Nach der Anstalt von König & Bauer hat die Maschinenfabrik Augsburg die

grösste Ausdehnung für den Schnellpressenbau in Deutschland gewonnen.

Sie wurde von dem erwähnten Neffen Fr. Königs, Fritz Reichenbach,

gegründet und ging dann später in die Hände einer Aktiengesellschaft

über. Die Anstalt baute namentlich Maschinen mit Eisenbahnbewegung;

grosse Verbreitung fanden ihre Zweifarben-Maschinen; sie war auch die

erste, welche in Deutschland die Rotationsmaschine für endloses Papier

baute und nahm sich namentlich die Walter-Presse als Vorbild. Das erste

Exemplar wurde in der Spaarmannschen Offizin in Oberhausen aufgestellt.

Bis 1880 hatte die Augsburger Fabrik 65 Rotationsmaschinen in 38

Formaten und nach 21 verschiedenen Konstruktionen gebaut, von denen 46

im eigentlichen Deutschland, 14 in Österreich-Ungarn blieben, eine nach

Batavia ging. Ihr gelang es auch (1879) zuerst in zufriedenstellender

Weise diese Maschinen für den Illustrationsdruck herzustellen. Auf

dreien derselben, welche je 4000 Exemplare stündlich liefern, werden

die Hallbergerschen illustrierten Blätter mit bestem technischen Erfolg

gedruckt. Die Rotationsmaschine hat im allgemeinen in Deutschland

eine viel schwierigere Aufgabe als in England. Teils ist das deutsche

Papier für gewöhnlich geringer und schwächer, als das englische, reisst

daher leichter und legt sich schwerer aus, dann aber vertragen die

abwechselnden Schriften, namentlich die vielen Auszeichnungsschriften

untermischt mit Illustrationen, welche die Inseratenseiten deutscher

Blätter füllen, viel weniger den Mangel an Zurichtung als die

englischen und amerikanischen Zeitungen mit ihren kompakten, den Kegel

fast füllenden Antiquaschriften.

[Sidenote: Die Endlose in Wien.]

Bereits im Jahre 1859 war mit »Endlosen« in Wien durch Auer

experimentiert worden, doch können diese Versuche nicht als gelungen

bezeichnet werden (vgl. Kap. XV). Nach Wien kamen die ersten zwei

englischen Walterschen Rotationsmaschinen, durch Ludw. Lott, den

Direktor der Druckerei der »Presse«, eingeführt, zunächst um den

Ausstellungskatalog 1873 zu drucken. Ebenfalls zur Ausstellung

liess die Druckerei der »Neuen Freien Presse« eine ihrer grossen

Marinoni-Maschinen nach des Direktors Reisser Angaben zu einer Endlosen

umarbeiten, die in dem Pavillon der »Neuen Freien Presse« in dem

Prater die Ausstellungszeitung druckte und täglich, wenn das grosse

Geräusch den Anfang der Arbeit verriet, eine grosse Masse Wissbegieriger

sammelte, um von ihrem Wirken Zeugen zu sein. Die Presse konnte nicht

mit den englischen Maschinen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit

konkurrieren. Überhaupt hat Wien mit dem Bau der »Endlosen« bis jetzt

kein grosses Glück gehabt.

[Sidenote: Andere Rotationsmaschinen.]

Auch C. HUMMEL in Berlin baute »Endlose« und will das Patent von G.

A. Horn auf eine Doppelrotationsmaschine mit zwei von einander ganz

unabhängigen Systemen ausbeuten[194]. Jeder der Schriftcylinder wird von

seinem Papierzubringer gespeist und ist mit zwei Farbewerken versehen.

Stellt man eins der Drucksysteme ab und arbeitet nur mit dem andern,

so wird dies von vier Farbewerken bedient, und eignet sich dann um

so besser für die Lieferung feinerer Arbeiten. Die Bogen werden nach

beiden Seiten der Maschine ausgeführt. Es muss sich ergeben, ob die

Praxis hier mit der Theorie Hand in Hand gehen wird. Die bekanntesten

Maschinen Hummels waren die nach den Angaben des Obermaschinenmeisters

Eugen Bragard für den Druck der Kölnischen Zeitung mit Vor- und

Rückwärtsbewegung gebauten, die stündlich 6000 Exemplare druckten.

[194] Abgebildet und beschrieben im Journ. f. B. 1879, Nr. 36.

[Sidenote: Verschiedene Fabriken.]

[Sidenote: J. Forst [+] 14. Febr. 1879.]

Von anderen Maschinenbauanstalten sind zu nennen: G. SIGL in Berlin, der

schon 1865 etwa 1000 Schnellpressen geliefert hatte; AICHELE & BACHMANN

in Berlin. Die Firma KLEIN, FORST & BOHN in Johannisberg a. Rh.,

begründet 1846 von Johannes Forst und Joh. Klein, hatte am 30. Januar

1875 die 1000. Maschine vollendet. Sie liefert auch Schnellpressen mit

dem von E. C. BRUNN in Münster konstruierten Querlinien-Druckapparat.

ALBERT & HAMM in Frankenthal hatten 1879 300 Maschinen in die Welt

gesandt. In Würzburg arbeitet die Firma BOHN, FASSBENDER & HERBER,

in Worms die MASCHINENFABRIK WORMS. In Leipzig sind die bekanntesten

Firmen PH. SWIDERSKI, dessen kleine Maschine »Lipsia« vielen Beifall

findet; SCHMIERS, WERNER & STEIN, die viele grosse Maschinen bauen.

Tretmaschinen fabrizieren A. HOGENFORST und SCHELTER & GIESECKE. Eine

Fünffarben-Rotationsmaschine konstruierte A. H. SCHUMANN in Leipzig,

welche in zehn Stunden 8000 fertige Bogen, also 40000 Druck, liefern

soll. Zurichtung ist nur unter den Platten möglich[195].

[195] Journ. f. B. 1879, Nr. 8.

[Sidenote: Fr. Helbig * 1800, [+] 1842.]

[Sidenote: Leo Müller * 1800, [+] 1843.]

In Österreich waren HELBIG & MÜLLER die ersten

Schnellpressenfabrikanten. FR. HELBIG, ein Sohn aus erster Ehe der

Schwester Fr. Königs, Marie Rosine, mit einem Bergmann Helbig in

Eisleben, hatte bei König gelernt. LEO MÜLLER war in Rieglern in dem

Vorarlbergschen Walserthale geboren. Sein Vater war dort Bauer und der

Sohn genoss nur den dürftigen Unterricht der Dorfschule. Seine Lust

an Mechanik trieb ihn, 18 Jahre alt, das Handwerk eines Schreiners

zu ergreifen und als solcher kam er nach Oberzell zu König & Bauer

und wurde bald Leiter der Modellabteilung. Sein Wunsch, Teilhaber der

Anstalt zu werden, konnte nicht erfüllt werden, weshalb er nun nach

Österreich zurückging und seinen ersten Versuch im Schnellpressenbau

in Imbach im Innthale für Rechnung von Rauch & Wagner in Innsbruck

machte. Er führte viele Verbesserungen bei der Schnellpresse ein, zu

denen namentlich der Doppel-Excenter behufs Erzielung des Stillstandes

des Druckcylinders beim Rückgange der Form gehört, der Cylinder wurde

freier gelegt, die Bänder beseitigt und durch Greifer ersetzt, auch

verwendete er zuerst die Eisenbahnbewegung. Gerade eine Differenz mit

Helbig in Patentangelegenheiten gab Veranlassung zu einer Verbindung

beider (um 1836). Sie bauten nun sowohl einfache wie doppelte Maschinen

und auch solche für zwei Farben; die Idee der letzteren war jedoch

keine neue und König & Bauer hatten sich schon 1826 Erhard in Stuttgart

gegenüber erboten, solche anzufertigen, was wegen der Kosten jedoch

unterblieb[196].

[196] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880.

[Sidenote: Andere Fabrikanten in Österreich.]

Als tüchtige Maschinenbauer sind SIGL, LUDW. KAISER und J. ANGER

bekannt. Als Fabrikant von kleinen typographischen Maschinen hat G.

BERNHARDT Ruf und er baute bereits mehrere hundert solcher, deren System

sehr gelobt wird. Auch die Tretmaschinen von O. O. FUCHS und JEANRENAUD

& CO. finden Beifall.

[Sidenote: Lithographische Schnellpressen.]

Die Lithographie hat durch die Erfindung der lithographischen

Schnellpresse eine enorme Ausdehnung erreicht und der Buchdruckerei

ein bedeutendes Feld abgewonnen. Es gab dabei manche Schwierigkeit

mehr als bei der typographischen Schnellpresse zu überwinden. Die

lithographischen Steine haben nicht, wie die Schrift, eine gleiche Höhe,

die Maschinen mussten deshalb jedesmal nach der Stärke des Steines

eingerichtet werden. Der Druck musste ein sehr kräftiger, zugleich

ein sehr elastischer sein, wenn der Stein nicht springen sollte. Neu

hinzuzufügen war der Anfeuchteapparat, durch welchen der Stein bei dem

jedesmaligen Druck abgewischt und angefeuchtet wurde. Massenwalzen

konnten nicht verwendet werden, man musste deshalb Walzen von feinem

Leder benutzen, bis es in England gelang brauchbare Kompositionswalzen

herzustellen. Die erste lithographische Schnellpresse wurde im Jahre

1850 in der Maschinenfabrik von G. Sigl in Wien durch Hoppes für

H. Engels Institut gebaut[197]. 1855 erschien die lithographische

Schnellpresse auf der Pariser Weltausstellung. In Frankreich begann

Marinoni 1864 den Bau und führte wesentliche Verbesserungen ein. Die

Pariser Ausstellung von 1867 brachte eine Menge von Varianten durch

Marinoni, Dupuy, Moulde & Vibart, Voirin, Alauzet u. a. In Deutschland

bauen sie namentlich G. Sigl in Wien und Berlin; König & Bauer;

Swiderski; Schmiers, Werner & Stein; Klein, Forst & Bohn.

[197] Österr. Buchdr.-Ztg. 1880, Nr. 2.

[Sidenote: Ferd. Schlotke. Zinkdruckpresse.]

Für den zinkographischen Druck hat FERDINAND SCHLOTKE in Hamburg eine

Maschine erfunden, durch welche mittels zweier je um eine Stahlwalze

gelegter Platten der Bogen auf zwei Seiten gleichzeitig bedruckt wird,

und zwar mit der Schnelligkeit von 1000 Exemplaren in der Stunde[198].

[198] Journ. f. B. 1882. Nr. 32.

[Sidenote: Verbesserungen der Handpresse.]

Die eiserne Handpresse wurde in Deutschland vielfach nachgebaut und

auch verbessert. Die Stanhopepresse lieferte namentlich CHR. DINGLER in

Zweibrücken. Die Columbiapresse wurde von FR. VIEWEG eingeführt und im

Jahre 1825 in dem Hüttenwerk Zorge am Harz gebaut. Ein Nachteil bei

diesen Pressen war das öftere Springen der Seitenwände. C. HOFFMANN

in Leipzig baute die Coggersche Presse nach, und seine Konstruktion

wurde von Vielen der der Originalpressen vorgezogen, weil das Heben des

Tiegels durch Kugelgewichte auf langen Hebeln und nicht durch Federn

geschah. Die Presse von Koch in Magdeburg fand, weil sehr billig und

leicht, vielen Beifall; auch war sie insofern sehr zweckmässig, als

sie über den Tiegel hinaus keinen Oberbau hatte, so dass die Form

voll belichtet war. Sehr verbreitet waren die Hagar-Pressen, die in

vorzüglicher Qualität von Chr. Dingler in Zweibrücken fabriziert

wurden. Dingler verstärkte noch die Kraft und die Sicherheit der

Original-Konstruktion, indem er statt Hagars einfachen Kniehebels vier

schrägstehende Knieteile verwendete, die, wenn der Tiegel sich in der

Höhe befindet, die Form eines Andreaskreuzes bilden, während sie, wenn

er angezogen ist, zu zwei und zwei senkrecht aufeinander, wie Säulen,

stehen[199]. Die Pressen sind jetzt fast die einzigen im Gebrauch

befindlichen, wenn man eine Anzahl unverwüstlicher Stanhopepressen nicht

rechnet, die noch das Gnadenbrot als Korrekturpressen geniessen[200].

[199] Journ. f. B. 1866, Nr. 21 u. 22.

[200] Fast alle hier erwähnten Handpressen sind in dem Journ. f. B.

1834-36 abgebildet und beschrieben. Näheres vergl. S. 51-53.

[Sidenote: Farbeauftrag-Maschinen.]

Mit einer Farbeauftrag-Maschine hatten schon B. STRAUSS in Wien,

HERMSDORF in Mannheim und SCHUHMACHER in Hamburg experimentiert. GEORGI

in Bonn, im Verein mit dem Faktor der Brönnerschen Offizin in Frankfurt

a. M., R. GERHARD, führte eine solche in brauchbarer Weise aus. Eine

kombinierte Buch-, Stein- und Kupferdruckpresse baute GEORG JONTZEN in

Bremen. Ein Mittelding zwischen Schnell- und Handpresse war die von

SELLIGUÉ. Tiegel und Fundament stehen fest, nur das Rähmchen mit dem

Papierbogen ist beweglich. Während ein Drucker von der einen Seite

den Bogen einlegt, hebt ihn ein zweiter von der andern Seite ab. Für

Brockhaus in Leipzig baute der Schlosser KALLMEYER in Osterode einen

ähnlichen Apparat.

[Sidenote: Diverse Maschinen.]

Von kleineren Maschinen sind zu erwähnen die Falzmaschinen von

SULZBERGER & GRAF in Frauenfeld in der Schweiz, später von König &

Bauer, ISERMANNS Hobelmaschine, BROCKHAUS' Zifferndruckmaschine und

Farbereibmaschine, H. ZIMMERMANNS und F. G. WAGNERS und B. AUERBACHS

Numeriermaschine, A. FOMMS und KARL KRAUSES Schneidemaschinen, BRENDLER

& HARLERS Perforiermaschine, HANSENS mechanischer Ausleger u. v. a.

J. F. KLEIN in München liefert eine Kontrolle-Billetmaschine, die

von endlosen Streifen 150 Stück in der Minute druckt und numeriert.

Eisenbahnbilletmaschinen lieferten ferner KARIG in Wien und G. GÖBEL

in Darmstadt. Solche Maschinen schneiden das Papier, drucken den Text,

die laufende Nummer, zählen die Exemplare und drucken schliesslich das

Datum darauf. ALBERT & CO. in Frankenthal bauten Signiermaschinen,

A. FICHTNER in Wien Bronciermaschinen, A. MEYER & SCHLEICHER

Graphiteinreibungsmaschinen, B. DONDORF in Frankfurt a. M., FR. HEIM &

CO. in Offenbach und noch viele andere stellten Liniiermaschinen etc.

her.

[Sidenote: Die Satiniermaschine.]

Die SATINIERMASCHINE mit zwei Stahlwalzen, zwischen welche Zinkplatten

mit je einem zwischen zwei Platten gelegten Bogen unter starkem Druck

gezogen wurden, hielt sich trotz aller Inkonvenienzen lange. Erst in

letzterer Zeit wurde sie durch Satinierwerke mit zwei Hartgusswalzen

und zwei äusserst harten und sehr glatt gedrehten Papiermassewalzen,

welche durch den stärksten hydraulischen Druck eine völlig harte Masse

geworden, abgelöst. Das Papier geht einen S-förmigen Weg und kommt somit

von beiden Seiten mit den Stahlwalzen in Berührung. Schaber und Wischer

halten die Walzen rein und stählerne Abstreifer verhindern das Ankleben

des Bogens an die Walzen. Zuerst wurden sie nur mit einer Stahl- und

einer Papierwalze gebaut, da jedoch die Seite des Papiers, welche mit

der Papierwalze in Berührung kam, weniger glatt wurde, so musste das

Papier zweimal umschlagen und nochmals eingelegt werden; was nun durch

das doppelte Walzenpaar unnötig geworden ist.

Obwohl die Papierwalzen ausserordentlich hart sind, so hinterlassen

doch die kleinen Knoten und Unreinheiten des Papiers nach und nach

Eindrücke, die von Zeit zu Zeit durch Leerlaufenlassen der Massenwalze

an die Stahlwalze oder durch Abdrehen beseitigt werden müssen. Diese

Satinierwerke werden namentlich von W. F. HEIM & CO. in Offenbach[201]

und C. G. HAUBOLD in Chemnitz gebaut; KARL KRAUSE in Leipzig liefert

sie auch mit sechs Cylindern, zwei von Stahl und vier von Papier.

Auch F. SCHLOTKE machte sich durch Anfertigung von Satiniermaschinen

bekannt. W. SCHROEDER & CO. in Leipzig fertigen Satinierwerke, bei

welchen die Massenwalzen mit einem Stahlblech umzogen werden, wodurch

die vollkommene Glattheit der Stahlwalze sich mit der Elastizität der

Massenwalze verbindet[202]. Die Werke von W. R. SCHÜRMANN in Düsseldorf

haben zwei Hartgusswalzen, die nicht ganz cylindrisch geschliffen sind,

damit der ausgeübte Druck sich ganz gleichmässig verteilt[203].

[201] Journ. f. B. 1877, Nr. 13.

[202] Journ. f. B. 1881, Nr. 3.

[203] Journ. f. B. 1881, Nr. 45.

Für das heisse Satinieren nach dem Drucke lieferten C. G. HAUBOLD JUN.

in Chemnitz und W. F. HEIM in Offenbach Werke, die mit günstigem Erfolg

1000-1600 Exemplare in der Stunde satinieren und nur zwei Personen zur

Bedienung gebrauchen[204].

[204] Journ. f. B. 1879, Nr. 19.

Unter den Utensilienfabrikanten nehmen SCHELTER & GIESECKE, A.

HOGENFORST und ALEX. WALDOW in Leipzig einen bedeutenden Platz ein.

KLIMSCH & CO. in Frankfurt a. M. haben durch ihr »Adressbuch für

Buch- und Steindruckereien« und durch ihren »Allgemeinen Anzeiger

für Druckereien« Verdienste um die Erleichterung des Verkehrs

und berücksichtigen mit ihrem Utensilien-Geschäft namentlich

Steindruckereien, ebenso G. E. BAUMANN in Berlin; GURSCH & KLEMM in

Berlin liefern Giesserei-Werkzeuge. In Stuttgart wirken STOFFLER & BACKÉ.

* * * * *

[Sidenote: Die Farbefabrikation.]

Nachdem die Buchdruckereien aufgehört hatten, selbst ihre Farbe zu

bereiten, und grössere Anforderungen an den Druck gestellt wurden,

war Deutschland, was die feinere, namentlich die Illustrationsfarbe

betraf, dem Ausland, vorzüglich England, tributpflichtig geworden, und

noch bis in die vierziger Jahre hinein waren Parson, Lawson u. a. die

Hauptlieferanten für den deutschen Markt. Um diese Zeit fingen jedoch

namentlich JUL. HOSTMANN in Celle und GEBR. JÄNECKE & FRIEDR. SCHNEEMANN

in Hannover an, ihre Fabrikation durch rationellen Betrieb in die Höhe

zu bringen. Kostete es anfänglich auch grosse Mühe, durchzudringen, so

kam es doch so weit, dass der deutsche Fabrikant nicht allein auf dem

deutschen Markte siegreich blieb, sondern auch im Auslande sich geltend

machte. Nicht ohne grosse Bedeutung ist es, dass auf der Weltausstellung

in Melbourne die letztgenannte deutsche Fabrik die goldene Medaille

erhielt, während der berühmten Firma A. B. Fleming & Co. in Leith (S.

72) nur der dritte Preis zufiel.

[Sidenote: Teigfarben.]

Von älteren und jüngeren Fabriken sind zu nennen: FISCHER, NAUMANN & CO.

in Ilmenau, J. BRÖNNER in Frankfurt a. M., KAST & EHINGER in Feuerbach

bei Stuttgart, ROBERT GYSAE in Oberlössnitz bei Dresden, J. E. BREIDT in

Hammerling in Nieder-Österreich, FRIEDR. WÜSTE in Pfaffenstetten, FREY &

SENING in Leipzig. Letztere brachten auch die sogenannten Teigfarben in

Aufnahme, die sich jahrelang geschmeidig erhalten und vor der Verwendung

nur eines leichten Anreibens unter Zusatz der nötigen Quantität von

Firnis bedürfen; es ist dies eine sehr beachtenswerte Neuerung für

Buchdruckereien, die nicht regelmässig mit bunten Farben arbeiten.

[Sidenote: Die Kopierfarbe.]

Nicht unwichtig war die Einführung der Kopierfarbe, denn diese macht

es möglich, die mit solcher Farbe vorgedruckten Blanketts zusammen mit

dem mittels Kopiertinte Hineingeschriebenen später zu kopieren, was

besonders in dem ganzen Frachtverkehr von grossem Werte ist.

[Sidenote: Surrogate.]

Versuche, Farbe aus billigeren Stoffen, z. B. aus dem Saturationsschlamm

der Zuckerfabriken, aus den tanninschwarzhaltigen Lederabfällen zu

bereiten, sowie, eine abwischbare Farbe herzustellen, so dass Makulatur

wieder in weisses Papier umzuändern wäre, haben alle für die Praxis

keinen Wert gehabt. Mit der Farbefabrikation ist öfters die der

sogenannten englischen Walzenmasse (S. 71) verbunden.

[Illustration]

[Illustration]

XII. KAPITEL.

DAS ZENTRUM DER GERMANISCHEN GRUPPE.

J. G. I. Breitkopf, seine Reformen, der Musiknotendruck vor Breitkopf

und dessen Verbesserungen, Breitkopf & Härtel. G. J. Göschen. Friedr.

Arnold Brockhaus und seine Nachfolger. B. G. Teubner. Karl Tauchnitz.

Fr. Nies und seine Nachfolger. B. Tauchnitz. Das Jubelfest 1840.

Giesecke & Devrient. Das Bibliographische Institut. Verschiedene

Offizinen Leipzigs. -- Dresden: Meinhold & Söhne u. a. -- Halle:

Waisenhausdruckerei, Schwetschke & Sohn. -- Weimar: Hofbuchdruckerei.

-- Gotha: Just. Perthes. -- Braunschweig: Vieweg & Sohn, G.

Westermann, Dr. Heinrich Meyer und das Journal für Buchdruckerkunst.

[Sidenote: J. G. I. Breitkopf.]

Ziemlich gleichzeitig mit dem Begründer der nationalen Grösse

Deutschlands, Friedrich II., und mit den Bahnbrechern des nationalen

Kultur- und Kunstlebens: Lessing, Klopstock, Gellert, Kant, Just. Möser

und Winckelmann wurde der Reformator der deutschen Typographie JOHANN

GOTTLOB IMMANUEL BREITKOPF am 23. November 1719 in Leipzig geboren,

welches nunmehr unter der Führung Breitkopfs und anderer tüchtiger

Gesinnungsgenossen die Stellung als Vorort der deutschen Typographie

behaupten sollte[205].

[205] K. G. HAUSIUS, Biographie J. G. I. Breitkopfs. Leipzig 1794. --

Dr. O. HASE, Breitkopf & Härtel, 1883.

Breitkopf war ein Sohn des rühmlichst bekannten Bernh. Christoph

Breitkopf (I, S. 149). Von Natur sehr aufgeweckt und geistig begabt,

hatte er keine Neigung, dem Wunsche des Vaters gemäss, sich der

Buchdruckerei zu widmen, dagegen zog es ihn unwiderstehlich zu den

Studien hin. Der Kampf zwischen dem Vater und dem Sohne schloss mit

einem Kompromiss, wozu beide, und Gutenbergs Kunst dazu, sich nur Glück

wünschen konnten: Johann Immanuel sollte sich sowohl den Studien, als

dem Geschäft widmen.

[Sidenote: Seine Ausbildung.]

[Sidenote: Breitkopf und die Fraktur.]

Er legte sich nun mit grossem Eifer auf die Wissenschaften und versuchte

sich auch schriftstellerisch. Grossen Einfluss auf seine Ausbildung

übte Gottsched. Erst in späterer Jugend machte sich die Lust an der

Mathematik, der er später einen grossen Teil seines Ruhmes verdanken

sollte, bei ihm geltend. Das Werk Albrecht Dürers »Unterweysung

der Messung mit dem Zirkel u. s. w.« fiel ihm in die Hände. Die

mathematische Berechnung der Schriftverhältnisse interessierte ihn, und

nun war er für die Typographie gewonnen. Er ging an das Vergleichen mit

den alten Drucken und fand, wie die sich immer mehr verschlechternde

Form mit dem Verfall der Schönschreiberei in Verbindung stand. Mit

grossem Eifer fing er an die Buchstaben mathematisch zu berechnen. Er

sammelte emsig alle Musterschriften und Werke über Schriftenkunde und

begann nun seine Reformen, namentlich arbeitete er unablässig für die

Verbesserung und Verschönerung der Frakturschrift. Die Gründe, die ihn

bewogen an dieser festzuhalten und seine Anstrengungen der Regeneration

derselben zu widmen, hat er später in einer Schrift: »Über Bibliographie

und Bibliophilie« (1793) entwickelt. Seiner Ansicht nach wäre die

deutsche Schrift der lateinischen unbedingt vorzuziehen; sie eigne

sich selbst für Transkription fremdländischer Werke, als hebräischer

und arabischer, besser als die Antiqua. Nur die Verachtung, welche

die Gelehrten der deutschen Schrift bewiesen, trage die Schuld, dass

dieselbe nicht eben so verbessert und verschönert worden sei, wie die

allgemein beliebte lateinische. Es bedürfe aber nur der Aufmunterung,

um die Künstler zu veranlassen, unter Zugrundelegung der Schöfferschen

Muster, oder der Theuerdank-Type eine Frakturschrift zu schaffen, welche

der schönsten Antiquaschrift die Wage halte.

So lautete der Ausspruch Breitkopfs und er ging nun auch daran, seiner

Ansicht praktische Geltung durch eine verbesserte Frakturschrift zu

verschaffen, welche zuerst in: »Einige Lieder für Lebensfreuden«

angewendet wurde, während die neue Antiqua zuerst in Forbigers Ausgabe

des »Catull« zum Abdruck gelangte.

Wäre Breitkopf der Fraktur abhold und ein eifriger Freund der

Antiqua gewesen und hätte er letztere zu einer Zeit, wo man anfing

sich nach schön gedruckten Büchern zu sehnen, zum Gegenstand seiner

reformatorischen Pläne gemacht, so hätte möglicherweise die Frage:

»Antiqua oder Fraktur« unter seiner Autorität längst eine Entscheidung

im Sinne der Vertreter der Antiqua gefunden. Denn damals lag die

Angelegenheit weit einfacher als heute, wo sie bei der Mehrzahl der

Gegner der Antiqua weit eher eine nationale Gefühlssache als eine Frage

der Zweckmässigkeit und der Schönheit geworden ist.

[Sidenote: Der Musiknotendruck.]

Einen ganz wesentlichen Anteil an dem Weltruhm Breitkopfs haben seine

Verbesserungen des typographischen Musiknotendrucks. Der Umstand,

dass die Buchdruckerkunst gleich bei ihren ersten Erzeugnissen auf

die Bedürfnisse der Kirche geführt wurde, musste die Gedanken auf

den Notendruck richten; doch war die Technik damals nicht so weit

vorgeschritten, dass man an die Überwindung der durch die Verbindung

des Druckes der horizontalen Linien und der vertikalen Notenzeichen

entstehenden Schwierigkeiten denken konnte. Man musste deshalb beim

Drucken des Textes Raum lassen, für die nachträglich einzuschreibenden

Noten. Später wurden Linien und Text rot gedruckt, die Choralnotenköpfe

eingezeichnet, teilweise auch mit der Hand durch Stempel einzeln

aufgedruckt oder das Ganze in Holz geschnitten. Das erste mit

Holzschnitt-Choralnoten gedruckte Buch ist das bei Hans Froschauer in

Augsburg erschienene _Lilium Musicae planae_ des Michael Kiensbeck aus

dem Jahre 1473. Die ersten Proben von Figuralmusik in Holzschnitt kommen

in einem Werke des Nic. Burtius vor, gedruckt von Hugo de Rugeriis in

Bologna 1487.

[Sidenote: Noten in Holzschnitt.]

Solche in Holz geschnittene Noten wurden noch benutzt, nachdem das

Verfahren mittels beweglicher Choralnotentypen zu drucken erfunden

war, z. B. in den Liederbüchern Luthers. Wann und wo der Versuch mit

letzteren zuerst geschah ist nicht zu ermitteln, denn das Verfahren

wurde ziemlich gleichzeitig an vielen voneinander sehr entfernten Orten,

z. B. um das Jahr 1488 in Basel, geübt.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 30 / 47 段