Einfärbung. Den Gedanken, die Ballen durch Walzen zu ersetzen,
hatte schon früher der französische Holzschneider PAPILLON gehabt.
Lord STANHOPE liess viele Versuche machen, um einen zweckmässigeren
Überzug derselben fertig zu bringen, gelangte aber nicht zum Ziel.
Ein geschickter Drucker in Weybridge, FORSTER, kam, angeregt durch
die Verwendung der Leimmasse in einer Töpferei in Staffordshire, auf
den Gedanken, eine Masse von Leim und Syrup auf grobes Segeltuch zu
giessen und, nach der Erkaltung, die Ballen damit zu überziehen. Erst
später wurden hölzerne Walzengestelle mit Masse umgossen. Hiermit war
ein wesentlicher Gewinn an Arbeit und Zeit erreicht, der namentlich der
Schnellpresse zugutekommen sollte.
[Sidenote: Fortwährende Verbesserungen.]
Als einmal das Feld für den Pressenbau eröffnet war, entstanden eine
Menge von Pressen, von welchen jede besondere Vorzüge haben sollte.
Neben manchem Unwesentlichen kamen auch wirkliche Verbesserungen vor.
Doch wie die hölzerne Presse schon jetzt ein Gegenstand ist, den
mancher tüchtige Buchdrucker der Gegenwart nur von Hörensagen kennt,
so wird es einst mit der eisernen Handpresse gehen, die jetzt schon
fast der Vergangenheit angehört, so dass manche grosse Druckerei nur
noch zum Abziehen der Korrekturen eine invalide Presse, von einem
Drucker-Invaliden bedient, besitzt.
[Sidenote: J. Cogger.]
Die COGGERSCHE Presse entwickelte eine noch grössere Kraft, als die
Stanhopesche. Säulen von Schmiedeeisen bildeten die Presswände. Ein
querarmiger zusammengesetzter Hebel gab die Kraft, die dicht unter
dem Oberbalken in ausgedehnter Weise wirkte. Durch Federn wurde das
Zurückgehen des Tiegels bewerkstelligt[29].
[29] Beschrieben und abgebildet Journ. f. B. 1834, S. 62.
[Sidenote: J. Clymer.]
Einen hohen Ruf durch die ganze Welt erwarb sich die »Columbia-Presse«
JOHN CLYMERS. Dieser stammte aus einer Schweizerfamilie, die nach
Amerika ausgewandert war. Im Alter von sechzehn Jahren erfand der junge
Clymer bereits einen neuen Pflug mit so besonderen Vorzügen, dass er die
Aufmerksamkeit der Männer der Wissenschaft auf sich zog. Der Zustand
der Druckerpresse erweckte seine Erfinderlust und bereits im Jahre
1797 begann er seine Verbesserungen an der Holzpresse, später an der
eisernen, bis er seine berühmte »Columbia-Presse« zustande brachte, die
er 1818 in England einführte, wo sie allgemeine Verbreitung fand. In
den dreissiger Jahren beherrschte sie fast alle Druckoffizinen, auch
die des Kontinents. In dieser Presse wurde durch eine Kombination von
Hebeln bei grosser Gleichmässigkeit des Druckes eine ausserordentliche
Kraft geübt, und der Abdruck erschien, bei wesentlicher Schonung der
Schrift, in grösster Schärfe. Das Zurückgehen des Tiegels geschah durch
ein, auf einem langen Hebel angebrachtes, schweres Gewicht, meist in der
Gestalt des auffliegenden amerikanischen Adlers. Die Presse hatte etwas
Imposantes und konnte für sehr grosses Format gebaut werden[30].
[30] Über die von J. Clymer erfundene Patent-Columbiapresse.
Braunschweig 1828. -- Journ. f. B. 1834, S. 95.
[Sidenote: W. Hagar.]
Eine weite Verbreitung fanden ebenso diejenigen Pressen, welche bei
geringer Kraftanwendung und bei elastischem Zug durch einen Kniehebel
einen starken Druck ausübten. Der Tiegel wurde durch Spiralfedern
getragen, das Einstellen für die verschiedenen Schrifthöhen geschah
sehr leicht. Diese Pressen wurden zuerst von dem Amerikaner HAGAR
gebaut[31]. Das Prinzip des Kniehebels war bereits, jedoch nicht
in glücklicher Weise, in der sehr komplizierten »Strebepresse« von
HAWKIN[32] angewendet und wurde später bei mehreren englischen Pressen
benutzt. Sehr verbreitet war die »Albionpresse« von HOPKINSON[33] und
die »Imperialpresse« von J. COPE[34].
[31] Journ. f. B. 1836, Nr. 42.
[32] Journ. f. B. 1835, Nr. 33.
[33] Journ. f. B. 1838, Nr. 33.
[34] Journ. f. B. 1835, Nr. 81.
[Sidenote: J. Ruthven.]
[Sidenote: D. Treadwell.]
[Sidenote: J. Saxton.]
Alle die Abarten der Handpresse, die keine grosse Rolle gespielt haben,
hier zu beschreiben, wäre eine unfruchtbare Arbeit; es seien nur noch
einige, die sich durch Originelles in der Konstruktion auszeichneten,
kurz erwähnt. Bei der von JOHN RUTHVEN in Edinburgh 1813 erbauten
»Schottischen Presse« blieb das Fundament, welches mit Deckel, Rähmchen
und Punkturen versehen ist, unbeweglich, während der Tiegel in Schienen
hin und her ging und das Fundament durch einen unter demselben
angebrachten Mechanismus kräftig angezogen wurde[35]. Sehr originell
war die Konstruktion der 1820 in England patentierten »Tretpresse«
des Amerikaners DANIEL TREADWELL. Das Fundament war, wie bei der
Ruthven-Presse, fest. Sie arbeitete leicht, nahm aber einen grossen Raum
ein und sah sehr hässlich aus, fand auch nicht Eingang[36]. Nicht besser
ging es der »Hydrostatischen Presse« JOS. SAXTONS, in welcher der Tiegel
an das Fundament gedrückt wurde durch die Kraft des Wassers, das sich in
einem hohlen, elastischen, in der Art der Ziehharmonika geformten und
mit dem Tiegel zusammenhängenden Behälter befand, während beim Abfluss
des Wassers aus demselben der Tiegel sich wieder hob.
[35] Journ. f. B. 1835, Nr. 4.
[36] J. f. B. 1834, Nr. 62.
[Sidenote: Die Auftragmaschine.]
Der Gedanke, die Farbe auf mechanischem Wege aufzutragen, lag ziemlich
nahe und ist auch verschiedentlich, jedoch nie in ganz befriedigender
Weise, bei der Handpresse zur Ausführung gebracht. Die ersten Versuche
geschahen 1820 durch THOMAS PARKIN. Sein Apparat nahm jedoch einen sehr
grossen Platz ein und die Drucker leisteten gegen denselben passiven
Widerstand, damit nicht der eine der bisher nötigen zwei Drucker ausser
Brot kam.
In Amerika erfand 1833 FAIRLAMB in Boston, der sich mit einem erfahrenen
Buchdrucker und Mechaniker Namens GILPIN vereinigte, einen solchen
Apparat, von welchem viele hunderte gebaut wurden. Das Farbewerk
stand mit der Kurbel in Verbindung und die Walzen gingen zweimal über
die Form weg. Nach der Verbreitung der Schnellpresse verlor jedoch
diese Erfindung fast ihren ganzen Wert, da Auflagen, wo Schnelligkeit
notwendig war, nicht mehr auf der Handpresse gedruckt wurden.
[Sidenote: Bramahs Glätte- und Prägpresse.]
Dem Bedürfnis nach einer guten Glätte half namentlich BRAMAHS
»Hydraulische Presse« ab, die im Vergleich mit der Schraubenpresse den
grossen Vorteil hat, dass die Reibung nicht mit der Zunahme des Druckes
wächst, der in dem letzten Augenblick eine enorme Steigerung erreichen
kann.
Weitere Verdienste erwarb sich Bramah durch seine Präg- und
Numeriermaschinen, von welchen eine der frühesten 1809 bei dem Druck
der Noten der englischen Bank Verwendung fand. Vor dieser Zeit mussten
die Nummern und das Datum mit der Hand eingeschrieben werden. Es
dauerte nicht lange, so verwendete die englische Bank 40 Bramahsche
Maschinen[37].
[37] Journ. f. B. 1835, Nr. 55; 1836, Nr. 122.
* * * * *
[Sidenote: Die Schnellpresse.]
So wichtig nun auch alle die erwähnten Verbesserungen und Erfindungen
waren, so verschwanden sie doch gegen die grosse, am 28. November 1814
der Welt als vollzogen angekündigte That, »dass die _Times_ auf einer
durch Dampf betriebenen, ohne Beihülfe von Menschenhänden arbeitenden
Schnellpresse gedruckt sei«.
[Sidenote: Fr. König.]
Mit besonderem Stolz blickt Deutschland auf dieses Ereignis, denn der
Name des deutschen Erfinders FRIEDRICH KÖNIG wird neben dem Gutenbergs
auf ewige Zeit mit Anerkennung und Dankbarkeit genannt werden. Ganz
ohne Bitterkeit bleibt die Freude hierüber allerdings nicht, denn die
Verhältnisse lagen damals für Deutschland so schlimm, dass es, wie König
selbst sagt, nicht möglich gewesen wäre, ohne die Beihülfe Englands die
Erfindung für das praktische Leben nutzbar zu machen. Für uns erwächst
hieraus die Notwendigkeit, die Anfänge der Geschichte der deutschen
Erfindung der Schnellpresse in Verbindung mit der typographischen
Geschichte Englands zu behandeln[38].
[38] KÖNIG & BAUER, Die ersten Druckmaschinen erbaut in London bis
zu dem Jahre 1818. Mit Abbildungen. Leipzig 1851. -- S. SMILES,
_Frederick König, Inventor of the steam printing machine_.
MacMillans Magazine, Dzbr. 1869. -- TH. GOEBEL, Fr. König und
die Erfindung der Schnellpresse. Braunschweig 1875. -- Königs
Jugendgeschichte und die spätere Geschichte des Etablissements
König & Bauer in Kloster Oberzell ist in Kap. X behandelt.
[Sidenote: Th. Bensley.]
[Sidenote: Andr. Fr. Bauer.]
[Sidenote: John Walter.]
Nachdem Königs Hoffnungen in Deutschland, Österreich und Russland
vollständig gescheitert waren, kam er 1806 nach England und fand in
dem folgenden Jahre in dem tüchtigen Buchdrucker THOMAS BENSLEY einen
Mann, der die nötigen Geldmittel zur Erlangung eines Patentes und zur
gemeinschaftlichen Ausbeutung desselben herzugeben bereit war. Der neue
Gutenberg war hierdurch, wie der Urvater der Typographie, ebenfalls
an einen klug-berechnenden und eigensüchtigen Fust gefesselt, hatte
jedoch das Glück, in seinem Peter Schöffer -- ANDREAS FRIEDRICH BAUER
-- nicht nur einen technisch tüchtigen Mitarbeiter, sondern auch einen
treuen Freund für das Leben zu besitzen, und in seinem Conrad Humery --
JOHN WALTER -- nicht nur den wohlwollenden und vermögenden Beschützer,
sondern den mächtigen direkten Förderer seiner Pläne zu finden.
[Sidenote: R. Taylor und G. Woodfall.]
[Sidenote: Das erste Patent.]
Zu König und Bensley traten noch RICHARD TAYLOR und G. WOODFALL,
bekannte Buchdrucker und rechtliche Männer. Es wurden nach und nach vier
Patente für verschiedene Arten von Druckmaschinen in England genommen.
Das erste Patent: »Für eine Methode mittels Maschinen zu drucken«,
wurde Fr. König am 10. März 1810 erteilt; die Spezifikation ist am 27.
September eingetragen. Alle Verrichtungen waren auf eine wiederkehrende
Bewegung zurückgeführt, so dass Betrieb durch Dampf möglich war und die
Arbeiter weiter nichts zu thun hatten, als die Bogen auf dem Deckel
anzulegen und nach dem Druck abzunehmen. Deckel und Rähmchen waren
ungefähr wie bei der Handpresse, nur mit dem Unterschied, dass das
Rähmchen am unteren, statt am oberen Ende des Deckels angebracht war.
Beide schlossen und öffneten sich durch einen einfachen Mechanismus.
Die Druckfarbe wurde aus einem Behälter ausgepresst. Die Zerteilung
der Farbe geschah durch rotierende, zugleich in der Längsrichtung
sich bewegende Cylinder, das Auftragen durch Walzen, welche mit
egalisiertem Ballenleder überzogen waren. 1811 im April war diese erste
Tiegeldruck-Schnellpresse fertig und der erste Bogen, der darauf in
der Bensleyschen Druckerei gedruckt wurde, war der Bogen H des _Annual
Register for 1810_ in einer Auflage von 3000 Exemplaren.
[Sidenote: Zweites Patent.]
Das zweite Patent »für weitere Verbesserungen der Methode mit Maschinen
zu drucken« datiert vom 30. Oktober 1811, die Spezifikation vom 29.
April 1812. In diesem Patent wird das Prinzip fast aller folgenden
Schnellpressen ausgesprochen. Es enthält eine ausführliche Beschreibung
und Abbildung der einfachen Cylinder-Druckmaschine, zugleich wird jedoch
erwähnt, dass durch eine Kombination einer grösseren Anzahl derselben
Teile oder Prinzipien die Wirkung verdoppelt und vervierfacht werden
könne und dass überhaupt von einer Form eine grosse Anzahl von Abzügen
in kürzester Zeit zu erhalten sei. Dies alles wurde durch Zeichnungen
erläutert. Das dritte Patent, vom 23. Juli 1813, mit der Spezifikation
vom 22. Juli 1814, bezieht sich »auf additionelle Verbesserungen der
Methode mit Maschinen zu drucken, namentlich was den Farbenapparat, die
endlose Bänderleitung, die Horn- und Segmenträder und die Verbindung des
Druckcylinders mit dem Karren betrifft«.
[Sidenote: Drittes Patent.]
Die nach dem zweiten Patent zuerst gebaute einfache Cylindermaschine
wurde im Dezember 1812 vollendet. Die ersten Leistungen dieser ganz
cylindrischen Presse waren die Bogen G und X von _Clarkson, Life of
W. Penn. Vol._ I. Die Maschine druckte 800 in der Stunde. Als der
Eigentümer der _Times_, J. WALTER, die Leistung gesehen, war er in
wenigen Minuten entschlossen, zwei Doppelmaschinen zu bestellen. Diese
Maschinen mit doppeltem, vorwärts und rückwärts wirkendem Druckcylinder
lieferten in der Stunde 1100 Abdrücke in einer weit besseren Ausführung,
als man bei Zeitungen gewohnt war. Am 29. November 1814 ging die erste
Nummer der _Times_, mit diesen Maschinen gedruckt, aus der Offizin
im _Printinghouse-Square_ hervor. John Walter selbst machte dies dem
Publikum in einem leitenden Artikel bekannt, an dessen Schluss es heisst:
Ȇber die Person des Erfinders haben wir wenig hinzuzusetzen. Sir
Christophe Wrens[39] edelstes Denkmal ist das Gebäude, welches er
errichtete; ebenso ist die beste Lobpreisung, welche wir dem Erfinder
der Druckmaschine darbringen können, diese selbst, deren Macht und
Nützlichkeit wir in schwachen Worten zu schildern versucht haben. Es mag
genügen, zu sagen, dass der Erfinder von Geburt ein Sachse ist, dass er
FRIEDRICH KÖNIG heisst und dass die Erfindung unter der Leitung seines
Freundes und Landsmannes Bauer zur Ausführung gebracht wurde.«
[39] Erbauer der Paulskirche in London.
[Sidenote: Viertes Patent.]
Das vierte Patent Königs »für weitere Verbesserungen an der
Schnellpresse« wurde am 24. Dezember 1814, die Spezifikation am 22.
Juni 1816 registriert. Aus den Grundsätzen derselben gingen die Schön-
und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache Druckmaschine und die
verbesserte Doppelmaschine hervor. Die erste Komplettmaschine wurde im
Februar 1816 in der Druckerei von Bensley & Son aufgestellt und lieferte
stündlich 900-1000 auf beiden Seiten bedruckte Bogen. Die _Literary
Gazette_ war das erste Wochenblatt, welches von 1818 ab dort auf der
Schnellpresse gedruckt wurde. In den Nummern vom 3. und 10. Januar
äusserte sich Bensley selbst auf das günstigste über die Leistungen der
Maschine. Eine verbesserte Doppelmaschine, welche 1500-2000 Exemplare
pro Stunde lieferte, wurde in der _Times_-Offizin aufgestellt und der
Eigentümer sprach sich am 3. Dezember 1824 in günstigster Weise über sie
aus.
Aus den Patent-Akten geht also hervor, dass schon damals alle
Hauptklassen von Maschinen nicht allein von König spezifiziert,
sondern mit Ausnahme der achtfachen auch ausgeführt wurden: die
einfache Maschine mit Tiegeldruck, die einfache Cylindermaschine, die
Doppelmaschine mit abwechselnd stillstehendem Cylinder, die vielfache
Maschine, die Schön- und Widerdruckmaschine, die verbesserte einfache
Cylinderpresse, die verbesserte Doppelmaschine. Zur Ausführung der
achtfachen Maschine wurde König und Bauer die Gelegenheit nicht gegeben.
So lange sie in England verweilten, war die Notwendigkeit einer solchen
noch nicht eingetreten, und als sie das Land verlassen hatten, war
es natürlich, dass John Walter lieber mit den dortigen Mechanikern
verkehrte, so dass die achtfache Maschine mit vertikalen Cylindern,
welche man bis 1860 als ein Wunderwerk in der _Times_-Druckerei
anstaunte, nach Applegaths Konstruktion ausgeführt wurde.
[Sidenote: Umtriebe gegen König.]
Nach diesen praktischen Resultaten und nach den Zeugnissen Walters und
Bensleys wäre wohl zu erwarten gewesen, dass über die Erfindung der
Schnellpresse kein Zweifel mehr obwalten konnte, und dass dem Erfinder
auch der volle materielle Lohn geworden wäre. Das war jedoch nicht der
Fall. Th. Bensley zeigte sich als ein egoistischer Teilhaber, der in der
Sozietät das Übergewicht geltend machte. Ihm war es mehr darum zu thun,
die Erfindung zur Hebung der eigenen Offizin zu benutzen, als darum,
Bestellungen von seinen Konkurrenten zu erzielen. Statt den Vertrieb
zu fördern, erschwerte er denselben und leitete, wie es scheint, die
Unterhandlungen in einer der Sache wenig förderlichen Weise. Selbst die
Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Geschäfte suchte er sowohl Fr.
König als auch dem anderen Teilhaber Taylor zu verkümmern. Ja sogar die
Ehre der Erfindung sollte nicht unangetastet bleiben.
[Sidenote: Will. Nicholson.]
WILLIAM NICHOLSON, ein heller Kopf und redlicher Mann, hatte sich früher
mit der Idee einer Druckmaschine umgetragen und bereits am 29. April
1790 ein Patent genommen »auf eine Maschine oder ein Instrument, um
auf Papier, Leinwand, Kattun, Wollenzeug und andere Stoffe in einer
netteren, wohlfeileren und genaueren Manier zu drucken, als durch die
jetzt gebräuchlichen Instrumente möglich ist«[40]. Seine Zeichnungen
und Erklärungen sind sehr skizzenhaft. Es wird mehr angegeben, was
Nicholson will, als »wie« er es zu machen gedenkt. Nicholson hat seine
Ideen nie ausgeführt; sie waren von ihm selbst längst beiseitegelegt und
vergessen, als König und Bensley aus des Genannten eigenem Munde davon
hörten, als sie ihn in ihrer Patentangelegenheit konsultierten; denn
Nicholson übte die Vermittelung in solchen Geschäften als Erwerb. Bei
dieser Gelegenheit äusserte derselbe, »er habe die Sache vor 17 Jahren
versucht, sie gehe aber nicht«. Auch hat er, selbst als König öffentlich
mit seiner Erfindung auftrat, sich ganz still verhalten.
[40] _Repertory of arts vol. 1_, 1796. -- SAVAGE, _Dictionary of the
art of printing_. 1841.
[Sidenote: E. Cowper.]
Dagegen tauchten andere auf, die es sich mit dem Fortbauen auf den
gemachten Erfahrungen bequem machten. Wäre hierzu nur Nicholsons
geistige Hinterlassenschaft benutzt, so hätten König und Bauer
keine Veranlassung sich zu beschweren gehabt; es wurden aber
ihre Ideen vollständig, z. B. von E. COWPER in seiner Schön- und
Widerdruckmaschine, ausgebeutet. Rechtsgelehrte erklärten, dass ein
Einschreiten seitens Königs von Erfolg sein würde, aber Bensley stimmte
gegen ein solches und die Klage musste demnach unterbleiben. Ja, es
scheint sogar, dass Bensley in Übereinstimmung mit Cowper gehandelt
habe. »Denn letzterer offerierte« -- so, sagt Savage, sei ihm berichtet
worden -- »als einen Akt der Gerechtigkeit und in Betracht der grossen
Kosten von mindestens 16000 Pfd. Sterl., welche für Bensley bei der
Durchführung der Erfindung der Druckmaschine entstanden waren, diesem
einen Anteil an seinem Patent[41], was von Bensley angenommen wurde.«
Die Freundschaft der beiden scheint jedoch nicht von langer Dauer
gewesen zu sein, denn später liess Bensley König ersuchen, gegen Cowper
einzuschreiten, was jetzt jedoch König seinerseits ablehnte. Wie es
Cowper machte, so thaten es auch andere; man nahm von Nicholson und
König, was passte, und fügte einiges Neue hinzu.
[41] Cowpers Maschine ist in _Monthly Magazine_ vom 1. Jan. 1819
beschrieben und abgebildet.
[Sidenote: König geht nach Deutschland.]
Ermüdet von allen diesen Verdriesslichkeiten beschlossen König und Bauer
im Jahre 1817, England zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren,
dem sie fortan mit Ruhm und Erfolg angehören sollten. Das Verlassen
Englands unter den obwaltenden Umständen war selbstverständlich gleich
einem Aufgeben der Patentrechte und der daran geknüpften Aussichten. Die
englische Presse vergass schnell den Namen König. Wenn von der Erfindung
und Verbesserung der Schnellpresse die Rede war, so wurden Nicholson,
Cowper, Applegath und andere genannt; König existierte nicht. Nur die
_Times_ fuhr fort, eine rühmliche Ausnahme zu machen, und stellte noch
am 3. Dezember 1824 König das ehrendste Zeugnis aus. Es dürfte, wenn
auch König keiner Ehrenrettung bedarf, eine Pflicht gegen die deutsche
Erfindung sein, die hauptsächlichsten Stellen daraus wiederzugeben:
[Sidenote: John Walter über König.]
»Bei der ersten Einführung der Druckmaschinen erregte diese Erfindung
grosse Teilnahme, und ihre Originalität wurde nicht bestritten, indem
niemand einen Beweis für die frühere Anwendung derselben Grundsätze
anführen konnte. Schon damals waren wir bemüht, den Ansprüchen des
Erfinders, Herrn König, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, der einige
Jahre später in sein Vaterland Deutschland zurückkehrte, jedoch --
fürchten wir -- ohne den Lohn empfangen zu haben, der seinem Verdienste
für seine wunderbare Erfindung und deren Ausübung in England zukam.« Es
wird nun der ungerechten Versuche von anderer Seite, sich die Erfindung
anzueignen und die Verdienste Königs entweder ganz zu ignorieren oder
auf ein Minimum zu reduzieren, gedacht und dann fortgefahren: »Es ist
ein so seltener Fall, dass ein Ausländer in England eine Erfindung zur
Ausführung bringt; es giebt hier so viele eingeborene Talente in den
mechanischen Künsten, und England steht in dieser Beziehung so hoch;
dass es wohl ausländischem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren lassen
kann.« Dies thut nun das Blatt, indem es die Ansprüche des Herrn Bensley
auf null, die des Herrn Nicholson auf eine fallengelassene Idee und die
der Nachfolger Königs auf das _facile est inventis addere_ zurückführt.
»Wir können zum Schluss nicht umhin, zu bezeugen, dass wir in Herrn
König nicht nur einen Mann von hoher Bildung und feurigem Geiste,
sondern auch von grösster Ehrenhaftigkeit und lauterster Rechtlichkeit
gefunden haben. In dem kritischen und prüfungsreichen Zeitraum, wo seine
Erfindung in unserer Offizin zur Ausführung gebracht wurde, standen wir
in täglichem Verkehr mit ihm, so dass wir volle Kenntnis von seiner Art
und Weise und von seinem Charakter erlangten; die Folge ist gewesen,
dass wir für ihn innige Freundschaft und hohe Achtung für immer hegen.«
Ein Zeugnis, ehrend für König, ehrend für Walter!
* * * * *
[Sidenote: Verbesserer der Schnellpresse.]
Sehen wir von dem gegen König geübten Unrecht ab, so können wir den
englischen Erbauern von Schnellpressen unmöglich die Anerkennung
versagen, diese so wesentlich verbessert zu haben, dass die Leistungen
der ersten Schnellpressen gegen die heutigen Rotationsmaschinen sich
fast eben so verhalten, wie die Leistungen der Handpressen zu denen der
ersten Schnellpressen. Nur diese Fortschritte haben es der englischen
und amerikanischen Journalistik möglich gemacht, ihren hohen Rang zu
erkämpfen und zu behaupten.
[Sidenote: Napier.]
[Sidenote: Applegath & Cowper.]