FOURNIERS. Derselbe arbeitete 1812 bei Didot, wo er für den tüchtigsten
Setzer galt. 1824 gründete er selbst in Paris eine Buchdruckerei, die
später durch Kauf in die Hände Jules Clayes überging. Fournier druckte
und verlegte eine Anzahl kompakter Ausgaben der französischen Klassiker
und verschiedene illustrierte Werke: _Les petits Misères de la vie
humaine_, _La Chine ouverte_, die von einem feinen Geschmack und grosser
Tüchtigkeit zeugten. Er zog nach dem Verkauf seines Geschäfts wieder
nach seiner Vaterstadt Tours. Auf Grund der typographischen Ausführung
von _La Touraine_ wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Allgemein bekannt auch in Deutschland ist Fournier durch seinen _Traité
de la typographie_, das einzige die Kunst des Setzers mit Geschmack
behandelnde Lehrbuch.
[Sidenote: P. Dupont * 1796, [+] 12. Dec. 1880.]
Für den Accidenzdruck haben PAUL DUPONT und seine _Imprimerie
administrative et des chemins de fer_ Bedeutung[110]. Seinem
ganzen Wesen nach ist das Institut eins der modernsten und
umfasst Buchdruckerei und lithographische Anstalt mit mehr als 50
Schnellpressen, 25 Handpressen und 1200 Arbeitern. Ein merkwürdiges
Unternehmen Duponts sind die _Archives parlementaires_ der verschiedenen
Repräsentationen Frankreichs von 1787-1860: Generalstaaten, Direktorium,
Konsulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, zweite Restauration,
Juli-Regierung, zweite Republik, zweites Kaiserreich; kann man eine
grössere Abwechselung verlangen? Dupont hat sich Ruf durch seine
praktischen Beiträge zur Lösung der Arbeiterfrage durch Beteiligung der
Arbeiter erworben und hat in seinen Bestrebungen unter den französischen
Industriellen viele Gleichgesinnte und Nachfolger gefunden, z. B.
Laurent & Deberny, Schriftgiesserei, seit 1848, Chaix & Co. und Godchaux
& Co. seit 1871, Mame und Masson seit 1877.
[110] _Notice sur les établissements de P. D._ 1867. -- _P. D. et ses
ouvriers assoc._ -- Journ. f. B. 1865, Nr. 35-37. -- P. DUPONT,
_Une Imprimerie en 1867_. Paris 1867.
Anlässlich der Pariser Ausstellung 1867 gab Dupont ein Prachtwerk
heraus, enthaltend eine für den Laien interessante Schilderung seiner
Anstalt; freilich nicht ohne eine gewisse Ostentation und kräftige
Hervorhebung der Lichtseiten. Ferner schrieb er eine _Histoire de
l'imprimerie_, zwei Bände, 1854, jedoch mehr eine Sammlung von
Material als eine durchgearbeitete Geschichte[111] und, abgesehen von
der Erfindungsgeschichte, fast ausschliesslich sich mit Frankreich
beschäftigend.
[111] Die 1881 erschienene neue Ausgabe ist die alte mit einem neuen
Titel.
Von den vielen grossen Offizinen nennen wir nur diejenigen, die irgend
eine charakteristische Seite aufzuweisen haben.
[Sidenote: Jules Claye.]
JULES CLAYE (ursprünglich H. Fournier) ist eine bedeutende
Buchdruckerei, aus welcher eine grosse Anzahl von Prachtwerken Pariser
Verleger hervorging, darunter die grossartigste Erscheinung der jüngeren
Typographie, Hachettes _Les Évangiles_. Wenn wir gleich daneben ein
kleines Kunststückchen Clayes, seinen Katalog der Ausstellung des
_Cercle de la librairie_ in Wien 1873 nennen, so geschieht es nur,
weil das Büchlein zu den Gegenständen gehört, bei deren Betrachtung
man sich sagen muss, es giebt ein gewisses Etwas in der französischen
Typographie, in welchem man ihr nicht nachkommt, nicht weil man es
technisch nicht ebenso gut machen könnte, nachdem es einmal vorliegt,
sondern weil man einfach nicht auf den Gedanken kommt, es so zu
machen. Clayes Nachfolger im Geschäft ist A. Quantin. Aus der Schule
Mames hervorgegangen, gilt dieser als einer der vorzüglichsten und
geschmackreichsten Drucker. Die _Histoire de Joseph_ wird als ein
würdiges Seitenstück zu _Les Évangiles_ bei Hachette betrachtet.
[Sidenote: A. Chaix.]
Zu Claye steht A. CHAIX & CO. ungefähr in demselben Verhältnis wie
Dupont zu Mame. Die Firma, jetzt wie die Duponts in den Händen einer
Kommandit-Gesellschaft, ist _Imprimerie et librairie centrales des
chemins de fer_[112]. Wie schon aus der Bezeichnung hervorgeht, legte
sich Chaix besonders auf Arbeiten für Eisenbahnen und zwar zu einer
Zeit, als viele Eisenbahnbauten in Angriff genommen wurden. Ausserdem
druckte er viele Wertpapiere. Selbst das für so manchen ruinöse
Jahr 1848 brachte Chaix' Etablissement Vorteil durch die vielen
dort ausgeführten Zeitungen und politischen Broschüren, denn seine
Druckerei war der Sammelplatz der neuen politischen Grössen, wo auch
der nachmalige Kaiser fast täglich verkehrte. 1878 beschäftigte er
48 Schnellpressen und gegen 700 Personen. Das Lokal gewährt das Bild
einer grossen Eisenbahnhalle, mit Oberlicht versehen und von Galerien
umgeben. In der Mitte arbeiten die Setzer; ringsherum stehen die
Maschinen. Jeden Monat wird ein neuer Orientierungsplan ausgegeben,
um die Hersteller der verschiedenen Arbeiten leicht auffinden zu
können. Das grosse Tarifbuch im stehenden Satz enthält 36 Millionen
Nonpareil-Typen. Für die mehrfarbigen Plakate, öfters von mehr als zwei
Meter Höhe und anderthalb Meter Breite, sind die schon oben erwähnten
besonderen Maschinen in Gang. Die Buchhandlung beschäftigt sich fast
ausschliesslich mit Eisenbahnlitteratur. Chaix sorgt sowohl durch
Beteiligungssystem und Kassen, die jetzt über ein Kapital von 300000
Franken verfügen, als durch zweckmässige Einrichtungen in dem Lokal
und eine billige Arbeiterküche für das Wohl der Gehülfen. Für die
Ausbildung der Lehrlinge errichtete er eine Schule mit vier Klassen
unter Berücksichtigung der vier Lehrjahre der Zöglinge. Nicht allein,
dass der Unterricht frei ist, sondern den Lehrlingen werden Marken
verabreicht, die sie beim Beginn der Stunden abzugeben haben. Für jede
Marke, die also als Zeichen der Anwesenheit in der Schule gilt, wird dem
Lehrling ein kleiner Geldbetrag gutgeschrieben. Für die Schüler schrieb
Chaix selbst ein Handbuch der Buchdruckerkunst, gab auch anlässlich der
Ausstellung 1878 einen 338 Seiten starken Bericht über seine Anstalt
heraus.
[112] _Histoire de l'imprimerie centrale, etc._ Paris 1878.
[Sidenote: _Agence Havas._]
Ist Chaix' Druckerei als typisch für eine Druckerei des Augenblicks
zu betrachten, so kann die am _Place de la bourse_ gelegene Offizin
der _Agence Havas_, der politischen Korrespondenz Frankreichs, als das
Bild einer Zukunftsdruckerei gelten. Es werden hier nur Setzmaschinen
verwendet, und zwar Kastenbeinsche, die durchweg von Frauen bedient
werden. Diese Druckerei liefert für die Provinzblätter stereotypierte
Satzspalten, die, in Stücke zersägt, sich mit dem eigenen Satz der
Blätter zusammen verwenden lassen.
[Sidenote: P. H. Plon * 1805.]
Einen bedeutenden Namen als Werkdrucker erwarb PH. H. PLON[113]. Er
war Setzer in der Offizin Béthunes, bei dem das _Dictionnaire de la
conversation_ in 52 Bänden erschien. Bei der Herausgabe zeigte Plon
eine grosse Thätigkeit und wurde Teilnehmer des Geschäfts. Als auf
Grund entstandener Verlegenheiten Béthune sich zurückzog, übernahm
Plon allein das Geschäft, welches sich äusserst rasch hob und Luxus-
und Farbendrucke von Bedeutung lieferte, besonders aber gute
Werkdrucke. 1854 wurde Plon Buchdrucker Napoleons III. und druckte und
verlegte dessen Leben Caesars. Sein wissenschaftlich und künstlerisch
ausgebildeter Sohn übernahm nach dem Tode des Vaters das Geschäft.
[113] _Quelques mots sur la maison Henri Plon._ -- Henri Plon.
Paris 1873.
Den Farbendruck hat die Firma so gut wie fallen lassen. Ohne gerade als
Meisterstücke hervortreten zu wollen, zeichnen sich, wie die älteren,
so auch die neueren Verlagserzeugnisse Plons, als: _Collection des
classiques français_ in 32°; _Les Chartes et les archives nationales_
in 4°; die _Bibliothèque historique_ in mehr als 300 Bänden in 8°; die
_Bibliothèque des voyages_ und die _Bibliothèque des romans_ durch
Tüchtigkeit in der Ausführung aus.
[Sidenote: Lacrampe.]
Die Firma LACRAMPE & CO. wurde 1837 als Assoziationsdruckerei
von 19 Arbeitern, alles tüchtige, arbeitsame und für ihren Beruf
enthusiasmierte Männer, begründet. Sie wählten ihren Chef und
wirtschafteten gemeinschaftlich. Das Resultat war trotz der
redlichsten Anstrengungen und zahlreichen Aufträge kein günstiges.
Nicht besser ging es der unter der Firma François & Co. gegründeten
Assoziationsbuchdruckerei, gewöhnlich »die Zehn« genannt.
[Sidenote: Crété fils.]
CRÉTÉ FILS ist zwar in Corbeil ansässig, gehört jedoch thatsächlich
zu den Pariser Buchdruckereien, da das kolossale Etablissement nur
für Pariser Verleger beschäftigt ist; Crété konkurriert würdig mit
Claye in der Herstellung illustrierter Werke, namentlich für Hachettes
Verlag, und wird hinsichtlich einer sich stets gleichbleibenden Güte und
Gleichmässigkeit des Schriftdrucks kaum übertroffen.
[Sidenote: Gauthier-Villars.]
[Sidenote: Bailleul [+] 30. Mai 1875.]
GAUTHIER-VILLARS macht eine Spezialität aus solchen Arbeiten, die
andere am liebsten von sich weisen möchten; bei ihm heisst es aber, je
schwieriger, desto besser. Seine für die wissenschaftlichen Institute
und Akademieen gelieferten Tabellen-, arithmetischen und mathematischen
Arbeiten, unter welchen sich die Werke des de Laplace und Lagrange
befinden, sind mit grossem Fleisse und mit typographischem Verständnis
ausgeführt, würden jedoch in Deutschland nicht für so epochemachend
gehalten werden, wie es in Frankreich der Fall war. Als Schöpfer des
modernen mathematischen Satzes muss der bis in sein 78. Jahr bei
Gauthier-Villars arbeitende Setzer BAILLEUL betrachtet werden, der
zuerst bei Crapelet ausgebildet war und bei dem Schriftgiesser Ch.
Laboulaye in seinen Bemühungen Unterstützung fand. Er wurde zum Ritter
der Ehrenlegion ernannt. Es sei dies als Zeichen eines anerkennenswerten
Vorgehens der französischen Regierung angeführt, dass sie den
hochverdienten Arbeiter ganz in derselben Weise wie den ersten Bürger
ehrt, und andererseits ist es von den französischen Buchdruckern zu
loben, dass sie neidlos die Verdienste ihrer Kollegen und Gehülfen in
ein helles Licht zu setzen suchen, damit die Regierung sie kennen und
schätzen lernt.
[Sidenote: Verschiedene Pariser Offizinen.]
Unter den tüchtigen Firmen seien noch wenigstens kurz erwähnt: C.
MOTTEROZ, der sich auch schriftstellerisch durch sein Werk über die
chemischen Illustrations-Verfahren[114] verdient gemacht hat und
unter Zuhülfenahme aller graphischen Künste viele Accidenzarbeiten
für die grossen Magazine in Paris ausführt; EMILE MARTINET, bekannt
durch sein seit 1872 bestehendes Internat für Setzerinnen in Puteaux;
GEORGES CHAMEROT, Nachfolger von Firmin Didot, der schöne illustrierte
Ausgaben lieferte; WITTERSHEIM & CO., deren Zeitungsdruckerei von der
Regierung angekauft wurde; LAHURE, der mit 40 Schnellpressen und 18
Handpressen viele illustrierte Werke druckt; DUMAINE, der die Arbeiten
des Kriegs- und des Marineministeriums liefert und selbst einen grossen
Verlag von _Militaria_, Rang-, Quartierlisten etc. hat; die _Société
de publications périodiques_, welche, von Panckoucke unter der Firma
_Société du Moniteur et de l'Encyclopédie méthodique_ gegründet, unter
der Direktion von PAUL DALLOZ einen bedeutenden Aufschwung genommen hat
und eine grosse Zahl von Zeitungen druckt.
[114] _Essai sur les gravures chimiques._ Paris 1871. 2. Aufl.
Paris 1879.
[Sidenote: Offizinen der Provinz.]
Unter den Offizinen ausserhalb Paris finden sich, abgesehen von den
schon erwähnten von Mame und Berger-Levrault, noch manche von Bedeutung.
Ganz besonders hervorzuheben sind die Firmen L. DANEL in LILLE und F.
C. OBERTHUR in RENNES. Erstere, seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts
bestehend, arbeitet mit 33 Maschinen, 26 Handpressen und 450 Arbeitern,
alle graphischen Nebengewerbe in ihren Räumen vereinigend, die, nach
einem totalen Brand 1871, höchst zweckmässig neu aufgeführt wurden. Der
Hauptzweig ist Congrevedruck und die Firma liefert für den Handel und
die Fabrikation eine enorme Zahl von Accidenzien. Um seine Tüchtigkeit
im chromographischen Druck zu zeigen, hatte Danel zur Ausstellung 1878
ein Werk _Voyage dans un grenier_ geliefert. Oberthurs Offizin hat
ungefähr dieselbe Ausdehnung wie die Danels und ist 1874 neu aufgebaut;
sie versorgt Frankreich namentlich mit Agenden, Kalendern und ähnlichem.
Zu erwähnen sind unter anderen noch OUDIN FRÈRES in POITIERS mit
umfangreichen Verlagswerken als: _Historiens des Gaules_ und _Les
Châteaux historiques de France_ mit in den Text gedruckten Radierungen;
ALLIER PÈRE & FILS in GRENOBLE mit dem _Armorial et nobiliaire de
l'ancien duché de Savoie_; CAPOULAUD FRÈRES (seit 1607) in LIMOGES,
welche kleinere Stadt in der Bücherproduktion mit 466 Werken in einem
Jahre gleich nach Paris mit 2286 kommt, während das einst graphisch so
bedeutende LYON nur 134 Werke, BORDEAUX nur 49 aufwies. In TOULOUSE sind
J. M. SIRVEN und P. PRIVAT, in CAEN F. LEBLANC-HARDEL, in MANS MONNOYER
bemerkenswert.
* * * * *
[Sidenote: Drucker und Verleger illustrierter Werke.]
Unter den Herstellern der ausserordentlich zahlreichen illustrierten
Werke, die in Paris erschienen sind, Verlegern sowohl als Buchdruckern,
befinden sich hervorragende Männer. Wie das Pressgewerbe sich gestaltet
hat, ist es oft schwer zu sagen, wem der Ruhm für die schöne Ausstattung
am meisten gebührt, dem Verleger, der die Herstellung in allen Details
mit Sachkenntnis und Geschmack anordnet, oder demjenigen, der den
Druck übernimmt. Nicht selten sind die Fälle, dass der Verleger erst
den Ruf eines Druckers macht, der anfänglich nur unwillig sich von dem
Schlendrian und dem Alltäglichen abbringen lässt, vielleicht gar den
Verleger verwünscht, der ihn zwingt, ein guter Drucker zu werden. Oft
teilen sich beide, Verleger und Drucker, in die Ehre, und so sollte es
immer sein, wenn nicht Verleger und Drucker in einer Person vereinigt
sind.
[Sidenote: Ch. Furne.]
Noch produktiver als der obenerwähnte Fournier war CHARLES FURNE, erst
Angestellter im Zollfach, dann seiner Leidenschaft für schöne Bücher
nachgebend, ein unternehmender Bücherproduzent. Den Text zu dem von
ihm verlegten Don Quixote hatte er selbst übersetzt. Wie es in Paris
so oft der Fall war, ging das Geschäft 1836 in eine Aktiengesellschaft
über, deren Direktor Furne wurde. Eine der vorzüglichsten Leistungen
der jetzigen Firma FURNE, JOUVET & CO. ist Michauds _Histoire des
Croisades_, illustriert von G. Doré, in Folio.
[Sidenote: E. Bourdin.]
E. BOURDIN brachte J. Janins _L'Ane mort_, Sternes _Voyage
sentimentale_, _La Normandie et la Bretagne_, _Mémorial de Saint-Hélène_
von Las-Cases, illustriert von Charlet, das grosse Reisewerk des Fürsten
Demidoff und andere Prachtwerke.
[Sidenote: J. Hetzel.]
JULES HETZEL, selbst ein geachteter Schriftsteller (Pseudonym P. J.
Stahl), lieferte Grandvilles _Scènes de la vie publique et privée des
animaux_ und dessen _Les Animaux peints par eux-mêmes_. H. DELLOYE
veröffentlichte Balzacs _La Peau de chagrin_, _La France pittoresque_,
_La France monumentale_, _La France militaire_. Ein grossartiges,
jedoch nicht illustriertes Verlagswerk war Nap. Landais' _Dictionnaire
de la langue française_. Durch politische Verhältnisse gezwungen
siedelte Hetzel 1851 nach Brüssel über, kehrte jedoch 1859 nach Erlass
der Amnestie zurück und gründete die _Librairie d'éducation et de
récréation_. 1864 begann er das _Magasin illustré d'éducation et de
récréation_, eine Sammlung tüchtiger Werke für die Jugend.
[Sidenote: J. J. Dubochet.]
[Sidenote: J. Paulin * 1793.]
Epoche machte die bei J. J. DUBOCHET erschienene _Histoire de Napoléon_,
illustriert von Horace Vernet. Ein allerliebstes Werk war Töpffers
_Voyage en zigzag_. Von Dubochets nichtillustrierten Werken sind zu
erwähnen eine vortreffliche Kollektion von älteren Klassikern in
Übersetzungen von Nisard, 27 Bände Oktav, und die _Million de faits_.
Mit ihm gleichzeitig wirkte J. B. A. PAULIN, erst Mann der Wissenschaft
und Advokat, dann Verleger, der zusammen mit Dubochet _L'Illustration_
(1843) gründete. Diese Zeitschrift ging später in die Hände von A. MARC
& CO. über. Sie nimmt einen ehrenwerten Platz unter den illustrierten
Blättern ein, ohne jedoch ihr Vorbild, die _Illustrated London News_, zu
erreichen, hat auch nur eine Verbreitung von 18000 Exemplaren. Paulin
gab auch eine prachtvolle Ausgabe von Thiers' _Histoire du Consulat et
de l'Empire_ in 17 Bänden heraus. Das frühere Werk _L'Histoire de la
Révolution française_ von dem damals unbekannten Advokaten erschien
bei LECOINTE & PUGIN und auf dem Titel wurde der Name Félix Bodin als
Deckung vor den Namen Ad. Thiers eingeschmuggelt. Der Erfolg war ein
solcher, dass Thiers ferner keine schützende Flagge für seinen Namen und
seine Werke gebrauchte.
[Sidenote: _Magasin pittoresque._]
Unter den illustrierten kleineren Blättern, die in Nachahmung des _Penny
Magazine_ erschienen, ist das _Magasin pittoresque_ das hervorragendste
und das am schönsten ausgeführte nicht allein in Frankreich. Ein
Phänomen ist es, dass nicht allein der Redacteur CHARTON und die
Xylographie von ANDREW BEST & LELOIR, sondern auch die Direktion
der Setzer und Drucker von 1833 bis auf die jüngste Zeit dieselben
geblieben sind. Der Unternehmer hiess LACHEVARDIÈRE; die Ehre gebührt
jedoch Charton und Best ([+] 2. Oktober 1879), MARTINET lieferte den
vortrefflichen Druck. Zu demselben wurde die erste Schnellpresse in
Frankreich eingeführt, die von Applegath & Cowper in London gebaut war.
Neben dem genannten Blatt nahm namentlich _Le Musée des familles_ einen
respektablen Platz ein. BOURDILLAT, der auch die _[Oe]euvres de Gavarni_
herausgab, gründete _Le Monde illustré_, Hachette das sehr verbreitete
_Journal pour tous_. Ein xylographischer Künstler von grossem Ruf war L.
H. BREVIÈRE[115].
[115] J. ADELINE, L. H. Brevière. Rouen 1876.
[Sidenote: L. Curmer * 17. Dezbr. 1801.]
Der Bahnbrecher für die eigentlichen Luxusbücher, die unter Benutzung
der Chromoxylographie und der Chromolithographie entstanden, war LÉON
CURMER (1834). Er gehörte einer alten irländischen Adelsfamilie an,
war aber in Paris geboren. Wenige Verleger haben in dem Grade ihre
Zeit begriffen, wie er sie verstand, und wenige haben in gleicher
Weise, wie er es that, auf die Ausbildung des Kunstdrucks gewirkt ohne
selbst die Kunst zu üben. Stets wusste er eine Anregung, eine neue
Idee zu bringen. Wie reich er an Initiative war zeigt jeder seiner
Verlagsartikel. Er verstand es, sich mit Künstlern zu umgeben, die ganz
auf seine Intentionen eingingen, und so entstanden seine Werke aus einem
Gusse. Eine seiner bewunderten Unternehmungen war _Paul et Virginie_,
illustriert mit Holzschnitten von Tony Johannot und Meissonier, und auf
das vortrefflichste von Evérat gedruckt. Es folgten dann _Le Jardin
des plantes_, _La Grèce pittoresque_, _L'Irlande pittoresque_, _Les
Anglais_ und _Les Français peints par eux-mêmes_, _Les Beaux-Arts_, _Les
Contes des fées_ von Perrault und andere Werke. Prachtvoll waren seine
religiösen Bücher mit Randleisten in Farbendruck und anderem Schmuck.
Alle überragt _L'Imitation de Jésu-Christ_ mit einer grossen Anzahl
Nachbildungen von Miniaturen und Einfassungen in Farben und Golddruck,
ebenso _Le Livre d'heures de la Reine Anne de Bretagne_.
Sowohl in dem chromoxylographischen als in dem chromolithographischen
Druck besass Frankreich Meister ersten Ranges, so für ersteren G.
Silbermann und E. Meyer, für letzteren Engelmann Vater und Sohn.
[Sidenote: G. Silbermann * 1801, [+] 23. Juni 1876.]
Kaum giebt es unter den neueren Typographen einen Namen, ausser dem
Didotschen, der überall einen so guten Klang hat wie der GUSTAV
SILBERMANNS in Strassburg[116]. Die Anfänge des Hauses sind in einer
dortigen kleinen Buchdruckerei des Andreas Ulrich zu suchen, welche
die Grossmutter Silbermanns 1798 ankaufte. Letzterer lernte bei Didot
und ging dann zu seiner Ausbildung nach England und Deutschland. Als
1840 Engelmann, ebenfalls ein Elsässer, mit seinen Chromolithographien
die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, gründete Silbermann 1846 ein
Etablissement in Paris, zur Herstellung chromoxylographischer Drucke,
gab dies jedoch bald in die Hände seines Mitarbeiters, Ernst Meyer,
der trotz seiner Tüchtigkeit nicht recht prosperierte und 1863 das
Etablissement an Marc verkaufte. Silbermann war nach Strassburg
zurückgekehrt und vervollkommnete fortwährend den Buntdruck. Eine seiner
ersten Arbeiten dort war eine Ausgabe von Pfeffels Fabeln mit bunten
Einfassungen. Für die englischen Modezeitungen lieferte Silbermann in
grossen Auflagen farbige Stickmuster. Einer seiner bedeutendsten Drucke
ist die Nachbildung des Banners der Stadt Strassburg, ein Blatt von
60 × 50 Centimeter. Da das Banner selbst 1793, das Bild, nach welchem
es angefertigt war, 1870 zugrunde ging, so hat das Blatt einen um so
grösseren Wert. Als eifriger französischer Patriot verliess Silbermann
nach dem Kriege Strassburg und verkaufte sein Geschäft an M. Schauenburg
in Lahr, erwarb es jedoch 1872 wieder, um es in die Hände seines
früheren Schülers und durch 35 Jahre treuen Mitarbeiters Fischbach zu
geben[117].
[116] Ann. d. Typ. Nr. 361. VIII. Band.
[117] 1840 erschien anlässlich der Einweihung der Gutenbergstatue in
Strassburg ein _Album typographique_ von Silbermann, um die
Fortschritte der Kunst zu veranschaulichen. 1872 sammelte er
unter dem Titel _Album d'impressions typographiques en couleur_
eine Anzahl Blätter seiner Drucke, die von seinen Leistungen
eine, wennauch nicht ganz genügende, Vorstellung geben.
[Sidenote: G. Engelmann * 17. Aug. 1788, [+] 25. April 1839.]
War auch die lithographische Kunst dem Worte nach durch den Grafen
Lasteyrie 1814 nach Frankreich gebracht worden, so ist dem Sinne nach
GOTTFRIED ENGELMANN[118] aus Mülhausen der eigentliche Einführer. Im
Jahre 1816 etablierte Engelmann ein Atelier in Paris, 1820 brachte er
die Lithographie nach Spanien, 1826 gründete er ein Haus in London. Er
muss als der bedeutendste Förderer der Kunst Senefelders bezeichnet
werden und steht zu dieser etwa in dem Verhältnis wie Schöffer zu
der Erfindung Gutenbergs. Engelmann ist der eigentliche Schöpfer der
Chromolithographie. 1837 ward ihm für seine Erfindungen ein zehnjähriges
Patent erteilt und 1838 erhielt er den Preis der Gesellschaft zur
Aufmunterung der Künste.
[118] Ann. d. Typ. VII. Bd. 1875, Nr. 329.
[Sidenote: Joh. Engelmann [+] 25. Juli 1875.]
Den Ruhm des Vaters behauptete der Sohn JOHANN ENGELMANN. Seine im
Verein mit AUG. GRAF betriebene Chromolithographie blieb lange die
einzige in Paris. Ganz besonders widmete sich diese der Reproduktion
von Glasgemälden und Miniaturen älterer Manuskripte. Das erste _Livre
d'heures_ in Chromolithographie ging nach dreijähriger Arbeit aus dem
Atelier hervor. Ein Meisterwerk sind auch die _Statuts de l'ordre du
Saint-Esprit_ 1853.
Ganz vorzüglich sind die sogenannten Diaphanie-Bilder von Engelmann
und Graf, welche in transparenter Chromolithographie die Glasmalerei
täuschend nachahmen. Mit acht bis höchstens neun Farben, -- mehr dürfen
der Durchsichtigkeit wegen nicht verwendet werden, -- brachten sie,
nachdem die Bilder mit Firnis getränkt waren, die vortrefflichsten
Effekte hervor.
[Sidenote: Lemercier.]
[Sidenote: A. Racinet.]