Prächtiger Ausblick. Von links nach rechts: Spiegelwald,
Scheibenberg, Fichtelberg, Keilberg, Gleesberg mit Köhlerturm,
Morgenleite, Auersberg, Kuhberg, Steinberg.
Nun hinab nach _Schneeberg_. (Seite 245).
Von Schneeberg am _Floßgraben_ nach _Aue_ wie unter 29 ~m~ beschrieben.
30. Der Erzgebirgskammweg.
An und für sich ist das Unternehmen, eine einheitliche
Markierung des ganzen Kammes mit Anschluß an das Riesengebirge
durchzuführen, nur zu begrüßen. Jedoch würde der Wanderer,
der diesen ganzen Weg ablaufen wollte, nicht immer befriedigt
sein. Dreifünftel der ganzen Strecke führt auf Waldstraßen
mit wenigen Ausblicken. Der Weg liegt möglichst nahe am
Gebirgskamm, führt deshalb fast ausschließlich durch böhmisches
Gebiet. Nur im westlichen Teile, bei Johanngeorgenstadt und dem
Auersberg überschreitet er die sächsische Grenze. Der reizvolle
Wechsel zwischen schönen Tälern und stolzen Höhen ist ihm
versagt. Als Gegenstück dazu hat der Erzgebirgsverein Höhenwege
markiert, die unter Nr. 31 aufgeführt werden und bedeutend
abwechselungsreicher sind. Einzelne Stücke des Kammweges zu
wandern, kann natürlich nur empfohlen werden. Wir bringen im
Folgenden erst den ganzen Kammweg und dann einen Vorschlag zu
einer lohnenden Kammwanderung.
Das Wegezeichen besteht in einem |_|_|_|, vier blaue Zinken
in weißem Felde. Hoher Schneeberg -- Dorf Schneeberg 2 ~km~
-- Tyssaer Wände -- Tyssa 5 ~km~ -- Jungferndorf 5 ~km~ --
Nollendorf 2 ~km~, Streckenwalde 4,3 ~km~, Mückentürmchen
5,4 ~km~ -- Hinterzinnwald 8 ~km~ -- Neustadt 8,4 ~km~ --
Fleyh 7,5 ~km~ -- Göhren 8 ~km~ -- Böhmisch-Einsiedel 4 ~km~
-- Gebirgsneudorf 4 ~km~, Kallich 15 ~km~ -- Sebastiansberg
12 ~km~ -- Preßnitz 13 ~km~ -- Kupferberg 4 ~km~ -- Keilberg
12,5 ~km~ -- Gottesgab -- Pleßberg -- Platten 21 ~km~ --
Auersberg -- Wildenthal -- Kranichsee 25 ~km~.
Wanderzeit: 2½ Tag.
Ausgangspunkt: Station Blauenthal. Linie
Chemnitz--Aue--Adorf.
1. Halbtag:
_Blauenthal_ -- _Zimmersacher_ (20 Min.) -- _Wildenthal_ (1¾ Std.) --
_Auersberg_ (35 Min.)
Wegbeschreibung siehe 29 ~h~. Übernachten im Berghause.
2. Tag.
_Auersberg_ -- _Sauschwemme_ (20 Min.) -- _Steinbach_ (20 Min.) --
_Johanngeorgenstadt_ (1 Std.) -- _Platten_ (1 Std.) -- _Abertham_ (1
Std.) -- _Pleßberg_ (¾ Std.) -- _Gottesgab_ (2¼ Std.) -- _Fichtelberg_
(1 Std.)
Wanderzeit: ca. 7½--8 Std.
Von Auersberg bis Johanngeorgenstadt siehe 29 ~h~.
Nun über Wittigsthal nach Breitenbach zur Dreckschenke. Von hier die
Talstraße weiter, immer den Kammzeichen folgend nach _Platten_.
Stadt mit 2800 Einwohnern, 868 ~m~ hoch auf weiter, öder
Hochfläche gelegen. Früher Bergstadt, heute Fabrikation von
Glacéhandschuhen, Blechwaren, Schatullen, Korken. Die ehemalig
evangelische Bevölkerung wurde bei der Gegenreformation
gezwungen, zur katholischen Lehre zurückzukehren. Da wanderten
alle, bis auf neun Handwerker, aus und gründeten auf
sächsischem Boden die Stadt Johanngeorgenstadt.
Nun den Kammzeichen folgend am Rathaus die Straße nach Bärringen
einschlagen. Die Zeichen führen uns schließlich nach _Abertham_.
Stadt mit 4000 Einwohnern, 880 ~m~ hoch gelegen. Hauptort der
böhmischen Handschuhindustrie.
Vor der Kirche die Gottesgab-Joachimsthaler Straße abwärts. Den
Kammzeichen nach auf den _Pleßberg_.
1027 ~m~ hoch, ziemlich kahl. Aussichtsturm 16 ~m~ hoch.
Prächtige Aussicht. Im Unterkunftshaus kann man eine Postkarte
erwerben, die die Aussicht erläutert.
Aus dem Unterkunftshaus tretend, geradefort. Der Weg führt über den
kahlen Bergrücken hinab in den Wald. Die Marken bringen uns zum
Forsthaus Weite Wiese, dann auf einen Fahrweg. Diesen nach links.
Wegteilung: geradeaus auf die Gottesgaber Straße. Diese wandern wir, an
Häusern von Werlsberg vorüber nach _Gottesgab_.
Weiteres über _Gottesgab_ und Wanderung zum _Fichtelberg_ siehe 24 ~g~.
Nachtlager im Fichtelberghaus möchte man vorher möglichst durch
Fernsprecher bestellen. Ist dort kein Lager mehr frei, übernachte man
im Neuen Haus.
3. Tag.
_Fichtelberg_ -- _Keilberg_ (1½ Std.) -- _Kupferberg_ (2½ Std.) --
_Preßnitz_ (1 Std.) -- _Christophhammer_ (1¼ Std.) -- _Schmalzgrube_ (¾
Std.)
Wanderzeit: 7 Std.
Vom Fichtelberg nach dem _Neuen Haus_ und weiter nach dem _Keilberg_
(siehe 24 ~a~).
Nun den Kammbezeichnungen folgend zum Gasthaus Hofberg. Dann zum
_Mauthaus_ (Bierschank). Weiter zum _Langenauer Forsthaus_ und nach
_Oberhals_. Endlich nach _Kupferberg_. (Siehe Wanderung 22.)
Wir verlassen nun den Kammweg. Vom Markte die Bahnhofstraße hinaus. Am
Ende der Straße Wegteilung: links zu einer weiteren Wegeteilung. Nun
halbrechts, Richtung: das Bahnwärterhaus. Die Bahn überschreiten. Am
Bahnwärterhaus vorbei und den Feldweg abwärts. Der Haßberg gibt die
Richtung an. Nun nicht rechts und links abgehen bis zur Landstraße.
Hier eine Brücke. Die Straße nach links. Bei einem Kreuze geht
links ein Feldweg direkt nach _Preßnitz_. (Siehe Wanderung 22.)
Nun auf der Landstraße, am _Mauthäusel_ (Bierschank) vorüber nach
_Christophhammer_. In der »Schlummerrolle« ist Einkehrgelegenheit. Nun
auf der Landstraße an der Preßnitz hin, die Grenze überschreitend nach
_Schmalzgrube_. (Wanderung 22.)
Mit der Bahn über Wolkenstein nach Chemnitz zurück.
31. Die Höhenwege im Erzgebirge.
Um dem Wanderer die schönsten Stätten des Gebirges im
bunten Wechsel von Tal und Höhe zugänglich zu machen, hat
der Erzgebirgsverein drei Höhenwege markieren lassen, die
wohl sämtliche besuchenswerte Punkte des Gebirges berühren.
Die einheitliche Markierung, für deren Durchführung Herrn
Schuldirektor Wappler in Zöblitz das Hauptverdienst
zuzusprechen ist, hat hoffentlich durch den Krieg keine
Vernachlässigung erfahren.
Höhenweg I.
Dem Kamme am nächsten. Markierung: ein blaues × liegendes Kreuz auf
weißem Grunde. Länge 265 ~km~. Folgende Punkte werden berührt: Kuhberg,
Schnarrtanne, Reiboldsgrün, Rautenkranz, Jägersgrün, Schneckenstein,
Aschberg, Sachsengrund, Carlsfeld, Auersberg, Steinbach, Teufelssteine,
Johanngeorgenstadt, Rabenberg, Breitenbrunn, Rittersgrün, Tellerhäuser,
Fichtelberg, Crottendorf, Scheibenberg, Schlettau, Buchholz, Frohnau,
Annaberg, Pöhlberg, Bärenstein, Jöhstadt, Schmalzgrube, Hirtstein,
Reitzenhain, Kühnheide, Nonnenfelsen, Teufelsmauer, Katzenstein,
Zöblitz, Rübenau, Natzschungtal, Stößerfelsen, Bruchberg, Olbernhau,
Grünthal, Schweinitztal, Seiffen, Schwartenberg, Neuhausen, Sayda,
Bienenmühle, Zaunhaus, Rehefeld, Altenberg, Geising, Lauenstein,
Liebenau, Börnersdorf, Gottleuba.
Höhenweg II.
Die Wegbezeichnung besteht in einem roten liegenden Kreuz auf weißem
Grunde. Der Weg ist 165 ~km~ lang. Kuhberg, Neuheide, Schönheide,
Schönheiderhammer, Eibenstock, Auersberg, Sosa, Jägerhaus am
Ochsenkopf, Morgenleite, Schwarzenberg, Fürstenbrunnen, Spiegelwald,
Grünhain, Geyer, Greifensteine, Ehrenfriedersdorf, Schönbrunn
(Zschopautal), Wolkenstein, Warmbad, Gehringswalde, Dreibrüderhöhe,
Marienberg, Lauta, Lauterbach, Neunzehnhain, Lengefeld, Rauenstein,
Lippersdorf, Großhartmannsdorf, Mulda, Burgberg, Frauenstein,
Reichenau, Ammelsdorf, Bärenfels, Kipsdorf, Buschmühle, Luchau,
Luchberg, Glashütte, Liebstadt, Gottleuba.
Höhenweg III.
Wegbezeichnung ein gelbes liegendes Kreuz auf weißem Grunde. Kuhberg,
Oberstützengrün, Hundshübel, Dürrhäuser, Filzteich, Neustädtel,
Gleesberg, Schneeberg, Keilberg, Wildberg, Stein, Hartenstein,
Prinzenhöhle, Lößnitz, Zwönitz, Greifensteine, Thum, Kemtauer Felsen,
Kemtau, Dittersdorf, Dittersdorfer Höhe, Einsiedler Talsperre,
Einsiedel, Geiersberg, Harthau, Chemnitz, Beutenberg, Adelsberg,
Sternmühle, Kunnerstein, Augustusburg, Hohenfichte, Metzdorf
(Hetzdorfer Schweiz), Karolinenhöhe, Oederan, Gahlenzer Höhe,
Görbersdorf, Kirchbach, Linda, Oberschöna, Freiberg, Niederbobritzsch,
Klingenberg, Tharandter Wald, Grillenburg.
Berichtigungen.
Seite 2, Zeile 11 Steigerungen anstatt Steigungen
Seite 3, Zeile 32 idyllisch
Seite 73, Zeile 3 landschaftlich anstatt landwirtschaftlich
Seite 108, Zeile 21 Warnsdorfer Quelle
Seite 115, Zeile 14 Johannaturm
Seite 236, Zeile 5 muß es heißen: dann rechts auf einem
Feldweg zur Meisterei.
[Illustration: _Plan vom Zeisigwald._]
Wanderregeln.
Früh zu Bett und früh heraus! Das Wandern in frischer Morgenkühle ist
das schönste. Man lege 4 bis 5 Stunden Wegs am Vormittag zurück und
raste während der Mittagszeit. Die Hauptmahlzeit nimmt man am besten am
Abend erst ein. Bei den gegenwärtigen Verpflegungsverhältnissen nehme
man genügend Proviant im Rucksack mit; nicht immer ist es Übelwollen
der Gebirgswirte, wenn sie Nahrungsmittel an durchreisende Wanderer
nicht verabreichen. Von hohem Reiz ist eine Rast im Freien. Man steige
bergan langsam und gleichmäßig. Die Bergführer der Alpenländer haben
recht mit ihrer ständigen Mahnung an Übereifrige: »Zeit lassen!« Am
Rastort angekommen, lasse man sich nicht sofort erschöpft nieder. Noch
etwas Bewegung bewahrt vor dem unangenehmen Steifwerden der Füße.
Möglichst getragenes, »eingetretenes« Schuhwerk anziehen! Man kümmere
sich vor Beginn der Wanderung um die Fahrpläne der Eisenbahnen!
[Illustration]
10 Gebote für Erzgebirgswanderer.
1. Schützet die Anpflanzungen in Feld und Wiese, Garten und
Schmuckplatz und betretet keine jungen Forstkulturen!
2. Schont den Blumenflor am Bergeshang, auf der Höhe und im
Walde! Vermeidet das Abreißen, Mitnehmen und Ausgraben von
Pflanzen. Wie viele seltene Gebirgspflanzen sind schon durch
die Gedankenlosigkeit und Zerstörungssucht der Naturhyänen
ausgestorben!
3. Laßt weder Papier noch Scherben an euren Rastplätzen liegen!
4. Beobachtet die Tierwelt, aber stört sie nicht! Bei der
Ausrottung giftigen Gewürms ist manch harmloses Tierchen mit
zu Schaden gekommen! Ihr kommt als Naturfreunde, nicht als
Schlangenjäger in die Berge!
5. Schont die Wege, Markierungen, Bänke, Sicherheitsgeländer
usw. Bedenkt, wieviel selbstlose Arbeit des Erzgebirgsvereins
darin verborgen liegt!
6. Stört die Erhabenheit der Gebirgsnatur nicht durch
Lärm, vor allem nicht durch das Absingen widerlicher
Operettenschlager. Der deutsche Volksliederschatz birgt so
viele Edelsteine, mit denen ihr prunken könnt!
7. Seht im Gebirgsbewohner nicht einen Trottel, mit dem ihr
euch jeden Spaß erlauben könnt!
8. Beim Überschreiten der Grenze denkt immer daran, daß ihr
nicht in ein unkultiviertes Land kommt, das nur auf euer
Erscheinen gewartet hat, um der Kultur näher gerückt zu
werden! Was anders ist, kritisiert nicht laut und verletzend;
denkt an das Wort: »Ländlich -- sittlich!«
9. Unterstützt die Bestrebungen des Erzgebirgsvereins, indem
ihr euch die Mitgliedschaft desselben erwerbt! Für 3 Mark
Jahressteuer erhaltet ihr auch noch die gutgeleitete
Zeitschrift »Glück auf!«
10. Freut euch über unser schönes Gebirge und nehmt fürlieb mit
dem, was euch geboten wird!
Bleib gut gelaunt, auch wenn es regnet,
Dann bleibt dein Wanderschaft gesegnet!
[Illustration]
=Raum für Notizen= bez. Gaststätten, Bahnanschlüsse u. s. w.
=Raum für Notizen= bez. Gaststätten, Bahnanschlüsse u. s. w.
Dieses Blatt schneide man heraus, beschreibe es mit Vorschlägen zur
Verbesserung und Erweiterung dieses Wanderbuches und sende es an den
Herausgeber
(Chemnitz, Helenenstraße 55, II).
Dieses Blatt schneide man heraus, beschreibe es mit Vorschlägen zur
Verbesserung und Erweiterung dieses Wanderbuches und sende es an den
Herausgeber
(Chemnitz, Helenenstraße 55, II).
Dieses Blatt schneide man heraus, beschreibe es mit Vorschlägen zur
Verbesserung und Erweiterung dieses Wanderbuches und sende es an den
Herausgeber
(Chemnitz, Helenenstraße 55, II).
Dieses Blatt schneide man heraus, beschreibe es mit Vorschlägen zur
Verbesserung und Erweiterung dieses Wanderbuches und sende es an den
Herausgeber
(Chemnitz, Helenenstraße 55, II).
's Gartenhäusel
Erzählung in erzgebirgischer Mundart von Max Wenzel
[Illustration]
[Illustration]
's Gartenhäusel.
Jeder Mensch is ze beneiden, dar en Garten hoot. Net när ellä wagn de
Kohlrabi un Möhrn un daß ener egal frischen grün Salat hoot, nä, 's
gibt kene Zeit in Gahr, wu mer sich net in sen Gärtel e Fräd machen
könnt. Wu nu noch derzu Kiner sei, do is erscht racht schie. Nu hoot
oder net jeder esu viel Pfeng, daß er sich e Häusel un en Garten kafen
kaa, un do is e racht gute Eirichting, daß mer sich aa e Stückel Ard,
wos mer dernoch zu en Garten eiricht, mieten ka. Frieher gob's esuwos
när in de grußen Städt, itze fange se oder aa in de klen Stadtle un
Oerter a, sette Gartle azelegn.
In Annabarg wurn se aa eigericht, un en Haufen Leit taten sich nu e
Gartel harrichten. 's war of dan Flack noch e racht gruß Stück zu hobn,
oder dos ging ewig net wag, epper weils ne Leiten zu viel Arbet un ze
viel Gald war. Der Grund un Buden gehöret ne Baumester Fischer, un dar
dacht schie dra, dan Garten fir sich salber eizerichten. 's war e Gahr
virhar in Annabarg e Gartenbauausstelling gewasen un do hatt er en fein
Pafillon baue müssen fir su ener grußen Ferma aus Berlin un -- wies e
monichsmol is -- hinrhar hott er für dan Häusel kene Pfeng kriegt, un
nu stand's of sen Zimmerplatz in Wag rim. Ar dacht: »Du werscht dos
Häusel in dan Garten neisetzen, e seits feins Gartenhaus hoot kä anrer!«
's war e schie Häusel, fei gruß, an der Vöderseit warsch auf, un an en
Giebel dra war sugar e Taubenschlog, un ubn drauf war e Türmel mit ener
klen Fahn.
Wos der schiene Zaun un de gute Log net fertig gebracht hatten, dos wor
dan Häusel gelunge, geleich an zweten Tog kame zun Baumester Fischer
zwä Mannsen un fregeten wagn dan Gartl. Se hob'n erscht ewing hin-
un hargehanelt, oder dann kame se zesame. Der Schindler-Oskar un der
Salig-Bruno hatten, wie se ehäm ginge, mitenaner dan Garten gemiet.
Geleich en Tog dernoch macheten sich die bäden, wie se an Nochmittig
ihrn Gorl ogeliefert hatten zun Eisenfröhner un kafeten sich en eisern
Spaten, e Hackel un en Rachen. Dann gings zum Chamnitzer-Richard,
un da wur e Paketel Same gekaft, lauter Zeig, wu zwar ofn Packel
stand, daß in Juli blühe tät, wenn mersch im April naussäet -- oder
obs aa werklich aufging, dos war de anere Frog. Dann ließen se sich
bein Schnaps-Bräuer erst noch de Schofsackele fülln, un nu konnt
de Landwirtschaft lusgiehe. Wie se a der »Sonn« nakame, stand der
Lindnerfried vir der Tir un passet auf, wie der Satziger Schmiedel sei
neues Pfaar eispanne tat. Der Fried konnt natirlich sei Maul net halten.
»Ihr wollt wuhl ofn Gottesacker ne Ahnert halfen giehe?« esu freget
er, wie er bei dan bäden dos Handwerkszeig sog. »Nä, mir wollen in
»unern« Garten!« sahten die mit Gesichtern, als wären se der alte Wecke
von Wiesner Rittergut.
»En Garten hatt ihr?« machet der Lindnerfried weter, »ich dacht, weß
Gott, ihr hätt de Riesenburg mitenaner gekaft, esu grußbrudig kommt ihr
geloffen!«
Nu ging de Ausfrogerei natirlich esulang fort, bis dr Fried alles
wußt. »Dos Häusel is schie!« dos saht er aa, »do könnt ihr Hühner,
Kuhnickeln, Ziegn un sinst wos neisperrn!«
»Na«, saht der Schindler-Oskar, »ene Menageriebud soll das fei net
warn!« Der Lindnerfried but sich aa, emol mit nauszulafen, oder er hatt
noch e Tröppel Bier drine in sen Glos stiehe, un weil er saht: »Eier
Garten reißt eich net aus«, da daurets aa net lang, soßen se mit in dr
»Sonn« an runden Tisch, un wie der Lindnerfried sei Gitarr harnahm un
sen Walzer machet, do war der Garten ewing aus'n Gedanken gekomme.
's mocht epper üm neune sei, -- draußen warn schie die Latern agezünd,
-- do fuhl dan Brüdern ei, weswagn se engtlich derhem fortwarn. Der
Oskar saht ewing klälaut zun Bruno: »Du nimmst doch emol das Grobzeig
mit ehäm zu dir?« Oder do kam er schlacht aa: »Mei Alte is abn esu
giftig wie deine; 'sma sei wies will, oder dos Gelump müssen mer erscht
vollst nausschaffen!«
Na, 's half nischt, se mußten noch in Garten giehe, un der Lindnerfried
ging aa miet. Wie se nauskame, marketen se zu ihr'n größten Schrack,
daß der Garten un aa dos Häusel net zuzeschließen ginge. Wos sollten se
nu machen? Der Lindnerfried schlug vir, mer möcht dos Zeig derweile in
der »Grün Wies'« neistelln, dä die warn net weit dervu. Esu wursch aa
gemacht.
In der Gaststub soß noch der Falk aus'n Feldschlössel un 's ging e
gruße Unterhalting lus. Wie der Falk market, daß die dohaußen net weit
von seiner Wertschaft en Garten hatten, logn natierlich dra, daß die
net egal in der »Grün Wies'« eikehren sollten, un er lubet dos Gartel,
wos er när konnt.
»Da hob'n Se aber e guts Geschäft gemacht, Herr Nachbar!« saht er, »esu
e schiens eigerichts Gartel hoo ich bal noch gar net gesah!«
Der Fried saht: »'s stieht aber fei noch nischt drinne, Herr Falk!«
Der Falk wußt sich oder zu halfen: »Nu, do war ichs do miet en anern
verwachseln! Oder die Log un dos Land, grußartig!« Un der Fried half
tichtig miet. »Poßt emol auf«, saht er, »eirn Pacht kriegt ihr zahmol
raus! Ich bin gut derfür, daß ihr in zah Gahrn ne Fischer dos ganze
Grundstück okafen könnt. Dohaußen stinne schie e ganze Hetz Fabriken;
denkt emol an mich, wenn dohierde ene Eß' stiehe wärd, größer wie ne
Tauchmann seine!«
Der Wirt von der »Grün Wies'« setzet noch derzu, daß er aa Flaschenbier
verkafen tät. Wenn se emol in Garten arben täten, sollten se när
rüberwinken mit en Taschentüchel, do wißt er geleich, wura er wär un
käm mit en Kasten Bier geloffen.
Der Falk saht nu wieder, daß noch der Arbet aa in sein Lokal racht
schie wär, un er gab geleich e Rund Pfafferminz, daß se's nett
vergassen sollten. Die neue Grußgrundbesitzer konnten natirlich aa net
anersch, se mußten aa jeds e Rund gaben, un wie se der Falk eilodn
tat, se möchten doch noch emol miet nüber in's Feldschlössel giehe, do
konnten se doch net anersch un liefen miet.
Dort saß der Riesenburg-Albin, un net lang daurets do war e Doppelkopp
in Gang. 's war zwölfe raa, wie se zun Ding wieder neimacheten. Se
sogen von der Wiesenboder Stroß aus ihr Gartel esu schie in Mondschei
liegn, daß se e richtige Fräd hatten, un se moleten sich schie aus
wie's erscht sei müßt, wenn dorten de grußen Aepel- un Pflaamebamer
ständen, un warn gelicklich, daß se esu gescheit gewasen warn.
Wie se de Kartengass' naufmacheten, war bein Hensel noch Licht, do wur
das gruße Geschäft noch emol begossen, dann machet der Bruno ehäm. Der
Oskar geriet noch emol nei bein Tacken; dan zugs net esu ehäm. Er wußt
a schie worim.
Bevur se ausenaner ginge, hob'n se erscht noch ausgemacht, daß an
nächsten Nochmittag imme dreie oder bestimmt de Arbet lusgiehe sollt.
Ne Oskar sei Fraa war noch auf wie er kam. Se freget geleich e fünkel
spitzig: »Nu, ihr hobt wuhl geleich gewart, bis de Radieseln aufgegange
sei?« Der Oskar hoot e langs un e bräts derzählt, wos se olles machen
wollten; oder er fand bei seiner Lina net ne richting Gelaabn. Die
dacht für sich: »Nu hob'n se wieder ewos, wu se alle Tog, die Gott warn
läßt, derhäm fortlafen könne!« Se behielt oder ihre Asicht derweile
noch für sich.
Ne Bruno un ne Oskar tramet de ganze Nacht von ihrn Gartl un der Oskar
wachet emol dervu auf, wie er tramet, daß ne e Kerbis von der Größ wie
ne Lindnerfried sei Kopp, of der Nos' gefallen war. --
An anern Nochmittig, wies dreie schlug, warn de bäden Freind mitenaner
schie in Garten. Weil nu e richtiger Maa erscht alles racht überlegt,
eh er ewos afängt, do wur nu erscht e gruße Berating ogehalten. 's
Gartenhäusel stand gerode in der Mitte an hinern Zaun. Dos wollten se
alle bäde zesammehobn un ne Garten wollten se in zwä Hälften täln. Mit
en Binfadl wur de Mitte von Häusel gesucht. Der Bruno stellet e Bä hie
of dan Flack un saht: »Hierde möcht mer geleich emol en Kreidstrich
harmachen.«
Nu hatten se oder kene Kreid mit, un do but sich der Oskar aa, geleich
emol nüber in der »Grün Wies'« ze lafen un welche zu huln. »Bie oder
fei net lang!« dos rufeten der Bruno noch.
Der Bruno hatt nu ene Weil gestanden, bis'n bal sei rachts Bä
eischlief, do nahm'rsch linke. Ar hoot aa noch ewing gewart, oder mei
Oskar kam net wieder. Der Bruno fluchet in sich nei, dann leget er sei
Tobakspfeifel of dan Punkt hie un machet aa in der »Grün Wies'«.
Do stand mei Oskar an Büffet un lacket an en Faustpensel Pfafferminz
rüm un tat derzehln, wos alles aus dan Garten warn sollt. Sein Reden
enoch war do der Gruße Garten in Drasen e Drack dergegn. Wie mei Bruno
kam, bestellet er geleich noch zwä Faustpenseln, daß dar när net
schimpfen sollt.
Der Bruno saht: »Schnaps ka ih net geleich esu uhne Bier trinken«,
un bestellet sich e Tippel Eefach derzu; do konnt nu der Oskar aa net
anersch un ließ sich aa äs gab'n.
»Aes und äs is zwäe«, dos efache Exempel kennt e jeds, dar när emol
ä Stehtippel hoot trinken wollen. Su warsch aa dohierde. Se hatten zu
tue, daß se wieder in ihr Gartel kame, ehs finster wur.
Nu hob'n se gemassen un gemassen, dann hatten se endlich ihr Grundstück
in zwä Teel geteelt. Dann hob'n se en Neigrosch geschmissen. Der Vugel
sollt de rachte Hälft un de Nummer de linke Hälft bedeiten. Der Bruno
haet ze erscht. Er haet ne Vugel. Nu wollt der Oskar aa emol schmeißen.
Der Bruno saht zwar, dos wär doch genung, ar krieget de rachte Hälft,
oder do war der Oskar net eiverstanden, ar menet, 's müßt alles geracht
zugiehe, daß kä Streit wür. Ar haet nu aa, un was hatt'r? Aa ne Vugel!
»Siehste de«, saht er, »geracht muß sei!« Nu hob'n se noch emol dan
Neigrosch in de Höh gewichst, un do passets. Der Bruno kriegt de rachte
Hälft un der Oskar de linke.
Daß nu der Garten oder aa e rachtes Aussahe kriegn sollt, wur
ausgemacht, daß ener sei Hälft abn esu harrichten sollt wie der anere.
Dann hob'n se en Weg ogesteckt von der Tür ofn Gartenhäusel zu. Links
un rachts dervu sollten Beet komme un an Wag dra lauter Rosenbäumle.
Daß se sich nu e rachtes Bild machen könnten, schlug der Bruno vir,
emol in Feldschlössel ze giehe un en richting Riß ze moln.
Das wur aa gemacht un se hob'n bis Ohmd im Elfe an dan Riß gemolt; 's
stand oder aa jedes Fünkel of dan Papier. 's war e feiner Plan fartig
gewurn.
Se hatten bei jeder Sorte Pflänzle allemol när en Afangsbuchstobn
hiegeschriebn, un der Oskar vermahret alles dorchenaner. Spinat un
Sellerie un Stiefmütterle, dos fängt doch alles mit'n »S« aa, un do
is doch kä Wuner, wenn dos ener net ausenaner halten ka. Der Oskar
saht: »Loß när erscht dos Zeig gruß sei, do wär ichs schie unerscheiden
könne!« Worauf oder der Lindnerfried, dar aa wieder miet derbei war,
när saht: »Na, ich gelab, du frißt Stiefmütterle und denkst, de hast
Selleriesalat!«
's war wieder spät, wie se ehämkame. Se hob'n ihren Weibern alles
eigeredt, wos warn sollt, 's saht oder kene ewos drauf, wos de Mannsen
e fei weng wunern tat.
An anern Tag wollten se, weil de Arbeit net esu dränget, schie im zwäe
i Garten giehe.
Der Bruno leget sich nochn Assen gar net erscht ofn Kanepee, ar machet
sich fort un hulet ne Oskar ab. Fix gings de Kartengass noner. Se warn
abn an der Facius-Eck, do brachts of emol e Wagel getriebn un drauf
soß der Illing-Max. Der hielt aa un freget: »Wu wollt dä Ihr hie?« »In
unern Garten«. »Ihr könnts wuhl net derwarten. Der ganze Frost stackt
noch drinne, ich tät noch e Woch oder zwä wärten, ehr ich ewos machet.
Fahrt miet nach Barnstä, bein Galner Albin is Sauschlachten!«
Der Bruno gucket ne Oskar aa, der Oskar saht aa nischt, oder zah
Minuten später fuhr dos Wagel, mit _drei_ Mannsen drauf, zun Buchhölzer
Tor naus. --
Nu war när dos Ugelick, daß de Schubert-Marie, die an der Eck wuhnet,
wu das Geschirr virbeimachet, sich virgenomme hatt', an dan Nochmittig
emol in der Stadt ze giehe. Wie se sog, daß de Mannsen unerwags warn,
passet'r dos racht gut un se dacht: »Do war ich emol zur Salig-Frida
giehe, weil de alten Mannsen net derhem sei«. 's dauret aa net lang,
soß se of der Kartengass' bei der Frida an Tisch. De Frida hat geleich
bein Schwarz-Beck Pfannekuchen hulen lossen, un se mahreten nu von dan
un gen. Of emol fuhls der Schubert-Marie ei, ze frogn: »Wu macheten dä
eire Manner heit hie?«
»Die sei naus in Garten arben«, menet de Frida drauf.
»Ihr hatt' wuhl en Garten?« freget de Marie wieder.
»Haa, mer möcht doch aa emol sahe, ob mer werklich ewos gut macht
dermiet!«
»Nu, ich denk oder, 's is ewing weit wag vu eich!«