Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die

Pläne für den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den

inneren Räumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Berücksichtigung

der mannigfachen Bedürfnisse des Geschäfts in allen Details von John

gemacht und dann dem Architekten übergeben, dem es überlassen wurde,

das Äussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden,

liess man alles aus Stein oder Eisen aufführen. Jedes Stockwerk ist

für sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden

Geschäftshäusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem

aus Verbindungsbrücken nach jedem Stocke der beiden Geschäftsgebäude

führen, befindliche Treppe unterhalten. Es dürfte dieses Etablissement

jetzt eines der eigentümlichsten, zugleich eine der am besten gegen

Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentümlicher

Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er täglich von 9-3 Uhr im

Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitäten,

mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement

nicht gehörte, überliess er ganz und gar seinen Brüdern, Söhnen und

Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am

22. April, nur sein Bruder Fletcher überlebte ihn. Bis zum Jahre 1878

hatten Harpers 3291 Werke in über 4000 Bänden herausgegeben.

[Sidenote: K. Scribner.]

Wennauch _Harpers Monthly_ die grösste Auflage von allen Monatsschriften

hat -- 160000 Exemplare --, so kommt ihm doch das von KARL SCRIBNER

gegründete _Scribners Monthly_, das jetzt den Titel _The Century_

angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens

ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Söhne Scribners für ihren

40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also

das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark repräsentierte.

[Sidenote: Frank Leslie * 1821, [+] 1. Jan. 1880.]

Unter den Herausgebern illustrierter Blätter ist FRANK LESLIE besonders

zu erwähnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider

und Vorsteher der xylographischen Anstalt der _Illustrated London

News_, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die _Gazette

of Fashion_, dann den _Chimney Corner_ und das _Ladys Magazine_. Am

14. Dezember 1855 erschien _Frank Leslies Illustrated Newspaper_. Zwar

erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermögen; bei seiner excessiven

Freigebigkeit überstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er

musste 1877 sein Geschäft an J. W. ENGLAND abtreten, wirkte aber für

dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit

den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stücke zersägen liess,

um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer

grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden

konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen.

[Sidenote: Georg Putnam * 21. Febr. 1814, [+] 20. Dez. 1872.]

Auch GEORG PALMER PUTNAM erwarb sich einen bedeutenden Namen als

Journal-Herausgeber. 1840 gründete er die Firma WILEY & PUTNAM. In

London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von

1843 ab _The American Bookseller_ heraus. Putnam war der erste, der

regelmässig Bücher nach England exportierte und umgekehrt von dort

importierte. Nach seiner Rückkehr nach New-York wurde 1852 _Putnams

Magazine_ gegründet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art

dastand.

[Sidenote: The Daily Graphic.]

Amerika hat auch zu einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung

den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York _The

Daily Graphic_; jede Nummer mit etwa zwanzig grösseren oder kleineren

Illustrationen. Bei einem äusserst mässigen Preis sind Druck und Papier

sehr gut. Da jedoch die Bilder -- Hochätzungen von verschiedenem Wert

-- in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus

fertiggestellt werden können, so ist das Problem einer wirklichen

illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelöst zu betrachten.

Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu

zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Von _The Sun_

wurde neulich eine der 350 Aktien »billig« für 18000 Mark verkauft, das

gäbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana

bezieht als Salair und Tantième jährlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann

man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniären Wert der

amerikanischen Zeitungen.

* * * * *

[Sidenote: Xylographie.]

[Sidenote: Alex. Anderson * 21. April 1775, [+] 17. Jan. 1870.]

Der Schöpfer der amerikanischen HOLZSCHNEIDEKUNST war ALEXANDER

ANDERSON. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine

Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber.

Später wählte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst

behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London

in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der

erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war »das

Abendmahl« nach Holbein für eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr

arbeitete er unverdrossen. Während Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen

hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits über 400.

[Sidenote: J. Adams.]

Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die

galvanische Vervielfältigung derselben hat J. ADAMS wesentliche

Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit

Harpers ein Übereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer

illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt

hatte, dass der Druck vollständig nach seiner Angabe geschehe. Mit

unermüdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren

des Unterlegens an und nach vierzehntägiger Arbeit an der Adamsschen

Tiegeldruckpresse, während deren er vieles von den über ihn spottenden

Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete

er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem

ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum

lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren.

[Sidenote: Die Regierungsdruckerei.]

Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien

anderer Länder nimmt die REGIERUNGSDRUCKEREI[78] der Vereinigten Staaten

einen achtunggebietenden Standpunkt ein.

[78] Journ. f. B. 1881, Nr. 22. -- Ann. d. Typ. II, Nr. 92.

Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten

Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise

kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden,

dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident

erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend

erweitert worden.

Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche,

Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen

wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte

jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der

Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt

waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem

jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in

der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen

vorzunehmen.

Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch

gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss

Länge und 60-70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und

270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der

Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9

Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt:

Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt

gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk

über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile

notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480

Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden

und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht

ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.

[Sidenote: Banknotendruck.]

Der BANKNOTENDRUCK unterlag durch JAKOB PERKINS, der die Herstellung von

Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung.

1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen

Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden,

namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier.

Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und

enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich.

Sie werden in dem _Bureau of Engraving and Printing_, einer Abteilung

des Schatzamtes, und bei der _American Banknote Company_ ausgeführt.

Die Postkarten liefert laut Vertrag die _American Phototype Company_

in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit

verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte

den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal

der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach

geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert,

die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.

Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist,

begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100-1200 Millionen Briefen

jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen

andere Drucksachen.

[Sidenote: Accidenzdruck.]

[Sidenote: O. H. Harpel * 8. Juni 1828, [+] 20. Nov. 1881.]

Der ACCIDENZDRUCK setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist,

enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein

grosser Teil der Arbeiten in die Hände der _Stationer_ (Trittmüller)

übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche

sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist

auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter

den Farbendruckern, steht W. J. KELLY in hohem Ansehen. Als Herausgeber

einer Fachzeitschrift, _The Model Printer_, macht er zugleich seine

Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen

Konkurrenten hat er in J. F. EARHART in Columbus. Auch OSCAR H. HARPEL

in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm in

der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band _Harpels Typograph_ zu

sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen

Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: _Poets

and Poetry of Printerdom_. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen,

die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische

berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm

auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen

wären.

Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei

angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare

eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von

290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen

Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für

jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des

Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst

kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im

Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.

Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert

in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb

in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein

ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug

gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt

man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich

mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons

_Picturesque America und Picturesque Europe_.

* * * * *

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Über die Ausdehnung des BUCHHÄNDLERISCHEN GESCHÄFTS[79] ist es nicht

leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei

Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf

etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile

des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt.

Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel

mit Büchern machen, giebt es über 10000.

[79] _Catalogue of the Collectiv Exhibit of the American Book Trade._

Paris 1878. -- Der amerikanische Buchhandel. Ausland 1862, Nr. 19.

[Sidenote: Bücherproduktion.]

Hat die BÜCHERPRODUKTION auch nicht eine so immense Steigerung

aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr

bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt

einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden

Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre

gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes

nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch

auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den

Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der

»praktische« Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn,

dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde.

[Sidenote: Organisation des Buchhandels.]

Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt

von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im

Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und

Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch

Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu

fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein.

Die Auflagen wurden selten höher als 5-600 gemacht.

Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später

erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse

Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark

kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den

arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays

geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers _Encyclopædia of

Literature_ über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert

der produzierten Bücher -- nicht Zeitungen --, der 1820 10 Millionen

Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der

Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40,

1812 400 betragen hatte.

Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in

Deutschland, doch hat die _American Book Trade Association_ einige

Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die

Buchhändler teilen sich in _Publishers_ (Verleger), _Jobbers_

(Kommissionäre) und _Retailers_ (Sortimentshändler), doch sind diese

drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der

Verleger bilden die sogenannten _Subscription Publishers_, welche ihren

Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen

jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen

Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der _Jobber_ dient als Mittelsmann

für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern

in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen

Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von

Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen.

Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion

statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die

Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe

Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen

eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf

einen Zweig.

Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die _American News

Company_. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den

ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen

vertritt _The American Bookseller_. Es ist eine Anstalt, mit der die

Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise

gebraucht.

[Sidenote: Fr. Leupoldt.]

Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des

Büchervertriebes hat sich der Deutsche FRIEDR. LEUPOLDT aus Stuttgart

besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die

Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer

Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung

der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die

mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht

haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene _Publishers Weekly_ ist die

beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich

ist sein seit 1876 erscheinendes _American Library Journal_ und sein

jüngstes Werk _Catalogue and Finding List of all American Books

in Print and for Sale_. 1881. Eine grosse Erleichterung für den

Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene

gesetzte, _Uniform Trade List Annual_, eine in gleichförmigem Äussern

durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler,

eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss

zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen

»Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels« gegeben hat.

[Sidenote: Sower, Potter & Co.]

Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden

bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige

angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas,

dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten

Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein

Teilhaber der angesehenen Firma SOWER, POTTER & CO. in Philadelphia

ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur

(I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich

die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und

Erbauungsschriften.

[Sidenote: Der Bibeldruck.]

Letzterer Zweig ist überhaupt von sehr grosser Bedeutung, namentlich

entwickeln die Bibel- und Missionsgesellschaften eine ausserordentliche

Thätigkeit. Die 1816 gestiftete AMERIKANISCHE BIBELGESELLSCHAFT, deren

Jahres-Einnahme jetzt etwa zwei und eine halbe Million Mark beträgt,

druckte während der ersten sechzig Jahre ihres Bestehens über 33

Millionen Bibeln in 20 verschiedenen Ausgaben mit einem Aufwande von

75 Millionen Mark. Die Druckerei der Gesellschaft arbeitet mit 12

Rotationsmaschinen; die Zahl ihrer Stereotypplatten beträgt 65000. Im

Jahre 1868 verbreitete _The American Tract Society_ 807000 Bände und

9493000 Flugblätter. Der VEREIN FÜR PRESBYTERIANISCHEN VERLAG weist

über 2000 Artikel auf. Eine ähnliche Zahl sind aus den Pressen der,

etwa 500 Personen und 30 Schnellpressen beschäftigenden Druckerei der

GESELLSCHAFT DER METHODISTEN, die über ein Kapital von ungefähr 3500000

Mark disponiert, hervorgegangen. Über hundert Ausgaben der Bibel

druckte die Firma JOHN E. POTTER & CO., unter deren zahlreichen anderen

Verlagsartikeln sich die _Bible Encyclopædia_ mit ihren 10000 Artikeln

und über 3000 Abbildungen befindet. In einer ähnlichen Richtung wie

die obigen Anstalten wirken _The American Sunday School Union_, _The

Evangelical Knowledge Society_, der NATIONALE MÄSSIGKEITS-VEREIN, sowie

die Firma A. J. HOLMAN & CO. und noch viele Gesellschaften und Verleger.

Für die Bedürfnisse der Katholiken sorgt unter anderen die GESELLSCHAFT

ZUR VERBREITUNG DER KATHOLISCHEN LITTERATUR. Auch die bekannte Firma

GEBRÜDER BENZIGER in Einsiedeln unterhält zu diesem Zwecke eine Filiale

in New-York.

[Sidenote: Appleton & Co.]

Das Geschäft, welches die vielseitigste Thätigkeit entwickelt, ist

D. APPLETON & CO. in New-York, gegründet 1831. Wie bei Brockhaus in

Leipzig das Konversations-Lexikon, so bildet bei Appletons _The American

Encyclopaedia_ mit 4000 Holzschnitten und vielen Karten den Mittelpunkt

des Verlages. Das schönste illustrierte Buch in Amerika dürfte ihr

_Picturesque America_ mit 850 Holzschnitten und 48 Stahlstichen

sein, dem eine _Picturesque Europe_ folgte. Ein wichtiger Teil des

Verlages ist der den Bildungszwecken gewidmete. Auch die Anregung zu

den _International Scientifiques Series_, die gleichzeitig auch in

Deutschland, England, Frankreich, Italien und Russland erscheinen,

ging von Appletons aus. Ihr _North American Review_ steht in grossem

Ansehen. Die Offizinen der Firma nehmen einen Raum von über 60000 engl.

Quadratfuss ein. Mit der Buchdruckerei von etwa 50 Schnellpressen sind

die verschiedenartigsten graphischen Anstalten verbunden.

[Sidenote: J. B. Lippincott & Co.]

Die Werkstätten von J. B. LIPPINCOTT & CO. in Philadelphia zählen zu

den grossartigsten. Ihr Katalog führte 1879 weit über 2500 Werke auf,

darunter Worcesters _Dictionary of the English Language_, das mit dem

Websterschen um den Vorrang kämpft und einen mächtigen Band von 1854

Quartseiten mit 1000 Illustrationen bildet.

[Sidenote: Houghton & Co.]

Die Firma HOUGHTON, OSGOOD & CO. besitzt ausser ihrem Geschäft in Boston

ein bedeutendes Drucketablissement _The riverside Press_ in Cambridge

in unmittelbarer Nähe der Harvard-Universität. Sie vereinigen in ihrem

Verlagskataloge die bedeutendsten Dichter und Romanschriftsteller

Amerikas und Englands.

[Sidenote: Blakeman & Co.]

IVISON BLAKEMAN, TAYLOR & CO. in New-York und Chicago, gegründet

1828, widmen sich ausschliesslich dem Verlage von Schulbüchern und

verbreiteten bereits gegen 100 Millionen Bände. Wie bedeutend der

Umfang der Geschäfte in Amerika ist, sieht man daraus, dass eine

Sortimentshandlung in Chicago an einem Tage 186600 Bände aus dem

Verlage der Genannten bestellte. Der tägliche Vertrieb ist gewöhnlich

15000 Bände. Von den vielen Lesebüchern von Sander werden jährlich

etwa zwei Millionen Bände verbreitet. Bei dieser Firma erschien auch

das Webstersche Wörterbuch, ein Quartband von 1840 Seiten mit 3000

Abbildungen.

[Sidenote: Woods & Co.]

Für die medizinische Litteratur haben WILL. WOODS & CO. in New-York

grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopädie

der praktischen Medizin, 17 Bände. Die _Orange Judd Company_ pflegt mit

grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; BOERICKE &

TAFEL sind speziell Verleger homöopathischer Werke.

[Sidenote: L. Prang * 12. März 1827.]

Es war natürlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht

auf der höchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck

ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der stärkste Konsument

der einschlägigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine

hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in

Boston. LUDWIG PRANG ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren,

wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete.

Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich

zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der

Sohn die ersten künstlerischen Anregungen. Nach fünf wechselvollen

Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution

mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flüchten und ging von

dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschäften ohne

Glück versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die

Holzschneidekunst und wurde bald einer der tüchtigsten Xylographen

Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern

Beruf wählen musste.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 12 / 47 段