Pest dezimierte sein Heer, und er zoegerte lange, den entscheidenden Kampf in

Mesopotamien aufzunehmen. Endlich entschloss er sich, dem schwer bedraengten

Edessa Hilfe zu bringen, und ueberschritt mit seinen Scharen den Euphrat. Hier,

unweit Edessa, trat die Katastrophe ein, welche fuer den roemischen Orient

ungefaehr das zu bedeuten hat, was fuer den Okzident der Sieg der Goten an der

Donaumuendung und der Fall des Decius: die Gefangennahme des Kaisers Valerianus

durch die Perser (Ende 259 oder Anfang 260) ^95. Ueber die naeheren Umstaende

gehen die Berichte auseinander. Nach der einen Version wurde er, als er mit

einer schwachen Schar versuchte, nach Edessa zu gelangen, von den weit

ueberlegenen Persern umzingelt und gefangen. Nach einer andern gelangte er, wenn

auch geschlagen, in die belagerte Stadt, fuerchtete aber, da er keine

ausreichende Hilfe brachte und die Lebensmittel nur um so rascher zu Ende

gingen, den Ausbruch einer Militaerinsurrektion und lieferte sich darum

freiwillig dem Feind in die Haende. Nach einer dritten knuepfte er, aufs

aeusserste bedraengt, Verhandlungen wegen der Uebergabe Edessas mit Sapor an; da

der Perserkoenig es ablehnte, mit Gesandten zu verhandeln, erschien er

persoenlich im feindlichen Lager und ward wortbruechigerweise zum Gefangenen

gemacht.

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^94 Nach dem griechischen Bericht (Zon. 12, 21) fluechtet Koenig Tiridates

zu den Roemern, seine Soehne aber treten auf die Seite der Perser; nach dem

armenischen wird Koenig Chosroes von seinen Bruedern ermordet und des Chosroes

Sohn Tiridates zu den Roemern gefluechtet (Gutschmid ZDMG 31, 1877, S. 48).

Vielleicht ist der letztere vorzuziehen.

^95 Den einzigen festen chronologischen Anhalt geben die alexandrinischen

Muenzen, nach welchen Valerianus zwischen 29. August 259 und 28. August 260

gefangen ward. Dass er nach seiner Gefangennahme nicht mehr als Kaiser galt,

erklaert sich, da die Perser ihn zwangen, seinen ehemaligen Untertanen Befehle

in ihrem Interesse zu erteilen (Dio Forts. fr. 3).

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Welche immer von diesen Erzaehlungen der Wahrheit am naechsten kommen mag,

der Kaiser ist in feindlicher Gefangenschaft gestorben ^96, und die Folge dieser

Katastrophe war der Verlust des Orients an die Perser. Vor allem Antiocheia, die

groesste und reichste Stadt des Ostens, geriet zum ersten Mal, seit sie roemisch

war, in die Gewalt des Landesfeindes, und zum guten Teil durch die Schuld der

eigenen Buerger. Ein vornehmer Antiochener, Mareades, den wegen unterschlagener

oeffentlicher Gelder der Rat ausgestossen hatte, fuehrte die persische Armee

nach seiner Vaterstadt; mag es auch Fabel sein, dass die Buergerschaft im

Theater selbst von den anrueckenden Feinden ueberrascht ward, daran ist kein

Zweifel, dass sie nicht bloss keinen Widerstand leistete, sondern ein grosser

Teil der niederen Bevoelkerung, teils mit Ruecksicht auf Mareades, teils in der

Hoffnung auf Anarchie und Raub, das Eindringen der Perser gern sah. So wurde die

Stadt mit allen ihren Schaetzen die Beute des Feindes und entsetzlich in

derselben gehaust, freilich auch Mareades, wir wissen nicht warum, von Koenig

Sapor zum Feuertode verurteilt ^97. Das gleiche Schicksal erlitten ausser

zahllosen kleineren Ortschaften die Hauptstaedte von Kilikien und Kappadokien,

Tarsos und Caesarea, letztere angeblich eine Stadt von 400000 Einwohnern. Die

endlosen Zuege der Gefangenen, die wie das Vieh einmal am Tage zur Traenke

gefuehrt wurden, bedeckten die Wuestenstrassen des Ostens. Auf der Heimkehr

sollen die Perser, um eine Schlucht rascher zu ueberschreiten, sie mit den

Leibern der mitgefuehrten Gefangenen ausgefuellt haben. Glaublicher ist es, dass

der grosse "Kaiserdamm" (Bend-i-Kaiser) bei Sostra (Schuschter) in Susiana,

durch welchen noch heute das Wasser des Pasitigris den hoeher gelegenen Gegenden

zugefuehrt wird, von diesen Gefangenen gebaut ward; wie ja auch Kaiser Neros

Architekten die Hauptstadt von Armenien bauen geholfen und ueberhaupt auf diesem

Gebiet die Okzidentalen stets ihre Ueberlegenheit behauptet haben. Auf eine

Gegenwehr des Reiches stiessen die Perser nirgends; aber Edessa hielt sich noch

immer, und auch Caesarea hatte sich tapfer verteidigt und war nur durch Verrat

gefallen. Die oertliche Gegenwehr ging allmaehlich hinaus ueber die Abwehr

hinter den staedtischen Waellen, und die durch die weite Ausdehnung des

eroberten Gebiets herbeigefuehrte Aufloesung der persischen Haufen war dem

kuehnen Parteigaenger guenstig. Einem selbstbestellten roemischen Fuehrer,

Kallistos ^98, gelang ein gluecklicher Handstreich: mit den Schiffen, die er in

den kilikischen Haefen zusammengebracht hatte, fuhr er nach Pompeiopolis, das

die Perser eben belagerten, waehrend sie gleichzeitig Lykaonien brandschatzten,

erschlug mehrere Tausend Mann und bemaechtigte sich des koeniglichen Harems.

Dies bestimmte den Koenig, unter dem Vorwand einer nicht aufzuschiebenden

Festfeier, sofort nach Hause zu gehen, in solcher Eile, dass er, um nicht

aufgehalten zu werden, von den Edessenern freien Durchzug durch ihr Gebiet gegen

alles von ihm erbeutete roemische Goldgeld erkaufte. Den von Antiocheia

heimkehrenden Scharen brachte der Fuerst von Palmyra, Odaenathos, bevor sie den

Euphrat ueberschritten, empfindliche Verluste bei. Aber kaum war die dringendste

Persergefahr beseitigt, als unter den sich selbst ueberlassenen Heerfuehrern des

Ostens zwei der namhaftesten, der die Kasse und das Depot der Armee in Samosata

verwaltende Offizier Fulvius Macrianus ^99 und der oben genannte Kallistos, dem

Sohne und Mitregenten und jetzt alleinigen Herrscher Gallienus, fuer den

freilich der Osten und die Perser nicht da waren, den Gehorsam aufkuendigten

und, selbst die Annahme des Purpurs verweigernd, die beiden Soehne des ersteren

Fulvius Macrianus und Fulvius Quietus zu Kaisern ausriefen (261). Dies Auftreten

der beiden angesehenen Feldherrn bewirkte, dass in Aegypten und im ganzen Osten,

mit Ausnahme von Palmyra, dessen Fuerst fuer Gallienus eintrat, die beiden

jungen Kaiser zur Anerkennung gelangten. Der eine von ihnen, Macrianus, ging mit

seinem Vater nach dem Westen ab, um auch hier dies neue Regiment einzusetzen.

Aber bald wandte sich das Glueck: in Illyricum verlor Macrianus, nicht gegen

Gallienus, sondern gegen einen anderen Praetendenten, Schlacht und Leben. Gegen

den in Syrien zurueckgebliebenen Bruder wandte sich Odaenathos; bei Hemesa, wo

die Heere aufeinandertrafen, antworteten die Soldaten des Quietus auf die

Aufforderung, sich zu ergeben, dass sie alles eher ueber sich ergehen lassen

wuerden, als einem Barbaren sich in die Haende zu liefern. Nichtsdestoweniger

verriet der Feldherr des Quietus, Kallistos, seinen Herrn an den Palmyrener

^100, und also endete auch dessen kurzes Regiment.

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^96 Die besseren Berichte wissen nur davon, dass Valerianus in persischer

Gefangenschaft starb. Dass Sapor ihn beim Besteigen des Pferdes als Schemel

benutzte (Lact. mort. pers. 5; Oros. hist. 7, 22, 4; Aur. Vict. epit. 33) und

schliesslich ihn schinden liess (Lact. a.a.O.; Agathias 4, 23; Cedrenus p. 454),

ist eine christliche Erfindung, die Vergeltung fuer die von Valerian angeordnete

Christenverfolgung.

^97 Die Tradition, wonach Mareades (so Amm. 23, 5, 3; Mariades Malalas 12

p. 295; Mariadnes Forts. des Dio fr. 1) oder, wie er hier heisst, Cyriades sich

zum Augustus ausrufen liess (vit. trig. tyr. 1), ist schwach beglaubigt; sonst

koennte darin wohl die Veranlassung gefunden werden, weshalb Sapor ihn

hinrichten liess.

^98 Kallistos heisst er in der einen wohl auf Dexippus zurueckgehenden

Ueberlieferung bei Synkellos p. 716 und Zon. 12, 23, dagegen Ballista in den

Kaiserbiographien und bei Zon. 12, 24.

^99 Er war nach dem zuverlaessigsten Bericht procurator summarum (epi t/o/n

katholoy log/o/n basile/o/s: Dionysios bei Eus. 7, 10, 5), also Finanzminister

mit Ritterrang; der Fortsetzer des Dio (fr. 3 Muell.) drueckt dies in der

Sprache der spaeteren Zeit aus mit kom/e/s t/o/n th/e/sayr/o/n kai ephest/o/s

t/e/ agora to? sitoy.

^100 Wenigstens nach dem Bericht, der den Kaiserbiographien zu Grunde liegt

(vita Gallieni 3 und sonst). Nach Zon. 12, 24, dem einzigen Schriftsteller, der

ausserdem das Ende des Kallistos erwaehnt, liess Odaenathos denselben toeten.

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Damit tritt Palmyra im Orient an den ersten Platz. Gallienus, durch die

Barbaren des Westens und die ueberall dort ausbrechenden Militaerinsurrektionen

mehr als ausreichend beschaeftigt, gab dem Fuersten von Palmyra, der in der eben

erzaehlten Krise allein ihm die Treue bewahrt hatte, eine beispiellose, indes

unter den obwaltenden Umstaenden wohl erklaerliche Ausnahmestellung: er wurde

als Erbfuerst oder, wie er jetzt heisst, Koenig von Palmyra zugleich zwar nicht

Mitherrscher, aber selbstaendiger Statthalter des Kaisers fuer den Osten ^101.

Die oertliche Verwaltung von Palmyra fuehrte unter ihm ein anderer Palmyrener,

zugleich als kaiserlicher Prokurator und als sein Stellvertreter ^102. Somit lag

die gesamte Reichsgewalt, soweit sie ueberhaupt im Osten noch bestand, in der

Hand des "Barbaren", und so rasch wie glaenzend stellte dieser mit seinen

Palmyrenern, welche durch die Truemmer der roemischen Heerkoerper und das

Aufgebot des Landes verstaerkt wurden, die Herrschaft Roms wieder her. Asien und

Syrien waren schon vom Feinde geraeumt. Odaenathos ging ueber den Euphrat,

machte endlich den tapferen Edessenern Luft und nahm den Persern die eroberten

Staedte Nisibis und Karrhae wieder ab (264). Wahrscheinlich ist auch Armenien

damals wieder unter roemische Botmaessigkeit zurueckgebracht worden ^103. Sodann

ergriff er, zuerst wieder seit Gordianus, die Offensive gegen die Perser und

marschierte auf Ktesiphon. In zwei verschiedenen Feldzuegen wurde die Hauptstadt

des Persischen Reiches von ihm umstellt und die Umgegend verheert, mit den

Persern unter den Mauern derselben gluecklich gefochten ^104. Selbst die Goten,

deren Raubzuege bis in das Binnenland sich erstreckten, wichen zurueck, als er

nach Kappadokien aufbrach. Eine Machtentwicklung dieser Art war ein Segen fuer

das bedraengte Reich und zugleich eine ernste Gefahr. Odaenathos beobachtete

freilich gegen den roemischen Oberherrn alle schuldigen Formen und sandte die

gefangenen feindlichen Offiziere und die Beutestuecke nach Rom an den Kaiser,

der es nicht verschmaehte, daraufhin zu triumphieren; aber in der Tat war der

Orient unter Odaenathos nicht viel weniger selbstaendig als der Westen unter

Postumus, und es begreift sich, dass die roemisch gesinnten Offiziere dem

palmyrenischen Vizekaiser Opposition machten ^105 und einerseits die Rede ist

von Versuchen des Odaenathos, sich den Persern anzuschliessen, die nur an Sapors

Uebermut gescheitert sein sollen ^106, andererseits Odaenathos' Ermordung in

Hemesa im Jahre 266/67 auf Anstiften der roemischen Regierung zurueckgefuehrt

ward ^107. Indes der eigentliche Moerder war ein Brudersohn des Odaenathos und

Beweise fuer die Beteiligung der Regierung liegen nicht vor. Auf jeden Fall

aenderte das Verbrechen in der Lage der Dinge nichts. Die Gattin des

Verstorbenen, die Koenigin Bat Zabbai oder griechisch Zenobia, eine schoene und

kluge Frau von maennlicher Tatkraft ^108, nahm kraft des erblichen

Fuerstenrechts fuer ihren und Odaenathos' noch im Knabenalter stehenden Sohn

Vaballathos oder Athenodoros ^109 - der aeltere, Herodes, war mit dem Vater

umgekommen - die Stellung des Verstorbenen in Anspruch und drang in der Tat

damit sowohl in Rom wie im Orient durch; die Regierungsjahre des Sohnes werden

gezaehlt vom Tode des Vaters. Fuer den nicht regierungsfaehigen Sohn trat die

Mutter in Rat und Tat ein ^110, und sie beschraenkte sich auch nicht darauf, den

Besitzstand zu wahren, sondern ihr Mut oder ihr Uebermut strebten nach der

Herrschaft ueber das gesamte Reichsgebiet griechischer Zunge. In dem Kommando

ueber den Orient, welches dem Odaenathos uebertragen und von ihm auf seinen Sohn

vererbt war, mag wohl dem Rechte nach die Obergewalt ueber Kleinasien und

Aegypten mitbegriffen gewesen sein; aber tatsaechlich hatte Odaenathos nur

Syrien und Arabien und etwa noch Armenien, Kilikien, Kappadokien in der Gewalt

gehabt. Jetzt forderte ein einflussreicher Aegypter, Timagenes, die Koenigin

auf, Aegypten zu besetzen; dem entsprechend entsandte sie ihren Oberfeldherrn

Zabdas mit einem Heer, angeblich 70000 Mann, an den Nil. Das Land widersetzte

sich energisch; aber die Palmyrener schlugen das aegyptische Aufgebot und

bemaechtigten sich Aegyptens. Ein roemischer Admiral, Probus, versuchte sie

wieder zu vertreiben und ueberwand sie auch, so dass sie nach Syrien aufbrachen;

aber als er ihnen bei dem aegyptischen Babylon unweit Memphis den Weg zu

verlegen suchte, wurde er durch die bessere Ortskunde des palmyrenischen

Feldherrn Timagenes geschlagen und gab sich selber den Tod ^111. Als um die

Mitte des Jahres 270 nach Kaiser Claudius' Tode Aurelianus an seine Stelle trat,

geboten die Palmyrener ueber Alexandreia. Auch in Kleinasien machten sie

Anstalt, sich festzusetzen; ihre Besatzungen waren bis nach Ankyra in Galatien

vorgeschoben und selbst in Kalchedon, Byzanz gegenueber; hatten sie versucht,

die Herrschaft ihrer Koenigin zur Geltung zu bringen. Alles dies geschah, ohne

dass die Palmyrener der roemischen Regierung absagten, ja wahrscheinlich in der

Weise, dass das von der roemischen Regierung dem Fuersten von Palmyra

uebertragene Regiment des Ostens auf diese Weise verwirklicht ward und man die

roemischen Offiziere, die sich der Ausdehnung der palmyrenischen Herrschaft

widersetzten, der Auflehnung gegen die kaiserlichen Anordnungen zieh; die in

Alexandreia geschlagenen Muenzen nennen Aurelianus und Vaballathos nebeneinander

und geben nur dem ersteren den Augustustitel. Der Sache nach loeste freilich

hier der Osten sich vom Reiche ab, und in Ausfuehrung einer dem elenden

Gallienus durch die Not abgezwungenen Anordnung wurde dasselbe gehaelftet.

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^101 Dass Odaenathos so wie nach ihm sein Sohn Vaballathos (abgesehen

natuerlich von der Zeit nach dem Bruche mit Aurelianus) keineswegs Augusti waren

(wie die vita Gallieni 12 faelschlich angibt), zeigt sowohl das Fehlen des

Augustusnamens auf den Muenzen wie auch der nur fuer einen Untertan moegliche

Titel v(ir) c(onsularis) = y(patikos), den wie der Vater (Anm. 91) so auch der

Sohn noch fuehrt. Die Statthalterstellung wird auf den Muenzen des Sohnes mit

im(perator) d(ux) R(omanorum) = ayt(okrat/o/r) s(trat/e/gos) bezeichnet;

uebereinstimmend damit sagen Zonaras (12, 23 und abermals 12, 24) und Synkellos

(p. 716), dass Gallienus den Odaenathos wegen eines Sieges ueber die Perser und

den Ballista zum strat/e/gos t/e/s e/o/as oder pas/e/s anatol/e/s; bestellte;

der Biograph des Gallienus c. 10, dass er obtinuit totius Orientis imperium.

Damit werden alle asiatischen Provinzen und Aegypten gemeint sein das

hinzugefuegte imperator = aytokrat/o/r (vgl. vit. trig. tyr. 15, 6; post reditum

de Perside - Herodes des Odaenathos Sohn - cum patre imperator est appellatus)

soll ohne Zweifel die von der gewoehnlichen statthalterlichen verschiedene,

freiere Handhabung der Gewalt ausdruecken.

Dazu tritt weiter der jetzt foermlich angenommene Titel seines Koenigs von

Palmyra (trig. tyr.15, 2: adsumpto nomine regali), welchen auch der Sohn nicht

auf den aegyptischen, aber wohl auf den syrischen Muenzen fuehrt. Dass

Odaenathos in einer im August 271, also nach seinem Tode und waehrend des

Krieges der Seinigen mit Aurelian gesetzten Inschrift wahrscheinlich melekh

malke, "Koenig der Koenige" heisst (Vogue 28), gehoert zu den revolutionaeren

Demonstrationen dieses Zeitraumes und macht fuer die fruehere Zeit keinen

Beweis.

^102 Die zahlreichen Inschriften des Septimius Vorodes, gesetzt in den

Jahren 262 bis 267 (Waddington 2606-2610), also bei Lebzeiten Odaenaths,

bezeichnen ihn saemtlich als kaiserlichen Prokurator zweiter Klasse

(ducenarius), daneben aber teils mit dem Titel argapet/e/s, welches persische,

aber auch bei den Juden gangbare Wort "Burgherr", "Vizekoenig" bedeutet (Levy,

ZDMG 18, 1864, S. 90; Noeldeke, das. 24, 1869, S. 107), teils als dikaiodot/e/s

t/e/s m/e/tropol/o/nias, was ohne Zweifel, wenn nicht sprachlich, so doch

sachlich dasselbe Amt ist. Vermutlich ist darunter dasjenige zu verstehen,

weshalb Odaenaths Vater das "Haupt von Thadmor" heisst (Anm. 89): der fuer das

Kriegsrecht wie fuer die Rechtspflege kompetente Einzelvorsteher von Palmyra;

nur dass, seit der erweiterten Stellung Odaenaths, dieser Posten als Unteramt

von einem Manne ritterlichen Ranges bekleidet wird. Der Vermutung Sachaus (ZDMG

35, 1881, S. 738), dass dieser Vorodes der "Wurud" einer Kupfermuenze aus

hiesigen Kabinetts und beide mit dem zugleich mit dem Vater umgebrachten

aelteren Sohn des Odaenathos Herodes identisch seien, stehen ernstliche Bedenken

entgegen. Herodes und Orodes sind verschiedene Namen (in der palmyrenischen

Inschrift Waddington 2610 stehen beide nebeneinander); der Sohn eines Senators

kann nicht fueglich ein Ritteramt bekleiden; ein mit seinem Bildnis muenzender

Prokurator ist selbst fuer diese exzeptionellen Verhaeltnisse nicht denkbar.

Wahrscheinlich ist die Muenze ueberhaupt nicht palmyrenisch. "Sie ist", schreibt

mir v. Sallet, "wahrscheinlich aelter als Odaenathos und gehoert wohl einem

Arsakiden des 2. Jahrhunderts n. Chr.; sie zeigt einen Kopf mit einem dem

sassanidischen aehnlichen Kopfputz; die Rueckseite, S C im Lorbeerkranz, scheint

den Muenzen von Antiocheia nachgeahmt." Wenn spaeter, nach dem Bruch mit Rom im

Jahre 271, in einer Inschrift von Palmyra (Waddington 2611) zwei Feldherren der

Palmyrener unterschieden werden, o megas strat/e/lat/e/s, der auch geschichtlich

bekannte Zabdas, und o enthade strat/e/lat/e/s Zabbaeos, so ist der letztere

vermutlich eben der Argapetes.

^103 Dafuer spricht die Sachlage; Zeugnisse fehlen. In den

Kaiserbiographien dieser Epoche pflegen die Armenier unter den von Rom

unabhaengigen Grenzvoelkern aufgefuehrt zu werden (Val. Max. 6; vit. trig. tyr.

30, 7, 18; Aur. Vict. 11, 27, 28, 41); aber dies gehoert zu ihren voellig

unzuverlaessigen, dekorativen Bestandteilen.

^104 Dieser bescheidenere Bericht (Eutr. 9, 10; vita Gall. 10; vit. trig.

tyr. 15, 4; Zos. hist. 1, 39, der allein die zweimalige Expedition bezeugt) wird

dem, der die Einnahme der Stadt meldet (Synkellos p. 716), vorgehen muessen.

^105 Dies zeigen die Erzaehlungen ueber den Carinus (Dios Forts. p. 8) und

ueber den Rufinus (Anm. 107). Dass nach Odaenathos' Tode ein auf Gallienus'

Geheiss gegen die Perser agierender Feldherr, Heraclianus von Zenobia,

angegriffen und ueberwunden ward (vita Gall. 13, 5), ist an sich nicht

unmoeglich, da ja die Fuersten von Palmyra das Oberkommando im ganzen Osten von

Rechts wegen besassen und eine solche Aktion, auch wenn sie von Gallienus

veranlasst war, behandelt werden konnte als dagegen verstossend, und es wuerde

dies das gespannte Verhaeltnis deutlich bezeichnen; aber der Gewaehrsmann ist so

schlecht, dass darauf wenig zu geben ist.

^106 Das lehrt die charakteristische Erzaehlung des Petrus fr. 10, welches

vor fr. 11 zu stellen ist.

^107 Die Erzaehlung des Fortsetzers des Dio fr. 7, dass der alte Odaenathos

als des Hochverrats verdaechtig von einem (sonst nicht erwaehnten) Rufinus

getoetet und der juengere, als er diesen bei dem Kaiser Gallienus verklagt habe,

auf die Erklaerung des Rufinus, dass der Klaeger das gleiche Schicksal verdiene,

abgewiesen sei, kann so, wie sie liegt, nicht richtig sein. Aber Waddingtons

Vorschlag, dem Gallienus den Gallus zu substituieren und in dem Klaeger den

Gatten Zenobias zu erkennen, ist nicht statthaft, da der Vater dieses Odaenathos

Hairanes war, bei diesem fuer eine derartige Exekution gar kein Grund vorliegt

und das Exzerpt in seiner ganzen Beschaffenheit unzweifelhaft auf Gallienus

geht. Vielmehr wird der alte Odaenathos der Gemahl der Zenobia sein und der

Schriftsteller dem Vaballathos, auf dessen Namen geklagt ward, irrig den

Vaternamen beigelegt haben.

^108 Alle Einzelheiten, die in unseren Erzaehlungen ueber die Zenobia

umlaufen, stammen aus den Kaiserbiographien; und wiederholen wird sie nur, wer

diese Quelle nicht kennt.

^109 Den Namen Vaballathos geben, ausser den Muenzen und den Inschriften,

Pol. Silv. chron. p. 243 meiner Ausgabe und der Biograph des Aurelianus c. 38,

indem er die Angabe, dass Odaenathos zwei Soehne, Timolaus und Herennianus,

hinterlassen habe, als unrichtig bezeichnet. In der Tat scheinen diese beiden,

lediglich in den Kaiserbiographien auftretenden Personen nebst allem, was daran

haengt, von dem Skribenten erfunden, auf den die Durchfaelschung dieser

Biographien zurueckgeht. Auch Zosimus (hist. 1, 59) weiss nur von einem mit der

Mutter in Gefangenschaft geratenen Sohn.

^110 Ob Zenobia fuer sich die formelle Mitregierung in Anspruch genommen

hat, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. In Palmyra nennt sie sich selbst

noch nach dem Bruch mit Rom bloss basiliss/e/ (Waddington 2611, 2628). Im

uebrigen Reich mag sie den Titel Augusta, Sebast/e/ in Anspruch genommen haben;

denn wenn auch Muenzen der Zenobia aus der Zeit vor dem Bruch mit Rom fehlen, so

kann doch einerseits die alexandrinische Inschrift mit basiliss/e/s kai

basile/o/s prostaxant/o/n (Eph. epigr. IV, p. 25 n. 33) keinen Anspruch machen

auf offizielle Redaktion und gibt andrerseits die Inschrift von Byblos CIG 4503

b = Waddington zu 2611 in der Tat der Zenobia den Titel Sebast/e/ neben Claudius

oder Aurelian, waehrend sie denselben dem Vaballathos versagt. Dies ist auch

insofern begreiflich, als Augusta eine Ehren-, Augustus eine Amtsbezeichnung

ist, also dem Weibe wohl eingeraeumt werden konnte, was man dem Mann versagte.

^111 So erzaehlt Zosimus (hist. 1, 44) den Hergang, mit dem Zonaras (12,

27) und Synkellos (p. 721) im wesentlichen stimmen. Der Bericht im Leben des

Claudius c. 11 ist mehr verschoben als eigentlich widersprechend; die erste

Haelfte ist nur durch die Nennung des Saba angedeutet; die Erzaehlung beginnt

mit dem erfolgreichen Versuch des Timagenes, den Angriff des Probus (hier

Probatus) abzuwehren. Was ich darueber bei A. v. Sallet (Die Fuersten von

Palmyra, Berlin 1866, S. 44) aufgestellt habe, ist nicht haltbar.

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Der kraeftige und umsichtige Kaiser, dem jetzt die Herrschaft zugefallen

war, brach sofort mit der palmyrenischen Nebenregierung, was dann zur Folge

haben musste und hatte, dass Vaballathos von den Seinen selber zum Kaiser

ausgerufen ward. Aegypten wurde schon im Ausgang des Jahres 270 durch den

tapferen Feldherrn Probus, den spaeteren Nachfolger Aurelians, nach harten

Kaempfen wieder zum Reiche gebracht ^112. Freilich zahlte diesen Sieg die zweite

Stadt des Reiches Alexandreia fast mit ihrer Existenz, wie dies in einem

folgenden Abschnitt dargelegt werden soll. Schwieriger war die Bezwingung der

entlegenen syrischen Oase. Alle anderen orientalischen Kriege der Kaiserzeit

sind hauptsaechlich von dort heimischen Reichstruppen gefuehrt worden; hier, wo

der Okzident den abgefallenen Osten abermals zu unterwerfen hatte, schlugen

wieder einmal, wie in der Zeit der freien Republik, Okzidentalen gegen

Orientalen ^113, die Soldaten vom Rhein und der Donau mit denen der syrischen

Wueste. Gegen den Ausgang des Jahres 271, wie es scheint, begann die gewaltige

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 48 / 73 段