In der Hauptstadt von JAPAN, YEDDO (TOKIO), wurde seit 1785 in

europäischer Weise gedruckt und entwickelt sich dort eine rege

Thätigkeit. Jedenfalls ist Japan, dieser ferne Kulturposten im Osten,

bestimmt, einen hervorragenden Platz in der Geschichte der Civilisation

einzunehmen. Das Tick-Tack der Typen und das Klappern der Pressen haben

jedenfalls dort grössere Eroberungen gemacht, als alle Flotten der

alten und der neuen Welt mit ihren Kanonen und Soldaten fertiggebracht

haben würden. Die japanische Druckindustrie ist in fortwährender

Steigerung begriffen und die Ausüber sind fast alle Eingeborene. Noch

vor 15 Jahren hatte Japan kein Journal in einheimischer Sprache,

jetzt zählen die Journale nach hunderten, unter welchen weder Mode-,

Witz- noch illustrierte und photographische Blätter fehlen. Das

verbreitetste Blatt ist _Yomiri Schimbun_ mit 20000 Exemplaren. Nach

einzelnen Zeitungsnummern gerechnet, erreichte die Produktion jährlich

33 Millionen, von welchen ungefähr der dritte Teil durch die Post

befördert wurde. Die Redaktion einer Zeitung ist keine ganz gefahrlose

Beschäftigung, denn ein der Regierung missliebiger Artikel hat Haft und

Geldstrafe zur Folge.

Die Produktion von Büchern ist eine ausserordentlich starke. Namentlich

werden englische, deutsche und italienische Wörterbücher, Grammatiken,

Parleure, Übersetzungen von astronomischen, nationalökonomischen und

namentlich auch medizinischen Werken gedruckt[72]. Der Buchhandel steht

unter der Aufsicht der Regierung, geniesst jedoch Abgabenfreiheit. Der

Verkauf der Verlagsartikel findet durch Versteigerungen dreimal im Jahre

statt, zu denen die Sortimentshändler oder vielmehr die Bücherverleiher

-- denn das Verleihen ist ein Hauptgeschäft -- zuströmen, um die Lücken

ihres Vorrates auszufüllen. Es giebt Leihbibliotheken mit 25000 und mehr

Bänden. Die Romane, die sehr gern gelesen werden, sind sehr bändereich.

Eine deutsche Buchhandlung besteht seit 1870 und viele deutsche

Unterrichtsschriften werden nach dort versandt.

[72] Der Buchhändler Herr W. v. Braumüller in Wien erhielt vom Kaiser

von Japan als Gegengeschenk für eine, der deutschen medizinischen

Schule in Tokio übersandte Sammlung der hervorragendsten Artikel

seines wissenschaftlichen Verlages eine Auswahl von 144 von den

besten und seltensten japanischen Werken in 1408 Bänden. Herr v.

Braumüller liess ein Verzeichnis davon als _Bibliotheca Japonica_

drucken. Die Titel sind mit deutscher Übersetzung versehen und

gewähren einen belehrenden Einblick in die Bücherproduktion

Japans.

Früher liess Japan sein Papiergeld bei Naumann und Dondorf in

Frankfurt a. M. drucken; jetzt besitzt es in Tokio eine Staats- und

Geldpapier-Fabrik. Die Gebäulichkeiten, von einem französischen

Architekten in Backsteinen aufgeführt, bestehen in einem grossen

Vordergebäude mit zwei Flügeln und in mehreren Hintergebäuden. Das

Institut ist mit dem vorzüglichsten Material und vortrefflichen

Maschinen, grösstenteils von König & Bauer, ausgerüstet und arbeitet mit

einem fast ausschliesslich einheimischen Personal, von Männern sowohl

als von Frauen.

Die erste mechanische Papierfabrik nach europäischer Art wurde 1875

in Tokio eingerichtet. Das Gebäude ist aus Ziegelsteinen aufgeführt,

misst 225 englische Fuss in der Länge, 106 Fuss in der Breite. Der

Maschinensaal ist 130 Fuss lang, 32 Fuss breit, die Maschine selbst

nach dem System Fourdrinier hat eine Länge von 76 Fuss. Durch zwei

Zentrifugalpumpen können pro Minute bis zu 1600 Gallonen Wasser auf

einen Turm von 26 Fuss Höhe, wo die Wasserreservoirs der Fabrik sich

befinden, hinaufgepumpt werden. Die Beleuchtung geschieht durch

selbstfabriziertes Gas. Es werden seitens der japanesischen Regierung

grosse Anstrengungen gemacht, um den Verkauf des Fabrikats am Londoner

Markt zu fördern, doch findet man es dort zu teuer.

[Sidenote: Australien.]

AUSTRALIEN hat den Engländern die Bekanntschaft mit der Kunst Gutenbergs

zu verdanken. In SIDNEY entstand 1802 die erste Presse, deren Begründer

ein Creole, GEORGE HOWE, war. Der Durst nach politischen Nachrichten

und öffentlichen Mitteilungen rief 1803 die erste Zeitung hervor,

der bald andere folgten. Die Zügellosigkeit der Presse veranlasste

ein sehr strenges Pressgesetz von 1827, das jedoch später aufgehoben

wurde. HOBARTTOWN auf VANDIEMENSLAND (Tasmanien) erhielt 1818 eine

Druckwerkstätte.

Seit der Zeit haben sich die Verhältnisse sehr günstig für die Kunst

in Australien gestaltet. In dem jungen aufblühenden Lande mit einer

energischen, vorwärtsstrebenden Bevölkerung eröffneten sich für die

Zeitungspresse die schönsten Aussichten. Sie ist denn auch in Australien

in einem gewaltigen Vorwärtsschreiten begriffen und Zeitungen wie

_The South Australian Register_ in Adelaide, _Argus_ und _Age_ in

Melbourne, _Morning-Herald_ in Sidney nehmen es mit grossen englischen

und amerikanischen Zeitungen auf, selbst in Bezug auf den Umfang der

telegraphischen Korrespondenz. Jede kleine Stadt besitzt eine Zeitung

oder doch ein Wochenblatt. Bei einer Bevölkerung von nur 2500000

Menschen hatte Australien 478 Zeitungen, davon in der Kolonie Victoria

151, in Neu-Süd-Wales 118, in Süd-Australien 46, in Queensland 48, auf

Neu-Seeland 114, auf Tasmanien 12, in Westaustralien 3. Sie sind fast

alle in englischer Sprache; die deutsche ist fast gar nicht vertreten.

Die Ausstattung der Druckereien daselbst ist eine entsprechende. Die

Setzer sind vorzugsweise Europäer, das Lehrlingswesen liegt im Argen.

Die Fabrikation für die Typographie ist noch in der Kindheit und das

Mutterland hat in Australien einen sehr guten Kunden. Melbourne allein

zahlt für Typen, Papier und _Stationary_-Artikel jährlich mehr als

6 Millionen Mark an England, doch schafft jetzt die amerikanische

Konkurrenz, welche fast alle Accidenzschriften liefert, diesem einen

schweren Stand.

[Sidenote: Die Inseln der Südsee.]

Nach den GESELLSCHAFTS-INSELN brachten die Missionäre 1818 die Kunst.

Von einer auf der Missionspresse gedruckten Bibel wurden 3000 Exemplare

in wenigen Tagen verkauft. Der Preis für ein Exemplar war ein Quantum

von etwa zehn Kannen Kokosöl.

Auf den SANDWICHS-INSELN wird in der Hauptstadt HONOLULU seit 1821

gedruckt und 1835 erschien eine Zeitung. Der König gab dazu seine

Erlaubnis mit den folgenden Worten: »Ich gebe meine Einwilligung, denn

es freut mich, die Werke anderer Länder kennen zu lernen, sowie Dinge zu

hören, die neu sind und die ich gern sehen möchte, wenn ich dort wäre.

Ich habe zu dem Minister gesagt: »»Mache Druckerpressen««. Mein Gedanke

ist zu Ende. König Kanegeaguli«. Auch der König Kalakaua war Redacteur

und fleissiger Leitartikelschreiber. -- Die FIDSCHI-INSELN haben vier

Druckereien.

* * * * *

[Sidenote: Afrika.]

Der Norden AFRIKAS wird weiter unten (Romanische Gruppe) Erwähnung

finden.

Über die frühzeitige Verbreitung der Buchdruckerkunst durch die

Portugiesen in Abessinien und auf der Westküste von Afrika liegen keine

begründeten historischen Nachrichten vor. Erwiesen ist nur, dass im

Jahre 1583 auf der Insel TERCEIRA gedruckt und zwar sehr gut gedruckt

wurde.

In FREETOWN auf der Westküste gründeten Missionäre Schulen und

Druckereien. Die Insel ST. HELENA erhielt aus Veranlassung der

Gefangenschaft Napoleons eine Buchdruckerei.

In der seit 1806 den Engländern gehörenden Kapkolonie blühte die Presse

bald empor. Die erste eigentliche Zeitung erschien 1824. Seit 1830

werden auch im Innern des Landes Zeitungen gedruckt. Der Zeitungsstempel

wurde 1848 abgeschafft. 1854 wurde die erste mit Dampf betriebene

Schnellpresse aufgestellt und 1860 hatte die Kolonie 29 periodische

Schriften. Bereits damals beschäftigte die vorzügliche Druckerei von

SAUL SALOMON & CO. über 100 Arbeiter und zwei Dampfschnellpressen

und lieferte auch eine grosse Zahl von Accidenzarbeiten in bester

Ausführung. 1880 war die Zahl der Zeitungen 52, von denen 43 in

englischer, 6 in holländischer Sprache, 3 in beiden Sprachen zugleich

erschienen.

Recht fröhlich gedieh die Kunst auf MADAGASCAR. König Radáma I.

(gestorben 1828) war ein aufgeklärter Mann und Freund des Christentums

und der Presse, welche von Missionären in den zwanziger Jahren

eingeführt wurde. Diese brachten erst die Sprache der Eingeborenen

in ein orthographisches System, um dieselbe geschrieben und gedruckt

wiedergeben zu können. In der Hauptstadt ANTANANARIVO wurden sechs

periodische Schriften herausgegeben, darunter die Monatshefte »Gute

Worte« in einer Auflage von 3000 Exemplaren und das halbmonatlich

erscheinende Blatt »Reis mit Honig gemischt«.

[Illustration]

[Illustration]

IV. KAPITEL.

DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.

WACHSTUM DER PRESSE. DIE ZEITUNGEN: Statistisches, der _Herald_, Horace

Greeley und die _Tribune_, G. Childs und der _Ledger_, die Familie

Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die

Holzschneidekunst. DIE BUCHDRUCKEREI UND DER BUCHHANDEL: die

Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels.

Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u.

a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke,

deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. DAS PAPIER.

[Sidenote: Steigende Macht der Presse.]

Nachdem Amerika seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, stieg die Macht

seiner Presse in rapider Weise. Es war natürlich, dass von einem

Zustand gemütreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede

sein konnte und dass sich die geistigen Kräfte der Besten des Volkes

fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden

mussten. Die litterarischen Bedürfnisse liessen sich leicht und

billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes

befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche,

ja lobenswerte Sache.

[Sidenote: Die Zeitungen.]

Vor allem hatte man ZEITUNGEN nötig; auf diese konzentrierten sich

deshalb die Gedanken und Pläne der Verleger, der Buchdrucker, der

Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das

Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes.

Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7,

Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der _Centennial_-Feier

und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in

New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften.

Heute beträgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas

11418, darunter täglich erscheinende Blätter 982, Wochenblätter 8725.

Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri

531. Illustrierte Blätter giebt es 512, Zeitschriften religiösen

Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Blätter gedruckt, 605

in deutscher, 35 in französischer, 37 in schwedischer und dänischer

Sprache. Beschäftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit

einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf

370 Millionen Mark geschätzt. Die tägliche Zirkulation der Tagesblätter

ist auf 3637000 Nummern -- dieselbe ungefähr, die England mit seinen

135 Blättern erzielt -- berechnet, die einmalige der Wochenblätter auf

19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jährlich auf

2077650675 Nummern[73].

[73] E. STEIGER, _The periodical litterature of the United States_.

New-York 1873. -- G. P. ROWELL, _The man who advertise_. New-York

1870. -- A. MAVERIK, _H. J. Raymond and the New-York Press_.

Hartford, U. S., 1870. -- M. CUCHEVAL-CLAVIGNY, _Histoire de

la Presse en Angleterre et aux États Unis_. Paris 1857. -- Die

Angaben über den heutigen Bestand sind von einem erfahrenen

Verleger Amerikas, M. North.

Es hat sich jemand die Mühe gegeben, auszurechnen, dass mit einem

Gürtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen

Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der

Papierstreifen fünf Meilen länger sein würde, als die Entfernung

der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer

sämtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa

3 Milliarden Typen gehören. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht.

Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur

dazu dienen, die Zahl auszufüllen, so begegnen uns andererseits viele

riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den _Times_ nur

noch einige wenige sich messen können. Das New-Yorker Zeitungsviertel

umschliesst die Prachtgebäude der Journale: New-Yorker Staatszeitung,

_Daily News_, _Star_, _Sun_, _Tribune_, _Times_, _Observer_, _World_,

_Evening Mail_, _Evening Telegraph_, _Herald_, dazu den grossartigen

Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von _Harper

Brothers_ u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann

sich selbst _Fleet-Street_, _Paternoster-Row_ und Umgebung in London

nicht messen.

[Sidenote: _Der Herald._]

Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des _New-York

Herald_. Die Herausgeber haben sich die Mühe gegeben, eine Nummer des

_Herald_ mit der korrespondierenden Nummer der englischen _Times_

zusammenzustellen. Jede enthält 120 Spalten; unter diesen hatte der

_Herald_ 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, _Times_ 73 Spalten mit

1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthält die _Herald_-Nummer auf 31350

Zeilen mit etwa 2800000 Typenstücken den ungefähren Stoff von fünf

gewöhnlichen Romanbänden. Die Ausgaben für einzelne Telegramme sind

enorm und waren es früher noch mehr, als zehn Wörter 400 Mark kosteten.

Während des englisch-abessinischen Krieges musste die englische

Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des _Herald_ holen, denn

dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Blätter

die aus New-York zurücktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten

Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-französischen Krieges

hatte die _Tribune_ den _Herald_ überholt. Erstere brachte mit einem

Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm über

den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war,

als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm

aus dem Hauptquartier begnügen musste. Das machte die _Tribune_ während

des Krieges sehr populär. Als Trumpf hiergegen spielte nun der _Herald_

die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen

Livingstones aus.

[Sidenote: H. Greeley * 3. Febr. 1811, [+] 29. Nov. 1872.]

Überhaupt erreichte die von HORACE GREELEY im Verein mit gleichgesinnten

Mitarbeitern 1841 gegründete _Tribune_[74] eine hohe Bedeutung. Horace

Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater

beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch

in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was

er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen

bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn

Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr

schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu,

namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er

in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der

Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel

vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass

er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein

Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen,

wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die »Morgenpost«, und veranlasste

Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das

Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story

starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine

zweite Zeitschrift, der »New-Yorker«, an dem Greeley gearbeitet hatte,

ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun

selbst 1841 die _Tribune_. Die Anfänge waren klein. Greeley war die

Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten

zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt

gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die

mit ihrer Arbeit -- denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu

verfügen gehabt -- beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der

Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche,

zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft

die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und

meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in

einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte

zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein

aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf

dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer

Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs

geschmückt.

[74] Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B. 1876, Nr. 6.

[75] JAMES PARTON, _The life of Horace Greeley_. New-York 1855.

[Sidenote: G. W. Childs.]

Bedeutenden Einfluss übte auch _The Public Ledger_ GEORGE W. CHILDS'.

Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach

New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss,

verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen

in einem Winkel des Gebäudes des _Public Ledger_ ein kleines Geschäft

an, jedoch mit dem Vorsatz: »das muss alles einmal mir gehören«. Childs

wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson &

Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.

Inzwischen war es mit dem angesehenen _Ledger_ rückwärtsgegangen. Es

bestand als _Penny_-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten

nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes

eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war.

Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor

man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000

Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine

Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte

den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis.

Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das

Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu

können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter

Mann und der _Ledger_[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer

immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann,

welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das

Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen

anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt,

befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen

oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte

er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber

eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische,

für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich

auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs

sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das

Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.

[76] EUGEN MUNDAY, _Historical sketch of the public Ledger_.

Philadelphia 1870. -- JAMES PARTON, George W. Childs.

Philadelphia 1870. -- Die Offizin ist abgebildet im Journ. f. B.

1876, Nr. 4.

Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher

zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben,

die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B.

die Offizin der _Chicago Times_, die in einem aus weissen Sandsteinen

erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss

ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche

Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der

Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche

kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch

immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.

Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über

das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese

Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die

Familie HARPER obenan[77].

[77] JAC. ABOTT, _The Harper Establishment_. New-York 1855.

[Sidenote: John Harper * 22. Jan. 1797, [+] 22. April 1875.]

Der Gründer derselben, JOHN HARPER, stammt aus Newtown (Rhode Island).

Sein Bruder JAMES und er waren in New-York in einer Buchdruckerei

beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als

Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine

Buchdruckerei unter der Firma J. & J. HARPER. Durch Promptheit erwarben

sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden

mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, JOSEPH

WESLEY HARPER und FLETCHER HARPER, als Teilnehmer dazu und die Firma

wurde _Harper Brothers_. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen

Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist

Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: »irgend

einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder«. Gerade

in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im

Jahre 1850 begannen sie _Harpers Monthly_, dessen Aufnahme eine so

ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 _Harpers Weekly_ und 1867

_Harpers Bazar_ folgen liessen.

[Sidenote: Harpers neues Etablissement.]

Jeder der Brüder hatte sein besonderes Departement, welches er

selbständig leitete. Das der Finanzen gehörte John, zugleich die

Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein

Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der

Durchführung der Entschlüsse, in allen Verhältnissen ein Gentleman, bei

aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast.

[Sidenote: Brand des Etablissements.]

Als das grosse Harpersche Etablissement in _Franklin-square_ 1853 ein

Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brüdern ruhig unter

der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des

verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er

gegen die Brüder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wäre wohl das beste,

man käme nach dem Essen zu ihm, dort könne man ruhig überlegen, was

zu thun! Die Brüder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken

vertieft. Da ergriff John das Wort: »Unser Geschäft ist zu wertvoll, um

es fallen zu lassen oder um es in andere Hände zu geben. Wir haben alle

Söhne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Plätze

einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschäft weiter führen und ihnen

zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmützen sind«.

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 11 / 47 段