien

wesentlich nur mit Zeitungs- und Accidenzdruck. Einen ungewöhnlichen

Umfang erreichte das Geschäft von PICKENHAHN & SOHN (1 Rotm., 20 Schp.

und 150 Arb.). Unter den lithographischen Anstalten ist R. OSCHATZ (8

Schp., 16 Hdp.) die grösste. BAUTZEN hat eine sehr leistungsfähige

Steindruckerei und Luxuspapierfabrik, GEBR. WEIGANG (23 Schp., 12 Hdp.);

in dem Fabrikort BUCHHOLZ liefert G. ADLER tüchtige Accidenzarbeiten für

seine eigene bedeutende Cartonnagenfabrik. In PLAUEN wirkt ebenfalls

für den Bedarf der Fabriken MOR. WIEPRECHT (6 Schp.), in MEISSEN C. E.

KLINKICHT & SOHN (4 Schp.).

Durch die Eisenbahnverbindung kann ALTENBURG fast als eine Vorstadt

des typographischen Leipzig betrachtet werden. Wohlfeilere

Lebensverhältnisse setzten in der tariflosen Zeit die dortigen

Buchdrucker in den Stand, vorteilhaft mit den Leipzigern konkurrieren zu

können. Diese Verhältnisse verstanden erst H. A. PIERER, welcher 1832

das von dem Vater JOH. PIERER erworbene Druckgeschäft übernommen hatte,

und dann dessen Söhne EUGEN und ALFRED mit Geschick zu benutzen, so dass

das gut und mit genügenden Mitteln geleitete Geschäft den Leipziger

Druckereien öfters eine schwer zu bestehende Konkurrenz bereitete. Das

in Pierers Verlag erschienene »Universal-Lexikon« besass neben dem

Brockhausschen Konversations-Lexikon ein grosses Ansehen, wenn auch die

Verbreitung sich innerhalb mässiger Grenzen hielt[218].

[218] Über Pierers Verhältnis zu Brockhaus und dessen

Konversations-Lexikon, sowie über das Entstehen des

Universal-Lexikons enthält das bereits erwähnte Werk des Dr. Ed.

Brockhaus sehr interessante Details.

Am 1. Januar 1872 ging die Druckerei in die Hände eines Leipziger

Konsortiums über, unter Leitung des Mitbesitzers STEPH. GEIBEL. Die

Offizin wuchs rasch (19 Schp.) und hat sich namentlich einen Ruf durch

ihre Accidenzarbeiten erworben (S. 292).

Thüringen hat viele gut eingerichtete aber keine besonders

hervorragenden Druckanstalten aufzuweisen. In GERA lieferte ISSLEIB

& RIETSCHELS Hofbuchdruckerei (6 Schp.) Beachtenswertes, namentlich

im chemigraphischen Landkartendruck. HILDBURGHAUSEN hatte früher

durch das Bibliographische Institut (S. 346) Bedeutung; eine tüchtige

Druckanstalt daselbst ist noch die von GADOW & SOHN (5 Schp.). Die

HOFBUCHDRUCKEREI in WEIMAR datiert aus dem Jahre 1624, als der an allen

Kulturbestrebungen regen Anteil nehmende Herzog Friedrich Wilhelm von

Sachsen in seinem Schloss eine Offizin errichten liess, in welcher er

selbst und seine Gemahlin an dem Satz Lutherscher Werke arbeiteten. Die

Hauptstücke der christlichen Lehre fasste er als Enchiridion für den

Unterricht seiner beiden Töchter zusammen.

Nach manchen Wandlungen durch zwei Jahrhunderte kam die Offizin in den

Besitz HERMANN BÖHLHAUS[219], in welchem sie sowohl durch Arbeiten für

den eigenen Verlag, wie für fremde Rechnung einen raschen Aufschwung

genommen hat.

[219] H. BÖHLAU, Zur Geschichte der Hofbuchdruckerei in Weimar.

Einleitung zu seinem Verlagskatalog.

Eine rastlose Thätigkeit entwickelte die Weimarer Druck- und

Verlagsfirma B. F. VOIGT. Verfolgt sie auch keine idealen Zwecke, so

hat sie doch durch ihren grossen technischen Verlag (gegen 1500 Artikel

und 20 Zeitschriften), namentlich durch ihren »Schauplatz der Künste

und Handwerke« in etwa 300 Werken, von welchen mehr als die Hälfte neue

Auflagen (öfters sechs bis acht) erlebten, vieles zur Verallgemeinerung

technischer Kenntnisse beigetragen. Die Natur des Verlages lässt keine

Prachtwerke zu, doch sorgt die Firma für gute Ausführung der Werke

sowohl als der vielen lithographischen Beilagen.

[Sidenote: Justus Perthes * Septbr. 1785. [+] 1. Mai 1816.]

[Sidenote: Bernh. Perthes * 27. Okt. 1857.]

In GOTHA gehört die ENGELHARD-RHEYERSCHE Hofbuchdruckerei zu den besten

Anstalten Deutschlands. Der Besitzer Fr. Engelhard hat sich ausserdem

um die Organisation der Krankenkassen der Gehülfen sehr verdient

gemacht. Einen Weltruf hat das geographische Institut von JUSTUS PERTHES

erlangt. Der Gründer war JOH. GEORG JUSTUS PERTHES aus Rudolstadt; die

ausschliesslich geographische Richtung erhielt das Geschäft erst durch

den Sohn WILH. PERTHES, der auch den Gothaischen Hofkalender und den

_Almanach de Gotha_ erwarb. Stielers Handatlas eröffnete die Reihe

des bedeutenden kartographischen Verlags, bei welchem H. Berghaus, v.

Stülpnagel, v. Spruner u. a. mitwirkten. Die grösste Blüte erlangte die

Anstalt unter der Direktion des BERNHARD PERTHES, die noch während der

Lebenszeit des Vaters begann, leider aber bereits vier Jahre nach des

letzteren Tod ihre Endschaft erreichte.

[Sidenote: Aug. Petermann »Mitteilungen«.]

Unter der wissenschaftlichen Leitung des Dr. AUGUST PETERMANN

bildete sich das Geschäft, unterstützt durch die seit 1855 monatlich

erscheinenden »Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt«,

zu einem Mittel- und Einigungspunkte der Bestrebungen für die gesamte

Erdkunde aus.

Perthes' Absichten in technischer Beziehung gingen nicht darauf,

alle graphischen Künste in ein äusserlich grosses Etablissement zu

vereinigen, sondern er verteilte die Arbeiten auf etwa dreissig

selbständige Unternehmer, welche nahe an 400 Arbeitern den Unterhalt

brachten.

In ERFURT geben die vielen Gärtnereien und die Eisenbahndirektion

zu einem lebhaften Accidenzgeschäft Veranlassung. Die bedeutenderen

Offizinen sind die von OHLENROTH (6 Schp.), FR. BARTHOLOMÄUS und G. A.

KÖNIG. H. C. BESTEHORN in ASCHERSLEBEN beschäftigt 8 Schnellpressen und

viele Arbeiter mit Luxuspapierfabrikation. TH. MÜLLER in NORDHAUSEN

liefert mit 8 Schnellpressen Etiquetten, Geschäftspapiere u. dgl.

[Sidenote: Die Cansteinsche Bibelanstalt.]

In HALLE befindet sich die altehrwürdige Waisenhausbuchhandlung und

Buchdruckerei nebst der damit verbundenen V. CANSTEINSCHEN BIBELANSTALT.

Die erstere wurde 1697 durch den Pfarrer HEINR. JUL. ELERS als Teil

der Franckeschen philanthropischen Stiftungen begründet[220]. Für eine

Buchdruckerei wurde wenige Jahre nachher ein Privilegium erteilt. Die

Cansteinsche Bibelanstalt ist durch die Anstrengungen des Barons CARL

HILDEBRANDT VON CANSTEIN durch gesammelte Beiträge gegründet. Bereits

1712 konnte das Neue Testament, 1713 die ganze Bibel gedruckt werden. v.

Canstein starb am 19. Juli 1719, worauf Francke die Anstalt übernahm,

die im Jahre 1713 ebenfalls eine eigene Buchdruckerei erhielt.

[220] OSW. BERTRAM, Geschichte der Cansteinschen Bibelanstalt in Halle.

1863. -- Die Stiftungen A. H. FRANCKES. Halle 1863. -- G.

KRAMER, A. H. FRANCKE. Halle 1880. -- Ann. d. Typ. 1873, Nr. 204

u. 205.

[Sidenote: O. Bertram [+] 10. April 1876.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 33 / 47 段