Vorbild gewesen sind, dem Arsakidenstaat gemangelt haben; dann wuerden
allerdings beide sich aehnlich zueinander verhalten wie die Reichsordnung
Augusts zu der Konstantins. Aber wir wissen zu wenig von der Arsakidenordnung,
um dies mit Sicherheit zu behaupten.
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Wie dem Umfange nach das Sassanidenreich sich zu dem der Arsakiden
verhielt, ist eine Frage, auf die die Ueberlieferung keine genuegende Antwort
gibt. Die Provinzen des Westens sind, seit die neue Dynastie fest im Sattel
sass, saemtlich derselben untertaenig geblieben und die Ansprueche, die die
letztere gegen die Roemer erhob, gingen, wie wir sehen werden, weit hinaus ueber
die Praetensionen der Arsakiden. Aber wie weit die Herrschaft der Sassaniden
gegen den Osten gereicht hat und wann sie bis zum Oxos vorgedrungen ist, der
spaeter als die legitime Grenze zwischen Iran und Turan gilt, entzieht sich
unseren Blicken ^73.
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^73 Nach den in der arabischen Chronik des Tabari erhaltenen persischen
Aufzeichnungen aus der letzten Sassanidenzeit erobert Ardaschir, nachdem er
Ardawan eigenhaendig den Kopf abgehauen und den Titel Schahan-Schah, Koenig der
Koenige, angenommen hat, zuerst Hamadhan (Ekbatana) in Grossmedien, dann
Aserbeidschan (Atropatene), Armenien, Mosul (Adiabene); ferner Suristan oder
Sawad (Babylonien). Von da geht er nach Istachr in seine persische Heimat
zurueck und erobert dann, von neuem ausziehend, Sagistan, Gurgan (Hyrkanien),
Abraschahr (Nisapur im Partherland), Marw (Margiane), Balch (Baktra) und Charizm
(Chiwa) bis zu den aeussersten Grenzen von Chorasan. "Nachdem er viele Leute
getoetet und ihre Koepfe nach dem Feuertempel der Anahedh (in Istachr) geschickt
hatte, kehrte er von Marw nach Pars zurueck und liess sich in Gor (Feruzabad)
nieder." Wieviel hiervon Legende ist, wissen wir nicht (vgl. Noeldeke, Tabari,
S. 17, 116).
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Das Staatssystem Irans hat infolge des Eintritts der neuen Dynastie sich
nicht gerade prinzipiell umgestaltet. Die offizielle Titulatur des ersten
Sassanidenherrschers, wie sie unter dem Felsrelief von Nakschi-Rustam in drei
Sprachen gleichmaessig angegeben ist: "der Mazda-Diener Gott Artaxares, Koenig
der Koenige der Arianer, goettlicher Abstammung" ^74, ist im wesentlichen die
der Arsakiden, nur dass die iranische Nation, wie schon in der alteinheimischen
Koenigstitulatur, und der einheimische Gott jetzt ausdruecklich genannt werden.
Dass eine in der Persis heimische Dynastie an die Stelle einer urspruenglich
stammfremden und nur nationalisierten trat, war ein Werk und ein Sieg nationaler
Reaktion; aber den daraus sich ergebenden Konsequenzen setzte die Macht der
Verhaeltnisse vielfach unuebersteigliche Schranken. Persepolis oder, wie es
jetzt heisst, Istachr wird wieder dem Namen nach die Hauptstadt des Reiches, und
neben den gleichartigen des Dareios verkuenden dort auf derselben Felsenwand die
merkwuerdigen Bildwerke und noch merkwuerdigeren, eben erwaehnten Inschriften
den Ruhm Ardaschirs und Schapurs; aber die Verwaltung konnte von dieser
entlegenen Oertlichkeit aus nicht wohl gefuehrt werden, und ihr Mittelpunkt
blieb auch ferner Ktesiphon. Den rechtlichen Vorzug der Perser, wie er unter den
Achaemeniden bestanden hatte, nahm die neupersische Regierung nicht wieder auf;
wenn Dareios sich "einen Perser, Sohn eines Persers, einen Arier aus arischem
Stamm" nannte, so nannte Ardaschir sich, wie wir sahen, lediglich den Koenig der
Arianer. Ob in die grossen Geschlechter, abgesehen von dem koeniglichen,
persische Elemente neu eingefuehrt worden sind, wissen wir nicht; auf jeden Fall
sind mehrere von ihnen geblieben, wie die Suren und die Karen; nur unter den
Achaemeniden, nicht unter den Sassaniden sind dieselben ausschliesslich persisch
gewesen.
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^74 Griechisch (CIG 4675) lautet der Titel: Masdasnos; (Mazda-Diener, als
Eigenname behandelt) theos Artaxar/e/s basile?s basile/o/n Arian/o/n ek genoys
the/o/n; genau damit stimmt der Titel seines Sohnes Sapor 1. (das. 4676), nur
dass nach Arian/o/n eingeschoben ist kai Anarian/o/n, also die Erstreckung der
Herrschaft auf das Ausland hervorgehoben wird. In der Titulatur der Arsakiden,
soweit sie aus den griechischen und persischen Muenzaufschriften erhellt, kehren
theos, basile?s basile/o/n, theopat/o/r (=ek genoys the/o/n) wieder, dagegen
fehlt die Hervorhebung der Arianer und bezeichnenderweise der Mazda-Diener;
daneben erscheinen zahlreiche andere den syrischen Koenigen entlehnte Titel, wie
epiphan/e/s, nikat/o/r, , auch der roemische aytokrat/o/r.
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Auch in religioeser Beziehung trat ein eigentlicher Wechsel nicht ein; wohl
aber gewann der Glaube und gewannen die Priester unter den persischen
Grosskoenigen einen Einfluss und eine Macht, wie sie sie unter den parthischen
niemals besessen hatten. Es mag wohl sein, dass die zwiefache Propaganda fremder
Kulte gegen Iran, des Buddhatums vom Osten her und des juedisch-christlichen
Glaubens aus dem Westen, der alten Mazda-Religion eben durch die Fehde eine
Regeneration brachte. Der Stifter der neuen Dynastie, Ardaschir, war, wie
glaubhaft berichtet wird, ein eifriger Feueranbeter und nahm selbst die Weihen
des Priestertums; darum, heisst es weiter, wurde von da an der Stand der Magier
einflussreich und anmassend, waehrend er bis dahin keineswegs solche Ehre und
solche Freiheit gehabt, sondern bei den Machthabern nicht eben viel gegolten
hatte. "Seitdem ehren und verehren die Perser alle die Priester; die
oeffentlichen Angelegenheiten werden nach ihren Ratschlaegen und Orakeln
geordnet; jeder Vertrag und jeder Rechtsstreit unterliegt ihrer Aufsicht und
ihrem Urteil und nichts erscheint den Persern recht und gesetzlich, was nicht
von einem Priester bestaetigt worden ist." Dementsprechend begegnen wir einer
Ordnung der geistlichen Verwaltung, die an die Stellung des Papstes und der
Bischoefe neben dem Kaiser und den Fuersten erinnert. Jeder Kreis steht unter
einem Obermagier (Magupat, Magierherr, neupersisch Mobedh) und diese alle wieder
unter dem Obersten der Obermagier (Mobedhan-Mobedh), dem Abbild des "Koenigs der
Koenige", und er ist es jetzt, der den Koenig kroent. Die Folgen dieser
Priesterherrschaft blieben nicht aus: das starre Ritual, die beengenden
Vorschriften ueber Schuld und Suehne, die in wuestes Orakelwesen und Zauberkunst
sich aufloesende Wissenschaft haften zwar dem Parsentum von jeher an, sind aber
doch vermutlich erst in dieser Epoche zu voller Entwicklung gelangt.
Auch in dem Gebrauch der Landessprache und den Landesgebraeuchen zeigen
sich die Spuren der nationalen Reaktion. Die groesste Griechenstadt des
Partherreiches, die alte Seleukeia, blieb bestehen, aber sie heisst seitdem
nicht nach dem Namen des griechischen Marschalls, sondern nach dem ihres neuen
Herrn Beh, das heisst gut, Ardaschir. Die griechische Sprache, bisher, wenn auch
zerruettet und nicht mehr alleinherrschend, doch immer noch in Gebrauch,
verschwindet mit dem Eintritt der neuen Dynastie mit einem Schlag von den
Muenzen, und nur auf den Inschriften der ersten Sassaniden begegnet sie noch
eben und hinter der eigentlichen Landessprache. Die "Partherschrift", das
Pahlavi, behauptet sich, aber neben sie tritt eine zweite, wenig verschiedene
und zwar, wie die Muenzen beweisen, als eigentlich offizielle, wahrscheinlich
die bis dahin in der persischen Provinz gebrauchte, so dass die aeltesten
Denkmaeler der Sassaniden, aehnlich wie die der Achaemeniden, dreisprachig sind,
etwa wie im deutschen Mittelalter Lateinisch, Saechsisch und Fraenkisch
nebeneinander Anwendung gefunden haben. Nach Koenig Sapor I. (+ 272)
verschwindet die Zwiesprachigkeit und behauptet die zweite Schreibweise allein
den Platz, den Namen Pahlavi erbend. Das Jahr der Seleukiden und die dazu
gehoerigen Monatsnamen verschwinden mit dem Wechsel der Dynastie; dafuer treten
nach altem persischen Herkommen die Regentenjahre ein und die einheimischen
persischen Monatsnamen ^75. Selbst die altpersische Legende wird auf das neue
Persien uebertragen. Die noch vorhandene 'Geschichte von Ardaschir, Papaks
Sohn', welche diesen Sohn eines persischen Hirten an den medischen Hof geraten,
dort Knechtsdienste tun und dann den Befreier seines Volkes werden laesst, ist
nichts als das alte Maerchen vom Kyros auf die neuen Namen umgeschrieben. Ein
anderes Fabelbuch der indischen Parsen weiss zu berichten, wie Koenig Iskander
Rumi, das heisst "Alexander der Roemer", die heiligen Buecher Zarathustras habe
verbrennen lassen, dann aber sie hergestellt worden seien von dem frommen
Ardaviraf, als Koenig Ardaschir den Thron bestiegen habe. Hier steht der Roemer-
Hellene gegen den Perser; den arsakidischen Bastard hat die Sage, wie billig,
vergessen.
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^75 Frawardin, Ardhbehescht usw. (C. L. Ideler, Lehrbuch der Chronologie.
Berlin 1831, Bd. 2, S. 515). Merkwuerdigerweise haben wesentlich dieselben
Monatsnamen sich in dem provinzialen Kalender der roemischen Provinz Kappadokien
behauptet (Ideler, Bd. 1, S. 443); sie muessen aus der Zeit herruehren, wo
dieselbe persische Satrapie war.
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Im uebrigen werden die Zustaende wesentlich die alten geblieben sein. In
militaerischer Beziehung namentlich sind die Heere auch der Sassaniden sicher
keine stehenden und geschulten Truppen gewesen, sondern das Aufgebot der
wehrfaehigen Mannschaften, in das mit der nationalen Bewegung wohl ein neuer
Geist gefahren sein mag, aber das nach wie vor im wesentlichen auf dem adligen
Rossdienst ruhte. Auch die Verwaltung blieb, wie sie war: der tuechtige
Herrscher schritt mit unerbittlicher Strenge ein gegen den Strassenraeuber wie
gegen den erpressenden Beamten und, verglichen wenigstens mit der spaeteren
arabischen und der tuerkischen Herrschaft, befanden sich die Untertanen des
Sassanidenreiches im Wohlstand und der Staatsschatz in Fuelle.
Bedeutsam aber ist die Verschiebung der Stellung des neuen Reiches
gegenueber dem roemischen. Die Arsakiden haben den Caesaren sich nie voellig
ebenbuertig gefuehlt. Wie oft auch beide Staaten in Krieg und Frieden als
gleichgewogene Maechte sich einander entgegentraten, wie entschieden die
Anschauung der doppelten Grossmacht auch den roemischen Orient beherrscht, es
bleibt der roemischen Macht ein aehnlicher Vorrang, wie ihn das Heilige
Roemische Reich Deutscher Nation lange Jahrhunderte sehr zu seinem Schaden
besessen hat. Unterwerfungsakte, wie sie gegenueber Tiberius und Nero die
parthischen Grosskoenige auf sich nahmen, ohne durch die aeusserste
Notwendigkeit dazu gezwungen zu sein, lassen sich umgekehrt nicht einmal denken.
Deutlicher noch spricht die Unterlassung der Goldpraegung. Es kann nicht Zufall
sein, dass nie unter dem Regiment der Arsakiden eine Goldmuenze geschlagen
worden ist und gleich der erste Sassanidenherrscher die Goldpraegung geuebt hat;
es ist dieselbe das greifbarste Zeichen der durch keine Vasallenpflichten
beschraenkten Souveraenitaet. Dem Anspruch des Caesarenreiches, allein die
Weltmuenze schlagen zu koennen, hatten die Arsakiden ohne Ausnahme sich
wenigstens insoweit gefuegt, dass sie selber ueberhaupt sich der Praegung
enthielten und diese in Silber und Kupfer den Staedten oder den Satrapen
ueberliessen; die Sassaniden schlugen wieder Goldstuecke, auch wie Koenig
Dareios. Das Grosskoenigtum des Ostens fordert endlich sein volles Recht; die
Welt gehoert nicht ferner den Roemern allein. Mit der Unterwuerfigkeit der
Orientalen und der Oberherrlichkeit der Okzidentalen ist es vorbei. Dem
entsprechend tritt an die Stelle der bis dahin immer wieder zum Frieden
zurueckwendenden Beziehungen zwischen Roemern und Parthern durch Generationen
die erbitterte Fehde.
Nachdem die neue Staatsordnung dargestellt worden ist, mit der das sinkende
Rom bald zu ringen haben sollte, nehmen wir den Faden der Erzaehlung wieder auf.
Severus' Sohn und Nachfolger Antoninus, kein Krieger und Staatsmann wie sein
Vater, aber von beidem eine wueste Karikatur, muss die Absicht gehabt haben,
soweit bei solchen Persoenlichkeiten ueberhaupt von Absicht geredet werden kann,
den Osten ganz in roemische Gewalt zu bringen. Es hielt nicht schwer, die
Fuersten von Osrhoene und von Armenien, nachdem sie an den kaiserlichen Hof
entboten worden waren, gefangen zu setzen und diese Lehen fuer eingezogen zu
erklaeren. Aber schon auf die Kunde hin brach in Armenien ein Aufstand aus. Der
Arsakidenprinz Tiridates wurde zum Koenig ausgerufen und rief den Schutz der
Parther an. Darauf stellte sich Antoninus an die Spitze einer grossen
Truppenmacht und erschien im Jahre 216 im Osten, um die Armenier und
noetigenfalls auch die Parther niederzuwerfen. Tiridates selbst gab sogleich
seine Sache verloren, obwohl die nach Armenien gesandte Abteilung dort nachher
noch auf heftige Gegenwehr stiess, und fluechtete zu den Parthern. Die Roemer
forderten die Auslieferung. Die Parther waren nicht geneigt, sich seinetwegen
auf einen Krieg einzulassen, um so weniger als eben damals die beiden Soehne des
Koenigs Vologasos V., Vologasos VI. und Artabanos, in erbitterter Thronfehde
lagen. Der erstere fuegte sich, als die roemische Forderung gebieterisch
wiederholt ward und lieferte den Tiridates aus. Darauf begehrte der Kaiser von
dem inzwischen zur Anerkennung gelangten Artabanos die Hand seiner Tochter zu
dem ausgesprochenen Zwecke, damit das Reich zu erheiraten und Orient und
Okzident unter eine Herrschaft zu bringen. Die Zurueckweisung dieses wuesten
Vorschlags ^76 war das Signal zum Krieg; die Roemer erklaerten ihn und
ueberschritten den Tigris. Die Parther waren unvorbereitet; ohne Widerstand zu
finden brannten die Roemer die Staedte und Doerfer in Adiabene nieder und
zerstoerten mit ruchloser Hand sogar die alten Koenigsgraeber bei Arbela ^77.
Aber fuer den naechsten Feldzug machte Artabanos die aeussersten Anstrengungen
und stellte im Fruehjahr 217 eine gewaltige Heeresmacht in das Feld. Antoninus,
der den Winter in Edessa zugebracht hatte, wurde, eben als er zu dieser zweiten
Kampagne aufbrach, von seinen Offizieren ermordet. Sein Nachfolger Macrinus,
unbefestigt im Regiment und wenig angesehen, dazu an der Spitze einer der Zucht
und Haltung entbehrenden und durch den Kaisermord erschuetterten Armee, haette
gern des mutwillig angezettelten und sehr ernsthafte Verhaeltnisse annehmenden
Krieges sich entledigt. Er schickte dem Partherkoenig die Gefangenen zurueck und
warf die Schuld fuer die begangenen Frevel auf den Vorgaenger. Aber Artabanos
war damit nicht zufrieden; er forderte Ersatz fuer alle begangene Verwuestung
und die Raeumung Mesopotamiens. So kam es bei Nisibis zur Schlacht, in der die
Roemer den kuerzeren zogen. Dennoch gewaehrten die Parther, zum Teil weil ihr
Aufgebot sich aufzuloesen Miene machte, vielleicht auch unter dem Einfluss des
roemischen Goldes, den Frieden (218) auf verhaeltnismaessig guenstige
Bedingungen: Rom zahlte eine ansehnliche Kriegsentschaedigung (50 Mill. Denare),
behielt aber Mesopotamien; Armenien blieb dem Tiridates, aber dieser nahm es von
den Roemern zum Lehen. Auch in Osrhoene wurde das alte Fuerstenhaus wieder
eingesetzt.
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^76 So erzaehlt der zuverlaessige Dio 78, 1; unbeglaubigt ist die Version
Herodians 4, 11, dass Artabanos die Tochter zusagte und bei der Verlobungsfeier
Antoninus auf die anwesenden Parther einhauen liess.
^77 Wenn an der Nennung der Kadusier in der Biographie c. 6 etwas Wahres
ist, so veranlassten die Roemer diesen wilden, der Regierung nicht botmaessigen
Stamm im Suedwesten des Kaspischen Meeres, gleichzeitig ueber die Parther
herzufallen.
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Es ist dies der letzte Friedensvertrag, den die Arsakidendynastie mit Rom
geschlossen hat. Fast unmittelbar nachher und vielleicht mit infolge dieses
Pakts, der allerdings, wie die Verhaeltnisse lagen, von den Orientalen als eine
Preisgebung der erfochtenen Siege durch die eigene Regierung angesehen werden
konnte, begann die Insurrektion, welche den Staat der Parther in einen Staat der
Perser umwandelte. Ihr Fuehrer, Koenig Ardaschir oder Artaxares (224-241),
stritt manches Jahr mit den Anhaengern der alten Dynastie, bevor er vollen
Erfolg hatte ^78; nach drei grossen Schlachten, in deren letzter Koenig
Artabanos fiel, war er im eigentlichen Partherreich Herr und konnte in die
mesopotamische Wueste einruecken, um die Araber von Hatra zu unterwerfen und von
da aus gegen das roemische Mesopotamien vorzugehen. Aber die tapferen und
unabhaengigen Araber wehrten sich, wie frueher gegen die roemische Invasion, so
jetzt gegen die Perser in ihren gewaltigen Mauern mit gutem Erfolg, und
Artaxares fand sich veranlasst, zunaechst gegen Medien und Armenien zu
operieren, wo die Arsakiden sich noch behaupteten und auch die Soehne des
Artabanos eine Zuflucht gefunden hatten. Erst um das Jahr 230 wandte er sich
gegen die Roemer und erklaerte ihnen nicht bloss den Krieg, sondern forderte
alle Provinzen zurueck, die einst zum Reich seiner Vorgaenger, des Dareios und
des Xerxes, gehoert hatten, das heisst die Abtretung von ganz Asien. Den
drohenden Worten Nachdruck zu geben, fuehrte er ein gewaltiges Heer ueber den
Euphrat; Mesopotamien wurde besetzt und Nisibis belagert; die feindlichen Reiter
zeigten sich in Kappadokien und in Syrien. Den roemischen Thron nahm damals
Severus Alexander ein, ein Herrscher, an dem nichts kriegerisch war als der Name
und fuer den in der Tat die Mutter Mamaea das Regiment fuehrte. Dringende, fast
demuetige Friedensvorschlaege der roemischen Regierung blieben ohne Wirkung; es
blieb nichts uebrig als der Gebrauch der Waffen. Die aus dem ganzen Reiche
zusammengezogenen roemischen Heeresmassen wurden geteilt: der linke Fluegel nahm
die Richtung auf Armenien und Medien, der rechte auf Mesene an der Euphrat- und
Tigrismuendung, vielleicht in der Berechnung, dort wie hier auf den Anhang der
Arsakiden sich stuetzen zu koennen; die Hauptarmee ging gegen Mesopotamien vor.
Die Truppen waren zahlreich genug, aber ohne Zucht und Haltung; ein
hochgestellter roemischer Offizier dieser Zeit bezeugt es selbst, dass sie
verwoehnt und unbotmaessig waren, sich weigerten zu kaempfen, ihre Offiziere
erschlugen und haufenweise desertierten. Die Hauptmacht kam gar nicht ueber den
Euphrat ^79, da die Mutter dem Kaiser vorstellte, dass es nicht seine Sache sei,
sich fuer seine Untertanen, sondern dieser, sich fuer ihn zu schlagen. Der
rechte Fluegel, im Flachland von der persischen Hauptmacht angegriffen und von
dem Kaiser im Stich gelassen, wurde aufgerieben. Als darauf der Kaiser dem nach
Medien vorgedrungenen Fluegel Befehl erteilte, sich zurueckzuziehen, litt auch
dieser stark bei dem winterlichen Rueckmarsch durch Armenien. Wenn es bei diesem
ueblen Rueckzug der grossen orientalischen Armee nach Antiocheia blieb und zu
keiner vollstaendigen Katastrophe kam, sogar Mesopotamien in roemischer Gewalt
blieb, so scheint das nicht das Verdienst der roemischen Truppen oder ihrer
Fuehrer zu sein, sondern darauf zu beruhen, dass das persische Aufgebot des
Kampfes muede ward und nach Hause ging ^80. Aber sie gingen nicht auf lange, um
so mehr, als bald darauf nach der Ermordung des letzten Sprossen der Severischen
Dynastie die einzelnen Heerfuehrer und die Regierung in Rom um die Besetzung des
roemischen Thrones zu schlagen begannen und somit darin einig waren, die
Geschaefte der auswaertigen Feinde zu besorgen. Unter Maximinus (235-238) geriet
das roemische Mesopotamien in Ardaschirs Gewalt und schickten die Perser
abermals sich an, den Euphrat zu ueberschreiten ^81. Nachdem die inneren Wirren
einigermassen sich beruhigt hatten und Gordian III., fast noch ein Knabe, unter
dem Schutz des Kommandanten von Rom und bald seines Schwiegervaters Furius
Timesitheus unbestritten im ganzen Reiche gebot, wurde in feierlicher Weise den
Persern der Krieg erklaert, und im Jahre 242 rueckte eine grosse roemische Armee
unter persoenlicher Fuehrung des Kaisers oder vielmehr seines Schwiegervaters in
Mesopotamien ein. Sie hatte vollstaendigen Erfolg; Karrhae wurde wieder
gewonnen, bei Resaina zwischen Karrhae und Nisibis das Heer des Perserkoenigs
Schapur oder Sapor (reg. 241-272), welcher kurz vorher seinem Vater Ardaschir
gefolgt war, auf das Haupt geschlagen, infolge dieses Sieges auch Nisibis
besetzt. Ganz Mesopotamien war zurueckerobert; es wurde beschlossen, zum Euphrat
zurueck und von da stromabwaerts gegen die feindliche Hauptstadt Ktesiphon zu
marschieren. Ungluecklicherweise starb Timesitheus und sein Nachfolger, Marcus
Iulius Philippus, ein geborener Araber aus der Trachonitis, benutzte die
Gelegenheit, den jungen Herrscher zu beseitigen. Als das Heer den schwierigen
Marsch durch das Tal des Chaboras nach dem Euphrat zurueckgelegt hatte, fanden,
angeblich infolge der von Philippus getroffenen Anordnungen, die Soldaten in
Kirkesion am Einfluss des Chaboras in den Euphrat die erwarteten Lebensmittel
und Vorraete nicht vor und legten dies dem Kaiser zur Last. Nichtsdestoweniger
wurde der Marsch in der Richtung auf Ktesiphon angetreten; aber schon auf der
ersten Station bei Zaitha (etwas unterhalb Mejadin) erschlugen eine Anzahl
aufstaendischer Gardisten den Kaiser (Fruehling oder Sommer 244) und riefen
ihren Kommandanten Philippus an seiner Stelle zum Augustus aus. Der neue
Herrscher tat, was der Soldat oder wenigstens der Gardist begehrte, und gab
nicht bloss die beabsichtigte Expedition gegen Ktesiphon auf, sondern fuehrte
auch die Truppen sogleich nach Italien zurueck. Die Erlaubnis dazu erkaufte er
sich von dem ueberwundenen Feind durch die Abtretung von Mesopotamien und
Armenien, also der Euphratgrenze. Indes erregte dieser Friedensschluss eine
solche Erbitterung, dass der Kaiser es nicht wagte, denselben zur Ausfuehrung zu
bringen und in den abgetretenen Provinzen die Besatzungen stehen liess ^82. Dass
die Perser sich dies wenigstens vorlaeufig gefallen liessen, gibt das Mass
dessen, was sie damals vermochten. Nicht die Orientalen, sondern die Goten, die
fuenfzehn Jahre hindurch wuetende Pest und die Zwietracht der miteinander um die
Krone hadernden Korpsfuehrer brachen die letzte Kraft des Reiches.
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^78 Die spaeterhin rezipierte Chronologie setzt den Beginn der
Sassanidendynastie auf das Seleukidenjahr 538 = 1. Oktober 226/27 n. Chr. oder
das vierte (volle) Jahr des seit Fruehling 222 regierenden Severus Alexander
(Agathias 4, 24). Nach anderen Daten zaehlte Koenig Ardaschir das Jahr Herbst
223/24 n. Chr. als sein erstes, nahm also wohl in diesem den Grosskoenigtitel an
(Noeldeke, Tabari, S. 410). Die letzte bis jetzt bekannte datierte Muenze des
aelteren Systems ist vom Jahre 539. Als Dion schrieb, zwischen 230 und 234, war
Artabanos tot und sein Anhang ueberwaeltigt, und wurde das Einruecken des
Artaxares in Mesopotamien und Syrien erwartet.
^79 Der Kaiser blieb wahrscheinlich in Palmyra; wenigstens gedenkt eine
palmyrenische Inschrift CIG 4483 der epid/e/mia theo? Alexandroy.
^80 Die unvergleichlich schlechten Berichte ueber diesen Krieg (der relativ
beste ist der aus gemeinschaftlicher Quelle bei Herodian, Zonaras und Synkellos