war 1872 auf 6798 neue Werke gestiegen. 6509 Fortsetzungen waren noch im
Gange, wozu noch 2666 Gesetze, Statuten etc. kamen, so dass die ganze
Produktion 15973 Nummern betrug[139].
[139] Diese Angaben sind G. OTTINOS, _La stampa periodica, il commercio
dei libri e la tipografia in Italia_, Mailand 1875, entnommen.
Das Buch enthält eine sehr sorgfältige Zusammenstellung
der periodischen Presse, die zuerst anlässlich der Wiener
Ausstellung 1873 ausgearbeitet war, und muss zugleich als eine
ganz vorzügliche typographische Leistung gelten. Vergl. auch
»Zur Geschichte der Presse in Italien«, Prutz' Museum, Leipzig;
PAOLO LIOY, »Über die geistige Nahrung des italienischen Volkes«
in C. Hillebrands _Italia_, Bd. III, S. 90.
Im Jahre 1869 war die Zahl der Zeitschriften auf 450 angewachsen. Damals
zeigte sich die grösste journalistische Thätigkeit in dem Norden, dem
eigentlichen Herde der Freiheit Italiens. Turin zählte derzeit über 100
Zeitschriften, Mailand 80, Florenz 51, Genua 37. Zwei Drittel derselben
waren politischen Inhalts; 75 erschienen täglich, 65 zwei- bis dreimal,
179 einmal wöchentlich. 1872 war die Zahl schon 723. Obenan stand damals
Florenz mit 101, während Turin auf 75 gesunken war. Im Jahre 1873, mit
1126 Zeitschriften, hatte Mailand mit seinen 137 den Vorsprung über
Florenz und Turin gewonnen, Rom zählte 109; ihm folgte Florenz mit 107
auf dem Fusse, dann Turin mit 85, Neapel mit 81, Genua mit 51, Palermo
mit 48, Venedig mit 38, Bologna mit 36. Die Gesamtauflage einer Nummer
aller Zeitschriften betrug 1-3/4 Millionen Stück. Die Post versandte
jährlich gegen 100 Millionen einzelne Nummern. Zeitungen mit einer
allgemeinen grossen Verbreitung gab es in Italien nicht; jedes Städtchen
hängt an seinem Lokalblättchen.
Wie rasch Italien sich unter seinen neuen Verhältnissen entwickelt, geht
schon daraus hervor, dass 1881 die Zeitschriften auf 1854 gestiegen
waren, unter welchen 159 Tageszeitungen.
Werfen wir noch einen Blick auf die Pressthätigkeit der einzelnen Städte.
[Sidenote: Venedig.]
[Sidenote: Mechitaristen.]
VENEDIGS hoher typographischer Ruhm war wie sein politischer zu Grabe
getragen, wennauch einzelne bedeutendere Erscheinungen sich sporadisch
zeigten, zu welchen Alvisopolis vortreffliches Prachtwerk _Le fabbriche
più cospicue di Venezia_, zwei Bände in Folio, gehörte. Aus alter Zeit
hat sich nur die armenische Offizin der Mechitaristen auf der Insel
S. Lazaro (I, S. 186) erhalten. Das Kloster entging auf Grund seiner
wissenschaftlichen Bestrebungen der Aufhebung unter napoleonischer
Herrschaft und wurde zu einer armenischen Akademie erhoben, die noch
existiert und für welche die Offizin eine Monatsschrift _Pasmaveb_ (der
Polyhistor) druckt, von welcher dreissig Bände erschienen. Die Akademie
erwählte auch auswärtige Mitglieder, zu welchen Lord Byron zählte, der
oft und gern dort verkehrte und armenische Studien trieb. Zu ihren
bedeutenderen Leistungen aus neuerer Periode gehören der _Thesaurus
linguae armenicae_ und die Chronik des Eusebius in armenischer,
lateinischer und griechischer Sprache, sowie das _Dizionario
armeno-letterale_. Als Probe ihrer Produktionsfähigkeit liessen die
Brüder-Typographen 1837 die _Preces sancti Nercetis_ in 24 Sprachen
erscheinen[140].
[140] _Printers Register_ 1874, Dezbr. -- Das Journ. f. B. 1880 enthält
in Nr. 2 und 3 die Schilderung eines Besuches Th. Goebels in
dieser Druckerei.
In UDINE erschien bei den Brüdern MATTIUZZI eine schöne Ausgabe von
_Vitruvii Pollionis Architectura_, vier Bände in Quart, 1825.
[Sidenote: Panfilo Castaldi.]
Ein sonderbares Schauspiel vollzog sich am 25. September 1868 in dem
Städtchen FELTRE, an welchem Tage unter grossen Festlichkeiten ein
Monument des Erfinders der Buchdruckerkunst -- selbstverständlich nicht
Gutenbergs, sondern des Italieners PANFILO CASTALDI -- enthüllt wurde.
Der Prätor Antonio Cambruzzi schrieb um 1556 in seiner Geschichte
der Stadt Feltre: »Um diese Zeit (1456) lebte Pamfilio Castaldio,
Doktor der Rechte und Dichter, in Feltre, der die Erfindung (!) der
Buchdruckerkunst entdeckte (!!). Der Burggraf Faust lernte von ihm diese
Kunst, als er in seinem Hause zu Feltre wohnte, um die italienische
Sprache zu studieren. Er führte die Druckkunst nach Deutschland,
übte sie in Mainz und bekam nachher von Einigen den Titel des ersten
Erfinders. Andere haben diese Erfindung einem Deutschen namens
Cuttembergo aus der Stadt Strassburg zugeschrieben, allein der erste
Erfinder ist, »»wie aus den Chroniken von Feltre erhellt««, Pamfilio
Castaldio gewesen«.
Recht schade ist es, dass diese »erhellenden Chroniken« nicht
existieren. Indes dies geniert die »späteren Zeugen«, die auf Cambruzzi
fussen und ihn sogar fälschen, nicht, wie es auch Gutenbergs Manen nicht
genieren wird, dass seinen Konkurrenten in Feltre und Haarlem Statuen
errichtet wurden. Fast möchte man aber glauben, dass es Italien besser
angestanden hätte, der Zierde der italienischen Typographie, dem Aldus
Manutius, ein würdiges Monument zu setzen, statt einer mythischen Person
zu huldigen, zu einer Zeit, wo der Nebel, welcher die Geschichte der
Erfindung bisher umhüllte, wenigstens so weit zerstreut ist, dass man
nicht Erfindern à la Castaldi und Coster Denkmäler errichten sollte.
In jüngster Zeit hat der Vorsteher des Staatsarchives zu Mailand, Cesar
Cantu, zwei Urkunden entdeckt, nach welchen sich ergiebt, dass Castaldi
im Jahre 1472 in seinem 74. Lebensjahre als Lehrer der Buchdruckerkunst
von dem Herzog Galeazzo Maria Sforza in Mailand nach dort berufen und
dass ihm das Recht erteilt wurde, eine Druckerei zu eröffnen. Wie damit
eine Erfindung seitens des Castaldi bewiesen werden soll, ist nicht
leicht ersichtlich[141].
[141] A. BERNHARDI-ZINGHELLINI ET A VALSECCHI, _Intorno à P. Castaldi_.
Mailand 1866. -- A. DEL COMO, _Mem. della citta di Feltre_.
Venedig 1710. -- A. V. D. LINDE, Gutenberg. Stuttgart 1878.
[Sidenote: Padua.]
PADUA beansprucht den etwas zweifelhaften Ruhm, in seinem sogenannten
_Dantino_ das mit der kleinsten Schrift gedruckte Buch hervorgebracht zu
haben. Im Jahre 1834 hatte bereits Antonio Farina eine Schrift, die er
_Occhio di mosca_ (Fliegenauge) nannte, geschnitten. In demselben Jahre
trat Claudio Wilmant mit einer noch kleineren, _Milanina_, hervor. Nach
vielem Herumirren derselben schloss der letzte Besitzer dieser Schrift,
Giovanni Gnocchi, 1873 einen Vertrag mit den Gebrüdern SALMIN in Padua
über den Druck einer Ausgabe von Dantes göttlicher Komödie ab und nach
fünf Jahren erschien dieselbe.
[Sidenote: Mailand.]
MAILAND trug durch P. E. GIUSTIS Ausgabe der _Famiglie celebri di
Italia_ des Grafen Pompeo Litta zur Ehre der Kunst bei. Dort wirkt die
Anstalt von ED. SONZOGNO (gegr. 1861) mit 30 Schnellpressen und 500
Personen für die Herstellung des eigenen Verlags der Firma, darunter
15 Zeitschriften. CIVELLI (1840) hat Druckereien in Mailand, Turin,
Verona, Ancona und Rom, ausserdem zwei Papierfabriken und verlegt fünf
Zeitschriften. Er druckt fast alle Arbeiten für die italienischen
Eisenbahnen. Ein Riesenwerk ist das _Vocabulario universale della lingua
italiana_, acht Bände in Quart.
Was den lithographischen Bilderdruck betrifft, hat Mailand zwei
vortreffliche Repräsentanten aufzuweisen, ULYSSES BORZINO und seine
Frau, die beide selbst tüchtige Künstler sind.
[Sidenote: Familie Pomba.]
Was Bodoni für die Typographie Italiens gewesen, war die Familie POMBA
in Turin für den Verlagshandel. Die von derselben 1818 begonnene
_Collezione dei classici Latini_ in 108 Bänden wurde 1835 beendigt.
Ihre _Biblioteca populare di classici autori_, 100 Bände, in 16.
(1829) gab den ersten Impuls in Italien zur Verbreitung guter Bücher
zu den billigsten Preisen. Nach dem Vorbilde der _Penny Cyclopaedia_
wurde 1842-1849 die _Encyclopedia populare_, zwölf Bände in Quart,
herausgegeben. Glänzenden Erfolg erzielte Cesar Cantus _Storia
universale_, die in sehr kurzer Zeit zwei teuere Auflagen und eine
billige erlebte. Die Firma POMBA & CO. unternahm die _Biblioteca
dell' Economista_, 26 Bände, und ein kolossales Werk, _Istituzioni di
agricoltura_.
[Sidenote: Luigi Pomba [+] 1872.]
Am 1. Februar 1855 ging das Pombasche Geschäft mit noch einigen anderen,
kleineren Geschäften in den Besitz der _Unione tipografico-editrice_
über, die unter der Direktion LUIGI POMBAS eine grosse Wirksamkeit,
namentlich in encyklopädischer Richtung, entwickelte und Filialen in
Rom, Neapel und Pisa gründete. Neue grossartige Werke der Firma waren
das Wörterbuch von Nic. Tommaseo, acht Bände in Quart; die _Encyclopedia
di chimica_, zehn Bände in Quart, und die Prachtausgabe von A. Palladios
_Fabbriche etc._, fünf Bände in Fol., ferner die italienischen
illustrierten Ausgaben der Werke Brehms, Darwins u. a.
Ausser durch die eigene Verlagsthätigkeit zeichnete sich Joh. Pomba
durch seine allerdings ohne Erfolg gebliebenen Bestrebungen, den
italienischen Buchhandel nach Art des deutschen zu organisieren, aus.
Um sich näher mit dem Betrieb des letzteren bekannt zu machen, besuchte
Pomba die Leipziger Messe und liess 1869 eine Broschüre _Informazione
della fiera di Lipsia_ erscheinen.
Grosse Anstrengungen machte die königliche Druckerei in Turin in den
Händen der Firma PARAVIA (Vigliardi), die auch Filialen in Mailand,
Florenz und Rom errichtete. Schöne Arbeiten lieferten in Turin ebenfalls
Bona, sowie CHIRIO & MINA. Unter den Arbeiten der letzteren ragt die
Geschichte des Klosters _Alta Comba_ in Folio mit Einfassungen in
Golddruck im Geschmack des XV. Jahrhunderts hervor.
[Sidenote: Florenz.]
In FLORENZ, das durch Verbindung vieler Eigenschaften (geographische
Lage, allgemeine Bildung, Reinheit der Sprache, Tüchtigkeit der Setzer)
geeignet wäre, ein Leipzig Italiens zu werden, lieferte 1825 MOLINI
eines der schönsten Druckwerke Italiens, die vom Grossherzog von Toscana
veranstaltete Prachtausgabe der _Opere di Lorenzo de' Medici_, vier
Bände in Gross-Quart. MAREINGH, erst in Florenz, dann in Triest, zeigte
in TASSOS _Gerusalemme liberata_, zwei Bände in Gross-Folio, 1820, und
in den _Monumens sépulcraux de Toscane_, 1821, feinen Geschmack und
grosses Geschick. Eines der bedeutendsten Werke der letzten Zeit ist
das in der TIPOGRAFIA CENNINIANA auf 1648 zweispaltige Seiten gedruckte
_Vocabulario Italiano_ von P. Fanfani, Rigutini und F. Corridi. Als
Drucker und Verleger bedeutend ist G. BARBERA; er ist durch seine
Diamant-Ausgaben italienischer Klassiker bekannt.
Florenz hat einen _Cercolo tipografico_, in dem Prinzipale und Gehülfen
zwanglos verkehren. Hier erscheint auch seit 1869 das in würdiger Weise
von SALV. LANDI geleitete und typographisch sehr gut ausgestattete
Journal _L'Arte della stampa_. Als Organ der Gehülfen dient _Il
tipografo_ (Turin). _Senefelder_ ist der Titel einer in Turin in
italienischer und französischer Sprache erscheinenden lithographischen
Monatsschrift.
[Sidenote: Rom.]
ROM hatte zwar nie einen ersten Platz in der typographischen Geschichte
eingenommen, sank jedoch in der Periode von 1750 ab tiefer als man
hätte erwarten sollen. Das einzige Institut von einiger Bedeutung war
die Druckerei der Propaganda (I, S. 186)[142]. Ihren Flor verdankt
sie dem gelehrten Prälaten Leo Allacci (Allatius), den Kardinälen
Antonelli, Ruggieri, Spinelli, Consalvi und Zurla, sowie den Monsignoren
Ricci, Amaducci und Borgia. Eine solche Stellung jedoch, wie dies
Institut hätte einnehmen können und sollen, wurde nicht erreicht. Nicht
nur andere Staatsanstalten, sondern auch Privatdruckereien anderer
Länder überflügelten weit die Propaganda. 1812 ward sie zeitweilig
ganz unterdrückt, hob sich jedoch später wieder. Die von Napoleon
geraubten Schriften kamen wieder nach Rom zurück. Besonders der Papst
Pius IX. nahm sich der Anstalt an und ernannte 1865 den verdienten
Ritter MARIETTI zum Direktor, der 1872 seine Stelle niederlegte und
von FEDERIGO MELANDRI gefolgt wurde. Unter den seit 1865 entstandenen
Werken der Offizin sind zu erwähnen der _Bibliorum Sacrorum Codex
Vaticanus_, mit den Typen des Tischendorfschen _Codex Sinaiticus_
gedruckt, und eine _Oratio dominica_ in 250 Sprachen, die trotz der
Schriftenmannigfaltigkeit zeigt, dass die Anstalt nicht auf der Höhe der
Jetztzeit steht[143].
[142] _Propaganda, Specimen characterum._ Rom 1843. -- _Cat. librorum
qui ex typogr. S. Congr. etc. prodierunt._ Rom 1773.
[143] A. MACKIE'S _Italy and France_ bringt in dem _Letter_ XXXVI und
dem _Appendix_ A die Schilderung eines Besuchs des bekannten
englischen Zeitungsdruckers in der Propaganda. Eine Äusserung
von ihm wird in Deutschland interessieren: »Ich bemerkte nicht
eine einzige Maschine englischen Ursprungs. Bereits in England
war mir gesagt worden, dass die englischen Maschinen überflügelt
seien. Deutschland hatte hier alles geliefert, selbst eine
kleine Falzmaschine«.
Eine Hofbuchdruckerei _Stamperia camerale_ wurde 1834 sehr hübsch
in dem Palast Cornaro eingerichtet. Im Jahre 1881 gab es in Rom 53
Buchdruckereien mit 172 Schnellpressen und 129 Handpressen. Die
Zahl der Gehülfen war 722, der Lehrlinge 268. Die grösste Zahl
der Schnellpressen, 31, und ebenso viele Handpressen beschäftigte
die »Aktienbuchdruckerei«. Bedeutend sind ferner: CIVELLI, BOTTAS
Nachfolger, mit 11 Schnellpressen und 81 Setzer; die Druckerei der
Nationalbank mit 8 Schnellpressen und 11 Handpressen; MOLINA mit 16
resp. 8.
[Sidenote: Neapel.]
[Sidenote: J. P. Piranesi [+] 1778.]
NEAPEL[144] sucht in seinen Leistungen nicht zurückzubleiben. ANGELI &
SOHN liefern viele Accidenzien. Dort gelangte eines der prachtvollsten
Stichwerke der Neuzeit zur Ausführung, das von Piranesi Vater und Sohn
herausgegebene: Antike Denkmäler Roms. In der Kunst, die Monumente und
Ruinen darzustellen, sind die beiden Meister nicht übertroffen. Der
Vater JOH. BAPTIST PIRANESI aus Venedig lieferte die ersten 16 Bände
und der Sohn FRANZ PIRANESI setzte das Werk fort. Nach verschiedenen
Schicksalen liess sich letzterer in Paris nieder. Napoleon begünstigte
ihn sehr und es wurde der Beschluss gefasst, von Staatswegen das Werk
für 300000 Franken und ein Jahresgehalt an Piranesi von 12000 Franken
zu erwerben. Das Unglück in Moskau verhinderte die Vollziehung des
betreffenden Dekretes, jedoch erwarben die Didots das grossartige
Unternehmen von 29 Bänden mit über 2000 Kupferstichen im grössten
Atlanten-Format.
[144] GIUSTINIANI, _Saggio sulla tipografia del regno di Napoli_.
Neapel 1791.
SPANIEN. PORTUGAL. SÜDAMERIKA.
[Sidenote: Spanien.]
SPANIEN hat wie Italien in der Periode von 1750 ab einen einzigen
hervorragenden Namen aufzuweisen, während seine typographische
Geschichte wenig von Bedeutung verzeichnen kann[145].
[145] F. MENDEZ, _Tipografia Española_. Madrid 1861. --
J. E. EQUIZABAL, _Hist. de la legislation española 1480-1873_.
Madrid 1879. -- _Annuario del comercio._ Madrid 1882.
[Sidenote: J. Ibarra.]
Der Kammerdrucker des Königs, JOACHIM IBARRA aus Saragossa, war der
Mann, der die Buchdruckerkunst in Spanien zu einer dort noch nicht
gekannten Höhe erhob und einen Wetteifer der Buchdrucker hervorrief, der
sie weiter trieb, als 20O Jahre es vermocht hatten. Ibarras Prachtwerke
zeichnen sich gleich sehr durch die Schönheit des Druckes, der Typen und
der Illustrationen, sowie durch die Glätte des Papiers, und durch die
Korrektheit aus.
Unter seinen Druckwerken sind besonders zu nennen die spanische
Übersetzung des Sallust durch den Infanten Don Gabriel, mit
Illustrationen, Folio, 1772; eine Dissertation des Fr. Perez Bayer über
die phönizische Sprache, Folio, 1772; die Prachtausgabe des Don Quixote,
vier reich illustrierte Bände in Quart, 1780; Marianas Geschichte
Spaniens, zwei Bände, Folio, 1780. Ibarras Witwe setzte das Geschäft
in rühmlichster Weise fort; eine vorzügliche Leistung von ihr ist das
_Diccionario de la lengua Castellana_, Folio, 1803.
Für die Achtung, welche die Spanier ihrem grossen Dichter Cervantes
zollen, spricht der Umstand, dass eine Facsimile-Reproduktion der ersten
Ausgabe der Werke desselben (I, S. 190), von FRANCISCO QUIJANO in 1500
Exemplaren veranstaltet, sofort vergriffen war.
[Sidenote: Madrid.]
[Sidenote: J. Aguado [+] 22. März 1878.]
Unter den neueren Druckern MADRIDS werden mit Ruhm genannt: GASPAR &
ROIX, CALLEJA MILLADO, MAN. RIVADANEIRA (jetzt ABELARDO DE CARLOS und
Sohn), JUAN AGUADO, DUCAZAL, JOACHIM FONTANET, GABRIEL ALBAMRA u. a.
Im Jahre 1881 hatte die Stadt 104 Buchdruckereien, 110 Buchhandlungen,
64 lithographische Anstalten. Die Schriftgiessereien sind schwach
vertreten, die bedeutendste darunter ist die von JUAN AGUADO, der auch
die Fachzeitschrift _Bulletin tipografico_ herausgiebt. Ein zweites
Fachblatt ist die _Cronica de la imprenta_. Von Zeitschriften erschienen
206 (darunter 60 politische, von welchen die _Correspondencia_ die
grösste Auflage [über 50000] hat). Die spanische illustrierte Zeitung
ist eine tüchtige Leistung A. de Carlos' und enthält viele gute
Original-Illustrationen, ebenso _El museo universal_.
[Sidenote: Barcelona.]
Nächst Madrid ist BARCELONA der bedeutendste Druckort. Die dort
bestehende Banknotendruckerei unter Direktion von ZARAGOZANO & JAIME
ist ganz mit französischem Material ausgerüstet und beschäftigt über 60
Personen. Früher wurde das spanische Papiergeld in England gedruckt. In
Barcelona erscheint auch ein Fachblatt _El correo tipolitografico_ von
CEPHERINO GORCHS. Die Stadt besass 1881 42 Buchdruckereien, davon 6 mit
Dampf- und 10 mit Gasbetrieb. 919 Personen, 95 Schnellpressen (darunter
81 französische), 60 Handpressen (darunter nur zwei deutsche) waren
beschäftigt. Ausserdem zählte man dort 51 lithographische Anstalten, 57
Buchhandlungen und 63 Journale.
[Sidenote: Valencia.]
Das in VALENCIA erschienene _Bayeri opus de nummis Hebrae-Samarithanis_,
zwei Bände in Quart, 1781 und 1790, ist ein Werk, welches eine
Vorstellung giebt von dem, was die Buchdruckerkunst in Spanien hätte
werden können, wenn sie genügende Unterstützung gefunden hätte und
nicht zugleich mit der Entwickelung der allgemeinen Bildung unter
unglücklichen inneren Verhältnissen so sehr gehemmt worden wäre.
[Sidenote: Portugal.]
[Sidenote: _Imprenza Nacional._]
Wennauch die Typographie in PORTUGAL[146], gleichwie in Spanien, im
allgemeinen keine besonders hohe Stufe erklommen hat, so besitzt das
Land doch eine Anstalt, die, vortrefflich geleitet, ganz Vorzügliches
leistet: die _Imprenza Nacional_. Sie ist durch Marquis Pombal, den
bekannten Staatsreformator Portugals unter der Regierung Josephs I., ins
Leben gerufen, mit der Absicht, eine Anstalt wie die Pariser königliche
Druckerei zu schaffen, welche eine Pflanzstätte der Kunst werden,
zugleich auch billige Unterrichtsbücher drucken sollte.
[146] J. KUGELMANN, _Histoire de l'Imprimerie en Portugal_. Paris 1867.
[Sidenote: M. da Costá.]
Das Dekret, welches die _Imprenza Regia_ anordnete, datiert vom 24.
Dezember 1768. Ein Regierungspalast wurde ihr eingeräumt und bereits in
den ersten Tagen des Jahres 1769 konnte sie zu arbeiten beginnen. Die
Leitung ward MIGUEL MANESCAL DA COSTÁ übertragen, einem vorzüglichen
Typographen, dessen Buchdruckerei, sowie die Schriftgiesserei des JOÃO
DE VILLENEUVE als Grundlagen für die Staatsanstalt angekauft waren.
Einer damit verbundenen Gravierschule stand der geschickte JOAQUIM
CARNEIRO DA SILVA vor. Eine Spielkartenfabrik war die Melkkuh des
Instituts.
Von 1769-1801 wurden unter da Costás Direktion 1230 Bände gedruckt,
unter welchen viele bedeutende Erscheinungen. Nach dessen Tode wurde
eine _Junta administrativa_ ernannt, mit dem gewöhnlichen Erfolg
kollegialischer Behandlung technischer Geschäfte. Im Jahre 1810 schritt
man zur Ernennung eines General-Administrators in der Person JOAQUIM
DA COSTÁS, der mit einer kurzen Unterbrechung die Leitung der Anstalt
bis 1833 behielt. Mit dem Sturze der Regierung Dom Miguels wurde die
Staatsdruckerei dem Ministerium des Innern direkt untergeordnet.
[Sidenote: J. P. Marcécos.]
[Sidenote: F. A. Marcécos.]
Mit der 1838 erfolgten Wahl des JOSÉ FREDERICO PEREIRA MARCÉCOS zum
Administrator begann die Glanzzeit der Anstalt. Marcécos bereiste
England, Frankreich und Belgien und brachte die Erzeugnisse der
neuesten Erfindungen mit nach Hause. Nach seinem frühen Tode, 1844,
wurde die Stelle seinem Bruder FIRMO AUGUSTO MARCÉCOS anvertraut,
welcher fortfuhr, alle Verbesserungen der Neuzeit einzuführen,
daneben Lehrlingsschulen, Hülfskassen u. dgl. errichtete. Vom Staate
erhält die Anstalt keinen Zuschuss, sie hatte im Gegenteil bis
zum Jahre 1873 an diesen drei Millionen Franken abgeliefert und
beschäftigte in dem genannten Jahre über 300 Personen. Zwei Deutsche
haben viel zur Hebung der Anstalt beigetragen: JOSEPH LEIPOLD, der
Direktor der galvanoplastischen Abteilung, und IGNAZ LAUER, Leiter
der Schriftgiesserei. Seit 1878 ist der Vorsteher Dr. VENANCIO
DESLANDES[147].
[147] Bericht über die Nationaldruckerei in Lissabon. 1873. Deutsch und
Französisch. -- A. M. ABRANCHES DE RIEGO, _Catalogo des obras
impr. de J. A. de Macedo_. Lissabon 1849. -- _Caracteres de la
imprenza Real en 1793._
Die zur Weltausstellung in Wien 1873 gesandten portugiesischen,
spanischen und englischen Wörterbücher, die rot und schwarz gedruckten
_Missale_ und _Breviarum Romanum_, die _Carta constitutional_, die Werke
Camoens' in sechs Bänden, vorzugsweise eine in zwölf Sprachen gedruckte
Episode daraus, _Inez de Castro_, waren alle in dem besten Stil und
vortrefflich gedruckt.
Auch die Wertpapiere verdienten alles Lob, jedoch ergreift die Anstalt
nicht, wie die St. Petersburger, die Initiative, sondern benutzt nur
geschickt das Vorhandene, namentlich die Erzeugnisse Derrieys.
[Sidenote: Gebr. Lallemant.]
Nicht ganz auf derselben Stufe stehen die Gebrüder LALLEMANT[148], sie
liefern aber sehr beachtenswerte Arbeiten, ebenso die Gebrüder JOSÉ DE
CASTRO.
[148] INIGO, _Lallemant frères_.
Im Jahre 1878 hatte Portugal 118 Zeitungen, darunter 66 politischen
Inhalts; die älteste, _Revuluçao de September_, existiert 33 Jahre. Die
Journale sind nicht von grosser Bedeutung und nicht geeignet, grosse
Erwartungen von dem Standpunkte der Typographie dort zu erwecken. Seit
1882 erscheint _El Gutenberg_.
LISSABON hatte 1881 23 Buchdruckereien, 26 Buchhandlungen, 56
Zeitschriften; COIMBRA 10 Buchdruckereien; OPORTO 56 Journale.
* * * * *
[Sidenote: Südamerika.]
SÜDAMERIKA. Ein grösserer typographischer Kontrast als zwischen Nord-
und Südamerika ist kaum denkbar. Fortwährende Revolutionen und Kriege,
der Einfluss einer unwissenden Geistlichkeit und die Indolenz der Völker
haben ein intellektuelles Leben, infolge davon auch ein Gedeihen der
Buchdruckerkunst nicht aufkommen lassen.
[Sidenote: Buenos Aires.]
BUENOS AIRES, welches 53 Buchdruckereien, 59 Buchhandlungen, 24
lithographische Anstalten und 27 Zeitschriften aufweist, feierte am 9.
Juli 1876 die hundertjährige Betreibung der Buchdruckerkunst. Es wurde
beschlossen, Gutenberg und dem Einführer seiner Kunst Don JUAN JOSÉ
VERTIZ ein Denkmal, in einem Obelisk bestehend, zu errichten und einen
Preis für die beste Bearbeitung der Geschichte der Buchdruckerkunst in
der Argentinischen Republik auszustellen. 1872 erhielt Buenos Aires eine
illustrierte Zeitung: _El Plata illustrado_[149].
[149] J. M. GUITIEMEZ, _Bibliogr. de la prim. imprenta de Buenos
Aires_. 1866.
[Sidenote: Rio de Janeiro.]