[130] _Reglement over de vereenigung ter bevordering etc._ Amsterdam

1841. -- _Bepalingen omtrent den boekhandel._ -- L. D. PETIT,

_Proeve einer Geschiedenis der Vereenigung etc._ Amsterdam 1875.

-- OTTO MÜHLBRECHT, Der holländische Buchhandel seit Coster.

Leipzig 1867. -- GUNNE, Flüchtige Gedanken über den Buchhandel

in Holland. -- C. L. BRINKMANN, _Alphab. Naamlijst van boeken

1850-1875_. -- F. L. HOFFMANN, _Ouvrages conc. l'histoire de

l'imprimerie en Belgique et en Hollande_. Brüssel 1859.

[131] _Tentoonstelling van hulpmiddelen voor den Boekhandel._ Amsterdam

1881.

Als lithographische Farbendrucker haben TRESLING & CO. in Amsterdam

und EMRIK & BINGER in Haarlem Verdienste. Das TOPOGRAPHISCHE INSTITUT

liefert nach dem Ecksteinschen Verfahren der Schichtlegung durch die

verschiedenartige Behandlung der Schraffierungen und die dadurch

entstehende Abstufung der Töne vortreffliche Karten in Farbendruck.

Das holländische Papier ist seit alters her berühmt und von bester

Qualität. Weltruf hat das Büttenpapier von VAN GELDER & ZOONEN in

Amsterdam. Um die Farbefabrikation machte sich seinerzeit der Major

E. W. J. BAGELAER (1817) verdient; jetzt wird der Markt ganz von dem

Pariser Fabrikat beherrscht.

Die litterarische Produktion ist eine bedeutende und jährlich erscheint

eine stattliche Reihe von wertvollen Werken auf allen Gebieten, mit

Ausnahme dessen der Phantasie. An poetischen und illustrierten Werken

ist die Ausbeute keine grosse und die Lese- und Schaulust des Publikums

wird namentlich durch Übersetzungen und Bearbeitungen deutscher

Schöpfungen befriedigt.

Unter den holländischen Verlegern seien erwähnt: KEMINK & ZOON, P. W.

VAN DE WEYER in Utrecht, J. B. WOLTERS in Gröningen, A. W. SYTHOFF und

E. J. BRILL in Leyden, welche beide letzteren einen reichen Verlag

orientalischer Werke haben. Das japanisch-holländisch-englische

Wörterbuch in Brills Verlag ist eine bedeutende Leistung. Überhaupt

ist LEYDEN ein wichtiger Verlagsplatz, namentlich für medizinische

und naturwissenschaftliche Litteratur, während UTRECHT die Fächer der

Philologie und Geschichte kultiviert. Bedeutende Druckplätze sind noch

HAAG und ROTTERDAM; am letzteren Orte sind J. WÜRTHEIM & ZOON, welche

namentlich Artikel für den Export liefern, bedeutend.

[Sidenote: Fr. Müller * 22. Juli 1817.]

Einen hochangesehenen Namen in der Geschichte des holländischen

Buchhandels der neueren Zeit erwarb FREDERIK MÜLLER auf Grund seiner

Bestrebungen, System in den Betrieb des Handels und in die holländische

Bibliographie zu bringen. Müller hatte eine vorzügliche Ausbildung in

dem Etablissement von Johannes Müller, welches aus dem Geschäft von

Friedr. Arnold Brockhaus entstanden war (s. Kap. XII), erhalten. Im

Jahre 1843 etablierte er sich in Amsterdam auf dem Rockin in einem

Keller, der bald ein Sammelpunkt der angesehensten Gelehrten wurde. Eine

mit grossem Geschick ausgeführte Bücherbestellung des Vorstandes der

Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg brachte ihn in eine wichtige

Verbindung mit der St. Petersburger kaiserlichen Bibliothek und gab

Veranlassung zu der Herausgabe einer _Bibliographie néerlandorusse_

1859, welcher verschiedene bibliographische Arbeiten folgten.

Der Nachdruck hatte in Müller, trotz dem Widerstande seiner Kollegen,

den eifrigsten Bekämpfer, überhaupt nahm er den lebhaftesten Anteil

an allen den Buchhandel betreffenden Fragen. Zwei Aufgaben seines

Lebens musste er unvollendet lassen: die Abfassung einer allgemeinen

niederländischen Bibliographie und die Geschichte des niederländischen

Buchhandels, zu welcher das Material zum grössten Teil in der Bibliothek

des niederländischen Buchhändler-Vereins deponiert wurde[132].

[132] OTTO HARRASSOWITZ, Fr. Müller. Börsenbl. f. d. d. B. 1881, Nr. 5.

* * * * *

[Sidenote: Belgien.]

Der Name BELGIENS ist in der Geschichte der neueren Typographie von dem

Pariser Frieden ab und bis zu dem Vertrage mit Frankreich vom 1. Mai

1861 hauptsächlich durch die masslose Ausübung des zwar damals nicht

verbotenen, doch wenig ehrenvollen Geschäfts des Nachdruckes bekannt.

[Sidenote: Der Nachdruck.]

Da in den belgischen Provinzen die französische Gesetzgebung

auch nach der Trennung von Frankreich massgebend blieb, so waren

es selbstverständlich zuerst die besten Werke der französischen

Jurisprudenz, welche, da der Vorteil ein sicherer war, den Nachdruckern

anheimfielen. Ein Fortschritt der belgischen Typographie war dabei nicht

bemerkbar; Papier und Druck blieben mangelhaft und im Jahre 1818 hatte

Brüssel erst 18 Druckerpressen.

Der König Wilhelm, der wohl einsah, dass aus dem Druckgewerbe nur

dann ein eigentlicher Vorteil für das Land zu erwarten sei, wenn

die Erzeugnisse technisch besser ausgeführt würden, unterstützte

die Papierfabrikanten und Buchdrucker und förderte die Einberufung

französischer Arbeiter. Schon mit dem Jahre 1820 trat eine Besserung

in der Produktion ein, doch blieb der Umfang des Druckgewerbes noch

bis zur Revolution ein mässiger; der Nachdruck beschränkte sich damals

hauptsächlich auf Werke für den inländischen Bedarf und nahm erst nach

dem Jahre 1830 grossartigere Dimensionen an.

[Sidenote: Produktion.]

Während im Jahre 1815 die litterarische Produktion nur fünf Millionen

Bogen betrug, war sie 1838 auf über 32 Millionen Bogen gestiegen. 1815

war die Zahl der Buchdruckereien in den belgischen Provinzen 20 mit 27

Pressen, 1838 aber 53 mit 429 Pressen oder, wenn man die vorhandenen

Schnellpressen der üblichen Leistungsfähigkeit nach auf Handpressen

überträgt, 519 Handpressen.

[Sidenote: Grosser Umfang des Nachdrucks.]

Von der Gesamtproduktion kamen etwa acht Millionen Bogen, hauptsächlich

in Duodezformat, welches Quantum 6-700000 der damals üblichen

Romanbände gleichkam, auf die französischen Nachdrucke, deren Umsatz

sich auf etwa 3-1/2 Millionen Franken belief. Die bedeutendsten

Nachdruckerfirmen WAHLEN & CO., LOUIS HAUMANN & CO., MELINE CANS &

CO. gingen an Aktien-Gesellschaften über, die mit einem Kapital von

insgesamt etwa fünf Millionen Franken arbeiteten. Diese Gesellschaften

machten jedoch keine guten Geschäfte, da der kostspielige und

komplizierte Administrations-Apparat den Vorteil absorbierte, zudem die

kleineren Nachdrucker mit ihrem einfachen Geschäftsbetrieb die Preise

ausserordentlich gedrückt hatten.

Von der Bedeutung des Nachdrucks mögen einige Thatsachen sprechen:

Bérangers Gedichte wurden in etwa 30000 Exemplaren gedruckt; Thiers'

Revolution in 15000; Lamennais' _Paroles d'un croyant_ in 60000

Exemplaren. Die kostbarsten Werke, z. B. die mit grossen Opfern

durch Didot ins Leben gerufene neue Bearbeitung des _Dictionnaire

de l'Académie_, fielen den Nachdruckern anheim, ja selbst mit den

besten Zeitschriften als der _Revue des deux mondes_ und der _Revue

britannique_ war es der Fall. Es kam sogar so weit, dass man eine eigene

Zeitschrift _Revue des Revues_ gründete, welche eine Quintessenz

der verschiedensten periodischen Schriften von Wert brachte, während

die politischen Zeitungen Belgiens den Romanhunger des Publikums

mit Nachdrucken französischer Feuilletons stillten. Die Brüsseler

Buchhandlungen unterhielten Comptoire in London, Leipzig und anderen

Orten; in vielen Grenzorten Frankreichs errichteten sie Depots behufs

des Schmuggels, ja selbst in Algier existierte ein solches, um die

heimliche Einfuhr nach Frankreich zu betreiben.

[Sidenote: Aufhören des Nachdrucks.]

Diesem Unfug wurde, zum wahren Vorteil Belgiens, durch den Vertrag

mit Frankreich ein Ende gemacht und Belgien war nun genötigt und

auch mit Erfolg bemüht, sich auf dem Litteraturmarkt selbständig

geltend zu machen. Auch das Druckgewerbe hatte von der Änderung einen

Vorteil; denn, waren auch die Nachdrucke meist sauber ausgestattet, so

hielten sich doch alle Erscheinungen auf demselben Niveau des einfach

mittelguten Werkdrucks und von einem höheren Aufschwung der Kunst war

keine Rede[133].

[133] _Mémoire sur la situation actuelle de la contrefaçon en

Belgique._ Paris 1841. -- C. MUQUARDT, _De la contrefaçon_.

Brüssel 1844. -- _Over den Nadruk in Belgien._ AUG. SCHNEE,

_Trente ans de la littérature belge 1830-1860_. Brüssel 1861.

Der Import an Büchern aus Frankreich ist jetzt begreiflicherweise ein

bedeutenderer geworden und beträgt etwa drei Millionen Franken an Wert,

während der Export nach Frankreich nur etwa eine halbe Million Franken

erreicht.

[Sidenote: Verschiedene Buchdrucker.]

[Sidenote: E. Vanderhaegen [+] 1881.]

Ein Zweig des Pressgewerbes von grosser Bedeutung ist der Druck

liturgischer und überhaupt Andachtsbücher. Selbst die französischen

Pressen haben in dieser Richtung schwer mit der belgischen Konkurrenz

zu kämpfen. Unter denjenigen Offizinen, die sich in dieser Produktion

auszeichnen und eine grosse Ausfuhr nach allen Weltteilen haben, sind M.

H. DESSAIN und HANIQ in MECHELN, mit welchen WESMAEL-CHARLIER, LEGROS

in NAMUR und GREUSE in BRÜSSEL, welch letzterer auch die umfangreiche

venetianische Ausgabe der Bolandisten fortsetzt, konkurrieren.

Hebräische und chaldäische Werke liefern VAN LINHOUT und VAN DER ZANDE

in LÖWEN. J. S. VAN DOOSELAERE in GENT[134] ist ein, seinem Fache mit

grosser Liebe zugethaner Jünger Gutenbergs. Ein von ihm gedruckter

_Recueil descriptif des antiquités_ ist ein typographisches Kunststück,

indem der Text die äussere Form der beschriebenen kunstgewerblichen

Gegenstände nachbildet. E. VANDERHAEGEN, ebenfalls in Gent, machte sich

durch seine _Bibliographie gantoise_, 7 Bände, 1858-1869, einen Namen.

HENRI CASTERMANN & CO. in TOURNAI vereinigen mit der Buchdruckerei

auch die verwandten Geschäftszweige und den Verlagshandel. Allen ihren

Arbeiten sind Nettigkeit und Eleganz nachzurühmen.

[134] J. S. VAN DOOSELAERE, _Aperçu_. London 1851.

In BRÜSSEL zeichnet sich AD. MERTENS durch gute Illustrationsdrucke und

Luxusarbeiten aus. F. GUYOT FRÈRES[135] sind bedeutend im Accidenzfache

und liefern viele Wertpapiere und Regierungsarbeiten, in welchen auch

F. HAYEZ Beachtenswertes produziert. BRUYLANT-CHRISTOPHE zeigt im Werk-

und Buntdruck technische Tüchtigkeit. ADOLF WAHLEN veranstaltete mit A.

Delpierres Leben der Maria von Burgund ein vorzügliches Druckwerk. Ein

glücklicher Zufall hatte ein auf das feinste verziertes, nachweislich

von der eigenen Hand der kunstsinnigen Prinzessin Marie herrührendes

Alphabet Initiale vor dem Untergange bewahrt, welches nun mit grösster

Sorgfalt für das erwähnte Werk nachgebildet wurde. Auch auf den Satz

verwendete man die grösste Mühe, so dass in dem ganzen Werk kein

geteiltes Wort vorkommt, ohne dass deshalb die Regelmässigkeit des

Ausschlusses irgendwie gestört wäre.

[135] _Imprimerie E. Guyot._ Brüssel 1880.

Der Schatz, welchen Antwerpen in dem Plantin-Museum besitzt, durch

welches diese Stadt ein typographisches Mekka geworden, ist bereits (I,

S. 225) ausführlicher besprochen[136].

[136] Wer nicht Gelegenheit oder Lust hat, die I, S. 225 zitierten

Werke einzusehen, findet in Westermanns Monatsheften 1883, Heft

319 eine ausführliche Beschreibung des Plantin-Museums.

[Sidenote: Statistisches.]

Die Zahl der Buchdruckereien in Belgien beträgt 639; davon kommen auf

Brüssel 101, Antwerpen 51, Lüttich 37, Gent 34, Brügge 21. Unter den

Schriftgiessereien zeichnen sich VANDERBORGHT und MELINE CANS & CO.

aus. Die Zeitungspresse[137] Belgiens teilt sich in zwei, einander

gegenüberstehende Lager, das katholische und das liberale. Im Jahre 1840

hatte Belgien nur 75 Journale, darunter 39 vlämische. 1880 war die Zahl

auf 388 gestiegen, darunter 143 in vlämischer Sprache. 54 Zeitungen

erscheinen täglich. Die älteste derselben ist das 1764 gegründete

_Journal de Liège_. Unter den Fachblättern sind zu nennen die _Annales

de l'imprimerie_.

[137] J. MALLOU, _Notice statistique sur les journaux Belges_.

Brüssel 1843.

ITALIEN.

[Sidenote: Italien.]

ITALIEN seufzte in der vorliegenden Periode unter dem Druck der

Fremdherrschaft bald österreichischer, bald spanischer und französischer

Machthaber. Jede freiere Geistesregung war verschwunden und infolge

davon vegetierte auch die einst so blühende Typographie nur in

kümmerlichster Weise fort. Der kleinen Stadt PARMA allein war es

beschieden, durch den einzigen bedeutenden Meister dieser Zeit einen

grossen, jedoch nur kurz andauernden Ruf zu gewinnen.

[Sidenote: J. B. Bodoni * 16. Febr. 1740, [+] 30. Nov. 1813.]

Dieser Meister, JOHANN BAPTIST BODONI[138], ward in Saluzzo von

einfachen aber respektablen Eltern geboren. Die Anfänge der Kunst

lernte er bei dem Vater und bereits frühzeitig entwickelte er ein nicht

gewöhnliches Zeichentalent und schnitt in seinen Freistunden Vignetten

in Holz, die später, nachdem der unbekannte Holzschneider ein berühmter

Buchdrucker geworden war, von Sammlern sehr gesucht wurden.

[138] LAMA, _Vita del cavaliere G. Bodoni_, 1816, 2 Bde., von welchen

der letztere ein analytisches Verzeichnis seiner Druckwerke

enthält. -- J. BERNARDI, _Vita di G. Bodoni_. Saluzzo 1872.

[Sidenote: Bodoni in der Propaganda.]

Achtzehn Jahre alt begab er sich mit einem Freunde nach Rom, wo der

letztere einen Onkel hatte, von welchem die Wanderer Unterstützung

erwarteten. Die kleine Barschaft war unterwegs bald aufgezehrt, da

half Bodoni durch Verkauf von Holzschnittvignetten an Buchdrucker. Den

nach Rom Gekommenen erklärte der Onkel nicht helfen zu können. Bodoni

war zur Rückkehr entschlossen, wollte jedoch wenigstens der berühmten

Offizin der Propaganda einen Besuch abstatten. Bei diesem erregte die

Lebhaftigkeit und das gefällige Wesen Bodonis die Aufmerksamkeit des

Direktors, Abbé Ruggieri, und er wurde engagiert. Auf Veranlassung der

obersten Spitze der Anstalt, des Kardinals Spinelli, der Bodonis Streben

wohlgefällig bemerkte, nahm dieser an einem Kursus der orientalischen

Sprachen Anteil und lernte auch Arabisch und Hebräisch lesen. Mit der

typographischen Ausführung eines arabisch-koptischen _Missale_ und des

_Alphabeticum Tibetanum_ des Paters Georgi betraut, entledigte er sich

der Aufgaben in so befriedigender Weise, dass Ruggieri dem Schlusse des

Werkes den Vermerk: »_Roma, excudebat J. B. Bodoni, Salutiensis 1762_«

aufdrucken liess.

Bei der Ordnung der orientalischen Schriftenvorräte der Anstalt war die

Lust bei Bodoni entstanden, selbst Schriftschneider zu werden und er

griff diesen Gedanken mit einem solchen Eifer auf, dass er in kurzer

Zeit ein sehr tüchtiger Stempelschneider wurde. Wahrscheinlicherweise

wäre sein Schicksal für stets mit der Propaganda verknüpft geblieben,

wenn nicht der freiwillige Tod seines Gönners Ruggieri ihm den dortigen

Aufenthalt verleidet hätte. Er nahm einen Ruf nach England an, wollte

jedoch vor seiner Abreise nochmals seine Eltern in Saluzzo sehen. Dort

erkrankte er in so bedenklicher Weise, dass seine Abreise verschoben

werden musste, und als der Marquis Telino ihm das Anerbieten machte,

an die Spitze einer, der Königlichen Buchdruckerei in Paris ähnlichen

Anstalt, die man in Parma errichten wollte, zu treten, gab Bodoni das

Engagement nach England ganz auf und siedelte nach Parma über.

[Sidenote: Buchdrucker in Parma.]

Hier begann nun für ihn eine Zeit des strengsten Arbeitens, auch war er

anfänglich keineswegs pekuniär günstig gestellt. Im Jahre 1771 legte er

durch seine _Saggio tipographico di fregi et majuscola_ Proben seiner

Kunst als Stempelschneider ab. 1774 folgten _Iscrizioni esotiche_ von de

Rossi und 1775 bei Gelegenheit der Vermählung des Fürsten von Piemont

mit der Prinzessin Clotilde von Frankreich, die in 25 verschiedenen

Sprachen, orientalischen und europäischen, gedruckten _Epithalamia

exoticis linguis reddita_. Das letztere Werk richtete die allgemeine

Aufmerksamkeit auf Bodoni. Kein Reisender von Bedeutung unterliess es,

dessen Druckanstalt zu besuchen. Karl III. von Spanien ernannte ihn zu

seinem Hofbuchdrucker; Gustav III. von Schweden und Ferdinand IV. von

Neapel erteilten ihm Auszeichnungen. Alle waren einig, dass Bodonis

Erzeugnisse in Bezug auf Eleganz und Gleichförmigkeit nicht übertroffen

seien.

Im Jahre 1788 wurde ihm von dem Ritter d'Azara, dem spanischen Gesandten

in Rom, das Anerbieten gemacht, in dessen Palast eine Druckerei

für die Herausgabe griechischer, lateinischer und italienischer

Klassiker einzurichten. Unwillig darüber, dass jemand ihm eine solche

typographische Kapazität rauben wolle, gestattete der Herzog von Parma,

dass Bodoni eine ähnliche Offizin, wie die in Rom beabsichtigte, in dem

herzoglichen Schlosse einrichtete, aus welcher dann einige der schönsten

Klassiker-Ausgaben, darunter der Virgil von 1793 und Tassos _Gerusalemme

liberata_ in drei Foliobänden (1794), hervorgingen.

[Sidenote: Prachtwerke.]

Die kostbarste aller seiner Prachtausgaben war jedoch der Homer

(1808), den er dem Kaiser Napoleon dedizierte, von welchem er in der

Zeit der Franzosenherrschaft in jeder Weise begünstigt wurde. Bei der

Überreichung des Dedikationsexemplares erhielt Bodoni eine Pension von

3000 Franken. Der Vizekönig von Italien, Eugen Beauharnais, wollte ihn

gern nach Mailand, Murat nach Neapel ziehen. Bodoni wünschte jedoch

nicht Parma zu verlassen und schützte Alter und Kränklichkeit vor. Er

hasste überhaupt das Franzosentum, verstand es aber ganz wohl, sich in

die Verhältnisse zu schicken und diese sich nutzbar zu machen.

Im Jahre 1811 wurde er von Murat dekoriert. Letzterer hatte die Absicht,

für den jungen Murat eine Reihe von Klassikern drucken zu lassen. Der

Anfang wurde 1812 mit _Télémaque_ gemacht, dem 1813 Racine folgte; erst

1814, nach Bodonis Tod, erschienen Lafontaine und Boileau. Auf Grund

dieser französischen Klassiker-Ausgaben erteilte Napoleon dem Bodoni

kurz vor dessen Tode das Kreuz der Ehrenlegion in Begleitung eines

Ehrengeschenkes von 18000 Franken.

Unter Bodonis Arbeiten müssen noch zwei erwähnt werden, die für den

Typographen von Fach ein ganz besonderes Interesse haben: seine _Oratio

dominica_ und sein _Manuale tipographico_.

[Sidenote: _Oratio dominica._]

Als der Papst Pius VII. im Jahre 1805 auf seiner Rückreise von Paris, wo

ihm in der Staatsdruckerei die _Oratio dominica_ durch Marcel überreicht

worden war, durch Parma kam, forderte er Bodoni auf, zu zeigen, dass

Italien ein ähnliches Werk liefern könne. Bodoni wollte nun die Pariser

Ausgabe noch übertreffen und lieferte auch, und zwar in sehr kurzer

Zeit, die seinige in 155 Sprachen; 51 asiatischen, 82 europäischen,

12 afrikanischen und 20 amerikanischen, allerdings nur, indem die

Propaganda ihn mit ihren Vorräten unterstützte.

[Sidenote: _Manuale tipographico._]

Das _Manuale tipographico del Cavaliere Giambattista Bodoni_, zwei Bände

in kleinem Folio, wurde erst 1818 von seiner Witwe herausgegeben. Es

enthält auf 87 Seiten eine Einleitung der Witwe und 267 Seiten Proben.

Die erste Serie bringt auf 144 Blatt die _Caratteri latini tondi e

corsivi_, eine Sammlung von Antiqua- und Cursivschriften, wie sie in

solcher Vollständigkeit, Vollendung und einheitlichen Durchführung sonst

wohl selten oder nie gefunden wird. Bodoni schnitt folgende 22 Grade:

_Parmigianina_, _Nonpariglia_, _Mignona_, _Testino_, _Garamoncino_,

_Garamone_, _Filosofia_, _Lettura_, _Silvio_, _Soprasilvio_, _Testo_,

_Parangone_, _Ascendonica_, _Palestina_, _Canoncino_, _Sopracanon_,

_Canone_, _Corale_, _Ducale_, _Reale_, _Imperiale_, _Papale_. Darauf

folgen 85 Blatt Versalien, Antiqua-, Cursiv- und Schreibschriften.

Der zweite Band enthält 59 Blätter Griechisch, 33 Blätter Orientalia,

darauf, zwischen Malabarisch und Russisch, zwei Blätter _Caratteri

tedeschi_, in einer Ausführung, die allerdings nahe ans Malabarische

grenzt. Die russischen Schriften sind auf 82 Blättern sehr reich und

schön vertreten. Den Schluss machen 91 Blatt _Fregi_ (Einfassungen),

Linien und Diverse, die ohne Bedeutung sind.

Das Ganze bildet ein Druckwerk ersten Ranges. Der tiefschwarze und doch

mit wenig Farbe erzielte Druck, die Schärfe der Schrift, die Einfachheit

und das Ebenmass des Ganzen, das schöne milchweisse Velinpapier, ohne

den schädigenden Glanz der Satinage, haben ein Kunstwerk zuwegegebracht,

welches das Studium jedes Gutenberg-Jüngers verdient.

Bodonis Schriften wurden nicht allein in Italien überall verbreitet,

sondern fanden auch Eingang in Berlin durch Decker und Unger, in Leipzig

durch Breitkopf, in der Schweiz durch Gessner, in London durch Nicholls,

in Kopenhagen und an andern Orten.

[Sidenote: Krankheit und Tod.]

Bodoni war von der Natur kräftig, schadete sich aber durch übermässiges

Arbeiten. Er bezeichnete sich selbst als einen Galeerensklaven und war

in der That an die Druckerei wie angeschmiedet. Seit Jahren an Podagra

leidend, liess er sich durch Schmerz und Ungeduld verleiten, als Kur

innerhalb je 12 Stunden 36 Pfund heisses Wasser zu trinken, und er würde

dies noch weitergetrieben haben, wäre er nicht durch Ohnmachten daran

gehindert worden. Die Folge war eine Schwächung des Magens, die nicht

wieder gehoben werden konnte. Am 30. November 1813 unterlag er, und am

2. Dezember rief die grosse Glocke des Domes die Bürger Parmas zu der

feierlichen Beerdigung ihres hochverdienten Mitbürgers.

Bodonis Denkmal in Saluzzo wurde am 20. Oktober 1872 eingeweiht. Es

stellt ihn in ganzer Figur vor, umgeben von den Werkzeugen seiner Kunst.

[Sidenote: Verdienste.]

Bodoni leistete vieles ganz ausserordentlich Schöne, doch entstanden

die Produkte seiner Pressen zumteil mehr aus typographischem Ehrgeiz

als aus dem Wunsch, höheren, veredelnden Zwecken zu dienen, wie dies

in der Vergangenheit das Ziel seines grossen Landsmannes Aldus gewesen

oder in seiner Zeit das der Didots war. Er huldigte öfters zu sehr dem

Luxusdruck ohne eigentlichen Zweck. Sein Wirken erhellte deshalb zwar

eine zeitlang den typographischen Himmel Italiens, es war jedoch nicht

mit dem erwärmenden, fruchtbringenden Licht der Sonne zu vergleichen,

sondern mehr mit der prachtvollen, die Augen entzückenden Erscheinung

eines glänzenden Meteors, welches ebenso unvermutet zum Vorschein kommt,

als es rasch verschwindet.

[Sidenote: Die Typographie in Italien.]

So finden wir bis um die Mitte unseres Jahrhunderts die Typographie

und das Buchgewerbe Italiens in einem wenig erfreulichen Zustande. Die

Zensur war eine ausserordentlich strenge und die Bücher, die in einem

Teil des Landes gedruckt waren, konnten nicht unbehindert in einem

anderen vertrieben werden. In Neapel existierten Zölle, die gleich einem

Verbot wirkten; dabei florierte der Nachdruck und der Verkehr mit dem

Auslande bot die grössten Schwierigkeiten.

[Sidenote: Statistisches.]

Im Jahre 1833 gab es 464 Buchdruckereien und Buchhandlungen; 1835

wurden 2819 Werke in 4295 Bänden herausgegeben. 1836 zählte man,

einschliesslich der offiziellen Zeitungen der verschiedenen Staaten, nur

185 Zeitschriften, davon 26 in Neapel, 19 in Mailand, je 10 in Rom und

Turin, je 8 in Palermo und Florenz.

Die 1848 in Piemont eingeführte Pressfreiheit trug zwar bald Früchte,

jedoch datiert der eigentliche Fortschritt erst von der Einigung

Italiens. 1859 gab es gegen 600 Buchdruckereien mit etwa 2000 Pressen.

Turin hatte 780 Setzer, 164 Handpressen und 47 Schnellpressen, bei

deren Einführung man nicht darauf drucken wollte, bevor die Macht

des Satans über sie durch Besprengung derselben mit geweihtem Wasser

seitens eines Geistlichen beseitigt war. 1872 bestanden bereits 911

Buchdruckereien, in welchen 745 Schnellpressen, 2691 Handpressen und

nahe an 11000 Personen beschäftigt wurden. Unter den 1083 Buchhandlungen

verdienten allerdings eine ziemliche Anzahl kaum diesen Namen. Viele,

selbst bekannte Schriftsteller mussten ihre Werke auf eigene Kosten

drucken lassen.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 22 / 47 段