* * * * *

[Sidenote: Die Accidenzarbeiten.]

Eine enorme Quantität von Arbeiten zu einem Betrage von jährlich

etwa 10 Mill. Mark absorbiert der Staat. Als Beispiel übernahm eine

Firma, MCCORQUODALE & CO., eine Lieferung von 2610 verschiedenen

Regierungsaccidenzen, in Auflagen, die von 10 bis zu 300000 Exemplaren

variierten, ausserdem eine von 40 Millionen Briefcouverts. Die Firma

beschäftigte in sechs enormen Offizinen an verschiedenen Orten gegen

2000 Personen und etwa 550 Maschinen aller Art fast nur mit Regierungs-

und Eisenbahn-Arbeiten. Eine andere Firma, HARRISON & CO., erhielt

auf einmal eine Bestellung auf 137 Millionen Telegrammformulare.

Grosse Summen setzt jedesmal eine Parlamentswahl in Umlauf. Die beiden

Parlamentshäuser beanspruchen für ihre jährlichen Druckarbeiten etwa

1500000 Mark. Die Bank von England druckte im Laufe eines Jahres

15000000 Noten zu einem Geldwert von 338 Millionen £ Sterl. Die

Druckarbeiten der Bank mehren sich bedeutend dadurch, dass sie eine an

sie zurückgekehrte Banknote, und wenn sie nur eine Stunde in Zirkulation

gewesen, nie wieder ausgiebt. Eine solche wird ungiltig gemacht und

fünf Jahre aufgehoben. In dieser Weise liegen bis gegen 100 Millionen

Noten in einer Weise geordnet, dass eine etwa zur Stelle gewünschte im

Augenblick zu finden ist.

[Sidenote: Ansehen des Pressgewerbes.]

In welcher hohen Achtung das Pressgewerbe in England steht, zeigte unter

anderem die imposante Caxtonfeier in London im Jahre 1877 mit ihrer

interessanten Ausstellung[62]. In Ermangelung eines Portraits von Caxton

beschloss man, von einer Statue zu seiner Erinnerung abzusehen, und

stiftete in der Margarethenkirche in Westminster, nahe dem Schauplatz

seiner Thätigkeit, ein gemaltes Fenster. Als ein fernerer Beweis von

der bedeutenden Stellung der Pressgewerbe muss auch betrachtet werden,

dass schnell hintereinander drei Ausüber derselben: der Schriftgiesser

BESLEY, der Buchdrucker SIDNEY WATERLOW und der Drucker und _Stationer_

FRANCIS TRUSCOTT das angesehenste bürgerliche Ehrenamt der Welt, das

eines Lord Mayors von London, bekleidet haben; es spricht zugleich

für den Flor des Geschäfts, denn es ist ein mit grossen Ausgaben

verbundenes Amt. Den Kostenanteil für »seinen Tag« muss der Lord Mayor

auf 50000 Mark anschlagen, und es heisst, Sir Truscott habe für die

Zeit seiner Amtsführung eine Summe von 10000 Mark wöchentlich als

Repräsentationskosten ausgeworfen.

[62] G. BULLEN, _Caxton Celebration_. London 1877. -- _Catalogue of the

Loan Collection etc._ London 1877.

* * * * *

[Sidenote: Der Buchhandel.]

Der BUCHHANDEL, ohne welchen die Buchdruckerei nicht die eigentliche

Blüte erreichen kann, nahm in England, besonders in London, mächtige

Dimensionen an und weist eine Reihe der intelligentesten und

bedeutendsten Verleger auf. Im allgemeinen ist der Buchhandel weit

einfacher organisiert, als in Deutschland. Der Verlagsbuchhändler

beschäftigt sich selten mit Buchdruckerei und anderen Nebengeschäften

und zersplittert nicht seine Kräfte, behält damit den freien Blick und

kann jede Konjunktur rasch benutzen. Kommissions- und Halbpartgeschäfte

kommen oft vor, während berühmte Autoren grossartige Honorare beziehen.

Der Absatz eines Buches ist rasch durch die mit einem splendiden Diner

verbundenen Verlagsauktionen und die Subskriptionen der Zwischenhändler

und grossen Leihbibliotheken entschieden. Eine der letzteren, die von

Muddie, welche die grösste ist, nimmt nicht selten 1-2000 Exemplare

von einem hervorragenden Werke. Durch das Alleinrecht des Verkaufs

auf allen Eisenbahnstationen spinnt die grosse Zeitungsanstalt und

Buchhandlung von SMITH & SON ihre Fäden über das ganze Land. Mit einer

Abonnementskarte von ihnen versehen, kann man überall auf den Stationen

Bücher leihen und sie wieder auf jeder beliebigen Station abgeben.

Die sogenannten _Wholesale-booksellers_, unter welchen MARSHAL & CO.

die bedeutendsten sind, versehen die eigentlichen Sortimentshändler

(_Retaillers_), welche in der Regel ihren Bedarf nur aus einer Hand

beziehen. Bedeutenden Anteil an dem Absatz haben die _Stationers_

(Schreibmaterialienhändler) und die vielen _Secondhand-Booksellers_. Das

deutsche System mit seinen Kommissionssendungen kennt man nicht, weshalb

auch die Buchläden in den kleineren Städten nicht so gut assortiert

sind, wie dies in Deutschland der Fall ist.

Im Laufe eines Jahres erscheinen zwischen 5-6000 Werke (1881, neue

Auflagen ungerechnet, 5406), darunter eine bedeutende Zahl der schönsten

illustrierten Reisewerke, Prachtausgaben der englischen Klassiker,

philologischen, theologischen und Geschichtswerke und eine grosse Menge

von Romanen. Die Zahl ist, wie bei den Zeitungen, eine viel kleinere,

als in Deutschland; aber man muss, wie bei diesen, nicht bloss zählen,

sondern auch wägen, sowohl was Umfang, als was Auflage betrifft.

[Sidenote: Die _Stationers Company_.]

Gegen Nachdruck schützt die Eintragung in die Rolle der _Stationers

Company_ und die Abgabe von 5 Pflichtexemplaren. Der Schutz gilt für

42 Jahre -- jedenfalls bis zum Tode des Verfassers und 7 Jahre nach

demselben. Vor dem Jahre 1709 ist es nicht zu ermitteln, wie viel

Bücher jährlich in die Rolle der _Stationers Hall_ eingetragen wurden.

Von 1709-1766 betrug die Durchschnittszahl ungefähr 50; im Jahre 1732

war die Zahl auf die tiefste Stufe, 17, gefallen. Beim Beginn dieses

Jahrhunderts hatte sie sich wieder auf 3-400 gehoben; 1814 auf 541; 1815

auf 1244; von da ab und bis 1826 blieb die Durchschnittszahl etwa 1000.

[Sidenote: Ausfuhr.]

Der Absatz des Buchhandels nach dem Ausland übersteigt 20 Millionen

Mark, der der _Stationary_-Artikel wird auf etwa 14 Millionen, des

Papiers auf etwa 16 Millionen gerechnet. Fügt man noch den Umsatz in

Druckfarbe und Druckmaschinen hinzu, so wird die Gesamtausfuhr von allen

zu dem Druckgewerbe gehörenden Gegenständen die Summe von 60 Millionen

Mark nicht unbedeutend übersteigen.

[Sidenote: Die Fachpresse.]

[Sidenote: J. M. Powell * 2. Juni 1822, [+] 17. Sept. 1874.]

Unter den Blättern der Fachpresse, die sich zunächst mit der Typographie

beschäftigen, nehmen namentlich zwei eine bedeutende Stellung ein.

JOSEPH MARTIN POWELL gab seit dem Jahre 1863, unter dem Titel _Printers

Register_, ein Fachblatt heraus, welches viele Verdienste, namentlich um

die Förderung der Maschinen-Fabrikation, hat und oft die Maschinenbauer

zu Erfindungen anregte. Das Blatt wird jetzt von Powells ältestem

Sohne ARTHUR geleitet. Eine mehr ideelle und theoretische Richtung

verfolgt _The Printer and the Lithographer_, welches Blatt die Firma

WYMAN & SON verlegt und mit vielem Geschick und Geschmack redigiert.

Es bringt hauptsächlich sehr ausführliche belehrende Artikel, aus

welchen, zu besonderen Lehrbüchern gesammelt, bereits manches tüchtige

Werk entstanden ist. Auch das _Printers Register_ lieferte solche

Artikelreihen. Ein Vorzug der englischen Pressorgane ist, dass sie

sich hauptsächlich nur mit dem Technischen abgeben, und die sozialen

Verhältnisse und die darin einschlagenden Kontroversen nur leise

berühren und alles vermeiden, was zu einem gehässigen Federkrieg

Veranlassung geben könnte.

Im Interesse des Buchhandels erscheinen das vierzehntägige _Publishers

Circular_ (gegründet 1837) und der monatliche _The Bookseller_

(gegründet 1838), seit 1860 mit dem, 1802 begonnenen, _Bents

Literary Advertiser_ vereinigt. Der von Whitaker herausgegebene

_Reference-Catalogue of current Literature_ giebt in der Form von

Verlagskatalogen eine Übersicht der gangbarsten litterarischen

Erscheinungen Englands.

* * * * *

[Sidenote: Die Annuals.]

[Sidenote: R. Ackermann * 30. April 1764, [+] 26. März 1834.]

Eine Episode in dem englischen Buchhandel bildet die Herausgabe der

illustrierten _Annuals_, hervorgerufen 1822 durch den Kunsthändler

RUDOLPH ACKERMANN. Geboren zu Stollberg, kam er als einfacher

Sattlergehülfe nach London. Erst erwarb er durch seine Zeichnungen

Aufmerksamkeit, dann wurde er Kunsthändler und Verleger bedeutender

Prachtwerke. Die später so beliebten Taschenbücher wurden von diesem

»Vater der Almanache« mit dem _Forget me not_ zuerst in Scene gesetzt

und eine Reihe von Jahren hindurch von den besten künstlerischen Kräften

Englands unterstützt[63]. Mit _Heaths Book of Beauty_ wurde 1833 eine

Reihe von poetischen Werken von Klassikern und neueren Schriftstellern

mit Illustrationen sowohl in Stahlstich wie in Holzschnitt begonnen,

denen eine grosse Anzahl von illustrierten geographischen und

ethnographischen Werken folgte. Als Drucker und Herausgeber solcher

machte sich namentlich HENRY FISCHER bekannt.

[63] Börsenbl. f. d. d. B. 1834, Nr. 17, 18.

Gereicht schon die Herstellung schöner Luxuswerke den englischen

Buchhändlern und Buchdruckern zur Ehre, so gebührt ihnen eine noch

grössere Anerkennung, weil sie allen anderen Nationen vorangegangen

sind, als es sich darum handelte, die Verbindung der Xylographie mit

der Typographie zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse und allgemeiner

Bildung selbst in Kreisen der nicht mit Glücksgütern Gesegneten zu

benutzen. Das _Penny Magazine_, später die _Illustrated London News_,

sind massgebend geworden für die ähnlichen Erscheinungen aller anderen

Länder.

[Sidenote: Das _Penny Magazine_.]

Das epochemachende Ereignis des Erscheinens der ersten _Penny

Magazine_-Nummer fand am 1. April 1832 statt. CHARLES KNIGHT[64], der

bekannte Buchhändler und Schriftsteller, war der geistige Urheber des

Unternehmens, welches von der _Society for the diffusion of usefull

knowledge_ ausging; gedruckt wurde das Blatt bei Clowes. Von den Nummern

1-106 fanden 20 Millionen Exemplare Verbreitung. Die gewöhnliche

Auflage war 200000. Im Jahre 1780 schätzte Edm. Burke die Gesamtzahl

der Leser in England auf 80000; 1833 zählte das _Penny Magazine_ allein

jedoch deren mehr als eine Million[65]. Zwei Applegath- und Cowpersche

Maschinen verrichteten in zehn Tagen die Arbeit, zu welcher zwei

Drucker an der Handpresse ein halbes Jahr nötig gehabt haben würden,

in Clowes' Buchdruckerei, die mit 18 Schnellpressen und 15 Handpressen

und einem wöchentlichen Papierverbrauch von 2000 Ries, neben der

_Times_-Druckerei, geradezu ein Weltwunder war.

[64] Ch. Knight, _The old Printer and the modern Press_.

[65] Merkwürdigerweise war das »Börsenblatt für den deutschen

Buchhandel« der heftigste Antagonist der ganzen Richtung

und wurde nicht müde, das Pfennig-Magazin auf das heftigste

anzugreifen.

[Sidenote: Ch. Knight.]

Ganz abgesehen von dem durch das _Penny Magazine_ geübten Einfluss

erwarb sich Charles Knight grosse Verdienste durch eine Reihe von ihm

veröffentlichter, zumteil von ihm geschriebener oder herausgegebener

populärer illustrierter Unternehmungen, unter welchen _The Library of

Entertaining Knowledge_, 43 Bde.; _The Penny Cyclopaedia_, 1833-1858, 30

Bde.; die _Shillings Volumes_, 186 Bde.; _The English Cyclopaedia_, 23

Bde.; _Popular History of England_, 8 Bde.; _Pictorial Bible_, 4 Bde.,

u. a. m. hervorzuheben sind.

[Sidenote: Die illustrierten Zeitungen.]

Waren die Herausgeber des _Penny Magazine_ und ähnlicher Blätter

hauptsächlich bemüht, allgemein nützliche Kenntnisse unter dem Volke zu

verbreiten, so versuchten als Bahnbrecher die _Illustrated London News_,

begründet von COOK & INGRAM, die Tagesgeschichte in den Bereich der

Illustration zu ziehen. Mit ihrer ersten Nummer vom 14. Mai 1842 beginnt

eine illustrierte Geschichte der Gegenwart von grossem Wert, der mit den

Jahren noch steigt. Die gewöhnliche Auflage ist etwa 100000 Exemplare.

Viele Versuche wurden gemacht, dem Blatte Konkurrenz zu machen, jedoch

nur _The Graphic_ gelang es auf die Dauer, sich neben der älteren

Schwester in der Gunst des Publikums zu halten. Die Weihnachtsnummern

beider Zeitschriften werden mit einem Kostenaufwande von je 300000

Mark in etwa 400000 Exemplaren gedruckt. Grosse Verbreitung erreichten

auch die vielen illustrierten technischen und Modeblätter. In der

humoristischen Zeitungspresse trug der Holzschnitt den Sieg über die

Radierung, deren hauptsächlichster Vertreter GEORGE CRUIKSHANK (geb.

1792, gest. 1878) war, davon; der _Punch_, begründet 1841, behielt seine

Popularität bis auf den heutigen Tag.

* * * * *

Den hauptsächlichsten Schauplatz des pressgewerblichen Lebens und

Treibens in London bildeten von der ältesten Zeit bis auf heute

_Fleet-Street_, _St. Pauls Church-Yard_, _Farringdon-Street_,

_Printinghouse-Square_ und _Paternoster-Row_. Letztere wird bereits

1367 genannt, kam aber namentlich nach dem grossen Brande im Jahre 1666

in Aufnahme und wurde in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts

besonders _fashionable_ als Sitz der grossen Verlagshandlungen, während

_Fleet-Street_ vorzugsweise dem Journalismus und den Buchdruckereien

Obdach bot. Hier reihen sich als Glieder einer ununterbrochenen Kette

an einander Druckoffizinen, Zeitungsbüreaus, Telegraphenstationen,

Inseratagenturen, Associationen der Presse, Sortiments-, Zeitungs-,

Stationers-Laden und andere Geschäfte, die mehr oder weniger mit

der Typographie in Verbindung stehen. Hier hat auch der Londoner

Setzer-Verein sein Büreau, und je nach dem grossen oder kleinen

Belagerungszustand, in welchem die Zugänge zu diesem sich befinden, kann

man mit Sicherheit auf den Gang des Londoner Geschäfts schliessen.

[Sidenote: J. Cassell * 23. Jan. 1817, [+] 1. Apr. 1865.]

Es würde, ohne die gesteckten Grenzen zu sehr zu überschreiten, nicht

möglich sein, alle grossen Druck- und Verlagsfirmen aufzuführen[66].

Ausser den bereits an anderen Orten genannten seien nur einige

erwähnt. Eine mächtige Zahl von Zeitschriften drucken SPOTTISWOODE &

CO.; Accidenzien SPOTTISWOODE & EYRE, HARRISON & CO. Als Hersteller

von Wertpapieren und kaufmännischen Arbeiten sind bedeutend

WILKINSON & CO., WATERLOW & SONS[67] und BLADES, EAST und BLADES.

Der Senior dieser Firma WILLIAM BLADES ist namentlich durch seine

typographisch-litterarischen Arbeiten bekannt, vorzugsweise durch

seine klassische Biographie Caxtons, zu dessen Popularität in England

Blades viel beigetragen hat. Sein neuestes Werk ist eine _Medallic

History of Printing_ mit vielen Abbildungen[68], das zuerst in den

_Printing-Times_ erschien. Eine der jüngeren Offizinen, die in kurzer

Zeit riesenhafte Dimensionen angenommen hat, ist die von CASSELL, PETTER

& CO. Der Gründer JOHN CASSELL war erst Zimmermann und lernte in den

Werkstätten die geistigen Bedürfnisse der Arbeiter kennen. Als _The

Total Abstinance_-Bewegung 1833 entstand, war er erst ein begeisterter

Reise-Apostel derselben, entschloss sich aber dann in wirksamster

Weise durch die Presse der Mässigkeits-Sache zu dienen. Zur Herausgabe

angemessener Schriften vereinigte er sich mit den Besitzern einer bis

dahin nicht bedeutenden Druckerei, PETTER & GALPIN. Bald ging man

aber weiter und gab illustrierte Lieferungswerke heraus. Das Geschäft

erhielt eine solche Ausdehnung, dass es 1880 34 illustrierte Werke in

Lieferungen auf einmal in der Presse hatte. Das bedeutendste Verlagswerk

war die _Family-Bible_, die, mit einem Aufwand von 2 Millionen Mark

hergestellt, innerhalb sechs Jahren einen Absatz von 350000 Exemplaren

erzielte. Bei John Cassells Tod hatte das Personal bereits die Zahl von

500 erreicht, jetzt ist diese auf 1000 gestiegen.

[66] KELLY, _Directory of Stationers, Printers etc. of England_.

3. Ausg. London 1880. -- WHITAKER, _Reference Catalogue of

current Litterature_ (periodisch). -- H. CURVEN, _A history

of booksellers_. London 1874. Ein kritikloses, aber viele

interessante Details enthaltendes Buch.

[67] Diese grossartige Offizin wurde ausführlich von TH. GOEBEL im

Journ. f. B. 1875, Nr. 40 u. f. beschrieben.

[68] Deutsch bearbeitet von L. MOHR in Strassburg (in Waldows Archiv),

französisch von LÉON DEGEORGE.

SAM. BAGSTER & SONS liefern namentlich polyglotte Werke, GILBERT &

RIVINGTON orientalische. In letzterer Richtung hat jedoch Deutschland

ein Übergewicht und viele orientalische Werke werden für englische

Rechnung in Deutschland gedruckt.

Von den grossen Verlagsfirmen haben besonders Longman, Green & Co. und

John Murray Weltruf erlangt.

[Sidenote: Th. Longman * 1699, [+] 10. Juni 1755.]

[Sidenote: Th. Norton Longman * 1771, [+] 28. Aug. 1824.]

Der Begründer ersterer Firma THOMAS LONGMAN erwarb 1724 den Verlag von

WILL. TAYLOR und damit zugleich zwei Häuser: »Der schwarze Schwan« und

»Das Schiff« in _Paternoster-Row_. Er ward Mitbesitzer von Ephraim

Chambers _Cyclopaedia_, das Vorbild der vielen in und ausserhalb

Englands erscheinenden Encyklopädien, ausserdem auch von Johnsons

_Dictionary of the English Language_. Noch folgten in drei Generationen

Thomas Longmans, von welchen THOMAS NORTON LONGMAN der bedeutendste war.

Welche Grösse das Geschäft erreicht hatte, sieht man daraus, dass der

Genannte ein Vermögen von 200000 £ Sterl. hinterliess, ein Teilhaber

GREEN ebensoviel, während ein dritter Teilhaber BROWN 100000 £ Sterl. in

Legaten aussetzen konnte.

Obwohl Longmans Verlag ein universeller ist und auch die Namen der

berühmtesten Dichter Englands (den Verlag von Byrons Schriften hatten

sie abgelehnt) ihren Katalog schmücken, so haben sie doch namentlich

ihren vielen encyklopädischen Verlags-Artikeln, und vor allem Macaulays

Geschichte ihren Ruhm und ihre Stellung zu verdanken. Von der ersten

Auflage des III. und IV. Teils des letztern Werkes waren 25000 Exemplare

gedruckt. Diese waren jedoch bereits am Tage der Veröffentlichung, 17.

Dezember 1855, verkauft und 11000 Bestellungen mussten unexpediert

bleiben. Von den amerikanischen Ausgaben soll ein Buchhändler in zehn

Tagen 73000 Bände verkauft haben. Innerhalb vier Wochen sollen überhaupt

mehr als 180000 Exemplare verbreitet worden sein.

[Sidenote: John McMurray * 1745, [+] 6. Nov. 1793.]

[Sidenote: John Murray II. * 1778, [+] 27. Juni 1843.]

JOHN MCMURRAY gründete 1768 ein Geschäft und erzielte damit gute

Erfolge. Sein Sohn JOHN MURRAY ist namentlich als Verleger und Freund

Byrons (1807-1823) bekannt und wurde bei seinem Tode wieder von einem

Sohn JOHN gefolgt. Grosse Verbreitung fand die billige _Home and

Colonial Library_ und die vielen bedeutenden illustrierten Reise- und

naturwissenschaftlichen Werke. Murrays rote Reisebücher sind jedem

bekannt, und wir können uns kaum einen reisenden Engländer ohne ein

solches in der Hand oder unterm Arm denken.

[Sidenote: H. Colburn [+] 16. Aug. 1855.]

[Sidenote: R. Bentley [+] 1871.]

Unter den Verlegern der schönen Litteratur in Prosa sind Colburn und

Bentley die bekanntesten. HENRY COLBURN verlegte eine Unzahl von

Romanen, von James allein 225 Bände, einer wie der andere in drei, in

Leinwand gebundenen, Bänden, jeder ziemlich genau 300 Seiten stark

und einer wie der andere zum Preise von anderthalb Guineen (31 Mark

50 Pf.). Im Jahre 1819 gründete er _Colburns Monthly_; 1817 ward die

_Literary Gazette_ begonnen. 1832 verkaufte er sein Geschäft an RICHARD

BENTLEY, der früher sein hauptsächlichster Buchdrucker und kurze Zeit

sein Associé gewesen war. Colburn verpflichtete sich, unter bedeutender

Konventionalstrafe, kein Geschäft innerhalb 20 englischer Meilen

Entfernung von London zu eröffnen. Der »Verlagsteufel« liess ihn jedoch

nicht auf seinen Lorbeern ruhen. Erst etablierte er sich in Windsor,

dann zahlte er die Konventionalstrafe und zog wieder nach London.

Bentley gründete 1837 _Bentleys Miscellany_, dessen erster Herausgeber

Charles Dickens war.

Als Verleger von Shillings-Ausgaben erwarben ROUTLEDGE & SONS einen Ruf.

Die Verbreitung solcher Ausgaben war eine so grosse, dass die Verleger

an Bulwer für die Erlaubnis, billige Ausgaben seiner Werke während zehn

Jahren drucken zu dürfen, 200000 Mark Honorar zahlten und dabei einen

sehr guten Erfolg für sich erzielten.

* * * * *

[Sidenote: Der Bibeldruck.]

Eine wesentliche Bedeutung für das Druckgewerbe hat der Bibel- und

Gebetbuchdruck, der, was die autorisierten Ausgaben betrifft, noch ein

Privilegium der Universitätspressen von Oxford und Cambridge ist. Eine

grosse Bewegung rief die neue autorisierte Ausgabe der heiligen Schrift

hervor, welche viele Jahre hindurch mit grossem Aufwand theologischer

Arbeit vorbereitet war und am 17. Mai 1881 in sechs Ausgaben dem

Publikum übergeben wurde. In Oxford allein wurden sofort zwei Millionen

Exemplare bestellt, Amerika verlangte 300000, druckte jedoch, unter den

enormsten Anstrengungen der Konkurrenten, sich gegenseitig den Vorsprung

abzugewinnen, die Ausgabe nach. Ein typographisches Kunststück ist eine

Oxforder Miniatur-Ausgabe für Lehrer, die mit dem Einbande nur 90 Gramm

wiegt und auf 1416 Seiten 2430400 Buchstaben enthält.

Eine grosse Wirksamkeit zeigte _The British and Foreign Bible Society_,

welche mit dem Jahre 1804 unter den Auspicien des Herrn GRANVILLE SHARPE

begann. Bis 1881 hatte die Gesellschaft mit einem Aufwande von etwa

175 Millionen Mark nicht weniger als 93953000 Exemplare der heiligen

Schrift gedruckt. 1881 wurden allein 2938000 Exemplare verbreitet. _The

Religious Tract Society_ verwendete in einem Jahre 2-1/2 Millionen Mark

auf Bücherdruck.

[Sidenote: N. Trübner * 1817.]

Unter den Verlegern in der theologischen und philologischen Richtung ist

die Firma Rivington hervorragend. Der Stammvater dieser ältesten der

noch bestehenden Verlagsfirmen Englands, CHARLES RIVINGTON, gründete

1711 sein Geschäft in der _Paternoster-Row_ in der »Bibel und Krone«,

welche Insignia noch heute die Rivingtonschen Verlagswerke schmücken.

Bedeutenden Ruf haben ferner die beiden, mit der Oxforder resp.

Cambridger Universitätsbuchdruckerei eng verbundenen Familien PARKER,

dann JAMES NISBET. Ganz hervorragende Verdienste um die linguistische

Litteratur erwarb sieh ein Deutscher, NIKOLAUS TRÜBNER aus Heidelberg.

Durch Zufall mit Longman bekannt geworden, ging er 1843 als Commis

in das Longmansche Geschäft nach London. 1852 etablierte er dort

ein eigenes Geschäft mit der Absicht, in der Weltstadt einen bisher

fehlenden Zentralpunkt für die litterarischen Erzeugnisse Amerikas und

Asiens zu schaffen. Er gab einen vortrefflichen _Bibliographical Guide

to American Literature_ 1817-1857 heraus und gründete, um seine Zwecke

zu fördern, das Monatsblatt _Trübners American and Oriental Literary

Record_ und eine Anzahl von Agenturen in den fernsten Weltteilen.

Durch das Heranziehen der bisher schwer zugänglichen Länder mit

ihren litterarischen Produkten hat Trübner sich nicht allein um die

Wissenschaft hochverdient gemacht, sondern auch sowohl direkt durch

seinen grossen linguistischen Verlag, als noch mehr indirekt durch

die Belebung dieses Verlagszweiges dem graphischen Gewerbe Vorschub

geleistet.

Steht auch das ANTIQUARIATSGESCHÄFT den eigentlichen Zweigen des

Buchgewerbes, die uns hier beschäftigen, etwas ferner, so hat dasselbe

doch in England eine solche Weltbedeutung gewonnen und wirkt auch durch

Verbreitung der Liebe zu Büchern auf das ganze Pressgewerbe vielfach

so belebend ein, dass es am Platze sein dürfte, wenigstens die zwei

hervorragendsten Vertreter des Antiquariats zu erwähnen, was um so

lieber geschieht, als der eine, jetzt noch wirkende ebenfalls, wie

Trübner, ein Deutscher ist.

[Sidenote: H. G. Bohn * 4. Jan. 1796.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 9 / 47 段