Grosse Bedeutung hat die ZINKHOCHÄTZUNG. Dieses Verfahren ist in

Frankreich ein sehr beliebtes geworden, weil ganz besonders für die

leichten Skizzen geeignet, mit welcher die vielen Witz-, leider auch

vielen Schmutzblätter illustriert werden, zu welchen früher die

lithographischen Kreide- und Federzeichnungen verwendet wurden. Doch

auch in der ernsten Zeitungspresse fand die Methode Eingang, und es

werden oft Blätter geliefert, die nichts zu wünschen übrig lassen. Eine

grosse Virtuosität entwickelte namentlich FIRMIN GILLOT, der 1850 Patent

auf sein Verfahren nahm, welches er PANICONOGRAPHIE, die Franzosen

jedoch, welche Gillot als Erfinder der Hochätzung betrachteten,

_Gillotage_ nannten. Eine mehr der Chemitypie sich nähernde Methode ist

die von DULOS. Er macht die Zeichnung mit lithographischer Kreide auf

eine Kupferplatte und lässt diese mit einem schwachen Silberniederschlag

überziehen, der nur auf den nicht bezeichneten Stellen haftet. Hierauf

wird ein mit Quecksilber vermischtes, leichtflüssiges Metall heiss auf

die Platte gegossen. Das Metall verbindet sich fest mit den versilberten

Teilen der Platte, während die Zeichnung nun so vertieft liegt, dass man

sie als Mater für ein galvanisches Hochdruck-Cliché benutzen kann. Ein

drittes, sehr rasches Verfahren ist das von COMTE, welches besonders für

die Abbildungen in _l'Art pour tous_ verwendet wird. LEHMANN & LOURDEL

und YVES & BARROT u. a. haben es darin weit gebracht.

[Sidenote: Neue Holzschnittmethode.]

Ein ganz eigentümliches Verfahren, um, wie der Erfinder glaubte,

Holzschnitte billiger und besser herzustellen als bisher, wendeten Mame

& Co. in Tours an.

Bekanntlich sind die Kreuzschraffierungen dem Holzschneider stets ein

Dorn im Auge gewesen, denn das Umschneiden einer Linie an allen vier

Seiten ist eine zeitraubende und Tüchtigkeit erfordernde, folglich

teure Arbeit. Der Erfinder der neuen Methode, GUSMAN, lässt nun zwei

Holzblöcke bezeichnen, auf dem einen alle von rechts nach links gehenden

Linien, auf den andern die diese von links nach rechts kreuzenden.

Werden diese Platten nach einander auf einem Bogen gedruckt, so zeigt

der Abdruck die kompliziertesten Kreuzschraffierungen, die sich an

Kühnheit mit denen des Kupferstiches messen können. So sagt die

Theorie, die Praxis hat aber viel hineinzureden. Abgesehen davon, dass

zwei Holzstöcke, zwei Zeichnungen, zwei Schnitte und doppelter Druck

notwendig sind, die Ersparnisse also mehr als problematisch werden, so

ist die Wirkung im voraus seitens des Zeichners kaum zu berechnen. Die

beiden sich kreuzenden Linien vereinigen sich nämlich nicht wie in der

Radierung, sondern die eine Lage liegt sichtbar »über« der andern und

bringt dadurch oft eine falsche Wirkung hervor[91]. So interessant diese

Versuche sind, so verlautet doch von den praktischen Erfolgen nichts.

[91] Auf einem grossen Blatt: »Die Grablegung Christi« nach Tizian

sieht z. B. das nackte Bein eines der Knieenden ganz so aus, als

wäre es mit einem Strumpf bekleidet.

Das beginnende Fehlen des Buxbaumholzes hat zu vielen Versuchen

geleitet, dieses zu ersetzen. 1876 nahm BERTIN BADOUREAU ein Patent auf

komprimierte Birnbaumplatten. Durch Kochen, Pressen, Gelatinieren wird

das Holz unempfindlich für die Einwirkung von Temperatur und Witterung

und fast auf die Hälfte des ursprünglichen Umfanges reduziert.

[Sidenote: H. Marinoni * 1823.]

Was der Name König & Bauer für Deutschland, ist derjenige HIPPOLYTE

MARINONIS für Frankreich. Dieser ward in Paris geboren, arbeitete bei

Gaveaux und baute später im Verein mit diesem seine ersten Maschinen.

Die Pressen, mit welchen Marinoni seinen grössten Ruhm erwarb und mit

denen er der Journalistik in Frankreich einen sehr bedeutenden Vorschub

leistete, waren seine Maschinen _à Réaction_, in welchen -- im Gegensatz

zu den Maschinen _à Retiration_ mit mehreren Cylindern -- Druck und

Widerdruck durch einen und denselben Cylinder geübt wird, indem ihm

der das erste mal gedruckte Bogen über Rollen weg nochmals behufs des

Widerdrucks zugeführt wird. Der Nachteil bei diesen die Schnelligkeit

sehr fördernden Maschinen ist, dass auf dem Cylinder keine Zurichtung

stattfinden kann. Während nun möglicherweise der Schöndruck aus einer

kompressen Form besteht, bietet der Widerdruck vielleicht eine mit

grossen Anzeige-Schriften oder dgl. gefüllte, die eine ganz andere

Behandlung im Unterlegen verlangt. Da lässt sich nur durch primitive

Unterlegung unter der Schriftform etwas nachhelfen; alles andere

muss, wie bei den alten Holzpressen ehe man die Zurichtung im Deckel

kannte, durch einen sehr starken, oft zu erneuernden Filzüberzug des

Cylinders erzwungen werden. Hiervon rührt zumteil eine Ausführung der

französischen Zeitungen her, welche sehr zu ihren Ungunsten nicht allein

gegen die der englischen, sondern auch gegen die der deutschen Zeitungen

absticht, obwohl letztere nicht gerade stolz auf ihr äusseres Gewand

sein dürfen. Jedoch der Billigkeit und der Schnelligkeit wurde genügt;

die französischen Abendblätter, welche erst nach Schluss der Börse, um

vier Uhr, fertiggestellt werden konnten, wurden schon um fünf Uhr durch

ganz Paris verkauft.

Bereits 1847 hatte Marinoni seine berühmte vierfache Maschine für _La

Presse_, der später die sechsfache folgte, geliefert. Im Jahre 1867

baute er für _Le Petit Journal_ eine Maschine, welche stündlich 36000

des in mehreren Exemplaren clichierten Blattes fertigstellte, so dass

die damalige Auflage von 350000 Exemplaren durch fünf Maschinen in

zwei Stunden beschafft werden konnte. Derartige Druckapparate, in

Verbindung mit dem verhältnismässig geringen Umfang der französischen

Blätter, der typographischen Genügsamkeit des Zeitungspublikums und

der Unsicherheit der Presszustände verursachte, dass die mächtigen und

kostspieligen Rotationsmaschinen bei weitem nicht die Bedeutung für

Frankreich wie für England und Amerika hatten. Dass Marinoni jedoch den

Bau derselben nicht unterlassen würde, verstand sich von selbst, und er

besitzt bereits siebzehn Patente auf solche. Seine Rotationsmaschinen

unterscheiden sich von den anderen hauptsächlich durch die Lage der

Satz- und Druckcylinder, die über einander angebracht sind[92]. Von

seinen kleineren Maschinen sind namentlich die _Universelle_ (1850) und

die _Indispensable_ (1853) weit verbreitet. Bis zum Jahre 1880 hatte er

6539 Maschinen für typographische Zwecke und 410 Dampfmaschinen gebaut.

In Deutschland ist Marinoni bald hoch belobt, bald sehr getadelt worden;

Thatsache ist wohl, dass er einer der genialsten Constructeure der

Jetztzeit ist.

[92] Journ. f. B. 1878, Nr. 75. -- Ann. d. Typ. IV. B. 1873, Nr. 189.

[Sidenote: P. Alauzet * 15. Juni 1816, [+] 22. Jan. 1881.]

Als an Tüchtigkeit Marinoni gleichkommend, in Eleganz und Nettigkeit

selbst in den unwesentlichen Teilen der Arbeit ihn übertreffend

ist PIERRE ALAUZET zu nennen. In Rodez geboren, war er bis zu

seinem achtzehnten Jahre Landarbeiter und kam ohne die geringsten

mechanischen Kenntnisse bei dem Pariser Pressenfabrikant Normand in

Arbeit. Nach vollendetem Tagewerk besuchte er die Schule und holte

das ihm Fehlende so gut nach, dass er sich 1846 etablieren konnte.

Bekannt sind namentlich seine Schön- und Widerdruckmaschinen für feine

Werk- und Illustrationsarbeiten, die auch in dem Süden Deutschlands

Eingang fanden. Dem Abschmutzen des Schöndruckes beim Übergang auf den

Widerdruckscylinder wird mittels Durchlassens von Schmutzbogen begegnet.

Von seinen 2500 Schnellpressen ist fast nicht eine ganz wie die andere

gebaut, da er unermüdlich bestrebt war, Verbesserungen anzubringen. Für

die _Petite République Française_ lieferte er eine Rotationsmaschine

für zwei Meter breites Papier, welche stündlich 70-80000 Exemplare des

Blattes druckt; mit der für Illustrationsdruck bestimmten hat er erst

nach vielen Versuchen befriedigende Resultate erzielt.

[Sidenote: A. B. Dutartre u. a.]

A. B. DUTARTRE und andere lieferten Maschinen mit _mouvement varié_,

deren Druckcylinder während der Zeit, in welcher er den Druck übt, sich

langsamer bewegt und solche, deren Druckcylinder so langezeit ruht,

wie das Fundament gebraucht, um zum zweitenmal unter dem Farbenwerk

hin- und zurückzugehen, damit die Einfärbung verstärkt werde. Seine

Zweifarben-Maschinen gewannen allgemeine Anerkennung.

Für vier Farben bauten PRUDON & CO. eine Presse, bei welcher die Formen

hinter einander liegen; hierdurch wurde eine Länge von sieben Metern

erforderlich, die den Eingang dieser Maschinen hinderte.

[Sidenote: Lithographische u. Kupferdruckmaschinen.]

Als Verfertiger lithographischer Maschinen erwarb TH. DUPUY Ruf.

Marinoni baute ebenfalls solche, die zugleich für typographischen Druck

zu verwenden waren. Sie arbeiteten zwar sehr gut, die Umänderung von

einer Druckweise zur andern erforderte jedoch viel Zeit und diejenigen

Offizinen, welche Lithographie mit Typographie verbanden, waren in der

Regel auch in der Lage, besondere Maschinen für die verschiedenen Zwecke

anzuschaffen.

JULES DERRIEY, der Bruder des genialen Schriftgiessers Charles, erwarb

sich Verdienste durch seine Zeitungsmaschinen von sehr einfacher

Konstruktion mit Cylinderfärbung nach deutscher Art und baute auch

Rotationsmaschinen[93]. Bekannt sind weiter für Zeitungsmaschinen A.

Y. GAVEAUX, für einfache Schnellpressen H. VOIRIN und MAULDE & VIBART.

Auf Laien machte auf allen Ausstellungen die kleine, sehr niedliche

Visitenkartenpresse von G. LEBOYER grossen Eindruck[94].

[93] Journ. f. B. 1876, Nr. 24.

[94] Journ. f. B. 1878, Nr. 36 u. 37.

Noch sei eine eigentümliche Kupferdruckpresse erwähnt, welche AUG.

GODCHAUX zum Druck seiner kalligraphischen Vorlagen benutzt. Sie ist

in der Art der Kattundruckpresse eingerichtet und druckt von endlosem

Papier 2-3000 Exemplare. Nach vollzogenem Druck wird der Bogen durch

Mechanismus von der Papierrolle abgetrennt. Ein Apparat, gleich dem

Messer eines Farbewerks der Schnellpresse, hält die Kupferplatte rein.

Für den Druck von Kunstblättern genügt die Maschine nicht.

Die Schriftgiessmaschine wurde von BAUDOIN, LAVAL, FOUCHER u. a. sehr

verbessert. Beifall fanden die Maschinen von SERIÈRE & BAUSA, welche mit

zwei Giessinstrumenten und zwei Pfannen, die mit Einem Feuer erhitzt

werden, versehen und von Einem Arbeiter bedient, täglich gegen 50000

Buchstaben lieferten.

[Sidenote: Hülfsmaschinen und Apparate.]

Von Arbeitserleichterungsmaschinen sind L. POIRIERS und L. LEGRANDS

Bronciermaschinen, TOLMERS Feuchtapparate und P. RAGUENEAUS

autographische Pressen beachtenswert. Als Motor ist die Gasmaschine

LENOIRS sehr beliebt.

Die allgemeinste Verbreitung und Nachahmung fanden die MECHANISCHEN

SCHLIESSSTEGE von MARINONI & CHAUDRÉ, die in einfach-praktischer Weise

einen vortrefflichen Ersatz der Schraubenrahmen bildeten. Eiserne

Stege, an denen die dem Rahmen zugekehrte Seite schräg geformt und

gezahnt ist, werden durch kleine, zwischen Steg und Rahmen einzufügende

Rädchen, in deren Einschnitte die Zähne des Steges eingreifen, mittels

eines Schraubenschlüssels unter sehr geringer Kraftanwendung angezogen

und so die Form ganz fest geschlossen. ALCAN LÉVY & LAVATER traten

mit zerlegbarem Schliessrahmen auf, VALÉT & CO. in Marseille mit

galvanischen Hohlstegen.

[Sidenote: Utensilienlager.]

Die Anschaffung des Materials erleichterte namentlich das grosse

Utensilien-Geschäft von J. E. BOIELDIEU & FILS, denen auch manche

Verbesserung zu verdanken ist. Namentlich sind ihre Stereotyp-Apparate

vortrefflich. Die von ihnen gebaute grosse Plakatpresse besteht in

einem mit Zahnstangen versehenen Fundament, in welchem ein Cylinder mit

Zähnen, ähnlich wie in den Korrekturpressen, sich bewegt. Das Durchsehen

des reichhaltigen illustrierten Katalogs[95] der Firma belehrt in

leichter Weise über die Unterschiede des deutschen und des französischen

Materials. Ein zweites sehr umfangreiches Utensilien-Geschäft sind

die, durch Fusion der Firmen CH. BONNET & CO. aus Genf und CHEVALIER &

DREYFUS in Paris entstandenen _Usines Gutenberg_.

[95] _Outilage Typographique Boieldieu._ Paris.

Die französische Druckfarbe ist in den feineren Qualitäten vorzüglich.

Als Fabrikanten stehen obenan CH. LORILLEUX[96], denen LE FRANC & CO.,

PRUDON & CO., CAUDERON & CO. für bunte Farben folgen. LEMERCIER & CO.

liefern vorzügliche lithographische Farben[97].

[96] _Ch. Lorilleux sur la Fabrication des encres d'Imprimerie._

Paris 1867. Lorilleux giebt jährlich einen Abreiss-Kalender mit

geschichtlichen oder technischen Notizen heraus. Der Jahrgang

1882 enthält eine typographische Bibliographie der in Frankreich

erschienenen Fachwerke. Jänecke & Schneemann in Hannover folgten

dem Beispiel.

[97] Didot behauptet, dass die Erfindung der Kompositionswalze einem

französischen Leimfabrikanten GARMAL gehöre (vgl. dagegen S. 34).

[Sidenote: Das Papier.]

Das französische Papier hat einen verdienten Ruf erworben und Frankreich

gehört die Ehre der Erfindung der Papiermaschine. Auf Anregung

Didots liess PIERRE MONTGOLFIER das erste ungerippte Velinpapier

anfertigen und adoptierte das holländische System der Zerfaserung

der Lumpen durch Schneidecylinder statt durch Stampfen. Die erste

Idee des Papiers ohne Ende hatte der Werkführer LOUIS ROBERT in der

Papiermühle Didot-Saint-Légers in Essonnes gefasst. Letzterer erwarb

die Rechte Roberts und erhielt von der Regierung 8000 Livres zu seinen

Versuchen. Infolge der Revolution begab sich Didot nach London, wo die

Papiermaschine durch die Talente des Ingenieurs DONKIN und die Kühnheit

der Papierfabrikanten Gebr. FOUDRINER ihre Vervollkommnung erhielt. Als

Didot 1814 nach Frankreich zurückgekehrt war, wurde nach seinen Angaben

die erste Maschine von Berthe in Sorel gebaut, es folgten solche in

Saint Jean-d'Heures und in Mesnil. Zu gleicher Zeit wurde sie durch

Canson in Annonay errichtet.

An Papierfabriken besitzt Frankreich 524 mit 28656 Arbeitern und mit

einer Betriebskraft von 21000 Pferden. Sie produzieren jährlich Ware zu

einem Werte von 104 Millionen Franken. Die wichtigsten Produktionsorte

sind Annonay, Angoulème und das Departement Isère. Die Papiersteuer

brachte 16439000 Franken.

[Sidenote: Die Buchbinderkunst.]

In der Kunst des Buchbindens steht Frankreich obenan. Von dem

Bücherleinen hat es sich im ganzen genommen freigehalten. Fast alle

neuen Bücher werden im broschierten Zustand in den Handel gebracht.

Ausgenommen davon ist die Litteratur der Andachtsbücher, in deren

Herstellung zu fabelhaft billigen Preisen bei reicher Ausstattung MAME &

CO. in Tours Bedeutendes leisten. Neben diesen billigen Einbänden kommen

jedoch auch die kostbarsten aus Seide, Sammet, Leder und Elfenbein mit

echten Spangen und Beschlägen vor, die sich in die höchsten Preise

versteigen. Die Handarbeit, unterstützt durch Reichtum und Geschmack

einer bedeutenden Zahl von Bücherfreunden, hat in Frankreich noch einen

grossen Spielraum. Sie übertrifft an Geschmack die englische, muss aber

dieser den Vorzug in der Behandlung des Leders einräumen. Verwendet

werden gewöhnlich Chagrin und Corduan. Die Mosaikarbeiten der Franzosen

sind nicht eigentlich eingelegte Arbeiten, sondern die betreffenden

Stellen werden ganz dünn geschabt, das andere farbige Leder darauf

gelegt und die Ränder mit Goldverzierungen bedruckt.

Auf die strenge Einteilung der Arbeit in der Buchbinderei wurde schon

hingewiesen. In den einzelnen Offizinen sind wieder die einzelnen

Beschäftigungen gruppenweise verteilt. Viele der Arbeiter, die in ihrer

Spezialität Vorzügliches leisten, würden nicht imstande sein, allein ein

Buch leidlich zu binden. Dieses System mag allerdings der allgemeinen

Ausbildung des einzelnen Individuums hinderlich sein, das Publikum

erhält jedoch durch dasselbe billigere und bessere Bände.

Neben der Anlehnung an die goldene Zeit hat sich eine selbständige

moderne Dekorationsweise ausgebildet, die vieles Hübsche liefert. Die

Führerschaft dürfte LORTIC zukommen, der sich ganz besonders durch die

Wissenschaftlichkeit seiner Arbeiten auszeichnet. Jeder Einband ist in

dem Geist der Zeit, welcher das Werk angehört, streng durchgeführt; für

die jetzige Zeit hat er sich einen eigenen Stil des XIX. Jahrhunderts

gebildet. Bände von ihm werden bis mit 3000 Franken bezahlt.

[Illustration]

[Illustration]

VI. KAPITEL.

DER STAAT UND DIE PRESSE IN FRANKREICH.

DIE SCHÖPFER DER NEUERN TYPOGRAPHIE.

DER STAAT UND DIE PRESSE unter Ludwig XVI., der Revolution,

Napoleon I., der Restauration, dem Bürgerkönigtum, Napoleon III. DIE

ÄLTEREN BUCHDRUCKEREIEN: Die Staatsdruckerei und die Didot in ihrem

Einflusse auf die Typographie, die Familien Panckoucke, Barbou,

Lottin, Treuttel & Würtz, Berger-Levrault, Dentu, Crapelet.

[Sidenote: Die Presse unter Ludwig XVI.]

Hätte die Liebe eines Königs für die Buchdruckerkunst genügt, um

diese in dessen Lande zum grössten Flor zu bringen, so müsste sie in

Frankreich unter Ludwig XVI. goldene Tage gehabt haben[98]. Ludwig war

noch als Kind durch Martin Lottin in der Kunst unterrichtet worden und

druckte als Dauphin, kaum zwölf Jahre alt, 1766 einen kleinen Band:

_Maximes tirées de Télémaque_. Auch Karl v. Artois, später Karl X.,

besass Vorliebe für die Kunst und liess 1780-1784 bei dem älteren Didot

eine Sammlung von französischen Schriftstellern in 64 Bänden in 18. für

sich drucken, während Ludwig XVI. später die Sammlung _ad usum delphini_

(zum Gebrauch für den Dauphin) ausführen liess. Mehr als in irgend einem

andern Lande hatten die Aristokraten Frankreichs sich es angelegen sein

lassen, Privatdruckereien zu errichten. Bereits während der Regierung

Heinrichs IV. besass der Kardinal Duperron eine Druckerei in Bagnolet

bei Paris, ebenso später Kardinal Richelieu auf Schloss Richelieu in

der Touraine. Der Kanzler d'Auguesseau; die Marquise von Pompadour; die

Dauphine Marie Josephe, Mutter Ludwigs XVI.; der Herzog von Burgund,

Bruder Ludwigs XVI., und manche andere Grossen waren Besitzer von

Privat-Offizinen.

[98] P. DUPONT, _Histoire de l'Imprimerie, vol._ I. Paris 1854.

-- A. F. DIDOT, _Histoire de la Typographie_. Paris 1882.

(Abdruck aus der _Encyclopédie moderne_.) -- EDM. WERDET, _De la

Librairie Française_. Paris 1860. -- F. A. DUPRAT, _Histoire de

l'Imprimerie Impériale_. Paris 1861. -- ED. WERDET, _Histoire du

Livre en France_. 4 Bde. Paris 1861-62.

[Sidenote: Die Revolutionszeit.]

Im Jahre 1777 erliess Ludwig XVI. ein Gesetz zur Regelung des

litterarischen Eigentumsrechts, nach welchem jedoch alles auf

Privilegien beruhte, die, wenn einmal den Autoren erteilt, auch auf

die Erben derselben übergingen, jedoch, wenn in Buchhändlerhänden

befindlich, mit dem Tode des Verfassers erloschen. Wie alle Privilegien

fielen auch diese durch Beschluss der konstituierenden Versammlung vom

4. August 1789, nach welcher Zeit nun auch jeder, der einige Zentner

Schriften kaufte oder borgte und ein Patent zahlte, Buchdrucker werden

konnte. Selbst diese letzte Bedingung hörte 1793 auf, und die Zahl der

Buchdruckereien wuchs von den früheren 36 privilegierten auf 700. Die

Pressfreiheit war bereits durch die Verfassung vom 14. September 1791

garantiert, nach welcher jeder das Recht erlangte, seine Gedanken ohne

vorherige Zensur schreiben, drucken und veröffentlichen zu können. Unter

dem Direktorium wurde wenigstens festgestellt, dass der Buchdrucker

seinen Namen auf alles, was er druckte, setzen, auch auf Aufforderung

den Namen des Verlegers nennen musste.

Broschüren auf rötlich-grauem Papier mit Typen gedruckt, die mitunter

geradezu unleserlich waren, sind die hauptsächlichsten Produkte der

Revolutionszeit. Eins der lohnendsten Geschäfte war der Druck von

Assignaten, deren erste Emission im Betrage von 1200 Millionen am 19.

Dezember 1789 dekretiert wurde. Der Direktor der Königlichen Druckerei,

Anisson-Duperon, wurde mit der Ausführung betraut. Die späteren

Emissionen beschäftigten Tag und Nacht eine grosse Anzahl von Pressen.

Ende 1794 wurden auf einmal 40 Milliarden in Auftrag gegeben.

[Sidenote: Das Konsulat.]

Unter den Konsuln wurde 1797 die politische Tagespresse auf ein

Jahr unter Aufsicht der Polizei gestellt und später diese Anordnung

prolongiert. 1800 behielten sich die Konsuln das Recht der

Repressivmassregeln gegen diejenige Zeitungspresse vor, die sich etwa

gegen die Gesellschaft, die Regierung oder die Souveränität des Volkes

versündigte. Durch ein weiteres Dekret vom Jahre 1803 wurde bestimmt,

dass ein Exemplar jedes Buches dem Revisionsamte zur Durchsicht

übergeben werden sollte »zum Schutze der Freiheit der Presse« (!).

Die Zeit war der letzteren nicht günstig. Die Zahl der Zeitschriften

verminderte sich und die 1790 vorhandenen 700 Buchdruckereien waren

auf 340 zusammengeschmolzen. Dafür begannen nun die älteren, gut

eingerichteten Offizinen an die alten Traditionen wieder anzuknüpfen.

[Sidenote: Das Kaisertum.]

Nach Begründung des Kaisertums beschäftigte sich Napoleon sehr mit

der Organisation des Buchhandels und der Buchdruckerei. Ein bekannter

Schriftsteller, Fievée, wurde mit dem Plane betraut. »Die Buchdruckerei«

-- so argumentierte Napoleon -- »ist ein mit gefährlichen Waffen

gefülltes Zeughaus, das man ungern in den Händen des ersten besten

lässt. Die Buchdruckerei ist kein Handelszweig; es genügen deshalb

einfache Privilegien, um sie zu organisieren. Es handelt sich um einen

Stand, an dessen Gedeihen der Staat ein Interesse hat, letzterer muss

deshalb die Entscheidung in den Angelegenheiten dieses Standes haben.

Der Buchdrucker kann ein geschickter, selbst ein gelehrter Mann sein, er

ist aber kein Kaufmann und kein Fabrikant. Eben weil der Erfolg nicht

von ihm selbst, sondern von der Spekulation anderer abhängt, kann nur

eine gewisse Zahl von Buchdruckern existieren. Beschränkt der Staat

nicht die Zahl und leidet infolge davon der Buchdrucker Not, so kann

man nicht auf dessen rechtlichen Charakter zählen und die Druckkunst

ist eine zu furchtbare Waffe, um sie in den Händen von Notleidenden zu

lassen. Gut situierte Bürger sind weniger geneigt, gegen die Gesetze zu

handeln; es ist deshalb ebenso human als politisch richtig, die Zahl der

Buchdruckereien zu beschränken und aus demselben Grunde die Zahl der

Lehrlinge zu normieren.«

[Sidenote: Direktion der Buchdruckerei.]

Am 5. Februar 1810 erschien das Dekret, welches eine Direktion

der Buchdruckerei und des Buchhandels einrichtete. Die Zahl der

Buchdruckereien wurde in Paris auf 60 festgestellt, die unter den 3-400

bestehenden gewählt werden sollten. Die bleibenden hatten die andern zu

entschädigen und waren verpflichtet, das Material der zu löschenden

Firmen anzukaufen. 4000 Franken, für die eine mehr, für die andere

weniger, wurden als Durchschnittsentschädigung bestimmt. Das _Brevet_

war eine einfache Autorisation und schloss nicht, wie dies bis zum

XVIII. Jahrhundert der Fall gewesen war, die Garantie der geschäftlichen

Befähigung des Inhabers in sich. Strenge Massregeln in betreff der zu

führenden Geschäftsbücher wurden getroffen.

[Sidenote: Privilegien.]

Ein weiteres Dekret vom 11. Februar 1811 erhöhte die Zahl der

Buchdruckereien auf 80, das litterarische Eigentumsrecht wurde geregelt

und die Zensur in _optima forma_ eingeführt. Ein dem Ministerium der

Polizei beigegebenes _Bureau de l'esprit public_ sollte für Verbreitung

der Regierungsansichten und die Bearbeitung der öffentlichen Meinung

wirken. Jedes Departement durfte nur ein Journal haben, für jeden

Zeitungsbogen zahlte man 1 Centime Stempelgebühren.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 15 / 47 段