Als jüngste Phase des Buchhandels, deren Resultate noch nicht vorliegen

können, müssen die MARK-BIBLIOTHEKEN bezeichnet werden, in welchen ein

hübsch gebundener Band für eine Mark geliefert wird. Diese Kollektionen

beschränken sich nicht auf die Unterhaltungs-Litteratur, sondern dehnen

sich auch auf die wissenschaftliche aus.

[Sidenote: Die Landkarten-Produktion.]

Zum Schluss sei noch die LANDKARTEN-PRODUKTION erwähnt. Diese

erhielt durch Hülfe der Chemitypie und der Zinkographie, sowie der

Vielfarben-Druckmaschine eine gewaltige Ausdehnung und die Billigkeit

der Erzeugnisse bei schöner Ausführung grenzt an das Wunderbare. Da

diese Branche der Aufklärung ohne jeden bitteren Beigeschmack dient, so

kann die Freude hierüber eine ungetrübte sein.

* * * * *

[Sidenote: Buchdrucker-Gehülfen-Verband.]

Unter den Errungenschaften des Jahres 1848 war auch das

Associationsrecht. Es war selbstverständlich, dass die

Buchdrucker-gehülfen dasselbe benutzten, um sich in Vereine zu sammeln

behufs Vertretung ihrer Interessen mit gemeinsamen Kräften. Dass sie

mässiger in der Benutzung ihrer Freiheiten hätten sein sollen als alle

anderen Klassen, war nicht zu verlangen. Die alte »patriarchalische«

Zeit hatte ihnen durch willkürliche Berechnungs- und unregelmässige

Zahlungsweise manche Unbill gebracht, für welche sie jetzt Revanche

nahmen, dabei die Berechnung der Zinsen nicht vergessend.

Eine erste allgemeine Versammlung der Gehülfen aus ganz Deutschland

fand in den Tagen vom 11. bis 14. Juni 1848 in Mainz statt. Die

dort gefassten Beschlüsse hatten zwar einen Protest von gegen 200

Prinzipalen zur Folge, dabei blieb es jedoch und man liess den Verband

der Buchdrucker- und Schriftgiesser-Gehülfen, welcher die lebhafteste

Beteiligung fand, ruhig gewähren.

[Sidenote: Der Prinzipal-Verein.]

Erst nachdem der Verband fast unumschränkter Herr in den Druckereien

geworden, dachten die Prinzipale daran, sich auch an einander zu

schliessen und versammelten sich am 15. August 1869 ebenfalls in

Mainz. Der dort konstituierte Verein wollte nicht nur Front gegen den

Gehülfen-Verein machen und die persönlichen Beziehungen fördern und

kräftigen, sondern auch in der Art des Börsenvereins der deutschen

Buchhändler die Interessen des Geschäfts in allen Lagen vertreten. Zum

Vorort wurde Leipzig bestimmt und ein Vorstand von neun Mitgliedern

gewählt. 1872 zählte der Prinzipal-Verein mehr als 700 Mitglieder; der

Gehülfen-Verband das Zehnfache (7295). Die Gesamtzahl der Gehülfen

mochte gegen 11000 betragen. Von den etwa 4000 Nichtverbandsmitgliedern

hielt sich eine ziemliche Anzahl nur als »Schlaumeier« von den

Verbandsbestrebungen zurück; im Herzen gönnten sie selbstverständlich,

wenn sie auch nicht immer das Vorgehen des Verbandes im einzelnen

billigten, wohl so ziemlich alle dem Verband die grösstmöglichsten

Vorteile, denn auch sie genossen ja in ihrer gedeckten Position die

errungenen Vorteile mit.

[Sidenote: Differenzen zwischen Prinzipalität und Gehülfenschaft.]

Nach einer langen Reihe von Differenzen und nach zahlreichen Übergriffen

seitens des Verbandes fand zu Anfang des Jahres 1873 eine allgemeine

Kündigung der Gehülfen seitens der Prinzipale statt. Da jedoch nicht

alle Druckereien dem Verein angehörten, denn auch unter den Prinzipalen

gab es viele »Schlaumeier«, und ein grosser Teil der Mitglieder den

gefassten Beschlüssen nicht treu blieb, kam es nach vielen Verhandlungen

zwischen den beiden Vereinen am 12. Januar 1874 zu einem Abkommen,

das mit einem allgemein einzuführenden Tarif und dem Einsetzen eines

Einigungsamtes in Differenzfällen endigte.

Der Prinzipal-Verein hat seinen Zweck bis jetzt nur im beschränkten

Masse erreicht, weil er zu viel in einer zu kurzen Zeit erreichen wollte

und weil manche seiner Mitglieder direkte Hülfe in ihren besonderen

Angelegenheiten vom Verein erwarteten, während dieser nur für eine

Anbahnung besserer Zustände im allgemeinen wirksam sein konnte. Jetzt,

wo er seiner Thätigkeit engere Grenzen gesteckt hat, ist auch zu

erwarten, dass er, wennauch nur Schritt für Schritt, zum Ziel gelangen

wird, um so mehr, als die Gehülfen ihre prinzipielle Opposition gegen

ihn aufgegeben haben[162].

[162] Die Geschichte des Deutschen Buchdrucker-Vereins von 1869-1876

ist in den Annalen der Typographie 1870, Nr. 341-390 im

Zusammenhang ausführlich behandelt. Die »Annalen« waren von

der Begründung des Vereins bis 1876 Organ desselben und

wurden von dessen Sekretär Carl B. Lorck herausgegeben. Jetzt

giebt der Verein selbst in unregelmässigen Zwischenräumen die

»Mitteilungen aus dem Deutschen Buchdrucker-Verein« heraus.

Die offenbar zu grossen Einräumungen der Prinzipale im Jahre 1874 sind

durch die Praxis gemildert, denn auch die Gehülfen haben einsehen

gelernt, dass es im Geschäft gewisse Grenzen giebt, die man ohne sich

selbst zu schädigen nicht überschreiten kann.

[Sidenote: Ruhigere Verhältnisse.]

So hat die beste Lehrmeisterin, die Erfahrung, am meisten dazu

beigetragen, das Verhältnis im allgemeinen befriedigender zu gestalten.

Die Versuche der Gehülfen, kooperative Druckereien zu begründen, haben

aus den jedem Geschäftsmann leicht erklärlichen Gründen fast nur

Misserfolge gehabt. Diese Thatsache hat ebenfalls gedient, die Gehülfen

darüber aufzuklären, dass auch im Geschäft nicht alles Gold ist, was

glänzt, und sie mit dem Los der Abhängigkeit zu versöhnen. Somit steht

zu hoffen, dass künftig ein innigeres Zusammenwirken von Prinzipalität

und Gehülfenschaft dazu beitragen wird, Gutenbergs Kunst stets mehr und

mehr zu Ehren zu bringen.

[Sidenote: Die Organe der Gehülfenschaft.]

Das bedeutendste Organ der Gehülfenschaft ist der, jetzt dreimal

wöchentlich erscheinende, 1862 gegründete »Correspondent für

Deutschlands Buchdrucker und Schriftgiesser«. Früher fast nur und oft in

massloser Weise polemisch wirkend, ist das Blatt mit den Verhältnissen

auch ruhiger geworden, bringt jetzt manche technische und belehrende

Artikel und hat namentlich um statistische Aufnahmen Verdienste. Der

Leiter ist seit einer langen Reihe von Jahren RICHARD HÄRTEL, der,

früher zugleich Präsident des Verbandes, mit Klugheit und Geschick die

Interessen desselben wahrgenommen hat. Das Organ der österreichischen

Gehülfen ist »Vorwärts« in Wien.

* * * * *

[Sidenote: Statistisches.]

Es erübrigt noch, einen kurzen Überblick über die Kräfte, welche bei der

graphischen Produktion in Deutschland wirken, und über die Produktion

selbst zu geben.

[Sidenote: Buch- u. Steindruckereien.]

Das Deutsche Reich hatte 1881 in 1471 Städten 3389 Buchdruckereien

und 1994 Steindruckereien[163]. In diesen Offizinen sind 96

Rotationsmaschinen, 5811 typographische, 1369 lithographische

Schnellpressen, 244 Tretmaschinen, 2463 typographische und 6687

lithographische Handpressen vorhanden. Jedoch darf nicht übersehen

werden, dass der grösste Teil der typographischen Handpressen entweder

nur als Korrekturpressen dienen oder auch ein vollständiges Stillleben

führen. Beschäftigung fanden (1875) 52000 männliche, 11600 weibliche

Mitarbeiter und 8400 Lehrlinge, in Summa also 71000 Arbeiter.

[163] Die etwa 700 Offizinen, welche Buchdruckerei und Steindruckerei

vereinigen, sind doppelt angeführt.

Das Deutsche Reich, Österreich und die Schweiz als graphische

Einheit betrachtet ergiebt die Zahl von 6993 graphischen

Anstalten mit 9378 Schnellpressen und etwa 13500 Tret- und

Handpressen. Die Details über Österreich und die Schweiz finden

sich S. 406 und S. 436.

Von Schriftgiessereien waren 342 mit 2588 Arbeitern, von

Schriftschneidereien und xylographischen Anstalten 371 mit 2353 Personen

vorhanden. Von 66 Spielkartenfabriken wurden jährlich gegen 4500000

Pakete geliefert, auf denen Abgaben von etwa 1200000 Mark ruhten.

[Sidenote: Buch- u. Kunsthandlungen.]

Von Buch- und Kunsthandlungen gab es in 987 Städten 4376 mit 10590

Mitarbeitern. 11251 Buchbindereien beschäftigten 31624 Personen

(darunter 7055 weibliche). Leihbibliotheken gab es 455, Zeitungs- und

Annoncen-Expeditionen 326, Öldruck- und Globen-Anstalten 342.

[Sidenote: Zeitschriften.]

Im Jahre 1882 lieferten 1432 Städte 4998 Zeitschriften, von denen 76 in

nichtdeutscher Sprache. Unter diesen vielen Zeitungen wurzeln bloss 9 in

dem XVII., 89 in dem XVIII. Jahrhundert. Über 4000 entstanden seit 1830,

von denen wieder über 2000 in den letzten zehn Jahren verschwanden, um

wieder anderen Raum zu gewähren. Von den Zeitschriften kamen 2435 auf

Preussen, 515 auf Bayern, 504 auf Sachsen, 216 auf Württemberg. Der

Hauptvertrieb fällt der Post zu. Die Versendung betrug im Jahre 1880

gegen 300 Millionen Nummern.

[Sidenote: Die Bücherproduktion.]

Die BÜCHERPRODUKTION des gesamten deutschen Buchhandels (also nicht nur

des Deutschen Reiches) betrug 1879 14179 Nummern, 1880 14941 Nummern,

1881 15191 Nummern, und findet in ähnlicher Weise seit langer Zeit eine

fortwährende Steigerung statt. In betreff der Ausfuhr deutscher Bücher

ist Nordamerika für diese der bedeutendste Markt, auf welchem jährlich

etwa für zwei Millionen Mark abgesetzt wird.

Zum Vergleich mit dem (S. 224) gegebenen Verzeichnis, aus welchem

hervorgeht, dass 26 Städte Frankreichs von mehr als je 50000 Einwohnern

zusammen eine Bevölkerung von 2594100 Seelen, 343 Buchdruckereien, 390

lithographische Anstalten, 908 Buchhandlungen und 640 Zeitschriften

haben, folgt umstehend eine ähnliche Aufstellung aus dem Deutschen

Reiche.

Das Deutsche Reich hat demnach in 42 Städten mit über je 50000

Einwohnern und einer Gesamteinwohnerzahl von 4176000 Seelen 966

Buchdruckereien, 888 lithographische Anstalten, 1737 Buchhandlungen,

1153 Zeitschriften. Nehmen wir zu einem näheren Vergleich die 26 ersten

Städte des Deutschen Reichs (von Berlin abgesehen) und stellen sie

gegen die 26 Städte Frankreichs, so finden wir, dass erstere 3286000

Einwohner, 769 Buchdruckereien, 730 lithographische Anstalten, 1478

Buchhandlungen, 961 Zeitschriften haben; also gegen letztere ein Mehr

von 692000 Einwohnern, 426 Buchdruckereien, 340 lithographischen

Anstalten, 470 Buchhandlungen, 321 Zeitschriften aufweisen[164].

---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------

Städte | Einwohner-| Buch- |Lithogr. |Buchhandl.| Zeit-

| zahl | drucker |Anstalten| | schriften

---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------

Hamburg | 290000 | 100 | 114 | 125 | 59

Breslau | 273000 | 31 | 30 | 53 | 33

München | 230000 | 49 | 38 | 95 | 71

Dresden | 220000 | 43 | 52 | 126 | 61

Leipzig | 149000 | 92 | 69 | 400 | 248

Köln | 145000 | 43 | 32 | 47 | 27

Königsberg | 141000 | 14 | 12 | 25 | 25

Frankfurt a. M.| 137000 | 58 | 45 | 71 | 59

Hannover | 123000 | 32 | 19 | 48 | 38

Stuttgart | 117000 | 38 | 30 | 107 | 98

Bremen | 113000 | 22 | 30 | 26 | 19

Danzig | 109000 | 11 | 8 | 21 | 21

Strassburg | 105000 | 15 | 16 | 26 | 32

Nürnberg | 100000 | 26 | 45 | 40 | 26

Magdeburg | 98000 | 30 | 18 | 38 | 19

Barmen | 96000 | 10 | 31 | 12 | 9

Düsseldorf | 95500 | 20 | 15 | 30 | 11

Chemnitz | 95000 | 14 | 10 | 33 | 10

Elberfeld | 93500 | 16 | 19 | 18 | 7

Stettin | 92000 | 22 | 20 | 18 | 17

Altona | 91000 | 17 | 16 | 14 | 5

Aachen | 85500 | 14 | 13 | 17 | 15

Braunschweig | 75000 | 16 | 12 | 31 | 18

Krefeld | 74000 | 11 | 21 | 10 | 4

Halle | 71500 | 15 | 10 | 35 | 17

Dortmund | 67000 | 10 | 5 | 12 | 12

Posen | 65000 | 12 | 8 | 20 | 15

Mühlhausen | 64000 | 7 | 12 | 4 | 4

Augsburg | 61500 | 13 | 7 | 23 | 19

Mainz | 61000 | 22 | 25 | 24 | 17

Kassel | 58500 | 19 | 14 | 25 | 14

Essen | 57000 | 9 | 5 | 9 | 6

Erfurt | 53500 | 6 | 9 | 12 | 14

Metz | 53000 | 8 | 7 | 15 | 9

Mannheim | 53000 | 11 | 7 | 8 | 11

Würzburg | 51000 | 13 | 7 | 14 | 13

Lübeck | 51000 | 11 | 9 | 10 | 6

Frankfurt a. O.| 51000 | 2 | 5 | 8 | 4

Wiesbaden | 50500 | 16 | 9 | 27 | 22

Görlitz | 50500 | 11 | 4 | 13 | 8

Karlsruhe | 50000 | 17 | 14 | 21 | 15

Darmstadt | 50000 | 20 | 16 | 26 | 15

---------------+-----------+---------+---------+----------+-----------

Summa[164] | 4176500 | 966 | 888 | 1737 | 1153

Die Bedeutung von Paris für die graphischen Gewerbe Frankreichs ist

bekanntlich eine weit tiefer eingreifende als die der Reichshauptstadt

für Deutschland. Sollte der graphische Vergleich auf die Metropole

ausgedehnt werden, so müsste man, der Deutschland eigentümlichen

Organisation gemäss, Berlin und Leipzig zusammen Paris gegenüberstellen,

um einigermassen zu einem richtigen Resultat zu gelangen. In diesem

Falle würde dann Leipzig ausfallen und Posen als 26. Stadt einrücken und

damit das $Mehr$ der 22 deutschen Städte wesentlich beschränkt werden,

nämlich auf: 618000 Einwohner, 346 Buchdruckereien, 279 lithographische

Anstalten, 190 Buchhandlungen und 88 Zeitschriften.

[164] Die Angaben hier können zwar keinen Anspruch auf absolute

Genauigkeit erheben, kommen jedoch der Wahrheit so nahe, dass

sie genügen, um sich ein richtiges Bild zu machen. Für die

Angaben der Bevölkerung wurde Neumanns »Geographisches Lexikon«,

Leipzig 1883, mit Abrundung der Einwohnerzahl auf 500 benutzt;

für die der Buchdruckereien und der lithographischen Anstalten

»Klimsch' Adressbuch der Buch- und Steindruckereien«, Frankfurt

a. M. 1880; für die Buchhandlungen »Schulz' Adressbuch für den

deutschen Buchhandel«, Leipzig 1882, für die Zeitschriften

R. Mosses »Zeitungskatalog«, 1882; die in diesem fehlenden

Zeitschriften sind ohne Einfluss auf das Gewerbe.

[Sidenote: Die Papierfabrikation.]

Die PAPIERFABRIKATION Deutschlands ist eine sehr bedeutende und

beträgt nahe an 250 Millionen Kilogramm. Zur Herstellung sind

785 Papiermaschinen und 185 Bütten und die Arbeit von etwa 80000

Menschen notwendig. Ausserdem wirkten noch 260 Holzschleifereien, 45

Rohstofffabriken und 20 Cellulosefabriken, zusammen mit etwa 7500

Arbeitern. Rechnet man hinzu etwa 40000 Menschen, die mit Hadernsammeln

und Nebenarbeiten beschäftigt sind, so giebt das ein Arbeiterkontingent

von rund 128000 Köpfen. Um den Umfang dieser einen Branche richtig

zu beurteilen, wären noch alle diejenigen mitzuzählen, die sich mit

dem Papierhandel und der Fabrikation von Brief- und Luxuspapieren,

Pergamentpapier, Couverts, Tapeten, Handlungsbüchern, Papierwäsche etc.

etc. beschäftigen[165].

[165] J. CHR. SCHÄFER, Sämtliche Papierversuche. Regensburg 1772. --

L. MÜLLER, Die Fabrikation des Papiers. 4. Aufl. Berlin 1877. --

LENORMAND, Handbuch der gesamten Papierfabrikationen. 3. Aufl.

Weimar 1881.

* * * * *

Die BUCHBINDERKUNST[166] stand, als nach der Mitte unseres Jahrhunderts

die Buchdruckerkunst auf ihrem Höhepunkt angelangt war, noch

beträchtlich zurück und es dauerte auch noch eine zeitlang, ehe sie

einen frischen Anlauf nahm.

[166] R. STECHE, Zur Geschichte des Bucheinbandes (Archiv d.

D. B.-B.-V. Bd. I). Leipzig 1878. -- G. FRITZSCHE, Moderne

Bucheinbände. Leipzig 1878. -- C. BAUER, Handbuch der

Buchbinderei. Weimar 1881. -- L. BRADE, Illustriertes

Buchbinderbuch. Halle 1881.

[Sidenote: Der Leinwandband.]

Der Leinwand-»Einband« dominierte vollständig. Man begnügte sich nicht

wie in England mit diesem als einer provisorischen Hülle, sondern

die Leinwanddecke war in Deutschland das definitive Kleid des Buches

für Jahrhunderte (?). In der Verzierung solcher Bände ging man noch

weiter als in England und verwendete neben den Goldverzierungen oft

die Hochprägung, bei welcher Medaillon-Porträts, Büsten, allegorische

Figuren, Lyras, Palmenzweige, sogar Landkarten zur Verwendung kamen.

Die Hautreliefs wurden bald flach gedrückt. Man gewöhnte sich, den

Einbanddeckel als etwas zu betrachten, was er nicht ist und nicht sein

soll: ein illustrierter Titel oder ein Frontispice, um den Inhalt des

Buches zu erläutern.

[Sidenote: Die Massenbände.]

Der Betrieb des deutschen Buchhandels und die deutschen Verhältnisse

waren dieser Verwendung des Leinwandbandes günstig. Die Verleger liessen

ganze Auflagen in Leinwand binden und unter dem Publikum verbreiten.

Ausser den Verlegern waren es noch die »Grosssortimenter«, welche dem

Leinwandband Vorschub leisteten. Die Genannten kaufen von den Verlegern

grosse Partien gangbarer Bücher, lassen dazu »stilvolle« Platten

anfertigen und verkaufen nun die gebundenen Bücher an die eigentlichen

Sortimentshändler zu Bedingungen, die es den letzteren noch möglich

machen, dem Publikum so wohlfeile Preise zu stellen, wie sie ein

einzelner Privatbesteller beim Buchbinder auch nicht annähernd erzielen

kann.

Im Prinzip ist diese Einrichtung gewiss eine höchst praktische, aber

die Preise werden der Konkurrenz halber dem Buchbinder gegenüber so

heruntergedrückt, dass Pfennige den Ausschlag geben, wodurch es dem

Buchbinder fast unmöglich wird, auf Falzen, Heften und auf die Zuthaten

an Pappe, Vorsetzblättern u. dgl. die nötige Sorgfalt und Ausgabe zu

wenden.

[Sidenote: Fortschritte im Geschmack.]

Hinsichtlich der Dekoration des Leinwandbandes sind in jüngster Zeit

ganz wesentliche Fortschritte gemacht worden. Die schreienden Farben

der Leinwand haben den zarteren Modefarben und der Pergament-Imitation

Platz machen müssen[167]. Das »Bemalen« oder »Ausmeisseln« der Bände

durch Figurales, Landschaftliches etc. hat mehr und mehr aufgehört und

wird durch Flachornamente ersetzt, für welche man die vielen trefflichen

Vorbilder früherer Zeit benutzt oder tüchtige Künstler gewinnt. Ein

Fehler ist noch ziemlich verbreitet: der übergrosse Reichtum der

Ornamentierung und Überladung mit Silber, Gold und Mosaik imitierenden

Farben. Je mehr man sich gewöhnen wird, die körnige Chagrin-Imitation

und einfache Ornamentierung zu verwenden, um so mehr wird das

Leder-Surrogat, welches wir nun einmal nicht werden entbehren können,

seinen Platz in zweckmässiger Weise ausfüllen.

[167] Im Deutschen Reiche giebt es nur eine Fabrik »englischer Leinen«,

die von Schultze & Niemann in Eutritzsch bei Leipzig.

[Sidenote: Die Handarbeit.]

Die Handarbeit, namentlich den Halbfranz, lernt man in der letzten Zeit

in Deutschland wieder schätzen und es sind hierin tüchtige Fortschritte

gemacht worden. Von Lederbänden wird nicht viel die Rede sein können,

solange die Kreise der wohlhabenden Kaufleute und Fabrikanten, sogar

Magnaten keine gewählte Bibliothek besitzen. Die Sammler sind meist

unter den Gelehrten, Beamten, selbst unter den weniger gut dotierten

Landgeistlichen zu suchen. Deshalb haben die Buchbinder, falls es ihnen

wirklich um die Förderung ihrer Kunst Ernst ist, sich vor der Klippe

zu hüten, als Revanche für den Druck, den sie durch die Verleger und

Grosssortimenter zu erleiden hatten, das Publikum zu überteuern und zu

glauben, dass jeder, der gern ein Buch hübsch binden lassen will, ein

reicher Büchernarr sei, dem man jeden Preis abverlangen könne. Begnügt

sich der Buchbinder bei reeller Bedienung mit einem mässigen Vorteil, so

wird er immer noch in Deutschland ein kaufendes Publikum finden.

[Sidenote: Die Buchbinderkunst in Österreich.]

In Bezug auf ein solches ist der Buchbinder in Österreich schon besser

situiert und die Buchbindung hat demzufolge auch schon beträchtliche

Fortschritte gemacht. Doch betreffen diese im allgemeinen noch mehr die

Album- und Portefeuille-Fabrikation als die eigentliche Buchbinderei.

Eine mächtige Einwirkung auf den Geschmack hat das Kunstgewerbe-Museum

in Wien geübt. Man schliesst sich mehr der Art der Franzosen an und

übertrifft diese in der Ledermosaik, die eine wirklich eingelegte Arbeit

ist.

[Sidenote: Die Vorteile der Maschinen.]

Was den Betrieb der Buchbinderei betrifft, so hat dieser einen sehr

wichtigen Anteil an den Vorteilen gehabt, welche das Maschinenwesen

jedem Geschäft gebracht hat (vgl. Kap. XI). Die Maschinen besorgen das

Falzen der Bogen, das Walzen des gefalzten Bogens, das Heften desselben

mit Faden oder Draht, das Beschneiden und Pressen des Buches, das

Abrunden des Rückens, das Einfassen, die Anbringung der Kapitäle, das

Schneiden und Abschrägen der Pappen, das Pressen und Vergolden der

Deckel. Für die sonstigen Arbeiten der Buchbinder sind die Couvert- und

Klebemaschinen, Liniier- und noch viele andere Maschinen da.

[Illustration]

[Illustration]

X. KAPITEL.

DIE SCHRIFT UND DIE ILLUSTRATION

IN DEUTSCHLAND-ÖSTERREICH.

Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel. Die deutsche Druckschrift.

Walbaum Vater und Sohn. Hamburg, Berlin, Leipzig, Frankfurt a. M.

Österreich. G. Haase, C. Faulmann. Die Stereotypie, die

Galvanoplastik, die Dynamo-Elektrik. Die Giessmaschine. DIE

ILLUSTRATION: Verfall im XVIII. Jahrhundert, Wiedererwachen des

Holzschnitts. Die Unger, Gubitz, Unzelmann, Kretzschmar u. a.

Österreich: Prestel, Höfel, Knöfler u. a. Die Planotypie. Die

Stigmatypie: Carl Fasol.

[Sidenote: Aufschwung der Schriftgiesserei. Ed. Hänel]

Langsamer als in England und Frankreich entwickelte sich die

Schriftgiesserei in Deutschland. Erst aus den dreissiger Jahren datiert

der eigentliche Aufschwung des reineren Geschmacks in den Produktionen

derselben und an Einfluss in dieser Richtung kam niemand EDUARD

HÄNEL gleich. Er führte die neuesten und schönsten französischen und

englischen Antiquaschriften ein, liess die geradestehende griechische,

Kanzlei, fette und halbfette, gothische und andere Zier- und

Auszeichnungsschriften schneiden oder erwarb aus dem Auslande die besten

Matern zu denselben.

Im Accidenzdruck brachte Hänel eine vollständige Umwälzung hervor

und aus seiner Magdeburger Offizin, und nach dem Brande derselben

im Jahre 1838 aus seinem Berliner Institut gingen vorzügliche

Druckarbeiten hervor. Er war der erste, der den _Compound_-Druck (S.

80), den er Congreve-Druck nannte, nach Deutschland brachte. Mit seinen

Guillochen- und Unterdruckplatten, namentlich seinen Spitzenmustern

enthusiasmierte er das deutsche Publikum. Fast kein Umschlag, ja kaum

ein Rechnungsformular konnte damals ohne Guillochen und Buntdruck

hergestellt werden. Bereits 1837 hatten seine Zierstücke die Zahl von

2813 erreicht.

Der Kampf mit der Lithographie ward damals mutig von den Buchdruckern

aufgenommen. Viele der letzteren warfen sich mit Eifer auf das

Accidenzfach und andere Schriftgiesser folgten dem Beispiel Hänels. Es

war eine Zeit des regsten, lustigsten Schaffens, vom Guten, Halbguten

und Geschmacklosen, vom Praktischen und Unpraktischen unter einander.

[Sidenote: F. W. Gubitz. W. Pfnorr.]

Noch vor Hänel hatten F. W. GUBITZ in Berlin und der

Kammergerichtsassessor W. PFNORR in Darmstadt manche Beiträge im

Ornamentfache geliefert, unter welchen die Einfassungen mit Säulen,

umwunden von Epheu- und Blumenguirlanden oder mit vollständigen schweren

architektonischen Aufbauten einen wichtigen Platz einnehmen. Auch

viele Polytypen stammen von Gubitz, der im Jahre 1836 bereits 1668

solcher geschnitten hatte. Nach Hänels Vorangehen trat nun auch ein

besserer Geschmack in den Einfassungen und eine grössere Leichtigkeit

in der Ausführung ein. Vielen Beifall fanden die sogenannten

Kaleidoskop-Einfassungen, aus sehr kleinen systematischen Stückchen

bestehend, die sich in die mannigfaltigsten Formen zusammenfügen liessen

und congreveartig in verschiedenen Farben gedruckt manchmal eine

recht hübsche Wirkung hervorbringen konnten. Auch zu Kapitel-Anfangs-

und -Schlussvignetten wurden sie zusammengesetzt, in Gestalt von

Schmetterlingen, Vasen, Kronen etc. Man näherte sich jedoch damit

den zeitraubenden, wenig wahre Befriedigung erzielenden Arbeiten der

Stigmatypie (S. 304) und sie verschwanden bald von der typographischen

Bühne.

[Sidenote: Die deutsche Druckschrift.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 26 / 47 段