Die PHOTOLITHOGRAPHIE, welche ebenfalls Poitevin ihre Existenz verdankt,

hat mit dem Lichtdruck manches gemeinsame, aber auch von diesem

wesentliche Verschiedenheiten. Poitevin überzog einen Stein mit der

bekannten Lösung und stellte nach dem Negativ ein Chromobild her, das

nur in den vom Licht getroffenen Stellen die Farbe annahm. Anfänglich

fehlte es an den Halbtönen, die beim Waschen verlorengingen. Asser

und Osborne versuchten es mit einem Umdruckverfahren von auf Papier

erzeugten Bildern; die Abdrücke blieben jedoch auf Grund der körnigen

Beschaffenheit des Steines sehr hinter der Photographie zurück,

namentlich in den Mitteltönen, und das Verfahren eignete sich deshalb

nicht ganz für die Wiedergabe von Kunstblättern. Die PHOTOZINKOGRAPHIE

bietet, da die Zinkplatte dieselben Eigenschaften besitzt wie der

lithographische Stein, nichts Eigentümliches.

[Sidenote: Kartographie.]

Für die KARTOGRAPHIE hat die Photolithographie eine ganz besondere

Wichtigkeit auf Grund der Schnelligkeit in der Herstellung und der

Leichtigkeit, die Originale zu vergrössern oder zu verkleinern.

Eine nützliche Bereicherung der Kartographie wurde ebenfalls durch

die Photolithographie möglich, indem man erst Reliefkarten in Gips

herstellte und diese photographierte resp. photolithographierte. Die in

dieser Weise hergestellten Karten wirkten wie Reliefs.

DIE ZINKOGRAPHIE.

[Sidenote: Die ersten Hochdruckplatten.]

So höchst wertvoll alle diese Verfahren für das Buchgewerbe waren, so

war damit doch die Hauptaufgabe, Hochdruckplatten zu gewinnen, die sich

auf der Buchdruckpresse mit Text zusammen leicht drucken lassen, noch

nicht ganz erreicht. Es sollte dies in anderer Weise gelingen.

Wenn der lithographische Stein geätzt wird, so ist das darauf

zurückbleibende Bild in gewisser Beziehung ein erhabenes, jedoch ist

diese Erhabenheit nicht genügend für den Druck auf der Buchdruckerpresse

und da in dieser das Feuchten des Steines ausserdem nicht thunlich,

würde der Stein sich vollschmieren. Es wurden deshalb viele Versuche

gemacht, durch weitere, stärkere Ätzung dem Bilde die genügende Höhe zu

geben. Bereits Senefelder hatte solche angestellt. Schon vor Ablauf des

XVIII. Jahrhunderts brachten DUPLAT und SUSEMIHL aus Darmstadt in Paris

recht gelungene Hochätzungen in Stein sowohl, als in Metall zustande.

Duplat gab in dieser Weise 1812 Lafontaines Fabeln und Gessners Idyllen

heraus. 1826 druckte der Kupferstecher W. ERHARD eine Broschüre über

die Hochätzung; 1827 nahmen DIDOT und MOTTE ein Patent, ihr Verfahren

kam jedoch nicht zur Ausführung. 1832 hatte BAUCKELLER Hochätzungen

geliefert. 1834 wurde der Metallhochschnitt von A. DEMBOUR in Metz

geübt, der 1835 sein Verfahren, EKTYPOGRAPHIE, in einer Broschüre

schilderte. Dasselbe war schon in Deutschland bekannt und in einem

Werke, »Das Thierreich« von Dr. J. J. KAUPP, verwendet. Lithographischen

Hochdruck brachte JUL. BAUMGÄRTNER in Leipzig zur Ausführung und nannte

ihn seine Erfindung, worüber sich ein heftiger Federkrieg entspann,

denn die Kunst war schon vor mehreren Jahren von GIRARDET in Paris

geübt, der damit einen Preis von 2000 Franken gewann. Es scheint jedoch,

als habe Baumgärtner in gutem Glauben gehandelt. Alle diese Versuche,

sowie die bereits oben erwähnten von Pretzsch und anderen mit erhabenen

Kupferplatten, hatten jedoch keinen rechten Erfolg und die Praxis ergab

so viele Misstände, dass dem grossen Betrieb nicht mit dem Verfahren

geholfen war.

Schliesslich wurden in der CHEMITYPIE und der ZINKHOCHÄTZUNG zwei

Verfahren erfunden, die, wenn sie auch in vielen Fällen den Holzschnitt

nicht ersetzen können, in anderen wieder vor letzterem Vorzüge und neben

demselben jedenfalls eine grosse Zukunft haben.

[Sidenote: Die Chemitypie.]

Die beiden Verfahren werden oft als identisch betrachtet, sie sind es

jedoch nicht. Bei der Chemitypie, von dem Dänen C. PIIL erfunden und

in Leipzig zur Ausführung gebracht, wird eine Zinkplatte zuerst mit

Deckgrund überzogen und dann die Zeichnung mit der Nadel gemacht und

tiefergeätzt. Die vertiefte Zeichnung wird mit einem leicht flüssigen

Metall ausgegossen und mit der Oberfläche der Zinkplatte, von welcher

der Deckgrund entfernt wurde, gleichgeschabt oder -geschliffen.

Hierauf wird die ganze Platte einer Ätzung unterworfen, welche nur den

blossliegenden Zink angreift, aber nicht das hineingegossene Metall,

so dass das Bild nach der Ätzung erhaben dasteht und nun eine für die

Buchdruckerpresse verwendbare Platte bildet. Dieses Verfahren hat

namentlich für die Kartographie eine ganz ausserordentliche Bedeutung

und ermöglicht, unter Zuhülfenahme der Mehrfarbenmaschine, geographische

Kartenwerke zu unglaublich billigen Preisen zu liefern.

[Sidenote: Die Zinkhochätzung.]

Die Zinkhochätzung eignet sich mehr für Feder- und Kreidezeichnungen.

Auf die Zinkplatte lässt sich, wie auf lithographischen Stein, mit

präparierter Kreide oder fetter Tusche leicht zeichnen oder malen.

Bringt man nun eine solche Zeichnung auf eine Zinkplatte oder überträgt

man den mit fetter Farbe gemachten Abzug einer bereits vorhandenen

Zeichnung, eines Holzschnittes, einer Lithographie oder eines

Kupferstiches u. dgl. und ätzt die Platte, so wird nur die blossliegende

Oberfläche des Metalls angegriffen und die Zeichnung bleibt, wie bei

der Lithographie, stehen und tritt bei fortgesetzter Ätzung so weit

hervor, dass sie sich auf der Buchdruckerpresse drucken lässt.

[Sidenote: Vorzüge und Mängel der Hochätzung.]

[Sidenote: Vergleich mit dem Holzschnitt.]

Als das Hochätzungsverfahren aufkam, gab es Enthusiasten genug,

welche meinten, dass es von nun ab mit dem Holzschnitt vorbei sei.

Andererseits fehlte es nicht an warnenden Stimmen prinzipieller

Gegner des Verfahrens, die von demselben nichts wissen wollten, weil

es weder den Kupferstich, noch die Radierung oder den Holzschnitt

vollständig ersetzen könne. Wäre die Rede davon, zwischen Xylographie

und Hochätzung wählen und eine davon ganz fallenlassen zu müssen, so

würde die Entscheidung kaum eine schwierige sein. Jedoch eine solche

Entscheidung ist ja nicht zu treffen. Fehlt auch der Hochätzung der

volle, satte Ton und die weiche Modulation des Holzschnittdruckes, so

bleibt doch für sie ein sehr reiches Feld der Illustration übrig, auf

welches der Holzschnitt zumteil gar nicht folgen kann. Wo es sich in

erster Linie um das nützliche handelt, in Mustervorlagen aller Art, in

Schriftarbeiten, Karten, in technischen und mathematischen Figuren,

selbst in solchen künstlerischen Nachbildungen, die in Umrissen oder

ohne bedeutende Tonabstufungen gehalten sind, wird die Hochätzung

auf Grund der Billigkeit und der Schnelligkeit sehr oft den Vorzug

verdienen. Aber kein Verfahren wird der durch vier Jahrhunderte

bewährten Xylographie den Vorrang im allgemeinen streitig machen

können. Neben den leichten, rasch verschwindenden Arbeiten werden die

Schöpfungen der xylographischen Künstler und die Prachtwerke bleiben.

Kein anderes Verfahren giebt dasselbe Kolorit, die Klarheit und

Mannigfaltigkeit in der Abstufung der Töne, die Milde mit Kraft gepaart,

wie der Holzschnitt. Kein Verfahren ist imstande, bei guter Ausführung

die Zeichnung des Meisters in seinem Charakter so treu wiederzugeben;

keins hat die Fähigkeit, den Mängeln einer weniger guten Zeichnung

so geschickt abzuhelfen. So wenig die Zahl der Bücher sich durch die

Zeitungen vermindert, so wenig werden die xylographischen Kunstwerke

durch Zeitungsillustrationen in den Hintergrund gedrängt werden. Wenn

Zeit und Kosten nicht zu scheuen sind, wird man immer zum Holzschnitt

greifen.

[Sidenote: Die Hochätzung und die Tagespresse.]

In einer Beziehung wird aber die Hochätzung die Illustrationsmethode

der Zukunft werden, nämlich, sobald die Frage der illustrierten

Tagesblätter ernstlich auf die Tagesordnung gestellt wird. Da schlagen

die Schnelligkeit der Hochätzung und ihre Billigkeit, wenn sie

inzwischen nicht durch neue Erfindungen verdrängt wird, durch. Eine in

geeigneter Weise vom Zeichner behandelte Skizze, die z. B. zeitig am

Nachmittage der Offizin einer illustrierten Zeitung übergeben wird, kann

noch abends umgezeichnet und in eine druckbare Platte verwandelt gegen

Mitternacht in der Presse sein, um dann, mit einer Schnelligkeit von

10-12000 Exemplaren in der Stunde auf der Rotationsmaschine gedruckt,

in den Frühstunden in den Händen des Publikums zu sein. Zugegeben auch,

dass augenblicklich eine Stunde oder zwei noch zugelegt werden müssten,

so ist das Erwähnte im grossen und ganzen kein Phantasiebild und die

Möglichkeit vorhanden, innerhalb der kürzesten Zeit eine Illustration

für ein Tageblatt herzustellen. Allerdings müssen dann die Zeichnungen

auch der Reproduktionsweise angepasst sein, es muss sozusagen eine

Art Stenographie der zeichnenden Kunst entstehen. Eine besondere

Ausbildung wird notwendig dazu sein, Zeichner für ein Tageblatt zu

werden. Die Akademiker werden vielleicht die Nase rümpfen über einen

solchen »Spezial-Artisten«, wie der Gelehrte über »unsern eignen

Korrespondenten«. Die Kunst wird für diese Richtung ein Kunstgewerbe

werden. Aber es entstehen wichtige, lohnende und ehrenvolle Stellungen

für talentvolle Jünglinge, von denen viele als Akademiker verkümmern

würden. Das wirkliche Genie wird jedoch durch dieses künstlerische

Reportertum ebensowenig zugrunde gehen, wie z. B. Charles Dickens durch

seine Reporterwirksamkeit verhindert wurde, ein Dichter ersten Ranges zu

werden.

Die Reproduktionsweisen sind da, es darf den Künstlern nicht nachgesagt

werden, dass die Räder der Presse ihnen zu schnell gehen, dass die

Chemie und die Sonnenstrahlen sich zu zeitig zu ihrer Disposition

gestellt hätten.

[Illustration]

ERSTES BUCH.

DIE ANGLO-AMERIKANISCHE GRUPPE.

[Illustration]

EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH.

[Sidenote: Die englische Presse.]

Wenn die Presse in dem Zeitabschnitt von der dritten bis zur vierten

Jubelfeier der Buchdruckerkunst einen derartigen Aufschwung nahm,

dass man ihr einen Platz unter den Grossmächten einräumte, so hat man

dies ganz besonders ENGLAND zu verdanken. Nirgends hat man, nachdem

schon frühzeitig der schwere, jedoch erfolgreiche Befreiungskampf der

Presse gegen ihre Feinde geführt war, es in gleichem Masse verstanden,

die Unabhängigkeit derselben von aller Despotie von oben und unten

zu schützen, wie dort. Nirgends ist der Einfluss der Presse auf die

öffentliche Meinung ein grösserer und wohlthätigerer gewesen; nirgends

ist sie in gleicher Weise von dem Vertrauen des Publikums getragen

worden, und nirgends hat sie sich eines solchen Vertrauens durch ihre

Festigkeit und ihr Fernhalten von unreinen Tendenzen würdiger gezeigt,

als in England. Kein Volk war so, wie das englische, von dem Bewusstsein

durchdrungen, welch ein Palladium es in seiner freien Presse besass,

ein Bewusstsein, welchem der bekannte Staatsmann und Dichter Sheridan

in den stolzen Worten Ausdruck verlieh: »Gebt mir meinetwegen einen

Tyrannen zum König, ein widerhaariges Oberhaus und ein demoralisiertes

Unterhaus, lasst mir aber die Presse und ich will sie alle über den

Haufen werfen«.

[Sidenote: Verdienste der Engländer.]

Kein Wunder, dass die Engländer, als einmal dies Bewusstsein von

der Wichtigkeit der Presse bei ihnen Wurzel gefasst hatte, nun

auch vor allen anderen Völkern es sich angelegen sein liessen,

der Buchdruckerkunst ihre Teilnahme zu bekunden und sie derartig

auszubilden, dass sie die ihr zu teil gewordene grosse Aufgabe auch

vollständig zu erfüllen imstande war. Während in dem XVI. Jahrhundert

druckende und zeichnende Kunst in so glänzender Weise auf dem Kontinente

sich verbunden hatten, leisteten die Engländer auch nicht annähernd

das, was Deutschland, Italien, Frankreich oder selbst die Niederlande

schafften. Als jedoch mit dem XIX. Jahrhundert die Aufgaben der Presse

für das politische und praktische Leben immer grössere Dimensionen

annahmen, da waren es die Engländer, die mit dem ihnen innewohnenden

praktischen Sinn, verbunden mit ihrer Energie, allen anderen voran ihr

Augenmerk auf die technische Vervollkommnung der Kunst richteten, so

dass von nun an der Schwerpunkt der typographischen Geschichte mehr in

der Geschichte der mechanischen Erfindungen als in der der ausübenden

Buchdrucker liegt.

Und da werden wir sehen, wie fast alle Verbesserungen und weitgehenden

Reformen in der Technik der Druckkunst, der Schriftgiesserei, der

Xylographie, der Farbenfabrikation, der Stereotypie und des Pressenbaues

aus England stammen. Ja, selbst die rasche Einführung der deutschen,

alle anderen weit hinter sich lassenden Erfindung der Schnellpresse

haben wir, nach des Erfinders eigenen Worten, nur England zu verdanken,

nicht minder die Dienstbarmachung des Dampfes für die Zwecke der

Typographie.

[Sidenote: Nordamerika.]

NORDAMERIKA gebührt der Ruhm, neben dem Mutterlande sehr vieles zur

Vervollkommnung des typographischen Apparats beigetragen zu haben.

Hinsichtlich des Pressenbaues, der Stereotypie und der Schriftgiesserei

zahlte es seine typographische Schuld mit Zins vom Zins an das

Mutterland redlich zurück, und nicht selten hatten die Erfindungen,

welche in letzterem geschäftlich ausgebeutet wurden, ihre Heimat jenseit

des Ozeans, nicht selten wurden auch wieder englische Erfindungen dort

der Vollkommenheit nähergebracht.

Somit ist die typographische Geschichte Amerikas mit derjenigen Englands

so eng verknüpft, dass beide sich nicht von einander trennen lassen,

und wollen wir nicht Gefahr laufen, in der Erzählung vorzugreifen und

Anachronismen zu begehen, so müssen wir den neuesten Abschnitt der

Geschichte mit der anglo-amerikanischen Gruppe beginnen; lässt es sich

doch nicht einmal umgehen, die Anfänge der Erfindung Fr. Königs in dem

dieser Gruppe gewidmeten Kapitel zu behandeln.

[Sidenote: Die Typographie Englands.]

Betrachten wir die Erscheinungen der Typographie der

Anglo-amerikanischen Gruppe und zunächst die ENGLANDS genauer, so

finden wir, dass diese denselben Charakter der Solidität an sich

tragen, der überhaupt den englischen Fabrikaten eigen ist. Kein Land

hat in der Typographie der Mode geringere Konzessionen gemacht, als

England. Es behielt seine breiten, etwas plumpen, aber sehr leserlichen

Schriften bei und war selbst im Accidenzfache mit der Verwendung aller

der unzähligen Zierschriften, die man gemeiniglich in Deutschland für

nötig hielt, äusserst sparsam. Kann man auch nicht behaupten, dass

sich in allen englischen Arbeiten ein geläuterter Geschmack kundgiebt,

so bringen doch, selbst wo dieser fehlen sollte, in der Regel die

Vorzüglichkeit des Materials, die Einfachheit, die Sauberkeit und die

Korrektheit einen so befriedigenden Gesamteindruck hervor, dass man

nicht zum Reflektieren über einen etwaigen Verstoss gegen den feinen

Geschmack kommt.

Dass England in INDIEN, OST-ASIEN und AUSTRALIEN seinen typographischen

Einfluss geltend gemacht hat, versteht sich von selbst, ebenso, dass wir

nicht berechtigt sind, aus diesen Erdteilen jetzt schon Erzeugnisse,

die einen ganz besonderen typographischen Wert besitzen, zu verlangen,

überall zeigt sich jedoch ein sehr rüstiges Vorwärtsschreiten, an

welchem selbst der äusserste Vorposten der Kultur, JAPAN, sich eifrigst

beteiligt.

[Sidenote: Die Typographie Amerikas.]

Die Typographie NORDAMERIKAS kann keineswegs als blosser Abklatsch

von derjenigen Englands betrachtet werden; sie hat sich vielmehr ihre

eigenen Wege gebahnt.

In der Mannigfaltigkeit der Schriften wetteifert Amerika mit

Deutschland, und es findet auch ein reger Verkehr der deutschen und

amerikanischen Schriftgiessereien statt, der sich hauptsächlich auf

Tausch von Matrizen gründet. Überhaupt geht ein gewisser germanischer

Duktus durch die amerikanische Typographie; man liebt nicht die

presbyterianische Einfachheit des englischen Werkdruckes, und ein in

Deutschland mit Antiquaschrift gedrucktes Buch ähnelt viel mehr einem

amerikanischen, als einem englischen oder französischen Presserzeugnis.

[Sidenote: Xylographie.]

Fassen wir auch die englische Xylographie, welche in dieser Periode

einen enormen Aufschwung nahm, ins Auge[3].

[3] J. JACKSONS und W. A. CHATTOS: _A treatise on wood engraving_

enthält in der zweiten Ausgabe von 1839 ein Zusatz-Kapitel:

_Artists and engravers on wood of the present day_ von HENRY

G. BOHN. Dasselbe giebt eine grosse Auswahl von Proben der

Kunst neuerer englischer Zeichner und Holzschneider, jedoch

ohne Charakteristik derselben und ohne kritische Würdigung der

Leistungen.

Wie das gedruckte Wort den Gedanken eines Autors nicht in allgemeinen

Grundzügen, sondern Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe, wie

er niedergeschrieben wurde, wiedergeben soll, so ist es auch die

eigentliche Aufgabe des Holzschneiders, jeden Strich wiederzugeben,

wie der Zeichner ihn auf dem Holze gezeichnet hat. Eine andere Aufgabe

hat der Kupferstecher. Ihm liegt ein in Farben ausgeführtes Bild oder

eine Zeichnung vor, die in einer ganz anderen Manier behandelt ist,

als die, in welcher er seinen Stich zu geben hat. Der Stecher hat

seine ganz selbständige Technik. Ist er auch nicht mit dem Autor eines

Dichterwerkes zu vergleichen, so doch mit einem poetisch begabten

Übersetzer, dem es nicht gelingen würde, das Gedicht im Geist des

Originals wiederzugeben, wenn er nicht selbst von dem Geiste beider

Sprachen, der des Originals sowohl als der der Übersetzung, durchdrungen

ist. Wenn deshalb der Stecher mit wenigen Ausnahmen auch dem Urheber des

Bildes nachsteht, so steht er, wenn er ein Meister seiner Kunst ist,

doch auf einer höheren Kunststufe als der Holzschneider, dessen erste

Eigenschaft grösste Gewissenhaftigkeit ist.

[Sidenote: Eigentümlichkeiten der engl. Schule.]

So sollte es immer sein; in der Praxis stellt sich jedoch die Sache

nicht selten anders. Denn wie es Autoren giebt, deren Gedanken wohl

korrekt und verständlich sind, die aber dennoch keinen schönen Stil

besitzen, so geht es oft mit dem Zeichner, der für den Holzschnitt

arbeitet. Manchmal würde der Holzschneider dem Zeichner keinen Gefallen

erweisen, wenn er genau so schneiden würde, wie letzterer zeichnete. Oft

begnügt sich der Zeichner sogar mit einer estompierten Skizze, wo dann

dem Holzschneider die gleiche Aufgabe obliegt, wie sie dem Kupferstecher

zufällt, wenn dieser die Zeichnung in die Stichmanier zu übertragen

hat. Und hiermit kommen wir auf die nationalen Eigentümlichkeiten

der englischen Holzschnitte. In diesen ist der Tonschnitt ganz

vorherrschend; für den englischen Holzschneider existieren kaum

Konturen, viel weniger innere Linien. Nachdem er sich den Ton roh

vorgeschnitten hat, verfährt er ganz selbständig. Ton wird auf Ton

gelegt, ohne Scheidung durch Konturen. Er gewinnt in dem Technischen

eine grosse Fertigkeit und kann unter Umständen, wenn er seine Sache

versteht, aus einer schlechten Zeichnung einen anziehenden Schnitt

zuwege bringen; er kann aber auch auf das gründlichste eine schöne

Zeichnung verderben, die vom Künstler darauf berechnet war, in jedem

Strich ihre Geltung zu behalten. Zeichnungen nun nach einer Richtung,

wie die Jos. Führichs, oder, nach einer entgegengesetzten, wie die Ad.

Menzels würden, auf englische Manier behandelt, vollständig charakterlos

werden.

Im Landschaftlichen, wo alles auf die Farbe und den Ton ankommt, wird

der Engländer Meister sein; in Figuren, überhaupt überall, wo das

Hauptgewicht auf die charakteristische Linie und den individuellen

Ausdruck des Künstlers fällt, wird er in der Regel zurückbleiben. Das

alles ist bei der Beurteilung der englischen xylographischen Werke ins

Auge zu fassen.

* * * * *

[Sidenote: Die Quellen.]

Zusammenhängende Darstellungen der neueren Geschichte der

Buchdruckerkunst, die als Stützpunkte für die folgende Schilderung

sowohl der anglo-amerikanischen Gruppe als der beiden anderen Gruppen

dienen könnten, besitzen wir nicht. Selbst die Werke bekannter Autoren,

als Falkenstein, Didot, Dupont u. a., die sich als Geschichten der

Buchdruckerkunst im allgemeinen betiteln, begnügen sich, was die

bei ihrem Erscheinen »Neue« Geschichte betrifft, hauptsächlich mit

Aufzählen einer Reihe von Namen, auch ist eine lange Zeit seit ihrer

Veröffentlichung verflossen. Somit waren wir hauptsächlich auf ein

Zusammensuchen der, sich oft vollständig widersprechenden Nachrichten

aus technischen und anderen Zeitschriften; auf die nicht selten

sehr stark gefärbten und übertreibenden Ausstellungsberichte; auf

die technischen Lehrbücher einzelner Branchen oder Memoiren über

einzelne Erfindungen; auf Nekrologe, Denkschriften u. dgl. und

schliesslich auf die eigenen Wahrnehmungen angewiesen. Zwar ist die

Fachzeitschriften-Litteratur eine ausnehmend reiche, sie hat jedoch

mit der einzigen Ausnahme des »Journals für Buchdruckerkunst« erst

seit den siebenziger Jahren eine eigentliche Bedeutung[4]. Diejenigen,

welche für die Geschichtschreibung im allgemeinen die grösste Ausbeute

geben, finden erst am Schluss des Bandes Erwähnung, um sie nicht bei

jedem Abschnitt zu wiederholen. Dasselbe ist der Fall mit der grossen

Anzahl von offiziellen Berichten, zu welchen die Weltausstellungen in

London 1851 und 1862; in Paris 1855, 1867, 1878; in Wien 1873, und in

Philadelphia 1876 Veranlassung gaben.

[4] L. MOHR in Strassburg, der sich um die typographische Litteratur

und die Bereicherung der Bibliothek des deutschen

Buchhändler-Vereins vielfach verdient gemacht hat, lieferte,

unterstützt von W. BLADES in London, CHR. HUBER in Paris und JOHN

FAEHR in Cincinnati, in den »Annalen der Typographie«, IX. Bd. Nr.

432 und 433, ein Verzeichnis der Erscheinungen der periodischen

Fachpresse älterer und neuerer Zeit. Ein Separat-Abdruck erschien

1879 in Strassburg.

Die Quellen für spezielle Fälle sind, wie im ersten Teil, jedesmal an

der betreffenden Stelle angegeben.

[Illustration]

[Illustration]

I. KAPITEL.

SCHRIFTGIESSEREI UND SETZMASCHINEN

DER ANGLO-AMERIKANISCHEN GRUPPE.

Die SCHRIFTGIESSEREI: W. Caslon II., J. Jackson, D. Bruce, Mac Kellar,

Smiths & Jordan u. a. Die Holztypen. Der Blindendruck. Lord Stanhopes

Stereotypie. Die GIESSMASCHINE: Nicholson, Elihu White, D. & G.

Bruce, Johnson und Atkinson, Westcotts Giessmaschine. Die

SETZMASCHINE, frühere Versuche: T. Alden, W. Mitchell, A. Fraser u.

a. Hattersley, Kastenbein, Mackie. Der _Matrix compositor_ und

ähnliche Apparate.

[Sidenote: W. Caslon II. [+] 17. Aug. 1778.]

William Caslon dem ältern, dem Begründer der Selbständigkeit der

englischen SCHRIFTGIESSEREI, folgte in rühmlicher Weise der schon 1742

als Teilnehmer in das väterliche Geschäft aufgenommene Sohn WILLIAM

CASLON II. Dieser hinterliess als Witwe ELISABETH CARTLICH und zwei

Söhne WILLIAM III. und HEINRICH I., welcher letztere 1788 starb, während

William 1793 aus dem Geschäft trat. Die Frau Heinrichs, ELISABETH ROW,

führte für ihren und ihres Sohnes HEINRICH II. Anteil das Geschäft bis

1795 in Verbindung mit ihrer Schwiegermutter fort, nach deren Tode

allein. Trotz ihrer schwachen Gesundheit entwickelte sie eine grosse

Umsicht. Als sie jedoch merkte, dass trotz aller Anstrengungen das

Renommé des Hauses etwas hinter dem jüngerer Firmen zurückblieb, liess

sie, unter Mitwirkung eines tüchtigen Künstlers, JOHN ISAACK DRURY,

sämtliche Schriften neu schneiden und nahm NATHANAEL CATHERWOOD zum

Associé, der auch allen von ihm gehegten Erwartungen entsprach. Später

associierte sich Heinrich Caslon zuerst mit JACOB JAMES CATHERWOOD, seit

1821 mit MARTIN WILLIAM LIVERMORE. Sie führten eine neue Schreibschrift

ein nach dem System des Franzosen Boileau.

[Sidenote: Jos. Jackson * 4. Septbr. 1733, [+] 14. Jan. 1792.]

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Zweiter Teil Wiedererwachen und neue Blüte der Kunst. 1751-1882. · 第 2 / 47 段