fest (Waddington zu 2412 d). Wahrscheinlich gehoeren derselben Stadt die Muenzen
mit dem Namen Gabeinia Kanatha und Daten derselben Aera (Reichard, Zeitschrift
fuer Numismatik 7,1880, S. 53); es wuerde danach dieser Ort zu den zahlreichen
von Gabinius restituierten gehoeren (Ios. ant. Iud. 14, 5, 3). Waddington
freilich (zu 2329) gibt diese Muenzen, so weit er sie kannte, dem zweiten Ort
dieses Namens, dem heutigen Kanawat, der eigentlichen Hauptstadt des Hauran,
nordwaerts von Bostra; aber es ist wenig wahrscheinlich, dass Pompeius' und
Gabinius' Organisation sich so weit ostwaerts erstreckt hat. Vermutlich ist
diese zweite Stadt juenger und benannt nach der ersten, der oestlichsten der
Dekapolis.
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Von dem Koenig der Juden, Herodes und seinem Hause, wird anderweitig noch
die Rede sein; hier haben wir seiner Taetigkeit zu gedenken fuer die Ausdehnung
der Zivilisation gegen Osten. Sein Herrschaftsgebiet erstreckte sich ueber beide
Ufer des Jordan in seiner ganzen Ausdehnung, nordwaerts bis wenigstens nach
Chelbon, nordwestlich von Damaskos, suedlich bis an das Tote Meer, waehrend die
Landschaft weiter oestlich zwischen seinem Reich und der Wueste dem Araberkoenig
ueberwiesen war. Er und seine Nachkommen, die hier noch nach der Einziehung der
Herrschaft von Jerusalem bis auf Traian das Regiment fuehrten und spaeterhin in
Ceasarea Paneas im suedlichen Libanos residierten, waren energisch bemueht, die
Eingeborenen zu zaehmen. Die aeltesten Zeugnisse einer gewissen Kultur in diesen
Gegenden sind wohl die Hoehlenstaedte, von denen im Buch der Richter die Rede
ist, grosse unterirdische, durch Luftloecher bewohnbar gemachte Samtverstecke
mit Gassen und Brunnen, geeignet, Menschen und Herden zu bergen, schwer zu
finden und auch gefunden schwer zu bezwingen. Ihr blosses Dasein zeigt die
Vergewaltigung der friedlichen Bewohner durch die unsteten Soehne der Steppe.
"Diese Striche", sagt Josephus, wo er die Zustaende im Hauran unter Augustus
schildert, "wurden bewohnt von wilden Staemmen ohne Staedte und ohne feste
Aecker, welche mit ihren Herden unter der Erde in Hoehlen mit schmalem Eingang
und weiten verschlungenen Gassen hausten, aber mit Wasser und Vorraeten
reichlich versehen, schwer zu bezwingen waren." Einzelne dieser Hoehlenstaedte
fassen bis 400 Koepfe. Ein merkwuerdiges Edikt des ersten oder zweiten Agrippa,
wovon sich Bruchstuecke in Kanatha (Kanawat) gefunden haben, fordert die
Einwohner auf, von ihren "Tierzustaenden" zu lassen und das Hoehlenleben mit
zivilisierter Existenz zu vertauschen. Die nicht ansaessigen Araber lebten
hauptsaechlich vom Auspluendern teils der benachbarten Bauern, teils der
durchziehenden Karawanen; die Unsicherheit wurde dadurch gesteigert, dass der
kleine Fuerst Zenodoros von Abila nordwaerts Damaskos im Antilibanos, dem
Augustus die Aufsicht ueber den Trachon uebertragen hatte, es vorzog, mit den
Raeubern gemeinschaftliche Sache zu machen, und sich an ihrem Gewinn im stillen
beteiligte. Eben infolgedessen wies der Kaiser dies Gebiet dem Herodes zu, und
dessen ruecksichtsloser Energie gelang einigermassen die Baendigung dieser
Raeuberwirtschaft. Der Koenig scheint an der Ostgrenze eine Linie befestigter
und koeniglichen Kommandanten (eparchoi) unterstellter Militaerposten
eingerichtet zu haben. Er haette noch mehr erreicht, wenn das nabataeische
Gebiet den Raeubern nicht eine Freistatt geboten haette; es war dies eine der
Ursachen der Entzweiung zwischen ihm und seinem arabischen Kollegen ^23. Die
hellenisierende Tendenz tritt auf diesem Gebiete ebenso stark und minder
unerfreulich hervor wie in seinem Regiment in der Heimat. Wie alle Muenzen des
Herodes und der Herodeer griechisch sind, so traegt im transjordanischen Land
zwar das aelteste Denkmal mit Inschrift, das wir kennen, der Tempel des
Baalsamin bei Kanatha, eine aramaeische Dedikation; aber die dort aufgestellten
Ehrenbasen, darunter eine fuer Herodes den Grossen ^24, sind zweisprachig oder
bloss griechisch; unter seinen Nachfolgern herrscht das Griechische allein.
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^23 Die "fluechtigen Leute aus der Tetrarchie des Philippos", welche im
Heer des Tetrarchen von Galilaea Herodes Antipas dienen und in der Schlacht
gegen den Araber Aretas zum Feinde uebergehen (Ios. ant. Iud. 18, 5, 1), sind
ohne Zweifel auch aus der Trachonitis ausgetriebene Araber.
^24 Waddington 2366 = Vogue, Inscriptions du Haouran, n. 3. Zweisprachig
ist auch die aelteste Grabschrift dieser Gegend aus Suweda, Waddington 2320 =
Vogue n. 1, die einzige im Hauran, die das stumme Jota ausdrueckt. Die
Aufschriften sind auf beiden Denkmaelern so angebracht, dass nicht zu bestimmen
ist, welche Sprache voransteht.
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Neben dem juedischen stand der schon frueher erwaehnte "Koenig von Nabat",
wie er selber sich nennt. Die Residenz dieser Araberfuersten war die
"Felsenstadt", aramaeisch Sela, griechisch Petra, eine mittwegs zwischen dem
Toten Meere und der nordoestlichen Spitze des Arabischen Meerbusens gelegene
Felsenburg, von jeher ein Stapelplatz fuer den Verkehr Indiens und Arabiens mit
dem Mittelmeergebiet. Von der arabischen Halbinsel besassen diese Herrscher die
noerdliche Haelfte; ihre Gewalt erstreckte sich am Arabischen Meerbusen bis nach
Leuke Kome gegenueber der aegyptischen Stadt Berenike, im Binnenland wenigstens
bis in die Gegend des alten Thaema ^25. Noerdlich von der Halbinsel reichte ihr
Gebiet bis nach Damaskos, das unter ihrem Schutze stand ^26, und selbst ueber
Damaskos hinaus ^27 und umschloss wie mit einem Guertel das gesamte
palaestinensische Syrien. Nach der Besitznahme Judaeas stiessen die Roemer
feindlich mit ihnen zusammen, und Marcus Scaurus fuehrte eine Expedition gegen
Petra. Damals ist es nicht zu ihrer Unterwerfung gekommen; aber bald nachher
muss dieselbe erfolgt sein ^28. Unter Augustus ist ihr Koenig Obodas ebenso
reichsuntertaenig ^29 wie der Judenkoenig Herodes und leistet gleich diesem
Heerfolge bei der roemischen Expedition gegen das suedliche Arabien. Seit jener
Zeit muss der Schutz der Reichsgrenze im Sueden wie im Osten von Syrien bis
hinauf nach Damaskos zunaechst in der Hand dieses Araberkoenigs gelegen haben.
Mit dem juedischen Nachbarn lag er in bestaendiger Fehde. Augustus, erzuernt
darueber, dass der Araber statt bei dem Lehnsherrn gegen Herodes Recht zu
suchen, diesem mit den Waffen entgegengetreten war und dass des Obodas Sohn
Harethath oder griechisch Aretas nach dem Tode des Vaters, statt die Belehnung
abzuwarten, ohne weiteres die Herrschaft angetreten hatte, war im Begriff,
diesen abzusetzen und sein Gebiet mit dem juedischen zu vereinigen; aber das
Missregiment des Herodes in seinen spaeteren Jahren hielt ihn davon zurueck, und
so wurde (um 747 7) Aretas bestaetigt. Einige Dezennien spaeter begann derselbe
wieder auf eigene Hand Krieg gegen seinen Schwiegersohn, den Fuersten von
Galilaea, Herodes Antipas, wegen der Verstossung seiner Tochter zu Gunsten der
schoenen Herodias. Er behielt die Oberhand, aber der erzuernte Lehnsherr
Tiberius befahl dem Statthalter von Syrien die Exekution gegen ihn. Schon waren
die Truppen auf dem Marsche, als Tiberius starb (37); und sein Nachfolger Gaius,
der dem Antipas nicht wohl wollte, verzieh dem Araber. Des Aretas Nachfolger
Koenig Maliku oder Malchos focht unter Nero und Vespasian in dem Juedischen
Krieg als roemischer Vasall und vererbte die Herrschaft auf seinen Sohn Rabel,
den Zeitgenossen Traians, den letzten dieser Regenten. Namentlich nach der
Einziehung des Staates von Jerusalem und der Reduzierung der ansehnlichen
Herrschaft des Herodes auf das wenig schlagfertige Koenigreich von Caesarea
Paneas war unter den syrischen Klientelstaaten der arabische der ansehnlichste,
wie er denn auch zu dem Jerusalem belagernden Roemerheere unter den koeniglichen
das staerkste Kontingent stellte. Des Gebrauchs der griechischen Sprache hat
dieser Staat sich auch unter roemischer Oberhoheit enthalten; die unter der
Herrschaft seiner Koenige geschlagenen Muenzen tragen, von Damaskos abgesehen,
nur aramaeische Aufschrift. Aber es zeigen sich die Anfaenge geordneter
Zustaende und zivilisierten Regiments. Die Praegung selbst hat wahrscheinlich
erst begonnen, nachdem der Staat unter roemische Klientel gekommen war. Der
arabisch-indische Verkehr mit dem Mittelmeergebiet bewegt sich zum grossen Teil
auf der von Leuke Kome ueber Petra nach Gaza laufenden, von den Roemern
ueberwachten Karawanenstrasse ^30. Die Fuersten des Nabataeerreiches bedienen
sich, aehnlich wie die Gemeinde Palmyra, fuer die Beamten griechischer
Aemterbezeichnungen, wie zum Beispiel des Eparchen- und des Strategentitels.
Wenn unter Tiberius die durch die Roemer bewirkte gute Ordnung Syriens und die
durch die militaerische Besetzung herbeigefuehrte Sicherheit der Ernten ruehmend
hervorgehoben wird, so ist dies zunaechst zu beziehen auf die in den
Klientelstaaten von Jerusalem oder nachher von Caesarea Paneas und von Petra
getroffenen Einrichtungen.
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^25 Bei Medain Salih oder Hidjr, suedlich von Teima, dem alten Thaema, sind
kuerzlich von den Reisenden Doughty und Huber eine Reihe nabataeischer
Inschriften aufgefunden worden, die, grossenteils datiert, von der Zeit des
Augustus bis zum Tode Vespasians reichen. Lateinische Inschriften fehlen, und
die wenigen griechischen sind spaetester Zeit; allem Anschein nach ist bei der
Umwandlung des Nabataeischen Reiches in eine roemische Provinz, was von dem
inneren Arabien zu jenem gehoerte, von den Roemern aufgegeben worden.
^26 Die Stadt Damaskos unterwarf sich freiwillig unter den letzten
Seleukiden um die Zeit der Diktatur Sullas dem damaligen Koenig der Nabataeer,
vermutlich dem Aretas mit dem Scaurus schlug (Ios. ant. Iud. 13, 15). Auch die
Muenzen mit der Aufschrift basile?s Aretoy philell/e/nos; (Eckhel 3, 330;
Luynes, Revue numismatique N. S. 3, 1858, S. 311) sind vielleicht in Damaskos
geschlagen, als dies von den Nabataeern abhaengig war; die Jahreszahl auf einer
derselben ist zwar nicht mit Sicherheit bezogen, fuehrt aber vermutlich in die
letzte Zeit der roemischen Republik. Wahrscheinlich hat diese Abhaengigkeit der
Stadt von den nabataeischen Koenigen fortbestanden, solange es ueberhaupt solche
gab. Daraus, dass die Stadt Muenzen mit den Koepfen der roemischen Kaiser
gepraegt hat, folgt wohl die Abhaengigkeit von Rom und daneben die
Selbstverwaltung, aber nicht die Unabhaengigkeit von dem roemischen
Lehnsfuersten; die derartigen Schutzverhaeltnisse sind so mannigfaltig gestaltet
dass diese Ordnungen wohl sich miteinander vertragen konnten. Fuer die Fortdauer
des Nabataeerregiments spricht teils, dass der Ethnarch des Koenigs Aretas in
Damaskos den Apostel Paulus, wie dieser im 2. Brief an die Korinther (11, 32)
schreibt, verhaften lassen wollte, teils die seit kurzem festgestellte Tatsache
(Anm. 27), dass die Herrschaft der Nabataeer nordoestlich von Damaskos noch
unter Traian fortdauerte.
Indem man umgekehrt davon ausging, dass, wenn Aretas in Damaskos herrscht,
die Stadt nicht roemisch sein kann hat man auf verschiedenen Wegen versucht,
jenen Vorgang im Leben des Paulus chronologisch zu fixieren. Man hat an die
Verwicklung zwischen Aretas und der roemischen Regierung in den letzten Jahren
des Tiberius gedacht; aber wie diese verlief, ist es nicht wahrscheinlich, dass
sie in dem Besitzstand des Aretas eine dauernde Veraenderung herbeigefuehrt hat.
Melchior de Vogue (Melanges d'archeologie orientale. Paris 1869, S. 33) hat
darauf hingewiesen dass zwischen Tiberius und Nero - genauer zwischen den Jahren
33 und 62 (F. C. Saulcy, Numismatique de la Terre-Sainte. Paris 1874, S. 36) -
Kaisermuenzen von Damaskos fehlen und das Regiment der Nabataeer daselbst in
diese Zwischenzeit gesetzt, indem er annahm, dass Kaiser Gaius wie so vielen
anderen Lehnsfuersten, auch dem Araber seine Huld erwiesen und ihn mit Damaskos
belehnt habe. Aber derartige Unterbrechungen der Praegung treten haeufig auf und
fordern keine so tiefgreifende Erklaerung. Man wird wohl darauf verzichten
muessen, an dem Schalten des Nabataeerkoenigs in Damaskos fuer die
Lebensgeschichte des Paulus einen chronologischen Haltpunkt zu finden und
ueberhaupt Paulus Aufenthalt in dieser Stadt der Zeit nach zu definieren. Wenn
der auf jeden Fall stark verschobenen Darstellung des Vorgangs in der
Apostelgeschichte 9 insoweit zu trauen ist, ging Paulus nach Damaskos vor der
Bekehrung, um die Christenverfolgung, in welcher Stephanos umgekommen war, dort
fortzusetzen, und beschlossen dann, als er bekehrt in Damaskos vielmehr fuer die
Christen eintrat die dortigen Juden ihn umzubringen, wobei also vorausgesetzt
werden muss, dass der Beamte des Aretas, aehnlich wie Pilatus, der Ketzer-
Verfolgung der Juden Raum gab. Aus den zuverlaessigen Angaben des Galaterbriefes
folgt ferner, dass die Bekehrung bei Damaskos stattfand (denn dies zeigt das
ypestrepsa) und Paulus von da nach Arabien ging; ferner dass er drei Jahre nach
der Bekehrung zum ersten und siebzehn Jahre nach derselben zum zweiten Mal nach
Jerusalem kam, wonach die apokryphen Berichte der Apostelgeschichte ueber seine
Jerusalemreisen zu berichtigen sind (E. Zeller, Die Apostelgeschichte kritisch
untersucht. Stuttgart 1854, S. 216). Aber weder ist die Zeit des Todes des
Stephanos genau bestimmbar, noch viel weniger der Zeitraum zwischen diesem und
der Flucht des bekehrten Paulus aus Damaskos, noch die Zwischenzeit zwischen
seiner zweiten Reise nach Jerusalem und der Abfassung des Galaterbriefes, noch
das Jahr der Abfassung desselben selbst.
^27 Die kuerzlich bei Dmer, nordoestlich von Damaskos auf der Strasse nach
Palmyra, gefundene nabataeische Inschrift (Sachau, ZDMG 38, 1884 S. 535),
datiert aus dem Monat Ijjar des Jahres 405 nach roemischer (d. h.
seleukidischer) Zaehlung und dem 24. Jahr des Koenigs Rabel, des letzten
nabataeischen, also aus dem Mai 94 n. Chr., hat gezeigt, dass dieser Distrikt
bis auf die Einziehung dieses Reiches unter der Herrschaft der Nabataeer
geblieben ist. Uebrigens scheinen die Herrschaftsgebiete hier geographisch
durcheinander gewuerfelt gewesen zu sein; so stritten um das Gebiet von Gamala
am See Genezareth der Tetrarch von Galilaea und der Nabataeerkoenig (Ios. ant.
Iud. 18, 5, 1).
^28 Vielleicht durch Gabinius (App. Syr. 51).
^29 Strab. 16, 4, 21 p. 779. Die Muenzen dieser Koenige zeigen indes den
Kaiserkopf nicht. Aber dass im Nabataeischen Reiche nach roemischen Kaiserjahren
datiert werden konnte, beweist die nabataeische Inschrift von Hebraen (M. de
Vogue, l'Architecture civile et religieuse dans la Syrie centrale. 2 Bde. Paris
1865-77. Inscr. n. 1), datiert vom 7. Jahr des Claudius, also vom Jahre 47.
Hebran, wenig noerdlich von Bostra, scheint auch spaeter zu Arabien gerechnet
worden zu sein (Lebas-Waddington 2287), und nabataeische Inschriften
oeffentlichen Inhalts begegnen ausserhalb des Nabataeerstaats nicht; die wenigen
der Art aus der Trachonitis sind privater Natur.
^30 "Leuke Kome im Lande der Nabataeer", sagt Strabon unter Tiberius (16,
4, 23 p. 780), "ist ein grosser Handelsplatz, wohin und von wo die
Karawanenhaendler (kam/e/lemporoi) mit so zahlreichen Leuten und Kamelen sicher
und bequem von und nach Petra gehen, dass sie in nichts von Heerlagern sich
unterscheiden." Auch der unter Vespasian schreibende aegyptische Kaufmann
erwaehnt in seiner Kuestenbeschreibung des Roten Meeres c. 19 "den Hafen und die
Festung (phro?rion) Leuke Kome von wo der Weg nach Petra fuehrt zum Koenig der
Nabataeer Malichas. Er kann als Handelsplatz gelten fuer die auf nicht eben
grossen Schiffen dorthin aus Arabien verschifften Waren. Darum wird dorthin ein
Einnehmer geschickt (apostelletai) des Eingangszolls von einem Viertel des
Wertes und der Sicherheit wegen ein Centurio (ekatontarch/e/s) mit Mannschaft."
Da ein roemischer Reichsangehoeriger hier des Schickens von Beamten und Soldaten
erwaehnt, so koennen dies nur roemische sein; auch passt fuer das Heer des
Nabataeerkoenigs der Centurio nicht und ist die Steuerreform ganz die roemische.
Dass ein Klientelstaat in das Gebiet der Reichssteuer eingezogen wird, kommt
auch sonst, zum Beispiel in den Alpengegenden vor. Die Strasse von Petra nach
Gaza erwaehnt Plinius nat. 6, 28, 144.
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Unter Traianus trat an die Stelle dieser beiden Klientelstaaten die
unmittelbare roemische Herrschaft. Im Anfang seiner Regierung starb Koenig
Agrippa II., und es wurde sein Gebiet mit der Provinz Syrien vereinigt. Nicht
lange darauf, im Jahre 106, loeste der Statthalter Aulus Cornelius Palma das
bisherige Reich der Koenige von Nabat auf und machte aus dem groesseren Teil
desselben die roemische Provinz Arabia, waehrend Damaskos zu Syrien kam und was
der Nabataeerkoenig im Binnenland Arabiens besessen hatte, von den Roemern
aufgegeben ward. Die Einrichtung Arabiens wird als Unterwerfung bezeichnet, und
auch die Muenzen, welche die Besitzergreifung von Arabien feiern, sprechen
dafuer, dass die Nabataeer sich zur Wehr setzten, wie denn ueberhaupt die
Beschaffenheit ihres Gebiets sowie ihr bisheriges Verhalten eine relative
Selbstaendigkeit dieser Fuersten annehmen lassen. Aber nicht in dem Kriegserfolg
darf die geschichtliche Bedeutung dieser Vorgaenge gesucht werden; die beiden
ohne Zweifel zusammengehoerigen Einziehungen waren nicht mehr als vielleicht mit
militaerischer Gewalt durchgefuehrte Verwaltungsakte, und die Tendenz, diese
Gebiete der Zivilisation und speziell dem Hellenismus zu gewinnen, wird dadurch
nur gesteigert, dass die roemische Regierung die Arbeit selbst auf sich nimmt.
Der Hellenismus des Orients, wie ihn Alexander zusammengefasst hat, war eine
streitende Kirche, eine politisch, religioes, wirtschaftlich, literarisch
vordringende, durchaus erobernde Macht. Hier an dem Saum der Wueste, unter dem
Druck des antihellenischen Judentums und gehandhabt von dem geistlosen und
unsteten Seleukidenregiment, hatte er bisher wenig ausgerichtet. Aber jetzt das
Roemertum durchdringend, entwickelt er eine treibende Kraft, welche sich zu der
frueheren verhaelt wie die Macht der juedischen und der arabischen Lehnsfuersten
zu derjenigen des Roemischen Reiches. In diesem Lande, wo alles darauf ankam und
ankommt, durch Aufstellung einer ueberlegenen und staendigen Militaermacht den
Friedensstand zu schirmen, war die Einrichtung eines Legionslagers in Bostra
unter einem Kommandanten senatorischen Ranges ein epochemachendes Ereignis. Von
diesem Mittelpunkt aus wurden an den zweckmaessigen Stellen die erforderlichen
Posten eingerichtet und mit Besatzung versehen. Beispielsweise verdient
Erwaehnung das Kastell -von Namara (Nemara), einen starken Tagemarsch jenseits
der Grenzen des eigentlich bewohnbaren Berglandes, inmitten der Steinwueste,
aber gebietend ueber den einzigen, innerhalb derselben befindlichen Brunnen und
die daran sich anschliessenden bei der schon erwaehnten Oase von Ruhbe und
weiterhin am Djebel Ses; diese Besatzungen zusammen beherrschen das gesamte
Vorland des Hauran. Eine andere Reihe von Kastellen, dem syrischen Kommando und
zunaechst dem der bei Danava postierten Legion unterstellt und in
gleichmaessigen Distanzen von drei zu drei Stunden angelegt, sicherte die
Strasse von Damaskos nach Palmyra; das am besten bekannte davon, das zweite in
der Reihe, ist das von Dmer, ein laengeres Viereck von je 300 und 350 Schritt,
auf jeder Seite mit sechs Tuermen und einem fuenfzehn Schritte breiten Portal
versehen und umfasst von einer einstmals aussen mit schoenen Quadern bekleideten
Ringmauer von sechzehn Fuss Dicke.
Niemals war eine solche Aegide ueber dieses Land gebreitet worden. Es wurde
nicht eigentlich denationalisiert. Die arabischen Namen bleiben bis in die
spaeteste Zeit hinab, wenngleich nicht selten, eben wie in Syrien, dem
oertlichen ein roemisch-hellenischer beigefuegt wird: so nennt sich ein Scheich
"Adrianos oder Soaidos, Sohn des Malechos" ^31. Auch der einheimische Kultus
bleibt unangetastet: die Hauptgottheit der Nabataeer, der Dusaris, wird wohl mit
dem Dionysos geglichen, aber regelmaessig unter seinem oertlichen Namen auch
ferner verehrt, und bis in spaete Zeit feiern die Bostrener zu seinen Ehren die
Dusarien ^32. In gleicher Weise werden in der Provinz Arabia dem Aumu oder dem
Helios, dem Vasaeathu, dem Theandritos, dem Ethaos auch ferner Tempel geweiht
und Opfer dargebracht. Die Staemme und die Stammordnung bleiben nicht minder:
die Inschriften nennen Reihen von "Phylen" einheimischen Namens und oefter
Phylarchen oder Ethnarchen. Aber neben der hergebrachten Weise schreitet die
Zivilisierung und die Hellenisierung vorwaerts. Wenn aus vortraianischer Zeit im
Bereich des Nabataeerstaats kein griechisches Denkmal nachgewiesen werden kann,
so ist umgekehrt daselbst kein nachtraianisches in der Landessprache gefunden
worden ^33; allem Anschein nach hat die Reichsregierung den Schriftgebrauch des
Aramaeischen gleich bei der Einziehung unterdrueckt, obwohl dasselbe sicher die
eigentliche Landessprache blieb, wie dies ausser den Eigennamen auch der
"Dolmetsch der Steuereinnehmer" bezeugt.
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^31 Waddington 2196: Adriano? to? kai Soaidoy Malechoy ethnarchoy
strat/e/go? nomad/o/n to mn/e/mion.
^32 Epiphanius (haeres. 51 p. 483 Dind.) fuehrt aus, dass der 25. Dezember,
der Geburtstag Christi, schon in Rom in dem Saturnalienfest, in Alexandreia in
dem (auch im Dekret von Kanopos erwaehnten) Fest der Kikellia und in anderen
heidnischen Kulturen in analoger Art festlich begangen worden sei. "Dies
geschieht in Alexandreia in dem sogenannten Jungfrauenheiligtum (Korion) . ..
und wenn man die Leute fragt, was dies Mysterium bedeute, so antworten und sagen
sie, dass heute in dieser Stunde die Jungfrau den Ewigen (ton ai/o/na) geboren
habe. Dies geschieht in gleicher Weise in Petra, der Hauptstadt von Arabia, in
dem dortigen Tempel, und in arabischer Sprache besingen sie die Jungfrau, welche
sie auf arabisch Chaamu nennen, das heisst das Maedchen, und den aus ihr
Geborenen Dusares, das heisst den Eingeborenen des Herrn." Der Name Chaamu ist
vielleicht verwandt mit dem Aumu oder Aumos der griechischen Inschriften dieser
Gegend, der mit Ye?s anik/e/tos /E/lios geglichen wird (Waddington 2392-2395,
2441, 2455, 2456).
^33 Dabei ist abgesehen von der merkwuerdigen, in Harran unweit Zorava
gefundenen arabisch-griechischen Inschrift (man beachte die Folge) vom Jahre 568
n. Chr., gesetzt von dem Phylarchen Asaraelos, Sohn des Talemos (Waddington
2464). Dieser Christ ist ein Vorlaeufer Mohammeds.
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Ueber die Hebung des Ackerbaues fehlen uns redende Zeugen; aber wenn auf
der ganzen oestlichen und suedlichen Abdachung des Hauran von den Spitzen des
Gebirges bis zur Wueste hin die Steine, mit denen diese vulkanische Ebene einst
besaet war, zu Haufen geworfen oder in langen Zeilen geschichtet und so die
herrlichsten Aecker gewonnen sind, so darf man darin die Hand der einzigen
Regierung erkennen, die dieses Land so regiert hat, wie es regiert werden kann
und regiert werden sollte. In der Ledja, einem dreizehn Stunden langen und acht
bis neun breiten Lavaplateau, das jetzt fast menschenleer ist, wuchsen einst