Bestoss- und Setzmaschine von WESTCOTT. Ein Setzer spielt, wie bei
der Setzmaschine, von der unten die Rede sein wird, sein Manuskript
auf einer Klaviatur ab; durch Berührung einer Tangente rückt die
gewünschte Mater vor die Öffnung des Schriftgiessinstrumentes und die
Buchstaben werden gegossen, geschliffen, bestossen und gesetzt, nicht
aber abgelegt, denn die Schrift wird nach Ausführung des Druckes in die
Giesspfanne geworfen. Diese Maschine arbeitete auf der Ausstellung in
Philadelphia vollkommen korrekt, aber sehr langsam und vermochte nur
2000 Buchstaben in der Stunde zu giessen und zu setzen[14].
[14] Oest. B.-Ztg 1876, Nr. 33.
* * * * *
[Sidenote: Die Setzmaschine.]
Es konnte nicht anders sein, als dass die grosse Errungenschaft der
Druckmaschine die Gedanken der Techniker darauf leiten musste, ob es
nicht möglich sei, die verhältnismässig langsam vorwärtsschreitende
Arbeit des Setzens durch Mechanismus überflüssig zu machen oder
wenigstens zu erleichtern. Einmal ausgesprochen, wird auch ein solcher
Gedanke selten _ad acta_ gelegt, und so ist es, trotz der unüberwindlich
scheinenden Schwierigkeiten, gelungen, die SETZMASCHINE[15], wennauch
nicht in der ausgedehnten Weise wie die Schnellpresse, in das praktische
Leben einzuführen. Wie gross der damit zu erzielende Vorteil sein
wird, lässt sich noch nicht genau übersehen. Fraglich erscheint es
namentlich, ob die Schnelligkeit in der Herstellung der Zeitungen
wesentlich gefördert werden wird. Gerade bei dem Zeitungssatz handelt
es sich um die angestrengteste Ausnutzung der Zeit von dem Augenblicke
ab, wo das letzte Manuskript in die Hände der Druckerei gelangt, und
gerade da wirken viele, gleichzeitig arbeitende, tüchtige und möglichst
selbständige Kräfte sicherer und rascher, als die Setzmaschine. Dass
diese nichtsdestoweniger eine Zukunft haben wird, kann nicht in Abrede
gestellt werden, es liegt aber in der Natur der Sache, dass die
Thätigkeit des denkenden Setzers nicht ohne weiteres ersetzt werden
kann. Die Maschine kann ihm zwar einen Teil der leichteren Arbeit
abnehmen, ihn aber nicht entbehrlich machen. Soll die Setzmaschine für
das Setzen dieselbe Bedeutung erlangen, wie die Schnellpresse für das
Drucken, müssten wir alle typographischen Errungenschaften von vier
Jahrhunderten über Bord werfen, die Typen müssten auf gleich grosse
Körper (Gevierte oder Halbgevierte) gebracht werden und entweder die
Versal- oder die gemeinen Buchstaben wegfallen, dann müsste man das
Recht haben, eine Zeile ohne Rücksicht auf Silbenteilung zu brechen
und selbst das würde nicht ganz genügen, denn jede Auszeichnung wäre
in Wegfall zu bringen. So weit rückwärts wird sich wohl die Phantasie
selbst des grössten Bewunderers der Setzmaschine kaum versteigen. Nehmen
wir diese für jetzt für das, was sie ist, eine höchst beachtenswerte
Hülfsmaschine, nicht aber für einen, das ganze Geschäft umgestaltenden
Apparat, wie die Schnellpresse. Wenn bei der Setzmaschine zumeist
weibliche Kräfte in Anspruch genommen werden, so sind allerdings die
Billigkeit und die Fingerfertigkeit der Frauen mitbestimmend gewesen,
Schuld tragen jedoch auch die Setzer selbst daran durch die feindliche
Haltung, welche sie, wie seinerzeit die Drucker zu der Schnellpresse,
der neuen Erfindung gegenüber einnahmen.
[15] TH. GOEBEL, Die Setzmaschinen geschichtlich und technisch. Wiecks
Illustr. Gewerbe-Ztg. 1877.
[Sidenote: Ältere Versuche mit der Setzmaschine.]
Von wem der Gedanke zuerst ausgesprochen wurde, ist schwer zu
entscheiden. Friedrich König hat bereits im Jahre 1811 oder 1812
erfahren, dass ein junger Mann in Birmingham sich mit der Absicht trug,
eine Setzmaschine zu bauen. König & Bauer selbst hatten ihre Gedanken
auf eine solche gerichtet, liessen ihn jedoch fallen. Thatsache ist,
dass ihn Dr. CHURCH in Birmingham im Jahre 1822 dargelegt hat. Die
Zahl der Versuche ist Legion; in England allein wurden in den Jahren
1822-1860 57 Patente erteilt. Mit dem Jahre 1840 gewinnen die Versuche
zwar einen realeren Boden, doch gehören auch sie alle jetzt als
Überlebtes der Geschichte an oder sind der Vergessenheit anheimgefallen.
In dem erwähnten Jahre bildete sich in Pressburg eine Gesellschaft,
um eine von JOSEPH V. KLIEGEL erfundene Setz- und Ablegemaschine zu
erbauen, wozu der Franzose ETIENNE ROBERT GAUBERT eine Ablegemaschine
lieferte. In demselben Jahre erhielten der Engländer JOHN CLAY in
Cottingham und der Schwede FR. ROSENBORG Patente, im Jahre 1841 JAMES
HADDEN YOUNG, Spinnereibesitzer, und ADRIEN DELCAMBRE, Fabrikbesitzer,
beide in Lille. Zu ihrer 1844 ausgestellten Maschine, welche nur auf das
Setzen eingerichtet war, baute A. N. CHAIX eine Ablegemaschine; beide
fanden keinen Eingang. In Wien experimentierte, durch AUER unterstützt,
L. TSCHULIK. Er lehnte sich zunächst an Rosenborg an, während J. X.
WURM viele Verbesserungen an seiner Maschine anbrachte. Der eigentliche
Schöpfer der lebensfähigen Setzmaschine war der Däne CHR. SÖRENSEN im
Jahre 1851[16].
[16] Vgl. Kap. XIII.
[Sidenote: Tim. Alden * 14. Juni 1819, [+] 4. Dez. 1858.]
Unter den älteren englischen und amerikanischen Setzmaschinen war die
von TIMOTHEUS ALDEN die bedeutendste. Von 1835-1846 arbeitete Alden als
Setzer und sprach bereits in seinem neunzehnten Jahre, 1838, die Absicht
aus, eine Setzmaschine zu bauen. Obwohl vielfach ausgelacht, ging er
mit aller Energie daran und konnte 1856 die letzte Hand an sein Werk
legen. Er hatte sich jedoch dabei geistig und körperlich aufgerieben.
Bei seinem Tode 1858 hinterliess er seinem Vetter HENRY W. ALDEN, der
ihm treu geholfen hatte, sein Werk. Die Aldensche Maschine war sehr
kompliziert und demnach kostspielig. Henry Alden vereinfachte sie und
übergab einer Gesellschaft die Erfindung zur Ausbeutung, sie fand jedoch
keine grosse Verbreitung und die Gesellschaft löste sich 1874 auf[17].
Eine Maschine von WILLIAM H. MITCHELL in New-York war schon 1861 in
Wirksamkeit bei dem Satz von Appletons _Encyclopaedia_. ALEXANDER
FRASER, Teilhaber der Firma NEILL & CO. in Edinburgh, wollte erst
nur eine Ablegemaschine für Hattersleys Setzmaschine konstruieren,
lieferte jedoch 1862 eine brauchbare Setz- und Ablegemaschine, für
fünf Schriftgrade benutzbar[17]. Ein anderer Apparat von HENRY A.
BURR[18], von welchem acht Stück in der Offizin der _New-York Tribune_
arbeiten, ähnelt Kastenbeins System[19]; der Ablegeapparat erfordert
Typen mit vielfachen Einschnitten. Von einer von Adie in London nach
dem Fraserschen System in der _Behring Manufacturing Company_ gebauten
Maschine arbeitet eine grössere Zahl in verschiedenen Offizinen. FELTS'
1861 gebaute Maschine versprach vieles, ob sie es gehalten, haben wir
nicht erfahren. Die von Clowes' Druckerei eingeführte und nach dem
Besitzer die »Clowes-Maschine« genannte Erfindung des Setzers JOHN
HOOKER[20], war 1874 in London ausgestellt, sie fand jedoch keine
weitere Verbreitung. Es wird bei derselben die elektro-magnetische
Kraft zur Anwendung gebracht. Anstatt Tasten finden sich kleine
Kupferplättchen vor, mit leitenden Drähten an deren Rückseiten,
die in Verbindung mit einem Elektromagnete stehen. Lässt nun der
Setzer den mit einem Holzgriff umgebenen, mit dem negativen Pol der
Batterie verbundenen Leitdraht eine Kupferplatte berühren, so wird
die galvanische Kette geschlossen und ein Hebel in Bewegung gesetzt,
der den begehrten Buchstaben vorschiebt. Das Ablegen muss durch
Handarbeit besorgt werden. Ein diesem ähnliches Prinzip lag dem 1876
in Philadelphia ausgestellten Apparat von G. P. DRUMMOND aus Canada
zugrunde.
[17] Journ. f. B. 1866, Nr. 15, 17, 19, 24.
[18] Print. Reg. 1880.
[19] Journ. f. B. 1876, Nr. 38.
[20] Print. Reg. 1877, Nov.
Die in der Caxton-Ausstellung 1877 zur Anschauung gebrachte Setzmaschine
des in London lebenden Deutschen M. L. MÜLLER[21] war für viele
Schriftarten bestimmt und mit 200 Tangenten in sechs Reihen über
einander versehen. J. ROB. WINDER[22] in Bolton behauptet als Vorzüge
für sein Fabrikat die gleichzeitige Beförderung mehrerer Buchstaben.
Die in gewissen Verbindungen sehr oft vorkommenden Buchstaben sind
demgemäss in mehreren, verschieden gelegenen Rinnen untergebracht. WICK,
der Besitzer der _Glasgow News_, suchte nach ähnlichen Prinzipien den
Vorteil in kombinierten Griffen, und seine Klaviatur hat sogar eine
Anzahl von Tangenten für Logotypen der üblichsten Silben-Verbindungen
der englischen Sprache[23].
[21] Journ. f. B. 1875, Nr. 7.
[22] Print. Reg. 1880, Dez.
[23] Journ. f. B. 1880, Nr. 13. Print. Reg. 1880, März.
Eine der neuesten Setz- und Ablege-Maschinen ist die 1880 in Düsseldorf
ausgestellt gewesene von A. VON LANGEN und C. G. FISCHER, die, was
den Setz-Apparat betrifft, der Kastenbeinschen Maschine ähnelt, deren
Ablege-Apparat jedoch den des letztgenannten an Brauchbarkeit bedeutend
übertreffen soll.
Die Doppelmaschine Westcotts für Guss und Satz wurde bereits (S. 40)
erwähnt; als Halbmaschinen lassen sich die von Millar und Porter
bezeichnen. MILLARS 1870 ausgestellte Maschine verwendet nur die
gemeinen Buchstaben, die Ausschliessungen und einige der am häufigsten
vorkommenden Versalien; die anderen Schriftzeichen müssen aus einem
Kasten durch die Hand des Setzers hinzugefügt werden. Wenn nicht
vollkommen, ist der Apparat wenigstens sehr billig. T. J. PORTERS
Apparat[24] führt auf mechanischem Wege dem Setzer die Typen zu, welche
er sonst aus den Fächern des Setzkastens nehmen musste, das eigentliche
Setzen jedoch wird mit der Hand vollzogen.
[24] Print. Reg. 1880, Juni.
Es wäre zwecklos, der obigen Reihe von Erfindern noch einige Dutzend
Namen anzuhängen. Das hier bereits Angeführte mag hinreichend dafür
sprechen, dass schwerwiegende Hindernisse, die oben schon angedeutet
wurden, einem vollkommenen Setzapparat im Wege liegen. Es bleibt nur
noch übrig, die drei Männer zu erwähnen, deren Erfindungen am meisten
in die Praxis gedrungen sind: Hattersley, Mackie und Kastenbein, welch
letzterer nach der augenblicklichen Sachlage die grösste Aussicht für
die Zukunft zu haben scheint.
ROBERT HATTERSLEY in Manchester erhielt 1857 ein Patent auf
Verbesserungen an den Setz- und Ablegemaschinen. Die seinigen wurden
zuerst 1859 in der Buchdruckerei von Bradbury & Evans in London
verwendet. Über eine Klaviatur, deren Tasten nach dem Masse des
Vorkommens der mit ihnen korrespondierenden Typen geordnet sind,
befindet sich ein etwa 1-1/2 Meter hoher Aufsatz von Eisen, an welchem
sich zwei eiserne horizontale Tafeln befinden, auf welchen die Typen
in Rinnen gereiht stehen. Wird eine Taste angeschlagen, so drückt
ein, je über dem letzten Buchstaben einer Rinne befindliches Stäbchen
diesen heraus, worauf letzteres in die frühere Lage durch ein sich
zusammenziehendes Gummischnürchen zurückgeschnellt wird. Das Nachrücken
der Buchstaben in der Rinne geschieht ebenfalls durch Zusammenziehen
einer Gummischnur, welche mit einem Metallstück, das von hinten auf die
Reihe drückt, verbunden ist, über diese sich hinzieht und vorn nach oben
festgemacht ist. So befindet sich stets ein Buchstabe am vordern Rande
der Rinne.
Die herausgestossenen Buchstaben gleiten durch Rinnen, die sich in einem
vertikalen herzförmigen Behälter befinden, dem einzigen Mundstück an der
unteren Spitze des Behälters zu und stellen sich einer neben dem andern
in den Winkelhaken auf. Ist eine Zeile voll, wird eine Setzlinie auf den
Satz gelegt und dieser in das unter dem Winkelhaken befindliche Schiff
heruntergeschoben. In letztem wird nunmehr der Satz Zeile für Zeile
ausgeschlossen.
Theoretisch ist die Leistungsfähigkeit 7-8000 Buchstaben pro Stunde,
in der Praxis 4-5000. Eine Zeitlang schien es, als würde die
Hattersley-Maschine einen Platz behaupten. Zwei Exemplare wurden 1874
in der Offizin der »Neuen Freien Presse« in Wien aufgestellt; seitdem
ist es jedoch still darüber geworden. Ein grosser Übelstand ist die
Abhängigkeit von den durch die Witterung und Abnutzung beeinflussten
Gummischnüren, mit denen keine bestimmte Rechnung sich machen lässt.
Die Leistungsfähigkeit der Ablegemaschine ist ungefähr die Hälfte der
Setzmaschine.
C. KASTENBEIN, wohnhaft in Brüssel, baute 1871 in Paris die erste
Maschine für die _Times_-Druckerei in London. 1872 arbeiteten dort 5
Setzmaschinen und 8 Ablegemaschinen. Die Typen liegen in Rinnen eines
hochaufsteigenden Behälters. Durch Niederdrücken einer Tangente wird
ein Hebel in Bewegung gesetzt, der dem Buchstaben an der Fussfläche
einen Stoss nach vorn giebt, wodurch er in horizontaler Lage aus
der Rinne herausgestossen, jedoch durch den Bau der Rinne während
des Heruntergleitens in vertikale Lage gebracht wird. Wie bei der
Hattersley-Maschine befinden sich die Gleitrinnen in einem herz-
oder birnenförmigen Behälter und endigen in einem gemeinschaftlichen
Mundstück. Ein Glasverschluss gestattet dem Setzenden, jede in den
Rinnen vorkommende Unregelmässigkeit zu bemerken. Die Rinnen für
die schwersten Typen mit der grössten Fallgeschwindigkeit sind so
angebracht, dass diese Typen den weitesten Weg zurücklegen, wodurch die
erforderliche gleiche Beförderungszeit der verschiedenen Typen erzielt
wird. Die in einem langen Winkelhaken sich aufreihenden Buchstaben
werden nun dem Setzschiff zugeführt, das seitwärts auf einem schrägen
Pult-Gestell ruht, an welchem der mit dem Umbrechen der Zeilen Betraute,
das Gesicht dem Setzenden zugewendet, sitzt, und den Satz in Empfang
nimmt, davon so viel für eine Zeile notwendig ist auf das Schiff schiebt
und ausschliesst. Durch Treten eines Pedals senkt sich darauf das Schiff
um so viel als notwendig ist, damit eine neue Zeile hinübergeschoben
werden kann. Die Leistungsfähigkeit ist in der Praxis 3-4000 Buchstaben;
in der Ausstellung zu Paris 1878 wurde sie jedoch probeweise bis zu
10200 gesteigert. Die Maschine ist, ausser in England, in Nordamerika,
Dänemark, Italien vielfach verwendet. Die Reichsdruckerei in Berlin
schaffte sie 1879 an.
Seinen ersten Ablegeapparat verwarf Kastenbein selbst als zu
kompliziert; bei dem zweiten werden die Buchstaben förmlich in einen
mit Löchern versehenen Kasten, wie sonst in die Fächer des Setzkastens
mit der Hand, abgelegt. Durch Treten, oder durch Drehen eines Rades,
wird ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, welcher Stösser treibt, die
die Buchstaben in die für sie bestimmten Reihen der Rinnen treiben.
Man sieht, dass auch dieser Apparat nicht vollkommen und nur teilweise
automatisch ist. Zu zwei Setzmaschinen gehören etwa drei Ablegemaschinen.
Ein von allen anderen abweichender Weg wurde von Dr. ALEXANDER
MACKIE[25], einem praktischen Buchdrucker in Warrington, eingeschlagen.
Das Städtchen liegt halbwegs zwischen Manchester und Liverpool, ziemlich
im Zentrum eines Kreises kleinerer aufblühender Städte. MACKIE fasste
den Plan, für jede derselben eine eigene Zeitung zu gründen, die den
leitenden und politischen Teil mit den anderen gemeinschaftlich, dabei
jedoch einen lokalen selbständigen Teil besitzen sollte. So entstand
eine ganze Familie von _Guardians_, sieben an der Zahl, die mit dem
_Manchester Guardian_ 1853 anfing. Um nun den gemeinschaftlichen Teil
schnell für jedes der Lokalblätter herstellen zu können, kam Mackie
auf eine Kombination von drei verschiedenen Maschinen, von welchen
die eine, wenn man so sagen darf, die Manuskriptmaschine, die andere
die Setz-, die dritte die Ablegemaschine bildete. Durch die ersten
wird beim Anschlagen einer Taste ein Loch in einen Papierstreifen
gebohrt. Die Löcher sind so rangiert, dass, wenn ein perforierter
Streifen der Setzmaschine übergeben wird und ein Loch in diesem ein
Loch in einer Walze, über welche der Streifen geführt wird, gerade
deckt, ein Stift hineinfällt, der bis dahin einen Behälter, worin die
benötigten Buchstaben sich befinden, zugeschlossen hielt. Aus dem
nunmehr geöffneten Behälter fällt die Type auf eine schnell rotierende
Gleitschiene und wird dem Winkelhaken zugeführt. Selbstverständlich
beruht alles auf der richtigen Lage der, durch die mit den Tasten
verbundenen Stifte in den Streifen gebohrten Löcher. Es ähnelt diese
Manipulation dem Wirken der Stifte auf der Walze einer Spieldose,
welche zur rechten Zeit die, den richtigen Ton angebende Metallfeder
treffen müssen. Im Prinzip hat Mackies Maschine grosse Vorzüge. Sie ist,
was die eigentliche Setzmaschine betrifft, vollständig automatisch.
Das perforierte Manuskript kann gleichzeitig in mehreren Exemplaren
hergestellt werden und somit behufs des Setzens durch eine Maschine
nach verschiedenen Orten gesandt werden. Von einer grossen Verbreitung
des Apparates verlautet indes nichts, dagegen wird berichtet, dass
Mackie sich fortwährend mit Verbesserungen an demselben, namentlich am
perforierenden Teil, beschäftigt, so dass anzunehmen ist, dass ihn die
Leistungen noch nicht ganz befriedigen, obwohl er jetzt schon 350000
Buchstaben pro Woche garantiert.
[25] Print. Reg. 1877, Okt. Ann. d. Typ. I, Nr. 24. III, Nr. 109.
Dr. Mackie ist ein so eigentümlicher und bedeutender Repräsentant
moderner Arbeitsweise, dass es wohl geboten ist, seine Wirksamkeit
etwas näher zu betrachten. Nachdem er Erfolge erzielt hatte, ging er
noch weiter und errichtete im Jahre 1877 in einer kleinen Stadt CREWE,
gelegen an einem Knotenpunkte der Londoner Nord-West-Bahn, mit 25000
Einwohnern, von denen ein bedeutender Teil in den umfangreichen dortigen
Werkstätten der Eisenbahngesellschaft beschäftigt ist, eine grossartige
Druckoffizin. In gothischem Stile erbaut, bildet sie eine mächtige
Halle von 150 Fuss Länge und 30 Fuss Breite, in welcher 14 Mackiesche
Setzmaschinen mit den nötigen Hülfsmaschinen, zwei Atkinsonsche
Giessmaschinen und die erforderlichen Schnellpressen arbeiten. Unter
den nahe an 150 Beschäftigten sind nur etwa 30 Männer. Indem Mackie die
Offizin nach Crewe legte, rechnete er darauf, dass er unter den vielen
Töchtern der dortigen Arbeiter sehr leicht tüchtige Hülfskräfte finden
würde. Er, oder vielmehr die Kommandit-Gesellschaft MACKIE, BREWTHAL
& CO., druckt dort verschiedene Zeitschriften und viele Werke für
Buchhändler in London[26].
[26] Eines der frühesten umfangreicheren Bücher, deren Satz mittels
der Setzmaschine fertiggestellt wurde, ist: _Italy and France.
An Editors Holiday by Alex. Manckie._ London 1874. xvi und 415
Seiten. Der Verfasser schildert darin die Eindrücke einer im
Fluge unternommenen Ferienreise. Leider hält er sich nicht so
lange bei der Schilderung der typographischen Etablissements Roms
und Paris auf, als dem Leser gewiss lieb gewesen wäre.
Mit dieser Anstalt hat Mackie in jüngster Zeit auch ein
Ausbildungs-Institut für werdende Berichterstatter, Unterredakteure
und Zeitungsbesitzer vereinigt. Der Betreffende erhält Unterweisung:
1) im praktischen Setzen, um später richtig disponieren, Manuskript
berechnen und die für das Setzen nötige Zeit beurteilen zu können; 2)
im Korrekturenlesen, unter Berücksichtigung, wie bei der Korrektur die
Zeit des Arbeiters geschont werden kann; 3) im Berichterstatten und
der Art, das Manuskript für den Satz praktisch und korrekt abzufassen;
4) in der Buchführung für Journalunternehmungen. Es unterliegt wohl
keinem Zweifel, dass ein solches Institut, seitdem die journalistische
Thätigkeit ein wirklicher Lebensberuf so Vieler geworden ist, einen
grossen Wert hat und wohl Nachahmung verdient.
Zu diesem und seinen übrigen Instituten fügte er noch im Jahre 1880 eine
neue grossartige Offizin in Warrington. Das prächtige Gebäude von 200
Fuss Länge und 100 Fuss Breite im gothischen Stil hat wie das in Crewe
nur ein Stockwerk. Der grosse Arbeitssaal von 126 Fuss Länge und 96 Fuss
Breite wird durch zwei Reihen von eisernen Säulen in drei Längenschiffe
geteilt.
Das Prinzip der Setzmaschinen: durch eine Tastatur Buchstaben in
Bewegung zu setzen, führte zu den Versuchen mit dem sogenannten _Matrix
compositor_ (Matrizen-Setzer) des JOHN E. SWEET & DAUL (Paris 1867)
und deren vielen Nachfolger als: D. TIMIRIAZEFF (London 1872), JOS.
LIWTSCHACK in Wilna (1876), PETERSON in Wien, G. HAMBRUCH in Elbing u.
a. Sweets Gedanke war theoretisch ein sehr hübscher. Er wollte, indem er
die Stempel durch die Tastatur in eine weiche Masse drückte, Matrizen
auf dem Setzwege direkt herstellen. Dieselben Schwierigkeiten jedoch,
die hinderlich waren, um einen korrekt ausgeschlossenen Satz durch die
Setzmaschine zu liefern, stehen auch diesem Verfahren, und zwar in einem
noch höheren Grade, entgegen. Sweets verschiedene Ausstellungsproben
-- und über diese hinaus scheint er nicht gekommen zu sein -- waren
äusserst wenig empfehlend.
[Illustration]
[Illustration]
II. KAPITEL.
DIE DRUCK- UND HÜLFSMASCHINEN
DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.
DIE HANDPRESSE. Lord Stanhope und seine Nachfolger: Cogger, Clymer
u. a. Die Auftragmaschine. Die Glätt- und Prägmaschine: Bramah. DIE
SCHNELLPRESSE: Friedr. König in England, Bensley, John Walter, der
29. November 1814, Kränkungen Königs, seine Abreise von London,
Walters Eintreten für ihn. Die Nachfolger Königs: Napier, Applegath &
Cowper, Hoe u. a. Die Endlosen: W. Bullock, die Walter-Maschine u. a.
Die Mehrfarbe-Endlose. Die Tretmaschinen. Die Ausleger, die Anleger.
DIE SATINIERMASCHINE. DIE FEUCHTAPPARATE. DIE BRONCIERMASCHINE. DIE
FALZMASCHINE. DIVERSE HÜLFSMASCHINEN. WALZEN UND FARBE. DIE
MATERIALIENHANDLUNGEN.
[Sidenote: Druckpresse.]
Seit dreihundertundfünfzig Jahren hatte man sich zur Herstellung selbst
der vorzüglichsten Druckwerke noch immer der alten hölzernen Presse
bedient. Nach den Verbesserungen an dieser in den ersten fünfzig Jahren
der Kunst waren im ganzen genommen keine, das eigentliche Wesen der
Presse weiter ändernden eingetreten, namentlich blieb der zweimalige
Zug, einer für jede Hälfte der Druckform. Erst gegen das Ende des XVIII.
Jahrhunderts gelangten ernsthafte Verbesserungsversuche zur Ausführung,
um den Druck grösserer Formate mit einmaligem Zuge zu bewerkstelligen.
Besonders hierfür thätig waren W. HAAS in Basel (Kap. XIV) und F. DIDOT
in Paris (Kap. V).
[Sidenote: Lord Stanhopes Presse.]
Den eigentlichen Umschwung kennzeichnet erst die eiserne Presse Lord
STANHOPES. Nach vielen kostspieligen Versuchen brachte er, mit Hülfe
des tüchtigen Mechanikers WALKER, diese zustande und das erste Exemplar
wurde in der Offizin Will. Bulmers aufgestellt und beim Druck der
grossen Prachtausgabe von Shakespeares Werken verwendet[27].
[27] Die Sitte in England, manchmal eine Offizin als _Press_ zu
bezeichnen, hat in Deutschland öfters zu Missverständnissen
Anlass gegeben. So stand in einem deutschen Fachblatt,
dass Lord Stanhopes eiserne Presse unter der Bezeichnung
_Shakespeare-Press_ verbreitet sei, während diese Bezeichnung
die Firma für Bulmers Offizin war, wo die Stanhope-Presse zuerst
arbeitete.
Wände, Krone, Ober- und Unterbalken der hölzernen Presse wurden jetzt
durch ein Stück Gusseisen ersetzt. An Stelle der Schraube mit dem
Bengel trat ein zusammengesetzter Hebel, der es möglich machte, in dem
Augenblick des Druckes eine fast unbegrenzte Kraft zu entwickeln. Die
Arbeiter, die früher mit Aufgebot aller Gewalt den Bengel an sich ziehen
mussten, indem sie mit zurückgebogenem Körper den Fuss an den Antritt
stemmten, konnten gar nicht begreifen, dass ein gelindes Anziehen im
letzten Augenblick genügend sei, um einen kräftigen Abdruck zu erzielen.
Das Zurückgehen des Tiegels wurde durch ein Gegengewicht bewerkstelligt.
Nur der Fuss blieb anfänglich noch Holz, doch auch hiervon kam man bald
ab und baute auch diesen Teil aus Eisen[28].
[28] Journ. f. B. 1834, Nr. 10; 1835, Nr. 24.
[Sidenote: Die Druckwalze.]