spaeteren Kaiserzeit mit Rom in Verkehr und Vertrag.

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^71 Der aegyptische Kaufmann unterscheidet den enthesmos basile?s der

Homeriten (c. 23) scharf von den t?rannoi, den bald unter ihm stehenden, bald

unabhaengigen (c. 14) Stammhaeuptern, und ebenso scharf diese geordneten

Zustaende von der Rechtlosigkeit der Wuestenbewohner (c. 2). Wenn Strabon und

Tacitus fuer diese Dinge so offene Augen gehabt haetten wie jener praktische

Mann, so wuessten wir etwas mehr vom Altertum.

^72 Der Krieg des Macrinus gegen die Arabes eudaemones (vita 12) und die an

Aurelian geschickten Boten derselben (vita 33), die neben denen der Axomiten

genannt werden, wuerden deren damals fortdauernde Selbstaendigkeit beweisen,

wenn auf diese Angaben Verlass waere.

^73 Der Koenig nennt sich um das Jahr 356 (Anm. 58) in einer Urkunde (CIG

5128) basile?s Ax/o/mit/o/n kai Om/e/rit/o/n kai to? Raeidan (Schloss in

Sapphar, der Hauptstadt der Homeriten: Dillmann, Abhandlungen der Berliner

Akademie, 1878, S. 207) . . . kai Sabaeit/o/n kai to? Sile/e/ (Schloss in

Mariaba, der Hauptstadt der Sabaeer: Dillmann a. a. O.). Dazu stimmt die

gleichzeitige Sendung von Gesandten ad gentem Axumitarum et Homerita[rum] (Cod.

Theod. 12, 12, 2). Ueber die spaeteren Verhaeltnisse vgl. besonders Nonnosus

(FEIG 4 p. 179 Mueller) und Prok. Pers. 1, 20.

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In dem Handel und der Schiffahrt haben die Araber des Suedwestens der

Halbinsel auch spaeter noch, wenn nicht mehr den Platz der Vormacht, doch die

ganze Kaiserzeit hindurch eine hervorragende Stelle eingenommen. Nach der

Zerstoerung von Adane ist Muza die Handelsmetropole dieser Landschaft geworden.

Noch fuer die vespasianische Zeit trifft die frueher gegebene Darstellung im

wesentlichen zu. Der Ort wird uns in dieser Zeit geschildert als ausschliesslich

arabisch, bewohnt von Reedern und Seeleuten und voll ruehrigen kaufmaennischen

Treibens; mit ihren eigenen Schiffen befahren die Muzaiten die ganze

afrikanische Ost- und die indische Westkueste und verfrachten nicht bloss die

Waren des eigenen Landes, sondern bringen auch die nach orientalischem Geschmack

in den Fabriken des Okzidents gefertigten Purpurstoffe und Goldstickereien und

die feinen Weine Syriens und Italiens den Orientalen, hinwiederum den

Westlaendern die edlen Waren des Ostens. In dem Weihrauch und den sonstigen

Aromen muessen Muza und das Emporium des benachbarten Reiches von Hadramaut,

Kane, oestlich von Aden, eine Art tatsaechlichen Monopols immer behalten haben;

erzeugt wurde diese im Altertum sehr viel mehr als heute gebrauchte Ware wie auf

der suedlichen arabischen, so auch auf der afrikanischen Kueste von Adulis bis

zum "Vorgebirge der Arome", dem Kap Guardafui, aber von hier holten sie die

Kaufleute von Muza, und sie brachten sie in den Welthandel. Auf der schon

erwaehnten Dioskorides-Insel war eine gemeinschaftliche Handelsniederlassung der

drei grossen seefahrenden Nationen dieser Meere, der Hellenen, das heisst der

Aegypter, der Araber und der Inder. Von Beziehungen aber zum Hellenismus, wie

wir sie auf der gegenueberliegenden Kueste bei den Axomiten fanden, begegnet im

Lande Jemen keine Spur; wenn die Muenzpraegung durch okzidentalische Stempel

bestimmt ist, so waren diese eben im ganzen Orient gangbar. Sonst haben sich

Schrift und Sprache und Kunstuebung, soweit wir zu urteilen vermoegen, hier

ebenso selbstaendig entwickelt wie Handel und Schiffahrt, und sicher ist es

dadurch mit bewirkt worden, dass die Axomiten, waehrend sie politisch die

Homeriten sich unterwarfen, spaeter aus der hellenischen Bahn in die arabische

zuruecklenkten.

In dem gleichen Sinn wie fuer die Beziehungen zu dem suedlichen Afrika und

zu den arabischen Staaten und in erfreulicherer Weise ist in Aegypten selbst

fuer die Wege des Handelsverkehrs zunaechst von Augustus und ohne Zweifel von

allen verstaendigen Regenten gesorgt worden. Das von den frueheren Ptolemaeern

auf den Spuren der Pharaonen eingerichtete Strassen- und Hafensystem war, wie

die gesamte Verwaltung, in den Wirren der letzten Lagidenzeit arg

heruntergekommen. Es wird nicht ausdruecklich gemeldet, dass Augustus die Land-

und die Wasserwege und die Haefen Aegyptens wieder instand gesetzt hat; aber

dass es geschehen, ist darum nicht minder gewiss. Koptos ist die ganze

Kaiserzeit hindurch der Knotenpunkt dieses Verkehrs geblieben ^74. Aus einer

kuerzlich aufgefundenen Urkunde hat sich ergeben, dass in der ersten Kaiserzeit

die beiden von danach den Haefen von Myos Hormos und von Berenike fuehrenden

Strassen durch die roemischen Soldaten repariert und an den geeigneten Stellen

mit den erforderlichen Zisternen versehen worden sind ^75. Der Kanal, der das

Rote Meer mit dem Nil und also mit dem Mittellaendischen Meer verband, ist auch

in roemischer Zeit nur in zweiter Reihe, hauptsaechlich vielleicht fuer den

Transport der Marmor- und Porphyrbloecke von der aegyptischen Ostkueste an das

Mittelmeer benutzt worden; aber fahrbar blieb er durch die ganze Kaiserzeit.

Kaiser Traianus hat ihn erneuert und wohl auch erweitert - vielleicht ist er es

gewesen, der ihn mit dem noch ungeteilten Nil bei Babylon (unweit Kairo) in

Verbindung gesetzt und dadurch seine Wassermenge verstaerkt hat - und ihm den

Namen des Traianus- oder des Kaiserflusses (Augustus amnis) beigelegt, von

welchem in spaeterer Zeit dieser Teil Aegyptens benannt wurde (Augustamnica).

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^74 Aristeides (or. 48 p. 485 Dind.) nennt Koptos den indischen und

arabischen Stapelplatz. In dem Roman des Ephesiers Xenophon (4, 1) begeben sich

die syrischen Raeuber nach Koptos; "denn dort passieren eine Menge von

Kaufleuten durch, die nach Aethiopien und Indien reisen."

^75 Spaeter legte Hadrian die "neue Hadriansstrasse" an, welche von seiner

Antinoosstadt bei Hermopolis, wahrscheinlich durch die Wueste nach Myos Hormos

und von Myos Hormos am Meer hin, nach Berenike fuehrte, und versah sie mit

Zisternen, Quartieren (stathmoi) und Kastellen (Inschrift: Revue archiologique

N. S. 21, 1870, S. 314). Indes ist von dieser Strasse nachher nicht die Rede,

und es fragt sich, ob sie Bestand gehabt hat.

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Auch fuer die Unterdrueckung der Piraterie auf dem Roten und dem Indischen

Meer ist Augustus ernstlich taetig gewesen; die Aegypter dankten es ihm noch

lange nach seinem Tode, dass durch ihn die Piratensegel vom Meer verschwanden

und den Handelsschiffen wichen. Freilich geschah dafuer bei weitem nicht genug.

Dass die Regierung in diesen Gewaessern wohl von Zeit zu Zeit Schiffsgeschwader

in Taetigkeit setzte, aber eine staendige Kriegsflotte nicht daselbst

stationierte; dass die roemischen Kauffahrer regelmaessig im Indischen Meer

Schuetzen an Bord nahmen, um die Angriffe der Piraten abzuweisen, wuerde

befremden, wenn nicht die relative Gleichgueltigkeit gegen die Unsicherheit der

Meere ueberall, hier so gut wie an der belgischen Kueste und an denen des

Schwarzen Meeres, wie eine Erbsuende dem roemischen Kaiserregiment oder vielmehr

dem roemischen Regiment ueberhaupt anhaftete. Freilich waren die Regierungen von

Axomis und von Sapphar durch ihre geographische Lage noch mehr als die Roemer in

Berenike und Leuke Kome dazu berufen, der Piraterie zu steuern, und es mag

diesem Umstand mit zuzuschreiben sein, dass die Roemer mit diesen teils

schwaecheren, teils unentbehrlichen Nachbarn im ganzen in gutem Einvernehmen

geblieben sind.

Dass der Seeverkehr Aegyptens, wenn nicht mit Adulis, so doch mit Arabien

und Indien in derjenigen Epoche, welche der Roemerherrschaft unmittelbar

vorherging, in der Hauptsache nicht durch die Aegypter vermittelt ward, ist

frueher gezeigt worden. Den grossen Seeverkehr nach Osten erhielt Aegypten erst

durch die Roemer. "Nicht zwanzig aegyptische Schiffe im Jahr", sagt ein

Zeitgenosse des Augustus, "wagten unter den Ptolemaeern sich aus dem Arabischen

Golf hinaus; jetzt fahren jaehrlich 120 Kauffahrer allein aus dem Hafen von Myos

Hormos nach Indien." Der Handelsgewinn, den der roemische Kaufmann bis dahin mit

dem persischen oder arabischen Zwischenhaendler hatte teilen muessen, floss seit

der Eroeffnung der direkten Verbindung mit dem ferneren Osten ihm in seinem

ganzen Umfang zu. Dies ist wahrscheinlich zunaechst dadurch erreicht worden,

dass den arabischen und indischen Fahrzeugen die aegyptischen Haefen wenn nicht

geradezu gesperrt, so doch durch Differenzialzoelle tatsaechlich geschlossen

wurden ^76; nur durch die Voraussetzung einer solchen Navigationsakte zu Gunsten

der eigenen Schiffahrt konnte diese ploetzliche Umgestaltung der

Handelsverhaeltnisse herbeigefuehrt werden. Aber der Verkehr wurde nicht bloss

gewaltsam aus einem passiven in einen aktiven umgewandelt; er wurde auch absolut

gesteigert, teils infolge der vermehrten Nachfrage im Okzident nach den Waren

des Ostens, teils auf Kosten der uebrigen Verkehrsstrassen durch Arabien und

Syrien. Fuer den arabischen und den indischen Handel mit dem Okzident erwies

sich der Weg ueber Aegypten mehr und mehr als der kuerzeste und der billigste.

Der Weihrauch, der in aelterer Zeit grossenteils auf dem Landweg durch das

innere Arabien nach Gaza ging, kam spaeterhin meistens zu Wasser ueber Aegypten.

Einen neuen Aufschwung nahm um die Zeit Neros der indische Verkehr, indem ein

kundiger und mutiger aegyptischer Kapitaen, Hippalos, es wagte, statt an der

langgestreckten Kueste hin vielmehr vom Ausgang des Arabischen Golfs durch das

offene Meer geradewegs nach Indien zu steuern; er kannte den Monsun, den seitdem

die Schiffer, die nach ihm diese Strasse befuhren, den Hippalos nannten. Seitdem

war die Fahrt nicht bloss wesentlich kuerzer, sondern auch den Land- und den

Seepiraten weniger ausgesetzt. In welchem Umfang der sichere Friedensstand und

der zunehmende Luxus den Verbrauch orientalischer Waren im Okzident steigerte,

lassen einigermassen die Klagen erkennen, welche in der Zeit Vespasians laut

wurden ueber die ungeheuren Summen, welche dafuer aus dem Reiche hinausgingen.

Den Gesamtbetrag der jaehrlich den Arabern und den Indern gezahlten Kaufgelder

schlaegt Plinius auf 100 (= 22 Mill. Mark), fuer Arabien allein auf 55 Mill.

Sesterzen (= 12 Mill. Mark) an, wovon freilich ein Teil durch Warenexport

gedeckt ward. Die Araber und die Inder kauften wohl die Metalle des Okzidents,

Eisen, Kupfer, Blei, Zinn, Arsenik, die frueher erwaehnten aegyptischen Artikel,

den Wein, den Purpur, das Gold- und Silbergeraet, auch Edelsteine, Korallen,

Krokusbalsam; aber sie hatten dem fremden Luxus immer weit mehr zu bieten, als

fuer ihren eigenen zu empfangen. Daher ging nach den grossen arabischen und

indischen Emporien das roemische Gold- und Silbergeld in ansehnlichen

Quantitaeten. In Indien hatte dasselbe schon unter Vespasian sich so

eingebuergert, dass man es mit Vorteil dort ausgab. Von diesem orientalischen

Verkehr kam der groesste Teil auf Aegypten; und wenn die Steigerung des Verkehrs

durch die vermehrten Zolleinnahmen der Regierungskasse zugute kam, so hob die

Noetigung zu eigenem Schiffbau und eigener Kauffahrt den Wohlstand der Privaten.

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^76 Ausdruecklich gesagt wird dies nirgends, aber es geht deutlich aus dem

Periplus des Aegypters hervor. Er spricht an zahlreichen Stellen von dem Verkehr

des nicht roemischen Afrika mit Arabien (c. 7. 8) und umgekehrt der Araber mit

dem nicht roemischen Afrika (c. 17. 21. 31; danach Ptol. geogr. 1, 17, 6) und

mit Persien (c. 27. 33) und Indien (c. 21. 27. 49); ebenso von dem der Perser

mit Indien (c. 36) so wie der indischen Kauffahrer mit dem nicht roemischen

Afrika (c. 14. 31. 32) und mit Persien (c. 36) und Arabien (c. 32). Aber mit

keinem Worte deutet er an, dass diese fremden Kaufleute auch nach Berenike, Myos

Hormos, Leuke Kome kaemen; ja wenn er bei dem wichtigsten Handelsplatz dieses

ganzen Kreises, bei Muza bemerkt, dass diese Kaufleute mit ihren eigenen

Schiffen nach der afrikanischen Kueste ausserhalb der Strasse Bab el Mandeb

(denn das ist ihm to peran) und nach Indien fahren, so kann Aegypten unmoeglich

zufaellig fehlen.

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Waehrend also die roemische Regierung ihre Herrschaft in Aegypten auf den

engen Raum beschraenkte, den die Schiffbarkeit des Nils abgrenzt, und sei es nun

in Kleinmut oder in Weisheit, auf jeden Fall mit folgerichtiger Energie weder

Nubien noch Arabien jemals zu erobern versuchte, erstrebte sie mit gleicher

Energie den Besitz des arabischen und des indischen Grossverkehrs und erreichte

wenigstens eine bedeutende Beschraenkung der Konkurrenten. Die ruecksichtslose

Verfolgung der Handelsinteressen bezeichnet wie die Politik der Republik so

nicht minder, und vor allem in Aegypten, die des Prinzipats.

Wie weit ueberhaupt gegen Osten der direkte roemische Seeverkehr gegangen

ist, laesst sich nur annaehernd bestimmen. Zunaechst nahm er die Richtung auf

Barygaza (Barotsch am Meerbusen von Cambay, oberhalb Bombay), welcher grosse

Handelsplatz durch die ganze Kaiserzeit der Mittelpunkt des aegyptisch-indischen

Verkehrs geblieben sein wird; mehrere Orte auf der Halbinsel Gudjarat fuehren

bei den Griechen griechische Benennungen, wie Naustathmos und Theophila. In der

flavischen Zeit, in welcher die Monsunfahrten schon stehend geworden waren, ist

die ganze Westkueste Vorderindiens den roemischen Kaufleuten erschlossen bis

hinab zu der Kueste von Malabar, der Heimat des hoch geschaetzten und teuer

bezahlten Pfeffers, dessen wegen sie die Haefen von Muziris (wahrscheinlich

Mangaluru) und Nelkynda (indisch wohl Nilakantha, von einem der Beinamen des

Gottes Schiwa; wahrscheinlich das heutige Nileswara) besuchten; etwas weiter

suedlich bei Kananor haben sich zahlreiche roemische Goldmuenzen der julisch-

claudischen Epoche gefunden, einst eingetauscht gegen die fuer die roemischen

Kuechen bestimmten Gewuerze. Auf der Insel Salike, der Taprobane der aelteren

griechischen Schiffer, dem heutigen Ceylon, hatte in Claudius' Zeit ein

roemischer Angestellter, der von der arabischen Kueste durch Stuerme dorthin

verschlagen worden war, freundliche Aufnahme bei dem Landesherrn gefunden, und

es hatte dieser, verwundert, wie der Bericht sagt, ueber das gleichmaessige

Gewicht der roemischen Muenzstuecke trotz der Verschiedenheit der Kaiserkoepfe,

mit dem Schiffbruechigen zugleich Gesandte an seinen roemischen Kollegen

geschickt. Dadurch erweiterte sich zunaechst nur der Kreis der geographischen

Kunde; erst spaeter, wie es scheint, wurde die Schiffahrt bis nach jener grossen

und produktenreichen Insel ausgedehnt, auf der auch mehrfach roemische Muenzen

zum Vorschein gekommen sind. Aber ueber das Kap Komorin und Ceylon gehen die

Muenzfunde nur ausnahmsweise hinaus ^77, und schwerlich hat auch nur die Kueste

von Kornmandel und die Gangesmuendung, geschweige denn die hinterindische

Halbinsel und China staendigen Handelsverkehr mit den Okzidentalen unterhalten.

Die chinesische Seide ist allerdings schon frueh regelmaessig nach dem Westen

vertrieben worden, aber, wie es scheint, ausschliesslich auf dem Landweg und

durch Vermittlung teils der Inder von Barygaza, teils und vornehmlich der

Parther: die Seidenleute oder die Serer (von dem chinesischen Namen der Seide,

Ser) der Okzidentalen sind die Bewohner des Tarim-Beckens, nordwestlich von

Tibet, wohin die Chinesen ihre Seide brachten, und auch den Verkehr dorthin

hueteten eifersuechtig die parthischen Zwischenhaendler. Zur See sind allerdings

einzelne Schiffer zufaellig oder erkundend wenigstens an die hinterindische

Ostkueste und vielleicht noch weiter gelangt; der im Anfang des zweiten

Jahrhunderts n. Chr. den Roemern bekannte Hafenplatz Kattigara ist eine der

chinesischen Kuestenstaedte, vielleicht Hang-tschau-fu an der Muendung des Yang-

tse-kiang. Der Bericht der chinesischen Annalen, dass im Jahre 166 n. Chr. eine

Gesandtschaft des Kaisers An-tun von Ta- (das ist Gross) Tsin (Rom) in Ji-Nan

(Tongking) gelandet und von da auf dem Landweg in die Hauptstadt Lo-yang (oder

Ho-nan-fu am mittleren Hoang-ho) zum Kaiser Hwan-ti gelangt sei, mag mit Recht

auf Rom und den Kaiser Marcus Antoninus bezogen werden. Indes dieser Vorfall und

was die chinesischen Quellen von aehnlichem Auftreten der Roemer in ihrem Lande

im Lauf des 3. Jahrhunderts melden, wird kaum von oeffentlichen Sendungen

verstanden werden koennen, da hierueber roemische Angaben schwerlich fehlen

wuerden; wohl aber moegen einzelne Kapitaene dem chinesischen Hof als Boten

ihrer Regierung gegolten haben. Bemerkbare Folgen haben diese Verbindungen nur

insofern gehabt, als ueber die Gewinnung der Seide die frueheren Maerchen

allmaehlich besserer Kunde wichen.

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^77 In Bamanghati (Distrikt Singhbhum) westlich von Kalkutta soll ein

grosser Schatz Goldmuenzen roemischer Kaiser (genannt werden Gordian und

Konstantin) zum Vorschein gekommen sein (Beglar bei A. Cunningham,

Archaeological survey of India, Bd. 13, S. 72); aber ein solcher vereinzelter

Fund beweist nicht, dass der staendige Verkehr sich so weit erstreckt hat. Im

noerdlichen China in der Provinz Schensi westlich von Peking sollen neuerlichst

roemische Muenzen von Nero an bis hinab auf Aurelian zum Vorschein gekommen

sein, sonst sind weder aus Hinterindien noch aus China dergleichen Funde

bekannt.

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Boden- und Geldwirtschaft der roemischen Kaiserzeit

Die oekonomische Herrschaftsstellung Italiens, wie sie in den letzten

Jahrhunderten der Republik sich festgestellt hatte, zeigt sich in dieser Epoche

und ueber dieselbe hinaus im Stande des Beharrens und fester noch gegruendet als

die politische Praerogative. Wenn der reichste Mann der caesarischen Zeit,

Marcus Crassus, auf 170 Millionen Sesterzen geschaetzt worden war, so sahen die

folgenden Generationen darauf zurueck wie auf eine Zeit der Armut ^1. Mit dem

Frieden, der auf die Buergerkriege folgte, kam eine Epoche der Fuelle und des

Reichtums, wie die Republik sie nicht gekannt hatte. Als der Reichste unter

Augustus wird genannt Gnaeus Lentulus der Augur (Konsul 740 14) mit einem

Vermoegen von 400 Mill. Sesterzen ^2. Das gleiche wird dem maechtigen

Freigelassenen des Claudius, Narcissus, zugeschrieben ^3. Das Vermoegen des

Ministers Neros, Seneca, wird, allerdings von seinen Feinden, auf 300 Mill.

geschaetzt ^4, ebenso hoch das des gefeierten Sachwalters unter Nero und

Vespasian, Vibius Crispus, dessen Reichtum lange sprichwoertlich blieb ^5. Am

Ende des 3. Jahrhunderts warf Kaiser Tacitus bei seiner Thronbesteigung sein

fundiertes Privatvermoegen von 280 Mill. Sesterzen in den Staatsschatz ein ^6.

Noch am Anfang des 5. Jahrhunderts bezogen die ersten senatorischen Haeuser in

der alten Reichshauptstadt eine Jahresrente, die einem Kapital von mindestens

400 Mill. Sesterzen nach der aelteren Rechnung gleichkam ^7. Wichtiger als diese

Angaben ueber ausnahmsweise grosse Vermoegen sind einige andere, welche die

Mittelklasse der Aristokratie betreffen: ein Vermoegen von 20 Mill. Sesterzen

gilt unter Marcus als maessiger Reichtum ^8; Familien mit einem Vermoegen von

100 Mill. Sesterzen werden im 5. Jahrhundert als reiche zweiten Ranges

betrachtet. Der senatorische Zensus von einer Mill. Sesterzen ist also offenbar

eine aeusserste Grenze, welche bei der Mehrzahl sicher ansehnlich ueberschritten

ward. In den Angaben ueber das im Jahre 746 (8) errichtete Testament eines

begueterten Freigelassenen, welcher ausser seinen Liegenschaften ueber 4116

Sklaven, 3600 Paar Ochsen, 257000 Schafe und 60 Mill. Sesterzen bar verfuegt,

treten die einzelnen Bestandteile eines solchen Grossvermoegens an Ackerland,

Weide und Kapitaliengeschaeft deutlich hervor ^9. Dass bei solchen

Vermoegensbestaenden die Reichen der oberen Klassen eine Herrenstellung in den

Ortschaften einnahmen, aus denen sie hervorgingen, und eine Art von Hof und

Gefolge sich um jeden von ihnen sammelte, ist erklaerlich. Sie stellen zum guten

Teil durch ihre Freigebigkeit die oeffentlichen Gebaeude, namentlich die

Luxusanlagen, wie Theater, Baeder, Hallen her; auf ihre Kosten schmausen die

Buergerschaften und leben die Klienten, und auch in die besseren Kreise hinein

reichen dergleichen Spenden. Der juengere Plinius unter Traianus, ein

vermoegender Senator, aber keineswegs in dieser Hinsicht hervorragend, hat

seiner Vaterstadt Comum fuer die Gruendung und Vermehrung einer oeffentlichen

Bibliothek, fuer die Anlage und die Ausstattung eines Warmbades, zur

Alimentation von Kindern und zu oeffentlichen Schmaeusen teils bei Lebzeiten,

teils im Testament Zuwendungen im Gesamtbetrag von mindestens 5 Mill. Sesterzen

gemacht, ausserdem in anderen Staedten, zu denen er Beziehungen hatte, Tempel

und Hallen auf seine. Kosten gebaut und seinen Freunden, dem einen zur

Ausstattung der Tochter, dem andern zur Equipierung fuer den

Unteroffiziersdienst, dem dritten, um ihm den Eintritt in den Ritterstand

moeglich zu machen, persoenliche Geschenke bis zu 300000 Sesterzen gemacht.

Diese durch die Individualitaet des Charakters und der Beziehungen vielfach

bedingte, aber im Wesen nicht persoenliche, sondern standesmaessig geforderte

Liberalitaet ist fuer alle Zeiten von dem vornehmen Roemer und vor allem von dem

Senator des Reiches geuebt worden, aber keineswegs zu allen Zeiten in gleicher

Weise. Mit Sehnsucht gedachten die Klienten der domitianischen Epoche der

bessern Zeiten, wo unter den Spenden dieser Art der Ritterring nichts Seltenes

war ^10; Gaius Piso, der Rivale Neros, dessen koenigliche Freigebigkeit

seinesgleichen nicht hatte, war gewohnt, jaehrlich einer gewissen Zahl seiner

Freunde den Ritterzensus zu schenken, so wie die Kaiser in gleicher Weise

senatorische Vermoegen zu schenken pflegten ^11. "Es war frueher Sitte",

schreibt Plinius ^12 unter Traian, "dass wem ein Poet ein Carmen widmete, ihm

dafuer eine Verehrung machte; jetzt aber ist mit anderen stattlichen Dingen vor

allem auch dies abgekommen, und es kommt uns albern vor, uns feiern zu lassen."

Dies ist nur eine einzelne Konsequenz einer tiefgreifenden sozialen Revolution

^13. Die Diarchie, die Augustus begruendet, die Samtherrschaft des Kaisers und

des Senats, offenbart sich auf diesem Gebiet noch energischer als in der

eigentlichen Politik. Die Epoche von der Actischen Schlacht bis zum

Vierkaiserjahr, das julisch-claudische Saeculum, bezeichnet Tacitus als die

Glanzzeit der roemischen Aristokratie. Die alten reichen oder erlauchten Haeuser

wetteiferten in grossartigem Prunk; man warb noch um die Stimmen der

Buergerschaft, um die Ehrenbezeugungen der Provinzen und der abhaengigen

Koenige, um eine stattliche Klientel. Das Rom der augustischen und der

claudischen Zeit erinnert vielfach an das der Paepste und der Kardinaele des

sechzehnten Jahrhunderts; das Kaiserhaus war in der Tat nur das erste unter

vielen strahlenden Gestirnen. Aber dieser Wetteifer hatte vielfach den

oekonomischen Ruin im Gefolge; die Dezimierung der Aristokratie unter den

naechsten Nachfolgern des Augustus traf vorzugsweise die grossen Vermoegen und

fuehrte zu deren Zertruemmerung; die neuen durch Vespasian aus den Landstaedten

nach Rom verpflanzten Senatoren brachten die buergerliche Sparsamkeit mit sich,

und die alten glaenzenden Traditionen der Lentuler und der Pisonen ersetzten

sich nicht. Der Senat, dem Plinius und Tacitus angehoerten, ist wohl nicht

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 69 / 73 段