zwei der schon frueher nach Syrien gerufenen Legionen dort fest stationiert und
eine neu eingerichtete dorthin gelegt.
Nach dem juedischen Kriege unter Hadrian wurde die 6. ferrata von Syrien
nach Palaestina geschickt.
^43 In diese Zeit (vgl. CIL V, 6988) faellt auch wohl die kappadokische
Statthalterschaft des C. Rutilius Gallicus, von der es heisst (Star. silv. 1, 4,
78): hunc . . . timuit . . . Armenia et patiens Latii iam pontis Araxes,
vermutlich mit Beziehung auf einen von dieser roemischen Besatzung ausgefuehrten
Brueckenbau. Dass Gallicus unter Corbulo gedient hat, ist bei dem Stillschweigen
des Tacitus nicht wahrscheinlich.
^44 Dass, waehrend M. Ulpius Traianus, der Vater des Kaisers, Statthalter
von Syrien war, unter Vespasian im Jahre 75 Krieg am Euphrat auszubrechen
drohte, sagt Plinius in seiner Lobrede auf den Sohn c. 14, wahrscheinlich mit
starker Uebertreibung; die Ursache ist unbekannt.
^45 Es gibt datierte und mit den Individualnamen der Koenige versehene
Muenzen von (V)ologasos aus den Jahren 389 und 390 = 77-78; von Pakoros aus den
Jahren 389-394 = 77-82 (und wieder 404-407 = 92-95); von Artabanos aus dem Jahr
392 = 80/81. Die entsprechenden geschichtlichen Daten sind, bis auf die
Artabanos und Titus verknuepfende Notiz bei Zonaras (11, 18; vgl. Suet. Nero 57;
Tac. hist. 1, 2), verschollen, aber die Muenzen deuten auf eine Epoche rascher
Thronwechsel und, wie es scheint, simultaner Praegung streitender Praetendenten.
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Zu einem Konflikt kam es unter Traianus. In den frueheren Jahren seiner
Regierung hatte er in den oestlichen Verhaeltnissen nichts Wesentliches
geaendert, abgesehen von der Verwandlung der an der Grenze der syrischen Wueste
bis dahin bestehenden beiden Klientelstaaten, des nabataeischen von Petra und
des juedischen von Caesarea Paneas, in unmittelbar roemische Verwaltungsbezirke
(106). Die Beziehungen zu dem damaligen Herrscher des Partherreiches, dem Koenig
Pakoros, waren nicht die freundlichsten ^46, aber erst unter dessen Bruder und
Nachfolger Chosroes kam es zum Bruch, und zwar wiederum ueber Armenien. Die
Schuld davon trugen die Parther. Indem Traianus den erledigten armenischen
Koenigsthron dem Sohn des Pakaros, Axidares, verlieh, hielt er sich innerhalb
der Grenzen seines Rechts; aber Koenig Chosroes bezeichnete diese
Persoenlichkeit als unfaehig zu regieren und setzte eigenmaechtig einen anderen
Sohn des Pakoros, den Parthomasiris, an dessen Stelle zum Koenig ein ^47. Die
Antwort darauf war die roemische Kriegserklaerung. Gegen Ausgang des Jahres 114
^48 verliess Traianus die Hauptstadt, um sich an die Spitze der roemischen
Truppen des Ostens zu stellen, die allerdings wieder in dem tiefsten Verfall
sich befanden, aber von dem Kaiser schleunigst reorganisiert und ausserdem durch
bessere, aus Pannonien herbeigezogene Legionen verstaerkt wurden ^49. In Athen
trafen ihn Gesandte des Partherkoenigs; aber sie hatten nichts zu bieten als die
Anzeige, dass Parthomasiris bereit sei, Armenien als roemisches Lehen
entgegenzunehmen, und wurden abgewiesen. Der Krieg begann. In den ersten
Gefechten am Euphrat zogen die Roemer den kuerzeren ^50, aber als der alte
schlagfertige und sieggewohnte Kaiser im Fruehjahr des Jahres 115 selbst sich an
die Spitze der Truppen stellte, unterwarfen sich ihm die Orientalen fast ohne
Gegenwehr. Es kam hinzu, dass bei den Parthern wieder einmal der Buergerkrieg im
Gange und gegen Chosroes ein Praetendent Manisaros aufgetreten war. Von
Antiocheia aus marschierte der Kaiser an den Euphrat und weiter nordwaerts bis
zu dem noerdlichsten Legionslager Satala in Klein-Armenien, von wo aus er in
Armenien einrueckte und die Richtung auf Artaxata nahm. Unterwegs in Elegeia
erschien Parthomasiris und nahm das Diadem vom Haupte, in der Hoffnung, durch
diese Demuetigung, wie einst Tiridates, die Belehnung zu erwirken. Allein
Traianus war entschlossen, auch diesen Lehnsstaat zur Provinz zu machen und
ueberhaupt die oestliche Reichsgrenze zu verlegen. Dies erklaerte er dem
Partherfuersten vor dem versammelten Heer und wies ihn an, mit seinem Gefolge
sofort das Lager und das Reich zu raeumen; es kam darueber zu einem Auflauf, bei
welchem der Praetendent das Leben verlor. Armenien ergab sich in sein Schicksal
und wurde roemische Statthalterschaft. Auch die Fuersten der Kaukasusvoelker,
der Albaner, der Iberer, weiter gegen das Schwarze Meer der Apsiler, der
Kolcher, der Heniocher, der Lazen und anderer mehr, selbst die der
transkaukasischen Sarmaten wurden in dem Lehnsverhaeltnis bestaetigt oder jetzt
demselben unterworfen. Traianus rueckte darauf in das Gebiet der Parther ein und
besetzte Mesopotamien. Auch hier fuegte sich alles ohne Schwertstreich; Batnae,
Nisibis, Singara kamen in die Gewalt der Roemer; in Edessa nahm der Kaiser nicht
bloss die Unterwerfung des Landesherrn Abgaros entgegen, sondern auch die der
uebrigen Dynasten, und gleich Armenien wurde Mesopotamien roemische Provinz. Die
Winterquartiere nahm Traianus abermals in Antiocheia, wo ein gewaltiges Erdbeben
mehr Opfer forderte als der Feldzug des Sommers. Im naechsten Fruehjahr (116)
ging Traian, "der Parthersieger", wie der Senat ihn jetzt begruesste, von
Nisibis aus ueber den Tigris und besetzte, nicht ohne bei dem Uebergang und
nachher Widerstand zu finden, die Landschaft Adiabene; dies wurde die dritte
neue roemische Provinz, Assyria genannt. Weiter ging der Marsch den Tigris
abwaerts nach Babylonien; Seleukeia und Ktesiphon fielen in die Haende der
Roemer und mit ihnen der goldene Thronsitz des Koenigs und dessen Tochter;
Traianus gelangte bis nach der persischen Satrapie Mesene und der grossen
Kaufstadt an der Tigrismuendung Charax Spasinu. Auch dieses Gebiet scheint dem
Reich in der Weise einverleibt worden zu sein, dass die neue Provinz
Mesopotamien das gesamte von den beiden Fluessen umschlossene Gebiet umfasste.
Mit sehnsuechtigen Gedanken soll Traianus hier sich die Jugend Alexanders
gewuenscht haben, um von dem Ufersaum des Persischen Meeres aus seine Waffen in
das indische Wunderland zu tragen. Indes, er erfuhr bald, dass er sie fuer
naehere Gegner brauchte. Das grosse Partherreich hatte bisher dem Angriff kaum
ernstlich die Stirn geboten und oftmals vergeblich um Frieden gebeten. Jetzt
aber, auf dem Rueckweg in Babylon, trafen den Kaiser die Botschaften von dem
Abfall Babyloniens und Mesopotamiens; waehrend er an der Tigrismuendung
verweilte, hatte gegen ihn die gesamte Bevoelkerung dieser neuen Provinzen sich
erhoben ^51; die Buerger von Seleukeia am Tigris, von Nisibis, ja von Edessa
selbst machten die roemischen Besatzungen nieder oder verjagten sie und
schlossen ihre Tore. Der Kaiser sah sich genoetigt, seine Truppen zu teilen und
gegen die verschiedenen Herde des Aufstandes einzelne Korps zu schicken; eine
dieser Legionen unter Maximus wurde mit ihrem Feldherrn in Mesopotamien
umzingelt und niedergehauen. Doch ward der Kaiser der Insurgenten Herr,
namentlich durch den schon im Dakischen Kriege erprobten Feldherrn Lusius
Quietus, einen geborenen Maurenscheich. Seleukeia und Edessa wurden belagert und
niedergebrannt. Traianus ging so weit, Parthien zum roemischen Vasallenstaat zu
erklaeren und belehnte damit in Ktesiphon einen Parteigaenger Roms, den Parther
Parthamaspates, obwohl die roemischen Soldaten nicht mehr als den westlichen
Saum des grossen Reiches betreten hatten. Alsdann schlug er den Rueckweg nach
Syrien ein auf dem Wege, den er gekommen war, unterwegs aufgehalten durch einen
vergeblichen Angriff auf die Araber in Hatra, der Residenz des Koenigs der
tapferen Staemme der mesopotamischen Wueste, deren gewaltige Festungswerke und
prachtvolle Bauten noch heute in ihren Ruinen imponieren. Er beabsichtigte, den
Krieg im naechsten Jahre fortzusetzen, also die Unterwerfung der Parther zur
Wahrheit zu machen. Aber das Gefecht in der Wueste von Hatra, in welchem der
sechzigjaehrige Kaiser tapfer mit den arabischen Reitern sich herumgeschlagen
hatte, sollte sein letztes sein. Er erkrankte und starb auf der Heimreise (8.
August 117), ohne seinen Sieg vollenden und die Siegesfeier in Rom abhalten zu
koennen; es war in seinem Sinn, dass ihm noch nach dem Tode die Ehre des
Triumphes zuteil ward und er daher der einzige der vergoetterten roemischen
Kaiser ist, welcher auch als Gott noch den Siegestitel fuehrt.
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^46 Das beweist die abgerissene Notiz aus Arrian bei Suid. (u. d. W.
epikl/e/ma): o de Pakoros o Parthyai/o/n basile?s kai alla tina epikl/e/mata
p?phere Traian/o/ t/o/ basilei und die Aufmerksamkeit, welche in Plinius um das
Jahr 112 geschriebenem Bericht an den Kaiser (epist. ad Trai. 74) den
Beziehungen zwischen Pakoros und dem Dakerkoenig Decebalus gewidmet wird. Die
Regierungszeit dieses parthischen Koenigs laesst sich nicht genuegend fixieren.
Parthische Muenzen mit Koenigsnamen gibt es aus der ganzen Zeit Traians nicht;
die Silberpraegung scheint waehrend derselben geruht zu haben.
^47 Dass Axidares (oder Exedares) ein Sohn des Pakoros und vor
Parthomasiris Koenig von Armenien gewesen, aber durch Chosroes abgesetzt worden
war, zeigen die Truemmer des Dionischen Berichts 68, 17; und darauf fuehren auch
die beiden Arrianischen Fragmente (16 Mueller), das erste, wahrscheinlich aus
einer Ansprache eines Vertreters der Interessen des Axidares an Traian:
Axidar/e/n de oti archein chr/e/ Armenias, o? moi dokei einai se amphilogon,
worauf wohl die gegen Parthomasiris vorliegenden Beschwerden folgten, und die
Antwort, offenbar des Kaisers, dass es nicht des Axidares Sache sei, sondern
seine, ueber Parthomasiris zu richten, weil er wie es scheint Axidares - zuerst
den Vertrag gebrochen und dafuer gebuesst habe. Welche Verschuldung der Kaiser
dem Axidares zur Last legt, erhellt nicht; aber auch bei Dio sagt Chosroes, dass
er weder den Roemern noch den Parthern genuegt habe.
^48 Die Truemmer des Dionischen Berichts bei Xiphilinus und Zonaras zeigen
deutlich, dass der parthische Feldzug in zwei Kampagnen zerfaellt, die erste
(Dio 56, 17, 1 ; 18, 2; 23-25), welche durch das Konsulat des Pedo auf 115
fixiert wird (auch das Datum des Malalas p. 275 fuer das Erdbeben von Antiocheia
13. Dezember 164 der antiochenischen Aera = 115 n. Chr. stimmt ueberein), und
die zweite (Dio 26-32, 3), welche durch die zwischen April und August dieses
Jahres erfolgte (s. meine Notiz bei J. G. Droysen, Geschichte des Hellenismus.
Bd. 3, 2. Aufl., Gotha 1877, S. 361) Erteilung des Titels Parthicus (28, 2) auf
116 fixiert wird. Dass c. 23 die Titel Optimus (erteilt im Laufe des Jahres 114)
und Parthicus ausser der Zeitfolge erwaehnt werden, lehrt sowohl ihre
Zusammenstellung wie die spaetere Wiederkehr der zweiten Ehre. Von den
Fragmenten gehoeren die meisten in den ersten Feldzug, c. 22, 3 und wohl auch
22, 1, 2 in den zweiten.
Die imperatorischen Akklamationen stehen nicht im Wege. Traianus war
erweislich im Jahre 113 imp. VI (CIL VI, 960); im Jahre 114 imp. VII (CIL IX,
1558 und sonst); im Jahre 115 imp. IX (CIL IX, 5894 und sonst) und imp. XI
(Fabretti 398, 289 und sonst); im Jahre 116 imp. XII (CIL VIII, 621; X, 1634)
und XIII (CIL III D; XXVII). Dio bezeugt eine Akklamation aus dem Jahre 115 (68,
19) und eine aus dem Jahre 116 (68, 28); fuer beide ist reichlich Raum und kein
Grund vorhanden, gerade imp. VII auf die Unterwerfung Armeniens zu beziehen, wie
das versucht worden ist.
^49 Die drastische Schilderung der syrischen Armee Traians bei Fronto (p.
206 f. Naber) stimmt fast woertlich mit der der Armee des Corbulo bei Tac. ann.
13, 35. "Durch die lange Entwoehnung vom Kriegsdienst waren die roemischen
Truppen ueberhaupt arg heruntergekommen (ad ignaviam redactus); aber die
elendesten unter den Soldaten waren die syrischen, unbotmaessig, stoerrig, beim
Appell unpuenktlich, nicht auf dem Posten zu finden, von Mittag an betrunken;
selbst die Ruestung zu tragen ungewohnt und der Strapazen unfaehig und des einen
Waffenstueckes nach dem andern sich entledigend, halb nackt wie die Leichten und
Schuetzen. Ausserdem waren sie durch die erlittenen Schlappen so demoralisiert,
dass sie beim ersten Anblick der Parther den Ruecken wandten und die Hoerner
ihnen gleichsam galten als das Signal gebend zum Davonlaufen." In der
gegensaetzlichen Schilderung Traians heisst es unter anderm: "er ging nicht
durch die Zelte, ohne sich um den Soldaten genau zu bekuemmern, sondern zeigte
seine Verachtung gegen den syrischen Luxus und sah sich die rohe Wirtschaft der
Pannonier an (sed contemnere - so ist zu lesen - Syrorum munditias, introspicere
Pannoniorum inscitias); so beurteilte er nach der Haltung (cultus) des Mannes
seine Brauchbarkeit (ingenium)." Auch in dem orientalischen Heer des Severus
werden die "europaeischen" und die syrischen Soldaten unterschieden (Dio 75,
12).
^50 Das zeigen die mala proelia in der angefuehrten Stelle Frontos und Dios
Angabe (68, 19), dass Traianus Samosata ohne Kampf einnahm; also hatte die dort
stationierte 16. Legion es verloren.
^51 Es mag sein, dass gleichzeitig auch Armenien abgefallen ist. Aber wenn
Gutschmid (bei Dierauer in M. Buedingers Untersuchungen zur roemischen
Kaisergeschichte. Bd. 1. Leipzig 1868, S. 179) den Meherdotes und Sanatrukios,
welche Malalas als Koenige Persiens in dem Traianischen Kriege auffuehrt, zu
Koenigen des wieder abfallenden Armenien macht, so wird dies erreicht durch eine
Kette verwegener Korrekturen, die die Personen- und die Voelkernamen ebenso
verschieben wie den pragmatischen Zusammenhang umgestalten. Es finden sich
allerdings in dem verwirrten Legendenknaeuel des Malalas wohl einige historische
Tatsachen, zum Beispiel die Einsetzung des Parthamaspates (der hier Sohn des
Koenigs Chosroes von Armenien ist) zum Koenig von Parthien durch Traian; und so
moegen auch die Daten von Traians Abfahrt aus Rom im Oktober (114), seiner
Landung in Seleukeia im Dezember und seinem Einzug in Antiocheia am 7. Januar
(115) korrekt sein. Aber wie dieser Bericht vorliegt, kann der
Geschichtschreiber ihn nur ablehnen, nicht rektifizieren.
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Traianus hatte den Krieg mit den Parthern nicht gesucht, sondern er war ihm
aufgenoetigt worden; nicht er, sondern Chosroes hatte das Abkommen ueber
Armenien gebrochen, welches die letzten vierzig Jahre hindurch die Grundlage des
Friedensstandes im Euphratgebiet gewesen war. Wenn es begreiflich ist, dass die
Parther sich dabei nicht beruhigten, da die fortdauernde Lehnsherrschaft der
Roemer ueber Armenien den Stachel zur Auflehnung in sich trug, so muss man auch
andererseits anerkennen, dass auf dem bisherigen Wege nicht weitergegangen
werden konnte, als Corbulo gegangen war; der unbedingte Verzicht auf Armenien
und, was davon die notwendige Folge war, die Anerkennung des Partherstaats in
voller Gleichberechtigung liegen nun einmal ausser dem Horizont der roemischen
Politik, so gut wie die Aufhebung der Sklaverei und aehnliche zu jener Zeit
undenkbare Gedanken. Wenn aber mit dieser Alternative nicht zu dauerhaftem
Frieden gelangt werden konnte, so blieb in dem grossen Dilemma der roemischen
Orientpolitik nur die andere uebrig, die Erstreckung der unmittelbaren
roemischen Herrschaft auf das linke Ufer des Euphrat. Darum ward Armenien jetzt
roemische Provinz und nicht minder Mesopotamien. Es war das nur sachgemaess. Die
Verwandlung Armeniens aus einem roemischen Lehnsstaat mit roemischer Besatzung
in eine roemische Statthalterschaft aenderte nach aussen hin nicht viel; die
Parther konnten aus Armenien wirksam nur ausgewiesen werden, indem sie den
Besitz der benachbarten Landschaft verloren; und vor allem fand die roemische
Herrschaft wie die roemische Provinzialverfassung in dem halb griechischen
Mesopotamien einen weit guenstigeren Boden als in dem durchaus orientalischen
Armenien. Andere Erwaegungen kamen hinzu. Die roemische Zollgrenze in Syrien war
uebel beschaffen, und den internationalen Verkehr von den grossen
Handelsplaetzen Syriens nach dem Euphrat und dem Tigris ganz in die Gewalt zu
bekommen, fuer den roemischen Staat ein wesentlicher Gewinn, wie denn auch
Traianus sofort daran ging, die neuen Euphrat- und Tigriszoelle einzurichten
^52. Auch militaerisch war die Tigrisgrenze leichter zu verteidigen als die
bisherige an der syrischen Wueste und weiter am Euphrat hinlaufende Grenzlinie.
Die Umwandlung der Landschaft Adiabene jenseits des Tigris in eine roemische
Provinz, wodurch Armenien Binnenprovinz ward, und die Umgestaltung des
Parthischen Reiches selbst in einen roemischen Lehnsstaat sind Korollarien
desselben Gedankens. Es soll in keiner Weise geleugnet werden, dass bei der
Eroberungspolitik die Konsequenz ein bedenkliches Lob ist und dass Traianus nach
seiner Art bei diesen Unternehmungen dem Streben nach aeusserlichem Erfolg mehr
als billig nachgegeben und ueber das verstaendige Ziel hinausgegriffen hat; aber
es geschieht ihm Unrecht, wenn sein Auftreten im Osten auf blinde Eroberungslust
zurueckgefuehrt wird ^53. Er tat, was Caesar, wenn er gelebt haette, auch getan
haben wuerde. Seine Politik ist nur die andere Seite derjenigen der
Staatsmaenner Neros, und beide sind so entgegengesetzt wie gleich folgerichtig
und gleich berechtigt. Die Folgezeit hat mehr der erobernden Politik recht
gegeben als derjenigen der Nachgiebigkeit.
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^52 Fronto p. 209 Naber: cum praesens Traianus Euphratis et Tigridis
portoria equorum et camelorum trib[utaque ordinaret, Ma]cer (?) caesus est. Dies
geht auf den Moment, wo, waehrend Traian an der Tigrismuendung verweilte,
Babylonien und Mesopotamien abfielen.
^53 Ungefaehr mit gleichem Recht laesst Julian (Caes. p. 328) den Kaiser
sagen dass er gegen die Parther die Waffen nicht ergriffen habe, bevor sie das
Recht verletzt haetten, und wirft ihm Dio (68, 17) vor, den Krieg aus Ehrgeiz
gefuehrt zu haben.
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Fuer den Augenblick freilich kam es anders. Die orientalischen Eroberungen
Traians durchleuchten den trueben Abend des Roemerreiches wie die Blitzstrahlen
die dunkle Nacht, aber wie diese bringen sie keinen neuen Morgen. Der Nachfolger
fand sich vor die Wahl gestellt, das unfertige Werk der Unterwerfung der Parther
zu vollenden oder fallen zu lassen. Ohne bedeutende Steigerung der Armee wie des
Budgets konnte die Grenzerweiterung ueberall nicht durchgefuehrt werden; und die
damit unvermeidlich gegebene Verschiebung des Schwerpunktes nach Osten war eine
bedenkliche Staerkung des Reiches. Hadrian und Pius lenkten also voellig wieder
ein in die Bahnen der frueheren Kaiserzeit. Den roemischen Lehnskoenig von
Parthien, den Parthamaspates, liess Hadrian fallen und fand ihn in anderer Weise
ab. Er raeumte Assyrien und Mesopotamien und gab diese Provinzen freiwillig dem
frueheren Herrn zurueck. Nicht minder sandte er diesem die gefangene Tochter;
das bleibende Zeichen des gewonnenen Sieges, den goldenen Thron von Ktesiphon,
weigerte selbst der friedfertige Plus sich, den Parthern wieder auszuliefern.
Hadrianus sowohl wie Pius waren ernstlich bemueht, mit dem Nachbarn in Frieden
und Freundschaft zu leben, und zu keiner Zeit scheinen die Handelsbeziehungen
zwischen den roemischen Entrepots an der syrischen Ostgrenze und den
Kaufstaedten am Euphrat reger gewesen zu sein als in dieser Epoche.
Armenien hoerte ebenfalls auf roemische Provinz zu sein und trat in seine
fruehere Stellung zurueck als roemischer Lehnsstaat und parthische
Sekundogenitur ^54. Abhaengig blieben gleichfalls die Fuersten der Albaner und
Iberer am Kaukasus und die zahlreichen kleinen Dynasten in dem suedoestlichen
Winkel des Schwarzen Meeres ^55. Roemische Besatzungen standen nicht bloss an
der Kueste in Apsaros ^56 und am Phasis, sondern nachweislich unter Commodus in
Armenien selbst unweit Artaxata; militaerisch gehoerten alle diese Staaten zum
Sprengel des Kommandanten von Kappadokien ^57. Indes scheint diese ihrem Wesen
nach sehr unbestimmte Oberhoheit ueberhaupt, und namentlich von Hadrian ^58, in
einer Weise gehandhabt zu sein, dass sie mehr als ein Schutzrecht erschien denn
als eigentliche Untertaenigkeit, und wenigstens die maechtigeren unter diesen
Fuersten taten und liessen im wesentlichen, was ihnen gefiel. Das schon frueher
hervorgehobene gemeinsame Interesse der Abwehr der wilden transkaukasischen
Staemme trat in dieser Epoche noch bestimmter hervor und hat offenbar namentlich
zwischen Roemern und Parthern als ein Band gedient. Gegen das Ende der Regierung
Hadrians fielen die Alanen, im Einverstaendnis, wie es scheint, mit dem
damaligen Koenig von Iberien, Pharasmanes II., dem es zunaechst oblag, ihnen den
Kaukasuspass zu sperren, in die suedlichen Landschaften ein und pluenderten
nicht bloss das Gebiet der Albaner und der Armenier, sondern auch die parthische
Provinz Medien und die roemische Provinz Kappadokien; wenn es auch nicht zu
gemeinschaftlicher Kriegfuehrung kam, sondern das Gold des damals in Parthien
regierenden Herrschers Vologasos' III. und die Mobilmachung der kappadokischen
Armee von seiten der Roemer ^59 die Barbaren zur Umkehr bestimmten, so gingen
die Interessen doch zusammen und die Beschwerde, welche die Parther in Rom ueber
Pharasmanes von Iberien fuehrten, zeigt das Zusammenhalten der beiden
Grossmaechte ^60.
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^54 Unmoeglich kann Hadrian Armenien aus dem roemischen Lehnsverband
entlassen haben. Die Notiz des Biographen (c. 21): Armeniis regem habere
permisit, cum sub Traiano legatum habuissent fuehrt vielmehr auf das Gegenteil,
und wir finden am Ende der Hadrianischen Regierung im Heer des Statthalters von
Kappadokien das Kontingent der Armenier (Arr. Alan. 29). Pius hat nicht bloss
die Parther durch seine Vorstellungen bestimmt, von der beabsichtigten Invasion
Armeniens abzustehen (Vita 9), sondern auch Armenien in der Tat zu Lehen gegeben
(Muenzen aus den Jahren 140-144, Eckhel 7, S. 15). Auch dass Iberien sicher
unter Pius im Lehnsverband gestanden hat, weil sonst die Parther ueber deren
Koenig nicht haetten in Rom Beschwerde fuehren koennen (Dio 69, 15), setzt das
gleiche Lehnsverhaeltnis fuer Armenien voraus. Die Namen der armenischen Koenige
dieser Zeit sind nicht bekannt. Wenn die proximae gentes, mit deren Herrschaft
Hadrian den von Traian zum parthischen Koenig bestellten Partherfuersten
entschaedigte (vita c. 5), in der Tat die Armenier sind, was nicht
unwahrscheinlich ist, so liegt darin eine Bestaetigung sowohl der dauernden
Abhaengigkeit Armeniens von Rom wie der fortdauernden Herrschaft der Arsakiden
daselbst. Auch der A?r/e/lios Pakoros basileys megal/e/s Armenias der seinem in
Rom verstorbenen Bruder Aurelius Merithates dort ein Grabmal errichtete (CIG
6559), gehoert seinem Namen nach zu dem Haus der Arsakiden. Schwerlich aber ist
er der von Vologasos IV. ein- und von den Roemern abgesetzte Koenig von
Armenien; waere dieser gefangen nach Rom gekommen, so wuerden wir es wissen, und
es haette auch dieser kaum in einer roemischen Inschrift sich Koenig von Gross-
Armenien nennen duerfen.
^55 Als belehnt von Traianus oder Hadrianus fuehrt Arrian (peripl. m. Eux.
c. 15) auf die Heniocher und Machelonen (vgl. Dio 68,18; 71, 14); die Lazen
(vgl. Suidas u. d. W. Dometianos), denen auch Pius einen Koenig setzte (vita 9);
die Apsilen; die Absager; die Sanigen; diese alle innerhalb der bis Dioskurias =
Sebastopolis reichenden Reichsgrenze; jenseits derselben im Bereich des