Die bei der Schnellproduktion so wichtigen FALZMASCHINEN fanden

namentlich in Amerika Beachtung. Sie wurden dort von CYRUS CHAMBER

eingeführt, der, im Verein mit seinem Bruder Edwin, 1856 eine Fabrik

in Philadelphia unter der Firma _Chambers Brothers & Co._ errichtete.

Nach vielen Versuchen gelangten sie zu guten Resultaten und bauten im

Jahre 1870 nach etwa 40 verschiedenen Systemen. Eine Maschine z. B.

falzt einen und einen halben Bogen in einander, kleistert, heftet und

beschneidet sie. Sehr verbreitet ist seit 1863 die Zeitungsfalzmaschine

von S. C. FORSAITH & CO. in Manchester in den Vereinigten Staaten, die

sich für verschiedene Formate stellen lässt.

[Sidenote: Verschiedene Hülfsmaschinen.]

Weitere Erleichterungen gewähren die BUCHHEFTMASCHINEN (WHEELER &

WILSON) und die ZUSAMMENTRAGEMASCHINE (HOWE). Letztere ist in der Art

der Kinder-Karussels gebaut. Auf einem sich drehenden Tisch, vor dem der

Komplettierer steht, liegen die Bogenhaufen der Reihe nach und werden

im Vorbeipassieren einer nach dem andern von dem Komplettierer ergriffen.

Von den unendlich vielen Hülfsmaschinen seien nur noch erwähnt die

COUVERTMASCHINE (G. TIDCOMBE & SON, J. WILKINSON; C. GODALL & SON) und

die SCHNEIDEMASCHINE. Spezialisten für letztere sind FURNIVAL & CO. in

Manchester, die sie in grosser Vollkommenheit bauen. Das Ingangsetzen

des Messers, der Schnitt eines Ries Papiers und das Zurückgehen des

Messers in seine erste Lage dauert nur vier Sekunden. Überhaupt ist

die Fabrik Furnival berühmt wegen der Vortrefflichkeit aller ihrer

Hülfsmaschinen, deren Fabrikation in ausgedehntester und rationellster

Weise betrieben wird.

[Sidenote: Die Utensilien.]

Wie aus dem obigen hervorgeht, fehlt es an erleichternden Mitteln

nicht, und doch war es nur möglich, das Hauptsächlichste zu erwähnen.

Sowohl Hülfsmaschinen als Utensilien werden jährlich vermehrt und

verbessert. Nicht wenig erleichtert ist die Anschaffung derselben durch

die UTENSILIEN-GESCHÄFTE, welche alle notwendigen Gegenstände von der

Ahle ab und bis zu der grössten Schnellpresse liefern, ja selbst die

Einrichtung vollständiger Druckereien übernehmen, so dass der Besteller

nur unter Angabe der besonderen Orts- und Geschäfts-Verhältnisse den

Preis bestimmt, alles andere dem Lieferanten überlassend[52].

[52] Wer die unendlich vielen Gegenstände, welche ein solches Geschäft

verhandelt, näher durch Beschreibung und Abbildungen kennen

lernen will, dem ist eine Reihe von Artikeln im Journ. f. B.

1867, Nr. 31, 32, 36, 37 zu empfehlen. Nicht weniger Interesse

bieten die grossen illustrierten Kataloge, die fast alle

bedeutenden Utensilienhandlungen herausgeben.

* * * * *

So bedeutend auch der Fortschritt von dem Ballen und der Lederwalze

zu der Massenwalze war, so litt die letztere doch unter wesentlichen

Mängeln, namentlich war ihre Brauchbarkeit sehr von der Temperatur

und der Witterung beeinflusst. Zu Zeiten schwanden die Walzen, dann

wurden sie hart wie Stein, bald nahmen sie, wenn sie zu feucht waren,

die Farbe nicht an, bald wurden sie so weich, dass sich die Form mit

Walzenmasse vollschmierte, bald mussten sie am Ofen oder mittels

brennender Fidibusse erwärmt, bald mit Sägespänen abgerieben, geschabt,

gewaschen, schliesslich, unter Ersatz der klumpig gewordenen Masse

durch neue, umgegossen werden. Waren die lokalen Verhältnisse nicht

besonders günstig, so konnte man wohl rechnen, dass der zehnte Teil der

Arbeitszeit durch Pflege der Walzen verlorenging.

[Sidenote: Englische Walzenmasse.]

Diesen Übelständen ist durch die ENGLISCHE WALZENMASSE, die

hauptsächlich aus Gelatine und Glycerin besteht, abgeholfen. Jede

Fabrik solcher behauptet, im Besitz von geheimen Rezepten zu sein;

das hauptsächlichste Geheimnis besteht wohl darin, das vorzüglichste

Material zu nehmen und alle wässerigen Teile daraus zu scheiden. Ohne

solche Walzen würden der vollen Ausnutzung der Rotationsmaschinen

bei der starken Reibung und dem schnellen Gang immer noch grosse

Schwierigkeiten erwachsen.

Eine weitere Verbesserung sind die LANHAM-Walzen. Waren sie anfänglich

nur für lithographische Schnellpressen bestimmt, so liefert der

Erfinder jetzt auch ein Fabrikat für typographische Maschinen, das

sich vorzüglich bewährt. In der Offizin des _Daily Telegraph_ druckt

jede Hoesche Maschine stündlich 1000 Exemplare mehr seit Verwendung

der Lanham-Walzen. Der Hauptbestandteil derselben ist vulkanisierter

Kautschuk, der wieder mit einem in besonderer Weise präparierten

Kautschuk-Überzug versehen ist.

[Sidenote: Die Farbenfabrikation.]

Nachdem die Druckereien aufgehört hatten, ihre FARBE selbst zu

fabrizieren, entstanden Etablissements, die sich ausschliesslich mit

dieser Fabrikation beschäftigten, deshalb auch imstande waren, rationell

zu fabrizieren und gute Farben billig zu liefern. Auch hier standen die

englischen Fabrikate obenan, und es gab eine Zeit, bis um das Jahr 1840,

wo in Deutschland kein illustriertes, oder selbst ein in der Ausstattung

nur einigermassen hervorragendes Werk mit anderer Farbe als der von

PARSON oder LAWSON gedruckt werden durfte. Ist die englische Farbe auch

jetzt ziemlich vom Kontinent verdrängt, so behauptet sie doch ihren

guten Ruf. Sie zeichnet sich durch ihren tiefen, etwas ins Bläuliche

spielenden Ton aus, der ausserordentlich schön ist, den Illustrationen

jedoch etwas Kaltes giebt. Die bedeutendsten Fabrikanten sind PARSONS,

FLETCHER & CO. in London und A. B. FLEMING & CO. in Leith, wohl die

grösste Farbenfabrik der Welt.

[Illustration]

III. KAPITEL.

DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE ENGLANDS.

ENGLAND. AUFBLÜHEN DER TYPOGRAPHIE: J. Baskerville, Bowyer Vater und

Sohn, J. Nichols, Miller-Ritchie, W. Bulmer, Th. Bensley, Hansard

Vater und Sohn. DIE XYLOGRAPHIE: Thom. Bewick. DER FARBENDRUCK: G.

Baxter, W. Savage, W. Congreve. Oxford, Cambridge, Edinburgh u. a.

DIE ZEITUNGSPRESSE: Die _Times_ und die Familie Walter; Stempel;

Telegraphischer Verkehr; Inseratenwesen; Statistisches. DER

ACCIDENZDRUCK. DER BUCHHANDEL: die illustrierten Blätter, Ch. Knight.

Der Bibeldruck. Die Bibliophilie: Lord Spencer, T. F. Dibdin. DIE

BUCHBINDERKUNST.

ASIEN: Indien, China, Japan, der Indische Archipel. -- AUSTRALIEN, die

Südseeinseln. -- AFRIKA.

[Sidenote: John Baskerville * 1706, [+] 8. Jan. 1775.]

Als der eigentliche Schöpfer der neueren englischen Typographie gilt

JOHN BASKERVILLE, 1706 in Wolverley in Worcestershire geboren. Im Jahre

1726 leitete er eine Schreibschule in Birmingham; 1745 übernahm er ein

Lackiergeschäft, durch welches er viel Geld verdiente. Seine Neigung

war jedoch der Buchdruckerei zugewandt. Von der Universität Cambridge

erhielt er die Erlaubnis, eine Bibel in Folio und zwei Ausgaben des

_Common Prayer Book_ zu drucken, gegen Zahlung einer Abgabe an die

Universität von 20 resp 12 £ Sterl. für je 1000 Exemplare und an die

_Stationers Company_ weitere 12 £ Sterl. für die Erlaubnis, seinen

Ausgaben die Psalmen anzufügen. Zu seinen berühmtesten Druckwerken

gehören die Ausgaben des Virgil in 4° und in 12°, sowie sein Horaz

von 1762. Baskerville wendete seinen Arbeiten eine unausgesetzte

Aufmerksamkeit zu. Er bereitete selbst seine Farben und baute selbst

seine Pressen. Namentlich waren seine schönen Buchschriften, ganz

besonders seine Cursivschriften, berühmt. Auch dem Papier und dessen

Behandlung widmete er die grösste Sorgfalt, die gedruckten Bogen wurden

einzeln zwischen zwei erwärmten Kupferplatten gepresst. Jetzt ist jedoch

das Aussehen seiner Drucke keineswegs schön, mutmasslich hat unrichtige

Behandlung bei der warmen Pressung nachteiligen Einfluss auf das Papier

geübt.

Trotz aller Liebe zur Kunst wurde doch Baskerville derselben müde

und erklärte, er bereue es bitter, je ihre Ausübung angefangen zu

haben. Seinem letzten Willen gemäss wurde er in seinem Grundstück in

ungeweihter Erde unter einer Windmühle begraben.

Nachkommen hinterliess Baskerville nicht. Seine Witwe hörte schon 1775

zu drucken auf, setzte aber die Schriftgiesserei noch bis 1777 fort. So

viele Vorzüge auch Baskervilles Schriften besassen, so fanden sie doch

nicht allgemeinen Beifall bei dem englischen Publikum, das den Schriften

Caslons und Jacksons den Vorzug gab. Sie lagen nun als tote Masse da,

bis der bekannte Beaumarchais in Paris sie im Jahre 1779 um den Preis

von 3700 £ Sterl. kaufte; die Universität Cambridge hatte die angebotene

Erwerbung abgelehnt.

[Sidenote: W. Bowyer d. ä. * 1663, [+] 1737.]

Ein grosses Ansehen als einer der gelehrtesten, tüchtigsten und bravsten

Buchdrucker erwarb sich William Bowyer d. j. Bereits sein Vater WILL.

BOWYER D. Ä. besass einen höchst geachteten Namen. Er hatte 1686 ein

Verlagsgeschäft, 1699 eine Buchdruckerei begründet. Wie gross die

Achtung war, die er genoss, zeigte sich, als sein Geschäft in der Nacht

vom 29. zum 30. Januar 1712 vollständig durch Feuer zerstört wurde.

Durch rasche Subskription deckten Freunde und Konkurrenten mehr als die

Hälfte des ihm entstandenen Schadens von 5000 £ Sterl.

[Sidenote: W. Bowyer d. j. * 19. Dez. 1699, [+] 18. Nov. 1777.]

Der Sohn WILLIAM BOWYER D. J. studierte in Cambridge, wo er von

1716-1722 mit litterarischen Arbeiten und Korrekturen wissenschaftlicher

Werke beschäftigt war. Dann trat er in das Geschäft des Vaters und fuhr

fort, den mehr litterarischen Teil desselben zu besorgen, worin ihn

seine zweite Frau, Elizabeth Bill, vortrefflich unterstützte. 1729

wurden Bowyer die Arbeiten des Unterhauses übertragen, die er fast 50

Jahre lang lieferte[53].

[53] _Anecdotes biographical and literary of W. Bowyer._ London 1778.

[Sidenote: John Nichols * 15. Juli 1779, [+] 26. Mai 1826.]

Im Jahre 1766 hatte Bowyer JOHN NICHOLS zum Teilhaber genommen. Dieser

hatte bei Bowyer gelernt und sich so gut betragen, dass Bowyer die

Hälfte des Lehrgeldes an den Vater Nichols' zurückzahlte. Aus dem

Lehrherrn und dem Lehrling wurden Freunde und Associés. Nach Bowyers

Tod behielt Nichols das Geschäft allein. Er war nicht nur Erbe der

Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit seiner Vorgänger, sondern auch von deren

Unglück, denn am 8. Februar 1808 war wieder das Feuer Verheerer alles

dessen, was seit fast hundert Jahren, seit dem ersten Brande, an Verlag,

seltenen Büchern, Druckmaterial u. s. w. gesammelt war. Nichols war

jedoch nicht der Mann, den Mut zu verlieren. Mit seinem Sohne und

Associé, der den Zunamen Bowyer angenommen hatte, richtete er alles aufs

neue ein. 1804 war er Vorsteher der _Stationers Company_ geworden und

hatte damit das Ziel seines geschäftlichen Ehrgeizes erreicht. Seit 1806

beschäftigte er sich zumeist mit litterarischen Arbeiten.

[Sidenote: Will. Strahan * 1715.]

[Sidenote: Andr. Strahan [+] 1831.]

[Sidenote: Thom. Spilbury.]

WILLIAM STRAHAN kaufte einen Teil des Patentes eines königlichen

Buchdruckers, erwarb für so hohe Honorare, wie sie selten bezahlt

worden waren, die Verlagsrechte von Arbeiten der hervorragendsten

Autoren seiner Zeit und ward 1774 Vorsitzender der _Stationers Company_.

Er stand zu einer Reihe von bedeutenden Persönlichkeiten in naher

Beziehung, unter anderen zu Franklin, mit dem er in London zusammen

gearbeitet hatte. Noch in einem seiner letzten Briefe an Strahan

bespricht Franklin in von der Buchdruckerkunst entlehnten Allegorien

und Ausdrücken scherzhaft die Politik. Der Sohn ANDREW STRAHAN trat in

die Fussstapfen des Vaters und fand in THOMAS SPILBURY einen würdigen

Nachfolger, der französische Klassiker mit solcher Korrektheit druckte,

dass sie selbst in Frankreich den französischen Ausgaben vorgezogen

wurden.

[Sidenote: Miller Ritchie [+] 28. Nov. 1828.]

Die Vervollkommnung des Werkdruckes, in welchem die Engländer so

bedeutendes geleistet haben, hat man wesentlich MILLER RITCHIE, einem

geborenen Schottländer, zu verdanken. Er begann seine Laufbahn 1785

mit einer Royal-Oktav-Ausgabe der englischen Klassiker, für welche

zum erstenmale das gelblich gerippte Papier Whatmans benutzt wurde.

Eine Quartbibel in zwei Bänden folgte. Wie Baskerville hatte er schwer

mit dem alten Schlendrian der Arbeiter zu kämpfen und oft musste er

zu den Druckerballen greifen, wenn er einen ihn befriedigenden Druck

haben wollte[54]. Er fand jedoch zwei mächtige Bundesgenossen für seine

Bestrebungen in dem Papierfabrikanten Whatman und dem Farbefabrikanten

Blackwell, wie überhaupt das vortreffliche Papier und die gute englische

Farbe ausserordentlich viel zu dem Übergewicht englischer Werkdrucke

beigetragen haben. Trotz seiner Tüchtigkeit, oder vielleicht eben weil

er die Vorzüglichkeit der Arbeit höher stellte als den Gewinn, konnte

Miller Ritchie keine unabhängige Stellung behaupten.

[54] Der bekannte Thom. Curson Hansard behauptet in seiner

_Typographia_, dass, wenn die besten Prachtwerke Englands nicht

ganz die besten der Franzosen und Bodonis erreichen sollten,

dies in der schwierigeren Behandlung der Farben liege, deren

Konsistenz in der wechselnden Temperatur Englands nicht ganz

gleichmässig erhalten werden könne.

[Sidenote: Will. Bulmer * 1754, [+] 1830.]

Als ein würdiger, zugleich glücklicherer Nachfolger in denselben

Bestrebungen muss WILLIAM BULMER genannt werden, dessen Name mit dem

Schönsten und Korrektesten verbunden ist, was die Buchdruckerkunst

Englands, die durch ihn auf die höchste Stufe der Vollendung gebracht

wurde, aufzuweisen hat. Bulmer, in Newcastle geboren, wurde während

seiner Lehre dort mit dem später so berühmten Holzschneider Thomas

Bewick, für den er die Probedrucke besorgte, bekannt und brachte ihn

auf den Gedanken, die Holzschnitte abzuflachen, so dass die leichteren

und verschwindenden Stellen tiefer zu liegen kamen, wodurch der

Abdruck eines Holzschnittes, selbst ohne jede Zurichtung, sich in

den richtigen Abstufungen der Farbentöne zeigt. Durch einen Zufall

kam er in Verbindung mit dem Buchhändler George Nicol, der eine

grosse Prachtausgabe von Shakespeares Werken vorbereitete, die in

artistisch-typographischer Hinsicht alles übertreffen sollte, was

bis dahin geliefert war. Das Werk, 9 Bände Folio und ein Band Kupfer

(1794-1801), wurde in Bulmers Offizin, genannt _Shakespeare-Press_,

gedruckt mit Schriften, die von William Martin in Birmingham geschnitten

waren. Der Druck des Werkes, das im Jahre 1794 begonnen wurde und

allein wohl mehr Bogen enthielt, als alle Bodonischen Prachtausgaben

zusammen, ist von unübertroffener Gleichmässigkeit; der letzte Bogen

sieht genau aus wie der erste. Neben diesem Werk ist die grosse Ausgabe

von Milton, 3 Bände Folio, zu erwähnen, die typographisch vielleicht

noch höher als die von Shakespeare steht; dann die Ausgabe von Goldsmith

und Parnell. 1798-1803 wurde das prachtvolle _Museum Worsleyanum_,

zwei Bände Folio, gedruckt, auf welches Richard Worsley 27000 £

Sterl. verausgabte und das nie in den Handel kam. Aus der Reihe der

grossartigen Druckwerke Bulmers nennen wir noch Dibdins _Typographical

Antiquities_ und die _Bibliotheca Spenceriana_, wohl das brillanteste

bibliographische Werk, das existiert. Ein Meisterstück der Bulmerschen

Pressen ist ferner Dibdins _Bibliographical Decameron_ mit einer

grossen Anzahl von Vignetten. Er druckte auch 1808 Wilkins _Sanskrit

Grammar_, ein Quartband von 662 Seiten in prachtvoller Ausstattung.

1819 zog er sich ganz vom Geschäft zurück, das auf WILL. NICOL, den

Sohn seines Freundes, überging. Auch Bulmer wurde vortrefflich durch

Whatman und ausserdem durch den Holzschneider Bewick unterstützt.

Als der bedeutendste Drucker und Mitarbeiter Bulmers wird DANIEL

GRIMSSHAW genannt. Ein Hauptstreben Bulmers war auf eine vorzügliche

Farbe gerichtet. Diese lieferte erst Rob. Martin in Newcastle; bei der

Unmöglichkeit für diesen, Bulmers Bedarf zu decken, fand letzterer

sich veranlasst, selbst die nötigen Einrichtungen zur Gewinnung eines

zufriedenstellenden Fabrikates zu treffen.

[Sidenote: Th. Bensley und andere.]

Ein Rival Bulmers, dessen Verhältnis zu König und Bauer schon erwähnt

wurde, war THOMAS BENSLEY. Als jener seinen Shakespeare druckte, folgte

Bensley mit seiner prachtvollen Bibel von Maclin in sieben Bänden in

Quarto. Ganz vorzüglich war auch die Ausgabe von Thomsons Jahreszeiten.

[Sidenote: Ch. Whitaker.]

Schöne Drucke lieferte im Beginn dieses Jahrhunderts auch CHARLES

WHITAKER. Seine Ausgabe der _Magna Charta_, ganz in Golddruck von

hervorragender Schönheit mit illuminierten Initialen, ist eine grosse

Seltenheit. Seinen Golddruck behandelte er als Geheimnis und schlug das

Anerbieten der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ab, das Verfahren

gegen eine öffentliche Belohnung bekannt zu geben.

Zu den schönsten englischen Presserzeugnissen gehört das Gedicht _The

Press_, von dem Buchdrucker JOHN M'CREERY im Jahre 1803 gedichtet und

gedruckt, und von Holl illustriert.

[Sidenote: Ch. Whittingham * 16. Juni 1767.]

[Sidenote: Whittingham II. * 30. Okt. 1795.]

CHARLES WHITTINGHAM war in Calledon bei Coventry geboren. Im Jahre

1792 etablierte er sich in London, wo er bis 1811 viele schöne Werke

für Londoner Verleger druckte. Er war einer der ersten, welche die

Zurichtung der Holzschnitte zur Vollkommenheit brachten. Im Jahre

1811 überliess er seinem Teilnehmer Rowland die Leitung des Londoner

Geschäfts und zog nach Chiswick. Aus seiner _Chiswick-Press_ ging unter

anderen bedeutenden Werken in den Jahren 1819-1822 eine vortreffliche,

nur in 500 Exemplaren gedruckte und auf einmal herausgegebene

Oktav-Ausgabe der englischen Dichter in 100 Bänden hervor. Das Geschäft

ging auf den Neffen CHARLES WHITTINGHAM über, der jedoch daneben

eine von ihm selbst begründete Offizin in London hatte, wo er, mit

Peels Werken beginnend, eine Reihe von schönen Ausgaben für Will.

Pickering bis zu dessen 1854 erfolgtem Tode druckte. Sein Sohn CH. JOHN

WHITTINGHAM starb am 21. April 1876.

[Sidenote: Luke Hansard * 5. Juli 1752, [+] 28. Okt. 1828.]

Berühmt wurden auch Hansard Vater und Sohn. Ersterer, LUKE HANSARD, ist

namentlich als Parlamentsdrucker bekannt. Er lernte in seiner Vaterstadt

Norwich und arbeitete später in dem Geschäft des Parlamentsdruckers John

Hughs. Hansard wurde erst Dirigent der Buchdruckerei, dann Teilhaber und

im Jahre 1800 Alleinbesitzer. Sein Ruf wurde durch die ungewöhnliche

Promptheit, mit welcher er stets die Regierungsarbeiten ausführte,

fest begründet. Freilich war es auch lohnend, für die Regierung zu

arbeiten. Die Rechnungen Hansards d. j. betrugen 1829 125772 £ Sterl.;

in dem Jahre 1830 wurde für 86217 £ Sterl. gedruckt. 1831 machten die

Parlamentsakten 120 Foliobände aus[55]. Luke Hansard starb, 77 Jahre

alt, im Besitz des allgemein verbreiteten Rufes, ein seltener Mensch

gewesen zu sein[56].

[55] 1879 rechnete man, dass jedes Parlamentsmitglied während der Dauer

des letzten Parlaments 20 Zentner an Drucksachen empfangen habe.

[56] _Biographical Memoir of Luke Hansard._ London 1829.

[Sidenote: Th. C. Hansard * 6. Nov. 1776, [+] 14. Mai 1833.]

THOMAS CURSON HANSARD, der Sohn und Nachfolger Lukes, ist namentlich

bekannt als Verfasser der _Typographia_, des renommiertesten englischen

Handbuches der Geschichte und Technik der Buchdruckerkunst, welches

eine Menge schätzbares Material enthält, dessen bessere Sichtung und

Durcharbeitung jedoch sehr zu wünschen gewesen wäre.

* * * * *

[Sidenote: Xylographie.]

Gleichzeitig mit der Wiedergeburt der Typographie erhob sich auch

die Xylographie aus dem Elend, in welches sie versunken war, eine

Renaissance, die wir ebenfalls einem Engländer verdanken, was um so mehr

überrascht, als England zu einer Zeit, wo diese Kunst in Deutschland,

Frankreich und Italien blühte, noch gar keine Holzschneidekünstler

aufzuweisen gehabt hatte. Auf welcher Stufe der Unbedeutendheit die

Xylographie sich befand, geht daraus hervor, dass zu Anfang des XIX.

Jahrhunderts London nur zwölf Holzschneider zählte. Man kann sonach,

was England betrifft, fast richtiger von einer Geburt als von der

Wiedergeburt der Kunst durch THOMAS BEWICK reden.

[Sidenote: Th. Bewick * 12. Aug. 1753, [+] 8. März 1828.]

Die ersten Übungen seines Zeichnertalentes bestanden in dem mit Kreide

Bemalen fast aller Häuser in Cherry-Burn, seinem Geburtsorte. Mit dem

14. Jahre kam er in die Lehre bei einem tüchtigen Graveur in Newcastle:

Ralph Beilby.

Als ein Gelehrter, Dr. Hutton, ein grosses Werk über die Messkunst

herausgab, riet ihm Beilby, statt Kupferplatten Holzschnitte für die

Illustrationen zu wählen. Hutton ging auf diesen Gedanken ein und die

Ausführung der Holzschnitte wurde Bewick anvertraut, der sich seiner

Aufgabe so geschickt entledigte, dass ihn Beilby aufmunterte, seine

gesamten Kräfte dieser vernachlässigten Kunst zu widmen. Nachdem er sich

eine zeitlang in London und in Schottland aufgehalten hatte, kehrte

er nach Newcastle zurück und wurde in dem Geschäft seines Lehrers

Teilhaber. Er bildete nun auch seinen Bruder John für die Kunst aus.

Eine Ausgabe von Gays Fabeln gab den Brüdern Gelegenheit, ihr Talent in

einer höheren Kunstrichtung zu zeigen. Ein Holzschnitt »Der alte Hund«

erhielt im Jahre 1775 die von der Gesellschaft der Kunst ausgesetzte

Prämie für den besten Holzschnitt. Die »Geschichte der Vierfüssler«

erschien 1790; das berühmte Werk »Die Geschichte der englischen Vögel«

folgte 1797. Kühnheit der Zeichnung, Lebendigkeit und Naturtreue

in den Stellungen, Korrektheit und Unterscheidung des Charakters,

der Lebensweise und der Bewegung in allen Figuren sind Vorzüge der

Holzschnitte Bewicks. Der Bruder John starb bereits am 21. Oktober 1795

in seinem 25. Jahre. Er kam seinem Bruder an Talent gleich, lebte aber

nicht lange genug, um einen solchen Ruf wie dieser zu erlangen. Die

Holzschnitte des Thomas Bewick sind zum grossen Teil in einem im Jahre

1870 erschienenen Album vereinigt[57].

[57] THOM. LANDSEER, _Life and letters of W. Bewick_. 2 Bde. London

1870. -- J. G. BELL, _A descriptive and critical Catalogue of

works illustrated by T. and J. Bewick_. -- TH. HUGO, _The Bewick

Collector_, London 1866. Supplement 1868. -- _Bewicks wood cuts,

ed. by Th. Hugo._ London 1870.

Seit Bewicks Zeit hat England eine sehr grosse Zahl tüchtiger

Xylographen aufzuweisen, und es gab eine Zeit, wo die englischen

Holzschneider auch auf dem Kontinent massgebend waren.

[Sidenote: Der Farbendruck. W. Savage.]

[Sidenote: George Baxter.]

Wie England sich in der neueren Xylographie als bahnbrechend zeigte, so

auch in dem FARBENDRUCK. Zuerst ist WILLIAM SAVAGE zu nennen, geboren

zu Houdon in Yorkshire, wo er sich auch mit seinem Bruder James 1790

als Drucker und Buchhändler etablierte. William ging 1797 nach London,

und wurde dort vorzüglicher Drucker und Verfasser der epochemachenden:

_Hints on decorative Printing_ in zwei Teilen (1819-1832). 1840 folgte

sein bekanntes Werk _Dictionary of the Art of Printing_. Übertroffen

wurde er von GEORGE BAXTER, der seine ersten Versuche 1835 machte und

Patent auf den Druck von Bildern mit Ölfarben nahm. Baxter druckte den

Untergrund und die Umrisse mit Stahlplatten, dann die einzelnen Farben

von Holzstöcken, deren Zahl mitunter zwanzig überstieg. Seine besten

Arbeiten finden sich in seinem _Pictorial-Album_, das 1837 bei Chapman

& Hall erschien. In Landschaften ist er nicht übertroffen worden. Von

einem kleinen Blatt »Die Dreieinigkeit« nach Rafael wurden über 700000

Exemplare verkauft.

[Sidenote: Will. Congreve * 1772.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 7 / 47 段