bosporanischen Lehnstaats die Zicher oder Zincher (das. c. 27).

^56 Ausser Arrian (peripl. m. Eux. c. 7) bestaetigt dies der Offizier aus

hadrianischer Zeit praepositus numerorum tendentium in Ponto Absaro (CIL X,

1202).

^57 Vgl. Anm. 63. Auch das im Jahre 185 in Valarschapat (Etschmiazin)

unweit Artaxata garnisonierende Detachement wahrscheinlich von 1000 Mann (weil

unter einem Tribun) gehoerte zu einer der kappadokischen Legionen (CIL III,

6052).

^58 Hadrians Bemuehung um die Freundschaft der orientalischen Lehnsfuersten

wird oft hervorgehoben, nicht ohne Hindeutung darauf, dass er sich mehr als

billig von ihnen habe gefallen lassen (vita c. 13, 17, 21). Pharasmanes von

Iberien kam auf seine Einladung nicht nach Rom, folgte aber derjenigen des Pius

(vita Hadr. 13, 21; vita Pii 9; Dio 69, 15, 2, welches Exzerpt unter Pius

gehoert).

^59 Den merkwuerdigen Bericht des Statthalters von Kappadokien unter

Hadrian, Flavius Arrianus, ueber die Mobilmachung der kappadokischen Armee gegen

die "Skythen" besitzen wir noch unter dessen kleinen Schriften; er war selbst am

Kaukasus und besichtigte die dortigen Paesse (Lyd. mag. 3, 53).

^60 Das lehren die Truemmer des Dionischen Berichts bei Xiphilin, Zonaras

und in den Exzerpten; die richtige Lesung Alanoi statt Albanoi hat Zonaras

bewahrt; dass die Alanen auch das Albanergebiet pluenderten, ergibt die Fassung

der exc. urs. LXXII.

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Die Stoerungen des Status quo kamen wieder von parthischer Seite. Die

Oberherrlichkeit der Roemer ueber Armenien hat in der Geschichte eine aehnliche

Rolle gespielt wie die des deutschen Kaiserreiches ueber Italien; wesenlos wie

sie war, wurde sie doch stets als Uebergriff empfunden und trug die Kriegsgefahr

im Schosse. Schon unter Hadrian drohte der Konflikt; es gelang dem Kaiser, in

einer persoenlichen Zusammenkunft mit dem Partherfuersten den Friedensstand zu

wahren. Unter Pius schien abermals die parthische Invasion Armeniens

bevorzustehen; seine ernste Abmahnung war zunaechst von Erfolg. Aber selbst

dieser friedfertigste aller Kaiser, dem es mehr am Herzen lag, das Leben eines

Buergers zu sparen als tausend Feinde zu toeten, musste in der letzten Zeit

seiner Regierung sich auf den Angriff gefasst machen und die Heere des Orients

verstaerken. Kaum hatte er die Augen geschlossen (161), als sich das lange

drohende Gewitter entlud. Auf Befehl des Koenigs Vologasos IV. rueckte der

persische Feldherr Chosroes ^61 in Armenien ein und setzte den Arsakidenprinzen

Pakoros auf den Thron. Der Statthalter von Kappadokien, Severianus, tat, was

seine Pflicht war, und fuehrte seinerseits die roemischen Truppen ueber den

Euphrat. Bei Elegeia, eben da, wo ein Menschenalter zuvor der ebenfalls von den

Parthern auf den armenischen Thron gesetzte Koenig Parthomasiris sich vor Traian

vergeblich gedemuetigt hatte, stiessen die Heere aufeinander; das roemische

wurde nicht bloss geschlagen, sondern in dreitaegigem Kampfe vernichtet; der

unglueckliche Feldherr gab, wie einst Varus, sich selber den Tod. Die

siegreichen Orientalen begnuegten sich nicht mit der Einnahme Armeniens, sondern

ueberschritten den Euphrat und brachen in Syrien ein; auch das dort stehende

Heer wurde geschlagen und man fuerchtete fuer die Treue der Syrer. Die roemische

Regierung hatte keine Wahl. Da die Truppen des Orients auch bei dieser

Gelegenheit ihre geringe Schlagfaehigkeit bewiesen und ueberdies durch die

erlittene Niederlage geschwaecht und demoralisiert waren, wurden aus dem Westen,

selbst vom Rhein her weitere Legionen nach dem Osten gesandt und in Italien

selbst Aushebungen angeordnet. Der eine der beiden kurz vorher zur Regierung

gelangten Kaiser, Lucius Verus, ging selbst nach dem Orient (162), um den

Oberbefehl zu uebernehmen; und wenn er, weder kriegerisch noch auch nur

pflichttreu, sich der Aufgabe nicht gewachsen zeigte und von seinen Taten im

Orient kaum etwas anderes zu berichten ist, als dass er mit seiner Nichte

daselbst Hochzeit machte und wegen seines Theaterenthusiasmus selbst von den

Antiochenern ausgelacht ward, so fuehrten die Statthalter von Kappadokien und

von Syrien, dort zuerst Statius Priscus, dann Martius Verus, hier Avidius

Cassius ^62, die besten Generale dieser Epoche, die Sache Roms besser als der

Traeger der Krone. Noch einmal, bevor die Heere aneinander kamen, boten die

Roemer den Frieden; gern haette Marcus den schweren Krieg vermieden. Aber

Vologasos wies die billigen Vorschlaege schroff zurueck; und diesmal war der

friedfertige Nachbar auch der staerkere. Armenien wurde sofort wieder gewonnen;

schon im Jahre 163 nahm Priscus die Hauptstadt Artaxata ein und zerstoerte sie.

Nicht weit davon wurde die neue Landeshauptstadt, Kainepolis, armenisch Nor-

Khalakh oder Valarschapat (Etschmiazin), von den Roemern erbaut und mit starker

Besatzung belegt ^63. Im Jahre darauf wurde an Pakoros' Stelle Sohaemos, der

Abstammung nach auch ein Arsakide, aber roemischer Untertan und roemischer

Senator, zum Koenig von Gross-Armenien ernannt ^64. Rechtlich also aenderte in

Armenien sich nichts; doch wurden die Bande, die es an Rom knuepften, straffer

angezogen.

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^61 So heisst er bei Lukian hist. conscr. 21; wenn derselbe ihn Alex. 27

Othryades nennt, so schoepft er hier aus einem Historiker von dem Schlage derer,

welche er in jener Schrift verspottet und von denen ein anderer denselben Mann

als Oxyroes hellenisierte (hist. conscr. 18).

^62 Syrien verwaltete, als der Krieg ausbrach, L. Attidius Cornelianus (CIG

4661 vom Jahre 160; vita Marci 8; CIL III 129 vom Jahre 162), nach ihm Iulius

Verus (CIL III, 199, wahrscheinlich vom Jahre 163), alsdann Avidius Cassius,

vermutlich seit dem Jahre 164. Dass die uebrigen Provinzen des Ostens an

Cassius' Befehle gewiesen wurden (vit. soph. 1, 13; Dio 71, 3), aehnlich wie

dies bei Corbulo als Legaten von Kappadokien geschehen war, kann sich nur auf

die Zeit nach dem Abgang des Kaisers Verus beziehen; solange dieser den

nominellen Oberbefehl fuehrte, ist dafuer kein Raum.

^63 Ein wahrscheinlich Dionisches Fragment (bei Suidas unter Martios)

erzaehlt, dass Priscus in Armenien die Koin/e/ polis anlegte und mit roemischer

Besatzung versah, sein Nachfolger Martius Verus die dort entstandene nationale

Bewegung beschwichtigte und diese Stadt zur ersten Armeniens erklaerte. Dies ist

Valarschapat (Oyalasarpat oder Oyaleroktist/e/ bei Agathangelos), seitdem die

Hauptstadt Armeniens. Koin/e/ polis ist, wie mich Kiepert belehrt, schon von

Stilting erkannt als abersetzung des armenischen Ntr-Khalakh, welche zweite

Benennung Valarschapat bei den armenischen Autoren des fuenften Jahrhunderts

stets neben der gewoehnlichen fuehrt. Moses von Khorene laesst nach Bardesanes

die Stadt aus einer unter Koenig Tigran VI., der nach ihm 150-188 regiert,

hierhin gefuehrten Judenkolonie entstehen; ihre Ummauerung und Benennung fuehrt

er auf dessen Sohn Valarsch II. 188-208 zurueck. Dass die Stadt im Jahre 185

starke roemische Besatzung hatte, zeigt die Inschrift CIL III, 6052.

^64 Dass Sohaemos Achaemenide und Arsakide war (oder zu sein vorgab) und

Koenigssohn und Koenig so wie roemischer Senator und Konsul, bevor er Koenig von

Gross-Armenien ward, sagt sein Zeitgenosse Iamblichos (c. 10 des Auszugs bei

Photios). Wahrscheinlich gehoert er der Dynastenfamilie von Hemesa an (Ios. ant.

Iud. 20, 8, 4 und sonst). Wenn Iamblichos der Babylonier "unter ihm" schrieb, so

kann dies wohl nur so verstanden werden, dass er seinen Roman in Artaxata

verfasst hat. Dass Sohaemos vor Pakoros ueber Armenien geherrscht hat, wird

nirgend gesagt und ist nicht wahrscheinlich, da weder Frontos Worte (p. 127

Naber) quod Sohaemo potius quam Vologaeso regnum Armeniae dedisset aut quod

Pacorum regno privasset noch die des Fragments aus Dio (?) 71, 1: Martios

Oy/e/ros ton THoykydid/e/n ekpempei katagagein Sosimon es Arm/e/nian auf

Wiedereinsetzung fuehren, die Muenzen aber mit rex Armeniis datus (Eckhel 7, S.

91; vgl. vita Veri 7, 8) diese in der Tat ausschliessen. Den Vorgaenger des

Pakoros kennen wir nicht und wissen nicht einmal, ob der Thron, den er einnahm,

erledigt oder besetzt war.

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Ernster waren die Kaempfe in Syrien und Mesopotamien. Die Euphratlinie

wurde von den Parthern hartnaeckig verteidigt; nach einem lebhaften Gefecht am

rechten Ufer bei Sura wurde die Festung Nikephorion (Rakka) auf dem linken von

den Roemern erstuermt. Noch heftiger wurde um den Uebergang bei Zeugma

gestritten; aber auch hier blieb in der entscheidenden Schlacht bei Europos

(Djerabis, suedlich von Biredjik) den Roemern der Sieg. Sie rueckten nun

ihrerseits in Mesopotamien ein. Edessa wurde belagert, Dausara unweit davon

erstuermt; die Roemer erschienen vor Nisibis; der parthische Feldherr rettete

sich schwimmend ueber den Tigris. Die Roemer konnten von Mesopotamien aus den

Marsch nach Babylon antreten. Die Satrapen verliessen teilweise die Fahnen des

geschlagenen Grosskoenigs; Seleukeia, die grosse Kapitale der Hellenen am

Euphrat, oeffnete den Roemern freiwillig die Tore, wurde aber spaeter, weil die

Buergerschaft mit Recht oder mit Unrecht des Einverstaendnisses mit dem Feinde

beschuldigt ward, von den Roemern niedergebrannt. Auch die parthische Hauptstadt

Ktesiphon wurde genommen und zerstoert; mit gutem Grund konnte zu Anfang des

Jahres 165 der Senat die beiden Herrscher als die parthischen Grosssieger

begruessen. In dem Feldzug dieses Jahres drang Cassius sogar in Medien ein;

indes namentlich die in diesen Gegenden ausbrechende Pest dezimierte die Truppen

und noetigte zur Umkehr, beschleunigte vielleicht auch den Friedensschluss. Das

Ergebnis des Krieges war die Abtretung des westlichen Strichs von Mesopotamien:

die Fuersten von Edessa oder von Osrhoene traten in den roemischen Lehnsverband

und die Stadt Karrhae, seit langem gut griechisch gesinnt, wurde Freistadt unter

roemischem Schutz ^65. Dem Umfang nach war, zumal dem vollstaendigen

Kriegserfolg gegenueber, der Gebietszuwachs maessig, dennoch aber von Bedeutung,

insofern damit die Roemer Fuss fassten am linken Ufer des Euphrat. Im uebrigen

wurden die besetzten Gebiete den Parthern zurueckgegeben und der Status quo

wiederhergestellt. Im ganzen also gab man die zurueckhaltende, von Hadrian

aufgenommene Politik jetzt wieder auf und lenkte ein in die Bahn des Traianus.

Es ist dies um so bemerkenswerter, als der Regierung des Marcus gewiss nicht

Ehrgeiz und Vergroesserungsstreben zum Vorwurf gemacht werden kann; was sie tat,

tat sie notgedrungen und in bescheidenen Grenzen.

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^65 Dies zeigen die mesopotamischen Koenigs- und Stadtmuenzen. Berichte

ueber die Friedensbedingungen fehlen in unserer Ueberlieferung.

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Den gleichen Weg ging weiter und entschiedener Kaiser Severus. Das

Dreikaiserjahr 193 hatte zum Kriege zwischen den Legionen des Westens und denen

des Ostens gefuehrt, und mit Pescennius Niger waren diese unterlegen. Die

roemischen Lehnsfuersten des Ostens und nicht minder der Beherrscher der

Parther, Vologasos V., des Sanatrukios Sohn, hatten, wie begreiflich, den Niger

anerkannt und ihm sogar ihre Truppen zur Verfuegung gestellt; dieser hatte erst

dankend abgelehnt, dann, als seine Sache eine ueble Wendung nahm, ihre Hilfe

angerufen. Die uebrigen roemischen Lehnstraeger, vor allem der von Armenien,

hielten sich vorsichtig zurueck; nur der Fuerst von Edessa, Abgaros, sandte den

verlangten Zuzug. Die Parther versprachen Hilfe, und sie kam auch wenigstens aus

den naechsten Distrikten, von dem Fuersten Barsemias von Hatra in der

mesopotamischen Wueste und von jenseits des Tigris von dem Satrapen der

Adiabener. Auch nach Nigers Tod (194) blieben diese Fremden nicht bloss in dem

roemischen Mesopotamien, sondern forderten sogar das Herausziehen der daselbst

stehenden roemischen Besatzungen und die Rueckgabe dieses Gebiets ^66. Darauf

rueckte Severus in Mesopotamien ein und nahm die ganze ausgedehnte und wichtige

Landschaft in Besitz. Von Nisibis aus wurde eine Expedition gegen den

Araberfuersten von Hatra gefuehrt, der es indes nicht gelang, die feste Stadt zu

nehmen; auch jenseits des Tigris gegen den Satrapen von Adiabene richteten die

Generale des Severus nichts Bedeutendes aus ^67. Aber Mesopotamien, das heisst

das ganze Gebiet zwischen Euphrat und Tigris bis zum Chaboras, wurde roemische

Provinz und mit zwei dieser Gebietserweiterung wegen neu geschaffenen Legionen

belegt. Das Fuerstentum Edessa blieb als roemische Lehnsherrschaft bestehen, war

aber jetzt nicht mehr Grenzgebiet, sondern von unmittelbarem Reichsland

umschlossen. Hauptstadt der neuen Provinz und Sitz des Statthalters wurde die

ansehnliche und feste Stadt Nisibis, seitdem nach dem Namen des Kaisers genannt

und als roemische Kolonie geordnet. Nachdem also von dem Parthischen Reiche ein

wichtiger Gebietsteil abgerissen und gegen zwei von ihm abhaengige Satrapen

Waffengewalt gebraucht worden war, machte sich der Grosskoenig mit den Truppen

auf, um den Roemern entgegenzutreten. Severus bot die Hand zum Frieden und trat

fuer Mesopotamien einen Teil von Armenien ab. Indes war damit die

Waffenentscheidung nur vertagt. So wie Severus nach dem Westen aufgebrochen war,

wohin die Verwicklung mit seinem Mitherrscher in Gallien ihn abrief, brachen die

Parther den Frieden ^68 und rueckten in Mesopotamien ein; der Fuerst von

Osrhoene ward vertrieben, das Land besetzt und der Statthalter Laetus, einer der

vorzueglichsten Kriegsmaenner der Zeit, in Nisibis belagert. Er schwebte in

grosser Gefahr, als Severus, nachdem Albinus unterlegen war, im Jahre 198

abermals im Orient eintraf. Damit wendete sich das Kriegsglueck. Die Parther

wichen zurueck, und nun ergriff Severus die Offensive. Er rueckte in Babylonien

ein und gewann Seleukeia und Ktesiphon; der Partherkoenig rettete sich mit

wenigen Reitern durch die Flucht, der Kronschatz wurde die Beute der Sieger, die

parthische Hauptstadt den roemischen Soldaten zur Pluenderung preisgegeben und

ueber 100000 Gefangene auf den roemischen Sklavenmarkt gebracht. Besser freilich

als der Partherstaat selbst wehrten sich die Araber in Hatra; vergeblich

versuchte Severus in zwiefacher schwerer Belagerung, die Wuestenburg zu

bezwingen. Aber im wesentlichen war der Erfolg der beiden Feldzuege der Jahre

198 und 199 ein vollstaendiger. Durch die Einrichtung der Provinz Mesopotamien

und des grossen Kommandos daselbst verlor Armenien die Zwischenstellung, welche

es bisher gehabt hatte; es konnte in den bisherigen Verhaeltnissen verbleiben

und von der foermlichen Einverleibung abgesehen werden. Das Land behielt also

seine eigenen Truppen, und die Reichsregierung hat sogar fuer dieselben

spaeterhin einen Zuschuss aus der Reichskasse gezahlt ^69.

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^66 Der Anfang des ursinischen Exzerpts Dio 75, 1, 2 ist verwirrt. Oi

Orrs/e/noi, heisst es, kai oi Adiab/e/noi apostantes kai Nisibin poliorko?ntes

kai /e/tt/e/thentes ypo Seoy/e/roy epresbe?sano pros ayton meta ton to? Nigroy

thanaton. Osrhoene war damals roemisch, Adiabene parthisch; von wem fallen die

beiden Landschaften ab? und wessen Partei haben die Nisibener ergriffen? Dass

deren Gegner vor Absendung der Gesandtschaft von Severus geschlagen worden,

widerspricht dem Verlauf der Erzaehlung; denn weil ihre Gesandten dem Severus

ungenuegende Anerbietungen machen, ueberzieht sie dieser mit Krieg.

Wahrscheinlich ist die Unterstuetzung Nigers durch Untertanen der Parther und

deren Gemeinschaft mit Nigers roemischem Parteigaenger nun genau als Abfall von

Severus aufgefasst; dass die Leute nachher behaupten, sie haetten beabsichtigt,

vielmehr Severus zu unterstuetzen, wird deutlich als Ausflucht bezeichnet. Die

Nisibener moegen sich geweigert haben mitzutun und deshalb von den Anhaengern

Nigers angegriffen worden sein. So erklaert es sich, was auch aus dem

Xiphilinischen Auszug Dio 75, 2 erhellt, dass das linke Euphratufer fuer Severus

Feindesland war, nicht aber Nisibis; roemisch braucht die Stadt darum damals

nicht gewesen zu sein, vielmehr ist sie nach allen Spuren dies erst durch

Severus geworden.

^67 Da die Kriege gegen die Araber und die Adiabener in der Tat gegen die

Parther gerichtet waren, so war es in der Ordnung, dass dem Kaiser deswegen die

Titel Parthicus Arabicus und Parthicus Adiabenicus erteilt wurden; sie finden

sich auch, aber gewoehnlich bleibt Parthicus weg, offenbar weil, wie der

Biograph des Severus sagt (c. 9), excusavit Parthicum nomen, ne Parthos

lacesseret. Dazu stimmt die sicher in das Jahr 195 gehoerende Notiz bei Dio 75,

9, 6 ueber das friedliche Abkommen mit den Parthern und die Abtretung eines

Stueckes von Armenien an sie.

^68 Dass auch Armenien in ihre Gewalt geriet, deutet Herodian 5, 9, 2 an;

freilich ist seine Darstellung schief und fehlerhaft.

^69 Als bei dem Frieden im Jahre 218 das alte Verhaeltnis zwischen Rom und

Armenien erneuert wurde, machte der Koenig von Armenien sich Aussicht auf

Erneuerung der roemischen Jahresgelder (Dio 78, 27: to? Tiridatoy to arg?rion o

kat' etos para t/o/n R/o/mai/o/n eyrisketo elpisantos l/e/psesthai). Eigentliche

Tributzahlung der Roemer an die Armenier ist fuer die severische und die

vorseverische Zeit ausgeschlossen, stimmt auch keineswegs zu den Worten Dios;

der Zusammenhang wird der bezeichnete sein. Im 4. und 5. Jahrhundert wurde das

Kastell von Biriparach im Kaukasus, das den Darielpass sperrte, von den Persern,

die seit dem Frieden von 364 hier die Herren spielten, mit roemischem Zuschuss

unterhalten und dies ebenfalls als Tributzahlung aufgefasst (Lyd. mag. 3, 52,

53; Priscus fr. 31 Mueller).

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Die weitere Entwicklung dieser Nachbarverhaeltnisse ist bedingt durch die

Verschiebung der inneren Ordnung in den beiden Reichen. Wenn unter der Dynastie

Nervas und nicht minder unter Severus dem oft von Buergerkrieg und Thronfehde

zerrissenen Partherstaat die relativ stabile roemische Monarchie ueberlegen

gegenuebergestanden hatte, so brach diese Ordnung nach Severus' Tode zusammen,

und fast ein Jahrhundert lang folgten sich in dem Westreich meist elende und

durchaus ephemere Regenten, die dem Ausland gegenueber stetig schwankten

zwischen Uebermut und Schwaeche. Waehrend also die Schale des Westens sank,

stieg diejenige des Ostens. Wenige Jahre nach dem Tode des Severus (211) traf in

Iran eine Umwaelzung ein, welche nicht bloss, wie so viele fruehere Krisen, den

herrschenden Regenten stuerzte, nicht einmal bloss eine andere Dynastie an die

Stelle der verkommenen Arsakiden ans Regiment rief, sondern die nationalen und

religioesen Elemente zu gewaltigem Aufschwung entfesselnd an die Stelle der vom

Hellenismus durchdrungenen Bastardzivilisation des Partherstaats die

Staatsordnung, den Glauben, die Sitte und die Fuersten derjenigen Landschaft

setzte, welche das alte Perserreich geschaffen hatte und seit dessen Uebergang

an die parthische Dynastie wie die Graeber des Dareios und des Xerxes, so auch

die Keime der Wiedergeburt des Volkes in sich bewahrte. Es erfolgte die

Wiederherstellung des von Alexander niedergeworfenen Grosskoenigtums der Perser

durch das Eintreten der Dynastie der Sassaniden. Werfen wir auf diese neue

Gestaltung der Dinge einen Blick, bevor wir den Verlauf der roemisch-parthischen

Beziehungen im Orient weiter verfolgen.

Es ist schon ausgesprochen worden, dass die parthische Dynastie, obwohl in

der Tat sie Iran dem Hellenismus entrissen hatte, doch der Nation sozusagen als

illegitim galt. Artahschatr oder neupersisch Ardaschir, so berichtet die

offizielle Historiographie der Sassaniden, trat auf, um das Blut des von

Alexander ermordeten Dara zu raechen und um die Herrschaft an die legitime

Familie zurueckzubringen und sie so wieder herzustellen, wie sie zur Zeit seiner

Vorfahren, vor den Teilkoenigen gewesen war. In dieser Legende steckt ein gutes

Stueck Wirklichkeit. Die Dynastie, welche von dem Grossvater Ardaschirs, Sasan,

den Namen fuehrt, ist keine andere als die koenigliche der persischen

Landschaft; Ardaschirs Vater Papak oder Pabek ^70 und eine lange Reihe seiner

Ahnen hatten unter der Obergewalt der Arsakiden in diesem Stammlande der

iranischen Nation das Szepter gefuehrt ^71, in Istachr, unweit des alten

Persepolis, residiert und ihre Muenzen mit iranischer Sprache und iranischer

Schrift und mit den heiligen Emblemen des persischen Landesglaubens bezeichnet,

waehrend die Grosskoenige in dem halb griechischen Grenzland ihren Sitz hatten

und ihre Muenzen in griechischer Sprache und griechischer Weise praegen liessen.

Die Grundordnung des iranischen Staatensystems, das den Teilkoenigen

uebergeordnete Grosskoenigtum, ist unter den beiden Dynastien ebensowenig eine

verschiedene gewesen, wie die des Reiches Deutscher Nation unter den

saechsischen und den schwaebischen Kaisern. Nur darum wird in jener offiziellen

Version die Arsakidenzeit als die der Teilkoenige und Ardaschir als das erste

gemeinsame Haupt von ganz Iran nach dem letzten Dareios bezeichnet, weil im

alten Persischen Reich die persische Landschaft wie zu den uebrigen, so auch zu

den Parthern sich verhaelt wie im roemischen Staat Italien zu den Provinzen, und

der Perser dem Parther die Legitimation fuer das von Rechts wegen mit seiner

Landschaft verbundene Grosskoenigtum bestritt ^72.

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^70 Artaxares nennt seinen Vater Papakos in der Anm. 74 angefuehrten

Inschrift Koenig; wie damit auszugleichen ist, dass nicht bloss die einheimische

Legende (bei Agathias 2, 27) den Pabek zum Schuster macht, sondern auch der

Zeitgenosse Dion (wenn in der Tat Zon. 12, 15 diese Worte aus ihm entlehnt hat)

den Artaxares nennt ex aphan/o/n kai adox/o/n, wissen wir nicht. Natuerlich

nehmen die roemischen Schriftsteller fuer den schwachen legitimen Arsakiden

Partei gegen den gefaehrlichen Usurpator.

^71 Strabon (unter Tiberius) 15, 3, 24: n?n d'/e/d/e/ kath' ayto?s

synest/o/tes oi Persai basileas echoysin yp/e/kooys eterois basile?si, proteron

men Makedosi, n?n de Parthyaiois.

^72 Wenn Noeldeke sagt (Tabari, S. 449): "Dass die Hauptlaender der

Monarchie direkt der Krone unterworfen waren, bildete den Hauptunterschied des

Sassanidenreichs vom arsakidischen, welches in den verschiedensten Provinzen

wirkliche Koenige hatte", so wird die Macht des Grosskoenigtums ohne Zweifel

durchaus durch die Persoenlichkeit des Inhabers bedingt und unter den ersten

Sassaniden eine viel staerkere gewesen sein als unter den letzten verkommenen

Arsakiden. Aber ein prinzipieller Gegensatz ist nicht erfindlich. Von

Mithradates I. an, dem eigentlichen Gruender der Dynastie, nennt sich der

arsakidische Herrscher "Koenig der Koenige", eben wie spaeter der sassanidische,

waehrend Alexander der Grosse und die Seleukiden diesen Titel nie gefuehrt

haben. Auch unter ihnen herrschten einzelne Lehnskoenige, zum Beispiel in der

Persis (Anm. 71); aber die regelmaessige Form der Reichsverwaltung war das

Lehnskoenigtum damals nicht und die griechischen Herrscher nannten sich nicht

danach, so wenig wie die Caesaren wegen Kappadokien oder Numidien den

Grosskoenigtitel annahmen. Die Satrapen des Arsakidenstaats sind wesentlich die

Marzbanen der Sassaniden. Eher moegen die grossen Reichsaemter, welche in der

sassanidischen Staatsordnung den Oberverwaltungsstellen der Diocletianisch-

Römische Geschichte — Buch 8 · 第 45 / 73 段