Ein Archon der Juden in Antiocheia wird genannt bei Ios. bel. Iud. 7, 3, 3.

^17 Apion redete und schrieb ueber alles und jedes, ueber die Metalle und

die roemischen Buchstaben, ueber die Magie und von den Hetaeren, ueber

aegyptische Urgeschichte und Apicius' Kochrezepte, vor allem aber machte er

Glueck mit seinen Vortraegen ueber Homer, die ihm das Ehrenbuergerrecht in

zahlreichen griechischen Staedten erwarben. Er hatte entdeckt, dass Homeros

darum mit dem unpassenden Worte m/e/nis seine Ilias begonnen habe, weil die

ersten beiden Buchstaben als Ziffern die Buecherzahl der beiden von ihm zu

schreibenden Epen darstellen; er nannte den Gastfreund in Ithaka, bei dem er das

Brettspiel der Freier erkundet habe; ja er hatte Homeros selbst aus der

Unterwelt beschworen, um ihn um seine Heimat zu befragen, derselbe sei auch

gekommen und habe sie ihm gesagt, aber ihn verpflichtet, sie anderen nicht zu

verraten.

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Aber es blieb nicht bei diesen durch die alexandrinische Strassenjugend

eingeleiteten Dedikationen. Im Jahre 39 bekam der Statthalter von Syrien,

Publius Petronius, vom Kaiser den Befehl, mit seinen Legionen in Jerusalem

einzuruecken und in dem Tempel die Bildsaeule des Kaisers aufzurichten. Der

Statthalter, ein ehrbarer Beamter aus der Schule des Tiberius, erschrak; die

Juden aus dem ganzen Lande, Maenner und Frauen, Greise und Kinder, stroemten zu

ihm, erst nach Ptolemais in Syrien, dann nach Tiberias in Galilaea, ihn um seine

Vermittlung anzuflehen, dass das Entsetzliche unterbleiben moege; die Aecker im

ganzen Lande wurden nicht bestellt, und die verzweifelten Massen erklaerten,

lieber den Tod durch das Schwert oder den Hunger dulden, als diesen Greuel mit

Augen sehen zu wollen. In der Tat wagte der Statthalter die Ausfuehrung zu

verzoegern und Gegenvorstellungen zu machen, obwohl er wusste, dass es dabei um

seinen Kopf ging. Zugleich ging jener Koenig Agrippa persoenlich nach Rom, um

von seinem Freunde die Ruecknahme des Befehls zu erwirken. In der Tat stand der

Kaiser von seinem Begehren ab, man sagt infolge einer von dem juedischen

Fuersten geschickt benutzten Weinlaune. Aber er beschraenkte zugleich die

Konzession auf den einzigen Tempel von Jerusalem und sandte nichtsdestoweniger

dem Statthalter wegen seines Ungehorsams das Todesurteil zu, das allerdings,

zufaellig verspaetet, nicht mehr zur Ausfuehrung kam. Gaius war entschlossen,

die Renitenz der Juden zu brechen; das angeordnete Einruecken der Legionen

zeigt, dass er diesmal die Folgen seines Befehls im Voraus erwogen hatte. Seit

jenen Vorgaengen hatten die bereitwillig gottglaeubigen Aegypter seine volle

Liebe, so wie die stoerrigen und einfaeltigen Juden den entsprechenden Hass;

hinterhaeltig wie er war und gewohnt zu begnadigen, um spaeter zu widerrufen,

musste das Aergste nur verschoben erscheinen. Er war im Begriff, nach

Alexandreia abzugehen, um dort persoenlich den Weihrauch seiner Altaere

entgegenzunehmen, und an der Statue, die er in Jerusalem sich aufzustellen

gedachte, wurde, so sagt man, in aller Stille gearbeitet, als im Januar 41 der

Dolch des Chaerea unter anderem auch den Tempel des Jehova von dem Unhold

befreite.

Aeussere Folgen hinterliess die kurze Leidenszeit nicht; mit dem Gott

sanken seine Altaere. Aber dennoch sind die Spuren davon nach beiden Seiten hin

geblieben. Die Geschichte, die hier erzaehlt wird, ist die des steigenden Hasses

zwischen Juden und Nichtjuden, und darin bezeichnet die dreijaehrige

Judenverfolgung unter Gaius einen Abschnitt und einen Fortschritt. Der Judenhass

und die Judenhetzen sind so alt wie die Diaspora selbst; diese privilegierten

und autonomen orientalischen Gemeinden innerhalb der hellenischen mussten sie so

notwendig entwickeln wie der Sumpf die boese Luft. Aber eine Judenhetze wie die

alexandrinische des Jahres 38, motiviert durch das mangelhafte Hellenentum und

dirigiert zugleich von der hoechsten Behoerde und dem niedrigen Poebel, hat die

aeltere griechische wie roemische Geschichte nicht aufzuweisen. Der weite Weg

vom boesen Wollen des Einzelnen zur boesen Tat der Gesamtheit war hiermit

durchschritten, und es war gezeigt, was die also Gesinnten zu wollen und zu tun

hatten und unter Umstaenden auch zu tun vermochten. Dass diese Offenbarung auch

auf juedischer Seite empfunden ward, ist nicht zu bezweifeln, obwohl wir dies

mit Dokumenten nicht zu belegen vermoegen ^18. Aber weit tiefer als die

alexandrinische Judenhetze haftete in den Gemuetern der Juden die Bildsaeule des

Gottes Gaius im Allerheiligsten. Es war das schon einmal dagewesen: auf das

gleiche Unterfangen des Koenigs von Syrien, Antiochos Epiphanes, war die

Makkabaeererhebung gefolgt und die siegreiche Wiederherstellung des freien

nationalen Staats. Jener Epiphanes, der Antimessias, welcher den Messias

herbeifuehrt, wie der Prophet Daniel ihn, allerdings nachtraeglich, gezeichnet

hatte, war seitdem jedem Juden das Urbild der Greuel; es war nicht

gleichgueltig, dass die gleiche Vorstellung mit gleichem Recht sich an einen

roemischen Kaiser knuepfte oder vielmehr an das Bild des roemischen Herrschers

ueberhaupt. Seit jenem verhaengnisvollen Erlass kam die Sorge nicht zur Ruhe,

dass ein anderer Kaiser das Gleiche befehlen koenne, und insofern allerdings mit

Recht, als nach der Ordnung des roemischen Staatswesens diese Verfuegung

lediglich von dem augenblicklichen Gutfinden des augenblicklich Regierenden

abhing. Mit gluehenden Farben zeichnet sich dieser juedische Hass des

Kaiserkultus und des Kaisertums selbst in der Apokalypse Johannis, fuer die

hauptsaechlich deswegen Rom das feile Weib von Babylon und der gemeine Feind der

Menschheit ist ^19. Noch minder gleichgueltig war die naheliegende Parallele der

Konsequenzen. Mattathias von Modein war auch nicht mehr gewesen als Judas der

Galilaeer, die Erhebung der Patrioten gegen den Syrerkoenig ungefaehr ebenso

hoffnungslos wie die Insurrektion gegen das Untier jenseits des Meeres.

Historische Parallelen in praktischer Anwendung sind gefaehrliche Elemente der

Opposition; nur zu rasch geriet der Bau langjaehriger Regierungsweisheit ins

Schwanken.

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^18 Die Schriften Philons, welche diese ganze Katastrophe uns mit

unvergleichlicher Aktualitaet vorfuehren, schlagen diesen Ton nirgends an; aber

auch abgesehen davon, dass dieser reiche und bejahrte Mann mehr ein guter Mensch

als ein guter Hasser war, versteht es sich von selbst, dass diese Konsequenzen

der Vorgaenge von juedischer Seite nicht oeffentlich dargelegt wurden. Was die

Juden dachten und fuehlten, wird man nicht nach dem beurteilen duerfen, was sie

namentlich in ihren griechisch geschriebenen Schriften zu sagen zweckmaessig

fanden. Wenn das Buch der Weisheit und das dritte Makkabaeerbuch in der Tat

gegen die alexandrinische Judenverfolgung gerichtet sind (Hausrath,

Neutestamentliche Zeitgeschichte. Bd. 2, S. 259 f.), was uebrigens nichts

weniger als gewiss ist, so sind sie womoeglich noch zahmer gehalten als die

Schriften Philons.

^19 Dies duerfte die richtige Auffassung der juedischen Vorstellungen sein,

in denen ueberhaupt die positiven Tatsachen regelmaessig ins Allgemeine

verfliessen. In den Erzaehlungen vom Antimessias und vom Antichrist finden sich

keine positiven Momente, die auf Kaiser Gaius passten; den Namen Armillus, den

der Targum jenem beilegt, darauf zurueckzufuehren, dass Kaiser Gaius zuweilen

Frauenarmbaender (armillae) trug (Suet. Gai. 52), kann ernsthaft nicht vertreten

werden. In der Johanneischen Apokalypse, der klassischen Offenbarung juedischen

Selbstgefuehls und Roemerhasses, knuepft sich das Bild des Antimessias vielmehr

an Nero, der sein Bild nicht ins Allerheiligste hat stellen lassen. Diese

Schrift gehoert bekanntlich einer Zeit und einer Richtung an, fuer die das

Christentum noch wesentlich eine juedische Sekte war; die Auserwaehlten und vom

Engel Gezeichneten sind alle Juden, je 12000 aus jedem der zwoelf Staemme, und

haben den Vortritt vor der "grossen Menge der sonstigen Gerechten", das heisst

der Judengenossen (Offbg. 7; vgl. 12, 1). Geschrieben ist sie erwiesenermassen

nach Neros Sturz, und als dessen Rueckkehr aus dem Orient erwartet wurde. Nun

trat freilich ein falscher Nero unmittelbar nach dem Tode des wirklichen auf und

wurde im Anfang des folgenden Jahres hingerichtet (Tac. hist. 2, 8. 9); aber an

diesen denkt Johannes nicht, da der recht genaue Bericht nicht, wie Johannes,

dabei der Parther erwaehnt, und fuer Johannes zwischen dem Sturze Neros und

seiner Rueckkehr ein betraechtlicher Zeitraum, auch die letztere noch in der

Zukunft liegt. Sein Nero ist derjenige, der unter Vespasian im Euphratgebiet

Anhang fand, den Koenig Artabanos unter Titus anerkannte und sich anschickte,

mit Heeresmacht in Rom wieder einzusetzen, und den endlich die Parther um das

Jahr 88 nach laengeren Verhandlungen an Domitian auslieferten. Auf diese

Vorgaenge passt die Apokalypse mit voelliger Genauigkeit. Andererseits kann in

einer Schrift dieses Schlages daraus, dass nach 11, 1, 2 nur der Vorhof, nicht

aber das Allerheiligste des Tempels von Jerusalem in die Gewalt der Heiden

gegeben ist, unmoeglich auf den damaligen Stand der Belagerung geschlossen

werden; hier ist im einzelnen alles Phantasmagorie und dies gewiss entweder

beliebig gegriffen oder, wenn man das vorzieht, angesponnen etwa an eine den

roemischen Soldaten, die nach der Zerstoerung in Jerusalem lagerten, gegebene

Order, das ehemalige Allerheiligste nicht zu betreten. Die Grundlage der

Apokalypse ist unbestritten die Zerstoerung des irdischen Jerusalem und die

dadurch erst gegebene Aussicht auf dessen dereinstige ideale Wiederherstellung;

unmoeglich laesst sich an die Stelle der erfolgten Schleifung der Stadt die

blosse Erwartung der Einnahme setzen. Wenn also es von den sieben Koepfen des

Drachen heisst: basileis epta eisin. oi pente epesan, o eis estin, o allos

o?p/o/ /e/lthen, kai otan elth/e/ oligon dei meinai (17, 10), so sind vermutlich

die fuenf Augustus, Tiberius, Gaius, Claudius, Nero, der sechste Vespasian, der

siebente unbestimmt; "das Tier, welches war und nicht ist, und selber der achte,

aber aus den sieben ist", ist natuerlich Nero. Der unbestimmte Siebente ist

ungeschickt, wie so vieles in dieser grandiosen, aber widerspruchsvollen und oft

sich uebel verwickelnden Phantasmagorie, ist aber hingesetzt, nicht, weil die

Siebenzahl gebraucht ward, die ja leicht durch Caesar zu gewinnen war, sondern

weil der Schreiber Bedenken trug, das kurze Regiment des letzten Herrschers und

dessen Sturz durch den rueckkehrenden Nero unmittelbar von dem regierenden

Kaiser auszusagen. Unmoeglich aber kann man, wie es nach anderen Renan tut, mit

Einrechnung Caesars in dem sechsten Kaiser, "welcher ist", Nero erkennen, der

gleich nachher bezeichnet wird als der, welcher "war und nicht ist", und in dem

siebenten, welcher "noch nicht gekommen ist und nicht lange herrschen wird",

sogar den nach Renans Ansicht zur Zeit herrschenden hochbejahrten Galba. Dass

dieser ueberhaupt so wenig, wie Otho und Vitellius, in eine solche Reihe

gehoert, leuchtet ein.

Aber wichtiger ist es, der gangbaren Auffassung entgegenzutreten, als

richte sich die Polemik gegen die Neronische Christenverfolgung und die

Belagerung oder die Zerstoerung Jerusalems, waehrend sie doch durchaus ihre

Spitze kehrt gegen das roemische Provinzialregiment ueberhaupt und insbesondere

den Kaiserkultus. Wenn von den sieben Kaisern Nero allein (mit seinem

Zahlenausdruck) genannt wird, so geschieht dies nicht, weil er der schlimmste

der sieben war, sondern weil die Nennung des regierenden Kaisers unter

Prophezeihung eines baldigen Endes seiner Regierung in einer publizierten

Schrift ihr Bedenkliches hatte und einige Ruecksicht gegen den einen "der ist"

sich auch fuer einen Propheten ziemt. Neros Name war preisgegeben, ueberdies die

Legende seiner Heilung und seiner Wiederkehr in aller Munde; dadurch ist er fuer

die Apokalypse der Repraesentant der roemischen Kaiserherrschaft und der

Antichrist geworden. Was das Untier des Meeres und sein Ebenbild und Werkzeug,

das Untier des Landes, verschulden, ist nicht die Vergewaltigung der Stadt

Jerusalem (11, 2), welche nicht als ihre Missetat erscheint, sondern vielmehr

als ein Stueck des Weltgerichts (wobei auch die Ruecksicht auf den regierenden

Kaiser im Spiel gewesen sein kann), sondern die goettliche Verehrung, welche die

Heiden dem Untier des Meeres zollen (13, 8: proskyn/e/soysin ayton pantes oi

katoiko?ntes epi t/e/s g/e/s) und welche das Untier des Landes - das darum auch

der Pseudoprophet heisst - fuer das des Meeres fordert und erzwingt (13, 12:

:poiei t/e/n g/e/n kai to?s kateyko?ntas en ayt/e/ ina proskyn/e/soysin to

th/e/rion to pr/o/ton, o? etherape?th/e/ /e/ pl/e/g/e/ t/e/s machair/e/s epi

t/e/s g/e/s); vor allem wird ihm vorgerueckt das Begehren, jenem ein Bild zu

machen (13, 14: leg/o/n tois katoiko?sin epi t/e/s g/e/s poi/e/sai ekonan t/o/

th/e/ri/o/ os echei t/e/n pl/e/g/e/n t/e/s machair/e/s kai ez/e/sen, vgl. 14, 9;

16, 2; 19, 20). Das ist deutlich teils das Kaiserregiment jenseits des Meeres,

teils die Statthalterschaft auf dem asiatischen Kontinent, nicht dieser oder

jener Provinz oder gar dieser oder jener Person, sondern die Kaiservertretung

ueberhaupt, wie die Provinzialen Asiens und Syriens sie kannten. Wenn Handel und

Wandel geknuepft erscheint an den Gebrauch des charagma des Untiers des Meeres

(13, 16, 17), so liegt der Abscheu gegen Bild und Schrift des Kaisergeldes

deutlich zugrunde, allerdings phantastisch umgestaltet, wie ja auch der Satanas

das Kaiserbildnis reden macht. Eben diese Statthalter erschienen nachher (17)

als die zehn Hoerner, welche dem Untier an seinem Abbild beigelegt werden, und

heissen hier ganz richtig die "zehn Koenige, welche die Koenigswuerde nicht

haben, aber Macht wie die Koenige"; mit der Zahl, die aus der Vision Daniels

uebernommen ist, darf man es freilich nicht genau nehmen. Bei den Blutgerichten,

die ueber die Gerechten ergangen sind, denkt Johannes an die regulaere Justiz

wegen verweigerter Anbetung des Kaiserbildes, wie die Briefe des Plinius sie

schildern (13, 15: poi/e/s/e/ ina osoi ean m/e/ proskyn/e/s/o/sin t/e/n eikona

to? th/e/rioy apoktanth/o/sin; vgl. 6, 9; 20, 4). Wenn hervorgehoben wird, dass

diese Blutgerichte besonders haeufig in Rom vollzogen wurden (17, 6; 18, 24), so

ist damit die Vollstreckung der Verurteilung zum Fecht- oder zum Tierkampf

gemeint, welche am Gerichtsort oft nicht stattfinden konnte und bekanntlich

vorzugsweise eben in Rom erfolgte (Mod. dig. 48, 19, 31); die Neronischen

Hinrichtungen wegen angeblicher Brandstiftung gehoeren formell nicht einmal zu

den Religionsprozessen, und nur Voreingenommenheit kann das in Rom vergossene

Maertyrerblut, von dem Johannes spricht, auf diese Vorgaenge ausschliesslich

oder vorzugsweise beziehen. Die gangbaren Vorstellungen von den sogenannten

Christenverfolgungen leiden unter der mangelhaften Anschauung der im Roemischen

Reich bestehenden Rechtsnorm und Rechtspraxis; in der Tat war die Verfolgung der

Christen stehend wie die der Raeuber, und kamen nur diese Bestimmungen bald

milder oder auch nachlaessiger, bald schaerfer zur Anwendung, wurden auch wohl

einmal von oben herab besonders eingeschaerft. Den "Krieg gegen die Heiligen"

haben erst die Spaeteren, denen Johannes' Worte nicht genuegten,

hineininterpoliert (13, 7). Die Apokalypse ist ein merkwuerdiges Zeugnis des

nationalen und religioesen Hasses der Juden gegen das okzidentalische Regiment;

aber man verschiebt und verflacht die Tatsachen, wenn man, wie dies namentlich

Renan tut, den Neronischen Schauerroman mit diesen Farben illustriert. Der

juedische Volkshass wartete, um zu entstehen, nicht auf die Eroberung von

Jerusalem und machte, wie billig, keinen Unterschied zwischen dem guten und dem

schlechten Caesar; sein Antimessias heisst wohl Nero, aber nicht minder

Vespasianus oder Marcus.

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Die Regierung des Claudius lenkte nach beiden Seiten hin in die Bahnen des

Tiberius ein. In Italien wiederholte sich zwar nicht gerade die Ausweisung der

Juden, da man von der Undurchfuehrbarkeit dieser Massregel sich ueberzeugen

musste, aber doch das Verbot der gemeinschaftlichen Ausuebung ihres Kultus ^20,

was freilich ungefaehr auf dasselbe hinaus und wohl ebensowenig zur

Durchfuehrung kam. Neben diesem Intoleranzedikt wurden im entgegengesetzten Sinn

durch eine das ganze Reich umfassende Verfuegung die Juden von denjenigen

oeffentlichen Verpflichtungen befreit, welche mit ihren religioesen

Ueberzeugungen sich nicht vertrugen, womit namentlich hinsichtlich des

Kriegsdienstes wohl nur nachgegeben ward, was auch bisher schon nicht hatte

erzwungen werden koennen. Die in diesem Erlass am Schluss ausgesprochene Mahnung

an die Juden, nun auch ihrerseits groessere Maessigung zu beobachten und sich

der Beschimpfung Andersglaeubiger zu enthalten, zeigt, dass es auch von

juedischer Seite an Ausschreitungen nicht gefehlt hatte. In Aegypten wie in

Palaestina wurden die religioesen Ordnungen wenigstens im ganzen so, wie sie vor

Gaius bestanden hatten, wiederum hergestellt, wenn auch in Alexandreia die Juden

schwerlich alles, was sie besessen hatten, zurueck erhielten ^21; die

aufstaendischen Bewegungen, die dort wie hier ausgebrochen oder doch im

Ausbrechen waren, verschwanden damit von selbst. In Palaestina ging Claudius

sogar ueber das System des Tiberius hinaus und ueberwies wieder das ganze

ehemalige Gebiet des Herodes einem einheimischen Fuersten, eben jenem Agrippa,

der zufaellig auch mit Claudius befreundet und bei den Krisen seines Antritts

ihm nuetzlich geworden war. Es war sicher Claudius' Absicht, das zur Zeit des

Herodes befolgte System wieder aufzunehmen und die Gefahren der unmittelbaren

Beruehrung zwischen Roemern und Juden zu beseitigen. Aber Agrippa, leichtlebig

und auch als Fuerst in steter Finanzbedraengnis, uebrigens gutmuetig und mehr

darauf bedacht, es seinen Untertanen als dem fernen Schutzherrn recht zu machen,

gab mehrfach bei der Regierung Anstoss, zum Beispiel durch die Verstaerkung der

Mauern von Jerusalem, deren Weiterfuehrung ihm untersagt ward; und die mit den

Roemern haltenden Staedte Caesarea und Sebaste sowie die roemisch organisierten

Truppen waren ihm abgeneigt. Als er frueh und ploetzlich im Jahre 44 starb,

erschien es bedenklich, die politisch wie militaerisch wichtige Stellung seinem

einzigen, siebzehnjaehrigen Sohn zu uebertragen, und die eintraeglichen

Prokurationen aus der Hand zu geben, entschlossen die Maechtigen des Kabinetts

sich auch nicht gern. Die Claudische Regierung hatte hier, wie anderswo, das

Richtige gefunden, aber nicht die Energie, dasselbe von Nebenruecksichten

absehend durchzufuehren. Ein juedischer Fuerst mit juedischen Soldaten konnte

das Regiment in Judaea fuer die Roemer handhaben; der roemische Beamte und die

roemischen Soldaten verletzten wahrscheinlich noch oefter durch Unkunde der

juedischen Anschauungen als durch absichtliches Zuwiderhandeln, und was sie

immer beginnen mochten, von ihnen war es den Glaeubigen ein Aergernis und der

gleichgueltigste Vorgang ein Religionsfrevel. Die Forderung, sich gegenseitig zu

verstehen und zu vertragen, war nach beiden Seiten hin ebenso gerechtfertigt an

sich wie die Ausfuehrung unmoeglich. Vor allen Dingen aber war ein Konflikt

zwischen dem juedischen Landesherrn und seinen Untertanen fuer das Reich

ziemlich indifferent; jeder Konflikt zwischen den Roemern und den Juden in

Jerusalem erweiterte den Abgrund, der sich zwischen den Voelkern des Okzidents

und den mit ihnen zusammenlebenden Hebraeern auftat; und nicht in den Haendeln

Palaestinas, sondern in der Unvertraeglichkeit der vom Schicksal nun doch einmal

zusammengekoppelten Reichsgenossen verschiedener Nationalitaet lag die Gefahr.

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^20 Dass Suetonius (Claud. 25) als Anstifter der bestaendigen Unruhen in

Rom, die diese Massregel (nach ihm die Ausweisung aus Rom; im Gegensatz zu Dio

60, 6) zunaechst hervorgerufen haetten, einen gewissen Chrestus nennt, ist

aufgefasst worden als Missverstaendnis der durch Christus unter Juden und

Judengenossen hervorgerufenen Bewegung, ohne zureichenden Grund. Die

Apostelgeschichte (18, 2) spricht nur von Ausweisung der Juden. Allerdings ist

es nicht zu bezweifeln dass bei der damaligen Stellung der Christen zum Judentum

auch sie unter das Edikt fielen.

^21 Wenigstens scheinen die Juden daselbst spaeter nur das vierte der fuenf

Stadtquartiere in Besitz gehabt zu haben (Ios. bel. Iud. 2, 18, 8). Auch wuerden

wohl, wenn die geschleiften 400 Haeuser ihnen in so eklatanter Weise wieder

zurueckgegeben worden waeren, die alle den Juden erwiesenen kaiserlichen

Beguenstigungen betonenden juedischen Schriftsteller Philon und Josephus

darueber nicht schweigen.

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So trieb das Schiff unaufhaltsam in den Strudel hinein. Bei dieser

unseligen Fahrt halfen alle Beteiligten, die roemische Regierung und ihre

Verwalter, die juedischen Behoerden und das juedische Volk. Die erstere bewies

freilich fortwaehrend den Willen, allen billigen und unbilligen Anspruechen der

Juden so weit wie moeglich entgegenzukommen. Als im Jahre 44 der Prokurator

wieder in Jerusalem eintraf, wurde die Ernennung des Hohenpriesters und die

Verwaltung des Tempelschatzes, die mit dem Koenigtum und insofern auch mit der

Prokuratur verbunden waren, ihm abgenommen und einem Bruder des verstorbenen

Koenigs Agrippa, dem Koenig Herodes von Chalkis, sowie nach dessen Tode im Jahre

48 seinem Nachfolger, dem schon genannten juengeren Agrippa, uebertragen. Einen

roemischen Soldaten, der bei der befohlenen Pluenderung eines juedischen Dorfes

eine Thorarolle zerrissen hatte, liess der roemische Oberbeamte auf die Klage

der Juden hin hinrichten. Selbst die hoeheren Beamten traf nach Umstaenden die

ganze Schwere der roemischen Kaiserjustiz; als zwei nebeneinander fungierende

Prokuratoren bei dem Hader der Samariter und der Galilaeer sich fuer und wider

beteiligt und ihre Soldaten gegeneinander gefochten hatten, wurde der

kaiserliche Statthalter von Syrien, Ummidius Quadratus, mit ausserordentlicher

Vollmacht nach Palaestina geschickt, um zu strafen und zu richten, und in der

Tat der eine der Schuldigen in die Verbannung gesandt, ein roemischer

Kriegstribun namens Celer in Jerusalem selbst oeffentlich enthauptet. Aber neben

diesen Exempeln der Strenge stehen andere der mitschuldigen Schwaeche; in eben

diesem Prozess entging der zweite mindestens ebenso schuldige Prokurator

Antonius Felix der Bestrafung, weil er der Bruder des maechtigen Bedienten

Pallas war und der Gemahl der Schwester des Koenigs Agrippa. Mehr noch als die

Amtsmissbraeuche einzelner Verwalter muss es der Regierung zur Last gelegt

werden, dass sie die Beamtenmacht und die Truppenzahl in einer so beschaffenen

Provinz nicht verstaerkte und fortfuhr, die Besatzung fast ausschliesslich aus

der Provinz zu rekrutieren. Unbedeutend wie die Provinz war, war es eine arge

Kopflosigkeit und eine uebel angebrachte Sparsamkeit, sie nach der hergebrachten

Schablone zu behandeln; rechtzeitige Entfaltung einer erdrueckenden Uebermacht

und unnachsichtige Strenge, ein Statthalter hoeheren Ranges und ein Legionslager

haetten der Provinz wie dem Reiche grosse Opfer an Geld und Blut und Ehre

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 58 / 73 段