Vologasos eine Gesandtschaft an die roemische Regierung und erklaerte die
Bereitwilligkeit seines Bruders, das Land von Rom zu Lehen zu nehmen.
Diese Massnahmen Corbulos waren bedenklicher Art ^34 und fuehrten zu einer
ueblen Verwicklung. Der roemische Feldherr mag wohl mehr noch als die
Staatsmaenner in Rom von der Nutzlosigkeit des Festhaltens von Armenien
durchdrungen gewesen sein; aber nachdem die roemische Regierung den Tigranes als
Koenig von Armenien eingesetzt hatte, durfte er nicht von sich aus auf die
frueher gestellten Bedingungen zurueckgreifen, am wenigsten seine eigenen
Eroberungen preisgeben und die roemischen Truppen aus Armenien zurueckziehen. Er
war dazu um so weniger berechtigt, als er Kappadokien und Armenien nur
interimistisch verwaltete und selbst der Regierung erklaert hatte, dass er nicht
imstande sei, zugleich dort und in Syrien das Kommando zu fuehren; woraufhin der
Konsular Lucius Caesennius Paetus zum Statthalter von Kappadokien ernannt und
auch dorthin bereits unterwegs war. Der Verdacht ist kaum abzuweisen, dass
Corbulo diesem die Ehre der schliesslichen Unterwerfung Armeniens nicht goennte
und durch den faktischen Friedensschluss mit den Parthern vor seinem Eintreffen
ein Definitivum herzustellen wuenschte. Die roemische Regierung lehnte denn auch
die Antraege des Vologasos ab und bestand auf der Festhaltung Armeniens, das,
wie der neue, im Laufe des Sommers 61 in Kappadokien eingetroffene Statthalter
erklaerte, sogar in unmittelbare roemische Verwaltung genommen werden sollte. Ob
die roemische Regierung in der Tat sich entschlossen hatte, so weit zu gehen,
ist nicht auszumachen; aber es lag dies allerdings in der Konsequenz ihrer
Politik. Die Einsetzung eines von Rom abhaengigen Koenigs war nur die
Verlaengerung des bisherigen unhaltbaren Zustandes; wer die Abtretung Armeniens
an die Parther nicht wollte, musste die Umwandlung des Koenigreichs in eine
roemische Provinz ins Auge fassen. Der Krieg hatte also seinen Fortgang; es
wurde darum auch eine der moesischen Legionen dem kappadokischen Heer zugesandt.
Als Paetus eintraf, lagerten die beiden von Corbulo ihm zugewiesenen Legionen
diesseits des Euphrat in Kappadokien; Armenien war geraeumt und musste wieder
erobert werden. Paetus ging sofort an das Werk, ueberschritt bei Melitene
(Malatia) den Euphrat, rueckte in Armenien ein und bezwang die naechsten Burgen
an der Grenze. Indes die vorgerueckte Jahreszeit noetigte ihn bald, die
Operationen einzustellen und auf die beabsichtigte Wiederbesetzung Tigranokertas
fuer dies Jahr zu verzichten; doch nahm er, um im naechsten Fruehjahr den Marsch
sogleich wieder aufzunehmen, nach Corbulos Beispiel die Winterquartiere in
Feindesland bei Rhandeia, an einem Nebenfluss des Euphrat, dem Arsanias, unweit
des heutigen Charput, waehrend der Tross und die Weiber und Kinder unweit davon
in dem festen Kastell Arsamosata untergebracht wurden. Aber er hatte die
Schwierigkeit des Unternehmens unterschaetzt. Die eine und die beste seiner
Legionen, die moesische, war noch auf dem Marsch und ueberwinterte diesseits des
Euphrat im pontischen Gebiet; die beiden anderen waren nicht diejenigen, welche
Corbulo kriegen und siegen gelehrt hatte, sondern die frueheren syrischen des
Quadratus, unvollzaehlig und ohne durchgreifende Reorganisation kaum brauchbar.
Dabei stand er nicht wie Corbulo den Armeniern allein, sondern der Hauptmasse
der Parther gegenueber; Vologasos hatte, als es mit dem Kriege Ernst ward, den
Kern seiner Truppen aus Mesopotamien nach Armenien gefuehrt und den
strategischen Vorteil, dass er die inneren und kuerzeren Linien beherrschte,
verstaendig zur Geltung gebracht. Corbulo haette, zumal da er den Euphrat
ueberbrueckt und am anderen Ufer Brueckenkoepfe angelegt hatte, diesen Abmarsch
durch einen rechtzeitigen Einfall in Mesopotamien wenigstens erschweren oder
doch wettmachen koennen; aber er ruehrte sich nicht aus seinen Stellungen und
ueberliess es Paetus, sich der Gesamtmacht der Feinde zu erwehren, wie er
konnte. Dieser war weder selber Militaer noch bereit, militaerischen Rat
anzunehmen und zu befolgen, nicht einmal ein Mann von entschlossenem Charakter,
uebermuetig und ruhmredig im Anlauf, verzagt und kleinmuetig gegenueber dem
Misserfolg. Also kam, was kommen musste. Im Fruehling 62 griff nicht Paetus an,
sondern Vologasos; die vorgeschobenen Truppen, welche den Parthern den Weg
verlegen sollten, wurden von der Uebermacht erdrueckt; der Angriff verwandelte
sich rasch in eine Belagerung der roemischen weit auseinandergezogenen
Stellungen in dem Winterlager und dem Kastell. Die Legionen konnten weder
vorwaerts noch zurueck; die Soldaten desertierten massenweise; die einzige
Hoffnung ruhte auf Corbulos fern im noerdlichen Syrien, ohne Zweifel bei Zeugma,
untaetig lagernden Legionen. In die Schuld der Katastrophe teilten sich beide
Generale, Corbulo wegen des verspaeteten Aufbruchs zur Hilfe ^35, obwohl er
dann, als er den ganzen Umfang der Gefahr erkannte, den Marsch nach Moeglichkeit
beschleunigte, Paetus, weil er den kuehnen Entschluss, lieber unterzugehen als
zu kapitulieren, nicht zu fassen vermochte und damit die nahe Rettung
verscherzte; noch drei Tage laenger und die 5000 Mann, welche Corbulo
heranfuehrte, haetten die ersehnte Hilfe gebracht. Die Bedingungen der
Kapitulation waren freier Abzug fuer die Roemer und Raeumung Armeniens unter
Auslieferung aller von ihnen besetzten Kastelle und aller in ihren Haenden
befindlichen Vorraete, deren die Parther dringend benoetigt waren. Dagegen
erklaerte Vologasos sich bereit, trotz dieses militaerischen Erfolges Armenien
als roemisches Lehen fuer den Bruder von der kaiserlichen Regierung zu erbitten
und deswegen Gesandte an Nero zu senden ^36. Die Maessigung des Siegers kann
darauf beruhen, dass er von Corbulos Annaehern bessere Kunde hatte als die
eingeschlossene Armee; aber wahrscheinlicher lag dem vorsichtigen Mann gar
nichts daran, die Katastrophe des Crassus zu erneuern und wiederum roemische
Adler nach Ktesiphon zu bringen. Die Niederlage einer roemischen Armee, das
wusste er, war nicht die Ueberwaeltigung Roms und die reale Konzession, welche
in der Anerkennung des Tiridates lag, ward durch die Nachgiebigkeit in der Form
nicht allzu teuer erkauft.
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^34 Aus der Darstellung des Tacitus (ann. 15, 6) sieht die Parteilichkeit
und die Verlegenheit deutlich heraus. Die Auslieferung Armeniens an Tiridates
auszusprechen, wagt er nicht und laesst sie den Leser nur schliessen.
^35 Das sagt Tacitus selbst (arm. 15, 10): nec a Corbulone properatum, quo
gliscentibus periculis etiam subsidii laus augeretur, in naiver Unbefangenheit
ueber den schweren Tadel, den dieses Lob in sich traegt. Wie parteiisch der
ganze, auf Corbulos Depeschen beruhende Bericht gehalten ist, beweist unter
anderem, dass dem Paetus in einem Atem die ungenuegende Verproviantierung des
Lagers (15, 8) und die Uebergabe desselben trotz reichlicher Vorraete (15 16)
zum Vorwurf gemacht und die letztere Tatsache daraus geschlossen wird, dass die
abziehenden Roemer die nach der Kapitulation den Parthern auszuliefernden
Vorraete lieber zerstoerten. Wie die Erbitterung gegen Tiberius in der
Schoenfaerberei des Germanicus, so hat die gegen Nero in der des Corbulo ihren
Ausdruck gefunden.
^36 Corbulos Angabe, dass Paetus in Gegenwart seiner Soldaten und der
parthischen Abgesandten sich eidlich verpflichtet habe, bis zum Eintreffen der
Antwort Neros keine Truppen nach Armenien zu schicken, erklaert Tacitus (ann.
15, 16) fuer unglaubwuerdig; der Sachlage entspricht sie, und es ist auch nicht
dagegen gehandelt worden.
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Die roemische Regierung lehnte das Anerbieten des Partherkoenigs abermals
ab und befahl die Fortsetzung des Krieges. Sie konnte nicht wohl anders; war die
Anerkennung des Tiridates vor dem Wiederbeginn des Krieges bedenklich und nach
der parthischen Kriegserklaerung kaum annehmbar, so erschien sie jetzt, als
Konsequenz der Kapitulation von Rhandeia, geradezu als deren Ratifikation. Von
Rom aus wurde die Wiederaufnahme des Kampfes gegen die Parther in energischer
Weise betrieben. Paetus wurde abberufen; Corbulo, in dem die durch die
schimpfliche Kapitulation erregte oeffentliche Meinung nur den Besieger
Armeniens sah und den auch die, welche die Sachlage genau kannten und scharf
beurteilten, nicht umhin konnten, als den faehigsten und fuer diesen Krieg
einzig geeigneten Feldherrn zu bezeichnen, uebernahm wieder die
Statthalterschaft von Kappadokien, aber zugleich das Kommando ueber saemtliche
fuer diesen Feldzug verwendbare Truppen, welche noch weiter durch eine siebente,
aus Pannonien herbeigerufene Legion verstaerkt wurden; demnach wurde alle
Statthalter und Fuersten des Orients angewiesen, in militaerischen
Angelegenheiten seinen Anordnungen Folge zu leisten, so dass seine Amtsgewalt
derjenigen, welche den Kronprinzen Gaius und Germanicus fuer ihre Sendungen in
den Orient beigelegt worden war, ziemlich gleichkam. Wenn diese Massregeln eine
ernste Reparation der roemischen Waffenehre herbeifuehren sollten, so verfehlten
sie ihren Zweck. Wie Corbulo die Sachlage ansah, zeigte schon das Abkommen, das
er nicht lange nach der Katastrophe von Rhandeia mit dem Partherkoenig traf:
dieser zog die parthischen Besatzungen aus Armenien zurueck, die Roemer raeumten
die auf mesopotamischem Gebiet zum Schutz der Bruecken angelegten Kastelle. Fuer
die roemische Offensive waren die parthischen Besatzungen in Armenien ebenso
gleichgueltig wie die Euphratbruecken wichtig; sollte dagegen Tiridates als
roemischer Lehnskoenig in Armenien anerkannt werden, so waren allerdings die
letzteren ueberfluessig und parthische Besatzungen in Armenien unmoeglich. Im
naechsten Fruehjahr 63 schritt Corbulo allerdings zu der ihm anbefohlenen
Offensive und fuehrte die vier besten seiner Legionen bei Melitene ueber den
Euphrat gegen die in der Gegend von Arsamosata stehende parthisch-armenische
Hauptmacht. Aber aus dem Schlagen ward nicht viel; nur einige Schloesser
armenischer, antiroemisch gesinnter Adliger wurden zerstoert. Dagegen fuehrte
auch diese Begegnung zum Vertragen. Corbulo nahm die frueher von seiner
Regierung zurueckgewiesenen parthischen Antraege an und zwar, wie der weitere
Verlauf der Dinge zeigte, in dem Sinne, dass Armenien ein fuer allemal eine
parthische Sekundogenitur ward und die roemische Regierung, wenigstens nach dem
Geiste des Abkommens, darauf einging, diese Krone in Zukunft nur an einen
Arsakiden zu verleihen. Hinzugefuegt wurde nur, dass Tiridates sich verpflichten
solle, in Rhandeia, eben da, wo die Kapitulation geschlossen worden war,
oeffentlich unter den Augen der beiden Armeen das koenigliche Diadem vom Haupte
zu nehmen und es vor dem Bildnis des Kaisers niederzulegen, gelobend, es nicht
wieder aufzusetzen, bevor er es aus seiner Hand und zwar in Rom selbst empfangen
haben werde. So geschah es (63). Durch diese Demuetigung wurde daran nichts
geaendert, dass der roemische Feldherr, statt den ihm aufgetragenen Krieg zu
fuehren, auf die von seiner Regierung verworfenen Bedingungen Frieden schloss
^37. Aber die frueher leitenden Staatsmaenner waren inzwischen gestorben oder
zurueckgetreten und das persoenliche Regiment des Kaisers dafuer installiert,
und auf das Publikum und vor allem auf den Kaiser persoenlich verfehlte der
feierliche Akt in Rhandeia und das in Aussicht gestellte Schaugepraenge der
Belehnung des parthischen Fuersten mit der Krone von Armenien in der
Reichshauptstadt seine Wirkung nicht. Der Friede wurde ratifiziert und erfuellt.
Im Jahre 66 erschien der parthische Fuerst versprochenermassen in Rom, geleitet
von 3000 parthischen Reitern, als Geiseln die Kinder der drei Brueder so wie die
des Monobazos von Adiabene heranfuehrend. Er begruesste kniefaellig seinen auf
dem Markte der Hauptstadt auf dem Kaiserstuhl sitzenden Lehnsherrn und hier
knuepfte dieser ihm vor allem Volke die koenigliche Binde um die Stirn.
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^37 Da nach Tacitus (ann. 15, 25; vgl. Dio 62, 22) Nero die Gesandten des
Vologasos wohlwollend entliess und die Moeglichkeit einer Verstaendigung, wenn
Tiridates persoenlich erscheine, durchblicken liess, so kann Corbulo in diesem
Fall nach seinen Instruktionen gehandelt haben; aber eher moechte dies zu den im
Interesse Corbulos hinzugesetzten Wendungen gehoeren. Dass bei dem Prozess, der
diesem einige Jahre nachher gemacht ward, diese Vorgaenge zur Sprache gekommen
sind, ist wahrscheinlich nach der Notiz, dass einer der Offiziere von der
armenischen Kampagne sein Anklaeger wurde. Die Identitaet des Kohortenpraefekten
Arrius Varus bei Tacitus (ann. 13, 9) und des Primipilen (hist. 3, 6) ist mit
Unrecht bestritten worden; vgl. zu CIL V, 867.
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Die von beiden Seiten zurueckhaltende, man moechte sagen friedliche
Fuehrung des letzten, nominell zehnjaehrigen Krieges und der entsprechende
Abschluss desselben durch den faktischen Uebergang Armeniens an die Parther
unter Schonung der Suszeptibilitaeten des maechtigeren Westreiches trug gute
Frucht. Armenien war unter der nationalen von den Roemern anerkannten Dynastie
mehr von ihnen abhaengig als frueher unter den dem Lande aufgedrungenen
Herrschern. Wenigstens in der zunaechst an den Euphrat grenzenden Landschaft
Sophene blieb roemische Besatzung ^38. Fuer die Wiederherstellung von Artaxata
wurde die Erlaubnis des Kaisers erbeten und gewaehrt, und der Bau von Kaiser
Nero mit Geld und Arbeitern gefoerdert. Zwischen den beiden maechtigen Staaten,
die der Euphrat voneinander schied, hat zu keiner Zeit ein gleich gutes
Verhaeltnis bestanden wie nach dem Abschluss des Vertrages von Rhandeia in den
letzten Jahren Neros und weiter unter den drei Herrschern des Flavischen Hauses.
Noch andere Umstaende trugen dazu bei. Die transkaukasischen Voelkermassen,
vielleicht gelockt durch ihre Beteiligung an den letzten Kriegen, waehrend
welcher sie als Soeldner teils der Iberer, teils der Parther den Weg nach
Armenien gefunden hatten, fingen damals an, vor allem die westlichen parthischen
Provinzen, aber zugleich die oestlichen des Roemischen Reiches zu bedrohen.
Wahrscheinlich um ihnen zu wehren, wurde unmittelbar nach dem Armenischen Kriege
im Jahre 63 die Einziehung des sogenannten Pontischen Koenigreichs verfuegt, das
heisst der Suedostecke der Kueste des Schwarzen Meeres mit der Stadt Trapezus
und dem Phasisgebiet. Die grosse orientalische Expedition, welche Kaiser Nero
eben anzutreten im Begriff war, als ihn die Katastrophe ereilte (68), und fuer
welche er bereits die Kerntruppen des Westens teils nach Aegypten, teils an die
Donau in Marsch gesetzt hatte, sollte freilich auch nach anderen Seiten hin die
Reichsgrenze vorschieben ^39; aber der eigentliche Zielpunkt waren die
Kaukasuspaesse oberhalb Tiflis und die am Nordabhang ansaessigen skythischen
Staemme, zunaechst die Alanen ^40. Eben diese berannten einerseits Armenien,
andererseits Medien. Jene Neronische Expedition richtete sich so wenig gegen die
Parther, dass sie vielmehr aufgefasst werden konnte als diesen zur Hilfe
unternommen; den wilden Horden des Nordens gegenueber war fuer die beiden
Kulturstaaten des Westens und des Ostens gemeinsame Abwehr allerdings angezeigt.
Vologasos lehnte freilich die freundschaftliche Aufforderung seines roemischen
Kollegen, ihn ebenso wie der Bruder in Rom zu besuchen, in gleicher
Freundschaftlichkeit ab, da ihn keineswegs geluestete, auch seinerseits als
Lehnstraeger des roemischen Herrschers auf dem roemischen Markt zu figurieren;
aber er erklaerte sich bereit, dem Kaiser sich vorzustellen, wenn dieser im
Orient eintreffen werde, und nicht die Roemer, aber wohl die Orientalen haben
Nero aufrichtig betrauert. Koenig Vologasos richtete an den Senat offiziell das
Ersuchen, Neros Gedaechtnis in Ehren zu halten, und als spaeterhin ein Pseudo-
Nero auftrat, fand er vor allem im Partherstaat Sympathien.
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^38 In Ziata (Charput) haben sich zwei Inschriften eines Kastells gefunden,
welches eine der von Corbulo ueber den Euphrat gefuehrten Legionen, die 3.
Gallica, dort auf Corbulos Geheiss im Jahre 64 anlegte (Eph. epigr. V, p. 25).
^39 Nero beabsichtigte inter reliqua bella auch einen aethiopischen (Plin.
nat. 6, 29, 182, vgl. 184). Darauf beziehen sich die Truppensendungen nach
Alexandreia (Tac. hist. 1, 31, 70).
^40 Als Zielpunkt der Expedition bezeichnen sowohl Tacitus (hist. 1, 6) wie
Sueton (Nero 19) die kaspischen Tore, d. h. den Kaukasuspass zwischen Tiflis und
Wladi-Kawkas bei Darial, welchen nach der Sage Alexander mit eisernen Pforten
schloss (Plin. nat. 6, 11, 30; Ios. bel. Iud. 7, 7, 4; Prok. Pers. 1, 10).
Sowohl nach dieser Lokalitaet wie nach der ganzen Anlage der Expedition kann
dieselbe unmoeglich gegen die Albaner am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres
sich gerichtet haben; hier sowohl wie an einer anderen Stelle (arm. 2, 68: ad
Armenios, inde Albanos Heniochosque) koennen nur die Alanen gemeint sein, die
bei Josephus a. a. O. und sonst eben an dieser Stelle erscheinen und oefter mit
den kaukasischen Albanern verwechselt worden sind. Verwirrt ist freilich auch
der Bericht des Josephus. Wenn hier die Alanen mit Genehmigung des Koenigs der
Hyrkaner durch die kaspischen Tore in Medien und dann in Armenien einfallen, so
hat der Schreiber an das andere kaspische Tor oestlich von Rhagae gedacht; aber
dies wird sein Versehen sein, da der letztere im Herzen des Parthischen Reichs
gelegene Pass unmoeglich das Ziel der Neronischen Expedition gewesen sein kann
und die Alanen nicht am oestlichen Ufer des Kaspischen Meeres, sondern
nordwaerts vom Kaukasus sassen. Dieser Expedition wegen wurde die beste der
roemischen Legionen, die 14., aus Britannien abgerufen, die freilich nur bis
Pannonien kam (Tac. hist. 2, 11, vgl. 27. 66), und eine neue Legion, die 1.
italische, von Nero gebildet (Suet. Nero 19). Man sieht daraus, in welchem
Rahmen sie entworfen war.
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Indes war es dem Parther nicht so sehr um die Freundschaft Neros zu tun als
um die des roemischen Staates. Nicht bloss enthielt er sich waehrend der Krisen
des Vierkaiserjahres jedes Uebergriffes ^41, sondern er bot Vespasian, den
wahrscheinlichen Ausgang des schwebenden Entscheidungskampfes richtig
schaetzend, noch in Alexandreia 40000 berittene Schuetzen zum Kampfe gegen
Vitellius an, was natuerlich dankend abgelehnt ward. Vor allem aber fuegte er
sich ohne weiteres den Anordnungen, welche die neue Regierung fuer den Schutz
der Ostgrenze traf. Vespasian hatte selbst als Statthalter von Judaea die
Unzulaenglichkeit der dort staendig verwendeten Streitkraefte kennengelernt; und
als er diese Statthalterschaft mit der Kaisergewalt vertauschte, wurde nicht nur
Kommagene wieder nach dem Vorgang des Tiberius aus einem Koenigreich eine
Provinz, sondern es ward auch die Zahl der staendigen Legionen im roemischen
Asien von vier auf sieben erhoeht, auf welche Zahl sie voruebergehend fuer den
Parthischen und wieder fuer den Juedischen Krieg gebracht worden waren. Waehrend
ferner es bis dahin in Asien nur ein einziges groesseres Militaerkommando, das
des Statthalters von Syrien, gegeben hatte, wurden jetzt drei derartige
Oberbefehlshaberstellen daselbst eingerichtet. Syrien, zu dem Kommagene
hinzutrat, behielt wie bisher vier Legionen; die beiden bisher nur mit Truppen
zweiter Ordnung besetzten Provinzen Palaestina und Kappadokien wurden die erste
mit einer, die zweite mit zwei Legionen belegt ^42, Armenien blieb roemisches
Lehnsfuerstentum im Besitz der Arsakiden; aber unter Vespasian stand roemische
Besatzung jenseits der armenischen Grenze in dem iberischen Kastell Harmozika
bei Tiflis ^43, und danach muss in dieser Zeit auch Armenien militaerisch in
roemischer Gewalt gewesen sein. Alle diese Massregeln, so wenig sie auch nur
eine Kriegsdrohung enthielten, richteten die Spitze gegen den oestlichen
Nachbarn. Dennoch war Vologasos nach dem Fall Jerusalems der erste, der dem
roemischen Kronprinzen seinen Glueckwunsch zu der Befestigung der roemischen
Herrschaft in Syrien darbrachte, und die Einrichtung der Legionslager in
Kommagene, Kappadokien und Klein-Armenien nahm er ohne Widerrede hin. Ja er
regte sogar bei Vespasian jene transkaukasische Expedition wieder an und erbat
die Sendung einer roemischen Armee gegen die Alanen unter Fuehrung eines der
kaiserlichen Prinzen; obwohl Vespasian auf diesen weitaussehenden Plan nicht
einging, so kann doch jene roemische Truppe in der Gegend von Tiflis kaum zu
anderem Zweck hingeschickt worden sein als zur Sperrung des Kaukasuspasses und
vertrat insofern dort auch die Interessen der Parther. Trotz der Verstaerkung
der militaerischen Stellung Roms am Euphrat oder auch vielleicht infolge
derselben - denn dem Nachbarn Respekt einzufloessen, ist auch ein Mittel, den
Frieden zu erhalten - blieb der Friedensstand waehrend der gesamten Herrschaft
der Flavier wesentlich ungestoert. Wenn, wie das zumal bei dem steten Wechsel
der parthischen Dynasten nicht befremden kann, ab und zu Kollisionen eintraten
und selbst Kriegswolken sich zeigten, so verschwanden sie wieder ebenso rasch
^44. Das Auftreten eines falschen Nero in den letzten Jahren Vespasians - es ist
derjenige, der zu der Offenbarung Johannis den Anstoss gegeben hat - haette fast
zu einer solchen Kollision gefuehrt. Der Praetendent, in Wirklichkeit ein
gewisser Terentius Maximus aus Kleinasien, aber in Antlitz und Stimme und
Kuensten dem Saengerkaiser taeuschend aehnlich, fand nicht bloss Zulauf in dem
roemischen Gebiet am Euphrat, sondern auch Unterstuetzung bei den Parthern. Bei
diesen scheinen damals, wie so oft, mehrere Herrscher miteinander im Kampfe
gelegen und der eine von ihnen, Artabanos, weil Kaiser Titus sich gegen ihn
erklaerte, die Sache des roemischen Praetendenten aufgenommen zu haben. Indes es
hatte dies keine Folgen; vielmehr lieferte bald darauf die parthische Regierung
den Praetendenten an Kaiser Domitianus aus ^45. Der fuer beide Teile
vorteilhafte Handelsverkehr von Syrien nach dem unteren Euphrat, wo eben damals
Koenig Vologasos nicht weit von Ktesiphon das neue Emporium Vologasias oder
Vologasokerta ins Leben rief, wird das seinige dazu beigetragen haben, den
Friedensstand zu foerdern.
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^41 In welchem Zusammenhang er dem Vespasian den Kaisertitel verweigerte
(Dio 66, 11), erhellt nicht; moeglicherweise unmittelbar nach dessen
Schilderhebung, bevor er erkannt hatte, dass die Flavianer die staerkeren seien.
Seine Verwendung fuer die Fuersten von Kommagene (Ios. bel. Iud. 7, 7, 3) war
von Erfolg, also rein persoenlich, keineswegs ein Protest gegen die Umwandlung
des Koenigreichs in eine Provinz.
^42 Die vier syrischen Legionen sind die 3. Gallica, die 6. ferrata (beide
bisher in Syrien), die 4. Scythica (bisher in Moesien, aber bereits am
Parthischen wie am Juedischen Kriege beteiligt) und die 16. Flavia (neu). Die
eine Legion von Palaestina ist die 10. fretensis (bisher in Syrien). Die zwei
von Kappadokien sind die 12. fulminata (bisher in Syriern von Titus nach
Melitene gelegt. Ios. bel. Iud. 7, 1, 3) und die 15. Apollinaris (bisher in
Pannonien, aber gleich der 4. Scythica am Parthischen wie am Juedischen Kriege