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Von dem kaufmaennischen Verkehr an dieser Grenze ist aus dem Altertum wenig

ueberliefert. Da die Katarakte des oberen Nils den unmittelbaren Wasserweg

sperrten, hat sich der Verkehr zwischen dem inneren Afrika und den Aegyptern,

namentlich der Elfenbeinhandel in roemischer Zeit mehr ueber die abessinischen

Haefen als am Nil hin bewegt; aber gefehlt hat er auch in dieser Richtung nicht

^52. Die auf der Insel Philae zahlreich neben den Aegyptern wohnenden Aethiopen

sind offenbar meistens Kaufleute gewesen, und der hier vorwaltende Grenzfrieden

wird das Seinige beigetragen haben zum Aufbluehen der oberaegyptischen

Grenzstaedte und des aegyptischen Handels ueberhaupt.

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^52 Juvenal erwaehnt sat. 11, 124 die Elefantenzaehne, quos mittit porta

Syenes.

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Die Ostkueste Aegyptens stellt der Entwicklung des Weltverkehrs eine schwer

zu loesende Aufgabe. Der durchgaengig oede und felsige Strand ist eigentlicher

Kultur unfaehig und in alter wie in neuer Zeit eine Wueste ^52. Dagegen naehern

die beiden fuer die Kulturentwicklung der alten Welt vorzugsweise wichtigen

Meere, das Mittellaendische und das Rote oder Indische sich einander am meisten

an den beiden noerdlichsten Spitzen des letzteren, dem Persischen und dem

Arabischen Golf; jener nimmt den Euphrat in sich auf, der in seinem mittleren

Lauf dem Mittellaendischen Meere nahekommt; dieser ist nur wenige Tagemaersche

entfernt von dem in dasselbe Meer fliessenden Nil. Daher nimmt in alter Zeit der

Handelsverkehr zwischen dem Osten und dem Westen ueberwiegend entweder die

Richtung auf dem Euphrat zu der syrischen und der arabischen Kueste oder er

wendet sich von der Ostkueste Aegyptens nach dem Nil. Die Verkehrswege vom

Euphrat her sind aelter als die ueber den Nil; aber die letzteren haben den

Vorzug der besseren Schiffbarkeit des Stromes und des kuerzeren Landtransports;

Die Beseitigung des letzteren durch Herstellung einer kuenstlichen Wasserstrasse

ist bei dem Euphratweg ausgeschlossen, bei dem aegyptischen in alter wie in

neuer Zeit wohl schwierig, aber nicht unmoeglich befunden. Sonach ist dem Land

Aegypten von der Natur selbst vorgeschrieben, die Ostkueste mit dem Nillauf und

der noerdlichen Kueste durch Land- oder Wasserstrassen zu verbinden; und es

gehen auch die Anfaenge derartiger Anlagen bis zurueck in die Zeit derjenigen

einheimischen Herrscher, welche zuerst Aegypten dem Ausland und dem grossen

Handelsverkehr erschlossen. Auf den Spuren, wie es scheint, aelterer Anlagen der

grossen Regenten Aegyptens, Sethi I. und Rhamses II., begann der Sohn

Psammetichs, Koenig Necho (610-594 v. Chr.), den Bau eines Kanals, der in der

Naehe von Kairo vom Nil abzweigend eine Wasserverbindung mit den Bitterseen bei

Ismailia und durch diese mit dem Roten Meer herstellen sollte, ohne indes das

Werk vollenden zu koennen. Dass er dabei nicht bloss die Beherrschung des

Arabischen Golfs und den Handelsverkehr mit den Arabern in das Auge fasste,

sondern das Persische und das Indische Meer und der entlegenere Osten bereits in

den Horizont dieses Aegypterkoenigs getreten waren, ist deswegen wahrscheinlich,

weil derselbe Herrscher die einzige im Altertum ausgefuehrte Umschiffung Afrikas

veranlasst hat. Ausser Zweifel ist dies fuer Koenig Dareios I., den Herrn sowohl

Persiens wie Aegyptens; er vollendete den Kanal, aber, wie seine an Ort und

Stelle aufgefundenen Denksteine melden, liess er ihn selbst wieder verschuetten,

wahrscheinlich weil seine Ingenieure befuerchteten, dass das Meerwasser,

eingelassen in den Kanal, die Gefilde Aegyptens ueberschwemmen werde.

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^52 Nach der Art, wie Ptolemaeos 4, 5, 14 u. 15 diese Kueste behandelt,

scheint sie, eben wie das Zwoelfmeilenland, ausserhalb der Nomeneinteilung

gestanden zu haben.

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Der Wettkampf der Lagiden und der Seleukiden, welcher die Politik der

nachalexandrischen Zeit ueberhaupt beherrscht, war zugleich ein Kampf zwischen

dem Euphrat und dem Nil. Jener war im Besitz, dieser der Praetendent; und in der

besseren Zeit der Lagiden ist die friedliche Offensive mit grosser Energie

gefuehrt worden. Nicht bloss wurde jener von Necho und Dareios unternommene

Kanal, jetzt der "Fluss Ptolemaeos" genannt, durch den zweiten Ptolemaeer

Philadelphos (+ 247 v. Chr.) zum ersten Mal der Schiffahrt eroeffnet, sondern es

wurden auch an den fuer die Sicherheit der Schiffe und fuer die Verbindung mit

dem Nil am besten geeigneten Punkten der schwierigen Ostkueste umfassende

Hafenbauten ausgefuehrt. Vor allem geschah dies an der Muendung des zum Nil

fuehrenden Kanals, bei den Ortschaften Arsinoe, Kleopatris, Klysma, alle drei in

der Gegend des heutigen Suez. Weiter abwaerts entstanden ausser manchen

kleineren Anlagen die beiden bedeutenden Emporien Myos Hormos, etwas oberhalb

des heutigen Koser, und Berenike im Trogodytenland, ungefaehr in gleicher Breite

mit Syene am Nil sowie mit dem arabischen Hafen Leuke Kome, von der Stadt

Koptos, bei der der Nil am weitesten oestlich vorspringt, jenes sechs bis

sieben, dieses elf Tagemaersche entfernt und durch quer durch die Wueste

angelegte, mit grossen Zisternen versehene Strassen mit diesem Hauptemporium am

Nil verbunden. Der Warenverkehr der Ptolemaeerzeit ist wahrscheinlich weniger

durch den Kanal gegangen als ueber diese Landwege nach Koptos.

Ueber jenes Berenike im Trogodytenland hinaus hat sich das eigentliche

Aegypten der Lagiden nicht erstreckt. Die weiter gegen Sueden liegenden

Ansiedlungen Ptolemais "fuer die Jagd" unterhalb Suakin und die suedlichste

Ortschaft des Lagidenreichs, das spaetere Adulis, damals vielleicht "Berenike

die goldene" oder "bei Saba" genannt, Zula unweit des heutigen Massaua, bei

weitem der beste Hafen an dieser ganzen Kueste, sind nicht mehr gewesen als

Kuestenforts und haben mit Aegypten nicht in Landverbindung gestanden. Auch sind

diese entlegenen Ansiedlungen ohne Zweifel unter den spaeteren Lagiden entweder

verlorengegangen oder freiwillig aufgegeben worden, und war in der Epoche, wo

die roemische Herrschaft eintritt, wie im Binnenland Syene, so an der Kueste das

trogodytische Berenike die Reichsgrenze.

In diesem von den Aegyptern nie besetzten oder frueh geraeumten Gebiet

bildete sich, sei es am Ausgang der Lagidenepoche, sei es in der ersten

Kaiserzeit, ein unabhaengiger Staat von Ausdehnung und Bedeutung, derjenige der

Axomiten ^54, entsprechend dem heutigen Habesch. Er fuehrt seinen Namen von der

im Herzen dieses Alpenlandes, acht Tagereisen vom Meer in der heutigen

Landschaft Tigre gelegenen Stadt Axomis, dem heutigen Aksum; als Hafen dient ihm

das schon erwaehnte beste Emporium an dieser Kueste, Adulis in der Bucht von

Massaua. Die urspruengliche Bevoelkerung dieser Landschaft mag wohl das Agau

gesprochen haben, von welcher Sprache sich noch heute in einzelnen Strichen des

Suedens reine Ueberreste behaupten und die dem gleichen hamitischen Kreise mit

den heutigen Bedscha, Dankali, Somali, Galla angehoert; der aegyptischen

Bevoelkerung scheint dieser Sprachkreis in aehnlicher Weise verwandt wie die

Griechen mit den Kelten und den Slaven, so dass hier wohl fuer die Forschung

eine Verwandtschaft, fuer das geschichtliche Dasein aber vielmehr allein der

Gegensatz besteht. Aber bevor unsere Kunde von diesem Lande auch nur beginnt,

muessen ueberlegene Semitische, zu den himjaritischen Staemmen des suedlichen

Arabiens gehoerige Einwanderer den schmalen Meerbusen ueberschritten und ihre

Sprache wie ihre Schrift dort einheimisch gemacht haben. Die alte, erst lange

nach roemischer Zeit im Volksgebrauch erloschene Schriftsprache von Habesch, das

Ge'ez oder, wie sie faelschlich meist genannt wird, die aethiopische ^55, ist

rein semitisch ^56, und die jetzt noch lebenden Dialekte, namentlich das

Tigrina, sind es im wesentlichen auch, nur durch die Einwirkung des aelteren

Agau getruebt.

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^54 Das Beste, was wir ueber das Reich von Axomis wissen, lehrt der von

einem ihrer Koenige ohne Zweifel in der besseren Kaiserzeit in Adulis gesetzte

Stein (CIG 5127b), eine Art von Denkschrift ueber die Taten dieses anscheinenden

Reichsgruenders im Stil der persepolitanischen des Dareios oder der

ancyranischen des Augustus und angebracht an dem Koenigsthron, vor welchem bis

in das 6. Jahrhundert hinein die Verbrecher hingerichtet wurden. Die sachkundige

Eroerterung Dillmanns (Abhandlungen der Berliner Akademie, 1877, S. 195 f.)

erklaert, was davon erklaerbar ist. Vom roemischen Standpunkt aus ist

hervorzuheben, dass der Koenig zwar die Roemer nicht nennt, aber deutlich auf

ihre Reichsgrenzen Ruecksicht nimmt, indem er die Tangaiten unterwirft mechri

t/o/n t/e/s Aig?ptoy ori/o/n und eine Strasse anlegt apo t/o/n t/e/s em/e/s

basileias top/o/n mechri Aig?ptoy, ferner als Nordgrenze seiner arabischen

Expedition Leuke Kome nennt, die letzte roemische Station an der arabischen

Westkueste. Daraus folgt weiter, dass diese Inschrift juenger ist als der unter

Vespasian geschriebene Periplus des Roten Meeres; denn nach diesem (c. 5)

herrscht der Koenig von Axomis apo t/o/n Moschophag/o/n mechri t/e/s all/e/s

barbarias, und zwar ist dies ausschliesslich zu verstehen, da er c. 2 die

t?rannoi der Moschophagen nennt und ebenso c. 14 bemerkt, dass jenseits der

Strasse Bab el Mandeb kein "Koenig" sei, sondern nur "Tyrannen". Also reichte

damals das Axomitanische Reich noch nicht bis zur roemischen Grenze, sondern nur

bis etwa nach Ptolemais "der Jagd", ebenso nach der anderen Richtung nicht bis

zum Kap Guardafui, sondern nur bis zur Strasse Bab el Mandeb. Auch an der

arabischen Kueste spricht der Periplus von Besitzungen des Koenigs von Axomis

nicht, obwohl er mehrfach der Dynasten daselbst gedenkt.

^55 Der Name der Aethiopen haftet in besserer Zeit an dem Land am oberen

Nil, insbesondere den Reichen von Mero‰ und Nabata, also an dem Gebiet, das wir

jetzt Nubien nennen. Im spaeteren Altertum, zum Beispiel von Prokopios, wird die

Benennung auf den Staat von Axomis bezogen, und daher bezeichnen die Abessinier

seit langem ihr Reich mit diesem Namen.

^56 Daher die Legende, dass die Axomiten von Alexander in Afrika

angesiedelte Syrer seien und noch syrisch spraechen (Philostorgius hist. eccl.

3, 6).

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Ueber die Anfaenge dieses Gemeinwesens hat sich keine Ueberlieferung

erhalten. Am Ausgang der neronischen Zeit und vielleicht schon lange vorher

herrschte der Koenig der Axomiten an der afrikanischen Kueste etwa von Suakin

bis zur Strasse Bab el Mandeb. Einige Zeit darauf - naeher laesst sich die

Epoche nicht bestimmen - finden wir ihn als Grenznachbarn der Roemer an der

Suedgrenze Aegyptens, auch an der anderen Kueste des Arabischen Meerbusens in

dem Zwischengebiet zwischen dem roemischen Besitz und dem der Sabaeer in

kriegerischer Taetigkeit, also nach Norden mit dem roemischen Gebiet auch in

Arabien sich unmittelbar beruehrend, ueberdies die afrikanische Kueste

ausserhalb des Busens vielleicht bis zum Kap Guardafui beherrschend. Wie weit

sich sein Gebiet von Axomis landeinwaerts erstreckt hat, erhellt nicht;

Aethiopien, das heisst Sennaar und Dongola, haben wenigstens in der frueheren

Kaiserzeit schwerlich dazu gehoert; vielmehr mag zu der Zeit das Reich von

Nabata neben dem axomitischen bestanden haben. Wo uns die Axomiten

entgegentreten, finden wir sie auf einer verhaeltnismaessig vorgeschrittenen

Stufe der Entwicklung. Unter Augustus hob sich der aegyptische Handelsverkehr

nicht minder wie mit Indien so mit diesen afrikanischen Haefen. Der Koenig gebot

nicht bloss ueber ein Heer, sondern, wie dies schon seine Beziehungen zu Arabien

voraussetzen, auch ueber eine Flotte. Den Koenig Zoskales, der in Vespasians

Zeit in Axomis regierte, nennt ein griechischer Kaufmann, der in Adulis gewesen

war, einen rechtschaffenen und der griechischen Schrift kundigen Mann; einer

seiner Nachfolger hat an Ort und Stelle eine in gelaeufigem Griechisch verfasste

Denkschrift aufgestellt, die seine Taten den Fremden erzaehlte; er selbst nennt

sich in derselben einen Sohn des Ares, welchen Titel die Koenige der Axomiten

bis in das vierte Jahrhundert hinab beibehielten, und widmet den Thron, der jene

Denkschrift traegt, dem Zeus, dem Ares und dem Poseidon. Schon zu Zoskales' Zeit

nennt jener Fremde Adulis einen wohlgeordneten Handelsplatz; seine Nachfolger

noetigten die schweifenden Staemme der arabischen Kueste, zu Lande wie zur See

Frieden zu halten, und stellten eine Landverbindung her von ihrer Hauptstadt bis

an die roemische Grenze, was bei der Beschaffenheit dieser zunaechst auf

Seeverbindung angewiesenen Landschaft nicht gering anzuschlagen ist. Unter

Vespasian dienten Messingstuecke, die nach Beduerfnis geteilt wurden, den

Eingeborenen statt des Geldes und zirkulierte die roemische Muenze nur bei den

Adulis ansaessigen Fremden; in der spaeteren Kaiserzeit haben die Koenige selber

gepraegt. Daneben nennt der axomitische Herrscher sich Koenig der Koenige, und

keine Spur deutet auf roemische Klientel; er uebt die Praegung in Gold, was die

Roemer nicht bloss in ihrem Gebiet, sondern auch in ihrem Machtbereich nicht

zuliessen. Es gibt in der Kaiserzeit ausserhalb der roemisch-hellenischen

Grenzen kaum ein anderes Land, welches in gleicher Selbstaendigkeit dem

hellenischen Wesen bei sich eine Staette bereitet haette wie der Staat von

Habesch. Dass im Lauf der Zeit die einheimische oder vielmehr aus Arabien

eingebuergerte Volkssprache die Alleinherrschaft zurueckgewann und das

Griechische verdraengte, ist wahrscheinlich teils auf arabischen Einfluss

zurueckzufuehren, teils auf den des Christentums und die damit zusammenhaengende

Wiederbelebung der Volksdialekte, wie wir sie auch in Syrien und in Aegypten

fanden, und schliesst nicht aus, dass die griechische Sprache in Axomis und

Adulis im 1. und 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine aehnliche Stellung

gehabt hat wie in Syrien und in Aegypten, soweit es eben gestattet ist, Kleines

mit Grossem zu vergleichen.

Von politischen Beziehungen der Roemer zu dem Staat von Axomis wird aus den

ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, auf welche unsere Erzaehlung

sich beschraenkt, kaum etwas gemeldet. Mit dem uebrigen Aegypten nahmen sie auch

die Haefen der Ostkueste in Besitz bis hinab zu dem abgelegenen und darum in

roemischer Zeit unter einen eigenen Kommandanten gestellten trogodytischen

Berenike ^57. An Gebietserweiterung in die unwirtlichen und wertlosen

Kuestengebirge hinein ist hier nie gedacht worden; auch kann die duenne und auf

der niedrigsten Stufe der Entwicklung stehende Bevoelkerung des naechst

angrenzenden Gebiets den Roemern niemals ernsthaft zu schaffen gemacht haben.

Ebensowenig haben die Caesaren so, wie es die frueheren Lagiden getan hatten,

sich der Emporien der axomitanischen Kueste zu bemaechtigen versucht.

Ausdruecklich gemeldet wird nur, dass Gesandte des Axomitenkoenigs mit Kaiser

Aurelian verhandelten. Aber eben dieses Stillschweigen sowie die frueher

bezeichnete unabhaengige Stellung des Herrschers ^58 fuehren darauf, dass hier

die geltenden Grenzen beiderseits dauernd respektiert wurden und ein gutes

nachbarliches Verhaeltnis bestand, welches den Interessen des Friedens und

vornehmlich dem aegyptischen Handelsverkehr zugute kam. Dass dieser,

insbesondere der wichtige Elfenbeinhandel, in welchem Adulis fuer das innere

Afrika das hauptsaechliche Entrepot war, ueberwiegend von Aegypten aus und auf

aegyptischen Schiffen gefuehrt worden ist, kann bei der ueberlegenen

Zivilisation Aegyptens schon fuer die Lagidenzeit keinem Zweifel unterliegen,

und auch in roemischer Zeit hat dieser Verkehr sich wohl nur gesteigert, nicht

weiter geaendert.

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^57 Dies ist der praefectus praesidiorum et montis Beronices (CIL IX,

3083), praefectus montis Berenicidis (Orelli 3881), praefectus Bernicidis (CIL

X, 1129), ein Offizier von Ritterrang, analog den oben angefuehrten, in

Alexandreia stationierten.

^58 Auch das Schreiben, das Kaiser Constantius im Jahre 356 an den

damaligen Koenig von Axomis, Aeizanas, richtet, ist das eines Herrschers an

einen anderen gleichgestellten: er ersucht ihn um freundnachbarlichen Beistand

gegen die Ausbreitung der athanasischen Ketzerei und um Absetzung und

Auslieferung eines derselben verdaechtigen axomitischen Geistlichen. Die

Kulturgemeinschaft tritt hier nur um so bestimmter hervor, als der Christ gegen

den Christen den Arm des Heiden anruft.

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Bei weitem wichtiger als der Verkehr mit dem afrikanischen Sueden war fuer

Aegypten und das Roemische Reich ueberhaupt der Verkehr mit Arabien und den

weiter oestlich gelegenen Kuesten. Die arabische Halbinsel ist dem hellenischen

Kulturkreise ferngeblieben. Es waere wohl anders gekommen, wenn Koenig Alexander

ein Jahr laenger gelebt haette; der Tod raffte ihn weg mitten in den

Vorbereitungen, die bereits erkundete arabische Suedkueste vom Persischen

Meerbusen aus zu umfahren und zu besetzen. Aber die Fahrt, die der grosse Koenig

nicht hatte antreten koennen, hat nach ihm nie ein Grieche unternommen. Seit

fernster Zeit hat dagegen zwischen den beiden Kuesten des Arabischen Meerbusens

ein lebhafter Verkehr ueber das maessig breite Wasser hinueber stattgefunden. In

den aegyptischen Berichten aus der Pharaonenzeit spielen die Seefahrten nach dem

Land Punt, die von dort heimgebrachte Beute an Weihrauch, Ebenholz, Smaragden,

Leopardenfellen eine bedeutende Rolle. Dass spaeterhin der noerdliche Teil der

arabischen Westkueste zu dem Gebiet der Nabataeer gehoerte und mit diesem in die

Gewalt der Roemer kam, ist schon angegeben worden. Es war dies ein oedes Gestade

^59; nur das Emporium Leuke Kome, die letzte Stadt der Nabataeer und insofern

auch des Roemischen Reiches, stand nicht bloss mit dem gegenueberliegenden

Berenike in Seeverkehr, sondern war auch der Ausgangspunkt der nach Petra und

von da zu den Haefen des suedlichen Syriens fuehrenden Karawanenstrasse und

insofern einer der Knotenpunkte des orientalisch-okzidentalischen Handels. Die

suedlich angrenzenden Gebiete, nord- und suedwaerts von dem heutigen Mekka,

entsprachen in ihrer Naturbeschaffenheit dem gegenueberliegenden Trogodytenland

und sind gleich diesem im Altertum weder politisch noch kommerziell von

Bedeutung, auch dem Anschein nach nicht unter einem Szepter geeinigt, sondern

von schweifenden Staemmen besetzt gewesen. Aber am Suedende des Busens ist der

einzige arabische Stamm zu Hause, welcher in der vorislamischen Zeit zu

groesserer Bedeutung gelangt ist. Die Griechen und die Roemer nennen diese

Araber in aelterer Zeit nach der damals am meisten hervortretenden Voelkerschaft

Sabaeer, in spaeterer nach einer anderen gewoehnlich Homeriten, wir nach der

neu-arabischen Form des letzteren Namens jetzt meistens Himjariten. Die

Entwicklung dieses merkwuerdigen Volkes hatte lange vor dem Beginn der

roemischen Herrschaft ueber Aegypten eine bedeutende Stufe erreicht ^60. Seine

Heimstatt, das "glueckliche Arabien" der Alten, die Gegend von Mocha und Aden,

ist von einer schmalen, gluehend heissen und oeden Strandebene umsaeumt, aber

das gesunde und temperierte Innere von Jemen und Hadramaut erzeugt an den

Gebirgshaengen und in den Taelern eine ueppige Vegetation, und die zahlreichen

Bergwaesser gestatten bei sorgfaeltiger Wirtschaft vielfach eine gartenartige

Kultur. Von der reichen und eigenartigen Zivilisation dieser Landschaft geben

noch heute ein redendes Zeugnis die Reste von Stadtmauern und Tuermen, von Nutz-

, namentlich Wasserbauten und mit Inschriften bedeckten Tempeln, welche die

Schilderung der alten Schriftsteller von der Pracht und dem Luxus dieser

Landschaft vollkommen bestaetigen; ueber die Burgen und Schloesser der

zahlreichen Kleinfuersten Jemens haben die arabischen Geographen Buecher

geschrieben. Beruehmt sind die Truemmer des maechtigen Dammes, welcher einst in

dem Tal bei Mariaba den Danafluss staute und es moeglich machte, die Fluren

aufwaerts zu bewaessern ^61, und von dessen Durchbruch und der dadurch angeblich

veranlassten Auswanderung der Bewohner von Jemen nach Norden die Araber lange

Zeit ihre Jahre gezaehlt haben. Vor allem aber ist dieser Bezirk einer der

Ursitze des Grosshandels zu Lande wie zur See, nicht bloss weil seine Produkte,

der Weihrauch, die Edelsteine, das Gummi, die Kassia, Aloe, Senna, Myrrhe und

zahlreiche andere Drogen den Export hervorrufen, sondern auch weil dieser

semitische Stamm, aehnlich wie der der Phoeniker, seiner ganzen Art nach fuer

den Handel geschaffen ist; eben wie die neueren Reisenden sagt auch Strabon,

dass die Araber alle Haendler und Kaufleute sind. Die Silberpraegung ist hier

alt und eigenartig; die Muenzen sind anfaenglich athenischen Stempeln, spaeter

roemischen des Augustus nachgepraegt, aber auf einen selbstaendigen,

wahrscheinlich babylonischen Fuss ^62. Aus dem Land dieser Araber fuehrten die

uralten Weihrauchstrassen quer durch die Wueste nach den Stapelplaetzen am

Arabischen Meerbusen Aelana und dem schon genannten Leuke Kome und den Emporien

Syriens, Petra und Gaza ^63; diese Wege des Landhandels, welche neben denen des

Euphrat und des Nil den Verkehr zwischen Orient und Okzident seit aeltester Zeit

vermitteln, sind vermutlich die eigentliche Grundlage des Aufbluehens von Jemen.

Aber der Seeverkehr gesellte ebenfalls bald sich dazu; der grosse Stapelplatz

dafuer ward Adane, das heutige Aden. Von hier aus gingen die Waren zu Wasser,

sicher ueberwiegend auf arabischen Schiffen, entweder nach eben jenen

Stapelplaetzen am Arabischen Meerbusen und also nach den syrischen Haefen oder

nach Berenike und Myos Hormos und von da nach Koptos und Alexandreia. Dass

dieselben Araber ebenfalls in sehr frueher Zeit sich der gegenueberliegenden

Kueste bemaechtigten und ihre Sprache und Schrift und ihre Zivilisation nach

Habesch verpflanzten, wurde schon gesagt. Wenn Koptos, das Nil-Emporium fuer den

oestlichen Handel, ebenso viel Araber wie Aegypter zu Bewohnern hatte, wenn

sogar die Smaragdgruben oberhalb Berenike (bei Djebel Zebara) von den Arabern

ausgebeutet wurden, so zeigt dies, dass sie im Lagidenstaat selbst den Handel

bis zu einem gewissen Grad in der Hand hatten; und dessen passives Verhalten in

Betreff des Verkehrs auf dem Arabischen Meer, wohin hoechstens einmal ein Zug

gegen die Piraten unternommen wurde ^64, wird eher begreiflich, wenn ein

seemaechtiger und geordneter Staat diese Gewaesser beherrschte. Auch ausserhalb

ihres eigenen Meeres begegnen wir den Arabern des Jemen. Adane blieb bis in die

roemische Kaiserzeit hinein Stapelplatz des Verkehrs einerseits mit Indien,

andererseits mit Aegypten und gedieh trotz seiner eigenen unguenstigen Lage an

dem baumlosen Strand zu solcher Bluete, dass die Benennung des "gluecklichen

Arabien" zunaechst auf diese Stadt sich bezieht. Die Herrschaft, die in unseren

Tagen der Imam von Maskat im Suedosten der Halbinsel ueber die Inseln Sokotra

und Sansibar und die afrikanische Ostkueste vom Kap Guardafui suedlich ausgeuebt

hat, stand in vespasianischer Zeit "von alters her" den Fuersten Arabiens zu:

die Dioskorides-Insel, eben jenes Sokotra, gehorchte damals dem Koenig von

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 67 / 73 段