Caesars, die Koenigin Kleopatra, zu der seinigen oder vielmehr zu seiner Gattin
gemacht hatte, so erhielt ihr Bastard von Caesar, Caesarion, schon frueher
anerkannt als Mitherrscher in Aegypten ^22, die Anwartschaft auf das alte
Ptolemaeerreich, die auf Syrien ihr Bastard von Antonius, Ptolemaeos
Philadelphos. Einem anderen Sohn, den sie dem Antonius geboren hatte, dem schon
erwaehnten Alexander, ward fuer jetzt Armenien zugeteilt als Abschlagzahlung auf
die ihm weiter zugedachte Herrschaft des Ostens. Mit diesem nach orientalischer
Art geordneten Grosskoenigtum ^23 dachte er den Prinzipat ueber den Okzident zu
vereinigen. Er selbst hat nicht den Koenigsnamen angenommen, vielmehr seinen
Landsleuten und den Soldaten gegenueber nur diejenigen Titel gefuehrt, die auch
Caesar zukamen. Aber auf Reichsmuenzen mit lateinischer Aufschrift heisst
Kleopatra Koenigin der Koenige, ihre Soehne von Antonius wenigstens Koenige; den
Kopf seines aeltesten Sohnes zeigen die Muenzen neben dem des Vaters, als
verstaende die Erblichkeit sich von selbst; die Ehe und die Erbfolge der echten
und der Bastardkinder wird von ihm behandelt, wie es bei den Grosskoenigen des
Ostens Gebrauch ist oder, wie er selbst sagte, mit der goettlichen Freiheit
seines Ahnherrn Herakles ^24; jenen Alexander und dessen Zwillingsschwester
Kleopatra nannte er den ersteren Helios, die letztere Selene nach dem Muster
eben dieser Grosskoenige, und wie einst der Perserkoenig dem fluechtigen
Themistokles eine Anzahl asiatischer Staedte, so schenkte er dem zu ihm
uebergetretenen Parther Monaeses drei Staedte Syriens. Auch in Alexander gingen
der Koenig der Makedonier und der Koenig der Koenige des Ostens einigermassen
nebeneinander her, und auch ihm war fuer das Lagerzelt von Gaugamela das
Brautbett in Susa der Lohn; aber seine roemische Kopie zeigt in ihrer
Genauigkeit ein starkes Element der Karikatur.
----------------------------------------
^22 Als Mitherrscher Aegyptens ist der Bastard Caesars Ptolemaios o kai
Kaisar theos philopat/o/r philom/e/t/o/r, wie seine Koenigsbenennung lautet (CIG
4717), eingetreten in dem aegyptischen Jahr 29. Aug. 711/12, wie die
Jahresrechnung ausweist (Westher Bullettino dell' Instituto 1866, S. 199; Krall,
Wiener Studien 5, S. 313). Da er an den Platz des Gatten und Bruders seiner
Mutter Ptolemaeos des Juengeren tritt, so wird dessen Beseitigung durch
Kleopatra, deren naehere Umstaende nicht bekannt sind, eben damals erfolgt sein
und den Anlass gegeben haben, ihn als Koenig von Aegypten zu proklamieren. Auch
Dio (47, 31) setzt seine Ernennung in den Sommer des Jahres 712 vor die Schlacht
von Philippi. Dieselbe ist also nicht Antonius' Werk, sondern von den beiden
Herrschern gemeinschaftlich genehmigt zu einer Zeit, wo ihnen daran gelegen sein
musste, der Koenigin von Aegypten, die allerdings von Anfang an auf ihrer Seite
gestanden hatte, entgegenzukommen.
^23 Das meint Augustus, wenn er sagt, dass er die grossenteils unter
Koenige verteilten Provinzen des Orients wieder zum Reiche gebracht habe (Mop.
Ancyr. 5, 41: provincias omnis, quae trans Hadrianum mare vergunt ad orientem,
Cyrenasque, iam ex parte magna regibus eas possidentibus . . . reciperavi).
^24 Die Dezenz, die fuer Augustus ebenso charakteristisch ist wie fuer
seinen Kollegen das Gegenteil, verleugnet sich auch hier nicht. Nicht bloss
wurde in Betreff Caesarions die Vaterschaft, die der Diktator selbst so gut wie
anerkannt hatte, spaeterhin offiziell verleugnet; auch die Kinder des Antonius
von der Kleopatra, wo freilich nichts zu verleugnen war, sind wohl als Glieder
des kaiserlichen Hauses betrachtet, aber nie foermlich als Kinder des Antonius
anerkannt worden. Im Gegenteil heisst der Sohn der Tochter des Antonius von
Kleopatra, der spaetere Koenig von Mauretanien Ptolemaeos in der athenischen
Inschrift CIA III, 555 Enkel des Ptolemaeos; denn Ptolemaioy ekgonos kann in
diesem Zusammenhang nicht wohl anders gefasst werden. Man erfand in Rom diesen
muetterlichen Grossvater, um den wirklichen offiziell verschweigen zu koennen.
Wer es vorzieht, was O. Hirschfeld vorschlaegt, ekgonos als Urenkel zu nehmen
und auf den muetterlichen Urgrossvater zu beziehen, kommt zu demselben Resultat;
denn dann ist der Grossvater uebergangen, weil die Mutter im Rechtssinne
vaterlos war.
Ob die Fiktion, die mir wahrscheinlicher ist, so weit ging, einen
bestimmten Ptolemaeos zu bezeichnen, etwa dem im Jahre 712 gestorbenen letzten
Lagiden das Leben zu verlaengern, oder ob man sich begnuegte, im allgemeinen den
Vater zu fingieren, ist nicht zu entscheiden. Aber auch darin hielt man die
Fiktion fest, dass der Sohn der Tochter des Antonius den Namen des fiktiven
Grossvaters erhielt. Dass dabei der Herkunft von den Lagiden vor derjenigen von
Massinissa der Vorzug gegeben ward, mag wohl mehr durch die Ruecksicht auf das
kaiserliche Haus herbeigefuehrt sein, welches das Bastardkind als zugehoerig
behandelte, als durch die hellenischen Neigungen des Vaters.
----------------------------------------
Ob Antonius gleich bei der Uebernahme des Regiments im Osten seine Stellung
in dieser Weise aufgefasst, ist nicht zu entscheiden; vermutlich ist die
Schaffung eines neuen orientalischen Grosskoenigtums in Verbindung mit dem
okzidentalischen Prinzipat allmaehlich in ihm gereift und der Gedanke erst
voellig zu Ende gedacht worden, nachdem er im Jahre 717 (37) bei seiner
Rueckkehr aus Italien nach Asien abermals das Verhaeltnis mit der letzten
Koenigin des Lagidenhauses angeknuepft hatte, um es nicht wieder zu zerreissen.
Aber sein Naturell war solchem Unterfangen nicht gewachsen. Eine jener
militaerischen Kapazitaeten, die dem Feind gegenueber und besonders in
schwieriger Lage besonnen und kuehn zu schlagen wissen, fehlte ihm der
staatsmaennische Wille, das sichere Erfassen und entschlossene Verfolgen des
politischen Ziels. Haette der Diktator Caesar ihm die Unterwerfung des Ostens
zur Aufgabe gestellt, so wuerde er sie wohl geloest haben; zum Herrscher taugte
der Marschall nicht. Nach der Vertreibung der Parther aus Syrien verstrichen
fast zwei Jahre (Sommer 716 bis Sommer 718 38-36), ohne dass irgendein Schritt
zum Ziele getan ward. Antonius selbst, auch darin untergeordnet, dass er seinen
Generalen bedeutende Erfolge ungern goennte, hatte den Besieger des Labienus und
des Pakoros, den tuechtigen Ventidius sofort nach diesem letzten Erfolg entfernt
und selbst den Oberbefehl uebernommen, um die armselige Ehre der Einnahme
Samosatas, der Hauptstadt des kleinen syrischen Dependenzstaats Kommagene, zu
verfolgen und zu verfehlen; aergerlich darueber verliess er den Osten, um in
Italien mit seinem Schwager ueber die kuenftige Ordnung zu verhandeln oder mit
seiner jungen Gattin Octavia sich des Lebens zu freuen. Seine Statthalter im
Osten waren nicht untaetig. Publius Canidius Crassus ging von Armenien aus gegen
den Kaukasus vor und unterwarf daselbst den Koenig der Iberer, Pharnabazos, und
den der Albaner, Zober. Gaius Sossius nahm in Syrien die letzte noch zu den
Parthern haltende Stadt Arados; er stellte ferner in Judaea die Herrschaft des
Herodes wieder her und liess den von den Parthern eingesetzten
Thronpraetendenten, den Hasmonaeer Antigonos, hinrichten. Die Konsequenzen des
Sieges auf roemischem Gebiet wurden also gezogen und bis zum Kaspischen Meer und
der syrischen Wueste die roemische Herrschaft zur Anerkennung gebracht. Aber die
Kriegfuehrung gegen die Parther zu beginnen, hatte sich Antonius selbst
vorbehalten, und er kam nicht.
Als er endlich im Jahre 718 (36) sich nicht Octavias, sondern Kleopatras
Armen entwand und die Heersaeulen in Marsch setzte, war bereits ein guter Teil
der geeigneten Jahreszeit verstrichen. Noch viel auffallender als die Saeumnis
ist die Richtung, welche Antonius waehlte. Frueher und spaeter haben alle
Angriffskriege der Roemer gegen die Parther den Weg auf Ktesiphon eingeschlagen,
die Hauptstadt des Reiches und zugleich an dessen Westgrenze gelegen, also fuer
die am Euphrat oder am Tigris hinabmarschierenden Heere das natuerliche und
naechste Operationsziel. Auch Antonius konnte, nachdem er durch das noerdliche
Mesopotamien ungefaehr auf dem Wege, den Alexander beschritten hatte, an den
Tigris gelangt war, am Fluss hinab auf Ktesiphon und Seleukeia vorruecken. Aber
statt dessen ging er vielmehr in noerdlicher Richtung zunaechst nach Armenien
und von da, wo er seine gesamten Streitkraefte vereinigte und namentlich durch
die armenische Reiterei sich verstaerkte, in die Hochebene von Media Atropatene
(Aserbeidschan). Der verbuendete Koenig von Armenien mag diesen Feldzugsplan
wohl empfohlen haben, da die armenischen Herrscher zu allen Zeiten nach dem
Besitz dieses Nachbarlandes strebten und Koenig Artavazdes von Armenien hoffen
mochte, den gleichnamigen Satrapen von Atropatene jetzt zu bewaeltigen und
dessen Gebiet zu dem seinigen zu fuegen. Aber Antonius selbst ist durch solche
Ruecksichten unmoeglich bestimmt worden. Eher mochte er meinen, von Atropatene
aus in das Herz des feindlichen Landes vordringen zu koennen und die alten
persischen Residenzen Ekbatana und Rhagae als Marschziel betrachten. Aber wenn
er dies plante, handelte er ohne Kenntnis des schwierigen Terrains und
unterschaetzte durchaus die Widerstandskraft des Gegners, wobei die kurze fuer
Operationen in diesem Gebirgsland verfuegbare Zeit und der spaete Beginn des
Feldzugs schwer in die Waagschale fielen. Da ein geschickter und erfahrener
Offizier, wie Antonius war, sich darueber schwerlich hat taeuschen koennen, so
haben wahrscheinlich besondere politische Erwaegungen hier eingewirkt. Phraates'
Herrschaft wankte, wie gesagt ward; Monaeses, von dessen Treue Antonius sich
versichert hielt und den er vielleicht an Phraates' Stelle zu setzen hoffte, war
dem Wunsche des Partherkoenigs gemaess in sein Vaterland zurueckgekehrt ^25;
Antonius scheint auf eine Schilderhebung desselben gegen Phraates gezaehlt und
in Erwartung dieses Buergerkrieges seine Armee in die inneren parthischen
Provinzen gefuehrt zu haben. Es waere wohl moeglich gewesen, in dem befreundeten
Armenien den Erfolg dieses Anschlags abzuwarten, und wenn danach weitere
Operationen erforderlich waren, im folgenden Jahre wenigstens ueber die volle
Sommerzeit zu verfuegen; aber dies Zuwarten missfiel dem hastigen Feldherrn. In
Atropatene traf er nicht bloss auf den hartnaeckigen Widerstand des maechtigen
und halb unabhaengigen Unterkoenigs, der in seiner Hauptstadt Praaspa oder
Phraarta (suedlich vom Urmia-See, vermutlich am oberen Lauf des Djaghatu)
entschlossen die Belagerung aushielt, sondern der feindliche Angriff brachte
auch den Parthern, wie es scheint, den inneren Frieden. Phraates fuehrte ein
stattliches Heer zum Entsatz der angegriffenen Stadt heran. Antonius hatte einen
grossen Belagerungspark mitgefuehrt, aber ungeduldig vorwaerts eilend diesen in
der Obhut von zwei Legionen unter dem Legaten Oppius Stauanus zurueckgelassen.
So kam er seinerseits mit der Belagerung nicht vorwaerts; Koenig Phraates aber
sandte unter eben jenem Monaeses seine Reitermassen in den Ruecken der Feinde
gegen das muehsam nachrueckende Korps des Stauanus. Die Parther hieben die
Deckungsmannschaft nieder, darunter den Feldherrn selbst, nahmen den Rest
gefangen und vernichteten den gesamten Park von 300 Wagen. Damit war der Feldzug
verloren. Der Armenier, an dem Erfolge des Feldzugs verzweifelnd, nahm seine
Leute zusammen und ging heim. Antonius gab nicht sofort die Belagerung auf und
schlug sogar das koenigliche Heer in offener Feldschlacht, aber die flinken
Reiter entrannen ohne wesentlichen Verlust und es war ein Sieg ohne Wirkung. Ein
Versuch, von dem Koenig wenigstens die Rueckgabe der alten und der neu
verlorenen Adler zu erlangen und also wenn nicht mit Vorteil, doch mit Ehren
Frieden zu schliessen, schlug fehl; so leichten Kaufs gab der Parther den
sicheren Erfolg nicht aus der Hand. Er versicherte nur den Abgesandten des
Antonius, dass, wenn die Roemer die Belagerung aufheben wuerden, er sie auf der
Heimkehr nicht belaestigen werde. Diese weder ehrenvolle noch zuverlaessige
feindliche Zusage wird Antonius schwerlich zum Aufbruch bestimmt haben. Es lag
nahe, in Feindesland Winterquartier zu nehmen, zumal da die parthischen Truppen
dauernden Kriegsdienst nicht kannten und voraussichtlich beim Einbrechen des
Winters die meisten Mannschaften heimgegangen sein wuerden. Aber es fehlte ein
fester Stuetzpunkt, und die Zufuhr in dem ausgesogenen Land war nicht gesichert,
vor allen Dingen Antonius selbst einer solchen zaehen Kriegfuehrung nicht
faehig. Also gab er die Maschinen preis, die die Belagerten sofort verbrannten
und trat den schweren Rueckweg an, entweder zu frueh oder zu spaet. Fuenfzehn
Tagemaersche (300 roemische Meilen) durch feindliches Land trennten das Heer von
dem Araxes, dem Grenzfluss Armeniens, wohin trotz der zweideutigen Haltung des
Herrschers allein der Rueckzug gerichtet werden konnte. Ein feindliches Heer von
40000 Berittenen gab trotz der gegebenen Zusage den Abziehenden das Geleit, und
mit dem Abmarsch der Armenier hatten die Roemer den besten Teil ihrer Reiterei
verloren. Die Lebensmittel und die Zugtiere waren knapp, die Jahreszeit weit
vorgerueckt. Aber Antonius fand in der gefaehrlichen Lage seine Kraft und seine
Kriegskunst wieder, einigermassen auch sein Kriegsglueck; er hatte gewaehlt, und
der Feldherr wie die Truppen loesten die Aufgabe in ruehmlicher Weise. Haetten
sie nicht einen ehemaligen Soldaten des Crassus bei sich gehabt, der, zum
Parther geworden, Weg und Steg auf das genaueste kannte und sie statt durch die
Ebene, auf der sie gekommen waren, auf Gebirgswegen zurueckfuehrte, die den
Reiterangriffen weniger ausgesetzt waren - wie es scheint ueber die Berge um
Tabriz -, so wuerde das Heer schwerlich an das Ziel gelangt sein; und haette
nicht Monaeses, in seiner Art dem Antonius die Dankesschuld abtragend, ihn
rechtzeitig von den falschen Zusicherungen und den hinterlistigen Anschlaegen
seiner Landsleute in Kenntnis gesetzt, so waeren die Roemer wohl in einen der
Hinterhalte gefallen, die ihnen mehrfach gelegt wurden. Antonius' Soldatennatur
trat in diesen schweren Tagen oftmals glaenzend hervor, in seiner geschickten
Benutzung jedes guenstigen Moments, in seiner Strenge gegen die Feigen, in
seiner Macht ueber die Soldatengemueter, in seiner treuen Fuersorge fuer die
Verwundeten und die Kranken. Dennoch war die Rettung fast ein Wunder; schon
hatte Antonius einen treuen Leibdiener angewiesen, im aeussersten Fall ihn nicht
lebend in die Haende der Feinde fallen zu lassen. Unter stetigen Angriffen des
tueckischen Feindes, in winterlich kalter Witterung, bald ohne genuegende
Nahrung und oft ohne Wasser erreichten sie in siebenundzwanzig Tagen die
schuetzende Grenze, wo der Feind von ihnen abliess. Der Verlust war ungeheuer;
man rechnete auf jene siebenundzwanzig Tage achtzehn groessere Treffen, und in
einem einzigen derselben zaehlten die Roemer 3000 Tote und 5000 Verwundete. Es
waren eben die Besten und Bravsten, die die stetigen Nachhuts- und
Flankengefechte hinrafften. Das ganze Gepaeck, ein Drittel des Trosses, ein
Viertel der Armee, 20000 Fusssoldaten und 4000 Reiter waren auf diesem medischen
Feldzug zugrunde gegangen, zum grossen Teil nicht durch das Schwert, sondern
durch Hunger und Seuchen. Auch am Araxes waren die Leiden der ungluecklichen
Truppen noch nicht zu Ende. Artavazdes nahm sie als Freund auf und hatte auch
keine andere Wahl; es waere wohl moeglich gewesen, hier zu ueberwintern. Aber
die Ungeduld des Antonius litt dies nicht; der Marsch ging weiter, und bei der
immer rauher werdenden Jahreszeit und dem Gesundheitszustand der Soldaten
kostete dieser letzte Abschnitt der Expedition vom Araxes bis nach Antiocheia,
obwohl kein Feind ihn behinderte, noch weitere 8000 Mann. Wohl ist dieser
Feldzug ein letztes Aufleuchten dessen, was in Antonius' Charakter brav und
tuechtig war, aber politisch seine Katastrophe, um so mehr, als gleichzeitig
Caesar durch die glueckliche Beendigung des sizilischen Krieges die Herrschaft
im Okzident und das Vertrauen Italiens fuer jetzt und alle Zukunft gewann.
-----------------------------------------------
^25 Es ist an sich glaublich dass Antonius dem Phraates so lange wie
moeglich die bevorstehende Invasion verbarg und darum bei Ruecksendung des
Monaeses sich bereit erklaerte, auf Grund der Rueckgabe der verlorenen
Feldzeichen Frieden zu schliessen (Plut. Ant. 37; Dio 49, 24; Florus 2, 20 [4,
101). Aber er wusste vermutlich, dass dies Anerbieten nicht wuerde angenommen
werden, und ernst kann es ihm mit diesen Antraegen auf keinen Fall gewesen sein;
ohne Zweifel wollte er den Krieg und den Sturz des Phraates.
-----------------------------------------------
Die Verantwortung fuer den Misserfolg, den zu verleugnen er vergeblich
versuchte, warf Antonius auf die abhaengigen Koenige von Kappadokien und
Armenien, auf den letzteren insofern mit Recht, als dessen vorzeitiger Abmarsch
von Praaspa die Gefahren und die Verluste des Rueckzugs wesentlich gesteigert
hatte. Aber fuer den Feldzugsplan trug nicht er die Verantwortung, sondern
Antonius ^26; und das Fehlschlagen der auf Monaeses gesetzten Hoffnungen, die
Katastrophe des Stauanus, das Scheitern der Belagerung von Praaspa sind nicht
durch den Armenier herbeigefuehrt worden. Die Unterwerfung des Ostens gab
Antonius nicht auf, sondern brach im naechsten Jahre (719 35) abermals aus
Aegypten auf. Die Verhaeltnisse lagen auch jetzt noch verhaeltnismaessig
guenstig. Mit dem medischen Koenig Artavazdes wurde ein Freundschaftsbuendnis
angeknuepft; derselbe war nicht bloss mit dem parthischen Oberherrn in Streit
geraten, sondern grollte auch vor allem dem armenischen Nachbarn und durfte bei
der wohlbekannten Erbitterung des Antonius gegen diesen darauf rechnen, an dem
Feind seines Feindes eine Stuetze zu finden. Alles kam an auf das feste
Einvernehmen der beiden Machthaber, des sieggekroenten Herrn des Westens und des
geschlagenen Herrschers im Osten; und auf die Kunde hin, dass Antonius die
Fortfuehrung des Krieges beabsichtige, begab sich seine rechtmaessige Gattin,
die Schwester Caesars, von Italien nach dem Osten, um ihm neue Mannschaften
zuzufuehren und das Verhaeltnis zu ihr und zu dem Bruder neu zu befestigen. Wenn
Octavia gross genug dachte, trotz des Verhaeltnisses mit der aegyptischen
Koenigin dem Gatten die Hand zur Versoehnung zu bieten, so muss auch Caesar, wie
dies weiter die eben jetzt erfolgende Eroeffnung des Krieges an der italischen
Nordostgrenze bestaetigt, damals noch bereit gewesen sein, das bestehende
Verhaeltnis aufrechtzuerhalten. Beide Geschwister ordneten ihre persoenlichen
Interessen denen des Gemeinwesens in hochherziger Weise unter. Aber wie laut das
Interesse wie die Ehre dafuer sprachen, die hingereichte Hand anzunehmen,
Antonius konnte es nicht ueber sich gewinnen, das Verhaeltnis zu der Aegypterin
zu loesen; er wies die Gattin zurueck, und dies war zugleich der Bruch mit deren
Bruder, und, wie man hinzusetzen kann, der Verzicht auf die Fortfuehrung des
Krieges gegen die Parther. Nun musste, ehe daran gedacht werden konnte, die
Herrschaftsfrage zwischen Antonius und Caesar erledigt werden. Antonius ging
denn auch sofort aus Syrien nach Aegypten zurueck und unternahm in den folgenden
Jahren nichts weiteres zur Ausfuehrung seiner orientalischen Eroberungsplaene;
nur strafte er die, denen er die Schuld des Misserfolgs beimass. Den Koenig von
Kappadokien, Ariarathes, liess er hinrichten ^27 und gab das Koenigreich einem
illegitimen Verwandten desselben, dem Archelaos. Das gleiche Schicksal war dem
Armenier zugedacht. Wenn Antonius, wie er sagte, zur Fortfuehrung des Krieges im
Jahre 720 (34) in Armenien erschien, so hatte dies nur den Zweck, die Person des
Koenigs, der sich geweigert hatte, nach Aegypten zu gehen, in die Gewalt zu
bekommen: Dieser Akt der Rache wurde auf nichtswuerdige Weise im Wege der
Ueberlistung ausgefuehrt und in nicht minder nichtswuerdiger Weise durch eine in
Alexandreia aufgefuehrte Karikatur des kapitolinischen Triumphs gefeiert. Damals
wurde der zum Herrn des Ostens bestimmte Sohn des Antonius, wie frueher
angegeben ward, als Koenig von Armenien eingesetzt und mit der Tochter des neuen
Bundesgenossen, des Koenigs von Medien, vermaehlt, waehrend der aelteste Sohn
des gefangenen und einige Zeit spaeter auf Geheiss der Kleopatra hingerichteten
Koenigs von Armenien, Artaxes, den die Armenier anstatt des Vaters zum Koenig
ausgerufen hatten, landfluechtig zu den Parthern ging. Armenia und Media
Atropatene waren hiermit in Antonius' Gewalt oder ihm verbuendet; die
Fortfuehrung des parthischen Krieges wurde wohl angekuendigt, blieb aber
verschoben bis nach der Ueberwindung des westlichen Rivalen. Phraates
seinerseits ging gegen Medien vor, anfangs ohne Erfolg, da die in Armenien
stehenden roemischen Truppen den Medern Beistand leisteten; aber als im Verlauf
der Ruestungen gegen Caesar Antonius seine Mannschaften von dort abrief,
gewannen die Parther die Oberhand, ueberwanden die Meder und setzten in Medien
so wie auch in Armenien den Koenig Artaxes ein, der, um die Hinrichtung des
Vaters zu vergelten, saemtliche im Lande zerstreute Roemer greifen und toeten
liess. Dass Phraates die grosse Fehde zwischen Antonius und Caesar, waehrend sie
vorbereitet und ausgefochten ward, nicht voller ausnutzte, wurde wahrscheinlich
wieder einmal durch die im eigenen Lande ausbrechenden Unruhen verhindert. Diese
endigten damit, dass er ausgetrieben ward und zu den Skythen des Ostens ging; an
seiner Stelle wurde Tiridates als Grosskoenig ausgerufen. Als die entscheidende
Seeschlacht an der Kueste von Epirus geschlagen ward und dann in Aegypten die
Katastrophe des Antonius sich vollzog, sass in Ktesiphon dieser neue Grosskoenig
auf dem schwankenden Thron und schickten an der entgegengesetzten Reichsgrenze
die Scharen Turans sich an, den frueheren Herrscher wieder an seine Stelle zu
setzen, was ihnen bald darauf auch gelang.
-------------------------------------------
^26 Was darueber Strabon (11, 13, 4 p. 524) offenbar nach der von Antonius'
Waffengefaehrten Dellius und vermutlich auf dessen Geheiss aufgesetzten
Darstellung dieses Krieges (vgl. das. 11, 13 3; Dio 49, 39) berichtet, ist ein
recht klaeglicher Rechtfertigungsversuch des geschlagenen Generals. Wenn
Antonius nicht den naechsten Weg nach Ktesiphon einschlug, so kann dafuer der
Koenig Artavasdes nicht als falscher Wegweiser in Anspruch genommen werden; es
war eine militaerische und wohl mehr noch eine politische Verrechnung des
obersten Feldherrn.
^27 Die Tatsache der Absetzung und der Hinrichtung und die Zeit bezeugen
Dio (49, 32) und Valerius Maximus (9, 15 ext. 2); die Ursache oder der Vorwand
wird mit dem Armenischen Krieg zusammenhaengen.
-------------------------------------------
Der kluge und klare Mann, dem die Liquidation der Unternehmungen des
Antonius und die Feststellung des Verhaeltnisses der beiden Reichsteile zufiel,
bedurfte ebensosehr der Maessigung wie der Energie. Es wuerde der schwerste
Fehler gewesen sein, in Antonius' Gedanken eingehend den Orient oder auch nur im
Orient weiter zu erobern. Augustus erkannte dies; seine militaerischen Ordnungen
zeigen deutlich, dass er zwar den Besitz der syrischen Kueste wie den der
aegyptischen als ein unentbehrliches Komplement fuer das Reich des Mittelmeers