Sieger blieb. Waehrend Herodian von einer beispiellosen Niederlage der Roemer
spricht, feiern die lateinischen Quellen, die Biographie sowohl wie Victor,
Eutrop und Rufius Festus, den Alexander als den Besieger des Artaxerxes oder
Xerxes, und nach diesen letzteren ist auch der weitere Verlauf der Dinge
guenstig. Die Vermittlung gibt Herodian (6, 6, 5) an die Hand. Nach den
armenischen Berichten (Gutschmid, ZDMG 31, 1877, S. 47) haben die Arsakiden mit
Unterstuetzung der Kaukasusvoelker sich in Armenien noch bis zum Jahre 237 gegen
Ardaschir behauptet; diese Diversion mag richtig und auch den Roemern zugute
gekommen sein.
^81 Den besten Bericht geben, aus derselben Quelle schoepfend, Synkellos
(p. 683) und Zonaras (12, 18). Damit stimmen die Einzelangaben Ammians (23, 5;
7, 17) und so ziemlich der gefaelschte Brief Gordians an den Senat in der
Biographie c. 27, aus dem die Erzaehlung c. 26 unkundig hergestellt ist;
Antiocheia war in Gefahr, aber nicht in den Haenden der Perser.
^82 So stellt Zon. 12, 19 den Hergang dar; damit stimmt Zos. hist. 3, 32,
und auch der spaetere Verlauf der Dinge zeigt Armenien nicht geradezu im
persischen Besitz. Wenn nach Euagr. 5, 7 damals bloss Klein-Armenien roemisch
blieb, so mag das insofern nicht unrichtig sein, als die Abhaengigkeit des
Lehnskoenigs von Gross-Armenien nach dem Frieden wohl nur eine nominelle war.
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Es wird hier, wo der roemische Orient im Ringen mit dem persischen auf sich
selber angewiesen ist, am Platz sein, eines merkwuerdigen Staates zu gedenken,
der, durch und fuer den Wuestenhandel geschaffen, jetzt fuer kurze Zeit in der
politischen Geschichte eine fuehrende Rolle uebernimmt. Die Oase Palmyra, in der
einheimischen Sprache Thadmor, liegt auf halbem Wege zwischen Damaskos und dem
Euphrat. Von Bedeutung ist sie lediglich als Zwischenstation zwischen dem
Euphratgebiet und dem Mittelmeer und hat auch diese Bedeutung erst spaet
gewonnen und frueh wieder verloren, so dass Palmyras Bluetezeit ungefaehr mit
derjenigen Periode zusammenfaellt, die wir hier schildern. Ueber das Emporkommen
der Stadt fehlt es an jeder Ueberlieferung ^83. Erwaehnt wird sie zuerst bei
Gelegenheit des Aufenthaltes des Antonius in Syrien im Jahre 713 (41), wo dieser
einen vergeblichen Versuch machte, sich ihrer Reichtuemer zu bemaechtigen; auch
die dort gefundenen Denkmaeler - die aelteste datierte palmyrenische Inschrift
ist vom Jahre 745 (9) - reichen schwerlich viel weiter zurueck. Es ist nicht
unwahrscheinlich, dass ihr Aufbluehen mit der Festsetzung der Roemer im
syrischen Kuestenland zusammenhaengt. So lange die Nabataeer und die Staedte der
Osrhoene nicht unmittelbar roemisch waren, hatten die Roemer ein Interesse
daran, eine andere direkte Verbindung mit dem Euphrat herzustellen, und diese
fuehrte dann notwendig ueber Palmyra. Eine roemische Gruendung ist Palmyra
nicht; als Veranlassung fuer jenen Raubzug nahm Antonius die Neutralitaet der
zwischen den beiden Grossstaaten den Verkehr vermittelnden Kaufleute, und die
roemischen Reiter kehrten unverrichteter Sache um vor der Schuetzenkette, die
die Palmyrener dem Angriff entgegenstellten. Aber schon in der ersten Kaiserzeit
muss die Stadt zum Reiche gerechnet worden sein, da die fuer Syrien ergangenen
Steuerverordnungen des Germanicus und des Corbulo auch fuer Palmyra zur
Anwendung kamen; in einer Inschrift vom Jahre 80 begegnet eine claudische Phyle
daselbst; seit Hadrian nennt sich die Stadt Hadriana Palmyra, und im dritten
Jahrhundert bezeichnet sie sich sogar als Kolonie.
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^83 Der biblische Bericht (1. Koen. 9, 18) ueber die Erbauung der Stadt
Thamar in Idumaea durch Koenig Salomo ist nur durch ein freilich altes
Missverstaendnis auf Thadmor uebertragen worden; immer enthaelt die irrige
Beziehung desselben auf diese Stadt bei den spaeteren Juden (Chron. 2, 8, 4 und
die griechische Uebersetzung von 1. Koen. 9, 4) das aelteste Zeugnis fuer deren
Existenz (Hitzig, ZDMG 8, 1854, S. 222).
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Indes war die Reichsuntertaenigkeit der Palmyrener anderer Art als die
gewoehnliche und einigermassen dem Klientelverhaeltnis der abhaengigen
Koenigreiche aehnlich. Noch in Vespasians Zeit heisst Palmyra ein Zwischengebiet
zwischen den beiden Grossmaechten und wurde bei jedem Zusammenstoss der Roemer
und der Parther gefragt, welche Politik die Palmyrener einhalten wuerden. Den
Schluessel fuer die Sonderstellung muessen wir in den Grenzverhaeltnissen und
den fuer den Grenzschutz getroffenen Ordnungen suchen. Die syrischen Truppen,
soweit sie am Euphrat selbst standen, haben ihre Hauptstellung bei Zeugma,
Biredjik gegenueber an der grossen Euphratpassage, gehabt. Weiter stromabwaerts
schiebt sich zwischen das unmittelbar roemische und das parthische Gebiet das
von Palmyra, das bis zum Euphrat reicht und die naechste bedeutende
Uebergangsstelle bei Sura gegenueber der mesopotamischen Stadt Nikephorion
(spaeter Kallinikon, heute er-Rakka) einschliesst. Es ist mehr als
wahrscheinlich, dass die Hut dieser wichtigen Grenzfestung sowie die Sicherung
der Wuestenstrasse zwischen dem Euphrat und Palmyra, auch wohl eines Teils der
Strasse von Palmyra nach Damaskos, der Gemeinde Palmyra ueberlassen ward und
dass sie also berechtigt und verpflichtet war, die fuer diese nicht geringe
Aufgabe erforderlichen militaerischen Einrichtungen zu treffen ^84. Spaeterhin
sind wohl die Reichstruppen naeher an Palmyra herangezogen und ist eine der
syrischen Legionen nach Danava zwischen Palmyra und Damaskos, die arabische nach
Bostra gelegt worden; seit Severus Mesopotamien mit dem Reich vereinigt hatte,
waren sogar hier beide Ufer des Euphrat in roemischer Gewalt und endigte das
roemische Gebiet am Euphrat nicht mehr bei Sura, sondern bei Kirkesion an der
Muendung des Chaboras in den Euphrat oberhalb Mejadin. Auch wurde damals
Mesopotamien stark mit Reichstruppen belegt. Aber die mesopotamischen Legionen
standen an der grossen Strasse im Norden bei Resaina und Nisibis, und auch die
syrischen und die arabischen Truppen machten die Mitwirkung der palmyrenischen
nicht entbehrlich. Es mag sogar die Hut von Kirkesion und dieses Teils des
Euphratufers eben den Palmyrenern anvertraut worden sein. Erst nach dem
Untergang Palmyras und vielleicht in Ersatz desselben ist Kirkesion ^85 von
Diocletian zu der starken Festung gemacht worden, die seitdem hier der
Stuetzpunkt der Grenzverteidigung gewesen ist.
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^84 Ausdruecklich berichtet wird dies nirgends; aber alle Umstaende
sprechen dafuer. Dass die roemisch-parthische Grenze, bevor die Roemer auf dem
linken Euphratufer sich festsetzten, am rechten wenig unterhalb Sura war, sagt
am bestimmtesten Plinius (nat. 5, 26, 89: a Sura proxime est Philiscum - vgl.
Anm. 85 - oppidum Parthorum ad Euphratem; ab eo Seleuciam dierum decem
navigatio), und hier ist sie bis zur Einrichtung der Provinz Mesopotamien unter
Severus geblieben. Die Palmyrene des Ptolemaeos (5, 15, 24, 25) ist eine
Landschaft Koilesyriens, die einen guten Teil des Gebiets suedlich von Palmyra
zu umfassen scheint, sicher aber bis an den Euphrat reicht und Sura
einschliesst; andere staedtische Zentren ausser Palmyra scheinen nicht
aufgefuehrt zu werden und nichts im Wege zu stehen, diesen grossen Distrikt als
Stadtgebiet zu fassen. Namentlich solange Mesopotamien parthisch war, aber auch
nachher noch hat mit Ruecksicht auf die angrenzende Wueste ein dauernder
Grenzschutz hier nicht fehlen koennen; wie denn im 4. Jahrhundert nach Ausweis
der Notitia die Palmyrene stark besetzt war, die noerdliche von den Truppen des
Dux von Syrien, Palmyra selbst und die suedliche Haelfte von denen des Dux von
Phoenike. Dass in der frueheren Kaiserzeit hier keine roemischen Truppen
gestanden haben, ist durch das Schweigen der Schriftsteller und das Fehlen der
in Palmyra selbst zahlreichen Inschriften verbuergt. Wenn in der Peutingerschen
Tafel unter Sura vermerkt ist: "fines exercitus Syriatici et commercium
barbarorum", d. h. "hier endigen die roemischen Besatzungen, und hier ist der
Zwischenort fuer den Barbarenverkehr", so ist damit nur gesagt, was in spaeterer
Zeit Ammian (23, 3, 7: Callinicum mumimentum robustum et commercandi opimitate
gratissimum) und noch Kaiser Honorius (Cod. Iust. 4, 63, 4) wiederholen, dass
Kallinikon zu den wenigen, dem roemisch-barbarischen Grenzhandel freigegebenen
Entrepots gehoert; aber nicht einmal fuer die Entstehungszeit der Tafel folgt
daraus, dass damals Reichstruppen dort standen, da ja die Palmyrener im
allgemeinen auch zur syrischen Armee gehoerten und bei dem exercitus Syriaticus
an sie gedacht sein kann. Es muss die Stadt eine eigene Truppenmacht aufgestellt
haben, aehnlich wie die Fuersten von Numidien und von Pantikapaeon. Dadurch
allein wird auch sowohl das Abweisen der Truppen des Antonius wie das Verhalten
der Palmyrener in den Wirren des 3. Jahrhunderts verstaendlich, nicht minder das
Auftreten der numeri Palmyrenorum unter den militaerischen Neuerungen derselben
Epoche.
^85 Amm. 23, 5, 2: Cercusium .. . Diocletiaenus exiguum ante hoc et
suspectum muris turribusque circumdedit celsis, . . . ne vagarentur per Syriam
Persae ita ut paucis ante annis cum magnis provinciarum contigerat damnis. Vgl.
Prok. aed. 2, 6. Vielleicht ist dieser Ort nicht verschieden von dem PHalga oder
PHaliga des Isidorus von Charax (mans. Parth. 1; Stephanus v. Byzanz, Ethnika,
unter diesem Wort) und dem Plinianischen Philiscum (Anm. 84).
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Die Spuren dieser Sonderstellung Palmyras sind auch in den Institutionen
nachweisbar. Das Fehlen des Kaisernamens auf den palmyrenischen Muenzen ist wohl
nicht aus ihr zu erklaeren, sondern daraus, dass die Gemeinde fast nur kleine
Scheidemuenze ausgegeben hat. Deutlich aber spricht die Behandlung der Sprache.
Von der sonst bei den Roemern fast ausnahmslos befolgten Regel, in dem
unmittelbaren Gebiet nur den Gebrauch der beiden Reichssprachen zu gestatten,
ist Palmyra ausgenommen. Hier hat diejenige Sprache, welche im uebrigen Syrien
und nicht minder seit dem Exil in Judaea die gewoehnliche im privaten Verkehr,
aber auf diesen beschraenkt war, sich im oeffentlichen Gebrauch behauptet,
solange die Stadt ueberhaupt bestanden hat. Wesentliche Verschiedenheiten des
palmyrenischen Syrisch von dem der uebrigen oben genannten Gegenden lassen sich
nicht nachweisen; die nicht selten arabisch oder juedisch, auch persisch
geformten Eigennamen zeigen die starke Voelkermischung, und zahlreiche
griechisch-roemische Lehnwoerter die Einwirkung der Okzidentalen. Es wird
spaeterhin Regel, dem syrischen Text einen griechischen beizufuegen, welcher in
einem Beschluss des palmyrenischen Gemeinderats vom Jahre 137 dem palmyrenischen
nach-, spaeter gewoehnlich voransteht; aber bloss griechische Inschriften
eingeborener Palmyrener sind seltene Ausnahmen. Sogar in Weihinschriften, welche
Palmyrener ihren heimischen Gottheiten in Rom gesetzt haben ^86, und in
Grabschriften der in Afrika oder Britannien verstorbenen palmyrenischen Soldaten
ist die palmyrenische Fassung zugefuegt. Ebenso wurde in Palmyra zwar das
roemische Jahr wie im uebrigen Reiche der Datierung zugrunde gelegt, aber die
Monatsnamen sind nicht die im roemischen Syrien offiziell rezipierten
makedonischen, sondern diejenigen, welche in demselben wenigstens bei den Juden
im gemeinen Verkehr galten und ausserdem bei den unter assyrischer und spaeter
persischer Herrschaft lebenden aramaeischen Staemmen in Gebrauch waren ^87.
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^86 Von den sieben bis jetzt ausserhalb Palmyra gefundenen Dedikationen an
den palmyrenischen Malach Belos haben die drei in Rom zum Vorschein gekommenen
(CIL VI, 51, 710; CIG 6015) neben griechischem oder lateinischem auch
palmyrenischen Text, zwei afrikanische (CIL VIII, 2497, 8795 add.) und zwei
dakische (Archaeologisch-epigraphische Mitteilungen aus Oesterreich 6, 1882,
109, 111) bloss lateinischen. Die eine der letzteren ist von einem offenbar aus
Palmyra gebuertigen Duoviralen von Sarmizegetusa, P. Aelius Theimes, gesetzt
diis patriis Malagbel et Bebellahamon et Benefal et Manavat.
^87 Woher diese Monatsnamen ruehren, ist dunkel; sie treten zuerst in der
assyrischen Keilschrift auf, sind aber nicht assyrischen Ursprungs. Infolge der
assyrischen Herrschaft sind sie dann in dem Bereich der syrischen Sprache in
Gebrauch geblieben. Abweichungen finden sich; der zweite Monat, der Dios der
griechisch redenden Syrer, unser November, heisst bei den Juden Markeschwan, bei
den Palmyrenern Kanun (Waddington 25746). Uebrigens sind diese Monatsnamen,
soweit sie innerhalb des Roemischen Reiches zur Anwendung kommen, wie die
makedonischen dem Julianischen Kalender angepasst, so dass nur die
Monatsbenennung differiert, der Jahranfang (1. Oktober) des syrisch-roemischen
Jahres auf die griechischen wie auf die aramaeischen Benennungen gleichmaessig
Anwendung findet.
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Die munizipale Ordnung ist im wesentlichen nach dem Muster der griechischen
des Roemerreichs gestaltet; die Beziehungen fuer Beamte und Rat ^88 und selbst
diejenige der Kolonie werden in den palmyrenischen Texten meistenteils aus den
Reichssprachen beibehalten. Aber auch in der Verwaltung behielt der Distrikt
eine groessere Selbstaendigkeit, als sie sonst den Stadtgemeinden zukommt. Neben
den staedtischen Beamten finden wir wenigstens im dritten Jahrhundert die Stadt
Palmyra mit ihrem Gebiet unter einem besonderen "Hauptmann" senatorischen Ranges
und roemischer Bestellung, aber gewaehlt aus dem angesehensten Geschlecht des
Ortes; Septimios Hairanes, des Odaenathos Sohn, ist der Sache nach ein Fuerst
der Palmyrener ^89, der von dem Legaten von Syrien wohl nicht anders abhaengig
war als die Klientelfuersten von den benachbarten Reichstatthaltern ueberhaupt.
Wenige Jahre spaeter begegnen wir seinem Sohn ^90 Septimios Odaenathos in der
gleichen, ja im Rang noch gesteigerten erbfuerstlichen Stellung ^91.
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^88 Zum Beispiel Archon, Grammateus, Proedros, Syndikos, Dekaprotoi.
^89 Dies lehrt die Inschrift von Palmyra CIG 4491, 4492 = Waddington 2600 =
Vogue 22, diesem Hairanes im Jahre 251 gesetzt von einem Soldaten der in Arabien
stehenden Legion. Sein Titel ist griechisch o lamprotatos synkl/e/tikos exarchos
(= princeps) Palmyr/e/n/o/n, palmyrenisch "erlauchter Senator, Haupt von
Thadmor". Die Grabschrift (CIG 4507 = Waddington 2621 = Vogue 21) des Vaters des
Hairanes, Septimios Odaenathos, Sohnes des Hairanes, Enkels des Vaballathos,
Urenkels des Nassoros, gibt auch ihm schon senatorischen Rang.
^90 Allerdings wird der Vater dieses Odaenathos nirgends genannt; aber es
ist so gut wie sicher, dass er der Sohn des eben genannten Hairanes ist und den
Namen von seinem Grossvater fuehrt. Auch Zosimus (hist. 1, 39) nennt ihn einen
von den Vorfahren her von der Regierung ausgezeichneten Palmyrener (andra
Palmyr/e/non kai ek progon/o/n t/e/s para t/o/n basile/o/n axi/o/thenta
tim/e/s).
^91 In der Inschrift Waddington 2603 = Vogue 23, die die Zunft der Gold-
und Silberarbeiter von Palmyra im Jahre 257 dem Odaenathos setzt, heisst es o
lamprotatos ypatikos, also vir consularis, und griechisch despot/e/s, syrisch
mbran. Die erstere Bezeichnung ist kein Amtstitel, sondern eine Angabe der
Rangklasse; so steht vir consularis nicht selten hinter dem Namen ganz wie vir
clarissimus (CIL X., p. 1117 und sonst) und findet sich o lamprotatos ypatikos
neben und vor verschiedenartigen Amtstiteln, zum Beispiel dem des Prokonsuls von
Afrika (CIG 2979 wo lamprotatos fehlt), des kaiserlichen Legaten von Pontus und
Bithynien (CIG 3747 3748, 3771) und von Palaestina (CIG 4151), des Statthalters
von Lykien und Pamphylien (CIG 4272); erst in nachkonstantinischer Zeit wird es
mit dem Namen der Provinz verbunden als Amtstitel verwendet (z. B. CIG 2596,
4266 e). Hieraus ist also fuer die Rechtsstellung des Odaenathos nichts zu
entnehmen. Ebenso darf in der syrischen Bezeichnung des Herrn nicht gerade der
Herrscher gefunden werden; sie wird auch einem Prokurator gegeben (Waddington
2606 = Vogue 25).
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Nicht minder bildete Palmyra einen abgeschlossenen Zollbezirk, in welchem
die Zoelle nicht von Staats-, sondern von Gemeindewegen verpachtet wurden ^92.
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^92 Syrien bildete in der Kaiserzeit ein eigenes Reichszollgebiet und es
ward der Reichszoll nicht bloss an der Kueste, sondern auch an der
Euphratgrenze, insonderheit bei Zeugma erhoben. Daraus folgt mit Notwendigkeit,
dass auch weiter suedwaerts, wo der Euphrat nicht mehr in roemischer Gewalt war,
an der roemischen Ostgrenze aehnliche Zoelle eingerichtet waren. Nun hat ein
Beschluss des Rats von Palmyra vom Jahre 137 gelehrt, dass die Stadt und ihr
Gebiet einen eigenen Zollbezirk bildeten und von allen ein- oder ausgehenden
Waren zu Gunsten der Stadt der Zoll erhoben ward. Dass dies Gebiet ausserhalb
des Reichszolles stand, ist wahrscheinlich, einmal weil, wenn eine das
palmyrenische Gebiet einschliessende Reichszollinie bestanden haette, deren
Erwaehnung in jener ausfuehrlichen Verfuegung nicht wohl fehlen koennte:
zweitens weil eine von den Reichszollinien eingeschlossene Gemeinde des Reiches
schwerlich das Recht gehabt hat, an ihrer Gebietsgrenze in diesem Umfang Zoelle
zu erheben. Man wird also in der Zollerhebung der Gemeinde Palmyra dieselbe
Sonderstellung zu erkennen haben, welche ihr in militaerischer Hinsicht
beigelegt werden muss. Vielleicht ist ihr dagegen zu Gunsten der Reichskasse
eine Auflage gemacht worden, etwa die Ablieferung einer Quote des Zollertrages
oder auch ein erhoehter Tribut. Aehnliche Einrichtungen wie fuer Palmyra moegen
auch fuer Bostra und Petra bestanden haben; denn zollfrei sind die Waren sicher
auch hier nicht eingegangen und nach Plin. nat. 12, 14, 65 scheint von dem
arabischen, ueber Gaza ausgehenden Weihrauch Reichszoll nur in Gaza an der
Kueste erhoben zu sein. Die Traegheit der roemischen Verwaltung ist staerker als
die Fiskalitaet; sie mag die unbequemen Landgrenzzoelle oefter von sich auf die
Gemeinden abgewaelzt haben.
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Die Bedeutung Palmyras ruht auf dem Karawanenverkehr. Die Haeupter der
Karawanen (synodiarchai), welche von Palmyra nach den grossen Entrepots am
Euphrat gingen, nach Vologasias, der schon erwaehnten parthischen Gruendung
unweit der Staette des alten Babylon, und nach Forath oder Charax Spasinu,
Zwillingsstaedten an der Muendung nahe am Persischen Meerbusen, erscheinen in
den Inschriften als die angesehensten Stadtbuerger ^93 und bekleiden nicht bloss
die Aemter ihrer Heimat, sondern zum Teil Reichsaemter; auch die Grosshaendler
(archemporoi) und die Zunft der Gold- und Silberarbeiter zeugen von der
Bedeutung der Stadt fuer den Handel und die Fabrikation, nicht minder fuer ihren
Wohlstand die noch heute stehenden Tempel der Stadt und die langen Saeulenreihen
der staedtischen Hallen so wie die massenhaften reich verzierten Grabmaeler. Dem
Feldbau ist das Klima wenig guenstig - der Ort liegt nahe an der Nordgrenze der
Dattelpalme und fuehrt nicht von dieser seinen griechischen Namen; aber es
finden sich in der Umgegend die Reste grosser unterirdischer Wasserleitungen und
ungeheurer, kuenstlich aus Quadern angelegter Wasserreservoirs, mit deren Hilfe
der jetzt aller Vegetation bare Boden einst eine reiche Kultur kuenstlich
entwickelt haben muss. Dieser Reichtum und diese auch in der Roemerherrschaft
nicht ganz beseitigte nationale Eigenart und administrative Selbstaendigkeit
erklaeren einigermassen Palmyras Rolle um die Mitte des dritten Jahrhunderts in
der grossen Krise, zu deren Darlegung wir jetzt uns zurueckwenden.
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^93 Diese Karawanen (synodiai) erscheinen auf den palmyrenischen
Inschriften als feste Genossenschaften, die dieselben Fahrten ohne Zweifel in
bestimmten Intervallen unter ihrem Vormann (synodiarch/e/s, Waddington 2589,
2590, 2596) unternehmen; so setzen einem solchen eine Bildsaeule "die mit ihm
nach Vologesias hinab gegangenen Kaufleute" (oi s?n ayt/o/ katelthontes eis
Ologesiada enporoi, Waddington 2599 vom Jahre 247) oder "herauf von Forath (vgl.
Plin. nat. 6, 28, 145) und Vologasias" (oi synanabantes met' ayto? emporoi apo
PHorathoy ke Ologasiados, Waddington 2589 vom Jahre 142) oder "herauf von
Spasinu Charax" (oi s?n ayt/o/ anabantes apo Stasinoy CHarakos, Waddington 2596
vom Jahre 193; aehnlich 2590 vom Jahre 155). Alle diese Fuehrer sind vornehme,
mit Ahnenreihen ausgestattete Maenner; ihre Ehrendenkmaeler stehen in der
grossen Kolonnade neben denen der Koenigin Zenobia und ihrer Familie. Besonders
merkwuerdig ist einer derselben, Septimius Vorodes, von dem es eine Reihe von
Ehrenbasen aus den Jahren 2b2-267 gibt (Waddington 2606-2610); auch er war
Karawanenhaupt (anakomisanta t/e/s synodias ek t/o/n idi/o/n kai
marthyr/e/thenta ypo t/o/n archempor/o/n, Waddington 2606 a; also bestritt er
die Kosten der Rueckreise fuer die ganze Begleitung und wurde wegen dieser
Freigebigkeit von den Grosshaendlern oeffentlich belobt). Aber er bekleidete
auch nicht bloss die staedtischen Aemter des Strategen und Agoranomen, sondern
war sogar kaiserlicher Prokurator zweiter Klasse (ducenarius) und Argapetes
(Anm. 102).
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Nachdem Kaiser Decius im Jahre 251 gegen die Goten in Europa gefallen war,
ueberliess die Regierung des Reiches, wenn es ueberhaupt damals ein Reich und
eine Regierung noch gab, den Osten voellig seinem Schicksal. Waehrend die
Piraten vom Schwarzen Meer her weit und breit die Kuesten und selbst das
Binnenland verheerten, ging auch der Perserkoenig Sapor wieder angriffsweise
vor. Wenn sein Vater sich damit begnuegt hatte, sich den Herrn von Iran zu
nennen, so hat er zuerst wie nach ihm die folgenden Herrscher sich bezeichnet
als den Grosskoenig von Iran und Nicht-Iran und damit gleichsam das Programm
seiner Eroberungspolitik hingestellt. Im Jahre 252 oder 253 besetzte er
Armenien, oder es unterwarf sich ihm freiwillig, ohne Zweifel mitergriffen von
jenem Aufflammen des alten Perserglaubens und Perserwesens; der rechtmaessige
Koenig Tiridates suchte Zuflucht bei den Roemern, die uebrigen Glieder des
koeniglichen Hauses stellten sich unter die Fahnen des Persers ^94. Nachdem also
Armenien persisch geworden war, ueberschwemmten die Scharen der Orientalen
Mesopotamien, Syrien und Kappadokien; sie verwuesteten weit und breit das platte
Land, aber die Bewohner der groesseren Staedte wiesen den Angriff der auf
Belagerung wenig eingerichteten Feinde ab, voran die tapferen Edessener. Im
Okzident war inzwischen wenigstens eine anerkannte Regierung hergestellt worden.
Der Kaiser Publius Licinius Valerianus, ein rechtschaffener und wohlgesinnter
Herrscher, aber kein entschlossener und schwierigen Verhaeltnissen gewachsener
Charakter, erschien endlich im Osten und begab sich nach Antiocheia. Von da aus
ging er nach Kappadokien, das die persischen Streif scharen raeumten. Aber die