Edw. Cowper, Aug. Applegath, D. Napier, Isaac Adam, R. Hoe & Co. Noch
viele andere könnten genannt werden. NAPIER führte zuerst Greifer ein
und baute Maschinen mit einem sehr grossen Druckcylinder, der sich in
fortwährender Bewegung befand und von welchem nur etwa der dritte Teil
als Druckcylinder benutzt wurde. Bekannt sind die von APPLEGATH & COWPER
im Jahre 1827 für die _Times_-Druckerei erbauten viercylindrischen
Maschinen mit einer Leistungsfähigkeit von 4-5000 Exemplaren[42]. Noch
renommierter wurde jedoch Applegaths Rotationsmaschine mit vertikalen
Satz- und Druckcylindern. Der Satz war auf einem Teil des mittleren
grossen Cylinders angebracht, dessen übriger, grösserer Teil als
Farbentisch zum Verreiben der Farbe diente. Acht vertikale Druckcylinder
von je 40 englischen Zoll Durchmesser waren derart um den Satzcylinder
gruppiert, dass alle bei einmaliger Umdrehung des letzteren mit dem
Satz in Berührung kamen, so dass also acht Bogen einseitig gedruckt
waren. Durch keilförmige Spaltlinien und eben solche Kolumnenstege wurde
fester Anschluss der Typen erzielt, die wie Mauersteine beim Bauen eines
Bogens zusammenhielten. Jeder der Anleger führte alle vier Sekunden
der Maschine einen Bogen zu, während acht Abnehmer die gedruckten
Bogen in Empfang nahmen. Die Hauptschwierigkeit in der Konstruktion
lag in dem Bändersystem, welches die in horizontaler Lage zugeführten
Papierbogen in die für den Druck notwendige vertikale Lage zu bringen
hatte. Die allergeringste Zögerung seitens eines Anlegers machte den
Bogen zu Makulatur. Ein Vorzug der vertikalen Cylinder war, dass der
abgehende Papierstaub nicht auf die Satzform, sondern zur Erde fiel. Die
Maschine lieferte über 7000 Exemplare[43]. Applegath erfand auch eine
solche, um zu gleicher Zeit mit sechs Farben zu drucken. Für sein System
unnachahmlicher Banknoten zahlte ihm die englische Bank 18000 £ Sterl.
Er starb in Dartford im Jahre 1871 in einem Alter von 84 Jahren.
[42] _A description of A. Applegaths & Cowpers horizontal machine and
of Applegaths vertical machine for printing the Times._ London
1851.
[43] Wenn in dem Folgenden von Leistungen der Maschinen ohne eine
Zeitbestimmung gesprochen wird, ist stets damit in einer Stunde
gemeint.
[Sidenote: C. A. Holm.]
Ein Schwede, C. A. HOLM, nahm 1840 in London Patent auf seine,
»Skandinavia-Presse« genannte Tiegeldruckmaschine. Trotz ihres schweren
Ganges und ihrer geringen Leistungsfähigkeit von 5-600 Exemplaren
war sie doch in England sehr verbreitet und beliebt, namentlich zum
Druck illustrierter Werke, die man damals noch nicht in heutiger
Vollkommenheit auf der Cylindermaschine lieferte[44].
[44] In Deutschland arbeitet unseres Wissens nur ein Exemplar in der
Viewegschen Buchdruckerei in Braunschweig.
[Sidenote: Rob. Hoe * 1784, [+] 1833.]
[Sidenote: Hoe & Co.]
Die Wundermaschine Applegaths wurde durch die von Hoe übertroffen,
die 1860 in der _Times_-Offizin Aufstellung fand. ROBERT HOE war der
Begründer der berühmten Anstalt für die Fabrikation aller Arten von
typographischen Maschinen in New-York. Er war als Sohn eines Pächters
in Leicestershire in England geboren und lernte als Zimmermann. Im
Jahre 1803 ging er nach Amerika und heiratete dort, erst zwanzig Jahre
alt. Zwei seiner Schwäger, MATTHIAS und PETER SMITH, letzterer Erfinder
einer renommierten Handpresse, hatten ein Geschäft errichtet, welches
nach dem Tode der Inhaber von Hoe 1823 übernommen wurde. Es war damals
noch klein, hatte aber, als Robert Hoe 1832 aus demselben trat, einen
bedeutenden Umfang erreicht. Sein ältester Sohn RICHARD M. HOE und
dessen Vetter MATTHIAS SMITH, welche seit 1823 Teilhaber des Geschäfts
gewesen waren, übernahmen es nun ganz für sich. Smith, ein Mann von
ungewöhnlichen Fähigkeiten, starb 1842 und ROBERT HOE JUN. und PETER
SMITH HOE nahmen seine Stelle ein.
[Sidenote: Die Blitzpresse.]
Im Jahre 1846 wurde die epochemachende Maschine mit rotierendem
Cylinder: _The type revolving printing_ oder _Lightning Press_
(Blitzmaschine) gebaut. Die Schriftform ist auf einem grossen
horizontalen Cylinder angebracht, um den sich 4-10 Druckcylinder
bewegen, deren Anordnung je nach der Zahl derselben sich richtet. Bei
der zehnfachen Maschine, wie sie in den Offizinen der _Times_ und der
_Daily News_ arbeiteten, sassen die Anleger vier Etagen über einander.
Die Bänderleitung war weniger kompliziert, als bei den Applegathschen
Maschinen, weil die horizontal eingelegten Bogen in dieser Lage
verblieben. Der grosse Cylinder hatte einen Durchmesser von 4-1/2 Fuss
englisch. Die Länge der Maschine war 35 Fuss, die Breite 12 Fuss und
die Höhe 18 Fuss. Die Leistungsfähigkeit betrug gegen 25000 Exemplare.
Der Anblick in der Offizin der _Daily News_, wo zwei solche Maschinen
gleichzeitig arbeiteten, war wahrhaft sinnverwirrend, wenn die zwanzig
grossen Bogen auf einmal in der Luft herumschwirrten[45].
[45] Journ. f. B. 1860, Nr. 30.
[Sidenote: Isaak Adam.]
Der Beifall, welchen diese und andere ihrer Maschinen erhielten, spornte
Hoe & Co. zu noch grösseren Anstrengungen an. Nicht zufrieden mit den
eigenen Erfindungen kauften sie auch noch von ISAAK ADAM aus Boston
dessen mehr als fünfzig Patente für Hand- und Schnellpressen. Dieser war
der älteste Pressenbauer Amerikas, der 1830 die Tiegeldruck-Maschine
gebaut hatte, welche in Amerika noch viele Freunde besitzt. 1861
eröffneten Hoe & Co. auch ein Etablissement in London, namentlich
um dort bequemer die Reparaturen und Verbesserungen an ihren vielen
in England verbreiteten Maschinen ausführen zu können. Ein zweites
Etablissement in New-York wurde 1870 eingerichtet und Hoes beschäftigten
damals bereits 1000 Arbeiter. Ihr Katalog beweist den enormen Umfang
ihrer Fabrikation, unter welchen die Billet- und Nummeriermaschinen für
mehrfarbigen Druck einen hohen Rang einnahmen[46].
[46] R. Hoe & Co., _The typographical Messenger_, 1869.
[Sidenote: Die »Endlosen«.]
Doch auch die Wundermaschinen Hoes gehören der Vergangenheit an und
wurden durch die eigenen späteren Leistungen, zuerst aber durch die
Rotationsmaschine für endloses Papier des Amerikaners Bullock in
Schatten gestellt. Es wäre zwar anzunehmen gewesen, dass man bei
der erreichten Arbeitsschnelligkeit Beruhigung gefasst habe. Jedoch
weit gefehlt, denn man betrachtete das Geleistete nur als eine
Abschlagszahlung. Die mit der Handhabung der grossen Schriftformen
verbundene Gefahr war noch eine bedeutende und es gehörten immer
noch zur Bedienung einer grossen Hoeschen Maschine 18 Personen. Die
Arbeiterbewegungen hatten aber gezeigt, wie wünschenswert es sei,
bei Unternehmungen, wo Viertelstunden entscheiden, von menschlicher
Beihülfe oder Missgeschick der Arbeiter unabhängig zu sein. Die
Aufmerksamkeit richtete sich deshalb auf möglichste Selbstthätigkeit
der Maschine, die schliesslich in der »Endlosen«[47] in Verbindung mit
der Segment-Papierstereotypie das Ideal erreichte. Zwanzig Minuten
nach Fertigstellung der letzten Satzform einer Zeitung sind die
segmentförmigen Stereotypplatten auf dem Satzcylinder befestigt. Mit
einer Schnelligkeit, welche die Lieferung von 200 fertigen Nummern
in der Minute ermöglicht, wird das endlose Papier von der Rolle
abgewickelt, erst durch die Feuchtwalzen, dann zwischen die Satz- und
Druckcylinder geführt, durch den Schneideapparat von der Rolle in
einzelnen Bogen abgetrennt, dem Falzapparat übergeben und zum Versenden
gefalzt; thatsächlich ohne eine weitere menschliche Beihülfe als die der
Burschen, welche die zum Versand fertigen Haufen wegzuschaffen haben.
[47] Diese Bezeichnung wurde halb im Scherz von den »Annalen
der Typographie« gebraucht und dann von Anderen acceptiert.
»Rotationsmaschine« ohne nähere Bezeichnung deckt den Begriff der
»Endlosen« nicht genau.
Bedenkt man nun, dass eine Endlose, wie sie in der _Times_-Offizin
gebaut wird, in einer Stunde eine Papierlänge von zwei deutschen Meilen
auf zwei Seiten druckt, faktisch also 4 Meilen Gedrucktes in der Stunde
liefert, man demnach mit zwei solchen Maschinen und einem doppelten
Exemplare von Stereotypen in wenigen Stunden 100000 Exemplare von einer
grossen Zeitung beschaffen kann, so sollte man meinen, ein _non plus
ultra_ erreicht zu haben; doch selbst diese Schnelligkeit ist bereits
übertroffen worden.
[Sidenote: Ursprünge der Endlosen.]
[Sidenote: Rowland Hill * 3. Dezbr. 1795, [+] 27. Aug. 1879.]
Wer zuerst eine mehr als allgemeine Idee der Endlosen gefasst hat,
ist schwer zu sagen. Den Gedanken deutet schon der Erfinder der
Schnellpresse selbst an. In England hat man früher die Priorität der
Erfindung für die Firma NELSON & SONS in Edinburgh in Anspruch genommen,
ein Modell ihrer projektierten Maschine befand sich auf der Londoner
ersten Weltausstellung 1851. Auf der Caxton-Ausstellung 1877 waren
jedoch Überreste eines Modells zu sehen, welches der berühmte englische
General-Postmeister Sir ROWLAND HILL 1835 hatte anfertigen lassen. Seine
Maschine war darauf eingerichtet, dass keilförmige Typen oder gebogene
Clichés auf einem Cylinder angebracht wurden und dass ein endloser
Bogen zwischen den Schrift- und den Druckcylinder geführt wurde, wie
bei den jetzigen Rotationsmaschinen. Die Maschine ward patentiert, in
_Chancery-Lane_ aufgestellt und von kompetenten Richtern sehr günstig
beurteilt. Die Regierung gestattete jedoch nicht den Druck des damals
noch bestehenden Stempels bei dem Durchgang des Bogens mit vorzunehmen,
und die Sache unterblieb; ob allein aus diesem Grunde, wird wohl jetzt
schwer zu entscheiden sein. Was die endlosen Pressen Auers betrifft,
so verhielten sie sich zu den jetzigen wie chinesischer Tafeldruck zur
Typographie Gutenbergs (vgl. Kap. XIV). Die Amerikaner behaupten, dass
schon um das Jahr 1840 J. B. WILKINSON eine Endlose erfunden habe.
[Sidenote: Will. Bullock * 1813, [+] 1867.]
Auch wenn dies nicht wäre, gebührt jedenfalls doch einem Amerikaner
WILLIAM BULLOCK die Ehre, dem Gedanken zuerst eine praktische Lösung
gegeben zu haben.
Derselbe war zu Greenville geboren. In Philadelphia lernte er als
Eisengiesser und Maschinenbauer. 1849 gründete er dort eine Zeitung und
baute 1853 für den eigenen Bedarf eine Holzpresse mit einem mechanischen
Zubringer des Papiers. Schrittweise wurde er nun zu seiner Erfindung
geführt, auf welche er am 14. April 1863 Patent erhielt. Seine Maschine
ist in Amerika sehr geschätzt, hat aber in England keinen besonderen
Beifall gefunden und ist auf dem Kontinent gar nicht eingeführt. Er
verunglückte bei Prüfung einer seiner Maschinen.
[Sidenote: _Times_-Presse.]
Die eigentliche Aera der Endlosen datiert von der Erbauung der
»Walter-Maschine«. Es war eine Wiederholung der Scene von 1814.
Bereits lange zirkulierten mysteriöse Gerüchte von einer neuen
Wundermaschine, die in der _Times_-Offizin gebaut werde. Aber es
gelang niemand, durch den dichten Schleier zu dringen, mit welchem die
Vorbereitungen bedeckt waren. Nicht einmal die ältesten Maschinenmeister
oder die Vertrauensmänner im Geschäft bekamen Erlaubnis, den
streng verschlossenen Raum zu betreten, in welchem das neue Wunder
zusammengesetzt wurde, bis der Tag anbrach, an welchem es seine Pflicht
zum erstenmal erfüllte. Der Constructeur war der erste Ingenieur der
Offizin J. C. MACDONALD, im Verein mit J. CALVERLEY. Die Presse erhielt,
dem Besitzer zu Ehren, den Namen »Walter-Presse«[48].
[48] Eine Reihe von Artikeln, welche die englischen und amerikanischen
Endlosen beschreiben und abbilden, sind separat erschienen
als: J. F. WILSON, _Typographic Printing Machine and Machine
Printing_. London 1871.
[Sidenote: Prinzip der »Endlosen«.]
Wenn auch die Lage der Cylinder und die Reihenfolge der Funktionen
bei den verschiedenen Systemen eine verschiedene ist, so bleibt doch
das Prinzip dasselbe. Das Papier wird von der Fabrik auf eine Rolle
gewickelt geliefert; die Zapfen der Rolle drehen sich leicht in den
Lagern, in welche sie eingelegt werden, so dass das Papier, wenn einmal
den Cylindern zugeführt, durch den Zug der sich drehenden Cylinder von
der Rolle abgewickelt wird. Der Streifen passiert (wenn das Papier
nicht durch eine besondere Vorrichtung im voraus gefeuchtet wurde)
einen Feuchtapparat, wird erst auf der einen Seite gedruckt und dann
durch eine S-förmige Bewegung auf den Widerdruckscylinder geführt.
Während des ferneren Passierens des Papiers zwischen den Schneidewalzen
hindurch wird es derartig perforiert, dass die Löcher sich dicht an
einander reihen, so dass das Stück, welches einen Bogen bildet, durch
den Ruck, welchen Leitbänder, die mit ungleicher Schnelligkeit sich
bewegen, hervorbringen, von der Rolle abgetrennt wird. Der fächerartige
Selbstausleger legt nun die Bogen entweder einzeln oder mehrere zusammen
auf einen Haufen, oder sie werden, wenn eine Falzmaschine, wie es
gewöhnlich der Fall ist, zugleich mit der Druckmaschine verbunden ist,
dieser zugeführt und fallen, wie Stroh aus der Dreschmaschine, fertig
zum Versenden in einen Behälter. Dabei nimmt eine solche Maschine sehr
wenig Raum ein; eine Walter-Maschine erfordert 14 engl. Fuss Länge, 5
Fuss Breite.
[Sidenote: Segmentförmige Clichés.]
Selbstverständlich gehören zu dieser Maschine segmentförmige Clichés.
Boden und Decke des hierzu erforderlichen Giessinstrumentes liegen
wie in den für flache Stereotypen bestimmten, parallel, jedoch nicht
in der Ebene, sondern in einer Bogenform. Die biegsamen Papiermatern
schmiegen sich an den Boden des gerundeten Giessinstrumentes an, der
Deckel wird zugemacht und die Platte in üblicher Weise gegossen, voll,
oder, wenn der Deckel des Giessinstrumentes darauf eingerichtet ist, nur
auf Rippen ruhend. Um den nötigen Druck beim Eingiessen des flüssigen
Schriftmetalls auszuüben, ist ein starker Anguss notwendig, dessen
Beseitigung durch eine Kreissäge jedoch nur Sache eines Augenblicks
ist. Die Justierung des Clichés geschieht ebenfalls in einer Minute
oder weniger durch eine Hobelmaschine und die Platte ist zum Einsetzen
in die schwalbenschwanzförmigen Halter des Schriftcylinders fertig. Ein
Nachteil bei der Papier-Stereotypie ist, dass die Typen beim Trocknen
der Matern heiss werden und zusammenbacken. RYLES & SON in Bradford
haben nun eine Methode erfunden, die Mater, welche im feuchten Zustande
von der Schrift abgehoben wird, in einem besonders konstruirten Rahmen
festzuhalten und für sich ohne die Schrift zu trocknen.
[Sidenote: Verschiedene »Endlose«.]
Der Walterpresse folgte die »Victoriapresse«[49] von DUNCAN & WILSON in
Liverpool. Diese, namentlich in der Provinz beliebte Maschine war die
erste, die mit Falzapparat arbeitete; dann kam die »_Prestonian_« der
Herren BOND & FORSTER, welche sowohl für Platten- als für Schriftdruck
eingerichtet ist; die »_Northumbrian_« von DONNISON & SON in Newcastle
u. T.; die »_Whitefriars_« des JOS. PARDOE, gebaut von A. H. PAYNE, die
sowohl für Papier in Bogen als für endloses sich benutzen lässt und
namentlich für illustrierte Blätter bestimmt ist.
[49] Ann. d. Typ. 1. Bd. Nr. 32; V. Bd. Nr. 235.
In Amerika folgten HOE & CO. und überboten an Leistungsfähigkeit ihrer
Maschinen die Engländer. Die Fabrikate von ANDR. CAMPBELL sind neueren
Datums und noch nicht recht in die Praxis gedrungen.
»Man möchte glauben, dass die äusserste Grenze erreicht sei, wenn die
Erfahrung nicht den Menschen belehrte, nie das Wagnis zu unternehmen,
der Vervollkommnung eines Menschenwerkes und den unerforschlichen
Absichten der Vorsehung eine Grenze im voraus zu bestimmen«, so schrieb
Ambr. Firmin-Didot, als er 1851 die Leistungen der Applegathschen
_Times_-Maschine angesehen hatte. Wie sehr er Recht gehabt, zeigen die
enormen Leistungen in der Druckerkunst, die wir seit jener Zeit erlebt
haben. Jedoch trotz diesen, wer würde es heute wagen, zu sagen: »Nun ist
die Grenze wirklich erreicht«.
[Sidenote: Endlose für Illustrationsdruck.]
Die Verwendung der Endlosen für Illustrationsdruck gelang bis jetzt
in England nicht so gut wie in Deutschland. Die von THOMAS MIDDLETON
& CO. 1874 für die Offizin der _Illustrated London News_ gebaute, und
dem Gründer des Blattes zu Ehren genannte »Ingram-Maschine« wird zum
Druck eines kleinen Blattes _The Penny Paper_ benutzt. Die Konstruktion
der Cylinder ist eine eigentümliche. Der vordere, für die Bilderform
bestimmte hat einen grossen Umfang und nimmt drei Exemplare der
Platten auf, man hat damit erzielen wollen, dass die Clichés nur wenig
gebogen werden, damit nicht Verzerrungen in den Bildern entstehen. Der
kleinere _Cylinder_ für die Schriftform ist nur mit zwei Exemplaren
des Textes belegt, infolge dessen muss sich dieser Cylinder mit ein
Drittel grösserer Schnelligkeit bewegen, als der grosse. Diese Maschine
lieferte 7000 Exemplare und ist, da die Zurichtung von fünf Formen
selbstverständlich viel Zeit kostet, nur bei sehr grossen Auflagen
zweckentsprechend.
Für FARBENDRUCK bauten CONISBEE & SON in London eine Endlose, die
dreifarbigen Druck in 3000 Exemplaren liefert, ebenso D. F. POWELL. In
Chicago fabrizierten SUITTERLIN CLAUSSEN & CO., in Philadelphia T. O.
FERREE Vielfarbemaschinen[50].
[50] FR. NOBLE, _The principles and practice of colour printing_.
London 1881.
[Sidenote: Die Tretpresse.]
Wie die Extreme sich so oft berühren, so geschah es auch in dem
Druckpressenbau, denn neben den ganz grossen Zeitungsmaschinen waren es
namentlich die ganz kleinen, welche durch Treten in Bewegung gesetzt
werden können und nur einen Arbeiter, in der Regel einen Burschen, zur
Bedienung verlangen, welche die Aufmerksamkeit der Maschinenbauer in
Anspruch nahmen.
Es war ganz natürlich, dass man besonders in den Ländern, wo der
Spruch »Zeit ist Geld« seine volle Gültigkeit hatte, und wo die Zahl
der kleineren Accidenzarbeiten sich ins Kolossale steigerte und
viele Druckereien sich ausnahmslos nur mit solchen »_Job_-Arbeiten«
beschäftigten -- also in Amerika und England --, an diese kleinen
Maschinen dachte. Man hatte nicht, wie in Deutschland, Zeit abzuwarten,
bis ein Drucker an der Handpresse mit seinen langwierigen Vorbereitungen
fertig war, um hundert Visitenkarten zu drucken, auch nicht Lust,
deshalb eine 5000 Mark oder mehr kostende Maschine, deren Karren einen
weiten Weg hin und zurück zu machen hatte, in Bewegung zu setzen. So
entstand in England und Amerika eine Legion solcher Tretpressen unter
verführerischen Namen, als: _Universal_, _Nonpareille_, _Minerva_,
_Non plus ultra_, _Franklin_, _Excelsior_, _Progress_, _Lilliput_,
_Favorit_, _Star_ etc. etc. Die Bahn hatten zwei Deutsche, DEGENER &
WEILER, in New-York mit ihrer _Liberty-Press_ gebrochen. Die auf dem
Kontinent verbreitetsten Tretpressen dürften jetzt neben den Degener &
Weilerschen die »Gordon-Pressen« sein. Trotz einiger, diesen kleinen
Maschinen anhaftenden Mängel haben sie doch in zweckmässigster Weise
eine bedeutende Lücke im Druckgewerbe ausgefüllt. Ein Kabinettstück
unter den kleinsten Maschinen ist MAUSEL BAYLYS Kombinationspresse.
Der Umstand, dass diese kleinen Pressen, welche ganz die Handpressen
verdrängt haben, zum Nachteil des geregelten Druckgeschäfts in die Hände
der sogenannten Trittmüller -- kleine Papierhändler, Buchbinder und
andere Nichtbuchdrucker -- gefallen sind, hat sie in einen unverdienten
üblen Ruf gebracht. Das Prinzip der Endlosen ist in geistreicher Weise
durch Tiegeldruck auf diese kleinen Maschinen in der _Kidder-Press_ mit
feststehendem Tiegel und hin- und hergehender Schriftform zur Anwendung
gebracht.
Die beim Druck von Wertpapieren so notwendigen Numeriermaschinen wurden
von BODEL so konstruiert, dass sie die Nummern erhaben pressen und von
beiden Seiten verschiedenartig färben.
[Sidenote: Ausleger und Anleger.]
Eine wesentliche Verbesserung bei den gewöhnlichen Schnellpressen waren
die rechenförmigen MECHANISCHEN AUSLEGER, die mit ihren, sich zwischen
den Leitbändern auf- und niederbewegenden Rechen die Bogen von den
Leitbändern wegnehmen und auf den Auslegetisch niederdrücken. Diese
Verbesserung hat allgemeinste Verbreitung gefunden, was dagegen weniger
mit den MECHANISCHEN ANLEGERN der Fall ist. Die Schnelligkeit der Hand
des Anlegenden hat eine Grenze, die sich nicht überschreiten lässt. Man
suchte deshalb nach dem Mittel, die Hand entbehrlich zu machen, und kam
auf den Gedanken, durch luftleer gemachte, in schwingender Bewegung sich
befindende Saugröhren einen Bogen von dem Haufen ansaugen zu lassen,
den man dann, wenn die Röhren bei ihrer Bewegung sich in der richtigen
Lage über dem Anlegetisch befinden, durch Einführung von Luft zum
Niederfallen bringt. Um zu verhindern, dass die Saugröhren zu gleicher
Zeit zwei an einander anklebende Bogen von dem Haufen aufheben, wird
durch einen zweiten Apparat Luft zwischen den obersten und den darauf
folgenden Bogen eingelassen. Der erste Erfinder war J. F. ASHLEY in
New-York.
* * * * *
[Sidenote: Satiniermaschine.]
Bei jedem Maschinenpapier ist die Seite, welche mit dem Drahtgewebe, auf
welches der Lumpenbrei ausfliesst, in Berührung gewesen, rauher, als die
obere, was schon bei jeder Druckarbeit eine Unannehmlichkeit war. Noch
nachteiliger wirkten jedoch die Unebenheiten und Unreinlichkeiten im
Papier auf die feineren Schriften, namentlich aber auf die Holzschnitte.
Um nun dem Papier eine vollkommen glatte Oberfläche zu geben, kam man
frühzeitig auf den Gedanken, nach dem Feuchten, aber vor dem Druck,
jeden Bogen einzeln zwischen Zinkplatten zu legen und diese dann, 10-20
übereinandergelegt, unter starkem Druck zwischen zwei Hartgusswalzen
durchzudrehen. Diese Manipulation mit der SATINIERMASCHINE war
langwierig und teuer, namentlich weil die Zinkplatten (Satinierbleche)
sich leicht abnutzten und Nachlässigkeit der Arbeiter leicht das Papier
verdarb. Die Versuche jedoch, die Bogen einzeln zwischen die sich
drehenden Cylinder zu führen, gelangen erst in letzter Zeit (vgl.
Kap. X).
Um nach dem Druck ein stärkeres Glätten als durch die übliche
Glättpresse möglich war, zugleich um ein schnelles Trocknen der feuchten
Bogen zu erzielen, bauten FURNIVAL & CO. in Manchester nach GILLS Patent
eine Presse, die den Bogen zwischen zwei, mittels Dampfes erhitzte
Stahlcylinder führt. Die Gefahr, welche durch das Abschmutzen der frisch
gedruckten Bogen auf die Walzen droht, wird durch einen vorzüglichen
Reinigungsapparat beseitigt. Die Ein- und Ausfuhr der Bogen geschieht
auf endlosen Bändern.
[Sidenote: Das heisse Glätten.]
Das heisse Glätten des Papieres soll vor neunzig Jahren durch THOMAS
TURNBULL erfunden sein, der an einer Presse beschäftigt war, in welcher
Tuch durch heisse Cylinder gepresst wurde. Als nach dem Tode des
Prinzipals die Witwe ein Zirkular an die Kundschaft druckte, missfiel
die Rauheit des Druckes Turnbull und er glättete die Bogen, indem er
sie zwischen glatte Pappen legte und durch die Tuchwalzen gehen liess.
Die Resultate waren so befriedigend, dass er in London ein Geschäft
eröffnete, um für die Buchdruckereien die Arbeiten zu glätten. Die
Frage, ob das heisse Glätten im ganzen von Vorteil ist, kann noch nicht
als entschieden betrachtet werden; ein Nachteil ist jedenfalls, dass
jede kleinste Unreinlichkeit in dem Papier durch den starken Druck
breitgequetscht und das Papier leicht verunstaltet wird.
Eine Trocken- und Glättpresse von J. W. JONES in Harrisburg
(Pennsylvanien) trocknet, glättet und falzt von der Schnellpresse weg
6000 Bogen in der Stunde.
Die gewöhnliche Glättpresse erhielt durch BOOMER & BORCHERT in London
eine wesentliche Verbesserung. Ihre Presse ist sehr leicht zu handhaben
und soll an Wirkung noch die hydraulische Presse übertreffen.
[Sidenote: Feuchtapparate.]
Das Feuchten des Papiers mit der Hand war bei den grossen Zeitungsbogen
und den grossen Auflagen fast eine Unmöglichkeit geworden. Grössere
Druckereien schafften deshalb MECHANISCHE FEUCHTAPPARATE (Hoe & Co.,
Harrild & Sons) an, die das Papier entweder zwischen nassen, mit Filz
überzogenen Walzen hindurchgehen liessen oder durch einen Sprühregen
benetzten. Für feinere Arbeiten bleibt das Handfeuchten vorzuziehen,
da man es, je nach der Beschaffenheit des Papiers und den sonstigen
Verhältnissen, mehr in seiner Macht behält, das Feuchten rationeller zu
betreiben. In Amerika wird sehr viel auf ungefeuchtetes Papier gedruckt,
was für diejenigen, welche einen Spiegelglanz des Papieres lieben, als
ein Vorteil erscheinen mag.
[Sidenote: Die Bronciermaschine.]
Bei einer grossen Anzahl von feinen Accidenzarbeiten kommt bekanntlich
das Broncieren in Anwendung. BRONCIERMASCHINEN erleichtern diese
Arbeit nicht allein, sondern sie verhindern auch das der Gesundheit so
nachteilige, mitunter sogar tödlich wirkende Einatmen des Broncestaubes.
Das Prinzip ist, die ganze Arbeit in einem verschlossenen Behälter
durch ein System von Bürsten und Wischern vollziehen zu lassen, so dass
die Arbeit vollständig fertig aus dem Behälter herauskommt[51]. Eine
ähnliche Maschine von E. A. CLOWES & JOHN BALEY verrichtet das der
Gesundheit ebenfalls sehr nachteilige Einbürsten der zu galvanisierenden
Matern mit Graphitstaub.
[51] Tapley. Leming Ray & Lynede in Manchester. L. Poirier & G. Legrand
in Paris. A. Fichtner (für Haufler & Schmuterer) in Wien.
[Sidenote: Die Falzmaschine.]