seiner Fabrik das Bruchstück einer Schriftplatte in Porzellan, welche
den Schluss einer Dedikation oder eines Gesuches an den Grossherzog Karl
von Baden seitens eines Müller d. ä., datiert Paris den 1. August 1787,
enthält, des Inhalts:
»Diese Erfindung ist in Teutschland schlechterdings unbekannt. Sie
gehört dem Amtmann Hoffmann, welcher aus einer alten Familie aus den
Markgräflich-Badenschen Landen herstammt. Ich werde mich glücklich
schätzen, wenn sie unter der Protektion Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht,
durch mich, durch Errichtung einer Polytypie eingeführt, und alle
Kirchen- und Schulbücher meines gnädigsten Privilegii, zuerst in
Teutschland polytypiert, von mir können abgedruckt werden. Ein
Unternehmen, das der glorreichen Regierung meines gnädigsten Fürsten
ein ewiges Denkmal stiften und den wärmsten Dank aller edlen Seelen
verdienen wird; denn das Werk ist eines Fürsten würdig.
Ich ersterbe ehrfurchtsvoll
Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht
unterthänigster treu-gehorsamer Knecht
Müller älter.«
[Sidenote: V. v. Pallhausen.]
Im Jahre 1805 machte Vincenz VON PALLHAUSEN in München, unterstützt
von dem Xylographen TH. NEUER, einen Versuch zu stereotypieren. Ehe
dieser einigermassen gelang, verunglückten verschiedene Platten. Von den
hiervon noch übrig gebliebenen, deren Inhalt ein Gedicht auf Gutenberg
bildet, veranstaltete Prögel in München 1836 einen Abdruck in einem
Büchlein: »Denkmal in Stereotypen den Manen Gutenbergs 1805 gewidmet von
Vincenz von Pallhausen«.
Polytypen, Plakat- und grössere Titelschriften waren längst mit der
Hand clichiert worden. Die Clichiermaschine von Pfnorr in Darmstadt
erleichterte sehr das Verfahren[178].
[178] Journ. f. B. 1835, Nr. 5; 1838, Nr. 1.
[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]
Die ersten, welche das Stanhopesche Verfahren in Deutschland erwarben
und ausbeuteten, waren v. Decker und K. Tauchnitz; 1819 kam es nach
Österreich. Die Stereotypendrehbank[179] vereinfachte die Arbeit. Eine
grosse Förderung gewährte die Papierstereotypie (S. 153). In Deutschland
war GEORG JAQUET in München der erste, der das Verfahren 1834 erwarb.
Für die weitere Verbreitung wirkten namentlich TH. ARCHIMOWITZ und J.
ISERMANN in Hamburg[180].
[179] Journ. f. B. 1837, Nr. 5.
[180] TH. ARCHIMOWITZ, Die Papierstereotypie. Karlsruhe 1862. -- A. VON
FLAMMENSTERN, Stereotypie in Österreich. Wien 1822.
[Sidenote: Stereotypie in Eisen.]
Versuche mit Stereotypen in Eisen wurden schon 1805 auf Veranlassung des
Buchhändlers GÄDICKE in Berlin gemacht. Auf den Rübeländer Eisenwerken
im Harz brachte ZIEGLER nach jahrelangem Arbeiten eine vollständige
Bibel in dieser Weise zustande.
So vorteilhaft die Stereotypie ist, namentlich zur Herstellung der
Clichés von Abbildungen, ohne welche die illustrierte Litteratur nie
eine so enorme Ausdehnung hätte erreichen können, so wurde sie doch
bedeutend durch die Herstellung von Clichés auf galvanoplastischem Wege
übertroffen.
[Sidenote: Galvanoplastik.]
[Sidenote: H. Jacobi * 21. Sept. 1801, [+] 10. März 1874.]
Die Galvanoplastik[181] ist eine Erfindung des Deutschen MORITZ HERMANN
JACOBI aus Potsdam. 1835 erhielt dieser einen Ruf nach Dorpat, 1837
nach St. Petersburg. Bereits in diesem Jahre erfand er das Verfahren,
auf chemischem Wege Kupfer abzulagern, und, abgesehen von den sonstigen
hochwichtigen Verwendungen, druckbare Kupferplatten sowohl für den
Tiefdruck auf der Kupferdruckpresse als für den Hochdruck auf der
Buchdruckpresse, je nach dem Original, zu erzielen. Das Verfahren
kaufte die russische Regierung, die mit einer höchst anerkennenswerten
Liberalität es der Allgemeinheit preisgab. Die erste Veröffentlichung
geschah in dem Bulletin der Akademie zu St. Petersburg vom 5. Oktober
1838.
[181] A. HERING, Die Galvanoplastik und ihre Anwendung in der
Buchdruckerkunst. 7. Ausg. -- F. VON ROSELEUR, Handbuch der
Galvanoplastik. Deutsche Übers. Stuttgart. -- Dr. G. SEELHORST,
Katechismus der Galvanoplastik. 2. Aufl. Leipzig.
[Sidenote: Missbrauch der Galvanoplastik.]
Die Galvanoplastik ward jedoch für das Geschäft zu einer zweischneidigen
Waffe. Die Möglichkeit, durch ihre Hülfe von einem Cliché oder einer
Type eine getreue Mater herzustellen, somit ohne Kosten und Mühe sich
die Arbeit des Stempelschneiders oder Holzschneiders anzueignen, wurde
stark gemissbraucht. Nicht nur über die Produkte des Auslands fiel man
her, sondern auch die Kollegen im Inlande wurden nicht geschont und
ein Gesetz verbot diese kollegialische Beraubung nicht. Hier konnte
nur Selbsthülfe wirken und am 15. Mai 1857 konstituierte sich auch
ein deutscher Schriftgiesser-Verein, jedoch erstens waren nicht alle
Schriftgiessereien Mitglieder des Vereins und zweitens konnte dieser
weiter keine Strafe diktieren, als öffentliche Bekanntmachung von
Kontraventionen, und diese genügte nicht immer. Erst der Erlass des
Reichsgesetzes zum Schutze der Muster vom 1. Juli 1873 konnte dem Übel
steuern.
[Sidenote: Die dynamo-elektrische Maschine.]
Ein grosser Fortschritt in der Galvanoplastik ist die Gewinnung von
Clichés durch die dynamo-elektrische Maschine, welche als Ersatz für
die galvanischen Elemente eintritt und einen kräftigen elektrischen
Strom durch Verbindung eines mit Kupferdraht umwickelten, sich rasch
drehenden Eisenringes und eines Elektromagneten hervorbringt, welcher
stark genug ist, um damit in wenigen Stunden ein Cliché zu erzielen.
Diese, namentlich von SIGM. SCHUCKERT in Nürnberg und SIEMENS & HALSKE
in Berlin erbauten Maschinen sind, wo Dampfbetrieb einmal vorhanden ist,
mit einem geringen Kostenaufwande zweckmässigst zu benutzen[182].
[182] Journ. f. B. 1877, Nr. 38.
[Sidenote: Vernickelung.]
Zu erwähnen bleibt noch die Vernickelung der Typen, eine Erfindung des
Prof. Bötticher in Frankfurt a. M., die jedoch, da sie in Deutschland
keinen Anklang fand, nach Amerika auswanderte, um dann von dort als
Neuheit nach Deutschland importiert zu werden.
[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]
Die GIESSMASCHINE ist keine deutsche Erfindung, sie gelangte aber in
Deutschland zur grossen Verwendung. E. Hänel war der erste, der sie hier
baute, nachdem er das Patent LAURITZ BRANDTS (Kap. XVI) erworben hatte.
Ein Schüler Brandts, CORFITZ MÖLLER aus Kopenhagen, baute Giessmaschinen
bei F. A. BROCKHAUS in Leipzig, GURSCH & KLEMM und C. KISCH in Berlin,
STEINER in München und ROB. KÜHNAU in Leipzig waren bestrebt, sie zu
verbessern. Grosse Verbreitung fanden die amerikanischen Apparate.
Auf die neue Hepburnsche Maschine (S. 39) hat, wie schon erwähnt, die
Bauersche Giesserei in Frankfurt das Patentrecht.
Das anfängliche Misstrauen gegen die Giessmaschinen, hervorgerufen
durch die, wegen der eingeschlossenen Luft verursachten Hohlheiten im
Guss sowie die Unmöglichkeit der Verwendung von Hartmetall, ist nach
Beseitigung dieser Übelstände durch verbesserte Konstruktion verstummt
und die Giessmaschine steht jetzt in der Schriftgiesserei ebenbürtig der
Schnellpresse in der Buchdruckerei zur Seite.
[Sidenote: Die Setzmaschine.]
Die SETZMASCHINE[183] (S. 40) bahnt sich in Deutschland langsam den
Weg und hat auch hier wenige praktische Verbesserungen gefunden.
Erst in neuester Zeit nehmen die Erfindungen von PRASCH in Wien, von
A. V. LANGEN in Düsseldorf im Verein mit C. G. FISCHER auf Schloss
Holte in Westfalen[184], sowie von E. W. BRACKELSBERG in Hagen[185]
die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch, namentlich wird die
Ablegemaschine der letzteren allgemein gelobt, jedoch sind diese
Erfindungen noch zu neu, um ihnen in der Geschichte der Typographie
jetzt schon einen bestimmten Platz anweisen zu können.
[183] Litteratur der Setzmaschine s. S. 40 u. ff.
[184] Journ. f. B. 1881, Nr. 33 u. 34.
[185] Österr. B.-Ztg. 1882, Nr. 34; 1883, Nr. 2.
DIE ILLUSTRATION.
[Sidenote: Die Illustration im XVIII. Jahrh.]
Die grosse Ausdehnung der Illustration in dem XVI. Jahrhundert lernten
wir bereits kennen (I, S. 105). Die Holzschnitte und Stiche Dürers
hatten überall Eingang gefunden. Die Gegenstände aus dem profanen Leben
waren jedem verständlich und auch die Darstellungen aus der heiligen
Schrift in ihrer Naivetät ganz dem Fassungsvermögen des Publikums
angemessen. Nicht so rasch gestaltete sich die Verallgemeinerung
der Renaissance. Es fehlte dem grösseren Publikum der Sinn für die
Schöpfungen derselben, der Zusammenhang mit dem Altertum war nicht wie
in Italien vorhanden, und unter den Leiden des dreissigjährigen Krieges
ging vollends der Geschmack an edleren Genüssen verloren. Die später
eindringende französische Malerei diente namentlich zur Verherrlichung
der Machthaber und stand dem Volke fern. Das Bedürfnis nach Schmuck im
kleinen war aber doch nicht untergegangen und zeigte sich auch in der
zweiten Hälfte durch einen Aufschwung in der Bücher-Ornamentierung und
der Illustration.
[Sidenote: D. Chodowiecki * 16. Okt. 1726, [+] 7. Febr. 1801.]
Die Holzschneidekunst war inzwischen so gut wie abhandengekommen und
man nahm deshalb Zuflucht zu dem Kupfer. Kaum ein Buch erschien,
welches nicht wenigstens eine Titelvignette, einige Kapitel-Anfangs-
und Schlussvignetten aufwies. Von dem Ornament ging man zur wirklichen
Illustration über und diesmal kam der Anstoss von Frankreich, wo die
Illustration jedoch einen mehr aristokratischen Anflug hatte, während
sie in Deutschland, wie in früherer Zeit, den volkstümlichen Charakter
annahm und namentlich eine Begleiterin der vielverbreiteten Kalender
wurde.
Einer der grössten Meister in dieser illustrierenden Kleinkunst war
DANIEL CHODOWIECKI, geboren in dem damals noch zu Polen gehörenden
Danzig. Da der Vater frühzeitig starb, musste Daniel ein Handwerk
ergreifen, später konnte er jedoch seiner Neigung folgen und bildete
sich unter der Leitung des Malers Haid mit Erfolg für die Kunst aus.
Mit dem Jahre 1764 traten seine Arbeiten mit der Radiernadel in den
Vordergrund; 1769 lieferte er die ersten zwölf Blätter Illustrationen
zu Lessings »Minna von Barnhelm«. Von nun an häuften sich die Aufträge
der Buchhändler derart, dass seine ganze Arbeitskraft dazu gehörte, um
sie zu bewältigen, und es giebt kaum einen bedeutenden Schriftsteller
damaliger Zeit, dessen Werke er nicht illustriert hätte.
[Sidenote: Der Holzschnitt.]
Der Holzschnitt trat jedoch nicht gleich die Erbschaft an und es dauerte
noch eine Zeit, ehe man an diesem wieder Geschmack fand; wesentlichen
Anteil an der Erweckung desselben haben die beiden Unger, Vater und
Sohn[186].
[186] MAX SCHASLER, Die Schule der Holzschneidekunst. Leipzig 1866.
[Sidenote: J. G. Unger d. ä. * 1715, [+] 1788.]
JOHANN GEORG UNGER, der Vater, stammt aus Pirna bei Dresden. Erst
Schriftsetzer, widmete er sich seit 1757 ganz dem Holzschnitt. Zu seinen
besten Arbeiten gehören »Fünf geschnittene Figuren, gezeichnet von O.
Meil«.
[Sidenote: J. F. Unger d. j. * 1750.]
JOH. FRIEDR. UNGER, der Sohn, war in Berlin geboren. Auch er begann als
Buchdrucker, erwarb jedoch als Holzschneider einen noch grösseren Ruf
als sein Vater. Bekannt sind seine »Sechs Figuren für Liebhaber der
schönen Künste« (1779) und von Vignetten lieferte er eine grosse Zahl.
Als Schriftsteller versuchte er durch mehrere Fachbroschüren zu wirken;
seine Bemühungen für die Verbesserung der Frakturschrift hatten keinen
Erfolg. Im Jahre 1800 wurde er Professor der Holzschneidekunst.
[Sidenote: F. W. Gubitz * 27. Febr. 1786, [+] 5. Juni 1870.]
Derjenige Holzschneider neuerer Zeit, der zunächst als der geistige Erbe
Chodowieckis angesehen werden kann und am meisten dazu beigetragen hat,
den Holzschnitt aufs neue populär zu machen, ist FRIEDR. WILH. GUBITZ.
Im Alter von 15 Jahren stellte er auf der Berliner Kunstausstellung
sieben Vignetten aus, die ihm Ehre und Geld einbrachten. 1812 wurde er
Professor der Holzschneidekunst. 1835 begann er seinen Volkskalender,
der mit seinen zahlreichen Illustrationen rasch eine grosse Popularität
erlangte. Für Buchdrucker lieferte er eine enorme Anzahl von Polytypen,
darunter auch eine Serie für Didot in Paris. Sein in Farben gedruckter
Heiland nach Lucas Cranach, das Bildnis der Gräfin Voss, seine Blätter
in Tuschmanier gehören zu den besten Arbeiten ihrer Art. Gubitz
gehörte noch ganz der alten Schule an, welche in dem Holzschnitt mit
dem Kupferstich konkurrieren wollte. Er schnitt immer noch in Langholz.
Eine eigentliche Schule bildete er nicht und sein talentvollster Schüler
Unzelmann war in der Manier das gerade Gegenstück zu Gubitz.
[Sidenote: Ritschl v. Hartenbach * 1797.]
[Sidenote: W. Pfnorr.]
[Sidenote: Dan. Vogel d. ä.]
Zu nennen sind noch J. RITSCHL VON HARTENBACH, der sich jedoch nicht bis
zur Meisterschaft erhob; der Kammersekretär WILH. PFNORR in Darmstadt,
ein Dilettant, der aber Tüchtiges namentlich in ornamentalem Schmuck
lieferte, und DANIEL VOGEL, der Vater, in Berlin.
[Sidenote: Fr. Unzelmann * 1793, [+] 1855.]
Der erste bedeutende Repräsentant der neuen Richtung der
Holzschneidekunst ist FRIEDRICH UNZELMANN aus Berlin. Seine
künstlerische Ausbildung erhielt er auf der königlichen Akademie. Bis
1827 arbeitete er für Gubitz. Nach seiner Trennung von diesem zeigte
er sofort eine freiere Handhabung der Technik. Bis jetzt hatte er, wie
Gubitz, nur mit dem Messer in Langholz gearbeitet, jetzt griff er zum
Stichel und zu dem Hirnholze.
Unzelmann stellte sich die Aufgabe, die ja auch die einzig wahre
des Holzschneiders ist, wenn eine für den Holzschnitt korrekt
gezeichnete Vorlage vorhanden ist, die Zeichnung vollständig facsimile
wiederzugeben. Er lieferte viele Blätter zu den damals erscheinenden
illustrierten Werken, namentlich A. Menzels »Friedrich der Grosse«,
und zu den auf Rechnung des Königs von Preussen herausgegebenen
Werken seines grossen Vorfahren. Ein Jubelblatt aus dem Jahre 1840,
Gutenberg und Fust an der ersten Presse, ist in dem Archiv des Berliner
Kupferstichkabinetts deponiert, um 1940 aufs neue gedruckt zu werden. Im
Jahre 1843 wurde Unzelmann Mitglied der Akademie, 1844 Professor.
[Sidenote: Ed. Kretzschmar * 21. März 1807, [+] 1858.]
Der bedeutendste Schüler Unzelmanns, vielleicht an Genialität ihm nicht
ganz gleichkommend, aber von noch grösserem Einfluss auf die Förderung
der deutschen Xylographie, war EDUARD KRETZSCHMAR, aus Oschatz gebürtig.
Schon frühzeitig äusserte sich seine Neigung für die zeichnenden
Künste; Armut zwang ihn jedoch, als Laufbursche in der Brockhausschen
Buchdruckerei zu dienen. Später wurde er Konditorlehrling, übte
dieses Geschäft elf Jahre und zeigte sein plastisches Talent, indem
er Formen für Kuchenverzierungen schnitt. Als im Jahre 1833 das
Pfennigmagazin erschien, wagte er sich an einen Holzschnitt, den er mit
einem Federmesser in Birnbaumholz ausführte. 1836 ging er nach Berlin
und arbeitete unter Unzelmanns Leitung. Die erwähnte illustrierte
»Geschichte Friedrichs des Grossen« von Menzel war das erste Werk, durch
das Kretzschmar eigentlich Gelegenheit bekam, sein Talent zu entfalten
und das zugleich ihm Veranlassung wurde, ein xylographisches Institut
in Leipzig zu gründen, um genügend tüchtige Kräfte heranzubilden,
welche selbst die Anforderungen eines Menzel, dieses Schreckbildes der
Holzschneider, befriedigen sollten, ein Vorhaben, das dem mit allen
Eigenschaften eines guten Lehrers Ausgerüsteten auch vortrefflich gelang.
Als 1843 die »Illustrirte Zeitung« erschien, waren die zu überwindenden
Schwierigkeiten gross. Anfänglich musste natürlich das Ausland zum
wesentlichen Teil mit Clichés aushelfen, doch dauerte diese Abhängigkeit
nicht lange. Kretzschmar erweiterte sein Atelier und richtete es fast
ganz auf die Bedürfnisse der »Illustrirten Zeitung« ein. Bei seinem Tode
ging es in die Hände der Expedition der »Illustrirten Zeitung« über. Die
von Kretzschmar meist zum Experimentieren angelegte vortreffliche kleine
Kunstdruckerei erwarb PH. GRUMBACH.
[Sidenote: Alb. Vogel * 1814.]
[Sidenote: Otto Vogel * 1816.]
Die Brüder ALBERT und OTTO VOGEL in Berlin traten ganz in Unzelmanns
Fussstapfen. Beide konnten auf Grund ihrer Verhältnisse nicht ihrer
Neigung folgen, die Albert zum Kupferstechen und zur Malerei, Otto zur
Skulptur hinzog. Beide lieferten Vortreffliches, doch ist Otto der
bedeutendste und seine Schnitte nach Menzels Zeichnungen sind wahre
Meisterstücke.
[Sidenote: Caspar Braun * 1807, [+] 1877.]
Eine besondere Bedeutung hat CASPAR BRAUN aus Aschaffenburg[187], der
den Holzschnitt in München heimisch machte und durch die »Fliegenden
Blätter« einen weitverbreiteten Namen erwarb. Erst ging er nach München,
um sich in der Malerei auszubilden, und dann nach Paris, wo er zwei
Jahre bei Brevière arbeitete. Nach seiner Rückkehr gründete er mit
v. Dessauer ein Holzschneideatelier und arbeitete namentlich für die
Cottaschen illustrierten Ausgaben, bis er sich mit Friedr. Schneider zur
Herausgabe der »Fliegenden Blätter« verband.
[187] Ann. d. Typ. 1877, Nr. 425.
[Sidenote: Hugo Bürckner * 1819.]
[Sidenote: Gaber.]
HUGO BÜRCKNER aus Dessau war erst Bereiter, wandte sich aber bald
dem Zeichnen und Malen zu und ging 1837 nach Düsseldorf. Ein Zufall
veranlasste ihn, sich für die Holzschneidekunst als Beruf zu
entscheiden. Im Jahre 1840 folgte er dem nach Dresden übergesiedelten
Maler Hübner, nachdem er erst einen kurzen Unterricht bei Unzelmann
genossen hatte. Seine Thätigkeit widmete er namentlich den im strengeren
künstlerischen Stil gehaltenen buchhändlerischen Unternehmungen G.
Wigands und T. O. Weigels. In ähnlicher Richtung zeichnete sich GABER in
Dresden aus.
[Sidenote: Heinr. Lödel * 1798.]
Von Bedeutung sowohl als Kupferstecher wie als Holzschneider ist HEINR.
LÖDEL aus Hameln. Er lernte die Buchbinderei, ging nach Göttingen und
versuchte sich dort im Schneiden von Vergoldestempeln und Vignetten,
schliesslich im Kupferstechen. Durch einen Holbeinschen Totentanz
erwachte seine Neigung für den Holzschnitt, in welchem er sich besonders
durch getreue Reproduktionen älterer Meisterwerke auszeichnete.
[Sidenote: J. G. Flegel [+] 20. Dez. 1881.]
Die Bestrebungen J. G. FLEGELS in Leipzig waren stets auf
Vervollkommnung seiner Kunst gerichtet. Seine mikroskopischen,
naturwissenschaftlichen und anatomischen Arbeiten sind nicht übertroffen
und nur durch Betrachtung durch die Lupe ganz zu würdigen. Vorzüglich
sind auch seine Nachbildungen Rembrandtscher Radierungen. Viele seiner
besten Arbeiten finden sich in den Verlagswerken Wilh. Engelmanns
verstreut. Besonders in technischen Illustrationen zeichnen sich
KLITZSCH & ROCHLITZER aus.
In neuerer Zeit hat Stuttgart sich in der Xylographie namentlich
durch das Institut von AD. CLOSS ein hohes Ansehen erworben. Es wird
Gelegenheit sein, hierauf in dem folgenden zurückzukommen (Kap. XIV).
Eine hervorragende Stufe nimmt die Anstalt von R. BREND'AMOUR & CO.
in Düsseldorf mit Zweiganstalten in Düsseldorf, Berlin, Leipzig und
Stuttgart ein.
[Sidenote: J. G. Prestel * 1739, [+] 1808.]
Österreich hat in der Xylographie, ganz besonders in dem _Clairobscur_-
und dem Polychromdruck, bedeutende Namen aufzuweisen. Unter den wenigen
Leistungen aus der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts sind die
_Clairobscur_-Blätter von JOH. GOTTL. PRESTEL rühmlichst zu erwähnen,
namentlich eine Kreuzabnahme nach Raphael. Auch KARL FRIEDR. HOLTZMANN
(1740-1811) lieferte Tüchtiges in dieser Richtung. Die vorzüglichsten
seiner Arbeiten erschienen gesammelt als »Abdrücke in Helldunkel nach
verschiedenen Meistern«. Er wandte, wie schon ältere Künstler es gethan
hatten, Kupferstich in Verbindung mit Holzschnitt an und druckte mit
zwei bis zu sechs Platten. Auch von Karl Ruprecht (1799-1831) existieren
gute _Clairobscur_-Blätter.
[Sidenote: B. Höfel * 27. Mai 1792, [+] 17. Sept. 1863.]
In seiner Arbeitsweise mit Gubitz verwandt, jedoch als Künstler weit
bedeutender ist BLASIUS HÖFEL. Er war in Wien geboren und zeigte
frühzeitig ein ungewöhnliches Zeichentalent. Nach vielen Schwierigkeiten
gelang es ihm, einen Platz in der Akademie der bildenden Künste zu
erlangen. Um dort am Tage studieren und arbeiten zu können, musste er
in den Nachtstunden seinen ärmlichen Lebensunterhalt durch Illuminieren
von Bildern erwerben. Anfangs widmete er sich mit Erfolg der Malerei,
ging jedoch bald zum Kupferstich über und lieferte eine grosse Anzahl
von Blättern, allein 120 Porträts für Artaria. Im Jahre 1820 erhielt
Höfel die Professur des freien Handzeichnens an der Militär-Akademie in
Wiener-Neustadt.
Auf einer Reise in Deutschland im Jahre 1829 lernte er Gubitz
und Unzelmann kennen und sofort die Wichtigkeit der neuerwachten
Holzschneidekunst begreifend, warf er sich mit Eifer auf dieses
Verfahren. Eine seiner ersten Arbeiten: »Betende Alte« nach Waldmüller
wurde in 127000 Exemplaren verkauft. Die Aufmerksamkeit des Fürsten
Metternich ward auf Höfel gelenkt, auf dessen Anregung erfasste er die
von Collas erfundene Reliefmanier und lieferte treffliche Platten zu dem
»Ehrentempel Österreichs«. Eben im Begriff nach Paris zu gehen, verlor
Höfel Haus und Habe durch einen grossen Brand, welcher 633 Häuser in
Wiener-Neustadt am 8. September 1834 in Asche legte, und er musste nun
von neuem anfangen. Eine Verbindung mit der Nationalbank führte nicht
zu einer dauernden Anstellung und infolge einer Reorganisation der
Militär-Akademie in Neustadt wurde Höfel pensioniert. Er verband sich
nun, um seine Erfindungen auszubeuten, mit dem Buchdrucker Sollinger.
Letzterer erhielt bei der Industrie-Ausstellung in Berlin 1840 die
goldene Medaille. Höfel ging leer aus. Bei seinem nun folgenden Versuch
mit einer eigenen Buchdruckerei geriet er in Konflikt mit dem Gremium
der Buchdrucker und Buchhändler, woraus ihm viel Verdruss und viele
Verluste entstanden.
Im Jahre 1845 stellte er eine Anzahl der schönsten Farbendrucke aus,
darunter eine Madonna nach Führich in 25 Platten auf Goldgrund. Die
Verhältnisse des Jahres 1848 zwangen Höfel, sein Geschäft um jeden Preis
zu verkaufen. Er ging nun nach Salzburg und baute sich in dem am Fusse
des Gaisberges reizend gelegenen Dorfe Aigen einen Meierhof, wo er den
Rest seiner Tage, mit der Ausführung verschiedener grosser Stahlplatten
beschäftigt, verbrachte.
Auf Aufforderung von G. Haase Söhne lieferte er für die Ausstellung in
München einen lebensgrossen Christuskopf nach Hübner in der Baxterschen
Manier, 22 Platten Farbe auf Farbe ohne Konturen gedruckt. Das Bild
erschien in vier Auflagen. Trotz seines schweren Kampfes mit dem Leben
behielt Höfel noch im Greisenalter seine jugendliche Geistesfrische und
seinen Unternehmungsgeist, bis eine Lungenlähmung seinem vielbewegten
Leben ein Ende machte.
[Sidenote: F. v. Exter * 7. März 1820, [+] 27. Juni 1860.]
FRIEDRICH VON EXTER, ein Schüler Höfels und einer der geschicktesten
Holzschneider der Anstalt von Braun & Schneider in München, wurde 1846
von Auer als Leiter der xylographischen Abteilung der Staatsdruckerei
nach Wien berufen. Zu seinen besten Leistungen gehören »Kaiser Joseph
an der Buchdruckerpresse« und »Karl V. im Kloster St. Just«. Zu den
_Peintures de Polygnote à Delphe_ der Gebr. Riepenhausen lieferte Exter
die ersten zwölf Tafeln in Chromoxylographie, die späteren Platten
wurden lithographisch ausgeführt.
[Sidenote: H. Knöfler * 1824.]