von Pompeius geschleiften Festungswerke Jerusalems gestattet (707 47). Also

regierte unter dem Namen des Hasmonaeerfuersten ein Halbfremder - denn die

Idumaeer standen zu den eigentlichen, von Babylon zurueckgewanderten Juden

ungefaehr wie die Samariter - den Judenstaat unter dem Schutz und nach dem

Willen Roms. Die nationalgesinnten Juden waren dem neuen Regiment nichts weniger

als geneigt. Die alten Geschlechter, die im Rat von Jerusalem fuehrten, hielten

im Herzen zu Aristobulos und nach dessen Tode zu seinem Sohn Antigonos. In den

Bergen Galilaeas fochten die Fanatiker ebenso gegen die Roemer wie gegen die

eigene Regierung; als Antipatros' Sohn Herodes den Fuehrer dieser wilden Schar,

Ezekias, gefangengenommen und hatte hinrichten lassen, zwang der Priesterrat von

Jerusalem unter dem Vorwand verletzter Religionsvorschriften den schwachen

Hyrkanos, den Herodes zu verbannen. Dieser trat darauf in das roemische Heer ein

und leistete dem Caesarischen Statthalter von Syrien gegen die Insurrektion der

letzten Pompeianer gute Dienste. Aber als nach der Ermordung Caesars die

Republikaner im Osten die Oberhand gewannen, war Antipatros wieder der erste,

der dem Staerkeren nicht bloss sich fuegte, sondern sich die neuen Machthaber

verpflichtete durch rasche Beitreibung der von ihnen auferlegten Kontribution.

So kam es, dass der Fuehrer der Republikaner, als er aus Syrien abzog, den

Antipatros in seiner Stellung beliess und dem Sohne desselben, Herodes, sogar

ein Kommando in Syrien anvertraute. Als dann Antipatros starb, wie man sagt, von

einem seiner Offiziere vergiftet, glaubte Antigonos, der bei seinem Schwager,

dem Fuersten Ptolemaeos von Chalkis, Aufnahme gefunden hatte, den Augenblick

gekommen, um den schwachen Oheim zu beseitigen. Aber die Soehne des Antipatros,

Phasael und Herodes, schlugen seine Schar aufs Haupt, und Hyrkanos verstand sich

dazu, ihnen die Stellung des Vaters zu gewaehren, ja sogar den Herodes, indem er

ihm seine Enkelin Mariamme verlobte, gewissermassen in das regierende Haus

aufzunehmen. Inzwischen unterlagen die Fuehrer der republikanischen Partei bei

Philippi. Die Opposition in Jerusalem hoffte nun den Sturz der verhassten

Antipatriden bei den Siegern zu erwirken; aber Antonius, dem das Schiedsgericht

zufiel, wies deren Deputationen erst in Ephesos, dann in Antiocheia, zuletzt in

Tyros entschieden ab, ja liess die letzten Gesandten hinrichten, und bestaetigte

Phasael und Herodes foermlich als "Vierfuersten" ^10 - der Juden (723 41).

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^7 Antipatros begann seine Laufbahn als Statthalter (strat/e/gos) von

Idumaea (Ios. ant. Iud. 14, 1, 3), und heisst dann Verwalter des Juedischen

Reiches (o t/o/n Ioydai/o/n epimel/e/t/e/s daselbst 14, 8, 1), das heisst etwa

erster Minister. Mehr liegt auch nicht in der gegen Rom wie gegen Herodes

adulatorisch gefaerbten Erzaehlung des Josephus (ant. Iud. 14, 8, 5; bel. Iud.

1, 10, 3), dass Caesar dem Antipatros die Wahl ueberlassen habe, seine

Machtstellung (dynasteia) selbst zu bestimmen und, da dieser ihm die

Entscheidung anheimstellt, ihn zum Verwalter (epitropos) von Judaea bestellt

habe. Dies ist nicht, wie Marquardt, Staatsverwaltung, Bd. 1, S. 408 will, die

(damals noch gar nicht bestehende) roemische Prokuratur der Kaiserzeit, sondern

ein formell von dem juedischen Ethnarchen verliehenes Amt, eine epitrop/e/, wie

die bei Ios. bel. Iud. 2, 18, 6 erwaehnte. In den Aktenstuecken aus Caesars Zeit

vertritt die Juden allein der Erzpriester und Ethnarch Hyrkanos; Caesar gab dem

Antipatros, was dem Untertanen eines abhaengigen Staats gewaehrt werden konnte,

das roemische Buergerrecht und die personale Immunitaet (Ios. ant. Iud. 14, 8,

3; bel. Iud. 1, 9, 5), aber er machte ihn nicht zum Beamten Roms. Dass Herodes,

aus Judaea vertrieben, von dem Roemern eine roemische Offizierstellung etwa in

Samaria erhalten hat, ist glaublich; aber die Bezeichnungen strat/e/gos t/e/s

Koil/e/s Syrias; (Ios. ant. Iud. 14 9, 5 c. 11, 4) oder strat/e/gos Koil/e/s

Syrias kai Samarias; (bel. Iud. 1, 10, 8) sind mindestens irrefuehrend, und

ebenso inkorrekt nennt derselbe Schriftsteller den Herodes spaeter deswegen,

weil er tois epitrpe?oysi t/e/s Syrias; als Ratgeber dienen soll (ant. Iud. 15,

10, 3), sogar Syrias ol/e/s epitropon (bel. Iud. 1, 20, 4, wo Marquardts

Aenderung [Staatsverwaltung, Bd. 1, S. 408 Koil/e/s den Sinn zerstoert).

^8 In dem Dekret Caesars bei Josephus (ant. Iud. 14, 10, 5 u. 6) ist die

aus Epiphanius sich ergebende Lesung die einzig moegliche: danach wird das Land

von der (durch Pompeius auferlegten: Ios. ant. Iud. 14, 4, 4) Steuer, vom

zweiten Jahr der laufenden Verpachtung an, befreit und weiter verordnet, dass

die Stadt Joppe, die damals aus roemischem Besitz in juedischen ueberging, zwar

auch ferner den vierten Teil der Feldfruechte in Sidon an die Roemer abliefern,

aber dafuer dem Hyrkanos ebenfalls in Sidon als Aequivalent jaehrlich 20675

Scheffel Getreide gewaehrt werden sollen, woneben die Joppenser auch noch den

Zehnten an Hyrkanos entrichten. Auch zeigt die ganze sonstige Erzaehlung, dass

der juedische Staat seitdem von Tributzahlung frei ist; dass Herodes von den der

Kleopatra zugewiesenen Distrikten, die er ihr abpachtet, phoros zahlt (ant. Iud.

15, 4, 2 u. 4. c. 5, 3), bestaetigt nur die Regel. Wenn App. civ. 5, 75 unter

den von Antonius mit Tribut belegten Koenigen den Herodes fuer Idumaea und

Samaria auffuehrt, so fehlt Judaea auch hier nicht ohne guten Grund; und auch

fuer diese Nebenlaender kann ihm der Tribut von Augustus erlassen sein. Der

detaillierte und zuverlaessige Bericht ueber die Schatzung, die Quirinius

anordnet, zeigt mit voelliger Klarheit, dass das Land bis dahin von roemischer

Steuer frei war.

^9 In demselben Dekret heisst es: kai op/o/s m/e/deis m/e/te arch/o/n

m/e/te strat/e/gos /e/ presbeyt/e/s en tois orois t/o/n Ioydai/o/n anista

('vielleicht synista Wilamowitz) symmapsian kai strati/o/tas exi/e/ (so

Wilamowitz fuer exei), /e/ ta chr/e/mata to?t/o/n anep/e/reastoys (vgl. 14, 10,

2: paracheimasian de kai chr/e/mata prattesthai oth dokimaz/o/). Dies entspricht

im wesentlichen der Formel des wenig aelteren Freibriefs fuer Termessos (CIL I,

204): nei quis magistratu prove magistratu legatus ne[ive] quis alius meilites

in oppidum Thermesum . . . agrumve . . . hiemandi caussa introducito . . . nisei

senatus nominatim utei Thermesum . . . in hibernacula meilites deducantur

decreverit. Der Durchmarsch ist demnach gestattet. In dem Privilegium fuer

Judaea scheint ausserdem noch die Aushebung untersagt gewesen zu sein.

^10 Dieser Titel, der zunaechst das kollegialische Vierfuerstentum

bezeichnet, wie es bei den Galatern herkoemmlich war, ist dann allgemeiner fuer

die Samt-, ja auch fuer die Einherrschaft, immer aber als im Rang dem

koeniglichen nachstehend verwendet worden. In dieser Weise erscheint er ausser

in Galanen auch in Syrien vielleicht seit Pompeius, sicher seit Augustus. Die

Nebeneinanderstellung eines Ethnarchen und zweier Tetrarchen, wie sie im Jahre

713 (41) fuer Judaea nach Josephus (ant. Iud. 14, 13, 1; bel. Iud. 1, 12, 5)

angeordnet ward, begegnet sonst nicht wieder; analog ist Pheroras Tetrarch der

Peraea unter seinem Bruder Herodes (bel. Iud. 1, 24, 5).

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Bald rissen die Wendungen der grossen Politik den juedischen Staat noch

einmal in ihre Wogen. Der Herrschaft der Antipatriden machte im folgenden Jahre

(714 40) die Invasion der Parther zunaechst ein Ende. Der Praetendent Antigonos

schlug sich zu ihnen und bemaechtigte sich Jerusalems und fast des ganzen

Gebiets. Hyrkanos ging als Gefangener zu den Parthern, Phasael, Antipatros'

aeltester Sohn, gleichfalls gefangen, gab sich im Kerker den Tod. Mit genauer

Not barg Herodes die Seinigen in einem Felsenschloss am Saume Judaeas und ging

selbst fluechtig und Hilfe bittend zuerst nach Aegypten und, da er hier Antonius

nicht mehr fand, zu den beiden eben damals in neuer Eintracht schaltenden

Machthabern (724 40) nach Rom. Bereitwillig gestattete man ihm, was ja nur im

roemischen Interesse lag, das Juedische Reich fuer sich zurueckzugewinnen; er

kam nach Syrien zurueck, soweit es auf die Roemer ankam, als anerkannter

Herrscher und sogar ausgestattet mit dem koeniglichen Titel. Aber gleich wie ein

Praetendent hatte er das Land nicht so sehr den Parthern als den Patrioten zu

entreissen. Vorzugsweise mit Samaritern und Idumaeern und gedungenen Soldaten

schlug er seine Schlachten und gelangte endlich durch die Unterstuetzung der

roemischen Legionen auch in den Besitz der lange verteidigten Hauptstadt. Die

roemischen Henker befreiten ihn gleichfalls von seinem langjaehrigen Nebenbuhler

Antigonos, seine eigenen raeumten auf unter den vornehmen Geschlechtern des Rats

von Jerusalem.

Aber die Tage der Bedraengnis waren mit seiner Installation noch keineswegs

vorueber. Antonius' unglueckliche Expedition gegen die Parther blieb fuer

Herodes ohne Folgen, da die Sieger es nicht wagten, in Syrien einzuruecken; aber

schwer litt er unter den immer sich steigernden Anspruechen der aegyptischen

Koenigin, die damals mehr als Antonius den Osten beherrschte; ihre frauenhafte

Politik, zunaechst gerichtet auf die Erweiterung ihrer Hausmacht und vor allem

ihrer Einkuenfte, erreichte zwar bei Antonius bei weitem nicht alles, was sie

begehrte, aber sie entriss dem Koenig der Juden doch einen Teil seiner

wertvollsten Besitzungen an der syrischen Kueste und in dem aegyptisch-syrischen

Zwischengebiet, ja selbst die reichen Balsampflanzungen und Palmenhaine von

Jericho und legte ihm schwere finanzielle Lasten auf. Um den Rest seiner

Herrschaft zu behaupten, musste er die neuen syrischen Besitzungen der Koenigin

entweder selber abpackten oder fuer andere minder zahlungsfaehige Paechter

garantieren. Nach all diesen Bedraengnissen und in Erwartung noch aergerer und

ebensowenig abweisbarer Anforderungen war der Ausbruch des Krieges zwischen

Antonius und Caesar fuer ihn eine Hoffnung, und dass Kleopatra in ihrer

egoistischen Verkehrtheit ihm die taetige Teilnahme an dem Kriege erliess, weil

er seine Truppen brauche, um ihre syrischen Einkuenfte beizutreiben, ein

weiterer Gluecksfall, da dies ihm die Unterwerfung unter den Sieger

erleichterte. Das Glueck kam ihm noch weiter bei dem Parteiwechsel entgegen: er

konnte eine Schar getreuer Gladiatoren des Antonius abfangen, die aus Kleinasien

durch Syrien nach Aegypten marschierten, um ihrem Herrn Beistand zu leisten.

Indem er, bevor er sich zu Caesar nach Rhodos begab, um seine Begnadigung zu

erwirken, den letzten maennlichen Spross des Makkabaeerhauses, den

achtzigjaehrigen Hyrkanos, dem das Haus des Antipatros seine Stellung verdankte,

fuer alle Faelle hinrichten liess, uebertrieb er in der Tat die notwendige

Vorsicht. Caesar tat, was die Politik ihn tun hiess, zumal da fuer die

beabsichtigte aegyptische Expedition die Unterstuetzung des Herodes von

Wichtigkeit war; er bestaetigte den gern Besiegten in seiner Herrschaft und

erweiterte sie teils durch die Rueckgabe der von Kleopatra ihm entrissenen

Besitzungen, teils durch weitere Gaben: die ganze Kueste von Gaza bis zum

Stratonsturm, dem spaeteren Caesarea, die zwischen Judaea und Galilaea sich

einschiebende samaritanische Landschaft und eine Anzahl von Staedten oestlich

vom Jordan gehorchten seitdem dem Herodes. Mit der Konsolidierung der roemischen

Monarchie war auch das juedische Fuerstentum weiteren aeusseren Krisen entzogen.

Vom roemischen Standpunkt aus erscheint das Verhalten der neuen Dynastie in

einer Weise korrekt, dass dem Betrachtenden dabei die Augen uebergehen. Sie

tritt ein zuerst fuer Pompeius, dann fuer Caesar den Vater, dann fuer Cassius

und Brutus, dann fuer die Triumvirn, dann fuer Antonius, endlich fuer Caesar den

Sohn; die Treue wechselt wie die Parole. Dennoch ist diesem Verhalten die

Folgerichtigkeit und Festigkeit nicht abzusprechen. Die Parteiungen, die die

herrschende Buergerschaft zerrissen, ob Republik oder Monarchie, ob Caesar oder

Antonius, gingen die abhaengigen Landschaften, vor allem die des griechischen

Ostens, in der Tat nichts an. Die Entsittlichung, die mit allem revolutionaeren

Regimentswechsel verbunden ist, die entweihende Vermengung der inneren Treue und

des aeusseren Gehorsams, kam in diesem Fall in grellster Weise zum Vorschein;

aber der Pflichterfuellung, wie sie das roemische Gemeinwesen von seinen

Untertanen beanspruchte, hatte Koenig Herodes in einer Ausdehnung genuegt,

welcher edlere und grossartigere Naturen allerdings nicht faehig gewesen sein

wuerden. Den Parthern gegenueber hat er stets, auch in bedenklichen Lagen, fest

zu den einmal erkorenen Schutzherren gehalten.

Vom Standpunkt der inneren juedischen Politik aus ist das Regiment des

Herodes die Beseitigung der Theokratie und insofern eine Fortsetzung, ja eine

Steigerung des Regiments der Makkabaeer, als die Trennung des staatlichen und

des Kirchenregiments in schneidendster Schaerfe durchgefuehrt wird in dem

Gegensatz zwischen dem allmaechtigen, aber fremdgeborenen Koenig, und dem

machtlosen, oft und willkuerlich gewechselten Erzpriester. Freilich wurde dem

juedischen Hochpriester die koenigliche Stellung eher verziehen als dem fremden

und priesterlicher Weihe unfaehigen Mann; und wenn die Hasmonaeer die

Unabhaengigkeit des Judentums nach aussen hin vertraten, trug der Idumaeer seine

koenigliche Macht ueber die Juden von dem Schirmherrn zu Lehen. Die Rueckwirkung

dieses unloesbaren Konflikts auf eine tief leidenschaftliche Natur tritt in dem

ganzen Lebenslauf des Mannes uns entgegen, der viel Leid bereitet, aber

vielleicht nicht weniger empfunden hat. Immer sichern die Energie, die

Stetigkeit, die Fuegsamkeit in das Unvermeidliche, die militaerische und

politische Geschicklichkeit, wo dafuer Raum war, dem Judenkoenig einen gewissen

Platz in dem Gesamtbild einer merkwuerdigen Epoche.

Das fast vierzigjaehrige Regiment des Herodes - er starb im Jahre 750 (4) -

im einzelnen zu schildern, wie es die dafuer in grosser Ausfuehrlichkeit

erhaltenen Berichte gestatten, ist nicht die Aufgabe des Geschichtschreibers von

Rom. Es gibt wohl kein Koenigshaus irgendeiner Zeit, in welchem die Blutfehde

zwischen Eltern und Kindern, zwischen Gatten und Geschwistern in gleicher Weise

gewuetet hat; Kaiser Augustus und seine Statthalter in Syrien wandten schaudernd

sich ab von dem Anteil an dem Mordwerk, der ihnen angesonnen ward; nicht der

mindest entsetzliche Zug in diesem Greuelbild ist die voellige Zwecklosigkeit

der meisten, in der Regel auf grundlosen Verdacht verfuegten Exekutionen und die

stetig nachfolgende verzweifelnde Reue des Urhebers. Wie kraeftig und

verstaendig der Koenig das Interesse seines Landes, soweit er konnte und durfte,

wahrnahm, wie energisch er nicht bloss in Palaestina, sondern im ganzen Reich

mit seinen Schaetzen und mit seinem nicht geringen Einfluss fuer die Juden

eintrat -die den Juden guenstige Entscheidung Agrippas in dem grossen

kleinasiatischen Reichshandel hatten sie wesentlich ihm zu verdanken -, Liebe

und Treue fand er wohl in Idumaea und Samaria, aber nicht bei dem Volke Israel;

hier war und blieb er nicht so sehr der mit vielfacher Blutschuld beladene, als

vor allem der fremde Mann. Wie es eine der Haupttriebfedern jenes Hauskrieges

ist, dass er in seiner Gattin aus hasmonaeischem Geschlecht, der schoenen

Mariamne, und in deren Kindern mehr die Juden als die Seinen sah und fuerchtete,

so hat er es selbst ausgesprochen, dass er sich zu den Griechen ebenso

hingezogen fuehle, wie von den Juden abgestossen. Es ist bezeichnend, dass er

die Soehne, denen er zunaechst die Nachfolge zudachte, in Rom erziehen liess.

Waehrend er aus seinen unerschoepflichen Reichtuemern die Griechenstaedte des

Auslandes mit Gaben ueberhaeufte und mit Tempeln schmueckte, baute er fuer die

Juden wohl auch, aber nicht im juedischen Sinne. Die Circus- und Theaterbauten

in Jerusalem selbst wie die Tempel fuer den Kaiserkultus in den juedischen

Staedten galten dem frommen Israeliten als Aufforderung zur Gotteslaesterung.

Dass er den Tempel in Jerusalem in einen Prachtbau verwandelte, geschah halb

gegen den Willen der Frommen; wie sehr sie den Bau bewunderten, dass er an

demselben einen goldenen Adler anbrachte, wurde ihm mehr veruebelt als alle von

ihm verfuegten Todesurteile und fuehrte zu einem Volksaufstand, dem der Adler

zum Opfer fiel und dann freilich auch die Frommen, die ihn abrissen. Herodes

kannte das Land genug, um es nicht auf das aeusserste kommen zu lassen; wenn es

moeglich gewesen waere, dasselbe zu hellenisieren, der Wille dazu haette ihm

nicht gefehlt. An Tatkraft stand der Idumaeer hinter den besten Hasmonaeern

nicht zurueck. Der grosse Hafenbau beim Stratonsturm oder, wie die von Herodes

voellig umgebaute Stadt seitdem heisst, bei Caesarea, gab der hafenarmen Kueste

zuerst das, was sie brauchte, und die ganze Kaiserzeit hindurch ist die Stadt

ein Hauptemporium des suedlichen Syriens geblieben. Was sonst die Regierung zu

leisten vermag, Entwicklung der natuerlichen Hilfsquellen, Eintreten bei

Hungersnot und anderen Kalamitaeten, vor allen Dingen Sicherheit des Landes nach

innen und aussen, das hat Herodes geleistet. Der Raeuberunfug wurde abgestellt

und die in diesen Gegenden so ungemein schwierige Verteidigung der Grenze gegen

die streifenden Staemme der Wueste mit Strenge und Folgerichtigkeit

durchgefuehrt. Dadurch wurde die roemische Regierung bewogen, ihm noch weitere

Gebiete zu unterstellen, Ituraea, Trachonitis, Auranitis, Batanaea. Seitdem

erstreckte sich seine Herrschaft, wie dies schon erwaehnt ward, geschlossen

ueber das transjordanische Land bis gegen Damaskos und zum Hermongebirge; soviel

wir erkennen koennen, hat es nach jenen weiteren Zuweisungen in dem ganzen

bezeichneten Gebiet keine Freistadt und keine von Herodes unabhaengige

Herrschaft mehr gegeben. Die Grenzverteidigung selbst traf mehr den arabischen

Koenig als den der Juden; aber soweit sie ihm oblag, bewirkte die Reihe

wohlversehener Grenzkastelle auch hier einen Landfrieden, wie man ihn bisher in

diesen Gegenden nicht gekannt hatte. Man begreift es, dass Agrippa, nachdem er

die Hafen- und die Kriegsbauten des Herodes besichtigt hatte, in ihm einen

gleichstrebenden Gehilfen bei dem grossen Organisationswerk des Reiches erkannte

und ihn in diesem Sinne behandelte.

Dauernden Bestand hatte sein Reich nicht. Herodes selbst teilte es in

seinem Testament unter drei seiner Soehne, und Augustus bestaetigte die

Verfuegung im wesentlichen, indem er nur den wichtigen Hafen Gaza und die

transjordanischen Griechenstaedte unmittelbar unter den syrischen Statthalter

stellte. Die noerdlichen Reichsteile wurden von dem Hauptland abgetrennt; das

zuletzt von Herodes erworbene Gebiet suedlich von Damaskos, die Batanaea mit den

dazu gehoerigen Distrikten erhielt Philippos, Galilaea und die Peraea, das

heisst das transjordanische Gebiet, soweit es nicht griechisch war, Herodes

Antipas, beide als Tetrarchen; diese beiden Kleinfuerstentuemer haben anfangs

getrennt, dann unter Herodes des "Grossen" Urenkel Agrippa II. vereinigt, mit

geringen Unterbrechungen bis unter Traianus fortbestanden. Wir haben ihres

Regiments bei der Schilderung des oestlichen Syriens und Arabiens bereits

gedacht. Hier mag nur hinzugefuegt werden, dass diese Herodeer, wenn nicht mit

der Energie, doch im Sinn und Geist des Stifters der Dynastie weiterregierten.

Die von ihnen eingerichteten Staedte Caesarea, das alte Paneas, im noerdlichen

Gebiet und Tiberias in Galilaea sind ganz in der Art des Herodes hellenisch

geordnet; charakteristisch ist die Aechtung, welche die juedischen Rabbis wegen

eines bei der Anlage von Tiberias gefundenen Grabes ueber die unreine Stadt

verhaengten.

Das Hauptland, Judaea nebst Samaria noerdlich und Idumaea suedlich, bekam

nach dem Willen des Vaters Archelaos. Aber den Wuenschen der Nation entsprach

diese Erbfolge nicht. Die Orthodoxen, das heisst die Pharisaeer, beherrschten so

gut wie ausschliesslich die Masse, und wenn bisher die Furcht des Herrn

einigermassen niedergehalten war durch die Furcht vor dem ruecksichtslos

energischen Koenig, so stand doch der Sinn der grossen Majoritaet der Juden

darauf, unter der Schirmherrschaft Roms das reine gottselige Priesterregiment

wieder herzustellen, wie es einst die persischen Beamten eingerichtet hatten.

Unmittelbar nach dem Tode des alten Koenigs hatten die Massen in Jerusalem sich

zusammengerottet, um die Beseitigung des von Herodes ernannten Hohenpriesters

und die Ausweisung der Unglaeubigen aus der heiligen Stadt zu verlangen, wo eben

das Passah gefeiert werden sollte; Archelaos hatte sein Regiment damit beginnen

muessen, auf diese Massen einhauen zu lassen; man zaehlte eine Menge Tote, und

die Festfeier unterblieb. Der roemische Statthalter von Syrien - derselbe Varus,

dessen Unverstand bald darauf den Roemern Germanien kostete -, dem es zunaechst

oblag, waehrend des Interregnums die Ordnung im Lande aufrecht zu halten, hatte

diesen in Jerusalem meuternden Haufen gestattet, nach Rom, wo eben ueber die

Besetzung des juedischen Thrones verhandelt ward, eine Deputation von fuenfzig

Personen zu entsenden, um die Abschaffung des Koenigtums zu erbitten, und als

Augustus diese vorliess, gaben achttausend hauptstaedtische Juden ihr das Geleit

zum Tempel des Apollo. Die fanatisierten Juden daheim fuhren inzwischen fort,

sich selber zu helfen; die roemische Besatzung, die in den Tempel gelegt war,

wurde mit stuermender Hand angegriffen, und fromme Raeuberscharen erfuellten das

Land; Varus musste die Legionen ausruecken lassen und mit dem Schwert die Ruhe

wieder herstellen. Es war eine Warnung fuer den Oberherrn, eine nachtraegliche

Rechtfertigung fuer Koenig Herodes' gewalttaetiges, aber wirksames Regiment.

Aber mit der ganzen Schwaechlichkeit, welche er namentlich in spaeteren Jahren

so oft bewies, wies Augustus allerdings die Vertreter jener fanatischen Massen

mit ihrem Begehren ab, uebergab aber, im wesentlichen das Testament des Herodes

ausfuehrend, die Herrschaft in Jerusalem dem Archelaos, gemindert um den

koeniglichen Titel, den Augustus dem unerprobten jungen Mann zur Zeit nicht

zugestehen mochte, ferner gemindert um die noerdlichen Gebiete und mit der

Abnahme der Grenzverteidigung auch in der militaerischen Stellung

herabgedrueckt. Dass auf Augustus' Veranlassung die unter Herodes hochgespannten

Steuern herabgesetzt wurden, konnte die Stellung des Vierfuersten wenig bessern.

Archelaos' persoenliche Unfaehigkeit und Unwuerdigkeit brauchten kaum noch

hinzuzutreten, um ihn unmoeglich zu machen; wenige Jahre darauf (6 n. Chr.) sah

Augustus selbst sich genoetigt, ihn abzusetzen. Nun tat er nachtraeglich jenen

Meuterern ihren Willen: das Koenigtum wurde abgeschafft und das Land einerseits

in unmittelbare roemische Verwaltung genommen, andererseits, soweit neben dieser

ein inneres Regiment zugelassen ward, dasselbe dem Senat von Jerusalem

uebergeben. Bei diesem Verfahren moegen allerdings teils frueher in Betreff der

Erbfolge von Augustus dem Herodes gegebene Zusicherungen mitbestimmend gewesen

sein, teils die mehr und mehr hervortretende und im allgemeinen wohl

gerechtfertigte Abneigung der Reichsregierung gegen groessere, einigermassen

selbstaendig sich bewegende Klientelstaaten. Was in Galatien, in Kappadokien, in

Mauretanien kurz vorher oder bald nachher geschah, erklaert, warum auch in

Palaestina das Reich des Herodes ihn selbst kaum ueberdauerte. Aber wie in

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 56 / 73 段