einfachen Tischlergesellen zu einem hervorragenden xylographischen
Künstler und Kunstdrucker. Prof. von Berger in Wien war der erste,
welcher auf sein ausserordentliches Talent aufmerksam wurde.
Den Unterricht in der Xylographie erhielt er von Bader, der von
Stuttgart nach Wien übergesiedelt war. Ein Holzschnitt Knöflers, »Der
Stephansturm«, wurde sehr bewundert und verschaffte ihm eine Anstellung
in der Staatsdruckerei, welche er später mit einer solchen bei Zamarski
vertauschte, bei dem er sich viel mit dem Chromodruck beschäftigte.
Seinen hauptsächlichsten Ruf erwarb sich Knöfler durch seine Miniaturen
zu dem bei Reiss erscheinenden _Missale_ und durch seine Illustrationen
zu den liturgischen Werken Pustets in Regensburg. Eine ihm von Didot
angebotene ehrenvolle und vorteilhafte Stellung lehnte er ab. Knöfler
ist namentlich ein Meister in der Behandlung der Köpfe seiner kleinen
Figuren. Eine seiner bedeutendsten Leistungen ist die Nachbildung des
Marienfensters des Prof. Trenkwald in der Votivkirche zu Wien. Ferner
sind die Illustrationen zu dem »Ägyptischen Joseph« und zu Führichs
»Geistliche Rose« zu nennen.
Ein ehemaliger Schüler und Mitarbeiter Knöflers, HERMANN PAAR, arbeitete
mit BIBERHOFER zusammen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn durch den
Druck der von Bader geschnittenen Trachtenbilder Albr. Dürers gelenkt.
Sein Bildnis eines Unbekannten nach Jan van Eyck ist eine vollendete
Leistung, ebenso sein Kegelschieber nach Ostade. Ein Xylograph ersten
Ranges ist der mehrerwähnte BADER. Sein Panorama von Wien im Jahre 1873
hat bei einer Höhe von 77 cm eine Länge von 122 cm.
* * * * *
In Verbindung mit der Xylographie müssen wir noch zwei Verfahren nennen,
die, wennauch ihr praktischer Wert kein ausserordentlicher ist, doch dem
Fachmann von Interesse sind.
[Sidenote: Die Planotypie.]
Die erste ist die PLANOTYPIE[188]. Eine Zeichnung in Linien wird auf
Lindenholz getragen. Mittels einer durch eine Stichflamme glühend
gemachten Stanze wird die Zeichnung Strich für Strich in das Holz
vertieft eingebrannt und so eine Matrize gebildet, in welche eine leicht
flüssige Metalllegierung gegossen wird. So wird ein erhabenes Cliché
erzielt, mit welchem man, nachdem die Oberfläche vollständig egalisiert
worden ist, drucken kann. Das Verfahren wurde zuerst von LEPEL, früher
in Berlin, dann in Dresden, verwendet, namentlich für die sehr grossen
Musterbogen der Modenzeitungen, auf welchen die verschiedenen Muster für
das Zuschneiden auf einer Platte sich kreuzen.
[188] H. KLEMM, Die Planotypie. Dresden 1871.
Mit vielem Geschick ist diese Methode zur Illustrierung eines
umfangreichen Werkes »Trachten der Völker in Bild und Schnitt« (Dresden,
bei Müller, Klemm und Schmidt) verwendet. Über 1000 Figurenbilder sind
in dieser Weise in Umrissen wirksam und charakteristisch hergestellt.
[Sidenote: Stigmatypie von Fasol.]
Ein anderes Verfahren oder vielmehr eine besondere Verwendung der
einfachsten typographischen Figur, des Punktes, zur malerischen
Typographie, die STIGMATYPIE, fand besonders in Wien durch CARL FASOL
Pflege.
Mit fünf Graden von Punkten liefert derselbe nicht allein die
kompliziertesten Ornamente, sondern auch förmliche bildliche
Darstellungen: Porträts, Architektonisches, Landschaftliches, Blumen-
und Fruchtstücke mit Licht- und Schatteneffekten, die, wenn man des
benutzten Materials eingedenk bleibt, geradezu wunderbar sind. Die
Zeichnung wird auf karriertes Papier übertragen und zur Erleichterung
beim Setzen die Stärke der zu wählenden Punkte durch Farbennuancierungen
kenntlich gemacht. Um die unendliche Mühe einer solchen stigmatypischen
Arbeit zu beurteilen, mag die Erwähnung des Umstandes genügen, dass
zu einem Fruchtstück in der Grösse von 11×13 Zoll etwa 80000 Punkte
gehörten. Man muss dem bedeutenden Talent und der grenzenlosen Ausdauer
des Künstlers seine Achtung zollen, jedoch nicht ohne eine herbe
Beimischung von Bedauern, dass doch nur bedingungsweise Gelungenes
zustande gebracht werden kann, was man mit weniger Mühe und Aufwand in
anderer Weise besser und leichter hätte erzielen können. Doch bleiben
diese stigmatypischen Arbeiten eine Anspornung für den Typographen,
sein Material gut zu benutzen, wenn er sieht, mit wie wenigen Mitteln
sich etwas Hübsches schaffen lässt und deshalb verdienen die von Fasol
herausgegebenen Proben (»Album der Buchdruckerkunst«, fünf Hefte in
Folio, 1868-1881) einen Platz in jeder grösseren Druckanstalt und in
jeder typographischen Gesellschaft.
[Illustration]
[Illustration]
XI. KAPITEL.
DIE TYPOGRAPHISCHEN MASCHINEN IN DEUTSCHLAND.
Fr. König und die Schnellpresse. Die Bedeutung derselben.
Jugendgeschichte Königs. Seine Rückkehr aus England. Etablissement
König & Bauer in Oberzell. Kampf und Sieg. Die Zweifarbenmaschine.
Die Endlose. Die Maschinenfabrik Augsburg und andere Fabriken
Deutschlands. Helbig & Müller in Wien und andere Fabrikanten
Österreichs. Die lithographische und die zinkographische
Schnellpresse. Die Handpressen. Die Satinier-Schnellpresse. Die
Farbenfabrikation.
[Sidenote: Fr. König und die Schnellpresse.]
Am 17. April 1874 waren hundert Jahre vergangen seit dem Tage, an
welchem FRIEDRICH KÖNIG, der Erfinder der Schnellpresse, in Eisleben
das Licht der Welt erblickt hatte[189]. »Eine kleine Stadt war sein
Geburtsort, aber ihr Name hatte Weltruf erlangt, denn in Eisleben stand
die Wiege des grossen Reformators, Luther, den hunderte, über das
ganze Erdenrund verbreitete Millionen als den Befreier von dem auf dem
Geiste lastenden Druck verehren; dessen Name jeder gebildete Deutsche,
der Genuss und Belehrung in den Werken sucht, welche die Heroen der
deutschen Litteratur und Wissenschaft schufen, als den des Reformators
der Muttersprache hoch hält, selbst wenn er dem Träger desselben auch
nicht als Reformator in Glaubenssachen huldigt.«
[189] Die folgenden Zeilen sind einem Glückwunschschreiben entnommen,
welches der Herausgeber dieses Buches als Sekretär des Deutschen
Buchdrucker-Vereins an die Söhne Friedrich Königs zum 17. April
1875 abzufassen hatte (vgl. Annalen d. Typ. Nr. 301). Dieses
Schreiben sowohl wie der Jubelartikel in dem Journ. f. B. 1875,
Nr. 15 ff. kamen jedoch, wie nach späterer Feststellung des
Geburtsjahres Königs hervorgeht, um ein Jahr zu spät.
[Sidenote: Kulturhistor. Bedeutung der Erfindung.]
»Wie wäre jedoch die weltbewegende Wirksamkeit Luthers gehemmt gewesen,
wenn er nur auf das gesprochene Wort und auf die Verbreitung desselben
durch Niederschrift angewiesen gewesen wäre, wenn ihm nicht die
thätigen Pressen Wittenbergs und Leipzigs fördernd zur Seite gestanden
hätten. Glücklich müssen wir uns preisen, dass die deutsche Erfindung
Gutenbergs es ihm möglich machte, seine zündenden Blitze nach überall
hinzuschleudern.«
»Und doch, wie unvollkommen und langsam war die damalige Hülfe der
Presse, wenn wir sie mit derjenigen vergleichen, welche sie uns heute
leistet. Vergegenwärtigen wir uns, wie viel durchgreifender und wie
unendlich schneller die Erfolge der reformatorischen Thätigkeit Luthers
hätten sein müssen, wenn man derzeit über diejenigen mechanischen
Hülfsmittel zu verfügen gehabt hätte, die uns jetzt zu Gebote stehen;
wenn die $Schnellpresse$ damals dienend zur Seite gestanden hätte; wenn
diejenige Reform im Druckwesen, welche die _Times_ vom 29. November
1814 den staunenden Lesern verkündete, gleichzeitig mit der Reform des
Glaubens und der deutschen Sprache ins Leben getreten wäre.«
»Doch verlieren wir uns nicht in Phantasien über das, was hätte werden
können, und halten wir uns an die grosse Errungenschaft, wie wir sie
wirklich jetzt besitzen. Die $Schnellpresse$ gehört unserer Zeit. Sie
ist ein Kind des XIX. Jahrhunderts und hat wieder so unendlich viel
dazu beigetragen, dieses zu einem der denkwürdigsten in der Geschichte
der Entwickelung der Menschheit zu machen. $Sie$ hat die Presse zu der
sechsten, oder wenn wir wollen, zu der ersten Grossmacht herangebildet,
$sie$ hat der öffentlichen Meinung, verkörpert in dem Journalismus, eine
Macht verliehen, vor der sich selbst die Mächtigsten der Erde beugen,
$sie$ trägt die Bildung bis in die Hütte und macht es dem Ärmsten
möglich, an den geistigen Genüssen, welche gottbegabte Männer uns
bereiteten, teilzunehmen, $sie$ hat, wie die Grabschrift des Erfinders
sagt, »der Presse Flügel verliehen, ohne welche sie ihr zehnfaches
Tagewerk nicht genügend würde erfüllen können.«
[Sidenote: Königs Jugendgeschichte.]
Der Vater Königs war ein schlichter Ackerbauer, die Mutter eine
vortreffliche Frau, die für einen guten Unterricht des Sohnes Sorge
trug. Zu Johanni 1790 kam Friedrich in die Buchdruckerlehre bei J.
G. J. Breitkopf und wurde Michaeli 1794 losgesprochen. Jede freie
Stunde verwendet er auf seine Ausbildung, hörte später Vorlesungen
und beschäftigte sich wahrscheinlich schon frühzeitig mit Plänen zur
Verbesserung der Holzpresse und mit dem Gedanken, Stempel in Platten
einzudrücken, um in letztere Stereotypplatten zu giessen. In betreff der
Konstruktion einer Tiegeldruck-Schnellpresse[190] war er schon im Jahre
1805 mit sich ins Reine gekommen, denn in diesem Jahre wendete er sich
von Wien aus an den Kaiser von Russland und bietet ihm die Erfindung an.
Die Pläne wurden nach St. Petersburg gesandt; er selbst folgte am 12.
Mai 1806. Anfänglich gestalteten sich die Aussichten vortrefflich und
König schrieb an seine Mutter, mit der er auch später sich schriftlich
in kindlicher Liebe unterhält, Berichte voll der schönsten Hoffnungen.
Bald sollten jedoch diese vernichtet werden und noch in dem erwähnten
Jahre ist König in London, um dort seine Pläne durchzusetzen.
[190] TH. GOEBEL, Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse.
Braunschweig 1875. Eine von demselben verfasste umfangreiche
Geschichte der Erfindung, zugleich der Firma König & Bauer, war
bei dem Satz dieser Bogen und bei dem bereits erfolgten Druck
der Bogen 4 und 5 noch nicht ausgegeben, konnte demnach nicht
für die Darstellung hier benutzt werden. -- J. H. BACHMANN, »Die
ersten Schnellpressen in Deutschland«; eine Reihe von Artikeln
in dem Journ. f. B. 1868, Nr. 38-48, 1869, Nr. 2-17 enthält die
ausführliche Geschichte des Baues von vier Schnellpressen für
Spener und Decker in Berlin.
[Sidenote: König & Bauer.]
Wie dies geschah ist bereits erzählt (S. 53). König kehrte Ende August
1817 nach Deutschland zurück, wo es ihm gelungen war, das reizend
gelegene frühere Benediktiner-Kloster OBERZELL, eine halbe Meile von
Würzburg, zu erwerben. Erst später, im Mai 1818, kam der treue Freund
Bauer nach Oberzell. Dieser, 1783 in Stuttgart geboren, war ein sehr
tüchtiger Mechaniker und hatte durch sieben Jahre treu alle Arbeiten
und Sorgen mit König geteilt, ohne dass ein festes Geschäfts-Verhältnis
zwischen beiden stattgefunden hatte. Erst wenige Tage vor Königs Abreise
von London wurde, am 9. August 1817, der erste Vertrag zwischen beiden
abgeschlossen. Nach demselben sollte König als Erfinder und als Ersatz
für seine bisherigen Opfer zwei Anteile am Gewinn haben, während ein
Anteil Bauer zufallen sollte; auch würde Oberzell Königs Eigentum
bleiben. Im Jahre 1821 wurde der Vertrag dahin abgeändert, dass eine
gleichmässige Teilung des Gewinns stattfand.
[Sidenote: König über Bauer.]
Über Bauers Anteil an der Erfindung und an der Fortbildung derselben
thun wir am besten, uns an Königs eigene Worte zu halten, welche in
wenigen Zeilen das Verhältnis so trefflich und schön charakterisieren:
»Wenn zwei Männer gemeinschaftlich und im höchsten Vertrauen zu
einander einen Zweck verfolgen, so dürfte es schwer sein, den Anteil zu
bestimmen, den ein Freund gehabt hat, der bei allem zu Rate gezogen, mit
dem jede Angelegenheit des Geschäfts überlegt worden ist und wir haben
uns selbst nie Rechenschaft darüber abgelegt oder abgefordert«.
Man hatte nun nicht nur ein Dach über dem Kopfe, sondern war, was
Lokalität anbetrifft, eingerichtet, wie es nicht besser sein konnte,
aber es galt jetzt, alles aus nichts zu schaffen, nicht nur Werkzeug
und Hülfsmaschinen, sondern auch Arbeiter, denn die Verhältnisse lagen
nicht wie in England; aus rohen Bauern waren erst tüchtige Gehülfen
auszubilden.
[Sidenote: Erste Bestellung.]
Dann mussten Bestellungen herbeigeführt werden. Cotta, an den man sich
zuerst wandte, konnte »Staatsgeschäfte halber« vorläufig sich nicht
mit dem Maschinenwesen befassen. Dagegen fanden Königs Vorstellungen
offene Ohren bei Georg Jacob Decker in Berlin und dessen Schwager K.
Spener. Bereits während Königs Aufenthalt in England waren nähere
Unterhandlungen mit Decker angeknüpft, die jedoch durch Königs Absicht,
England zu verlassen, unterbrochen wurden. Am 15. Oktober 1817 kam es
mit den Genannten zu dem Abschluss eines Kontraktes über die Lieferung
von zwei Schnellpressen, die innerhalb zwei und einem halben Jahre
fertig zu stellen waren. Die Abnehmer sollten 7000 Thaler zahlen,
ausserdem alle Spesen tragen und, anstatt der von König anfänglich
geforderten jährlichen Abgabe, ein für allemal ein Prämium von 10000
Thalern gewähren. Man sieht aus dem obigen, dass es den Bestellern nicht
an Opferfreudigkeit und Zutrauen zu den Ideen Königs fehlte.
[Sidenote: Schwierigkeiten aller Art.]
Die Ausführung gestaltete sich für beide Teile zu einer langen
Leidensgeschichte. Nicht nur die oben erwähnten Schwierigkeiten der
Arbeiterverhältnisse, sondern auch der Mangel an Fonds machten sich
in quälender Weise für König & Bauer geltend. Zwar erhielten sie ein
zinsfreies Darlehen von 20000 fl., jedoch zunächst um eine Papierfabrik
in Gang zu bringen. Die ersten 10000 fl. waren bereits absorbiert,
ohne dass die Arbeiten, an welche die Auszahlung der zweiten 10000 fl.
geknüpft waren, ihr Ende erreicht hatten. John Walter, für welchen König
noch Arbeiten auszuführen hatte, ward unwillig, weil er sich unmöglich
die Jämmerlichkeit der deutschen Arbeiterverhältnisse vorstellen konnte.
Das langsame Vorwärtsschreiten machte Decker und Spener ärgerlich,
trotzdem unterliessen sie nicht, der Fabrik allen möglichen Vorschub
zu leisten. Erst im Juli 1822 konnte der erste Probedruck in Oberzell
gemacht werden. Am 15. November 1822, also erst fünf Jahre nach der
Bestellung, waren die durch Nachbestellung auf vier vermehrten Maschinen
zum Versand fertig. Im Januar 1823 befanden sie sich zwar im Gange
und das erste Produkt war die Nr. 11 der Spenerschen Zeitung vom 25.
Januar 1823; es dauerte jedoch fast ein Jahr, bevor die Leistungen
zufriedenstellend ausfielen. Mit allen dazu gehörigen Einrichtungen
kamen die Kosten für die Besteller auf etwa 30000 Thaler zu stehen, dazu
im Jahre 1827 noch 5500 Thaler für Umbau.
[Sidenote: Vielfache Pläne.]
Es war eine schwere und aufreibende Zeit gewesen. Mit der Papierfabrik
wollte es nicht vorwärts. Im Herbst 1823 musste König selbst nach
London gehen, um von den neuesten Erfindungen und Verbesserungen
der Papierfabrikation Kenntnis zu nehmen. Die Geldsorgen endigten
vorläufig durch den Beitritt Cottas zu diesem Geschäft; 1831 übernahmen
jedoch König & Bauer dessen Anteil wieder. Obwohl das Unternehmen
somit schliesslich festen Boden gewann, so war die Zersplitterung der
Kräfte doch kaum als ein Glück für das Schnellpressen-Etablissement zu
betrachten, dessen rasche Förderung noch nicht gelingen wollte, sie
gewährte aber eine fortwährende Beschäftigung für Königs regen Geist. Er
brachte an den _Times_-Maschinen Verbesserungen an, beschäftigte sich
mit dem Gedanken einer _Roundabout_-Presse mit zehn Druckcylindern,
welche stündlich 5000 Exemplare liefern sollte, und mit dem bereits
erwähnten Verfahren, geschlagene Matern herzustellen. Selbst die
Setzmaschine spielte eine Rolle in seinen damaligen Plänen.
[Sidenote: Verbreitung der Schnellpresse.]
Am 12. Juli 1824 erhielt Cotta eine Schnellpresse für die Allgemeine
Zeitung in Augsburg. König selbst leitete die Aufstellung im Verein
mit seinem Neffen Fritz Reichenbach, der bei Decker gelernt hatte und
den König von Berlin mitgenommen hatte, um ihn als Maschinenbauer
auszubilden; ein zweiter Neffe, Friedrich Helbig, zeichnete sich später
in Wien aus.
Um die Anbringung der Maschinen zu erleichtern, wollte König solche auf
eigenes Risiko bauen und sie auf Gewinn-Anteil ausleihen. König litt
jedoch unter demselben Mangel an Betriebskapital, der die Buchdrucker
selbst drückte, und der Plan liess sich nicht durchführen. Er musste
nun darauf bedacht sein, kleinere und billigere Maschinen zu bauen, die
sich durch Menschenhände bewegen liessen und von denen er gleichzeitig
mehrere Exemplare bauen könnte, wodurch die Herstellung wesentlich
billiger zu stehen kommen würde. Der Erfolg bewies, dass die Rechnung
eine richtige gewesen. 1826 wurden elf Maschinen fertiggestellt,
darunter die ersten für Stuttgart (J. B. Metzler) und Leipzig (F.
A. Brockhaus). Schon Fr. Arn. Brockhaus hatte an Anschaffung einer
Schnellpresse gedacht, schreibt jedoch 1819 an König, dass ihm der Mut
fehle (Kap. XII). Nach Paris wurde die erste Maschine an A. Guyot &
Scribe, die zweite an E. Pochard geliefert; für Enchedé & Sohn in Harlem
waren bereits zwei solche abgesandt.
[Sidenote: Rückgang und dann neue Erfolge.]
Somit schien alles im besten Gange zu sein, da kam die Julirevolution.
Die Drucker zerschlugen die Schnellpressen, die Bestellungen sowohl
aus Frankreich wie aus Deutschland blieben aus; niemand hatte Lust,
Kapitalien in Maschinen, welche der Zerstörung ausgesetzt waren,
anzulegen, und als Ruhe und Vertrauen wiederkehrten, konnte Frankreich
seinen Bedarf selbst decken. Die Fabrik in Oberzell, die über hundert
Arbeiter beschäftigt hatte, behalf sich jetzt mit vierzehn. Die
Teilhaber verloren jedoch den Mut nicht und machten alle Anstrengungen,
um die Buchdrucker für die Maschinen zu interessieren. In einem
diesbezüglichen Zirkular finden sich merkwürdige Äusserungen. Die
Firma erklärt, vierfache Maschinen bauen zu können, die wenigstens
4000 Exemplare in der Stunde liefern, glaubt jedoch, »dass es nirgends
Verhältnisse giebt, in welchen eine so grosse Geschwindigkeit besondere
Vorteile gewähren würde«, und fährt dann fort: »Wir halten noch andere
seltsamere Kombinationen -- mit endlosem Papier -- nicht nur für
möglich, sondern auch für leicht ausführbar. Allein, obgleich man damit
ein ungeheures Resultat erhalten würde, so treten doch, nach unserer
Meinung, so viel praktische Hindernisse, die in der Beschränktheit des
Bedarfs und den bestehenden Formen und Gewohnheiten ihren Grund haben,
ein, dass wir uns nie zu einem Versuche entschliessen könnten, wiewohl
wir dazu alle Mittel zur Hand haben. Zum $wohlfeilen$ und $schnellen$
Druck ist genug geschehen, zum $besseren$ Druck bleibt noch viel zu thun
übrig«.
[Sidenote: Königs Verheiratung und Tod.]
[Sidenote: Königs Nachfolger.]
Im Jahre 1825 heiratete der 50jährige König eine 18jährige junge
Dame aus Suhl. Sie schenkte König drei Kinder, zwei Söhne und eine
Tochter. König fühlte sich sehr glücklich, sollte jedoch leider nicht
lange sein Glück geniessen. Die Entbehrungen in den jüngeren Jahren,
die fortwährenden Anstrengungen und aufreibenden Sorgen hatten seine
Gesundheit untergraben. Er starb nach einem Schlaganfall am 17. Januar
1833. Seine treue Gefährtin lebte bis zum 1. April 1882. Sein Freund
Bauer überlebte ihn fast 30 Jahre und ruht seit 1860 an seiner Seite.
Die Söhne Wilhelm (geb. am 9. Dezember 1826) und Friedrich (geb. am 29.
Januar 1829) übernahmen das Geschäft. König und Bauer, aus einem ganz
verschiedenen Stoff gebildet, ergänzten sich vortrefflich. Der erste
hochstrebend, weitblickend, rasch schaffend; Bauer bedächtig überlegend,
minutiös im Arbeiten und genau rechnend. Nur einmal in dem schweren
Jahre 1824 trat eine vorübergehende Missstimmung zwischen Beiden ein,
die sich jedoch schnell ausglich.
[Sidenote: Wachstum des Etablissements.]
Bei Königs Tod waren im ganzen etwa 60 Schnellpressen ausgeführt. Es
ging aber nun so rasch vorwärts, dass im Jahre 1865 die tausendste, am
6. September 1873 die zweitausendste Maschine fertiggestellt wurde, bei
welcher Gelegenheit die beiden Brüder den Orden des heiligen Michael
erhielten und damit in den Adelstand erhoben wurden. Für das erste 1000
waren 50 Jahre nötig gewesen, während das zweite 1000 nur acht Jahre
brauchte. Von den 2000 Maschinen blieben 1243 in Deutschland. Leipzig
erhielt davon 265, Stuttgart 117; 392 gingen nach Russland (208 nach
St. Petersburg). Die stärksten Abnehmer waren Brockhaus und Teubner in
Leipzig, die Staatsdruckerei in St. Petersburg mit je 33 Stück, Cotta
mit 32[191]. Das dritte Tausend wurde 1882 voll.
[191] KÖNIG & BAUER, Verzeichnis der ersten 2000 Schnellpressen. 1873.
[Sidenote: Verbreitung der Königschen Schnellpressen.]
Die Schnellpressen König & Bauers zeichneten sich stets durch die grosse
Akkuratesse der Arbeit und durch Solidität aus. Die mit Kreisbewegung
und Cylinderfärbung versehenen Maschinen erwarben in Deutschland
wegen ihres ruhigen Ganges und der Vorzüglichkeit des Farbewerkes
ihre Beliebtheit, obwohl sie schwerer zu bewegen und teurer sind,
als die mit Eisenbahnbewegung und Tischfärbung. Welches Ansehen die
Schnellpressen König & Bauers genossen, beweisen z. B. Bestellungen
von 24 Stück auf einmal, darunter acht Zweifarbe-Maschinen, zum
Banknotendruck nach Rom und von 20 Stück für die Bank von Frankreich.
Die Banknotendruckerei von St. Petersburg beschäftigt vorzugsweise König
& Bauerschen Tiegeldruckmaschinen, welche für die feinsten Arbeiten
allen anderen vorgezogen werden, obgleich sie einen sehr grossen Raum
einnehmen, langsam arbeiten und sehr teuer sind. Eine Eigentümlichkeit
der Tiegeldruckmaschine sind die zwei Fundamente, von welchen man nach
Belieben beide oder nur eins von beiden benutzen kann. Die Färbung, eine
Kombination von Cylinder- und Tischfärbung, ist eine höchst vollkommene.
[Sidenote: Die Zweifarbenmaschine.]
Vorzüglich sind ebenfalls die Zweifarbe-Maschinen König & Bauers. Wenn
sie auch nicht dieselben in die Praxis zuerst einführten, so gebührt
ihnen der Ruhm, sie zuerst zur Vollkommenheit gebracht zu haben. Diese
Maschinen müssen als eine besonders wertvolle Bereicherung des Materials
der modernen Typographie betrachtet werden und fanden rasch eine grosse
Verbreitung. Durch sie hat die ebenfalls neue Erfindung der Hochätzung
erst ihren vollen Wert erhalten, indem es durch sie möglich geworden
ist, farbige Landkarten zu einem solchen Preis zu liefern, dass sie
überall Eingang finden können. Auch für die Accidenzarbeiten ist der
Nutzen ein hervorragender und die harte Not des richtigen Registers beim
Doppeldruck hat nun in manchen Fällen aufgehört.
In neuester Zeit bauten König & Bauer nach dem ursprünglichen Patent von
A. H. Payne in Leipzig eine Dreifarben-Maschine, welche jedoch nach der
Erwerbung seitens der Fabrik in Oberzell umkonstruiert worden ist. Die
gebogenen Galvanos werden auf einem grossen Cylinder angebracht, der den
dreimaligen Umfang eines der Druckcylinder hat. Die Maschine liefert in
der Stunde sieben bis achthundert Drucke in drei Farben, lässt sich
auch für eine grössere Anzahl von Farben bauen und wurde bereits für
fünf nach Frankreich angefertigt[192].
[192] Journ. f. B. 1881, Nr. 32.
[Sidenote: Königs Endlose.]
Als die »Endlosen« aufkamen, verhielten König & Bauer sich eine
ziemlich lange Zeit abwartend und liessen der Fabrik »Augsburg« den
Vorsprung. Erst als sie, ohne ihre Anstalt wesentlich zu schädigen,
nicht zurückbleiben konnten, gingen sie ans Werk, dann aber auch mit der
hergebrachten Energie. Sie hielten sich zunächst an die Konstruktion
der _Victory-Press_, deren Cylinder alle in der Ebene liegen. Ihre
derartigen Maschinen für die Kölnische Zeitung wurden nach den Angaben
des Obermaschinenmeisters E. Bragard hergestellt[193].
[193] Journ. f. B. 1880. Nr. 17.
[Sidenote: Maschinenfabrik Augsburg.]
[Sidenote: Fr. Reichenbach [+] Juni 1883.]