bei der Herstellung der Stempel wurde sehr geheimgehalten und Caslon
verschloss letztere mit grosser Vorsicht, wenn er nicht daran arbeitete.
Jackson bohrte nun, um die Arbeit Caslons zu beobachten, ein Loch durch
die Wand und sein Vorhaben gelang ihm auch auf diese Weise, von deren
nicht ehrenhafter Natur er wohl kaum das volle Verständnis hatte, denn
mit grossem Stolz zeigte er dem Meister seine Arbeit, erhielt jedoch
eine sehr strenge Zurechtweisung. Seine Mutter kaufte ihm nun das nötige
Handwerkzeug und er benutzte jeden freien Augenblick, um zuhause zu
arbeiten. Nach vollendeter Lehrzeit blieb er bei Caslon, bis er, weil
Teilnehmer an einer Lohnbewegung, zugleich mit seinem Freunde THOMAS
COTTERELL den Abschied erhielt. Jackson ging zur See und arbeitete
dann bei Cotterell, der ein tüchtiger Schriftgiesser geworden war, und
versuchte später selbst sein Glück. 1790 wurde seine Giesserei durch
Feuer zerstört, ein Schlag, von dem er sich körperlich und geistig
nicht erholen konnte. Unter seinen vielen vortrefflichen Schriften sind
besonders hervorzuheben die Facsimile-Type der Schrift des _Doomsday
Book_, seine alexandrinisch-griechische Schrift, sowie die Schrift zu
der von Th. Bensley ausgeführten berühmten Bibel von Maclin, die jedoch
in einer späteren Ausgabe durch Schriften von V. Figgins ersetzt wurde.
[Sidenote: W. Caslon III.]
Bei Jacksons Tode kaufte der aus dem väterlichen Geschäft ausgetretene
WILLIAM CASLON III. dessen Schriften. Die Giesserei wurde sehr erweitert
und namentlich mit schönen Ornamenten vervollständigt. Das Probebuch
von 1785 war das schönste aller bis jetzt erschienenen. Caslon übergab,
nachdem er noch glücklich von einer längere Zeit andauernden Blindheit
geheilt war, das Geschäft an seinen Sohn WILLIAM IV., der es 1819 an
BLAKE, GARNETT & CO. (jetzt Blake, Stephenson & Co.) verkaufte.
[Sidenote: V. Figgins.]
Von Bedeutung war der eben erwähnte VINCENT FIGGINS. Er hatte bei
Jackson gelernt und blieb bei ihm bis zu dessen Tode. So gern er es
gewollt, konnte er doch nicht mit Caslon beim Ankauf des Geschäftes
konkurrieren. Von Joh. Nichols kräftig unterstützt ward es ihm jedoch
möglich, sich selbständig zu machen. Er schnitt manche schöne, zumteil
seltene Schriften. Das Geschäft besteht noch unter der Firma V. & J.
FIGGINS und arbeitet mit 70 durch Dampf getriebenen Giessmaschinen. Dass
die Offizin imstande war, einer am Sonnabend vollständig abgebrannten
Zeitungsdruckerei am folgenden Dienstag das Weiterarbeiten mit 40
Setzern möglich zu machen, mag als Probe der Leistungsfähigkeit einer
modernen Schriftgiesserei dienen. Auch WILLIAM MARTIN, der von Bulmer
gestützt wurde, lieferte Vorzügliches.
[Sidenote: A. Wilson * 1714.]
Als Schöpfer der schottischen Schriftgiesserei wurde bereits ALEXANDER
WILSON erwähnt (I, S. 266). Er war in St. Andrews geboren, hatte viel
Sinn für Mechanik und Astronomie, kam jedoch 1737 nach London in eine
Droguenhandlung. Durch Zufall sah er eine Schriftgiesserei und fasste
sofort den Gedanken, die Herstellung der Schriften in einfacherer Weise
als bisher herbeizuführen. Zu diesem Zwecke verband er sich mit seinem
Freunde BAINE. Der Aufenthalt in London wurde ihnen jedoch zu teuer
und sie zogen nach St. Andrews. Mit der Erfindung kam es nicht recht
vorwärts, deshalb schritten die Besitzer, ohne dass sie die eigentlichen
Kenntnisse dazu besassen, 1742 zur Einrichtung einer Schriftgiesserei
in üblicher Weise. Die schottischen Buchdrucker, die hauptsächlich in
Edinburgh etabliert waren, sahen gern die neue Giesserei entstehen, und
unterstützten sie, da die Verbindung mit London noch schwierig war. Als
Wilson & Baine, um mit dem grossen Verkehr, namentlich mit Amerika und
Irland, leichtere Fühlung zu behalten, nach dem Dorfe CAMLACHIE bei
Glasgow gezogen waren, beschlossen sie 1747, dass einer von ihnen nach
Irland gehen sollte; wer? das sollte durchs Los entschieden werden.
Dieses traf Baine. Zwei Jahre später wurde die Verbindung ganz gelöst.
Wilson stand in engem Verkehr mit der Universität Glasgow und
schnitt für diese in uneigennütziger Weise griechische Schriften,
für welche er grosses Lob erntete. 1760 wurde er von der Universität
mit dem Professorat in der praktischen Astronomie beehrt und die
Schriftgiesserei nun von seinen beiden ältesten Söhnen fortgesetzt.
Auf Grund der billigeren Löhne und Materialien konnten sie sogar in
London mit den dortigen Giessereien konkurrieren. Ein anderer tüchtiger
schottischer Giesser war MILLAR in Edinburgh.
[Sidenote: Ph. Rusher.]
Ungefähr gleichzeitig mit Lord Stanhopes Auftreten erhielt (1802)
PHILIPP RUSHER in Banbury, Oxfordshire, ein Patent für verschiedene
Veränderungen und Verbesserungen in der Form der Typen, welche die
Kosten und die Arbeit beim Setzen verringern und die Schönheit und
Gleichmässigkeit des Satzes vermehren sollten. Rusher druckte mit diesen
Typen den _Rasselas_, lieferte jedoch damit alles eher, als den Beweis
für die obengenannten Eigenschaften der neuen Schrift.
[Sidenote: Millar, Besley u. a.]
Von englischen Schriftgiessern sind ferner zu erwähnen: ROB. BESLEY &
CO. (später REED & FOX), MÜLLER & RICHARD u. a.[5]. Durch orientalische
Schriften sind bekannt: EDM. FRY, W. M. WATTS, GILBERT & RIVINGTON und
die Giesserei der _Clarendon-Press_ in Oxford. Grossen Beifall gewannen
die von THOROWGOOD in London eingeführten Schreibschriften. Sie konnten
wegen der Leichtigkeit des Setzens, da jeder der 190 Charaktere wie
in der Cursivschrift selbständig ist, sich neben den kunstvolleren,
aber schwer zu behandelnden Schreibschriften Didots behaupten. Als die
Renaissanceschriften in Frankreich aufkamen, den Spruch bewahrheitend:
_Il n'y a de nouveau en ce monde, que ce qui est vieux_, veranstaltete
der Buchdrucker Whittingham bei Caslon einen Neuschnitt der 1716
hergestellten Elzevier-Antiqua, jedoch mit etwas breiteren und runderen
Buchstaben. Diese _Mediæval_ gefiel ganz ausserordentlich und hiermit
war der Weg für die Renaissance eröffnet, die selbstverständlich
in England starke Verbreitung fand; jedoch hielt man sich von
Übertreibungen, so wie auch von Ausschreitungen in den Titel- und
Zierschriften ziemlich frei[6].
[5] J. M. POWELL gab 1875: _Select specimens of the best faces of the
british Founders_.
[6] Wie würde es wohl Th. C. Hansard bei dem Anblick der heutigen
Extravaganzen fast aller Länder zumute geworden sein, wenn er
sich schon bei den damaligen zaghaften Überschreitungen zu dem
folgenden Ausbruch veranlasst fühlte: »O, ihr geheiligten Schatten
von Moxon und van Dyck, von Baskerville und Bodoni, was würdet
ihr wohl zu den typographischen Monstruositäten heutiger Mode
gesagt haben? Und die, welche uns nach ebensovielen Jahren folgen
werden, als jene uns vorangegangen sind, in welches Zeitalter
werden sie die Erzeugnisse, die uns hier vorliegen, versetzen?
Solchen Ungeheuerlichkeiten gegenüber wird die Nachwelt sich
manche sonderbare Vorstellung machen. Es ist keineswegs unmöglich,
dass die jetzt in der _City_ von London gedruckten Erzeugnisse in
späterer Zeit dem Meistbietenden als echt ägyptische Seltenheiten
antediluvianischen Ursprungs zugeschlagen und den ausgesuchtesten
Teil der Schätze von Sammlungen der Kenner bilden werden«.
[Sidenote: Schriftgiesserei in Amerika.]
In AMERIKA lagen die Verhältnisse anders als in England. Man hatte
mit keiner Tradition, mit keinem bereits ausgeprägten Geschmack oder
früherer Gewohnheit zu rechnen, man nahm das Gute, wo es sich darbot,
und erfand nach Herzenslust, wo etwas fehlte. In Ermangelung einer
nationalen Litteratur hatte die Werkdruckerei noch keine grosse
Bedeutung, man war auf billige Nachdrucke englischer Werke angewiesen.
Die Anstrengungen der amerikanischen Giessereien richteten sich deshalb
vornehmlich auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Zeitungs- und
Accidenzdruckereien. Um vielen Stoff in den Zeitungen zu häufen, und
viele Zeilen auf die Spalte zu bringen, war es notwendig, möglichst
kleine Schriftkegel zu wählen, dafür jedoch das Bild der Buchstaben so
gross, wie es der Kegel nur zuliess, zu schneiden, wozu es erforderlich
war, die herauf- und heruntersteigenden Buchstaben und die Versalien
möglichst kurz zu halten. In solchen Schriften wurde Vorzügliches
geschnitten und in vortrefflichem Metall gegossen.
In jüngster Zeit erreichte die Zahl der Accidenzschriften eine
beträchtliche Höhe. Ausgezeichnet sind namentlich die Schreibschriften.
In Titelschriften wurde vieles Gute unter vielem Unnützen
produziert[7]. Einfassungen in allen möglichen Geschmacks- oder
Ungeschmacks-Richtungen, sogar in japanischem oder chinesischem Stil,
vertragen sich brüderlich mit den Antik- und Renaissance-Ornamenten.
[7] _Specimen Book_ von: G. BRUCES SON & CO.; FARMER, LITTLE & CO.;
JAMES CONNERS SONS; MAC KELLAR, SMITHS & JORDAN.
Trotz der sehr bedeutenden Produktion ist die Zahl der massgebenden
Giessereien eine beschränkte (32). Die grossen Schriftgiessereien
liessen die kleineren mit Originalproduktionen nicht aufkommen,
gewährten ihnen dagegen einen so hohen Rabatt, dass die Kleineren
ihren Vorteil dabei fanden, die Schriften der Grossen in ihre Proben
aufzunehmen und als eigene Arbeit zu verkaufen. Dem typographischen
Publikum entgingen zwar hierdurch die aus einer lebhaften Konkurrenz
entstehenden Vorteile, es stand sich jedoch nicht schlecht dabei, indem
die grossen Giessereien, um ihren Platz auszufüllen, sehr bedeutende
Anstrengungen machten.
Um das Jahr 1800 existierte in den Vereinigten Staaten nur die eine
Giesserei von BINNEY & ROLANDSON in Philadelphia, die durch Franklins
Unterstützung gute Giessinstrumente aus Frankreich erhielt und diese
noch verbesserte.
[Sidenote: David Bruce * 12. Novb. 1770, [+] 15. März 1857.]
Eine der ältesten und bedeutendsten Giessereien ist die von DAVID
BRUCE, einem Schottländer, gegründete. Nachdem dieser in Edinburgh die
Buchdruckerei gelernt hatte, siedelte er 1793 nach Amerika über und
begann 1806 im Verein mit seinem jüngeren Bruder GEORGE BRUCE (geb.
1781) eine Buchdruckerei. Die Wichtigkeit der Stereotypie hatte er ganz
begriffen und ging deshalb 1812 nach London, um unter den Auspicien
des Lord Stanhope die Stereotypie aus dem Fundament zu erlernen.
Das Vorhaben gelang jedoch nicht ganz, so dass er noch den Weg der
eigenen Erfahrungen einschlagen musste. Er lieferte die erste in
Amerika stereotypierte Bibel und widmete sich nun ausschliesslich der
Schriftgiesserei und der Stereotypie. Im Jahre 1822 zog er sich aus dem
Geschäft zurück, welches sein Sohn DAVID II. sehr in die Höhe brachte.
Die grosse Schriftprobe des letzteren aus dem Jahre 1869, bis auf den
heutigen Tag durch achtzehn Supplemente vervollständigt, bietet eine
unermessliche Auswahl von Schriften jeder Art[8].
[8] Als ein guter Einfall Bruces muss es betrachtet werden, dass er
zur Vorführung seiner Schriften sich nicht sinnlos
zusammengestellter Wörter bedient, sondern mit jeder
neuen Schrift den Titel eines Werkes der typographischen
Litteratur wiedergiebt. Um einen Buchdrucker sattelfest in der
typographischen Bibliographie zu machen, giebt es kaum ein
besseres mnemotechnisches Mittel. Wenn die Schriftgiesser statt
des _Quousque tandem_ etc. Sätze wählten, die für den Buchdrucker
ein Interesse darbieten, so würden die Proben gewiss manchmal
aufmerksamer ins Auge gefasst werden und die Schriften sich
mehr dem Gedächtnis einprägen. Schliesslich gab Bruce noch als
Beilage zu seinen Proben eine Geschichte der Buchdruckerei, 164
Seiten 4, mit zahlreichen Abbildungen, mit seinen verschiedenen
Werkschriften gedruckt.
[Sidenote: James Conner * 22. Aug. 1798, [+] 10. Mai 1861.]
[Sidenote: Th. Mac Kellar.]
Als Schriftgiesser waren ebenfalls bedeutend JAMES CONNER, dessen Sohn
gleichen Namens zuerst galvanische Matern lieferte, und MAC KELLAR,
SMITHS & JORDAN. Der Teilhaber letzterer Firma, THOMAS MAC KELLAR, war
Verfasser eines sehr guten Handbuches der Typographie: _The American
Printer_ und Herausgeber des _Typographical Advertiser_, ein Blatt,
welches zwar zunächst den Interessen der Firma dient, jedoch manches
allgemein Beachtenswerte bringt. Ähnliche Blätter werden von fast
allen grossen amerikanischen Giessereien herausgegeben, sie verbreiten
zugleich mit den Proben der neuen Leistungen ihrer Geschäfte mancherlei
nützliche Kenntnisse[9].
[9] Die Firma Schelter & Giesecke in Leipzig führte diese Sitte in
Deutschland ein (vgl. IX. Kap.).
[Sidenote: George Guess.]
Eine merkwürdige Erscheinung des amerikanischen Schriftenwesens ist das
Cherokee-Alphabet des Indianers SEQUOYAH oder GEORGE GUESS. Durch Umgang
mit Weissen kam er erst auf eine Bilder-, dann auf eine Silbenschrift
mit 68 Schriftzeichen, für welche er sich zumteil der Formen der
lateinischen Buchstaben bediente, ohne jedoch von dem sprachlichen Wert
derselben eine Vorstellung zu haben. Er vollendete seine Arbeit, für
welche ihn die Cherokesen-Häuptlinge durch die Prägung einer Medaille
ehrten, im Jahre 1821.
[Sidenote: Die Holztypen.]
Der Plakatdruck mit seinen grossen Schriften führte auf die
geschäftsmässige Fabrikation der Holztypen. In Amerika begann diese
im grösseren Massstab um das Jahr 1830 durch WANDERBURGH WILLS & CO.
und durch EDW. ALLEN, der sich später mit der Firma W. H. PAGE & CO.
verband. Zur Verwendung kommt fast nur Ahorn, mitunter Mahagoni oder
Buchsbaum. Die Klötze werden erst in Querschnitte gesägt, mit Dampf
behandelt und zwei Jahre lang aufgespeichert. Die Oberfläche poliert,
man wiederholt mit Schellack und Sandpapier und teilt die Querschnitte
in die benötigten Grössen. Die Buchstabenbilder werden vermittelst
Maschinerie hergestellt[10].
[10] _History and Manufacture of Wood Type. Typographical Messenger
1869, Nr. 4._
[Sidenote: Blindendruck.]
Der in Frankreich zuerst geübte BLINDENDRUCK wurde in England wie auch
Amerika in durchgreifender Weise verbessert. JAMES GOLL in Edinburgh
wandte 1827 eckige Zeichen an; der Amerikaner Dr. HOWE in Boston gab den
gemeinen Buchstaben der Antiqua ebenfalls eckige Formen; ein ähnliches
Alphabet von FRY in London erhielt 1857 von der dortigen _Society of
arts_ einen Preis. Das in England am meisten verbreitete und unter
den willkürlichen eines der zweckmässigsten Alphabete ist das von T.
M. LUCAS in Bristol 1845 erfundene Chiffre-Alphabet, bestehend aus
einem Zirkel und einem Halbzirkel in zwei Grössen, einer grösseren und
einer kleineren Linie und einem Punkt. Hiermit liessen sich vierzig
zweckmässige Zeichen kombinieren. -- Der, selbst blinde, Vorsteher
der Blinden-Anstalt in Brighton, Moon, erfand ein Chiffre-Alphabet von
zehn Zeichen aus gebogenem Draht, die auf Zinkplatten gelötet wurden,
ein Verfahren, das bereits 1839 von FRÈRE geübt war. Nach Moons System
wurden heilige Schriften in achtzig Sprachen gedruckt. Ausser den
erwähnten bestehen jedoch noch viele Systeme.
Ausserordentlich zu bedauern bleibt es, dass man sich nicht über ein
einheitliches System der Blindenschrift hat einigen können; nirgends
wäre wohl eine Einheitlichkeit für den Lernenden sowohl als für den
Lehrer nützlicher, und wie wäre die Bildung von Blindenbibliotheken
hiermit befördert worden! Aus vielen Gründen dürfte eine Einigkeit, wenn
sie überhaupt möglich ist, nur auf Grundlage des Antiqua-Alphabetes
stattfinden können.
* * * * *
[Sidenote: Die Stereotypie.]
Die praktische Durchführung des vielfach versuchten Verfahrens der
STEREOTYPIE hat man, wie so manche andere Verbesserungen im Druckwesen,
dem edlen CHARLES MAHON, Lord STANHOPE zu verdanken. Derselbe war
erst in Eton College, später unter des bekannten Le Sages Anleitung
sorgfältigst erzogen. Mit besonderer Vorliebe wendete er seine
Aufmerksamkeit der Typographie und der Schriftgiesserei zu, und fast zu
gleicher Zeit traten sein Stereotypverfahren und seine eiserne Presse in
Wirksamkeit.
W. Ged hatte seine Versuche nicht fortsetzen können (I, S. 266), Müller
und van der Mey (I, S. 251) waren ganz in Vergessenheit geraten.
Die Wichtigkeit der Stereotypie leuchtete aber mit der Zunahme
der schwierigen Arbeiten und der grossen Auflagen immer mehr ein.
Fast 50 Jahre nach Ged machte Dr. TILLOCH in Glasgow, ohne dessen
Erfindung zu kennen, eine ähnliche und übte diese in Verbindung mit
dem Universitätsbuchdrucker FOULIS. Sie brachten auch einige Bände
fertig, gaben jedoch später ihre Arbeiten auf. Lord Stanhope liess
sich von Tilloch und Foulis unterrichten und brachte es in Verbindung
mit einem bekannten Londoner Buchdrucker, WILSON, nach zweijähriger
Arbeit zur Vollkommenheit in dem Verfahren. 1804 konnte letzterer
unter Lord Stanhopes Zustimmung beantragen, die Bibeln und Gebetbücher
der Universität Cambridge mittels des neuen Verfahrens herstellen zu
lassen. Es fand allgemeine Anerkennung und schleunige Verbreitung,
denn Lord Stanhope litt durchaus nicht, dass diese, noch eine andere
seiner Erfindungen Gegenstand eines Patentschutzes wurde; im Gegenteil,
er liess jedesmal ein _Caveat_ in dem _Patent-Office_ einregistrieren,
damit kein Unbefugter sich der Erfindungen bemächtigen und für sich
patentieren lassen konnte.
[Sidenote: Stanhopes Stereotypie.]
Der Stanhopesche Prozess[11] ist folgender: Feiner, möglichst frischer
Gips wird mit Boluswasser zu einem flüssigen Brei angerührt und die
Schriftform oder die Holzschnittplatte, welche man stereotypieren will,
mit der Masse erst eingepinselt, dann übergossen. Nachdem der Gips
fest geworden, lässt er sich leicht von der Form abtrennen und man hat
nun eine genaue vertiefte Kopie (Matrize) des zu stereotypierenden
Gegenstandes. Diese wird mit grosser Vorsicht langsam in einem dazu
eingerichteten Ofen getrocknet, dann, mit der Bildseite nach unten,
in eine Pfanne gelegt, die in einen Kessel mit flüssigem Schriftzeug
gesenkt wird. Letzterer dringt durch Öffnungen der Pfanne und füllt
selbst die kleinsten Vertiefungen der Matrize aus. Nachdem die Pfanne
aus dem Kessel herausgenommen und die Masse erkaltet ist, lässt sich
die Mater von der Platte ablösen, erstere geht jedoch dabei verloren,
dafür hat man das getreue Abbild des stereotypierten Gegenstandes in
Schriftmasse[12].
[11] THOMAS HODGSON, _An essay on stereotype printing_. Newcastle 1820.
-- J. F. WILSON, _Stereotyping and electrotyping_. London. -- H.
MEYER, Handbuch der Stereotypie. Braunschweig 1838.
[12] Über die früheren Versuche und die neueren Methoden der Franzosen
vgl. Kap. V.
[Sidenote: Das Schriftmetall.]
Doch nicht alle Druckarbeiten, bei welchen das Verfahren zweckmässig
gewesen wäre, konnten stereotypiert werden, namentlich war dasselbe
bei Zeitungen zu langsam, man musste deshalb die Aufmerksamkeit auf
Verbesserung des Schriftzeuges richten. Während der drei ersten
Jahrhunderte der Kunst war eine grosse Auflage eine Seltenheit gewesen
und die Schriften hielten sich oft mehrere Generationen hindurch
brauchbar, ausserdem nahm man es damals nicht so genau wie heute mit
der Schärfe des Druckes. Als nun die vielen Abzüge die Abnutzung, also
auch den Bedarf vermehrten, musste ein härteres Schriftmetall beschafft
werden. Der Prozess des Schmelzens und die Mischung der Metalle geschah
nicht mehr nach Gutdünken, sondern nach wissenschaftlichen Regeln,
auch nicht in der Giesspfanne, sondern in grösseren Quantitäten in
zweckmässigen Schmelzöfen. J. R. JOHNSON lieferte den Zeug so hart,
dass man seine Typen als Stempel in gewöhnlichen Schriftzeug eintreiben
konnte. Auch wurden Matern durch Prägung mittels hydraulischer Pressen
in Stahl, anstatt durch Einschlagen in Kupfer, produziert, und
Versuche gemacht, Typen aus Kupferstangen zu pressen oder die Schrift
zu vernickeln und zu verkupfern. Zu diesem Zweck wurde die _Newton
Coppertype Company_ in New-York etabliert, welche die Schriften für
etwa 18-20 Prozent des Schriftwertes verkupferte. Ausschluss wurde von
Messing, Zink und Vulcanit herzustellen versucht.
Allein die Verbesserung des Stoffes genügte noch nicht, man musste auch
auf Schnelligkeit und Billigkeit in der Produktion sehen, und hier
konnte nur die Maschine Hülfe schaffen.
[Sidenote: Die Schriftgiessmaschine.]
Über den ersten Ursprung der SCHRIFTGIESSMASCHINE verlautet nur, dass
dem WILL. NICHOLSON in London im Jahre 1790 ein Patent auf eine solche
für »konisch« gebildete Typen erteilt wurde. Eine konische Form mit
einer grösseren Bild- und einer kleineren Grundfläche hielt Nicholson
für nötig, weil er die Schriften um den Cylinder einer Schnellpresse
anbringen wollte, welch letztere er sich ebenfalls patentieren liess.
Er hatte das, später von Didot in Paris versuchte, polyamatype
Giessverfahren vor Augen, nach welchem viele Buchstaben auf einmal
gegossen werden sollten. Es blieb, wie mit den übrigen Erfindungen
Nicholsons, bei dem Patentnehmen.
Die praktische Durchführung der Giessmaschine gehört Amerika an. Die
ersten Patente dort wurden 1805 und 1807 dem ELIHU WHITE und dem
WILLIAM WING in Hartford erteilt. Auch hier hatte man zuerst das
polyamatype Verfahren im Auge, ja man wollte sogar ganze Alphabete auf
einmal giessen. WHITE experimentierte zehn Jahre lang, ohne zu einem
nennenswerten Resultate zu kommen. Die Schriftgiesser BINNEY & ROLANDSON
hatten ebenfalls viele Versuche gemacht und schienen dem Ziele näher
als White gerückt zu sein, hielten jedoch ihre Resultate sehr geheim.
White schmuggelte in wenig ehrenhafter Weise einen seiner Arbeiter bei
Binney ein, damit er hinter die Geheimnisse komme, reussierte jedoch
dessenungeachtet und trotz seiner Verbindung mit dem Mechaniker Will. M.
Johnson nicht.
Einen wirklichen Erfolg hatte erst DAVID BRUCE 1838. Es entspann sich
jedoch ein bitterer Streit darüber, ob BRUCE, wie er selbst auf das
bestimmteste behauptete, oder einer seiner Arbeiter, der dänische
Schlossergeselle Lauritz Brandt (s. Kap. IX), der eigentliche Erfinder
sei. Bruces Maschine wurde von WILL. M. JOHNSON verbessert.
[Sidenote: Schleifmaschinen.]
Seit 1840 sind SCHLEIFMASCHINEN im Gang, haben jedoch nicht in demselben
Umfange, wie die Giessmaschinen, Eingang gefunden. Selbst in Amerika, wo
man doch sicherlich etwas von Arbeitsteilung und rationeller Ausnutzung
der Maschinen versteht, wird Schleifen mittels Handarbeit jetzt noch
vielfach geübt. Die Arbeiter haben sich eine solche manuelle Fertigkeit
erworben, dass sie fast als Maschinen betrachtet werden können. In
London wurden die Schleifapparate namentlich von FIGGINS gebaut.
[Sidenote: Johnson und Atkinson.]
Eine der interessantesten Maschinen ist die kombinierte automatische
Giess-, Schleif- und Fertigmach-Maschine von JOHNSON & ATKINSON,
die ohne menschliche Beihülfe die Buchstaben gegossen, geschliffen,
bestossen, gehobelt und in Reihen aufgestellt liefert[13]. Eine
allgemeine Verbreitung hat diese Maschine, die in Deutschland durch
Flinsch, Genzsch & Heyse und Meyer & Schleicher eingeführt wurde,
jedoch nicht gefunden; es gehören verschiedene Vorbedingungen dazu,
wenn ihre Arbeit genügend nutzbringend sein soll. Das Patent von 1862
ging auf die _Patent Type Foundry_ über, die eine Reihe von Jahren von
P. M. SHANK geleitet wurde und dann in dessen Besitz überging. Sein
Mitarbeiter J. M. HEPBURN änderte die Maschine vollständig um, so dass
sie bei vereinfachter Konstruktion nur die Hälfte des Raumes der älteren
einnimmt und die Typen direkt in die Setzkästen oder in die für die
Setzmaschine bestimmten Röhren legt. In letzterer Weise erhalten die
_Times_ alltäglich die neue Schrift für die Nummer des kommenden Tages
und der Satz der vorigen wandert in die Giessmaschine; denn abgelegt
wird nicht.
[13] Journ. f. B. 1872, Nr. 42. -- Print. Reg. 1881, Okt. -- Ann. d.
Typ. B. IV, Nr. 183.
[Sidenote: Westcott.]